Roter Tep­pich beim „Frän­ki­schen Filmpreis“

36. Bam­ber­ger Kurzfilmtage

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Kurzfilmtage
Foto: Marian Lenhard
Heu­te star­ten die 36. Bam­ber­ger Kurz­film­ta­ge. Bis zum 1. Febru­ar ist wie­der eine Viel­zahl aus­ge­wähl­ter Kurz­fil­me zu sehen. Fes­ti­val­lei­te­rin Katha­ri­na Brein­bau­er stand uns im Vor­feld für ein Inter­view zur Verfügung.

Mit über 150 Bei­trä­ge aus den Gen­res Doku­men­ta­ti­on, Ani­ma­ti­on, Spiel­film, Expe­ri­men­tal­film und Kin­der­kurz­film bie­tet das umfang­rei­che Kurz­film­pro­gramm abwechs­lungs­rei­che Unter­hal­tung für alle Alters­grup­pen. Die Fil­me wur­den aus rund 800 Ein­sen­dun­gen mona­te­lang von einem 25-köp­fi­gen Team in wöchent­li­chen Sit­zun­gen aus­ge­wählt. „Wir haben schon im Früh­jahr mit den ers­ten Sich­tun­gen begon­nen und konn­ten so bereits ab Okto­ber in die fina­le Aus­wahl­pha­se gehen“, sagt Julia Flach­mann, die seit drei Jah­ren die Wett­be­werbs­sich­tung des Fes­ti­vals koor­di­niert. An der Aus­wahl der Kin­der­kurz­fil­me für den Pro­gramm­teil „Kur­zes für Kur­ze“ haben sich zudem erneut Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Hugo-von-Trim­berg Schu­le betei­ligt und acht span­nen­de Fil­me ausgewählt.

Das The­men­spek­trum, das in die­sem Jahr in den Fil­men bear­bei­tet wur­de, ist wie gewohnt vor allem künst­le­risch viel­fäl­tig und doch ein klein wenig anders. „In den Film­ein­rei­chun­gen für unse­ren Wett­be­werb beob­ach­ten wir, dass zuneh­mend auch erns­te­re The­men humor­voll ange­gan­gen wer­den.“, fin­det Fes­ti­val­lei­te­rin Katha­ri­na Breinbauer.

Die Events ver­tei­len sich auf die Kinos Licht­spiel und Ode­on sowie die Stadt­bü­che­rei in der Obe­ren Königs­stra­ße, die Volks­hoch­schu­le Bam­berg Stadt in der Tränk­gas­se und die Kul­tur­fa­brik (KUFA).

Foto: Chris­ti­an Martin

Neu ist ein Fuß­ball­film­pro­gramm für alle kino­be­geis­ter­ten Sport­freun­de. Der FC Wacker 1927 Bam­berg e. V. über­nimmt die Paten­schaft dafür und stellt vor Ort sei­ne Jugend­ar­beit vor.

Pas­send zum 250-jäh­ri­gen Geburts­jahr von E.T.A. Hoff­mann koope­rie­ren die Kurz­film­ta­ge erst­ma­lig mit dem E.T.A. Hoff­mann-Haus in Per­son von Kura­tor Mar­tin Habermeyer. 

Neu ist ein Fuß­ball­film­pro­gramm für alle kino­be­geis­ter­ten Sport­freun­de. Der FC Wacker 1927 Bam­berg e. V. über­nimmt die Paten­schaft dafür und stellt vor Ort sei­ne Jugend­ar­beit vor.

Pas­send zum 250-jäh­ri­gen Geburts­jahr von E.T.A. Hoff­mann koope­rie­ren die Kurz­film­ta­ge erst­ma­lig mit dem E.T.A. Hoff­mann-Haus in Per­son von Kura­tor Mar­tin Habermeyer.

An zwei spe­zi­el­len „E.T.A. Pro­gram­men“ wur­de dafür gebas­telt. In einem davon über­nimmt Hoff­manns berühm­ter Kater Murr die Haupt­rol­le und rich­tet sei­ne Lebens­an­sich­ten auf neue und kurio­se Blick­win­kel aus der Sym­bio­se von Katz und Mensch aus.


