Vielfältiges Programm beim Internationalen Museumstag
Bamberg feiert lebendige Museumslandschaft
Am Internationalen Museumstag, der weltweit am 18. Mai gefeiert wurde, stand in Bamberg die lebendige Museumslandschaft im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Museen mit Freude entdecken“ präsentierten die Museen und Kulturinstitutionen am Sonntag auf dem Bamberger Domberg ein abwechslungsreiches Programm, das die Bedeutung und Attraktivität der Museen für die Zukunft unterstrich.
Oberbürgermeister Andreas Starke ließ es sich nicht nehmen, den Museumstag persönlich zu eröffnen und zugleich den neuen Direktor der Museen der Stadt Bamberg, Dr. Fabian Ludovico, herzlich willkommen zu heißen. In seinem Grußwort betonte Starke, dass Museen „eine enorm wichtige Rolle für eine offene Gesellschaft spielen“ und lobte insbesondere die Kooperation der Museen am Domberg mit ihren vielen bedeutsamen Kunstschätzen sowie das erfolgreiche Agieren des Freundeskreises der Dombergmuseen.
Dr. Fabian Ludovico betonte zum Auftakt: „Heute soll die Freude über eine lebendige Museumslandschaft hier in Bamberg im Vordergrund stehen. Mit den vielfältigen Angeboten zeigen die beteiligten Häuser, warum Bambergerinnen und Bamberger auf ihre Museen auch zukünftig nicht verzichten wollen.“ Das breit gefächerte Programm lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher, darunter auch viele Gäste aus dem Ausland, auf den Domberg. Führungen, Infostationen, Workshops und Familienangebote wurden rege genutzt und sorgten für einen lebendigen Austausch.
Positive Bilanz
Die beteiligten Museen – die Neue Residenz, das Historische Museum, die Staatsbibliothek und das Diözesanmuseum – zeigten sich mit den Besucherzahlen äußerst zufrieden. Vera Mamerow, Vorsitzende des Freundeskreises der Museen am Bamberger Dom, lobte die positive Bilanz: „Die Gästestruktur war bunt gemischt, und erfreulicherweise haben auch viele Bambergerinnen und Bamberger den Weg in ‚ihre‘ Museen gefunden. Viele Interessierte haben das Programm gezielt genutzt, um möglichst viele Eindrücke zu gewinnen.“
Besonders Familien mit Kindern machten bei den vielfältigen Spiel- und Bastelangeboten mit. Im Diözesanmuseum wurden Papierkronen gebastelt, im Historischen Museum bunte Buttons gestanzt und textile Aufnäher mit dem Motto „Demokratie braucht Kunst“ gestaltet. In der Staatsbibliothek konnten junge Gäste kreative Lesezeichen anfertigen. Die hohe Verweildauer der Besucherinnen und Besucher unterstrich das große Interesse und die positive Resonanz auf das bunt gefächerte Programmangebot, das mit einem mitreißenden Konzert im Innenhof der Alten Hofhaltung seinen Abschluss fand.
„Die Mühe hat sich gelohnt!“
Eleonora Cagol, Kuratorin für Kulturelle Bildung, zog ein durchweg erfreuliches Fazit: „Die Stimmung war sehr gut, es gab viele interessante Gespräche am Rande, und das liebevoll aufbereitete Kinderangebot wurde sehr gelobt. Die Mühe hat sich definitiv gelohnt!“
„Der Internationale Museumstag in Bamberg hat erneut die Bedeutung der Museen als lebendige Orte der Kultur, Bildung und Begegnung unterstrichen“, fasste Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar den Tag zusammen. „Das tolle Engagement aller Beteiligten sorgt dafür, dass Bamberg eine lebendige Museumsstadt bleibt.“
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Internationaler Museumstag auf dem Domberg
Museen mit Freude entdecken
Am 18. Mai wird der Internationale Museumstag zum 48. Mal gefeiert. Dieser verfolgt das Ziel, auf die gesellschaftliche Bedeutung der Museen weltweit aufmerksam zu machen und Besucherinnen und Besucher einzuladen, deren Vielfalt zu entdecken. Auch die Kulturinstitutionen rund um den Bamberger Dom beteiligen sich mit einem ansprechenden Programm für Jung und Alt am Internationalen Museumstag.
„Die ganze Familie erwartet ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Von Einblicken in innovative Forschungsansätze über Kurzführungen durch aktuelle Ausstellungen und faszinierende Blicke hinter die Kulissen bis hin zu kreativen Mitmachaktionen und akustischen Highlights“, wie Christiane Wendenburg berichtet, die Geschäftsführerin des Freundeskreises der Museen um den Bamberg Dom und Dombergkoordinatorin.
Der Internationale Museumstag wurde 1978 vom Internationalen Museumsrat ICOM – International Council of Museums – ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit auf die Vielfalt und die Bedeutung der Museen für die Gesellschaft aufmerksam zu machen. Für 2025 hat der Internationale Museumsrat das Motto „The Future of Museums in Rapidly Changing Communities“, im Deutschen „Die Zukunft der Museen in sich schnell verändernden Gesellschaften“ ausgewählt, um sich mit der Frage zu befassen, wie Museen in einer von tiefgreifenden Veränderungen geprägten Welt agieren und ihren Beitrag leisten können.
