Erzbischof Gössl setzt pastorale Orientierungen für eine Kirche mit Zukunft in Kraft
Erzbistum Bamberg setzt auf Dialog und Synodalität
Mit neuen pastoralen Orientierungen stellt das Erzbistum Bamberg die Weichen für eine lebendige und zukunftsfähige Kirche. Dabei sollen die Prinzipien der Synodalität und des Dialogs handlungsleitend sein, sagte Erzbischof Herwig Gössl, der die „Entwicklungslinien“ mit Wirkung zum Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, in Kraft setzte.
Die sich verändernden Lebensrealitäten in der Gesellschaft und die unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnisse der Menschen machten es erforderlich, die kirchlichen Strukturen und Angebote neu auszurichten. „In dieser Situation ist Jesus Christus unser Maßstab“, betonte Gössl.
Pastorales Handeln entwickle sich ausgehend von und gemeinsam mit den Menschen, ihren jeweiligen Lebenswelten und sozialen Bezügen, ihren Bedürfnissen, Freuden, Hoffnungen, Sorgen, Zweifeln, Ängsten und Nöten. Die Kirche wolle Gemeinschaft unter den Menschen fördern, „nicht in einer exklusiven Form, sondern im Blick auf alle Menschen in ihrer Einzigartigkeit und in ihrer Lebenswirklichkeit“. Weiter heißt es: „Daher treten wir für eine Welt ein, in der Unterschiedlichkeit als Bereicherung erfahren wird.“
Die Entwicklung mache die Grenzen der bisherigen kirchlichen Strukturen mit ihren personellen und finanziellen Möglichkeiten deutlich. Dies habe zur Folge, dass nicht flächendeckend alle Angebote aufrechterhalten werden können, so Gössl. Ein „wertschätzendes Abschiednehmen“ sei erforderlich. Nötig sei die Bereitschaft, Liebgewordenes loszulassen und Dinge aufzugeben, die einmal wichtig waren und immer noch sinnvoll sind, aber nicht mehr gehalten werden können. Zugleich müssten neben bestehenden Kirchorten neue Orte der Hoffnung und des gelebten Glaubens gefördert werden. Auch experimentell-innovative Ansätze und Initiativen sollen systematisch begleitet und unterstützt werden. Die Feier der sonntäglichen Eucharistie bleibe an ausgewählten Orten Höhepunkt und Mitte des Glaubens, damit Menschen die Nähe Gottes erfahren können. Daneben sei auch die Feier weiterer vielfältiger liturgischer und spiritueller Formen zu fördern.
Pastorales Handeln finde mitten in der Gesellschaft statt und sei durch Eigeninitiative und Engagement, die sich dort zeigen, inspiriert. Gemeinschaftlich gelebter Glaube geschehe in den Familien und überall dort, wo Menschen ihr Christsein und ihre Überzeugung im Alltag und auch in der digitalen Welt leben. „Gemeinschaftlich gelebter Glaube ist dynamisch und nicht an bestehende Orte und Gebäude gebunden“, heißt es in den Orientierungen.
Daher bestehe nicht der Anspruch, kirchliches Leben im Sinne einer Versorgung durch Haupt- und Ehrenamtliche flächendeckend aufrecht zu erhalten. Die Verwaltung werde effizient und zentral in Seelsorgebereichen organisiert. Ein weiteres Anliegen ist die enge Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen und kirchlichen Akteuren im Sozialraum. Die Kirche möchte sich als zuverlässige Partnerin in der Gesellschaft verstehen, die ihre Verantwortung aktiv mit anderen übernimmt. Dies schließt ökumenische Partnerschaften sowie die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen, Verbänden und Einrichtungen ein.
Der zentrale Orientierungspunkt für kirchliches Handeln sei Jesus Christus, betonte der Erzbischof. Auf sein Wort, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung müssten sich alle Formen kirchlichen Lebens beziehen. Die Kirche von Bamberg bewege sich im Rahmen der gesamtkirchlich gültigen Regeln und Normen und nutze die sich bietenden Möglichkeiten und Räume. „Dabei sind wir getragen von der festen Überzeugung, dass es im Letzten nicht auf unseren Beitrag ankommt, sondern auf Gottes Wirken, damit unser Tun als Kirche fruchtbar wird“, so Gössl.