Län­der­schwer­punkt Tür­kei und Son­der­pro­gramm Handwerk

Im Spe­zi­al­pro­gramm liegt der Län­der­fo­kus in die­sem Jahr auf der Tür­kei. Inspi­ra­ti­on dafür sei die Wahl des Gast­lan­des im Sti­pen­dia­ten-Pro­gramm des Inter­na­tio­na­len Künst­ler­hau­ses Vil­la Con­cor­dia gewe­sen, sagt Brein­bau­er. „Die Koope­ra­ti­on mit dem Künst­ler­haus gibt uns jedes Jahr wert­vol­le Ansät­ze, um bei­spiels­wei­se eine hoch­ka­rä­ti­ge Kunst­aus­stel­lung in unse­ren Fes­ti­val­klub zu inte­grie­ren.“ Die Loca­ti­on für den berüch­tig­ten Kurz­film­klub steht aller­dings noch nicht fest. Jedes Jahr neh­me die Raum­su­che nach geeig­ne­tem Leer­stand aufs Neue viel Zeit und Ener­gie in Anspruch.

Beim Son­der­pro­gramm der Kurz­film­ta­ge erwar­ten die Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er bereits zum zwei­ten Mal Fil­me rund um das Hand­werk. Im Mit­tel­punkt ste­hen dies­mal eine Korb­flech­te­rin und Fil­me­ma­che­rin aus Bam­berg. Jen­ni­fer Rubach orga­ni­siert für das Zen­trum Euro­päi­scher Flecht­kul­tur in Lich­ten­fels einen inter­na­tio­na­len Kurz­film-Wett­be­werb. „Der Sie­ger­film wird bei uns im Pro­gramm gezeigt – gemein­sam mit ande­ren inter­na­tio­na­len Kurz­fil­men, die sich mit ver­schie­de­nen hand­werk­li­chen Gewer­ken beschäf­ti­gen“, sagt die Fes­ti­val­lei­te­rin. Zu den Vor­füh­run­gen wer­den auch die Film­schaf­fen­den vor Ort sein.


Gro­ßer Auf­tritt für den Buch­hal­ter in Erklär-Vide­os auf TikTok

Auch der Buch­hal­ter des Fes­ti­vals, Chris­ti­an Kai­ser, Spitz­na­me KC, nimmt wie­der eine Rol­le vor der Kame­ra ein. „Vor bei­na­he fünf Jah­ren haben wir mit ihm Erklär-Clips gedreht, um Fes­ti­val-Neu­lin­gen die Abläu­fe der Ver­an­stal­tung zu zei­gen. Auch die ein­ge­schweiß­ten Kurz­film­ta­ge­fans fan­den die­se Clips rich­tig gut, des­we­gen gibt es jetzt eine Neu­auf­la­ge” erzählt Brein­bau­er. In kur­zen Sequen­zen wird anschau­lich und locker gezeigt, was einen Kurz­film aus­macht, woher der Begriff „Rol­le“ stammt, wie man an Tickets kommt und wor­auf es beim Wett­be­werb und sei­nen vie­len Prei­sen ankommt.

Ganz neu ist die Prä­sen­ta­ti­on des Fes­ti­vals auf dem eige­nen Tik­Tok Account „bam­ber­ger­kurz­film­ta­ge“. Dort sol­len schon bald Ein­bli­cke hin­ter die Kulis­sen zu sehen sein. „Unse­re dies­jäh­ri­gen Prak­ti­kan­tin­nen hat­ten eine Viel­zahl von Ideen, die sie in Kurz­vi­de­os umset­zen woll­ten. Also haben wir sie machen las­sen!“ sagen Brein­bau­er und Flach­mann. Das Fes­ti­val lebe davon, dass alle im Team eige­ne Ideen ver­wirk­li­chen kön­nen. Jähr­lich sol­len so neue Wege aus­ge­tes­tet wer­den, um ein brei­tes Publi­kum zu bedienen.


Tro­phä­en und Preis­gel­der in sie­ben Kategorien

Auch wenn das genaue Pro­gramm noch geheim ist – einen ganz beson­de­ren Abend wird in der Fes­ti­val-Woche wie­der der Sams­tag ein­neh­men, wenn die Prä­mie­rung der bes­ten Wett­be­werbs­bei­trä­ge im Ode­on-Kino statt­fin­det. Drei ver­schie­de­ne Jurys (Fach­ju­ry, Jugend­ju­ry und Regio­nal­ju­ry) küren dann nach einer lan­gen Fes­ti­val­wo­che die her­aus­ra­gends­ten Film­bei­trä­ge. Zwei Prei­se wer­den allein durch die Zuschau­er bestimmt: Für die Aus­lo­tung des Publi­kums­prei­ses wer­den nach jedem Film Bewer­tungs­zet­tel ein­ge­sam­melt und über den Gewin­ner des Kin­der­film­prei­ses dür­fen alle anwe­sen­den Kin­der im Saal abstimmen.

Den Gewin­ner­fil­men win­ken als Tro­phä­en gol­de­ne Zen­tau­ren aus Scho­ko­la­de, ent­wor­fen von dem Bam­ber­ger Bild­hau­er Adel­bert Heil und in Scho­ko­la­de gegos­sen von der Con­fi­se­rie Sto­rath. Ver­bun­den damit ist ein Preis­geld, das die Pro­duk­ti­on neu­er Kurz­fil­me ermög­li­chen soll.