Kinder spielerisch an Museen heranführen
Geöffnet sind rund um den Dom das Diözesanmuseum, das Historische Museum, die Neue Residenz mit ihren Prunkräumen und der Staatsgalerie sowie die Staatsbibliothek Bamberg.
Alle Eintritte und Programmangebote sind am Internationalen Museumstag kostenlos!
An sehr gute Resonanz beim Internationalen Museumstag im vergangenen Jahr erinnert sich Frau Wendenburg, die Kulturinstitutionen konnten an die Besuchszahlen in Vor-Corona-Zeiten anknüpfen. „Viele der Museumstag-Gäste haben auch betont, in Zukunft öfter oder sogar regelmäßig Museen und Ausstellungen besuchen zu wollen.“
Grundsätzlich sei das Verhältnis Bamberger zu Touristen bei den Besuchenden ausgewogen, auch was die Altersstruktur betrifft, seien grundsätzlich alle Altersgruppen vertreten.
Demzufolge wird auch das Angebot am Internationalen Museumstag so ausgerichtet, dass für die gesamte Familie ein interessantes Programm geboten ist. Die Vorbereitungen laufen seit Jahresbeginn und Frau Wendenburg freut sich auch schon auf die interessanten Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern. „Die Führungen in den einzelnen Häusern und die Infostände sind für Erwachsene oder interessierte Jugendliche konzipiert, für die Jüngeren bieten die Verantwortlichen Mitmachstationen, Rätselbögen sowie Bastel- und Kreativworkshops an.“
Eltern oder Großeltern, die ihre Kinder beziehungsweise Enkelkinder an diesem Tag erstmals an die Thematik Museen heranführen möchten, empfiehlt Frau Wendenburg, sich dabei nicht zu viel Programm vorzunehmen, sondern auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder einzugehen. „Vielleicht auch mal zwischendurch eine Pause machen und etwas essen, auch dafür ist hier gesorgt“, rät die Dombergkoordinatorin. „Der Museumsbesuch soll schließlich Spaß machen und entsprechend in Erinnerung bleiben.“
Für die Jüngsten wird es in allen Häusern Mitmachstationen geben. „Bastel- und Kreativangebote werden bestens angenommen und man sieht während des Internationalen Museumstags auf dem Domberg viele Kinder, die stolz ihre “Kreationen” aus den Workshops in den Händen und/oder gebastelte Kronen auf dem Kopf tragen. Diese niederschwelligen Angebote sollen Spaß machen und dienen nicht zuletzt auch dazu, eine vielleicht teilweise noch vorhandene Scheu vor der Institution Museum zu nehmen“, berichtet Frau Wendenburg. Im Zuge des Museumstages können Interessierte auch Einblicke in die Arbeiten im Hintergrund erhalten, die für Ausstellungen und insgesamt das Gelingen der Museen vonnöten sind.
Diese gibt es in der Staatsbibliothek und an Infostationen des Kompetenzzentrums für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) im Diözesanmuseum, in der Ausstellung RE-CALL des Historischen Museums gewähren die anwesenden Künstler*innen Einblicke in die Museumsarbeit hinter den Kulissen.
Jede Kulturinstitution hat mit ihrem Team einzelne Programmpunkte für den Internationalen Museumstag erarbeitet. Im Historischen Museum ist dabei zum Beispiel Frau Eleonora Cagol federführend, da sie in diesem Museum die Kuratorin für die Kulturelle Bildung ist. Eingebunden sind immer auch die Museumsleitung, die Verwaltung und nicht zu vergessen die Mitarbeitenden der Werkstatt, die zum Beispiel zusätzliche Stellwände und Tische für Infostände bereitstellen. „Für die Museumsaufsichten ist der Internationale Museumstag ebenfalls ein besonderer Tag – zum einen, weil das Besucheraufkommen an sich viel höher ist als an anderen Tagen, zum anderen, weil mehr Besucher*innen ohne Museumserfahrung kommen, die auf bestimmte Regeln hingewiesen werden müssen“, weiß Frau Wendenburg. „Außerdem sind die Aufsichten Anlaufstelle für viele Fragen, sei es die nach der nächsten Führung oder die nach einem bestimmten Kunstwerk.“
Ausstellungsintervention „RE-CALL“ im Historischen Museum
Die erwähnte Ausstellungsintervention “RE-CALL“ im Historischen Museum ist eine Kooperation der Museen der Stadt Bamberg, des “Freundeskreis der Museen um den Bamberger Dom“ sowie der Vereine “Freund statt Fremd“ und “Openart“.
Jugendliche und Erwachsene können am Museumstag die interessante Erfahrung machen, mit jungen Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen. Sechs Kunstschaffende aus fünf unterschiedlichen Herkunftsländern haben Kunstwerke aus den Ausstellungen des Historischen Museums ausgewählt, sich mit den historischen Werken auseinandergesetzt und darauf mit eigenen künstlerischen Arbeiten reagiert. Beide, historische und zeitgenössische Werke, werden im Historischen Museum gemeinsam präsentiert. Zu sehen sind Malerei, Grafik, Zeichnung, Textilkunst und Skulptur. Am Museumstag sind Donatello Giorgi (Italien), Evgenia Mekhova (Russland), Giuseppe Peterlini (Italien), Judith Siedersberger (Deutschland), Simona Saccoccia (Italien), Zara Degan (Iran) vor Ort anwesend und geben Auskunft zu ihren Werken.
