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Fahrrad

„Bam­berg on tour“ mit Mar­tin Habermeyer

Per Rad in Hoff­manns Kosmos

E.T.A. Hoff­mann ver­staubt, ver­ges­sen? Nicht in Bam­berg. So lässt sich die Teil­nah­me an der „Bam­berg on tour“ im Hoff­mann-Jahr inter­pre­tie­ren. Über 30 Mit­rad­le­rin­nen und ‑rad­ler woll­ten sich die Gele­gen­heit am 3. Mai nicht ent­ge­hen las­sen, mit Hil­fe von Mar­tin Haber­mey­er, Kura­tor des E.T.A. Hoff­mann-Hau­ses, Hoff­manns Kos­mos zu ergrün­den, wie die Stadt Bam­berg mit­teilt. Ein dank Haber­mey­er und John von Düf­fel, Inten­dant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, köst­li­ches Unterfangen. 

Die Tour-Kilo­me­ter schnell abha­ken. Ein­mal E.T.A.-Hoffmann-Platz, dann in den Hain und zurück, das muss es doch gewe­sen sein. Von wegen! Mit Mar­tin Haber­mey­er ging’s von Hügel zu Hügel und dann hin­ein in die Lan­ge Stra­ße. Selbst der Weg hoch zur Alten­burg wäre eine Über­le­gung wert, droh­te er. Der Tour-Radi­us zeigt: Der, gemes­sen an sei­ner Kör­per­grö­ße, klei­ne E.T.A. Hoff­mann war in sei­ner Bam­ber­ger Zeit gut zu Fuß und ließ selbst im fros­ti­gen Febru­ar nicht davon ab, im Hain spa­zie­ren zu gehen.

1808 kam E.T.A. Hoff­mann als ambi­tio­nier­ter Musik­di­rek­tor ans Bam­ber­ger Thea­ter und insze­nier­te, dann als Dra­ma­turg und Deko­ra­ti­ons­ma­ler, Kleists „Käth­chen von Heil­bronn“. Dass sei­ne Bam­ber­ger Zeit sei­nen Weg zum gefei­er­ten Schrift­stel­ler berei­te­te, skiz­zier­te John von Düf­fel ein­gangs der Tour. Ein Bei­trag sei­nes Hau­ses zur Rei­he „250 Jah­re E.T.A. Hoff­mann“ ist „Des Kapell­meis­ters Johan­nes Kreis­lers musi­ka­li­sche Lei­den“, zu erle­ben am 20. Mai.


Kei­ne Zukunft als Musikdirektor

Die „Fan­ta­sie­stü­cke in Cal­lots Manier“ ebne­ten sei­nen Weg zum Schrift­stel­ler. Sicher auch des­halb, weil er als Musik­di­rek­tor kei­ne Zukunft hat­te. Nach schon 40 Tagen gab er auf. E.T.A. Hoff­mann nahm in der Fol­ge eine Rei­he von Auf­ga­ben am Thea­ter wahr. Und sah sich bald, um über die Run­den zu kom­men, genö­tigt, Töch­tern aus höhe­ren Gesell­schafts­krei­sen Musik­un­ter­richt zu erteilen.

Ers­ter Wohn­sitz war am Alten Kanal, dort, wo für alle ersicht­lich, geschrie­ben steht: „am 1. Sep­tem­ber 1808 in Bam­berg ange­kom­men“. Wenig spä­ter wech­sel­te er ins schma­le Haus direkt gegen­über der Theater-„Rose“, heu­te Haus­num­mer 26 am Schil­ler­platz. Haber­mey­er kün­dig­te an, das E.T.A.-Hoffmann-Haus 2028 öff­nen zu kön­nen und gewähr­te Ein­blick in des­sen Kon­zep­ti­on: Nahe gebracht wer­den sol­len die vie­len Talen­te Hoff­manns. Also der, so Haber­mey­er, „über­aus exak­te“ Jurist, der Zeich­ner, der Kom­po­nist und natür­lich der Schriftsteller.

