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Wohnungsmarkt

Pest­el-Insti­tut legt Woh­nungs­markt-Unter­su­chung für Regi­on Bam­berg vor

In der Regi­on Bam­berg feh­len 6.800 Wohnungen

Man­gel­wa­re Woh­nung: Die Regi­on Bam­berg hat ein Woh­nungs­de­fi­zit. Aktu­ell feh­len rund 3.800 Woh­nun­gen in der Stadt und 3.000 Woh­nun­gen im Land­kreis Bam­berg, wie aus der aktu­el­len regio­na­len Woh­nungs­markt-Unter­su­chung her­vor­geht, die das Pest­el-Insti­tut gemacht hat.

Gleich­zei­tig ste­hen in Bam­berg 880 und im Land­kreis 2.590 Woh­nun­gen bereits seit einem Jahr oder län­ger leer. Wer eine Woh­nung sucht, soll­te sich dar­auf aber kei­ne Hoff­nun­gen machen: Woh­nun­gen, die lan­ge Zeit leer ste­hen, gehen kaum wie­der in die Ver­mie­tung. Die Wis­sen­schaft­ler des Pest­el-Insti­tuts haben bei ihrer Unter­su­chung den Woh­nungs­be­stand, die Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung sowie Pro­gno­sen für den Arbeits­markt und die Beschäf­ti­gung in der Regi­on Bam­berg analysiert.

„Vom Arbeits­kräf­te­be­darf über die Gebur­ten bis zu den Ster­be­fäl­len: Es wird sich in Bam­berg eine Men­ge tun – und auf dem Woh­nungs­markt tun müs­sen“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Das bedeu­te kon­kret, dass in den nächs­ten fünf Jah­ren rund 970 neue Woh­nun­gen in Bam­berg und auch 970 Woh­nun­gen im Land­kreis gebaut wer­den müss­ten – und zwar pro Jahr. Der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts hält die­ses Woh­nungs­bau­pen­sum für Bam­berg aller­dings für „nicht mach­bar“. So habe es im ers­ten Halb­jahr die­ses Jah­res nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes (Desta­tis) ledig­lich 186 Bau­ge­neh­mi­gun­gen für neue Woh­nun­gen in Bam­berg und 187 für den Kreis gege­ben. „Das reicht natür­lich nicht.“ Der Neu­bau von Woh­nun­gen in der Regi­on Bam­berg lau­fe mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se. „Da muss vor allem bun­des­po­li­tisch mehr pas­sie­ren, um den Neu­bau von Woh­nun­gen wie­der anzu­kur­beln. Und das mög­lichst schnell“, so Mat­thi­as Günther.

Dabei gibt es für den Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts vor allem ein effek­ti­ves Instru­ment, das den Woh­nungs­bau auch in der Regi­on Bam­berg flott in Fahrt brin­gen wür­de: „Drin­gend not­wen­dig ist güns­ti­ges Bau­geld. Der Bund muss ein Zins-Pro­gramm auf­le­gen: Maxi­mal 2 Pro­zent Zin­sen – teu­rer darf die Finan­zie­rung beim Woh­nungs­bau nicht sein.“ Dann sei­en deut­lich mehr pri­va­te Bau­her­ren, aber auch Inves­to­ren end­lich wie­der in der Lage, neue Woh­nun­gen in Bam­berg und dem Land­kreis zu bau­en. „Vor allem wür­de das schnell einen Effekt brin­gen: Mit einem Nied­rig­zins-Bau­geld wür­de der Bund einen wirk­li­chen Tur­bo für den Neu­bau von Woh­nun­gen star­ten“, ist der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts überzeugt.

Die Wis­sen­schaft­ler haben die regio­na­le Woh­nungs­markt-Ana­ly­se im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB) durch­ge­führt. Des­sen Prä­si­den­tin feh­len kla­re Signa­le – Anrei­ze, die kurz­fris­tig wir­ken: „In Sachen Woh­nungs­bau pas­siert bei der neu­en Bun­des­re­gie­rung zu wenig. Nur das Schlag­wort ‚Woh­nungs­bau-Tur­bo‘ geis­tert seit Mona­ten durch die Repu­blik. Doch von einem ‚Tur­bo‘ kann kei­ne Rede sein. Die Maß­nah­men wir­ken nur mit­tel- bis lang­fris­tig“, sagt Katha­ri­na Metz­ger. Jeden­falls sei von dem ver­spro­che­nen ‚Tur­bo-Effekt‘ in der Regi­on Bam­berg und auch sonst nir­gend­wo etwas zu mer­ken. Selbst da, wo es ein Plus bei den Bau­ge­neh­mi­gun­gen gebe, pas­sie­re dies auf „denk­bar nied­ri­gem Niveau“.

Dabei sei der Woh­nungs­bau ein wich­ti­ger Motor der Bin­nen­kon­junk­tur: „Läuft der Woh­nungs­bau, dann läuft auch die Wirt­schaft. Des­halb ist es höchs­te Zeit, dass Bun­des­kanz­ler Merz den Woh­nungs­bau jetzt zur Chef­sa­che macht“, for­dert die Prä­si­den­tin des Bau­stoff-Fach­han­dels. Pas­sie­re nichts, dann sacke der Neu­bau wei­ter ab. Schon jetzt ver­lie­re der Bau Tag für Tag Kapa­zi­tä­ten: „Bau­un­ter­neh­men gehen in die Insol­venz. Bau­ar­bei­ter ver­lie­ren ihre Jobs“, so Metzger.