Die erste Idee zu “RE-CALL“ entstand bei einem Treffen zwischen den Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe OpenArt, der Kuratorin der Museen der Stadt Bamberg Eleonora Cagol und der Dombergkoordinatorin. „Die ursprüngliche Idee war, eine Sonderausstellung in der Villa Dessauer mit zeitgenössischen Kunstwerken und Werken aus dem Museumsdepot zu organisieren, aber wir haben uns schnell entschlossen, in das Historische Museum umzuziehen und einen Dialog zwischen historischen und neuen Kunstwerken zu schaffen“, berichtet Eleonora Cagol.
Die Intervention hat zum Ziel, Raum für Diskurse zur Gestaltung einer demokratischen, partizipativen und inklusiven Gesellschaft zu schaffen. „Daher war wichtig, den Künstlerinnen und Künstlern so viel Freiheit wie möglich zu lassen: Nachdem wir uns auf das Thema des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart geeinigt hatten, konnten sie das Werk beziehungsweise die Werke auswählen, mit dem beziehungsweise denen sie in den Dialog treten wollten.“ Auch die Techniken und Themen der neuen Werke, die für die Intervention geschaffen wurden, wurden von den Künstlerinnen und Künstlern selbst gewählt.
Alle Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten in oder bei Bamberg. Die Idee der Verantwortlichen war es, den hier lebenden Künstlerinnen und Künstlern mit Migrationshintergrund einen Dialog mit den Werken in den Sammlungen der Stadt zu ermöglichen und ihre Vision zu präsentieren.
Und gerade weil ein partizipatives Projekt geschaffen werden sollte, sind die Kunstschaffenden auch in das Rahmenprogramm der Intervention eingebunden, zum Beispiel beim Museumstag. Nicht nur die Intervention, sondern das gesamte Rahmen- und Bildungsprogramm, greift aktuelle Themen wie Migration, LGBTQIA+, Klimakrise und Inklusion auf. „Als Orte des Austauschs, des Dialogs, der Kontroverse und der Identität haben Museen gerade in Krisenzeiten eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Die Museen der Stadt Bamberg setzen sich ein für Weltoffenheit, für einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander, für konsequente Gleichberechtigung von Menschen in allen Dimensionen der Vielfalt“, betont Frau Cagol und knüpft an das diesjährige Motto des Museumstags „Die Zukunft der Museen in sich schnell verändernden Gesellschaften“ an.
Am Museumstag werden zwei der Künstlerinnen einen Workshop zum Thema “Demokratie braucht Kunst” durchführen, andere Künstlerinnen und Künstler sowie die Kuratorin werden in den Räumen der Intervention anwesend sein, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, und der Museumstag wird mit einem von der Gruppe organisierten Konzert enden.
Sammlung des Historischen Vereins Bamberg:
Aktuelles Thema „Zunft und Handwerk“
Im Historischen Museum, das am Museumtag von 10 bis 17 Uhr geöffnet hat, wird es in diesem Zeitraum außerdem Kurzführungen von etwa 20 bis 30 Minuten Dauer in drei Ausstellungen geben. Die Ausstellung „Eine neue Zeit bricht an. Bambergs Bürgertum zwischen Romantik und Gründerzeit“ erzählt vom Engagement der Bamberger Bürgerschaft für das Wohlergehen ihrer Stadt, von neuen Ideen und dem Wandel des Geschmacks in der Kunst. Porträts zeigen bedeutende Persönlichkeiten aus dem Bamberger Bürgertum. Von überregionaler Bedeutung sind die Zeugnisse aus dem Schmidt’schen Porzellanmalinstitut in Bamberg.
Der Historische Verein besitzt unter anderem eine große Sammlung kunst- und kulturgeschichtlicher Objekte. Besonders während der ersten 40 Jahre der Vereinsgeschichte gingen zahlreiche Schenkungen vor allem aus dem begüterten Kreis der Bevölkerung ein: prähistorische Funde, Münzen und Medaillen, Handschriften und Bücher, Grafiken, Gemälde und Kunstgegenstände. In seiner Studioausstellung „Der Historische Verein Bamberg und seine Sammlung“ im Historischen Museum stellt der Historische Verein Bamberg Highlights dieser umfangreichen Sammlungen aus.
Das diesjährige Thema der Studioausstellung lautet „Zunft und Handwerk“. Seit dem Mittelalter schlossen sich selbständige Handwerker und Gewerbetreibende in eine meist berufsspezifische Interessensgemeinschaft zusammen, die mit verbindlichen Regeln und Gesetzen den Umgang innerhalb der sogenannten Zunft regelten. Erst mit der Einführung der akademischen Ausbildungen bei künstlerischen Berufen und später der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert wurde das strenge Zunftwesen schließlich aufgegeben. In den Sammlungen des Historischen Vereins sind zahlreiche Zeugnisse mit Bezug zu unterschiedlichen Zünften erhalten. Im Allgemein sind hierzu nur die repräsentativen und daher begehrten Zunftladen bekannt. In der diesjährigen Studioausstellung werden Exponate gezeigt, die zum Teil zu den Inhalten der Zunftladen zählen könnten, aber isoliert zu diesen Bezug unbekannt und fast vergessen erscheinen dürften.
