Sumpf­schild­krö­ten zie­hen in hes­si­sche Naturschutzgebiete

Tier­gar­ten wil­dert zehn Euro­päi­sche Sumpf­schild­krö­ten aus

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Tiergarten
Eine juvenile Europäische Sumpfschildkröte im Tiergarten Nürnberg. Wenn die Tiere hier ankommen, sind sie in etwa so groß wie eine ein-Euro-Münze. Aufnahme von 2022. Foto: Tiergarten Nürnberg/Luisa Rauenbusch
Zehn Euro­päi­sche Sumpf­schild­krö­ten (Emys orbicu­la­ris) aus der Obhut des Tier­gar­tens der Stadt Nürn­berg wer­den im Lauf des Julis in ver­schie­de­nen hes­si­schen Natur­schutz­ge­bie­ten aus­ge­wil­dert, um fort­an zum Wie­der­auf­bau einer sta­bi­len Popu­la­ti­on in der Natur bei­zu­tra­gen, wie der Tier­gar­ten Nürn­berg mitteilt.

Die Aus­wil­de­rung fin­det im Rah­men eines Arten­schutz­pro­gramms statt, das von der Arbeits­ge­mein­schaft (AG) Sumpf­schild­krö­te initi­iert wur­de. Neben den Tie­ren aus Nürn­berg wer­den 40 wei­te­re Sumpf­schild­krö­ten aus dem Zoo Frank­furt und dem Opel Zoo in die Schutz­ge­bie­te gebracht.

Die zehn Schild­krö­ten sind im Früh­som­mer 2024 als Schlüpf­lin­ge aus Hes­sen zur Auf­zucht in den Tier­gar­ten Nürn­berg gekom­men. Zu jenem Zeit­punkt waren sie etwa so groß wie eine ein-Euro-Mün­ze und wogen zwi­schen drei und neun Gramm. Tier­pfle­ge­rin­nen und Tier­pfle­ger haben sich seit­dem hin­ter den Kulis­sen um die Jung­tie­re geküm­mert und sie groß­ge­zo­gen, bis sie zur Aus­wil­de­rung bereit waren.

„Wir haben die Schild­krö­ten zunächst mit Glanz­wür­mern und Mücken­lar­ven, spä­ter auch mit Regen­wür­mern und klei­nen Fischen gefüt­tert“, sagt Tier­pfle­ge­rin und stell­ver­tre­ten­de Revier­lei­te­rin Jes­si­ca Lie­bel. „Da sie unter­schied­lich schnell gewach­sen sind und man­che recht domi­nant waren, haben wir sie nach ein paar Mona­ten nach Grö­ßen sor­tiert und in unter­schied­li­chen Aqua­ri­en gehal­ten.“ Das Ziel­ge­wicht für die Aus­wil­de­rung beträgt 120 Gramm – dann sind die Tie­re etwa hand­tel­ler­groß, sta­bi­ler und bes­ser vor Fress­fein­den geschützt.

Zu die­sem Zweck fand in dem etwa 13 Hekt­ar gro­ßen Natur­schutz­ge­biet vor der Aus­wil­de­rung auch eine Abfi­schung statt, bei der eini­ge Hech­te gefan­gen wur­den, die den Amphi­bi­en und Rep­ti­li­en dort stark zusetzten.


Zusam­men­spiel von Arten- und Lebensraumschutz

Das Arten­schutz­pro­gramm zeigt bei­spiel­haft, wie Arten­schutz außer- und inner­halb des natür­li­chen Lebens­rau­mes von Tie­ren inein­an­der­grei­fen. Zoos und Zucht­sta­tio­nen züch­ten und ver­sor­gen die Tie­re, bis sie bereit zur Aus­wil­de­rung sind. Natur­schüt­zer vor Ort, Natur­schutz­be­hör­den und Natur­schutz­ver­bän­de sor­gen für den Schutz und die Wie­der­her­stel­lung der Lebens­räu­me. Dazu gehört auch, den Bestand über­mä­ßig stark ver­tre­te­ner Beu­te­grei­fer wie in die­sem Fall des Hechts und inva­si­ver Arten wie zum Bei­spiel dem Wasch­bä­ren durch Beja­gung zu ver­rin­gern. Wasch­bä­ren sind Alles­fres­ser und bedro­hen neben den Sumpf­schild­krö­ten auch Boden­brü­ter, Amphi­bi­en und Reptilien.

