„Bamberg on tour“ mit Martin Habermeyer
Per Rad in Hoffmanns Kosmos
E.T.A. Hoffmann verstaubt, vergessen? Nicht in Bamberg. So lässt sich die Teilnahme an der „Bamberg on tour“ im Hoffmann-Jahr interpretieren. Über 30 Mitradlerinnen und ‑radler wollten sich die Gelegenheit am 3. Mai nicht entgehen lassen, mit Hilfe von Martin Habermeyer, Kurator des E.T.A. Hoffmann-Hauses, Hoffmanns Kosmos zu ergründen, wie die Stadt Bamberg mitteilt. Ein dank Habermeyer und John von Düffel, Intendant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, köstliches Unterfangen.
Die Tour-Kilometer schnell abhaken. Einmal E.T.A.-Hoffmann-Platz, dann in den Hain und zurück, das muss es doch gewesen sein. Von wegen! Mit Martin Habermeyer ging’s von Hügel zu Hügel und dann hinein in die Lange Straße. Selbst der Weg hoch zur Altenburg wäre eine Überlegung wert, drohte er. Der Tour-Radius zeigt: Der, gemessen an seiner Körpergröße, kleine E.T.A. Hoffmann war in seiner Bamberger Zeit gut zu Fuß und ließ selbst im frostigen Februar nicht davon ab, im Hain spazieren zu gehen.
1808 kam E.T.A. Hoffmann als ambitionierter Musikdirektor ans Bamberger Theater und inszenierte, dann als Dramaturg und Dekorationsmaler, Kleists „Käthchen von Heilbronn“. Dass seine Bamberger Zeit seinen Weg zum gefeierten Schriftsteller bereitete, skizzierte John von Düffel eingangs der Tour. Ein Beitrag seines Hauses zur Reihe „250 Jahre E.T.A. Hoffmann“ ist „Des Kapellmeisters Johannes Kreislers musikalische Leiden“, zu erleben am 20. Mai.
Keine Zukunft als Musikdirektor
Die „Fantasiestücke in Callots Manier“ ebneten seinen Weg zum Schriftsteller. Sicher auch deshalb, weil er als Musikdirektor keine Zukunft hatte. Nach schon 40 Tagen gab er auf. E.T.A. Hoffmann nahm in der Folge eine Reihe von Aufgaben am Theater wahr. Und sah sich bald, um über die Runden zu kommen, genötigt, Töchtern aus höheren Gesellschaftskreisen Musikunterricht zu erteilen.
Erster Wohnsitz war am Alten Kanal, dort, wo für alle ersichtlich, geschrieben steht: „am 1. September 1808 in Bamberg angekommen“. Wenig später wechselte er ins schmale Haus direkt gegenüber der Theater-„Rose“, heute Hausnummer 26 am Schillerplatz. Habermeyer kündigte an, das E.T.A.-Hoffmann-Haus 2028 öffnen zu können und gewährte Einblick in dessen Konzeption: Nahe gebracht werden sollen die vielen Talente Hoffmanns. Also der, so Habermeyer, „überaus exakte“ Jurist, der Zeichner, der Komponist und natürlich der Schriftsteller.
Der Hain war Inspirationsquelle und Begegnungsstätte. Hier erinnert Hermann Leitherers Denkmal an den sprechenden Hund Berganza. Im „Vergnügungsorte Bug“ begegnete Hoffmann – „Sie sind auch kein Bamberger, wie ich höre“ – seinem späteren Freund und Geschäftspartner Carl Friedrich Kunz, Verleger, Inhaber einer Weinhandlung und einer Leihbuchhandlung. Mit Kunz ging es hinab in den Weinkeller des heutigen Krackhardt-Hauses am Maxplatz, um fröhlich zu zechen. Hoffmann war nach den Worten von Habermeyer dem Alkohol in verschiedenen Formen überaus zugeneigt, was aber wunderbarerweise seine Schaffenskraft nicht behinderte.
Weltruhm erlangt
Handfestes entstand aus der Beziehung zu Kunz auch: Ein Vertrag wurde geschlossen über die Verlegung seiner „Fantasiestücke“. Ein Meilenstein im Werdegang von E.T.A. Hoffmann, der nicht zuletzt mit seinem Märchen „Nußknacker und Mäusekönig“ und dessen Ballettadaption durch Tschaikowski Weltruhm erlangte.