Die pastoralen Orientierungen schreiben den Pastoralplan „Den Aufbruch wagen – heute!“ aus dem Jahr 2005 fort, der weiterhin in Kraft bleibt. Zugleich bilden sie den Auftakt des pastoralen Bistumsprozesses „Entscheiden und Handeln: Für eine Kirche mit Zukunft“. Auf Basis der Orientierungen sollen die Seelsorgebereiche eigene pastorale Strategien und innovative Ideen entwickeln, wie sie künftig vor Ort Kirche sein wollen. Anhand von Rückmeldungen aus der Praxis sollen die erzbischöflichen pastoralen Orientierungen dynamisch fortgeschrieben werden.
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Christlicher Glaube als Heilmittel gegen Egoismus, Hass und Intoleranz
Erzbischof Gössl ruft Jahresmotto „Du bewegst die Welt“ aus
Zum Abschluss des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres mit dem Leitwort „Pilger der Hoffnung“ hat Erzbischof Herwig Gössl das neue Jahr 2026 im Erzbistum Bamberg unter das Motto „Du bewegst die Welt“ gestellt.
Mit dem Jahresmotto für 2026 solle zum Ausdruck gebracht werden, dass der christliche Glaube das beste Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze ist. „Und dabei kommt es wirklich auf jeden einzelnen Menschen an“, sagte Gössl in seiner Predigt am Silvesterabend im Bamberger Dom.
Mit dem Motto soll aufgerufen werden, die eigene Bequemlichkeit und Hilflosigkeit angesichts der weltweiten Krisen zu überwinden. Zwar könne ein Einzelner nichts ausrichten gegen den globalen Klimawandel, obwohl er ihn mit verursache durch seine Lebensgewohnheiten, seine Bequemlichkeit und die mangelnde Bereitschaft zum Verzicht. Niemand könne einen Krieg beenden, den er nicht angefangen hat, das gelinge offensichtlich nicht einmal dem US-Präsidenten. Diese Erfahrung von Hilflosigkeit und Ohnmacht sie für viele Menschen heute belastend und niederdrückend.
„Wir haben in diesem Jahr einiges erlebt, das uns die Hoffnung rauben könnte“, stellte Gössl fest. Aber das Heilige Jahr habe auf viele Zeichen und Orte der Hoffnung aufmerksam gemacht und gezeigt, wie sehr der Alltag von der Kraft christlicher Hoffnung durchdrungen und gestaltet ist. „Es hat auch gezeigt, wie sehr es dabei eben doch auf den Glauben eines jeden Einzelnen ankommt“, so Gössl. Diese Hoffnung sei keine „billige Vertröstung“, sondern echte Hoffnung, die sich in Gott festmache. Es sei deshalb wichtig, den Glauben weiterzugeben, „weil er uns in einer zunehmend maßlos werdenden Welt einen Maßstab an die Hand gibt.“
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Weihnachtspredigt von Erzbischof Gössl
„Weihnachten ist keine weltfremde Idylle“
Die Friedensbotschaft der Heiligen Nacht ist nach Worten von Erzbischof Herwig Gössl keine Blindheit vor der Realität und kein übertriebener Optimismus, betonte der Erzbischof in seiner Weihnachtspredigt.
„Weihnachten sagt uns alle Jahre wieder, dass Gott diese Menschheit nicht aufgegeben hat, trotz aller Unvernunft und Widersprüchlichkeit im Verhalten, trotz der Neigung zur Gewalt, die dem Frieden so oft im Weg steht“, sagte Gössl in seiner Predigt am Heiligabend im Bamberger Dom.
Der Erzbischof stellte die Frage, warum es der Menschheit so schwerfalle, Meinungsverschiedenheiten ohne Gewalt zu regeln. Offensichtlich schlummere im Menschen eine Neigung zur Eskalation, die dann erwache, wenn man sich bedroht oder ungerecht behandelt fühle. Diese Mechanismen zeigten sich nicht nur im Krieg, sondern auch in den sozialen Netzwerken, wo Empörung, Feindbilder und gegenseitige Schuldzuweisungen viele Debatten prägten.