Der Hain war Inspi­ra­ti­ons­quel­le und Begeg­nungs­stät­te. Hier erin­nert Her­mann Leit­he­rers Denk­mal an den spre­chen­den Hund Bergan­za. Im „Ver­gnü­gungs­or­te Bug“ begeg­ne­te Hoff­mann – „Sie sind auch kein Bam­ber­ger, wie ich höre“ – sei­nem spä­te­ren Freund und Geschäfts­part­ner Carl Fried­rich Kunz, Ver­le­ger, Inha­ber einer Wein­hand­lung und einer Leih­buch­hand­lung. Mit Kunz ging es hin­ab in den Wein­kel­ler des heu­ti­gen Krack­hardt-Hau­ses am Max­platz, um fröh­lich zu zechen. Hoff­mann war nach den Wor­ten von Haber­mey­er dem Alko­hol in ver­schie­de­nen For­men über­aus zuge­neigt, was aber wun­der­ba­rer­wei­se sei­ne Schaf­fens­kraft nicht behinderte.


Welt­ruhm erlangt

Hand­fes­tes ent­stand aus der Bezie­hung zu Kunz auch: Ein Ver­trag wur­de geschlos­sen über die Ver­le­gung sei­ner „Fan­ta­sie­stü­cke“. Ein Mei­len­stein im Wer­de­gang von E.T.A. Hoff­mann, der nicht zuletzt mit sei­nem Mär­chen „Nuß­kna­cker und Mäu­se­kö­nig“ und des­sen Bal­lett­ad­ap­ti­on durch Tschai­kow­ski Welt­ruhm erlangte.

Dich­ter­fürst Goe­the war von E.T.A. Hoff­mann nicht erbaut. Doch Haber­mey­er riet, sich davon nicht abhal­ten zu las­sen, den Kos­mos Hoff­manns zu erkun­den. Schalk­haf­tes, Mor­bi­des, Skur­ri­les und vor allem Phan­ta­sie­vol­les kenn­zeich­nen sein Werk, wofür Haber­mey­er etli­che Bei­spie­le nahe­brach­te. Der Kura­tor leg­te sei­nen Mit­rad­le­rin­nen und Mit­rad­lern zudem am Dom­berg ans Herz, sich nicht den E.T.A. Hoff­mann-Tanz­saal in der Alten Hof­hal­tung ent­ge­hen zu las­sen. Dort trifft das „Apfel­wei­b­la“ im Ori­gi­nal auf Pop-Art des 20. Jahr­hun­derts und zeit­ge­nös­si­sche Arbei­ten von Bergan­za-Preis­trä­ge­rin­nen und ‑Preis­trä­gern. Dazu gibt es im Tanz­saal eine span­nen­de Ver­an­stal­tungs­rei­he bis Okto­ber. Nächs­tes High­light ist eine kon­zer­tan­te Hoff­mann-Lesung mit Bea­te Roux und Mar­tin Neu­bau­er am 21. Mai mit dem ver­lo­cken­den Titel „Ahnun­gen aus dem Rei­che der Töne.“


Mor­bi­des und Ruinöses

Für Mor­bi­des und Rui­nö­ses gab es in Bam­berg zu Hoff­manns Zei­ten reich­lich Anschau­ungs­ma­te­ri­al. Der Schrift­stel­ler ver­ar­bei­te­te etwa das Kapu­zi­ner­klos­ter in schau­ri­gem Zustand, das sich anstel­le des Cla­vi­us-Gym­na­si­ums befand, in sei­nem Werk „Die Eli­xie­re des Teu­fels“. Die Bekannt­schaft mit Adal­bert Fried­rich Mar­cus, Leib­arzt von Fürst­bi­schof Franz-Lud­wig von Erthal, bescher­te ihm Ein­bli­cke ins Gesund­heits- und Psych­ia­trie­we­sen. Mar­cus war auf die­sem Gebiet ein abso­lu­ter Revo­lu­tio­när. Sein Lebens­werk ist das „All­ge­mei­ne Kran­ken­haus“ an der Reg­nitz als moderns­tes sei­ner Art in Euro­pa sowie die „Irren­an­stalt“ in St. Getreu. Selbst setz­te sich der Arzt ein Denk­mal als För­de­rer von Kunst und kul­tu­rel­lem Leben in Bam­berg und vor allem als Ret­ter der Alten­burg. Freund Hoff­mann bezog die Hoff­manns-Klau­se und bemal­te sie, wovon heu­te lei­der nichts zu sehen ist.

