Frän­ki­scher Theatersommer

„Den Gefal­len, ein Stück über Coro­na auf die Büh­ne zu brin­gen, wer­de ich dem Virus nicht tun“

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Vor dem Auftritt unter Corona-Bedingungen: Heckentheater in der Wilhelminenaue in Bayreuth, August 2020
Trotz Pan­de­mie blickt die ober­frän­ki­sche Lan­des­büh­ne des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers auf ein künst­le­risch und wirt­schaft­lich zufrie­den­stel­len­des Jahr 2020 zurück. Zwi­schen den Lock­downs spiel­te die Wan­der­büh­ne über 80 Auf­trit­te. Jan Bur­din­ski ist Regis­seur, Dar­stel­ler und Inten­dant des Frän­ki­schen Thea­ter­som­mers. Im Inter­view wirft er einen Blick auf die ver­gan­ge­ne Saison.

Wie war der zurück­lie­gen­de Thea­ter­som­mer? Wie weit war regu­lä­res Arbei­ten möglich?

Jan Bur­din­ski: Die Thea­ter­som­mer-Sai­son 2020 war eine ein­zig­ar­ti­ge Erfah­rung: Die Unge­wiss­heit, ob wir über­haupt wür­den spie­len kön­nen, zehr­te an den Ner­ven des Ensem­bles, doch wir hat­ten alle dar­auf ein­ge­schwo­ren, dass wir nach einem offi­zi­el­len Öff­nungs-Signal sofort mit den vor­be­rei­te­ten Insze­nie­run­gen star­ten wür­den. Das Signal von der Baye­ri­schen Lan­des­re­gie­rung kam am 15. Juni, und am 17. Juni gab es in Adels­dorf mit „Engel auf Erden“, ein Thea­ter­stück zu Mar­le­ne Diet­rich, die ers­te Pre­mie­re, wel­cher inner­halb eines Monats sie­ben wei­te­re Pre­mie­ren folg­ten: Drei Solo-Stü­cke, „Roll on Beet­ho­ven“, „Der Geräusch­lo­se“, „Ein Nass­horn und ein Tro­cken­horn“, zwei Musik­thea­ter-Dar­bie­tun­gen, dar­un­ter „Aus dem Leben eines Tau­ge­nichts“ und „Das Mör­der­ka­rus­sell“ und die Wie­der­auf­nah­me-Pre­mie­re des Musi­cals „Heis­se Zei­ten“. Ver­zich­ten muss­ten wir auf die per­so­nen­rei­chen Stü­cke „Ein Som­mer­nachts­traum“ und „Der flie­hen­de Hol­la­en­der“. Bei­de Stü­cke haben wir auf die jet­zi­ge Sai­son 2021 ver­scho­ben. Und wie­der ste­hen wir damit in den Startlöchern.


Konn­te unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen, samt Hygie­nekon­zept und Abstands­re­ge­lun­gen, Thea­ter­stim­mung aufkommen?

Jan Bur­din­ski: Das haben wir uns damals auch gefragt. Aber schon die ers­te Auf­füh­rung wisch­te alle Beden­ken bei­sei­te. Die Dank­bar­keit des Publi­kums war über­wäl­ti­gend, die Thea­ter­stim­mung gera­de­zu eupho­risch. Wir hat­ten sehr enga­gier­te Mit­ar­bei­ter, die das erfor­der­li­che Hygie­ne-Kon­zept per­fekt vor­be­rei­tet hat­ten und alle Zuschau­er mit Charme und Mas­ke zu ihren Plät­zen geleiteten.

Jan Bur­din­ski wirft er einen Blick auf die ver­gan­ge­ne Saison

Zwi­schen dem ers­ten und zwei­ten Lock­down konn­ten wir auf die­se Wei­se über acht­zig Auf­füh­run­gen durchführen.


In wel­chem wirt­schaft­li­chen Zustand befin­det sich der Frän­ki­sche Theatersommer?