Dem setzte Erzbischof Gössl die biblische Friedensbotschaft entgegen. Der Prophet Jesaja spreche von der Sehnsucht nach Frieden, verschweige aber auch nicht die Trümmer und das Leid in der Stadt Jerusalem, die dem Frieden vorausgingen. Auch Weihnachten sei keine weltfremde Idylle. „Das Evangelium redet sehr klar von der Finsternis in dieser Welt“, sagte Gössl. Zugleich verkünde es, dass ein Licht in dieser Finsternis leuchte und Orientierung sowie Hoffnung gebe.
Die Weihnachtsbotschaft versteht der Erzbischof als Hoffnungszeichen und Auftrag zugleich. Sie zeige, wie die Welt nach Gottes Willen sein könne, und ermutige dazu, Gewalt zu deeskalieren und aktiv zum Frieden beizutragen. Weil Gott die Menschheit trotz Krieg, Hass und Konflikten nicht aufgebe, dürften auch Menschen einander nicht aufgeben – weder in Kriegs- und Krisengebieten noch in digitalen Auseinandersetzungen oder im privaten Alltag. Auch wenn Friedensarbeit oft wie ein schwaches Licht erscheine, bleibe sie wirksam. Die Geburt Christi sei das Zeichen für Gottes Ja zur Welt „Es ermutigt uns, auch selbst zu den Mitmenschen Ja zu sagen“, so Gössl.
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Bistumsgrenze wird verschoben
Erzbistum Bamberg und Bistum Eichstätt tauschen kleine Gebiete
Die Grenze zwischen dem Erzbistum Bamberg und dem Bistum Eichstätt ändert sich. Der Vatikan entsprach dem Wunsch von Erzbischof Herwig Gössl und des damaligen Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke, die Anfang des Jahres eine Anpassung der Grenze an die pastorale Praxis beantragt hatten. Betroffen sind nur wenige Hundert Katholiken, wie das Erzbistum Bamberg mitteilt.
Hintergrund ist, dass vor Jahrzehnten mit dem Bau des Main-Donau-Kanals im Süden der Stadt Nürnberg (Marterlachsiedlung) die zu Eichstätt gehörende Kuratie St. Gabriel von ihrer Mutterpfarrei St. Walburga (Eibach) abgeschnitten wurde. Dieser Teil der Pfarrei ist seitdem nicht mehr ohne große Umwege zu erreichen. 1971 wurden von beiden Bistümern das Gebiet von St. Gabriel im Bereich der Pfarrei St. Walburga (Eichstätt) und der Stadtteil Werderau im Bereich der Pfarrei St. Ludwig (Bamberg) zur Seelsorgestelle Marterlachsiedlung-Werderau zusammengefasst. Im Laufe der Zeit hat sich dann für das Gebiet der Name St. Gabriel durchgesetzt. 2018 vereinbarten die Bistümer, die Pfarrkirchenstiftung St. Franziskus in Nürnberg (Erzbistum Bamberg) sowie die Kuratiekirchenstiftung St. Gabriel in Nürnberg (Bistum Eichstätt) mit ihren jeweiligen Kirchengemeinden aufzuheben und der Pfarrkirchengemeinde St. Ludwig (Erzbistum Bamberg) zuzulegen. Das Kultusministerium stimmte dem zu.
Ein anderer Fall von bistumsgrenzüberschreitender Seelsorge wurde in der Pfarrei St. Ludwig in Ansbach (Erzbistum Bamberg) bereinigt. Hier werden seit jeher mehrere Ortsteile von zwei Pfarreien des Bistums Eichstätt mitbetreut. Betroffen sind 340 Katholiken in Nürnberg und 411 in Ansbach, die sich auch den sie betreuenden Pfarreien zugehörig fühlen. Bezüglich der Kirchensteuer handelt sich dahingehend um einen „gerechten Tausch“. Die Änderung tritt zum 1. Januar 2026 in Kraft.
Die Veränderungen
Von Eichstätt zu Bamberg: das gesamte Gebiet der (ursprünglichen) Kuratie St. Gabriel in Nürnberg, Stadtteil Marterlachsiedlung.