Die Ausstellung „Jüdisches in Bamberg“ zeigt Spuren auf, die seit dem Mittelalter in Franken lebende Jüdinnen und Juden hinterlassen haben. Anhand historischer Quellen, zahlreicher Kunst- und Alltagsgegenstände und von Zeitzeugenberichten berichtet die Ausstellung von der wechselvollen Geschichte, dem Ende und Neubeginn jüdischen Lebens in Bamberg.
Einblicke in Forschungsinitiativen am Diözesanmuseum
Im Diözesanmuseum kann man am Museumstag von 13 bis 17 Uhr in die Welt der Forschung anhand von Textilien, Gemälden, und Steinskulpturen eintauchen. Das Diözesanmuseum Bamberg und das Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) bieten spannende Einblicke in ihre gemeinsamen Projekte. An verschiedenen Stationen im Museum können Besucher die Kooperation dieser Institutionen entdecken und mehr über ihre Forschungsinitiativen erfahren.
Die Forschung an Textilien wird am Beispiel der Kaisergewänder sichtbar gemacht. Die Kaisergewänder aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts zählen zu den ältesten erhaltenen Gewändern europäischer Herrscher. Hier können Interessierte erfahren, wie modernste Forschungsmethoden – wie zum Beispiel Licht- und Fasermikroskopie sowie analytische Rasterelektronenmikroskopie mit energiedispersiver Spektralanalyse – neue Einblicke in die Herstellung und Erhaltung dieser historischen Schätze ermöglichen.
Die Forschung an Tafelgemälden kombiniert verschiedene kunsttechnologische, naturwissenschaftliche und konservatorische Methoden, um wertvolle Einblicke in die Entstehung, Veränderungen und den Zustand von Tafelgemälden zu gewinnen. Mittels Infrarotreflektografie können zum Beispiel verborgene Unterzeichnungen durch Infrarotstrahlung sichtbar gemacht werden.
Die Untersuchung von Steinoberflächen mittelalterlicher Bauplastik eröffnet Einblicke in die Geschichte und Entwicklung dieser Kunstwerke. Durch den Einsatz moderner, zerstörungsfreier Hightech-Methoden können Forschende wertvolle Informationen über die Entstehung, Veränderungen und den Zustand der Skulpturen gewinnen.
Außerdem kann die aktuelle Sonderausstellung “2x Pommern und zurück – Heiliger Otto von Bamberg” besucht werden, die einen Einblick in das Leben und Wirken von Bischof Otto bietet.
Aufhänger für die Ausstellung ist die 900. Wiederkehr der ersten Missionsreise Ottos in den Jahren 1124 bis 1125 nach Pommern, 1128 erfolgte die zweite. Die Reisen des einzigen heiliggesprochenen Bamberger Bischofs Otto veränderten nicht nur die religiöse Landschaft, sondern beeinflussten auch die politischen Machtverhältnisse in Pommern. Diese Ausstellung lädt ein, den spannenden Lebensweg des Bischofs zu entdecken, der vor 900 Jahren zu Fuß, zu Pferd und mit dem Schiff mit dem Ziel der Christianisierung an die Küsten Pommerns reiste.
Beeindruckende Leihgaben des Polnischen Nationalmuseums in Stettin geben einen faszinierenden Einblick in das Leben der Bevölkerung und die damalige Kultur. Doch auch in Bamberg selbst hinterließ Otto bleibende Spuren: Vom Reliquienkult bis zu Kunstwerken und Kirchenausstattungen zeigt die Ausstellung, wie sein Wirken bis heute nachhallt.
Auch Bibliophile kommen am Museumstag auf ihre Kosten: Im Diözesanmuseum findet ein Dublettenverkauf der Bibliothek des Metropolitankapitels statt. Durch Geschenke und Nachlässe kommen immer wieder Bücher in diese Bibliothek, die hier schon vorhanden sind. Diese Bücher sind je nach Interessensgebiet des Nachlassenden oder Schenkenden aus ganz verschiedenen Sachgebieten, mit einem Schwerpunkt auf Kunst, Religion und Regionalliteratur. Sie sind durchwegs sehr gut erhalten und es wert einen neuen Besitzer zu finden.
Freundeskreis bietet ideell und materiell Unterstützung der Museen am Domberg
Wie an den Infostationen des KDWT im Diözesanmuseum wird es auch in der Staatsbibliothek Einblicke in die Museumsarbeit hinter den Kulissen geben. „Ein interessantes und spannendes Angebot sind sicher die Werkstattgespräche zur Buchrestaurierung mit Jessica Leitner“, ist Christiane Wendenburg überzeugt. Denn die Buchrestauratorin präsentiert nicht nur Bucheinbände und alte Heftungen ausgewählter Beispiele aus den Sammlungen der Bibliothek, sondern erläutert auch, welche Arbeiten anstehen, bevor wertvolle Bücher als Leihgaben außer Haus gehen.
Die Staatsbibliothek Bamberg in der Neuen Residenz öffnet von 11 bis 15 Uhr ihre Türen und ab Beginn bis um 14.15 Uhr gibt es im dreiviertelstündigen Turnus halbstündige Werkstattgespräche.