Kei­ne Hoff­mann-Rad­tour oder ‑Füh­rung ohne Hin­weis auf die uner­füll­te Lie­be zu Julia Mark. Hoff­mann, ver­hei­ra­tet mit Mich­ali­na Rohrer, erblick­te Julia erst­mals beim Gesangs­vor­trag in der Ste­phans­kir­che. Mit der Emp­feh­lung als Musik­di­rek­tor gelang es ihm als­bald, sie im Musik­un­ter­richt unter sei­ne Fit­ti­che zu neh­men. Ange­sichts sei­nes Geba­rens in Tat und Wort schwan­te Juli­as Mut­ter zuneh­mend Übles. Was sie dazu ver­an­lass­te, die begehr­te Toch­ter zügig mit dem Geschäfts­mann Grae­pel zu ver­hei­ra­ten. Heu­te erin­nert eine Tafel am Haus mit der Num­mer 13 in der Lan­gen Stra­ße, letz­te Sta­ti­on der Bam­berg on tour zum Hoff­mann-Jahr, an die Episode.

„Lehr- und Mar­ter­jah­re“ nann­te der Schrift­stel­ler sei­ne Zeit in Bam­berg. Trotz aller Mise­re schreibt er 1818 an den Bam­ber­ger Arzt Fried­rich Spey­er: „Indes­sen war doch im Gan­zen das tol­le unste­te Trei­ben in B〈amberg〉 kei­ne üble Epi­so­de — Eine Flit­ter auf dunk­lem Grun­de — eine Fast­nachts­Sze­ne im komi­schen Roman des Lebens.“

Natur­schutz in Bam­berg ist das The­ma der nächs­ten „Bam­berg on tour“ am Sonn­tag, 7. Juni. Treff­punkt ist um 14 Uhr am Aero-Club Bam­berg e.V., Zep­pe­lin­stra­ße 18.

„Bam­berg on tour“ am 3. Mai wid­met sich dem Künstler

Mit dem Fahr­rad durchs Hoffmann-Jahr

„Bam­berg on tour“ ist die Fahr­rad­tour für Bür­ge­rin­nen und Bür­gern zu stadt­re­le­van­ten The­men. Am Sonn­tag, 3. Mai, macht die­se sich auf, unter fach­kun­di­ger Füh­rung per Fahr­rad eini­gen Spu­ren E.T.A. Hoff­manns zu fol­gen, wie die Stadt Bam­berg mitteilt.

„Was unter­neh­men Sie heu­te, Teu­ers­ter? Gehen Sie nach Bug oder ins Thea­ter? Im erstern Fal­le beglei­te ich Sie…“ schrieb E.T.A. Hoff­mann am 16. Febru­ar 1812 an sei­nen Freund Carl Fried­rich Kunz. In Bam­berg hat das Mul­ti­ta­lent, das vor 250 Jah­ren in Königs­berg in Ost­preu­ßen das Licht der Welt erblick­te, vie­le Spu­ren hin­ter­las­sen. „Bam­berg on tour“ am Sonn­tag, 3. Mai, macht sich auf, unter fach­kun­di­ger Füh­rung eini­gen die­ser Spu­ren zu fol­gen und so Hoff­manns Welt ein Stück weit leben­dig wer­den zu lassen. 

„Bam­berg on tour“ ist die Fahr­rad­tour für Bür­ge­rin­nen und Bür­gern zu stadt­re­le­van­ten The­men. Start die­ser Tour im Hoff­mann-Jahr ist um 14 Uhr am Ein­gang des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Dort wird John von Düf­fel, Inten­dant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, über das Thea­ter und sei­nen Namens­ge­ber spre­chen. Unter der Lei­tung von Mar­tin Haber­mey­er, Mit­ar­bei­ter der Muse­en der Stadt Bam­berg und Kura­tor des E.T.A.Hoffmann-Hauses, bege­ben sich dann alle auf Spu­ren­su­che. Wel­che Orte hat Hoff­mann hier gekannt? Wo ging er spa­zie­ren, wo hat er gefei­ert und was kann man heu­te noch davon sehen? Eine Anmel­dung ist nicht nötig – ein­fach sich anschlie­ßen und mit­ra­deln, lau­tet das Motto.

