IHK-Mit­glieds­un­ter­neh­men bie­ten aktu­ell 170 Ausbildungsberufe

Unter­neh­men kön­nen vie­le Aus­bil­dungs­plät­ze nicht besetzen

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Ausbildungsplätze
Michael von Hertell, Leiter der beruflichen Bildung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth
Kurz vor Beginn des neu­en Aus­bil­dungs­jah­res am 1. Sep­tem­ber mel­det die IHK für Ober­fran­ken einen Zuwachs bei den neu ein­ge­tra­ge­nen Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­sen. 1.940 Neu­ein­tra­gun­gen waren es zum 31. Juli, immer­hin 32 mehr als im Vorjahr.

„Zur gan­zen Wahr­heit gehört aber auch, dass das Jahr sehr zäh begann”, macht Micha­el von Her­tell deut­lich, Lei­ter der beruf­li­chen Bil­dung bei der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. Im Janu­ar lag die Zahl der Neu­ein­tra­gun­gen 36 Pro­zent unter dem Vor­jah­res­er­geb­nis, im März lag das Minus immer noch bei 16 Pro­zent. Erst zum 31. Juli war der Trend erst­mals posi­tiv. Von Her­tell: „Aus ver­schie­dens­ten Grün­den waren vie­le Aus­bil­dungs­ver­trä­ge spä­ter unter Dach und Fach als sonst.” Zwei Drit­tel aller Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­se in Ober­fran­ken ent­fal­len auf die bei­den IHKs der Region.


Ober­fran­ken: Auf jeden Unver­sorg­ten kom­men 2,1 unbe­setz­te Ausbildungsstellen

Außer­dem gab es im ver­gan­ge­nen Jahr kaum Abitur­prü­fun­gen wegen der Umstel­lung vom G8 auf das G9. „Vor die­sem Hin­ter­grund fal­len die Zah­len ent­täu­schend aus”, so von Her­tell. 2024 lag die Zahl der Neu­ein­tra­gun­gen am 31. Juli um 315 höher als heu­er. „Das zeigt deut­lich, wie sehr unse­re Unter­neh­men unter Druck stehen.”

Neben der kon­junk­tu­rel­len Lage wirkt sich auch die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung immer mehr aus. „Auf zwei Beschäf­tig­te, die in den Ruhe­stand gehen, kommt nur eine Berufs­an­fän­ge­rin oder ein Berufs­an­fän­ger nach”, so von Hertell.

Inter­es­sant ist ein Blick auf die Schul­ab­schlüs­se der Nach­wuchs­kräf­te. Hat­ten 2016 noch 20 Pro­zent aller Azu­bis im ers­ten Lehr­jahr Fach­hoch­schul- oder Hoch­schul­rei­fe, sind es 2026 nur noch 17 Pro­zent. Noch deut­li­cher der Rück­gang bei der Mitt­le­ren Rei­fe, der Anteil ging von 53 Pro­zent auf 44 Pro­zent zurück. Die Lücke fül­len die Mit­tel­schul­ab­sol­ven­ten, deren Anteil vor zehn Jah­ren bei 27 Pro­zent lag und inzwi­schen auf 39 Pro­zent gestie­gen ist.


Unter­neh­men suchen wei­ter hän­de­rin­gend nach Auszubildenden

Wie groß die Lücke zwi­schen Ange­bot und Nach­fra­ge ist, zeigt die Sta­tis­tik der Agen­tur für Arbeit. Sie erfasst die meis­ten Bewer­ber und frei­en Stel­len. Aktu­ell ste­hen in Ober­fran­ken 1.505 unver­mit­tel­ten Schul­ab­gän­ge­rin­nen und Schul­ab­gän­gern 3.127 unbe­setz­te Aus­bil­dungs­stel­len gegenüber.

Auf jeden unver­mit­tel­ten Bewer­ber kom­men somit 2,1 unbe­setz­te Aus­bil­dungs­plät­ze. Aus Sicht der Schul­ab­gän­ger ist die Situa­ti­on in Ober­fran­ken spür­bar bes­ser als in Bay­ern oder in Deutsch­land, wo auf einen unver­sorg­ten Bewer­ber nur 1,6 bezie­hungs­wei­se 1,1 unbe­setz­te Aus­bil­dungs­plät­ze kommen.

Das bedeu­tet aber umge­kehrt, dass sehr vie­le Unter­neh­men ihre Aus­bil­dungs­plät­ze nicht beset­zen kön­nen. Am stärks­ten trifft es das Bau­ge­wer­be, dort ist – Stand 31. Juli – fast jeder zwei­te ange­bo­te­ne Aus­bil­dungs­platz unbe­setzt. Auch Han­del, Logis­tik und das Gast­ge­wer­be suchen drin­gend Nach­wuchs. Dort liegt der Anteil der unbe­setz­ten Aus­bil­dungs­plät­ze bei min­des­tens 40 Prozent.


Mit­glieds­un­ter­neh­men der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mit 170 Ausbildungsberufen

„Wer noch kei­nen Aus­bil­dungs­ver­trag hat, darf den Kopf auf kei­nen Fall in den Sand ste­cken”, macht von Her­tell mit einem Blick auf die Vor­jah­res­zah­len deut­lich. Zum 31. Juli 2025 waren erst 54 Pro­zent der 3.516 Aus­bil­dungs­ver­trä­ge unter­schrie­ben, die zum Jah­res­en­de bei der IHK regis­triert waren. Von Her­tell: „Die Bewer­bungs­pha­se ist lan­ge nicht abgeschlossen.”

Wer noch sucht, soll­te über die belieb­tes­ten Beru­fe hin­aus­bli­cken, rät von Her­tell. Bei den Mäd­chen sind das bei den IHK-Beru­fen die Kauf­frau für Büro­ma­nage­ment, die Ver­käu­fe­rin und die Indus­trie­kauf­frau, bei den Jungs der Kfz-Mecha­tro­ni­ker, der Elek­tro­ni­ker und der Fach­in­for­ma­ti­ker Sys­tem­tech­nik. „Ins­ge­samt bie­ten unse­re Mit­glieds­un­ter­neh­men aktu­ell 170 ver­schie­de­ne Aus­bil­dungs­be­ru­fe an”, so von Her­tell. „Da ist bestimmt für jeden was dabei!”

Es gibt Bran­chen, die sich aktu­ell schwer­tun, genü­gend Azu­bis zu gewin­nen. „Immer unter der Vor­aus­set­zung, dass es sich um einen Beruf han­delt, der die Aus­bil­dungs­platz­su­chen­den inter­es­siert, lohnt es sich, einen Blick auf die Berei­che Fein­werk- und Werk­zeug­tech­nik, Han­del sowie Kunst­stoff­her­stel­lung und ‑ver­ar­bei­tung zu wer­fen”, so von Her­tell. „Dort kom­men aktu­ell auf jeden unver­sorg­ten Bewer­ber mehr als zehn unbe­setz­te Aus­bil­dungs­plät­ze.” Über fünf unbe­setz­te Aus­bil­dungs­plät­ze je unver­sorg­ten Bewer­ber ver­zeich­nen außer­dem die Berei­che Metall­be­ar­bei­tung, Hoch­bau, Lebens­mit­tel­her­stel­ler, Tief­bau, Bau- und Trans­port­ge­rä­te­füh­rung sowie die Fahr­zeug­füh­rung Straßenverkehr.

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