Dichterfürst Goethe war von E.T.A. Hoffmann nicht erbaut. Doch Habermeyer riet, sich davon nicht abhalten zu lassen, den Kosmos Hoffmanns zu erkunden. Schalkhaftes, Morbides, Skurriles und vor allem Phantasievolles kennzeichnen sein Werk, wofür Habermeyer etliche Beispiele nahebrachte. Der Kurator legte seinen Mitradlerinnen und Mitradlern zudem am Domberg ans Herz, sich nicht den E.T.A. Hoffmann-Tanzsaal in der Alten Hofhaltung entgehen zu lassen. Dort trifft das „Apfelweibla“ im Original auf Pop-Art des 20. Jahrhunderts und zeitgenössische Arbeiten von Berganza-Preisträgerinnen und ‑Preisträgern. Dazu gibt es im Tanzsaal eine spannende Veranstaltungsreihe bis Oktober. Nächstes Highlight ist eine konzertante Hoffmann-Lesung mit Beate Roux und Martin Neubauer am 21. Mai mit dem verlockenden Titel „Ahnungen aus dem Reiche der Töne.“
Morbides und Ruinöses
Für Morbides und Ruinöses gab es in Bamberg zu Hoffmanns Zeiten reichlich Anschauungsmaterial. Der Schriftsteller verarbeitete etwa das Kapuzinerkloster in schaurigem Zustand, das sich anstelle des Clavius-Gymnasiums befand, in seinem Werk „Die Elixiere des Teufels“. Die Bekanntschaft mit Adalbert Friedrich Marcus, Leibarzt von Fürstbischof Franz-Ludwig von Erthal, bescherte ihm Einblicke ins Gesundheits- und Psychiatriewesen. Marcus war auf diesem Gebiet ein absoluter Revolutionär. Sein Lebenswerk ist das „Allgemeine Krankenhaus“ an der Regnitz als modernstes seiner Art in Europa sowie die „Irrenanstalt“ in St. Getreu. Selbst setzte sich der Arzt ein Denkmal als Förderer von Kunst und kulturellem Leben in Bamberg und vor allem als Retter der Altenburg. Freund Hoffmann bezog die Hoffmanns-Klause und bemalte sie, wovon heute leider nichts zu sehen ist.
Keine Hoffmann-Radtour oder ‑Führung ohne Hinweis auf die unerfüllte Liebe zu Julia Mark. Hoffmann, verheiratet mit Michalina Rohrer, erblickte Julia erstmals beim Gesangsvortrag in der Stephanskirche. Mit der Empfehlung als Musikdirektor gelang es ihm alsbald, sie im Musikunterricht unter seine Fittiche zu nehmen. Angesichts seines Gebarens in Tat und Wort schwante Julias Mutter zunehmend Übles. Was sie dazu veranlasste, die begehrte Tochter zügig mit dem Geschäftsmann Graepel zu verheiraten. Heute erinnert eine Tafel am Haus mit der Nummer 13 in der Langen Straße, letzte Station der Bamberg on tour zum Hoffmann-Jahr, an die Episode.
„Lehr- und Marterjahre“ nannte der Schriftsteller seine Zeit in Bamberg. Trotz aller Misere schreibt er 1818 an den Bamberger Arzt Friedrich Speyer: „Indessen war doch im Ganzen das tolle unstete Treiben in B〈amberg〉 keine üble Episode — Eine Flitter auf dunklem Grunde — eine FastnachtsSzene im komischen Roman des Lebens.“
Naturschutz in Bamberg ist das Thema der nächsten „Bamberg on tour“ am Sonntag, 7. Juni. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Aero-Club Bamberg e.V., Zeppelinstraße 18.
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„Bamberg on tour“ am 3. Mai widmet sich dem Künstler
Mit dem Fahrrad durchs Hoffmann-Jahr
„Bamberg on tour“ ist die Fahrradtour für Bürgerinnen und Bürgern zu stadtrelevanten Themen. Am Sonntag, 3. Mai, macht diese sich auf, unter fachkundiger Führung per Fahrrad einigen Spuren E.T.A. Hoffmanns zu folgen, wie die Stadt Bamberg mitteilt.
„Was unternehmen Sie heute, Teuerster? Gehen Sie nach Bug oder ins Theater? Im erstern Falle begleite ich Sie…“ schrieb E.T.A. Hoffmann am 16. Februar 1812 an seinen Freund Carl Friedrich Kunz. In Bamberg hat das Multitalent, das vor 250 Jahren in Königsberg in Ostpreußen das Licht der Welt erblickte, viele Spuren hinterlassen. „Bamberg on tour“ am Sonntag, 3. Mai, macht sich auf, unter fachkundiger Führung einigen dieser Spuren zu folgen und so Hoffmanns Welt ein Stück weit lebendig werden zu lassen.