Weiterhin lassen Führungen durch die einst fürstbischöflichen Schauräume mit historischem Inventar und Bücherbeständen aus dem Zeitraum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in die Geschichte der Neuen Residenz und der Staatsbibliothek eintauchen. Bibliotheksdirektorin Prof. Dr. Bettina Wagner persönlich führt durch die Ausstellung “Schöner Schein“.
Diese zeigt Faksimile-Ausgaben einiger berühmter Handschriften, darunter mittelalterliche Prachtcodices, eines der ältesten Bücher, das in Bamberg erschien, und ein erschütterndes Dokument aus der Zeit der Hexenverfolgung.
Im Lesesaal werden ausgewählte Zeichnungen aus der 80.000 Blätter umfassenden Grafiksammlung der Staatsbibliothek präsentiert und fachkundig erläutert.
Kinder haben in der Bastelwerkstatt die Möglichkeit, sich Lesezeichen aus schönen Papieren zu basteln. Unter professioneller Anleitung können lustige Eckenmonster gestaltet oder Lesezeichen in Origamitechnik gefaltet werden – um künftig nie wieder zu vergessen, auf welcher Seite man am Tag zuvor sein Buch zugeklappt hat.
Die Neue Residenz mit Prunkräumen und Staatsgalerie hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet und bietet Führungen durch das Fürstbischöfliche Appartement im Halbstundentakt.
Auch der Freundeskreis der Museen um den Bamberger Dom wird sich vor Ort mit einem Infostand präsentieren.
Der Freundeskreis der Museen um den Bamberger Dom ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Museen auf dem Domberg zu begleiten und ihre Arbeit ideell, aber auch materiell zu unterstützen. „Der Verein versteht sich als Bindeglied zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den jeweiligen Museen“, erläutert die 1. Vorsitzende des Vereins und Kunsthistorikerin Vera Mamerow.
„Seine Mitgliederschaft ist sehr vielfältig und von bekannten Bamberger Firmen bis zu Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Stadt sprechen wir alle an, denen die Kultur unserer Welterbestadt und deren einzigartige Museumslandschaft am Herzen liegen.“ Nach einer Neuaufstellung des Vorstands im Dezember 2024 mit der neuen Vorsitzenden Vera Mamerow und der Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Birgit Kastner möchte der Verein den Fokus wieder mehr auf die kulturelle Bildung und Veranstaltungen zur Öffnung der Museen in die Stadtgesellschaft legen. Daher ist der kommende Museumstag eine Chance für den Verein, um für engagierte Partner zu werben. „Um das Angebot an kultureller Bildung in den Museen und somit die Partizipation besonders junger Museumsbesucherinnen und ‑besucher zu befördern, braucht es finanzielle Unterstützung, die der Verein durch das Einwerben von Spenden gerne ergänzt“, bekräftigt Eleonora Cagol, Mitglied des Vorstands und Mitarbeiterin des Historischen Museums.
Ausführliche Informationen zum Programmablauf sind auf der Homepage zu finden.
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Museen, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden
Internationaler Museumstag 2023 am 21. Mai
Am 21. Mai öffnen Museen weltweit zum 46. Internationalen Museumstag ihre Türen besonders weit und machen mit Sonderausstellungen, Spezialführungen und Rahmenprogrammen auf ihre Bestände aufmerksam. Mit Staatsbibliothek, Historischem Museum, Diözesanmuseum und Neuer Residenz beteiligen sich auch die Museen am Bamberger Domberg.
Seit fast 50 Jahren ruft der Internationale Museumsrat den Internationalen Museumstag aus, inklusive Motto. Dieses Jahr lautet der Leitspruch „Museen, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden“. „Das Motto wurde ausgewählt“, sagt Christiane Wendenburg, Koordinatorin der Museen am Domberg, „weil Kultureinrichtungen und Museen durch Aktivitäten wie kulturelle Bildung, Ausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit und Forschung einen Beitrag zum Wohlbefinden und zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft leisten.“
Als Beispiel nennt sie die Ausstellung „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“, mit der sich das Historische Museum am Museumstag beteiligt. „Die Schau zum Denkmalschutz macht deutlich, dass der Erhalt von Denkmälern durch die Verwendung natürlicher, regionaler und beständiger Materialien nicht nur Ressourcen schont, sondern auch die Umwelt schützt. Hinzu kommt, dass historische Gebäude über Generationen hinweg genutzt werden. Erhalt statt Neubau wirkt also dem Verbrauch und der Versiegelung weiterer Grünflächen entgegen.“
Auch die Museen selbst versprechen sich einen Nutzen des Tages. Mit kostenlosen Sonderführungen, Werkstattgesprächen, Mitmach-Angeboten, Blicken hinter die Kulissen und Kinderprogramm versuchen sie, einen Einblick in ihre Arbeit zu vermitteln und vermehrt Publikum anzuziehen. „Wir möchten mit unseren Angeboten eine bunt gemischte Gästestruktur erreichen: Touristen und Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland, aber auch Bambergerinnen und Bamberger, die ihren Museen mal wieder einen Besuch abstatten möchten. Und auch diejenigen, die Museen für eine verstaubte Einrichtung halten oder die eine gewisse Schwellenangst vor dem Besuch eines Museums haben, hoffen wir am Museumstag empfangen zu können.“
Historisches Museum: Ausstellung zum Denkmalschutz
Eine Möglichkeit dazu bietet die bereits erwähnte Ausstellung „Liebe oder Last?! – Baustelle Denkmal“ im Historischen Museum. Die preisgekrönte Wanderausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wirft noch bis 29. Oktober den Blick auf das kontroverse Thema des Denkmalschutzes.
