Hoff­nun­gen der Unter­neh­men wur­den ent­täuscht – schlech­te­re Stim­mung als im Sommer

Win­ter-Kon­junk­tur­um­fra­ge in der baye­ri­schen Metall- und Elektro-Industrie

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bayerischen
Symbolbild, Foto: Pixabay
Die Lage der baye­ri­schen Metall- und Elek­tro-Indus­trie hat sich laut einer Umfra­ge im zwei­ten Halb­jahr 2025 noch ein­mal deut­lich gegen­über dem Som­mer eingetrübt.

Dem­nach sind die Hoff­nun­gen und die vor­sich­ti­ge Zuver­sicht der Unter­neh­men aus dem Som­mer ver­flo­gen. Auch haben sich sowohl die inlän­di­schen als auch die aus­län­di­schen Geschäfts­er­war­tun­gen wie­der ein­ge­trübt. „Im Aus­land wird mehr pro­du­ziert, mehr inves­tiert und es wer­den mehr Jobs geschaf­fen. Das zeigt, dass unser Wirt­schafts- und Indus­trie­stand­ort das Pro­blem ist“, so Bert­ram Bros­sardt, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der baye­ri­schen Metall- und Elek­tro-Arbeit­ge­ber­ver­bän­de bay­me vbm, zu den Ergeb­nis­sen der aktu­el­len Umfra­ge unter ihren Mit­glieds­un­ter­neh­men. „Wir sind nicht mehr wett­be­werbs­fä­hig und zah­len mit der anhal­ten­den De-Indus­tria­li­sie­rung einen hohen Preis dafür. Dem Abwärts­trend muss ein Ende gesetzt wer­den, doch die Bun­des­re­gie­rung agiert zu zöger­lich, zu unkon­kret und vor allem nicht schnell genug. Wir dür­fen nicht wei­ter zuse­hen, wie immer mehr Wert­schöp­fung den Stand­ort ver­lässt, son­dern brau­chen jetzt eine schnell han­deln­de Regie­rung, um unse­ren Wohl­stand zu bewahren.“

Laut Umfra­ge hat sich die aktu­el­le Geschäfts­la­ge noch ein­mal deut­lich gegen­über dem Som­mer ein­ge­trübt. Nur noch knapp 15 Pro­zent bewer­ten die inlän­di­sche Geschäfts­la­ge als gut. Der Sal­do aus posi­ti­ven und nega­ti­ven Ant­wor­ten liegt im Inlands­ge­schäft bei ‑20,1 Punk­ten und im Aus­lands­ge­schäft bei ‑18,8 Punk­ten. Obwohl sich die Erwar­tun­gen für das Inlands- und Aus­lands­ge­schäft im kom­men­den Jahr ver­schlech­tert haben und die Zuver­sicht gesun­ken ist, blei­ben bei­de Sal­den den­noch posi­tiv. „Von nied­ri­ge­rem Niveau aus eine mini­mal posi­ti­ve Erwar­tung zu haben, ist kein Zei­chen von Auf­schwung, son­dern die Hoff­nung, dass es nicht noch schlim­mer wer­den wird“, so Brossardt.