Von Bamberg zu Eichstätt: die Ortschaften Brodswinden mit Brodswindener Mühle, Hammerschmiede, Höfstetten, Höfstetter Mühle, Wallersdorf, der westliche Teil der Ortschaft Wolfartswinden sowie Alberndorf mit Büchenmühle, Hirschbronn, Neukirchen und Steinbach, ferner der östliche der Bundesstraße B13 gelegen Teil der Gemarkung Bernhardswinden mit Louismühle.
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Weihnachten im Bamberger Dom
Christmette mit Erzbischof Gössl im Livestream
An Heiligabend findet die traditionelle Christmette im Bamberger Dom mit Erzbischof Herwig Gössl um 22.30 Uhr statt. Das Erzbistum Bamberg hat den Ablauf vom diesjährigen Weihnachtsfest bis Dreikönig bekanntgegeben.
An Heiligabend singen und spielen während der Christmette die Mädchenkantorei, der Frauenkammerchor der Domkantorei und Mitglieder der Bamberger Symphoniker die Missa in A „in nativitate Domini“ von Josef Gabriel Rheinberger.
An der Orgel spielt Domorganist Markus Willinger. Die Christmette wird im Livestream übertragen. Um 16.00 Uhr findet ein Kindergottesdienst mit Krippenspiel statt, der vom Aufbauchor der Mädchenkantorei und den Vorchören der Dommusik gestaltet wird. Um 17.30 Uhr wird eine Familienmette mit Dompfarrer Markus Kohmann gefeiert.
Das Pontifikalamt am Hochfest der Geburt des Herrn, Donnerstag, 25. Dezember, mit Erzbischof Gössl, beginnt um 9.30 Uhr. Die Domkantorei, Solisten und Musiker der Bamberger Symphoniker singen und spielen unter Leitung von Domkapellmeister Vincent Heitzer die Missa brevis in C „Missa aulica“ von F. X. Brixi. An der Orgel spielt Domorganist Markus Willinger. Der Gottesdienst wird im Livestream übertragen. Eine weitere Eucharistiefeier findet um 11.30 Uhr statt. Um 17.00 Uhr feiert Erzbischof Gössl eine Pontifikalvesper. Es singen der Domchor, die Mädchenkantorei und die Domkantorei Chormusik, Psalmen und Wechselgesänge.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag, Freitag, 26. Dezember, findet um 9.30 Uhr eine Eucharistiefeier statt, der Domdekan Hubert Schiepek vorsteht. Der Männerchor des Domchores und die Sopranistin Victoria Kunze singen die „Missa classica“ von G. Sorg. Um 11.30 Uhr findet eine weitere Messfeier statt, um 17.00 Uhr eine Festandacht.
Am Sonntag, 28. Dezember, sind Eucharistiefeiern um 9.30 Uhr und um 11.30 Uhr. Um 17 Uhr wird das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, Kantaten I, IV, VI, vom Domchor, Solisten und dem Barockorchester La Banda unter Leitung von Vincent Heitzer aufgeführt.
Am Silvestertag, Mittwoch, 31. Dezember, beginnt die feierliche Vesper zum Jahresschluss mit Erzbischof Gössl um 17.00 Uhr. Musikalisch mitgestaltet wird sie vom Kathedraljugendchor mit Psalmen, Wechselgesängen und weihnachtlicher Chormusik.
An Neujahr (Hochfest der Gottesmutter Maria), Donnerstag, 1. Januar, findet um 9.30 Uhr ein Gottesdienst mit Domdekan Hubert Schiepek mit deutschen Kirchenliedern und Kantorengesängen statt. Um 11.30 Uhr ist eine weitere Eucharistiefeier.
Am Hochfest der Erscheinung des Herrn, (Dreikönig) Dienstag, 6. Januar, wird die Eucharistiefeier um 9.30 Uhr, der Domdekan Hubert Schiepek vorsteht, vom DomVokal musikalisch gestaltet. Um 11.30 Uhr findet ein weiterer Gottesdienst mit Aussendung der Sternsinger statt. Um 17.00 Uhr wird ein weihnachtlicher Vespergottesdienst „A Ceremony of Nine Lessons and Carols“ in anglikanischer Form gefeiert. Es singt die Domkantorei.