Recht wech­sel­voll war die Zeit, die E.T.A. Hoff­mann und sei­ne Frau Mischa zwi­schen 1808 und 1813 in Bam­berg ver­brach­ten. „Lehr- und Mar­ter­jah­re“ nann­te er sie und war ziem­lich froh, spä­ter Rich­tung Dres­den und Leip­zig wei­ter­zie­hen zu kön­nen. Gleich­zei­tig beding­te das Schei­tern als Musik­di­rek­tor am Thea­ter die Ent­wick­lung des gefei­er­ten Schrift­stel­lers. Freund­schaf­ten und ört­li­che Ver­net­zung ermög­lich­ten die Ver­öf­fent­li­chung der „Fan­ta­sie­stü­cke in Cal­lots Manier“ (1814).

Auch Musik- und Gesangs­un­ter­richt oder Ein­bli­cke in das Psych­ia­trie- und Kran­ken­haus­we­sen fan­den Ein­gang in Hoff­manns schil­lern­des Werk. Nicht zuletzt gehör­ten häu­fi­ge Spa­zier­gän­ge, Aus­flü­ge ins Umland und gesel­li­ges Bei­sam­men­sein zu E.T.A.s liebs­ten Unter­neh­mun­gen. Trotz aller Mise­re schreibt er 1818 an den Bam­ber­ger Arzt Fried­rich Spey­er: „Indes­sen war doch im Gan­zen das tol­le unste­te Trei­ben in B〈amberg〉 kei­ne üble Epi­so­de — Eine Flit­ter auf dunk­lem Grun­de — eine Fast­nachts­Sze­ne im komi­schen Roman des Lebens.“

Start der „Bam­berg on tour“ am Sonn­tag, 3. Mai 2026, ist um 14 Uhr am Ein­gang des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Ins­ge­samt sind für die Rad­tour im Hoff­mann-Jahr maxi­mal drei Stun­den ange­setzt. Die Teil­nah­me an „Bam­berg on tour“ erfolgt auf eige­ne Gefahr und eige­nes Risi­ko, den Anwei­sun­gen des Begleit­per­so­nals ist Fol­ge zu leisten.

Auto­ver­zicht

„Mich wun­dert es, dass sich nicht mehr Fami­li­en mit dem Fahr­rad organisieren“

Fami­lie Nord­mann aus Bam­berg ver­zich­tet wo es geht aufs Auto und bevor­zugt das Fahr­rad. Ein Lebens­stil, der nicht nur umwelt­ver­träg­lich, son­dern auch im Sin­ne der­zei­ti­ger städ­ti­scher Poli­tik ist.

Der Weg führt nach dem kna­cki­gen Anstieg über den Kaul­berg am Baben­ber­ger Vier­tel vor­bei, die sanf­ten Hügel hin­un­ter bis an den süd­li­chen Orts­rand von Ste­gau­rach. 80 Höhen­me­ter lie­gen dazwi­schen. Alles bes­tens asphal­tiert. Kei­ne nen­nens­wer­ten Uneben­hei­ten. Hier wohnt Fami­lie Nord­mann, die ihr Leben gefühlt aus­schließ­lich auf dem Fahr­rad zu ver­brin­gen scheint. „Wir nut­zen natür­lich schon jeden Trai­nings­ef­fekt, den wir krie­gen kön­nen“, beschreibt Vater Axel den Grund­satz der vier­köp­fi­gen Familie.

