„Bam­berg on tour“ mit Mar­tin Habermeyer

Per Rad in Hoff­manns Kosmos

3 Min. zu lesen
Hoffmanns
Hoffmann weilte gerne an der Buger Spitze und im gegenüberliegenden Wirtshaus, das zu seiner Zeit den Namen Striegel trug. Foto: Stadt Bamberg, Gerhard Beck
E.T.A. Hoff­mann ver­staubt, ver­ges­sen? Nicht in Bam­berg. So lässt sich die Teil­nah­me an der „Bam­berg on tour“ im Hoff­mann-Jahr inter­pre­tie­ren. Über 30 Mit­rad­le­rin­nen und ‑rad­ler woll­ten sich die Gele­gen­heit am 3. Mai nicht ent­ge­hen las­sen, mit Hil­fe von Mar­tin Haber­mey­er, Kura­tor des E.T.A. Hoff­mann-Hau­ses, Hoff­manns Kos­mos zu ergrün­den, wie die Stadt Bam­berg mit­teilt. Ein dank Haber­mey­er und John von Düf­fel, Inten­dant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, köst­li­ches Unterfangen. 

Die Tour-Kilo­me­ter schnell abha­ken. Ein­mal E.T.A.-Hoffmann-Platz, dann in den Hain und zurück, das muss es doch gewe­sen sein. Von wegen! Mit Mar­tin Haber­mey­er ging’s von Hügel zu Hügel und dann hin­ein in die Lan­ge Stra­ße. Selbst der Weg hoch zur Alten­burg wäre eine Über­le­gung wert, droh­te er. Der Tour-Radi­us zeigt: Der, gemes­sen an sei­ner Kör­per­grö­ße, klei­ne E.T.A. Hoff­mann war in sei­ner Bam­ber­ger Zeit gut zu Fuß und ließ selbst im fros­ti­gen Febru­ar nicht davon ab, im Hain spa­zie­ren zu gehen.

1808 kam E.T.A. Hoff­mann als ambi­tio­nier­ter Musik­di­rek­tor ans Bam­ber­ger Thea­ter und insze­nier­te, dann als Dra­ma­turg und Deko­ra­ti­ons­ma­ler, Kleists „Käth­chen von Heil­bronn“. Dass sei­ne Bam­ber­ger Zeit sei­nen Weg zum gefei­er­ten Schrift­stel­ler berei­te­te, skiz­zier­te John von Düf­fel ein­gangs der Tour. Ein Bei­trag sei­nes Hau­ses zur Rei­he „250 Jah­re E.T.A. Hoff­mann“ ist „Des Kapell­meis­ters Johan­nes Kreis­lers musi­ka­li­sche Lei­den“, zu erle­ben am 20. Mai.


Kei­ne Zukunft als Musikdirektor

Die „Fan­ta­sie­stü­cke in Cal­lots Manier“ ebne­ten sei­nen Weg zum Schrift­stel­ler. Sicher auch des­halb, weil er als Musik­di­rek­tor kei­ne Zukunft hat­te. Nach schon 40 Tagen gab er auf. E.T.A. Hoff­mann nahm in der Fol­ge eine Rei­he von Auf­ga­ben am Thea­ter wahr. Und sah sich bald, um über die Run­den zu kom­men, genö­tigt, Töch­tern aus höhe­ren Gesell­schafts­krei­sen Musik­un­ter­richt zu erteilen.

Ers­ter Wohn­sitz war am Alten Kanal, dort, wo für alle ersicht­lich, geschrie­ben steht: „am 1. Sep­tem­ber 1808 in Bam­berg ange­kom­men“. Wenig spä­ter wech­sel­te er ins schma­le Haus direkt gegen­über der Theater-„Rose“, heu­te Haus­num­mer 26 am Schil­ler­platz. Haber­mey­er kün­dig­te an, das E.T.A.-Hoffmann-Haus 2028 öff­nen zu kön­nen und gewähr­te Ein­blick in des­sen Kon­zep­ti­on: Nahe gebracht wer­den sol­len die vie­len Talen­te Hoff­manns. Also der, so Haber­mey­er, „über­aus exak­te“ Jurist, der Zeich­ner, der Kom­po­nist und natür­lich der Schriftsteller.

Der Hain war Inspi­ra­ti­ons­quel­le und Begeg­nungs­stät­te. Hier erin­nert Her­mann Leit­he­rers Denk­mal an den spre­chen­den Hund Bergan­za. Im „Ver­gnü­gungs­or­te Bug“ begeg­ne­te Hoff­mann – „Sie sind auch kein Bam­ber­ger, wie ich höre“ – sei­nem spä­te­ren Freund und Geschäfts­part­ner Carl Fried­rich Kunz, Ver­le­ger, Inha­ber einer Wein­hand­lung und einer Leih­buch­hand­lung. Mit Kunz ging es hin­ab in den Wein­kel­ler des heu­ti­gen Krack­hardt-Hau­ses am Max­platz, um fröh­lich zu zechen. Hoff­mann war nach den Wor­ten von Haber­mey­er dem Alko­hol in ver­schie­de­nen For­men über­aus zuge­neigt, was aber wun­der­ba­rer­wei­se sei­ne Schaf­fens­kraft nicht behinderte.