Das Parken auf dem Domplatz ist zu den Gottesdienstzeiten und zum Weihnachtsoratorium erlaubt.
Die Livestreams am 24. und 25. Dezember werden auf www.youtube.com/erzbistumbamberg übertragen.
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Erzbischof Gössl gratuliert im Namen des Bistums
Alt-Erzbischof Karl Braun wird 95 Jahre alt
Der frühere Bamberger Erzbischof Karl Braun wird am Samstag, dem 13. Dezember, 95 Jahre alt. Erzbischof Herwig Gössl gratuliert dem Jubilar mit einem Glückwunschschreiben im Namen des ganzen Erzbistums. Seit seiner Emeritierung 2001 diene er der Kirche durch sein Gebet und sei ein „wacher und aufmerksamer Begleiter der aktuellen Vorgänge in Kirche und Welt“ geblieben.
„Ich danke Dir für Deine Verbundenheit und für Deine liebenswürdigen und pastoral hilfreichen Gedanken, die immer zugleich getragen sind vom Fundament einer tiefen Verwurzelung im katholischen Glauben“, fügte Gössl in seinem Brief hinzu. Mit dem Bamberger Pastoralgespräch habe Karl Braun einen wichtigen Akzent der Synodalität im Erzbistum gesetzt. „In unzähligen Impulsen und Ansprachen hast Du Dich um eine Vertiefung der inhaltlichen Gespräche und um eine Stärkung des Glaubens bemüht“, so Gössl.
Der emeritierte Erzbischof Ludwig Schick würdigte seinen Vorgänger mit den Worten: „Du hast Dein ganzes Leben im Geist Jesu Christi der Kirche und den Menschen gewidmet.“ Er wünschte ihm weiter Gesundheit des Leibes und der Seele, Zufriedenheit und Wohlergehen.
Karl Braun wurde am 13. Dezember 1930 in Kempten in einer Kaufmannsfamilie geboren. Am 10. Oktober 1958 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Nach Aufgaben in der Seelsorge in Grönenbach und Murnau studierte Braun ab 1962 Kirchenrecht in Rom. Er war Konzilssekretär der Bischöfe Joseph Freundorfer und Josef Stimpfle. In seinem Heimatbistum Augsburg war er Domvikar und zweiter Sekretär von Bischof Stimpfle sowie Leiter der diözesanen Vorbereitungskommission der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer. 1972 wurde er ins Augsburger Domkapitel berufen. Als Bistumstheologe war Karl Braun Ansprechpartner für Fragen des Glaubens und der Liturgie. Am 17. April 1984 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Eichstätt. Die Bischofsweihe empfing er am 16. Juni 1984 im Eichstätter Dom.
Am 25. März 1995 ernannte Papst Johannes Paul II. Karl Braun zum Erzbischof von Bamberg. Er war damit der 74. Bischof und der zwölfte Erzbischof. Sechs Jahre lang leitete Karl Braun die Erzdiözese. In seine Amtszeit fiel das Bamberger Pastoralgespräch, in dem sich Gläubige und Hirten intensiv mit der Kirche und der Erzdiözese Bamberg vor den Herausforderungen der heutigen Zeit beschäftigten. Auch seine überdiözesanen Aufgaben in der Deutschen Bischofskonferenz versah Erzbischof Braun mit dem Blick auf die Einheit der Kirche in Deutschland und deren Einbindung in die Weltkirche.
Auch nach seinem Ruhestand, den er zurückgezogen in Bamberg-Wildensorg verbringt, hat er zahlreiche Bücher und Beiträge in Zeitschriften zu Themen des geistlichen Lebens der Priester und zur gegenwärtigen Situation der Kirche veröffentlicht.
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Erzbischof Gössl: „Wir dürfen nicht wegsehen“
Erzbistum Bamberg stellt 25.000 Euro für Menschen im Gazastreifen bereit
Angesichts der sich zuspitzenden Hungerkatastrophe im Gazastreifen stellt das Erzbistum Bamberg 25.000 Euro als kurzfristige Katastrophenhilfe bereit. Die Mittel gehen zu gleichen Teilen an Caritas International und Misereor, wie das Erzbistum Bamberg mitteilt.