Die nicht erfüll­ten Hoff­nun­gen ver­bes­ser­ter Stand­ort­be­din­gun­gen las­sen Inlands- und Aus­lands­pro­duk­ti­on nicht nur erneut wei­ter aus­ein­an­der­drif­ten, son­dern schie­ben die inlän­di­schen Pro­duk­ti­ons­plä­ne der Unter­neh­men wie­der in den nega­ti­ven Bereich. So san­ken die­se auf ‑6,7 Punk­te. Gut 45 Pro­zent der Unter­neh­men wol­len hin­ge­gen ihre Pro­duk­ti­on an den Aus­lands­stand­or­ten aus­wei­ten. „Die Pro­duk­ti­on wird auf­grund der sich seit Som­mer wie­der ein­trü­ben­den Lage im Jah­res­durch­schnitt um andert­halb Pro­zent unter dem Vor­jahr lie­gen. Im kom­men­den Jahr erwar­ten wir eine Sta­gna­ti­on. Das ist bit­ter für unse­ren Stand­ort“, pro­gnos­ti­ziert Bros­sardt. Größ­te Sor­ge berei­ten die Inves­ti­ti­ons­plä­ne der M+E Unter­neh­men. Sie sind ein Grad­mes­ser für die Zukunfts­fä­hig­keit des Stand­orts. So sin­ken die inlän­di­schen Inves­ti­ti­ons­plä­ne im Sal­do von ‑8,3 auf ‑19,9 Punk­te, wäh­rend sich die aus­län­di­schen von +18,7 auf +34,8 Pro­zent­punk­te ver­bes­sern. „Die Ent­wick­lung mag schlei­chend sein, aber was ein­mal weg ist, kommt so schnell nicht wie­der. Schon gar nicht, wenn die haus­ge­mach­ten Pro­ble­me nicht ange­gan­gen oder sogar durch kos­ten- und büro­kra­tie­trei­ben­de Vor­ha­ben ver­schlim­mert wer­den. Ein beson­ders dras­ti­sches Bei­spiel ist das Tarif­treue­ge­setz, das braucht ein­fach nie­mand. Der Scha­den, der dadurch ent­ste­hen wird, ist hin­ge­gen bei­spiel­los“, fin­det Bros­sardt. Mit Sor­ge betrach­ten die Ver­bän­de, dass von den weni­gen Inves­ti­tio­nen nicht ein­mal mehr 14 Pro­zent auf Erwei­te­run­gen ent­fal­len, das Gros ent­fällt auf Ersatzbeschaffungen.

Die Beschäf­ti­gungs­plä­ne der M+E Unter­neh­men sind eben­falls wie­der gesun­ken. Über 37 Pro­zent der Unter­neh­men befürch­ten, Stel­len abbau­en zu müs­sen. „Bis Jah­res­en­de wer­den die M+E‑Unternehmen rund 20.000 Stel­len abge­baut haben auf dann 837.000 Beschäf­tig­te. Und für das kom­men­de Jahr pro­gnos­ti­zie­ren wir einen wei­te­ren Rück­gang um 20.000 auf 817.000 Beschäf­tig­te“, berich­tet Bros­sardt und fügt hin­zu: „Nir­gend­wo sieht man die Aus­wir­kun­gen einer ver­fehl­ten Indus­trie- und Stand­ort­po­li­tik mehr als bei der Beschäf­ti­gung. Es ist um jeden ein­zel­nen ver­lo­re­nen Arbeits­platz traurig.“

Mit Blick auf 2026 erwar­ten die Ver­bän­de, dass die Bun­des­re­gie­rung aus guten Ideen wie der Moder­ni­sie­rungs­agen­da oder dem Infra­struk­tur-Beschleu­ni­gungs­ge­setz zeit­nah ech­te Aktio­nen fol­gen lässt. „Umset­zen, und zwar sofort“, for­dert Bros­sardt. Größ­te Bau­stel­le, die auch ihre Schat­ten auf die Tarif­run­de 2026 wirft, sind die Sozi­al­ver­si­che­rungs­kos­ten. „Ohne eine ech­te Reform stei­gen die Bei­trags­sät­ze, es bleibt weni­ger Net­to vom Brut­to und die Arbeits­kos­ten stei­gen unauf­hör­lich wei­ter. Der wei­te­ren De-Indus­tria­li­sie­rung öff­nen wir damit Tür und Tor“, erklärt Bros­sardt und ergänzt: „Auch die Tarif­par­tei­en sind 2026 gefor­dert. In der Tarif­run­de gilt es, für fle­xi­ble und wett­be­werbs­fä­hi­ge Tarif­ver­trä­ge zu sor­gen. Es geht um nicht weni­ger als um die Zukunfts­fä­hig­keit unse­rer Indus­trie. Denn die M+E Indus­trie ist das Herz der baye­ri­schen Indus­trie und die Indus­trie ist das Herz der baye­ri­schen Wirtschaft.“

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