„Bamberg on tour“ ist die Fahrradtour für Bürgerinnen und Bürgern zu stadtrelevanten Themen. Start dieser Tour im Hoffmann-Jahr ist um 14 Uhr am Eingang des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Dort wird John von Düffel, Intendant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, über das Theater und seinen Namensgeber sprechen. Unter der Leitung von Martin Habermeyer, Mitarbeiter der Museen der Stadt Bamberg und Kurator des E.T.A.Hoffmann-Hauses, begeben sich dann alle auf Spurensuche. Welche Orte hat Hoffmann hier gekannt? Wo ging er spazieren, wo hat er gefeiert und was kann man heute noch davon sehen? Eine Anmeldung ist nicht nötig – einfach sich anschließen und mitradeln, lautet das Motto.
Recht wechselvoll war die Zeit, die E.T.A. Hoffmann und seine Frau Mischa zwischen 1808 und 1813 in Bamberg verbrachten. „Lehr- und Marterjahre“ nannte er sie und war ziemlich froh, später Richtung Dresden und Leipzig weiterziehen zu können. Gleichzeitig bedingte das Scheitern als Musikdirektor am Theater die Entwicklung des gefeierten Schriftstellers. Freundschaften und örtliche Vernetzung ermöglichten die Veröffentlichung der „Fantasiestücke in Callots Manier“ (1814).
Auch Musik- und Gesangsunterricht oder Einblicke in das Psychiatrie- und Krankenhauswesen fanden Eingang in Hoffmanns schillerndes Werk. Nicht zuletzt gehörten häufige Spaziergänge, Ausflüge ins Umland und geselliges Beisammensein zu E.T.A.s liebsten Unternehmungen. Trotz aller Misere schreibt er 1818 an den Bamberger Arzt Friedrich Speyer: „Indessen war doch im Ganzen das tolle unstete Treiben in B〈amberg〉 keine üble Episode — Eine Flitter auf dunklem Grunde — eine FastnachtsSzene im komischen Roman des Lebens.“
Start der „Bamberg on tour“ am Sonntag, 3. Mai 2026, ist um 14 Uhr am Eingang des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Insgesamt sind für die Radtour im Hoffmann-Jahr maximal drei Stunden angesetzt. Die Teilnahme an „Bamberg on tour“ erfolgt auf eigene Gefahr und eigenes Risiko, den Anweisungen des Begleitpersonals ist Folge zu leisten.
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Autoverzicht
„Mich wundert es, dass sich nicht mehr Familien mit dem Fahrrad organisieren“
Familie Nordmann aus Bamberg verzichtet wo es geht aufs Auto und bevorzugt das Fahrrad. Ein Lebensstil, der nicht nur umweltverträglich, sondern auch im Sinne derzeitiger städtischer Politik ist.
Der Weg führt nach dem knackigen Anstieg über den Kaulberg am Babenberger Viertel vorbei, die sanften Hügel hinunter bis an den südlichen Ortsrand von Stegaurach. 80 Höhenmeter liegen dazwischen. Alles bestens asphaltiert. Keine nennenswerten Unebenheiten. Hier wohnt Familie Nordmann, die ihr Leben gefühlt ausschließlich auf dem Fahrrad zu verbringen scheint. „Wir nutzen natürlich schon jeden Trainingseffekt, den wir kriegen können“, beschreibt Vater Axel den Grundsatz der vierköpfigen Familie.
Alles wird auf zwei Rädern absolviert: Wenn seine Ehefrau Susanne als Erlebnispädagogin Material für Unterrichtseinheiten im Hain transportieren muss, schwingt sie sich aufs Rad und packt noch einen Anhänger hinten dran. Das macht täglich mindestens zehn Kilometer. Sohn Hannes und Tochter Ella radeln beide zum Sportverein im Nachbardorf genauso wie zur Schule in Bamberg. Allein bei Hannes wurden allein in diesem Jahr 1000 Kilometer runtergeradelt. Den Bus hat er einmal benutzt. Dauert ja mindestens eine halbe Stunde länger als selbst zu strampeln. Axel selbst fährt jeden Tag zur Arbeit. 20 Kilometer am Tag. Gut 6.000 im Jahr. Angst vor fiesem Wetter oder Kälte scheint im Hause Nordmann niemand zu kennen. „Die täglichen Strecken sind ja nicht so weit, als dass man nicht wieder trocknen könnte“, gibt sich der Familienvater gelassen. Es gibt also keine guten Ausreden. Also Helm aufziehen und in die Pedale treten!