Wett­be­werb um den Frän­ki­schen Filmpreis

Die För­de­rung der hei­mi­schen Film­schaf­fen­den hat sich das Kurz­film­fes­ti­val seit Jah­ren auf die Fah­ne geschrie­ben: So wird es wie­der einen eige­nen Wett­be­werb für frän­ki­sche Kurz­film­pro­duk­tio­nen geben. Dazu wur­de der Radi­us für die Ein­rei­chun­gen von Ober­fran­ken auf die gan­ze Frän­ki­sche Regi­on erwei­tert. Für die Anschub­fi­nan­zie­rung die­ses Pro­jekts, setz­te sich im letz­ten Jahr die Ober­fran­ken­stif­tung ein. Sie wird heu­er von der Spar­kas­se Bam­berg abge­löst, die das Spon­so­ring für das Regio­nal­film­pro­gramm über­nom­men hat. „Ohne das groß­zü­gi­ge Spon­so­ring könn­ten wir die­ses For­mat nicht ver­wirk­li­chen. Andern­orts wur­den regio­na­le Wett­be­wer­be ein­ge­spart, weil das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Wir sind außer­or­dent­lich dank­bar, dass wir die­sen Schritt nicht gehen müs­sen, son­dern unse­ren Radi­us sogar erwei­tern konn­ten,“ so Brein­bau­er. Auch hier sind so mehr Fil­me ent­stan­den und die Band­brei­te an The­men hat sich erwei­tert. „Es ist immer wie­der über­ra­schend, mit wel­cher The­men­viel­falt der Regio­nal­film auf­war­ten kann. In die­sem Jahr haben wir einen Stumm­film aus Erlan­gen dabei. Dort hat sich eine Grup­pe Stumm­film­be­geis­ter­ter gefun­den, die dem Gen­re neu­es Leben einhauchen.


Ehren­amt trägt das Festival

Um einen rei­bungs­lo­sen Ablauf zu gewähr­leis­ten und die Gäs­te zu betreu­en, die zum Film­fes­ti­val anrei­sen, küm­mern sich vie­le ehren­amt­li­che Hel­fe­rin­nen und Hel­fer in Klein­grup­pen. Das garan­tiert im Rah­men der Film­vor­füh­run­gen wie auch im Kurz­film Klub eine ent­spann­te Atmo­sphä­re für anre­gen­de Gespräche.

Selbst Büro­hund Theo hat die­ses Jahr sei­nen Platz im Fes­ti­val-Mar­ke­ting gefun­den: Als Prot­ago­nist im Trai­ler hat der adop­tier­te grie­chi­sche Stra­ßen­hund durch­aus Poten­zi­al zum Film­star. „In der hei­ßen Pha­se der Vor­be­rei­tung hilft er uns allen im Büro­team ein biss­chen beim Run­ter­kom­men, indem er von Zeit zu Zeit Strei­chel­ein­hei­ten ein­for­dert,“ erzählt Katha­ri­na Brein­bau­er schmunzelnd.

Für die Aus­ge­stal­tung des Fes­ti­vals setzt die Lei­te­rin auf das gro­ße Enga­ge­ment des Teams. „An den sie­ben Tagen sind etwa 40 Ehren­amt­li­che beschäf­tigt, um für die erwar­te­ten 5.000 Zuschau­er sowie die rund 70 anrei­sen­den Film­schaf­fen­den eine unver­gleich­li­che Fes­ti­val­wo­che zu bie­ten. Das ist nur mög­lich, weil sich für unse­re Kurz­film­ta­ge etli­che Team­mit­glie­der extra Urlaub neh­men. Und weil wir von einem brei­ten Bünd­nis an Koope­ra­ti­ons­part­nern und Spon­so­ren unter­stützt werden.“

Für alle, die es nicht zum Fes­ti­val schaf­fen, lie­ber ein­zel­ne Kurz­fil­me sehen oder erst spä­ter rein­schau­en möch­ten, bie­tet das Online-Fes­ti­val vom 2. Febru­ar bis 8. Febru­ar 2026 eine geeig­ne­te Platt­form. „Das Wett­be­werbs­pro­gramm geht hier natür­lich wie­der kom­plett online“, ver­spricht Brein­bau­er. So kön­nen sich auch alle Daheim­ge­blie­be­nen ihre Por­ti­on Fes­ti­val­stim­mung ins Wohn­zim­mer holen und trü­be Febru­ar­ge­dan­ken vertreiben.

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