Außer­dem sei das Bau­en zu kom­pli­ziert und zu teu­er gewor­den, kri­ti­siert der Bau­stoff-Fach­han­del. Ein Punkt, den auch das Pest­el-Insti­tut unter­streicht: „Deutsch­land muss drin­gend wie­der ein­fa­cher bau­en. Wenn der Bund alle Auf­la­gen und Vor­schrif­ten der letz­ten zehn Jah­re kom­plett zurück­neh­men wür­de, dann könn­ten in Bam­berg ziem­lich schnell wie­der deut­lich mehr und deut­lich güns­ti­ge­re Woh­nun­gen gebaut wer­den. Und zwar Woh­nun­gen mit einem guten Stan­dard. Manch­mal ist weni­ger eben mehr“, sagt Mat­thi­as Günther.

Der Chef des Pest­el-Insti­tuts wirft dem Bund vor, dem Woh­nungs­bau „zehn Jah­re lang durch immer schär­fe­re Geset­ze und Ver­ord­nun­gen viel unnö­ti­gen Bal­last zuge­mu­tet zu haben“. Das habe die Kos­ten im Woh­nungs­bau und damit auch die Mie­ten regel­recht nach oben getrie­ben, so der Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del. „Vor allem völ­lig über­zo­ge­ne Ener­gie­spar-Auf­la­gen beim Neu­bau haben unterm Strich für die Umwelt wenig gebracht, das Woh­nen aber enorm viel teu­rer gemacht“, sagt BDB-Prä­si­den­tin Katha­ri­na Metzger.

Pri­vat­woh­nun­gen nicht in Feri­en­woh­nun­gen umwandeln

Stadt berei­tet neue Zweck­ent­frem­dungs­sat­zung vor

Es geht um Wohn­raum in der Stadt­mit­te. Mit einer neu­en Zweck­ent­frem­dungs­sat­zung möch­te die Stadt Bam­berg ver­hin­dern, dass Pri­vat­woh­nun­gen vor­ran­gig in Feri­en­woh­nun­gen umge­wan­delt wer­den. „Inten­siv“ arbei­te sie der­zeit an der Rechtsnorm.

In Arti­kel 1 der baye­ri­schen Zweck­ent­frem­dungs­sat­zung heißt es: „Gemein­den kön­nen für Gebie­te, in denen die aus­rei­chen­de Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit Miet­woh­nun­gen zu ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen beson­ders gefähr­det ist, durch Sat­zung mit einer Gel­tungs­dau­er von höchs­tens fünf Jah­ren bestim­men, dass Wohn­raum nur mit ihrer Geneh­mi­gung über­wie­gend ande­ren als Wohn­zwe­cken zuge­führt wer­den darf, wenn sie dem Wohn­raum­man­gel nicht auf ande­re Wei­se mit zumut­ba­ren Mit­teln und in ange­mes­se­ner Zeit abhel­fen können.“

Eine Zweck­ent­frem­dung liegt zum Bei­spiel dann vor, wenn Wohn­raum mehr als acht Wochen pro Kalen­der­jahr für Zwe­cke der Frem­den­be­her­ber­gung, etwa als Feri­en­woh­nung, genutzt wird.

2020 hat­te Bam­berg zum ers­ten Mal ver­sucht, mit solch einer Sat­zung zu ver­hin­dern, dass Pri­vat­woh­nun­gen zu Feri­en­woh­nun­gen umge­wan­delt wer­den. 2022 erklär­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof (VGH) in Mün­chen die­se Rechts­norm jedoch für unwirk­sam. Per Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de hat­te die Stadt zwar noch ver­sucht, gegen das VGH-Urteil vor­zu­ge­hen, die­se wur­de vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aller­dings ihrer­seits verworfen.

Unter­su­chung des Wohnungsmarktes

Nun berei­tet Bam­berg eine neue Zweck­ent­frem­dungs­sat­zung vor, die bis Ende April spruch­reif sein soll. Dabei ori­en­tie­re sich die Stadt beson­ders an im VGH-Urteil neu auf­ge­stell­ten Anfor­de­run­gen, so eine Mit­tei­lung aus dem Rat­haus. Sich für die Vor­gän­ger­ver­si­on an einen Leit­fa­den der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung zu hal­ten, habe nicht genügt.

Des­halb hole man nun ver­schie­de­ne Ana­ly­sen, Bewer­tun­gen und Gut­ach­ten ein, die die Wohn­si­tua­ti­on berück­sich­ti­gen und die Not­wen­dig­keit einer neu­en Sat­zung begrün­den sollen.

„Wir haben in Nach­bar­ge­mein­den gezielt Daten zu Wohn­raum im unte­ren Preis­seg­ment und zu Sozi­al­woh­nun­gen ange­fragt. Die Rück­läu­fe wer­den jetzt aus­ge­wer­tet“, sagt Bau­re­fe­rent Tho­mas Bee­se. Außer­dem wer­de eine Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se der Uni­ver­si­tät Bam­berg zur Ent­wick­lung bis ins Jahr 2040 ein­be­zo­gen. Auch Gut­ach­ten von Bund und Land sol­len berück­sich­tigt wer­den, die der Stadt Bam­berg einen ange­spann­ten Woh­nungs­markt attes­tie­ren. Wei­ter­hin sol­len sta­tis­ti­sche Zah­len zum Bam­ber­ger Woh­nungs­markt, zum Bedarf an nie­der­schwel­li­gem Wohn­raum und zum Preis­an­stieg in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren in die Begrün­dung der Sat­zung einfließen.

Einen Über­blick über den aktu­el­len Stand des neu­en Ver­suchs einer Zweck­ent­frem­dungs­sat­zung möch­te die Stadt bei der nächs­ten Sit­zung des Bau- und Werkse­na­tes am 8. März geben.