Beziehungstest Fahrrad
Im Esszimmer der Nordmanns wird nicht nur fleischlos gespeist. Mehrere Bilder an der Wand zeugen von gemeinsamen Heldentaten im Sattel. Verschwitzte, aber glückliche Gesichter blicken in die Kamera. Mal als Familie. Mal mit Freunden.
Zum weichen Rasseln der gut geölten Fahrradkette fuhren die Nordmanns bereits bis ans Nordkap und nach Lissabon. Früher noch zu zweit, denn schon Jahre bevor eins plus eins vier ergab, war das Fahrrad im Zentrum der jungen Beziehung: „Wir sind damals mit dem Tandem nach Florenz gefahren. Da waren wir gerade einmal ein halbes Jahr zusammen“, erinnert sich Susanne.
Über den Berninapass ging es damals auf die italienische Halbinsel. „Das ist echt der ultimative Beziehungstest, wenn man zusammen 2.000 Kilometer auf dem Rad sitzt und sich koordinieren muss. Wenn man das zusammen meistert, dann kann es auch eine stabile Partnerschaft werden“, betont ihr Mann Axel. Beide müssen schmunzeln, wenn sie an die Zeit zurückdenken. 5.000 D‑Mark hat das junge Pärchen damals hingelegt, weil es kein Tandem zur Miete gab. Das war im Jahr 2001. „Nachdem ich sie das erste Mal vorne fahren ließ, war meine Karriere als Captain beendet“, meint Axel und muss lachen. Man merkt sofort: Die beiden sind ein eingespieltes Team, das nichts so schnell vom Fahrradsattel wirft.
Lieblingsstücke
Auf die Frage, welche fahrbaren Schätze in Keller und Garage stehen, fallen den Familienangehörigen immer noch ein paar mehr Räder ein. Vorläufiger Zwischenstand: Sieben Räder, davon zwei Tandems, zwei Anhänger, ein Einrad und eigentlich noch drei Räder mehr, „von denen ich mich einfach nicht trennen konnte“, gesteht Axel mit einem Lächeln.
Drahtesel mit Geschichten stecken dahinter. Genauso wie hinter den Anhängern: „Wir haben auf unserem Anhänger schon einmal eine komplette Spülmaschine transportiert. Oder auch schon das Grüngut auf gefühlt zwei Meter gestapelt und fortgebracht“, erinnert sich Axel. Auch die Einkäufe gelingen ohne Weiteres: „Auf dem Hinweg haben wir ja maximal das Pfand dabei. Und auf dem Rückweg geht’s mit dem vollen Anhänger noch flotter den Berg hinunter“, meint Susanne.
„Wir wollen zeigen, dass man ohne Auto leben kann“, sind sich die Eltern einig. „Wir haben einfach mal angefangen zu rechnen, welche Strecken wir auf welche Art bewerkstelligen können und da kommt man schnell raus, dass es wesentlich besser ist, die wenigen Fahrten mit Carsharing oder sogar mit dem Taxi abzudecken.” Da es in Stegaurach nur kurzzeitig ein Carsharing-Angebot gab, hat sich Familie Nordmann vor einigen Jahren zähneknirschend dennoch eine Familienkutsche angeschafft, die nun so lange die Garage hütet, bis eine Fahrt ansteht, die weder mit Fahrrad noch mit Zug sinnvoll zu bewältigen ist. Das sind meist Entfernungen zwischen 35 und 100 Kilometern. So kommt der PKW auf nicht mehr als 4.000 Kilometer im Jahr und ist somit ein teurer Luxus, der noch dazu den Fahrrädern Platz wegnimmt.
Kinder in Sicherheit
Für kürzere Fahrten hört das Elterntaxi auf den Begriff Tandem. „Es ist soviel entspannter, wenn die Kinder hinten sicher sitzen und man nicht aufpassen muss, wenn sie im Verkehr separat fahren“, bekräftigt die Mutter. Außerdem könne man so sehr gut sein eigenes Tempo halten, um die Kinder flott vor der Arbeit zur Sportstunde abzusetzen. Das Konzept habe sich auch im Familienurlaub in Italien bewährt, wo die Eltern den Nachwuchs immer sicher im Rücken wussten. „Mich wundert es, dass sich nicht mehr Familien so organisieren“, meint Susanne.