Um den Erfolg von Aus­wil­de­rungs­pro­gram­men zu mes­sen, über­wa­chen Natur­schüt­zer die Ent­wick­lung des Bestan­des. Dafür wer­den die Tie­re mit win­zig klei­nen Mikro­chips ver­se­hen – eine Art Per­so­nal­aus­weis, der auch nach vie­len Jah­ren eine indi­vi­du­el­le Erken­nung ermöglicht.

Der Tier­gar­ten Nürn­berg betei­ligt sich seit 2020 an dem Schutz­pro­jekt für Euro­päi­sche Sumpf­schild­krö­ten. 2023 konn­te er gemein­sam mit der AG Sumpf­schild­krö­te erst­mals drei sei­ner eige­nen Nach­zuch­ten in den hes­si­schen Nid­da-Auen bei Stock­heim auswildern.


Ziel: 1.200 aus­ge­wil­der­te Sumpf­schild­krö­ten bis 2030

Ins­ge­samt sol­len in die­sem Jahr in hes­si­schen Schutz­ge­bie­ten am Rhein, am Unter­main und an der Nid­da 50 jun­ge Sumpf­schild­krö­ten aus­ge­wil­dert wer­den. Damit wur­den im Rah­men des hes­si­schen Arten­schutz­pro­gramms „Euro­päi­sche Sumpf­schild­krö­te“ seit 1999 gut 900 Tie­re wie­der­an­ge­sie­delt. Bis 2030 sol­len es ins­ge­samt 1.200 Tie­re sein.

„Wir sind auf einem guten Weg, unser Ziel zu errei­chen“, sagt Dr. Mat­thi­as Kupri­an vom hes­si­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­um, der das Arten­schutz­pro­gramm „Euro­päi­sche Sumpf­schild­krö­te“ lei­tet. „Wir haben seit eini­gen Jah­ren die ers­ten Frei­land­nach­zuch­ten nach­ge­wie­sen und kön­nen mitt­ler­wei­le regel­mä­ßig Schlüpf­lin­ge oder Jung­tie­re beob­ach­ten, die von unse­ren aus­ge­wil­der­ten Tie­ren abstammen.“

Die auf ehren­amt­li­che Initia­ti­ve hin gegrün­de­te AG Sumpf­schild­krö­te bemüht sich seit 1999 in Koope­ra­ti­on mit dem hes­si­schen Minis­te­ri­um für Land­wirt­schaft und Umwelt und eini­gen Zoos um den Erhalt der Euro­päi­schen Sumpf­schild­krö­te. Ziel dabei ist es, in geeig­ne­ten Lebens­räu­men in Hes­sen wie­der sich selbst erhal­ten­de Popu­la­tio­nen zu begründen.


Vom Aus­ster­ben bedroht

Die Euro­päi­sche Sumpf­schild­krö­te ist die ein­zi­ge Schild­krö­ten­art, die natür­li­cher­wei­se in Mit­tel­eu­ro­pa vor­kommt, nach der deut­schen Roten Lis­te hier aller­dings vom Aus­ster­ben bedroht ist. In der Ver­gan­gen­heit wur­den ihre Bestän­de dezi­miert, weil sie als Fas­ten­spei­se galt. Inzwi­schen fehlt es den Tie­ren durch Fluss­be­gra­di­gun­gen und Tro­cken­le­gen von Gewäs­sern an geeig­ne­ten Lebens­räu­men. Ein wei­te­res Risi­ko stel­len der Stra­ßen­ver­kehr und inva­si­ve Arten dar.

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