Alles wird auf zwei Rädern absol­viert: Wenn sei­ne Ehe­frau Susan­ne als Erleb­nis­päd­ago­gin Mate­ri­al für Unter­richts­ein­hei­ten im Hain trans­por­tie­ren muss, schwingt sie sich aufs Rad und packt noch einen Anhän­ger hin­ten dran. Das macht täg­lich min­des­tens zehn Kilo­me­ter. Sohn Han­nes und Toch­ter Ella radeln bei­de zum Sport­ver­ein im Nach­bar­dorf genau­so wie zur Schu­le in Bam­berg. Allein bei Han­nes wur­den allein in die­sem Jahr 1000 Kilo­me­ter run­ter­ge­ra­delt. Den Bus hat er ein­mal benutzt. Dau­ert ja min­des­tens eine hal­be Stun­de län­ger als selbst zu stram­peln. Axel selbst fährt jeden Tag zur Arbeit. 20 Kilo­me­ter am Tag. Gut 6.000 im Jahr. Angst vor fie­sem Wet­ter oder Käl­te scheint im Hau­se Nord­mann nie­mand zu ken­nen. „Die täg­li­chen Stre­cken sind ja nicht so weit, als dass man nicht wie­der trock­nen könn­te“, gibt sich der Fami­li­en­va­ter gelas­sen. Es gibt also kei­ne guten Aus­re­den. Also Helm auf­zie­hen und in die Peda­le treten!

Bezie­hungs­test Fahrrad

Im Ess­zim­mer der Nord­manns wird nicht nur fleisch­los gespeist. Meh­re­re Bil­der an der Wand zeu­gen von gemein­sa­men Hel­den­ta­ten im Sat­tel. Ver­schwitz­te, aber glück­li­che Gesich­ter bli­cken in die Kame­ra. Mal als Fami­lie. Mal mit Freunden.

Zum wei­chen Ras­seln der gut geöl­ten Fahr­rad­ket­te fuh­ren die Nord­manns bereits bis ans Nord­kap und nach Lis­sa­bon. Frü­her noch zu zweit, denn schon Jah­re bevor eins plus eins vier ergab, war das Fahr­rad im Zen­trum der jun­gen Bezie­hung: „Wir sind damals mit dem Tan­dem nach Flo­renz gefah­ren. Da waren wir gera­de ein­mal ein hal­bes Jahr zusam­men“, erin­nert sich Susanne.

Über den Ber­ni­na­pass ging es damals auf die ita­lie­ni­sche Halb­in­sel. „Das ist echt der ulti­ma­ti­ve Bezie­hungs­test, wenn man zusam­men 2.000 Kilo­me­ter auf dem Rad sitzt und sich koor­di­nie­ren muss. Wenn man das zusam­men meis­tert, dann kann es auch eine sta­bi­le Part­ner­schaft wer­den“, betont ihr Mann Axel. Bei­de müs­sen schmun­zeln, wenn sie an die Zeit zurück­den­ken. 5.000 D‑Mark hat das jun­ge Pär­chen damals hin­ge­legt, weil es kein Tan­dem zur Mie­te gab. Das war im Jahr 2001. „Nach­dem ich sie das ers­te Mal vor­ne fah­ren ließ, war mei­ne Kar­rie­re als Cap­tain been­det“, meint Axel und muss lachen. Man merkt sofort: Die bei­den sind ein ein­ge­spiel­tes Team, das nichts so schnell vom Fahr­rad­sat­tel wirft.

Lieb­lings­stü­cke

Auf die Fra­ge, wel­che fahr­ba­ren Schät­ze in Kel­ler und Gara­ge ste­hen, fal­len den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen immer noch ein paar mehr Räder ein. Vor­läu­fi­ger Zwi­schen­stand: Sie­ben Räder, davon zwei Tan­dems, zwei Anhän­ger, ein Ein­rad und eigent­lich noch drei Räder mehr, „von denen ich mich ein­fach nicht tren­nen konn­te“, gesteht Axel mit einem Lächeln.

Draht­esel mit Geschich­ten ste­cken dahin­ter. Genau­so wie hin­ter den Anhän­gern: „Wir haben auf unse­rem Anhän­ger schon ein­mal eine kom­plet­te Spül­ma­schi­ne trans­por­tiert. Oder auch schon das Grün­gut auf gefühlt zwei Meter gesta­pelt und fort­ge­bracht“, erin­nert sich Axel. Auch die Ein­käu­fe gelin­gen ohne Wei­te­res: „Auf dem Hin­weg haben wir ja maxi­mal das Pfand dabei. Und auf dem Rück­weg geht’s mit dem vol­len Anhän­ger noch flot­ter den Berg hin­un­ter“, meint Susanne.