Die kirchlichen Hilfswerke sind mit eigenen Mitarbeitenden sowie Partnerorganisationen vor Ort und leisten humanitäre Hilfe für die Menschen, die von akuter Unterversorgung und Hunger betroffen sind.
Die Lage im Gazastreifen ist nach Worten von Erzbischof Herwig Gössl dramatisch. „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn zwei Millionen Menschen um das Überleben kämpfen, weil ihnen die nötigen Lebensmittel und ein Dach über dem Kopf fehlen“, sagte Gössl. Er betonte zudem, dass die kirchlichen Hilfswerke trotz schwierigster Bedingungen weiterhin im Einsatz seien. Caritas International und Misereor leisteten unter größten Gefahren Außergewöhnliches. Mit den bereitgestellten Mitteln wolle das Erzbistum ihre Arbeit stärken und zugleich ein Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit setzen.
Nach Angaben der Hilfswerke fehlt es in Gaza derzeit vor allem an Lebensmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und sicheren Unterkünften. Beide Organisationen haben zu Spenden aufgerufen, um ihre Hilfsprogramme aufrechtzuerhalten und auszuweiten. Gössl rief dazu auf, die Hilfswerke zusätzlich zu unterstützen. Jede Spende helfe, Leid zu lindern und Zukunft zu ermöglichen, betonte der Erzbischof.
Spendenkonten
Caritas International: DE88 6602 0500 0202 0202 02
Misereor: DE75 3706 0193 0000 1010 10
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Alte Verbindung zwischen den Bischofsstädten wird neu belebt
Bamberger Heinrich-Reliquie an das Straßburger Münster übergeben
Eine Reliquie des Heiligen Kaisers Heinrich II. ist im Auftrag des Bamberger Erzbischofs Herwig Gössl an das Straßburger Münster übergeben worden, wie das Erzbistum Bamberg mitteilt. Damit wurden die historischen Verbindungen zwischen beiden Kathedralstädten mehr als 1000 Jahre nach der Zeit des Kaisers neu belebt.
Heinrich II., letzter Herrscher aus dem ottonischen Geschlecht, hatte im 11. Jahrhundert sowohl in Bamberg als auch in Straßburg deutliche Spuren hinterlassen. Beide Städte sollen zu seinen Lieblingsorten gehört haben. Intensiv förderte er die Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 und den Bau des ersten Domes, der 1012 geweiht wurde. Auch in Straßburg unterstützte er 1015 maßgeblich den Bau der Kathedrale. Nach der Überlieferung soll er dort längere Zeit verweilt und an den Kapitelsmessen teilgenommen haben. Ein Kaiserfenster im Straßburger Münster erinnert bis heute an die Rolle Heinrichs II. beim Bau und den Straßburger Bischof Werner von Habsburg, mit dem er freundschaftlich verbunden war.
Partikel mit bischöflicher Authentik versehen wurde nach Straßburg gebracht
Umgekehrt ist die Präsenz des Straßburger Bischofs auch für den Papstbesuch in Bamberg im Jahr 1020 verbrieft. Die engen Beziehungen zwischen beiden Bischofsstädten waren längst in Vergessenheit geraten und leben mit der Reliquienübertragung neu auf.
Die Initiative dazu ging vom Straßburger Dompfarrer Didier Muntzinger aus, der zum 750. Jubiläum der Laurentiuskapelle deren Altar neugestalten ließ. Bei einem Dombaumeistertreffen in Bamberg entstand der Kontakt zum Erzbistum. „Es war uns eine große Freude, eine Heinrichsreliquie nach Straßburg zu geben“, sagte Erzbischof Gössl. „So sind wir durch den heiligen Heinrich noch tiefer mit den Schwestern und Brüdern in Straßburg verbunden.“ In Straßburg wurde die Reliquie mit freudiger Dankbarkeit entgegengenommen und als Zeichen europäischer Gemeinschaft der Kirche und der Gläubigen gewertet.