Welt­ruhm erlangt

Hand­fes­tes ent­stand aus der Bezie­hung zu Kunz auch: Ein Ver­trag wur­de geschlos­sen über die Ver­le­gung sei­ner „Fan­ta­sie­stü­cke“. Ein Mei­len­stein im Wer­de­gang von E.T.A. Hoff­mann, der nicht zuletzt mit sei­nem Mär­chen „Nuß­kna­cker und Mäu­se­kö­nig“ und des­sen Bal­lett­ad­ap­ti­on durch Tschai­kow­ski Welt­ruhm erlangte.

Dich­ter­fürst Goe­the war von E.T.A. Hoff­mann nicht erbaut. Doch Haber­mey­er riet, sich davon nicht abhal­ten zu las­sen, den Kos­mos Hoff­manns zu erkun­den. Schalk­haf­tes, Mor­bi­des, Skur­ri­les und vor allem Phan­ta­sie­vol­les kenn­zeich­nen sein Werk, wofür Haber­mey­er etli­che Bei­spie­le nahe­brach­te. Der Kura­tor leg­te sei­nen Mit­rad­le­rin­nen und Mit­rad­lern zudem am Dom­berg ans Herz, sich nicht den E.T.A. Hoff­mann-Tanz­saal in der Alten Hof­hal­tung ent­ge­hen zu las­sen. Dort trifft das „Apfel­wei­b­la“ im Ori­gi­nal auf Pop-Art des 20. Jahr­hun­derts und zeit­ge­nös­si­sche Arbei­ten von Bergan­za-Preis­trä­ge­rin­nen und ‑Preis­trä­gern. Dazu gibt es im Tanz­saal eine span­nen­de Ver­an­stal­tungs­rei­he bis Okto­ber. Nächs­tes High­light ist eine kon­zer­tan­te Hoff­mann-Lesung mit Bea­te Roux und Mar­tin Neu­bau­er am 21. Mai mit dem ver­lo­cken­den Titel „Ahnun­gen aus dem Rei­che der Töne.“


Mor­bi­des und Ruinöses

Für Mor­bi­des und Rui­nö­ses gab es in Bam­berg zu Hoff­manns Zei­ten reich­lich Anschau­ungs­ma­te­ri­al. Der Schrift­stel­ler ver­ar­bei­te­te etwa das Kapu­zi­ner­klos­ter in schau­ri­gem Zustand, das sich anstel­le des Cla­vi­us-Gym­na­si­ums befand, in sei­nem Werk „Die Eli­xie­re des Teu­fels“. Die Bekannt­schaft mit Adal­bert Fried­rich Mar­cus, Leib­arzt von Fürst­bi­schof Franz-Lud­wig von Erthal, bescher­te ihm Ein­bli­cke ins Gesund­heits- und Psych­ia­trie­we­sen. Mar­cus war auf die­sem Gebiet ein abso­lu­ter Revo­lu­tio­när. Sein Lebens­werk ist das „All­ge­mei­ne Kran­ken­haus“ an der Reg­nitz als moderns­tes sei­ner Art in Euro­pa sowie die „Irren­an­stalt“ in St. Getreu. Selbst setz­te sich der Arzt ein Denk­mal als För­de­rer von Kunst und kul­tu­rel­lem Leben in Bam­berg und vor allem als Ret­ter der Alten­burg. Freund Hoff­mann bezog die Hoff­manns-Klau­se und bemal­te sie, wovon heu­te lei­der nichts zu sehen ist.

Kei­ne Hoff­mann-Rad­tour oder ‑Füh­rung ohne Hin­weis auf die uner­füll­te Lie­be zu Julia Mark. Hoff­mann, ver­hei­ra­tet mit Mich­ali­na Rohrer, erblick­te Julia erst­mals beim Gesangs­vor­trag in der Ste­phans­kir­che. Mit der Emp­feh­lung als Musik­di­rek­tor gelang es ihm als­bald, sie im Musik­un­ter­richt unter sei­ne Fit­ti­che zu neh­men. Ange­sichts sei­nes Geba­rens in Tat und Wort schwan­te Juli­as Mut­ter zuneh­mend Übles. Was sie dazu ver­an­lass­te, die begehr­te Toch­ter zügig mit dem Geschäfts­mann Grae­pel zu ver­hei­ra­ten. Heu­te erin­nert eine Tafel am Haus mit der Num­mer 13 in der Lan­gen Stra­ße, letz­te Sta­ti­on der Bam­berg on tour zum Hoff­mann-Jahr, an die Episode.

„Lehr- und Mar­ter­jah­re“ nann­te der Schrift­stel­ler sei­ne Zeit in Bam­berg. Trotz aller Mise­re schreibt er 1818 an den Bam­ber­ger Arzt Fried­rich Spey­er: „Indes­sen war doch im Gan­zen das tol­le unste­te Trei­ben in B〈amberg〉 kei­ne üble Epi­so­de — Eine Flit­ter auf dunk­lem Grun­de — eine Fast­nachts­Sze­ne im komi­schen Roman des Lebens.“

Natur­schutz in Bam­berg ist das The­ma der nächs­ten „Bam­berg on tour“ am Sonn­tag, 7. Juni. Treff­punkt ist um 14 Uhr am Aero-Club Bam­berg e.V., Zep­pe­lin­stra­ße 18.

Weiterer Artikel

vbw-Roh­stoff­preis­in­dex

Krieg in der Golf­re­gi­on befeu­ert Anstieg der Rohstoffpreise

Nächster Artikel

Stu­die­ren­de ver­ge­ben erneut Bestnoten

Spit­zen­er­geb­nis­se im CHE-Ran­king für Bam­ber­ger Wirtschaftsfächer