„In der Öffentlichkeit wird der Denkmalschutz meistens in einem Spannungsfeld zwischen „wunderbar, dass ein historisches Gebäude erhalten wird“ und „zu aufwändig und rückwärtsgewandt“ dargestellt“, sagt Eva Masthoff von der Stiftung und verantwortlich für die Konzeption der Ausstellung. „Der Auftrag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz besteht entsprechend nicht nur im Denkmalschutz, sondern auch in der Bewusstseinsbildung für den Sinn des Denkmalschutzes. Denn es gibt viele Irrtümer in der Denkmalpflege, die uns immer wieder begegnen. Beispiele sind: Er sei zu teuer, ein Denkmal könne nicht abgerissen oder baulich verändert werden oder Deutschland sei denkmalreich. Dabei sind nur drei Prozent der landesweiten Bausubstanz denkmalgeschützt – das ist verschwindend gering und wird jeden Tag geringer. Umso kostbarer ist der Schatz denkmalgeschützter Bauten. Darum wollen wir in der Ausstellung zeigen, wie Denkmalschutz geht, wie wir ihn betreiben und wo man sich Hilfe holen kann, sollte man in Besitz von zum Beispiel einem geschützten Haus sein.“
Sechs interaktive Stationen, optisch verbunden und zusammengehalten durch Baugerüste, beleuchten multimedial den Denkmalschutz unter verschiedenen Gesichtspunkten. Welche Bausubstanz kommt infrage? Warum ist es wichtig, sie zu erhalten? Welche künstlerisch-handwerklichen Leistungen stecken in historischen Bauwerken? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Welchen Vorurteilen und welchen Gefahren sind geschützte Gebäude ausgesetzt?
Zu letzterem kann Schädlingsbefall gehören oder saurer Regen, aber: „Die größte Gefahr geht ganz klar von menschlichen Einflüssen aus, zum Beispiel von Bauvorhaben. Gegen Umwelteinflüsse kann man Maßnahmen treffen, gegen menschliche Entscheidungen nicht“, sagt Eva Masthoff.
Und die Ausstellung beantwortet die Frage nach der titelgebenden Liebe und der Last des Denkmalschutzes. „Die Liebe ist das, was man mit Denkmalschutz erhält, also Geschichte, Identifikation und Heimat und häufig auch künstlerische Meisterleistungen. Es gibt einen Satz des Gründers der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: Denkmalschutz ist unser Dank an die Vergangenheit, unsere Freude an der Gegenwart und unser Geschenk an die Zukunft. Anders gesagt: Um in der Zukunft richtig agieren und gestalten zu können, muss man die Wurzeln verstehen. Die Last mag manch einer im Aufwand des Denkmalschutzes sehen, also dass es besonderer Maßnahmen und Expertisen bedarf.“
Eine Stadt wie Bamberg, deren Altstadt zu großen Teilen denkmalgeschützt ist, scheint unterdessen geradezu prädestiniert für die Ausstellung. „Ja, uns ist es wichtig, nicht nur zu zeigen, wie Denkmalschutz funktioniert, sondern auch, welche denkmalgeschützten Gebäude es am jeweiligen Ausstellungsort gibt. In Bamberg hat die Ausstellung in der Alten Hofhaltung einen wunderbaren solchen Ort, die selbst ein Denkmal ist. Bamberg lebt von seinen Denkmalen – sie sind auch ein Wirtschafts- und Tourismusfaktor. Und Denkmale in Bamberg und Umgebung werden in einer eigenen Station der Ausstellung thematisiert.“
Staatsbibliothek: Pest und Cholera
Ein ganz anderes Kapitel Bamberger Stadtgeschichte schlägt zum Museumstag die Ausstellung „Pest und Cholera“ auf, die kostenfrei noch bis 15. Juli in der Staatsbibliothek zu sehen ist.
Immer wieder suchten ansteckende Krankheiten, die sich zu Seuchen ausbreiteten, die Stadt heim. Die Ausstellung widmet sich dem Zeitraum zwischen dem späten Mittelalter des 15. und dem frühen 19. Jahrhundert, insbesondere unter den teilweise abenteuerlichen Gesichtspunkten der Art und Weise, wie versucht wurde, die jeweilige Seuche zu bekämpfen.