„Wir wol­len zei­gen, dass man ohne Auto leben kann“, sind sich die Eltern einig. „Wir haben ein­fach mal ange­fan­gen zu rech­nen, wel­che Stre­cken wir auf wel­che Art bewerk­stel­li­gen kön­nen und da kommt man schnell raus, dass es wesent­lich bes­ser ist, die weni­gen Fahr­ten mit Car­sha­ring oder sogar mit dem Taxi abzu­de­cken.” Da es in Ste­gau­rach nur kurz­zei­tig ein Car­sha­ring-Ange­bot gab, hat sich Fami­lie Nord­mann vor eini­gen Jah­ren zäh­ne­knir­schend den­noch eine Fami­li­en­kut­sche ange­schafft, die nun so lan­ge die Gara­ge hütet, bis eine Fahrt ansteht, die weder mit Fahr­rad noch mit Zug sinn­voll zu bewäl­ti­gen ist. Das sind meist Ent­fer­nun­gen zwi­schen 35 und 100 Kilo­me­tern. So kommt der PKW auf nicht mehr als 4.000 Kilo­me­ter im Jahr und ist somit ein teu­rer Luxus, der noch dazu den Fahr­rä­dern Platz wegnimmt.

Kin­der in Sicherheit

Für kür­ze­re Fahr­ten hört das Eltern­ta­xi auf den Begriff Tan­dem. „Es ist soviel ent­spann­ter, wenn die Kin­der hin­ten sicher sit­zen und man nicht auf­pas­sen muss, wenn sie im Ver­kehr sepa­rat fah­ren“, bekräf­tigt die Mut­ter. Außer­dem kön­ne man so sehr gut sein eige­nes Tem­po hal­ten, um die Kin­der flott vor der Arbeit zur Sport­stun­de abzu­set­zen. Das Kon­zept habe sich auch im Fami­li­en­ur­laub in Ita­li­en bewährt, wo die Eltern den Nach­wuchs immer sicher im Rücken wuss­ten. „Mich wun­dert es, dass sich nicht mehr Fami­li­en so orga­ni­sie­ren“, meint Susanne.

Dadurch, dass die Kin­der schon früh die Rad­stre­cke mit­er­le­ben, wür­den sie schnell selbst­stän­dig und könn­ten den Weg bald allein absol­vie­ren. „Das spart auch wie­der Zeit für uns“, weiß die Mut­ter zu schät­zen. Gemein­sa­me Fami­li­en­aus­flü­ge über 120 Kilo­me­ter ins Unter­frän­ki­sche zu Oma und Opa sind so auch über ein Wochen­en­de mach­bar. Als Sohn und Toch­ter noch wesent­lich jün­ger waren, war der Kin­der­an­hän­ger das Mit­tel der Wahl. „Heu­te wür­den wir ver­mut­lich ein Las­ten­rad mit Kin­der­sit­zen ver­wen­den“, erläu­tert sie ihre Überlegungen.

Poli­ti­sche För­de­rung von Lastenrädern

Der Markt für Las­ten­fahr­rä­der ist seit ihrem Auf­kom­men ste­tig gewach­sen. Zuletzt um 50 Pro­zent wie der Fach­mann Axel weiß. Wer mit dem Gedan­ken spielt, sich ein Las­ten­fahr­rad zuzu­le­gen, konn­te in Bam­berg bereits zwei­mal in den Genuss von För­der­gel­dern kom­men. Für Gewer­be­trei­ben­de und Fami­li­en gab es 500 Euro bei nicht-elek­tri­fi­zier­ten Rädern.

