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Wohnungen

„Auf­trags­bü­cher prall gefüllt“ 

Bau-Boom hält an: Hun­der­te neue Woh­nun­gen in der Regi­on Bam­berg gebaut

Boo­men­de Bau­bran­che: In der Stadt Bam­berg wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 205 und im Land­kreis Bam­berg 525 neue Woh­nun­gen gebaut – in Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern, in Rei­hen- und Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern. Das teilt die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt mit. Die IG BAU beruft sich hier­bei auf aktu­el­le Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bundesamts.

Danach flos­sen für den Neu­bau in Bam­berg Inves­ti­tio­nen in Höhe von rund 49,5 Mil­lio­nen Euro, im Land­kreis rund 114 Mil­lio­nen Euro. „Der Boom der Bran­che hält schon seit Jah­ren an. Und es ist kein Ende in Sicht“, sagt Bezirks­vor­sit­zen­der Gerald Nick­las. Der Gewerk­schaf­ter ver­weist auf einen wach­sen­den Berg geneh­mig­ter, aber noch nicht fer­tig­ge­stell­ter Woh­nun­gen, der zu „prall gefüll­ten Auf­trags­bü­chern“ bei den Unter­neh­men füh­re: Nach einer Aus­wer­tung des Pes­tel-Insti­tuts wur­den in der Stadt zwi­schen 2011 und 2019 Bau­ge­neh­mi­gun­gen für rund 600 Woh­nun­gen erteilt, die noch gebaut wer­den müs­sen, im Land­kreis im glei­chen Zeit­raum Bau­ge­neh­mi­gun­gen für rund 1.400 Wohnungen.


Gewerk­schaft for­dert Lohn-Plus

„Es gibt einen regel­rech­ten Stau am Bau. Mau­rer, Zim­mer­leu­te und Flie­sen­le­ger arbei­ten am Anschlag, um die Auf­trags­flut zu bewäl­ti­gen. Statt Kurz­ar­beit und Home­of­fice heißt es bei ihnen: Über­stun­den und Wochen­end­ar­beit“, so Nick­las. Die IG BAU Ober­fran­ken for­dert, die Beschäf­tig­ten in der Regi­on an den guten Geschäf­ten der Fir­men fair zu beteiligen.

In der lau­fen­den Tarif­run­de setzt sich die Gewerk­schaft für ein Ein­kom­mens­plus von 5,3 Pro­zent ein. Außer­dem sol­len die soge­nann­ten Wege­zei­ten, also die lan­gen, meist unbe­zahl­ten Fahr­zei­ten zu den Bau­stel­len, ent­schä­digt wer­den. Dar­über hin­aus sol­len die Lohn­un­ter­schie­de zwi­schen Ost- und West­deutsch­land mehr als 30 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung über­wun­den werden.

„Bau­leu­te machen einen unver­zicht­ba­ren Job: Sie schaf­fen drin­gend benö­tig­ten Wohn­raum, hal­ten Stra­ßen und Brü­cken instand, bau­en Glei­se und errich­ten Wind­rä­der“, betont IG BAU-Ver­hand­lungs­füh­rer Cars­ten Burck­hardt. Zugleich habe die Bau­bran­che die Bin­nen­kon­junk­tur im Coro­na-Kri­sen­jahr 2020 ent­schei­dend sta­bi­li­siert und einen noch stär­ke­ren Ein­bruch ver­hin­dert. „Es ist über­fäl­lig, dass die Arbeit­ge­ber die­se Leis­tung aner­ken­nen“, so Burck­hardt. Die Beschäf­tig­ten erwar­te­ten ein kräf­ti­ges Lohn-Plus und einen Aus­gleich für die oft stun­den­lan­ge Pen­de­lei zu den Bau­stel­len – „das ist Zeit, in der sie ihre Fami­lie nicht sehen, um für den Chef unter­wegs zu sein“.

Nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 306.376 neue Woh­nun­gen in Deutsch­land fer­tig­ge­stellt – ein Plus von 4,6 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr. Damit wur­den so vie­le Woh­nun­gen neu gebaut wie seit 2001 nicht mehr. Die Sta­tis­tik­be­hör­de geht zudem von bun­des­weit rund 780.000 geneh­mig­ten Woh­nun­gen aus, die erst noch gebaut wer­den müs­sen. Die­ser soge­nann­te Bau­über­hang habe ein Rekord­hoch erreicht. Laut Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bau­ge­wer­bes (ZDB) stieg der Umsatz der Bran­che im ver­gan­ge­nen Jahr um sechs Pro­zent auf 143 Mil­li­ar­den Euro.