Die Reliquie, ein winziges Fragment eines Oberschenkelknochens des Heiligen Kaisers, stammt aus dem Bamberger Domschatz. Nach der Heiligsprechung Heinrichs 1146 wurden seine Gebeine in viele Kirchen Europas überführt. Ein größerer Teilknochen war im 19. Jahrhundert an ein päpstliches Kolleg in Rom gelangt und kehrte erst 2024 nach Bamberg zurück. Das Gegenstück war in der Sakristei des Bamberger Doms verwahrt worden. Nach der Zusammenführung waren beide Gebeine im Februar 2025 im Kaisergrab beigesetzt worden, bis auf ein kleines Fragment, das für künftige Reliquienanfragen zurückgehalten wurde. Ein solcher Partikel wurde nun mit bischöflicher Authentik versehen und mit einem Siegel des Erzbischofs nach Straßburg gebracht. Die Einsetzung in den neuen Altar der Laurentiuskapelle erfolgte am 25. Oktober 2025.
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„Schenken Sie den Menschen Hoffnung und Licht!“
Erzbischof Gössl weiht vier Männer aus dem Erzbistum Bamberg zu Ständigen Diakonen
Bei einem feierlichen Weihegottesdienst im Bamberger Dom hat Erzbischof Herwig Gössl am Samstag Dr. Johannes Kraus, Christian Kainzbauer-Wütig, Markus Eberl sowie Martin Wolters in ihrem Amt als Ständige Diakone bestätigt und die Bedeutung der Diakonenweihe für die Verkündigung der christlichen Hoffnung unterstrichen.
In seiner Predigt betonte Erzbischof Gössl, dass Diakone nicht nur in der Liturgie, sondern auch im täglichen Leben das Wort Gottes verkünden sollen, „durch ihre Taten und ihre Haltung“. Diakone seien dazu aufgerufen, nicht nur Worte der Hoffnung zu sprechen, sondern auch als Pilger der Hoffnung voranzugehen und die Menschen zu inspirieren: „In der Art und Weise, wie sie leben, wie sie in ihrem Beruf und in ihrer Freizeit mit Menschen umgehen, soll ablesbar sein, welche Botschaft Diakone verkünden und welchen Horizont der Hoffnung unser christlicher Glaube auftut“, so Gössl.
Die wahre Hoffnung, die Christen in die Welt tragen, zeichne sich nicht alleine durch gute Stimmung oder ungetrübten Optimismus aus, sagte der Erzbischof. Stattdessen sei die Hoffnung, die durch den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi geschenkt wird, eine tiefgründige und tragende Hoffnung, die spürbar macht, dass es immer Raum zum Handeln gibt, „auch angesichts bedrückender und bedrohlicher Situationen“.
Gössl hob hervor, dass wir in einer Zeit leben, in denen viele Leute von Ängsten umgetrieben werden: „vor dem Krieg, vor der Klimakatastrophe, vor dem sozialen Kälteeinbruch, vor der Manipulierbarkeit durch Despoten oder durch die KI“. Umso wichtiger sei es, in diesem Klima Hoffnung zu vermitteln und Mut zu machen. Diakone sollen den Bedürftigen, Leidenden und Suchenden beistehen und dabei die christliche Botschaft der Versöhnung und des Friedens weitertragen.
Dr. Johannes Kraus ist 37 Jahre alt, kommt aus Kersbach bei Neunkirchen am Sand im Seelsorgebereich Pegnitztal und arbeitet als Projektmanager. Christian Kainzbauer-Wütig ist 55 Jahre alt, Ordinariatsrat sowie Leiter der Hauptabteilung Außerschulische Bildung und wohnt in Bischberg im Seelsorgebereich Main-Aurach.
Markus Eberl ist 58 Jahre alt und arbeitet als Notar in Bayreuth, seine Heimatpfarrei ist die Gemeinde Heilig Kreuz im Seelsorgebereich Bayreuth. Martin Wolters ist 54 Jahre alt und arbeitet als Elektroingenieur in Nürnberg, wo er sich in der Pfarrei St. Michael im Seelsorgebereich Nürnberg Mitte-Nord-West engagiert.