Die E‑Varianten beka­men 1.000 Euro Zuschuss. 30.000 Euro hat sich die selbst­er­klär­te Fahr­rad­stadt Bam­berg die För­de­rung bereits kos­ten las­sen. Eine Neu­auf­la­ge mit einer Art „Bewer­bungs­schrei­ben“ könn­te fol­gen: Bam­bergs neu­er Klima‑, Umwelt- und Sozi­al­re­fe­rent Jonas Glüsen­kamp will sicher­stel­len, dass die teu­ren Gefähr­te vor allem Auto­fahr­ten erset­zen und nicht als zusätz­li­ches Vehi­kel neben dem Zweit-

auto par­ken. „Es gibt auch eine ent­spre­chen­de Bun­des­för­de­rung für Gewer­be­trei­ben­de, wel­che sich aller­dings nicht für Las­ten­fahr­rä­der lohnt, weil sie nicht ent­spre­chen­de Raum­ma­ße erfül­len. Da braucht es schon noch einen Anhän­ger zusätz­lich“, weiß Axel aus Erfahrung.

Wem die Prei­se für ein neu­es Las­ten­rad zu hoch sind, kann trotz­dem in den Genuss der geräu­mi­gen Räder kom­men: Über „Dein Las­ten­rad“ las­sen sich bereits unter­schied­li­che Las­ten­rä­der mit Lade­flä­chen im Stadt­ge­biet gegen Spen­de lei­hen. Und das Ange­bot wur­de rege genutzt: Gut 500 Mal wur­den die Räder seit 2017 gelie­hen. Die Stadt Bam­berg will auch hier ein­stei­gen und wird ein gemein­sa­mes Leih­sys­tem eta­blie­ren, damit die Nut­zung noch wei­ter ange­kur­belt wird.

Platz schaf­fen

Aber egal, ob Las­ten­rad oder Fahr­rad mit Anhän­ger: Bei­de sind brei­ter und län­ger als der gewöhn­li­che Draht­esel und fin­den im engen Bam­berg nicht immer ihren Platz. „Wenn man mit Anhän­ger unter­wegs ist, muss ich immer aus­rech­nen, wo ich eigent­lich par­ken kann“, erzählt Susan­ne. Eine ech­te Her­aus­for­de­rung. Zumin­dest im Innen­stadt­be­reich könn­te die Park­platz­su­che in Zukunft leich­ter wer­den: Am Kra­nen bezie­hungs­wei­se in der Kapu­zi­ner­stra­ße wer­den jeweils ein Auto­park­platz zu Guns­ten von drei Schräg­park­plät­zen für Las­ten­rä­der auf­ge­löst und mit Hal­te­bü­geln zur Sicher­heit ver­se­hen. Das hat kürz­lich der Mobi­li­täts­se­nat der Stadt beschlossen.

Fle­xi­ble Mobilität

Dass Axel und Susan­ne bei­de beruf­lich selbst­stän­dig sind und sie ihre Arbeits­plät­ze und ‑zei­ten ent­spre­chend arran­gie­ren kön­nen, sehen sie als gro­ßen Vor­teil an, um ihren Mobi­li­täts­be­darf ent­spre­chend anzu­pas­sen. „Wenn ich jeden Tag nach Nürn­berg fah­ren müss­te, käme ich mit dem Fahr­rad nicht mehr zu Ran­de“, meint Axel. Nichts­des­to­trotz: Die Bür­ger­meis­ter der Städ­te und Gemein­den ent­lang des Main-Donau-Kanals ste­hen im Aus­tausch, um Rad­schnell­we­ge nach Süden aus­zu­bau­en. Für ande­re Pend­ler, die zuvor immer per Auto unter­wegs waren, könn­te das ein Anreiz sein, den Zünd­schlüs­sel mit dem Fahr­rad­helm zu tauschen.

Fami­lie Nord­mann genießt das Leben auf zwei Rädern. Und sie weiß auch, was sie – im dop­pel­ten Sin­ne – mit dem Rad alles errei­chen kann. Das schafft Sicher­heit für die kom­men­den Jah­re. Auch wenn die Infra­struk­tur noch hin­ter­her­hinkt und der Platz fürs Rad noch nicht mit sei­ner Wich­tig­keit Schritt hal­ten kann. Sicher sind sie sich auf jeden Fall: Ein umwelt­freund­li­ches Leben ohne Auto ist mög­lich. Und für das Lauf­band im Fit­ness­stu­dio wird wohl kein Mit­glied der Fami­lie Nord­mann je Geld ausgeben.