Jan Bur­din­ski: Es war ein Glück, dass wir beim ers­ten Lock­down die Flin­te nicht gleich ins Korn gewor­fen hat­ten, obgleich es Stim­men und Emp­feh­lun­gen gab, die gan­ze Sai­son abzu­sa­gen. Das haben wir aus unse­rer Spiel­lust her­aus nicht befolgt. Es wäre auch wirt­schaft­lich ein Desas­ter gewor­den. Nun kön­nen wir sagen: Alles rich­tig gemacht. Der Jah­res­ab­schluss konn­te sich sehen lassen.

Wie weit sind Sie in den Pla­nun­gen für die kom­men­de Sai­son? Wie gehen Sie dabei mit der nach wie vor herr­schen­den Unsi­cher­heit, ob Kul­tur­be­trieb statt­fin­det oder nicht, um?

Jan Bur­din­ski: Mit der­sel­ben Hal­tung wie im Vor­jahr: Wir berei­ten uns Schritt für Schritt vor und wol­len star­ten, wenn das Signal auf grün steht.


Wel­che Stü­cke wür­den zu sehen sein, wenn alles klappt?

Jan Bur­din­ski: Wie schon erwähnt „Ein Som­mer­nachts­traum“ und „Der flie­hen­de Hol­la­en­der“. Außer­dem moti­vier­te uns der gro­ße Publi­kums­er­folg des Musi­cals „Heis­se Zei­ten“ dazu, die Fort­set­zungs­ge­schich­te vor­zu­neh­men: Das Musi­cal „Höchs­te Zeit“. Dazu kom­men noch meh­re­re solis­ti­sche Neu­in­sze­nie­run­gen wie „Emmas Glück“, bekannt aus dem Kino, „Die Stern­stun­de des Josef Bie­der“, das komö­di­an­ti­sche Solo eines Thea­ter-Requi­si­teurs, und das Musik­thea­ter „Mozart goo­geln“. Und last but not least „Don Qui­jo­te & San­cho Pansa“.


Nach wel­chen Gesichts­punk­ten stel­len Sie den Spiel­plan zusammen?

Jan Bur­din­ski: Ent­schei­dend ist die Ent­wick­lung, wel­che das Schau­spiel-Ensem­ble in den letz­ten Jah­ren genom­men hat, des­sen Wün­sche und Befä­hi­gun­gen. Die Kennt­nis unse­res sehr hete­ro­ge­nen Publi­kums erfor­dert einen viel­ge­stal­ti­gen Spiel­plan, was auch mei­ner eige­nen Vor­lie­be entspricht.


Wer­den Sie sich insze­na­to­risch der Pan­de­mie annehmen?

Jan Bur­din­ski: Den Gefal­len, ein Stück über Coro­na auf die Büh­ne zu brin­gen, wer­de ich dem Virus nicht tun, das wäre zuviel der Ehre. Seit einem Jahr hat die Pan­de­mie all unse­re Sin­ne in Beschlag genom­men. Jetzt habe ich ein Bedürf­nis nach fri­scher Thea­ter­luft und damit ste­he ich nicht allein. Aus grö­ße­rem zeit­li­chen Abstand her­aus wer­de ich viel­leicht mal ein Thea­ter­stück dar­über schrei­ben. Es wird eine Tra­gi­ko­mö­die werden.


Mit Gut Kut­zen­berg bei Lich­ten­fels haben Sie zusätz­lich zum Wan­der­thea­ter eine sta­tio­nä­re Büh­ne gefun­den. Wie weit sind Sie mit die­ser Büh­ne fort­ge­schrit­ten – wird sie 2021 schon zum Ein­satz kommen?

Jan Bur­din­ski: Mit der Sanie­rung der Räum­lich­kei­ten von Gut Kut­zen­berg wer­den wir noch ein paar Jah­re zu tun haben, aber das „Gar­ten­thea­ter“ nut­zen wir schon seit zwei Jah­ren. Es ist eine traum-haf­te Frei­licht­büh­ne – bes­tens geeig­net für den „Som­mer­nachts­traum“ und für „Don Qui­jo­te“.
Die Wie­se vor den bei­den gro­ßen Lin­den­bäu­men sind herr­li­che Spiel­plät­ze für Kin­der­thea­ter und für Musik­thea­ter. Und die bei­den Scheu­nen bespie­len wir mit klei­nen fei­nen Kammertheater-Produktionen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter

http://www.theatersommer.de

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