Die Tarif­ver­hand­lun­gen zwi­schen der IG BAU und den Arbeit­ge­bern gehen am 21. und 22. Juni in Mainz in die zwei­te Runde.

Demo­gra­fie

Man­gel an Senio­ren­woh­nun­gen in und um Bamberg

Immer mehr Senio­ren – aber auch genü­gend alters­ge­rech­ter Wohn­raum? In Stadt und Land­kreis Bam­berg wird mit einem hohen Anstieg des Anteils der Genera­ti­on Ü65 in den kom­men­den Jah­ren gerech­net, wäh­rend der­zeit nur ein klei­ner Teil der Woh­nun­gen als senio­ren­ge­rech­te Woh­nun­gen geeig­net ist.

In der Stadt Bam­berg könn­te die Zahl der Men­schen, die älter als 65 sind, bis zum Jahr 2035 auf 17.800 anwach­sen – das sind 20 Pro­zent mehr als noch im Jahr 2017. Für den Land­kreis Bam­berg wird für die­sen Zeit­raum sogar ein Anstieg auf 41.700 für mög­lich gehal­ten, was 52 Pro­zent mehr als noch im Jahr 2017 bedeu­ten würde.

Der Anteil der Genera­ti­on Ü65 an der Bevöl­ke­rung läge dann bei 21 Pro­zent in der Stadt, bei 29 Pro­zent im Land­kreis Bam­berg. Dar­auf hat die IG Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) hin­ge­wie­sen. Die Gewerk­schaft beruft sich hier­bei auf eine Demo­gra­fie-Pro­gno­se des CIMA Insti­tuts für Regio­nal­wirt­schaft – und for­dert mehr Anstren­gun­gen bei der Schaf­fung senio­ren­ge­rech­ter Woh­nun­gen: „Lift statt Trep­pe, brei­te­re Türen für Rol­la­tor und Roll­stuhl, bar­rie­re­freie Duschen – nur ein klei­ner Teil der Woh­nun­gen in der Stadt und dem Land­kreis ist für die rasant wach­sen­de Genera­ti­on Ü65 geeig­net. Das muss sich ändern“, sagt Gerald Nicklas.

IG BAU for­dert Ver­dop­pe­lung der För­de­rung des Senioren-Wohnens

Der Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Ober­fran­ken spricht von einer „demo­gra­fi­schen Not­wen­dig­keit“. Es müss­ten nicht nur zusätz­li­che Senio­ren­woh­nun­gen neu gebaut wer­den. Auch bei der alters­ge­rech­ten Sanie­rung bestehen­der Woh­nun­gen sei der Nach­hol­be­darf groß. „Wenn die Rent­ner-Genera­ti­on nicht stär­ker berück­sich­tigt wird, droht vie­ler­orts schon in eini­gen Jah­ren eine graue Woh­nungs­not“, betont Nick­las. Die­ses Pro­blem wer­de bereits jetzt durch die Coro­na-Pan­de­mie ver­schärft, weil gera­de älte­re Men­schen einen Groß­teil des Tages zuhau­se ver­brin­gen müssten.

Die staat­li­che Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) bie­te mit ihrem Pro­gramm „Alters­ge­recht Umbau­en“ zwar Zuschüs­se und Kre­di­te. Das För­der­vo­lu­men von 150 Mil­lio­nen Euro in die­sem Jahr rei­che aber nicht aus, kri­ti­siert die IG BAU. Der Bund müs­se die För­de­rung min­des­tens ver­dop­peln, um das Senio­ren-Woh­nen vor­an­zu­brin­gen. Danach sieht es der­zeit aller­dings nicht aus: Laut Haus­halts­plan ste­hen für die alters­ge­rech­ten Sanie­rung im nächs­ten Jahr nur noch 130 Mil­lio­nen Euro zur Verfügung.

Am Ende ste­he die Lebens­qua­li­tät tau­sen­der Men­schen in und um Bam­berg auf dem Spiel. „Es kann nicht sein, dass ein Rent­ner nur des­halb ins teu­re Pfle­ge­heim muss, weil eine ambu­lan­te Betreu­ung an der senio­ren­ge­rech­ten Aus­stat­tung der eige­nen Woh­nung schei­tert“, macht Nick­las deutlich.