„Wir zeigen etwa 40 Objekte“, sagt Kurator und Bamberger Universitätsprofessor Prof. Dr. Mark Häberlein, „die Aspekte der Seuchen- und Medizingeschichte verdeutlichen und gehen auch auf die Rolle früherer Institutionen wie Pest- und Siechenhäuser ein oder auf die Bedeutung von Heilberufen, die man aus heutiger Sicht eher als randständig oder esoterisch bezeichnen würde.“
Bei diesen 40 Objekten handelt es sich um Zeichnungen und Stiche, und da die Ausstellung in der Staatsbibliothek stattfindet, auch Handschriften oder Drucke. „Dazu gehören Seuchenordnungen oder Erlasse zur Bekämpfung von Krankheiten oder Ratgeberliteratur, wie man sich im Fall einer Seuche verhalten sollte. Diese gibt es sogar schon seit den Anfängen des Buchdrucks im 15. Jahrhundert.“
Nötig scheint derartiger Lesestoff gewesen zu sein. Nicht nur brach immer wieder die Pest aus, auch andere potenziell tödliche und in vormodernen Zeiten unheilbare Krankheiten wie Cholera oder die Pocken musste man fürchten. „Im 16. Jahrhundert grassierte alle zehn bis 20 Jahre eine ansteckende Seuche in Bamberg. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 hat sich Bambergs Bevölkerung sogar etwa halbiert. Das lag zum Großteil aber nicht an Kriegseinwirkungen.“
Die Medizin stand solchen Entwicklungen meist hilflos gegenüber. „Es gab drei grundsätzliche Erklärungen für Seuchen. Die erste, die sich eigentlich bis ins 19. Jahrhundert hielt, bestand darin, sie als Strafe Gottes anzusehen. Selbst Ärzte nahmen darauf Bezug. Entsprechend empfahl man zur Bekämpfung das Gebet. Mitunter wurden auch Prozessionen veranstaltet – was natürlich sehr kontraproduktiv war. Als zweite Erklärung wurden sogenannte Miasmen ausgemacht – giftige Dämpfe, die aus der Erde und dem Schmutz kommen. Empfehlungen, die grundsätzlich sinnvoll waren, gingen hierbei in die Richtung, keinen Mist oder Fäkalien in die Gassen der Stadt zu kippen. Und drittens: Man vermutete, dass es eine Art Ansteckungsstoff geben musste, ein Contagium. Man wusste natürlich noch nichts von Bakterien oder Viren, aber dass eine Übertragung von etwas stattfinden musste, hatte man durchaus schon begriffen. Da hat man Maßnahmen verhängt, die uns heute aus der jüngsten Vergangenheit bekannt vorkommen, nämlich Kontaktbeschränkungen oder Einreiseverbote.“
Und tatsächlich: Die Parallelen zur Corona-Pandemie sind offenkundig. Gab es in vormodernen Zeiten auch Maßnahmen wie Masken oder Handeschütteln, das vermieden wurde? „Aufs Händeschütteln wird in der Literatur nirgends Bezug genommen. Aber wir kennen natürlich diese bildlichen Darstellungen der Pestmasken mit den langen Schnäbeln.“ Explizit geht die Ausstellung allerdings nicht auf Corona ein. Sie sei zwar Anregung für die Schau gewesen, sich aus historischer Perspektive der Thematik zu nähern, schwinge inhaltlich aber eher zwischen den Zeilen mit.
Näher behandelt „Pest und Cholera“ hingegen Kuriositäten wie heilberuflich tätige Scharfrichter. „Ärzte oder frühe Apotheken hatten lange Zeit kein Monopol auf medizinische Behandlungen – was auch mit ihren begrenzten Heilerfolgen zu tun hatte. Die Menschen gingen demgemäß überall dorthin, wo sie glaubten, Hilfe zu finden. Ein Beispiel ist der Scharfrichter, der nicht nur Hinrichtungen oder Folter vollstreckte, sondern wegen dieser Tätigkeiten auch anatomisches oder heilkundliches Wissen hatte. In Nürnberg gab es den aus Bamberg stammenden Scharfrichter Franz Schmidt, der tausende Behandlungen unternommen hat.“
1789 begann sich die die Seuchen-Bekämpfungs-Situation in Bamberg allmählich zu bessern, als ein neues Krankenhaus gegründet wurde. Spätmittelalterliche Institutionen wie Siechenhäuser dienten der Unterbringung von chronisch, also damals unheilbar Kranken. Die Grundidee dieses Krankenhauses bestand neuartigerweise darin, sich vornehmlich um heilbare Krankheiten zu kümmern. „Weitere Seuchenausbrüche gab es aber trotzdem“, sagt Mark Häberlein. „1813 zum Beispiel verbreiteten aus Russland zurückkehrende Truppen Napoleons das Fleckfieber, dem Bamberger Ärzte wiederum völlig machtlos gegenüberstanden.“
Heute erinnern nur noch einige Merkmale des Stadtbilds an diese ungeheuerlichen Zustände. Der Name der Siechenstraße ist ein Beispiel dafür. „Dort waren früher mehrere der genannten Einrichtungen angesiedelt. Dann gibt es die Pestsäule an der Gaustädterstraße aus dem 17. Jahrhundert oder kirchliche Verehrung von Pestheiligen, wie St. Sebastian und St. Rochus, die in Form von Statuen ihre Spuren im Stadtbild sowie in Kirchenräumen hinterlassen haben. Auch das thematisieren wir in der Ausstellung und im Katalog, den wir dazu veröffentlichen.“
Residenz: „Kurios!“
Zeitgenössischer wird es am Museumstag in der Residenz. In den Kaiserzimmern zeigt Andreas Chwatal mit Unterstützung der Villa Concordia noch bis 30. Juli unter dem Titel „Kurios!“ moderne Skulpturen und Zeichnungen. Dafür stellt der ehemalige Stipendiat des Künstlerhauses eigene Werke und Arbeiten befreundeter Künstlerinnen und Künstler der historisch-barocken Aufmachung der Räume gegenüber.