Die vier Geweihten werden künftig in ihren jeweiligen Seelsorgebereichen als Diakone im Zivilberuf eingesetzt, um die Teams vor Ort zu unterstützen und lebendiges Zeugnis für eine diakonische Kirche zu sein. Bereits im letzten Jahr wurden vier Männer zu Diakonen geweiht, so dass die Ständigen Diakone unter den Berufsgruppen der pastoralen Dienste den stärksten Zuwachs verzeichnen. Im Erzbistum Bamberg gibt es mit den Neugeweihten insgesamt 58 Ständige Diakone.
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„Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben, ohne zu streiten“
Erzbischof Gössl besucht Viehbetrieb in Medlitz
Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl hat beim Besuch eines oberfränkischen Bauernhofs die Verantwortung der Landwirte für Klima- und Umweltschutz betont und ihre Leistung für eine regionale Lebensmittelversorgung gewürdigt.
Auf dem Hof der Familie Böhmer im Rattelsdorfer Ortsteil Medlitz tauschte sich Gössl am Mittwoch mit Landwirten und Vertreterinnen und Vertretern des Bayerischen Bauernverbands (BBV) über aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft aus.
Landwirt Daniel Böhmer schilderte bei einem Rundgang die zunehmende Belastung vieler Betriebe durch wachsende Bürokratie. „Es dauert zwei Wochen, die Düngemittelbedarfsermittlung oder die Arzneimitteldokumentation im Sinne der Vorschriften zu erledigen“, klagte Böhmer. Sein Vater, Seniorchef Edgar Böhmer, ergänzte: „Früher verbrachte der Bauer den Sonntagvormittag in der Kirche und beim Frühschoppen, heute sitzt er im Büro und erledigt Papierkram.“
Der oberfränkische Bauernpräsident Hermann Greif warnte, die steigenden Auflagen belasteten viele Landwirte auch psychisch. Ein landwirtschaftlicher Betrieb könne nicht einfach seinen Produktionsstandort verlagern, sagte Greif und betonte, die regionale Lebensmittelversorgung sei sehr wichtig für ein gutes Leben. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten als Alltagskompetenz lernen, mit Lebensmitteln verantwortungsvoll umzugehen. Rund 59 Prozent der jährlich anfallenden 6,5 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entstünden in privaten Haushalten, nur zwei Prozent in der Landwirtschaft.
Bauernhof der Familie Böhmer bewirtschaftet rund 130 Milchkühe
Greif bot an, die Fachkompetenz der Landwirte auch in kirchliche Diskussionen über Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung einzubringen. Bezirksbäuerin Beate Opel wandte sich gegen pauschale Vorurteile in der Öffentlichkeit bei den Themen Pflanzenschutz und Düngung.
Gössl zeigte in einem anschließenden Gespräch großes Verständnis für die Sorgen und Belastungen der Landwirte. „Bürokratische Vorschriften dürfen nicht von grundsätzlichem Misstrauen geprägt sein. Vertrauen ist eine christliche Grundhaltung“, sagte er. Zugleich betonte er, viele Regelungen hätten im Sinne des Verbraucherschutzes ihre Berechtigung. Parallelen sieht Gössl zwischen Kirche und Landwirtschaft: In beiden Bereichen gehe Erfahrungswissen verloren, und der Verwaltungsaufwand aufgrund staatlicher Vorgaben nehme zu.
„Ich bewundere das Engagement der Landwirte, sieben Tage die Woche für ihren Betrieb zu arbeiten. Das ist heute nur noch schwer zu vermitteln“, sagte Gössl. Auch in der Kirche gebe es unterschiedliche Positionen zu biologischer und konventioneller Landwirtschaft. „Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben, ohne zu streiten“, betonte er. Zu einer gesunden Ernährung gehörten gute landwirtschaftliche Produkte. „Gesunde Ernährung heißt nicht, mehr Fleisch zu essen. Aber die Bratwurst müssen wir deshalb auch nicht verbieten.“
Der Bauernhof von Edgar und Daniel Böhmer bewirtschaftet rund 130 Milchkühe, die mit zwei Melkrobotern gemolken werden, sowie eine eigene Biogasanlage. Die Familie setzt auf eine Kombination aus Milchviehhaltung, Marktfruchtanbau und Energiegewinnung – ein Beispiel für nachhaltige Kreislaufwirtschaft, wie der Bauernverband betonte.