Dadurch, dass die Kinder schon früh die Radstrecke miterleben, würden sie schnell selbstständig und könnten den Weg bald allein absolvieren. „Das spart auch wieder Zeit für uns“, weiß die Mutter zu schätzen. Gemeinsame Familienausflüge über 120 Kilometer ins Unterfränkische zu Oma und Opa sind so auch über ein Wochenende machbar. Als Sohn und Tochter noch wesentlich jünger waren, war der Kinderanhänger das Mittel der Wahl. „Heute würden wir vermutlich ein Lastenrad mit Kindersitzen verwenden“, erläutert sie ihre Überlegungen.
Politische Förderung von Lastenrädern
Der Markt für Lastenfahrräder ist seit ihrem Aufkommen stetig gewachsen. Zuletzt um 50 Prozent wie der Fachmann Axel weiß. Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Lastenfahrrad zuzulegen, konnte in Bamberg bereits zweimal in den Genuss von Fördergeldern kommen. Für Gewerbetreibende und Familien gab es 500 Euro bei nicht-elektrifizierten Rädern.
Die E‑Varianten bekamen 1.000 Euro Zuschuss. 30.000 Euro hat sich die selbsterklärte Fahrradstadt Bamberg die Förderung bereits kosten lassen. Eine Neuauflage mit einer Art „Bewerbungsschreiben“ könnte folgen: Bambergs neuer Klima‑, Umwelt- und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp will sicherstellen, dass die teuren Gefährte vor allem Autofahrten ersetzen und nicht als zusätzliches Vehikel neben dem Zweit-
auto parken. „Es gibt auch eine entsprechende Bundesförderung für Gewerbetreibende, welche sich allerdings nicht für Lastenfahrräder lohnt, weil sie nicht entsprechende Raummaße erfüllen. Da braucht es schon noch einen Anhänger zusätzlich“, weiß Axel aus Erfahrung.
Wem die Preise für ein neues Lastenrad zu hoch sind, kann trotzdem in den Genuss der geräumigen Räder kommen: Über „Dein Lastenrad“ lassen sich bereits unterschiedliche Lastenräder mit Ladeflächen im Stadtgebiet gegen Spende leihen. Und das Angebot wurde rege genutzt: Gut 500 Mal wurden die Räder seit 2017 geliehen. Die Stadt Bamberg will auch hier einsteigen und wird ein gemeinsames Leihsystem etablieren, damit die Nutzung noch weiter angekurbelt wird.
Platz schaffen
Aber egal, ob Lastenrad oder Fahrrad mit Anhänger: Beide sind breiter und länger als der gewöhnliche Drahtesel und finden im engen Bamberg nicht immer ihren Platz. „Wenn man mit Anhänger unterwegs ist, muss ich immer ausrechnen, wo ich eigentlich parken kann“, erzählt Susanne. Eine echte Herausforderung. Zumindest im Innenstadtbereich könnte die Parkplatzsuche in Zukunft leichter werden: Am Kranen beziehungsweise in der Kapuzinerstraße werden jeweils ein Autoparkplatz zu Gunsten von drei Schrägparkplätzen für Lastenräder aufgelöst und mit Haltebügeln zur Sicherheit versehen. Das hat kürzlich der Mobilitätssenat der Stadt beschlossen.
Flexible Mobilität
Dass Axel und Susanne beide beruflich selbstständig sind und sie ihre Arbeitsplätze und ‑zeiten entsprechend arrangieren können, sehen sie als großen Vorteil an, um ihren Mobilitätsbedarf entsprechend anzupassen. „Wenn ich jeden Tag nach Nürnberg fahren müsste, käme ich mit dem Fahrrad nicht mehr zu Rande“, meint Axel. Nichtsdestotrotz: Die Bürgermeister der Städte und Gemeinden entlang des Main-Donau-Kanals stehen im Austausch, um Radschnellwege nach Süden auszubauen. Für andere Pendler, die zuvor immer per Auto unterwegs waren, könnte das ein Anreiz sein, den Zündschlüssel mit dem Fahrradhelm zu tauschen.
Familie Nordmann genießt das Leben auf zwei Rädern. Und sie weiß auch, was sie – im doppelten Sinne – mit dem Rad alles erreichen kann. Das schafft Sicherheit für die kommenden Jahre. Auch wenn die Infrastruktur noch hinterherhinkt und der Platz fürs Rad noch nicht mit seiner Wichtigkeit Schritt halten kann. Sicher sind sie sich auf jeden Fall: Ein umweltfreundliches Leben ohne Auto ist möglich. Und für das Laufband im Fitnessstudio wird wohl kein Mitglied der Familie Nordmann je Geld ausgeben.