„Die Räume des fürstbischöflichen Appartements, die kein sogenannter White Cube sind, haben so etwas wie eine historische Erzählung“, sagt Andreas Chwatal. „In ihnen schwingen immer die Zeit und die Vorstellungen der Zeit mit, in der sie im 18. Jahrhundert entstanden sind. Dieser Erzählung kann man eine zeitgenössische hinzufügen. Ich würde die Ausstellung also eine Begegnung nennen, mit der wir eine moderne Erzählung in die Residenz bringen möchten, um die barocke Propaganda ihrer Räume zu brechen. Es soll eine kleine Revolution stattfinden, in Räumen, die solche Tendenzen nie ausstrahlen wollten.“
Schon im Ausstellungstitel begegnen sich das Althergebrachte und das Neue. „Der Begriff „Kurios“ war ein modisches Lieblingswort des 18. Jahrhunderts. Man benutzte es, wie man heute „cool“ oder „fancy“ sagen würde. Ich habe das der Korrespondenz von Lothar Franz von Schönborn, dem Bauherrn der Residenz, entnommen. Da fällt es in nahezu jedem dritten Satz. Für mich hat es zusätzlich die französische Bedeutung „curieux“, also „neugierig“ und auch „cour“, der Hof. Im Sinne der Ausstellung kann man es aber auch in die Richtung von „kuratiert“ verstehen: Ich zeige auch Werke befreundeter Künstler, deren Positionen zu den Themen der Ausstellung passen.“
Er selbst trage neben Zeichnungen und Keramiken, wie „Voltaire mit Ananas“ auch eine Möbelskulptur bei. „Dabei handelt es sich um eine Art monumentalen Holztischs mit geschwungener Form. Das Ganze soll barocke Repräsentationsmöbel rezipieren, aber durch die meterlangen Beine dem Publikum die Dimensionen des Appartements klarmachen, in dem man sich schnell verlieren kann. Das soll wiederum eine ironische Brechung der Maßlosigkeit des Absolutismus sein und der zeremoniellen Macht, die im Appartement vereint war.“
Nicht weniger ironisch geben sich einige der Werke der weiteren Ausstellenden. So stellt etwa Garance Arcadias eine Glasarbeit aus schnörkellosem Verbundsicherheitsglas auf einen Sockel mit Stoffmuster, das die filigranen Muster des Bodens aufnimmt.
Ulrike Buck präsentiert eine zweiteilige Keramik aus Schüssel und Vase, die den Adonis-Mythos aufgreift. „Diese Arbeit stellen wir in den selben Raum wie meine Möbelskulptur“, sagt Andreas Chwatal. „Es begegnen sich untereinander also auch die Werke, die wir einbringen.“
Melissa MayerGalbraith war, wie Garance Arcadias, bis März diesen Jahres Stipendiatin der Villa Concordia. „Sie zeigt kleine amorphe muschelartige Porzellankeramiken, die wir in der Retirade der Kaiserzimmer, also im Toilettenraum, platzieren. Früher waren solche Dekorationsgegenstände oft Trophäensammlungen, die man eigentlich auf der ganzen Welt geraubt und sich angeeignet hat. Melissa erfindet stattdessen etwas zu den Räumen hinzu.“
Was Mirko Mielke in die „Kurios!“-Ausstellung einbringt, sei der deutlichste Clash zwischen alt und neu. Er stellt Betonplatten her, auf die er Fotomotive botanischer Gärten druckt. „Diese Arbeit hat ein großes Gewicht, die wir den fragilen detailreichen Tapeten der Räume gegenüberstellen.“
Berthold Reiß ist hingegen Aquarellist, der sich mit klassischer Architektur befasst und Sebastian Wieland macht Schnitzereien, die in einer Vitrine dem Werk von Mirko Mielke begegnen sollen. „Das sind geschnitzte Blätter aus gefundenem Holz, die sich auf die Ornamentik der Intarsien in den Räumen beziehen.“
Anne Rößner hat einen goldenen Keramikturm geschaffen, der den Abschluss der Ausstellung im letzten Zimmer des Appartements darstellt. Ein Turm mit Zinnen und Torbogen, der das Gebäude der Residenz in seiner Gesamtheit aufgreift und die heutige Durchgängigkeit und Geöffnetheit der Räume symbolisieren soll.
Der Museumstag kann kommen
So aufgestellt blicken die Museen am Domberg dem Museumstag am 21. Mai optimistisch entgegen. „Vielleicht gelingt es uns sogar“, sagt Dombergkoordinatorin Christiane Wendenburg, „wieder Besuchszahlen wie vor der Pandemie zu haben. Die Auslastung war im zurückliegenden insgesamt schon recht erfreulich. Am Museumstag möchten wir an diese Zeiten anknüpfen. Das könnten wir womöglich auch aus dem Grund schaffen, dass die Erfahrungen in der Pandemie vielen Menschen erst oder wieder bewusst gemacht haben, was für soziale Orte Museen sind.“