Nach 555 Tagen Warten

Rai­ner Koch ehrt Yan­nick Han­nes vom TSV Natternberg

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„Amateurfussballerin des Jahres 2019“ Theresa Altendeitering und „Amateurfussballer des Jahres 2019“ Yannick Hannes (links) erhielten von BFV-Präsident Rainer Koch die Trophäe. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images
Im Rah­men des Län­der­spiels zwi­schen der DFB-Elf und Rumä­ni­en in Ham­burg gab es für den Nie­der­bay­er Yan­nick Han­nes die Tro­phäe als Sie­ger der Wahl zu Deutsch­lands „Ama­teur­fuss­bal­ler des Jah­res 2019“. Als „Ama­teur­fuss­bal­le­rin des Jah­res 2019“ wur­de The­re­sa Altend­ei­te­ring aus Nie­der­sach­sen ausgezeichnet.

2021 statt 2020, Ham­burg statt Nürn­berg, Rumä­ni­en statt Ita­li­en: Yan­nick Han­nes, der in weni­gen Tagen sei­nen 20. Geburts­tag fei­ert, muss­te lan­ge war­ten, ehe er end­lich auch den sil­ber­nen Pokal als ver­dien­ter Sie­ger der Wahl zu Deutsch­lands „Ama­teur des Jah­res 2019“ in den Hän­den hält. Ursprüng­lich hat­te der Kicker des TSV Nat­tern­berg sei­ne Tro­phäe im Rah­men des Län­der­spiels zwi­schen Deutsch­land und Ita­li­en am 31. März ver­gan­ge­nen Jah­res in Nürn­berg über­reicht bekom­men sol­len. Die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie sorg­ten jedoch für die Absa­ge des Tests der Aus­wahl des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB) gegen den spä­te­ren Euro­pa­meis­ter – und damit fiel auch die Ehrung von Yan­nick Han­nes aus Nie­der­bay­ern ins Was­ser. Jetzt, exakt 555 Tage nach dem Ursprungs­ter­min, war es dann aber end­lich soweit: Im aus­ver­kauf­ten Ham­bur­ger Volks­park­sta­di­on hat­te der „Ama­teur des Jah­res 2019“ sei­ne ihm gebüh­ren­de Büh­ne vor 25.000 Zuschaue­rin­nen und Zuschau­ern. In der Halb­zeit­pau­se über­reich­te ihm Rai­ner Koch, DFB-Inte­rims­prä­si­dent und Prä­si­dent des Baye­ri­schen Fuß­ball-Ver­ban­des (BFV) die Trophäe.


„Ama­teur­fuß­ball auf dem Weg zurück zur Normalität“


„Wir alle hät­ten Yan­nick sehr ger­ne zum ver­ein­bar­ten Ter­min im März ver­gan­ge­nen Jah­res geehrt und ihm per­sön­lich gra­tu­liert. Wir alle hät­ten uns die­se Pan­de­mie, die auch für den Ama­teur­fuß­ball mit gro­ßen, bis dato so nicht gekann­ten Her­aus­for­de­run­gen ver­bun­den ist, sehr ger­ne erspart“, sag­te Rai­ner Koch in der Han­se­stadt: „Umso erfreu­li­cher ist es, dass es jetzt mög­lich ist. Die­se Über­ga­be an den Ama­teur des Jah­res soll auch sinn­bild­lich dafür ste­hen, dass der Ama­teur­fuß­ball die­se Nagel­pro­be bestan­den und auf dem Weg zurück zur Nor­ma­li­tät ist. Yan­nick steht mit sei­ner Geschich­te und sei­nem ehren­amt­li­chen Wir­ken auch stell­ver­tre­tend für die vie­len Mil­lio­nen Men­schen, die sich gera­de in den letz­ten mehr als ein­ein­halb Jah­ren unei­gen­nüt­zig, ehren­amt­lich und mit ganz viel Herz­blut in den Dienst der Gesell­schaft gestellt haben.“

Sei­ner­zeit noch als A‑Jugendlicher hat­te Han­nes 2019 den baye­ri­schen Hat­trick per­fekt gemacht: Der Nie­der­bay­er vom Deg­gen­dor­fer Stadt­teil­ver­ein TSV Nat­tern­berg setz­te sich bei der deutsch­land­wei­ten Wahl zum „Ama­teur des Jah­res“ 2019 durch und hol­te so nach Nina Hirsch (SV 67 Wein­berg, 2017) und Tho­mas Ball­bach (SV Mos­bach, 2018) den drit­ten Titel in Fol­ge in den Frei­staat. Der damals 18 Jah­re alte Junio­ren­spie­ler setz­te sich im Online-Voting mit kla­rem Vor­sprung auf die Kon­kur­ren­ten durch und über­zeug­te auch die pro­mi­nent besetz­te Jury.

„Sei­ne Geschich­te zeigt, wel­che Kraft der Fuß­ball haben kann und wie wil­lens­stark ein jun­ger Mensch sein kann. Trotz Herz­still­stand und Koma stell­te er sich nie die Fra­ge, ob, son­dern wann er auf den Platz zurück­keh­ren könn­te. Yan­nick ist ein ech­tes Vor­bild, weil er sich von einem kras­sen Schick­sals­schlag nicht unter­krie­gen ließ, son­dern aus sei­ner Lei­den­schaft für den Fuß­ball die Moti­va­ti­on zog, schnellst­mög­lich wie­der gesund zu wer­den. Heu­te tritt er nicht nur selbst wie­der gegen den Ball, son­dern küm­mert sich als Jugend­trai­ner um den Fuß­ball­nach­wuchs in Nat­tern­berg und ist dane­ben noch als Schieds­rich­ter und Tur­nier­lei­ter aktiv“, wür­dig­te BFV-Ver­bands-Jugend­lei­ter Flo­ri­an Weiß­mann den Nie­der­bay­er nach Bekannt­wer­den des Wahl-Ergebnisses.

Seit 2008 trägt Yan­nick Han­nes das Tri­kot des TSV Nat­tern­berg. Im März 2016 brach er wäh­rend eines Jugend­spiels plötz­lich mit einem Herz­still­stand zusam­men. Noch auf dem Fuß­ball­platz muss­te er reani­miert wer­den und lag anschlie­ßend meh­re­re Tage im Koma. Längst aber ist er wie­der auf dem Platz, führ­te damals auch recht schnell wie­der sei­ne A‑Jugend vol­ler Stolz als Kapi­tän aufs Feld.


Kei­ne Sor­gen wegen des Defibrillators


Ein Defi­bril­la­tor, der von einer Man­schet­te geschützt wird, gibt ihm heu­te ein siche­res Gefühl auf dem Platz. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich mir wegen des Defis kei­ne Sor­gen machen muss. Selbst dann, wenn der Ball Mal den Bereich stär­ker trifft, pas­siert mir nichts. Auch bei Zwei­kämp­fen bin ich nicht vor­sich­ti­ger als zuvor.“ Und nicht nur auf dem Rasen zeigt Yan­nick vol­len Ein­satz, auch im Ver­eins­le­ben bringt er sich in allen Berei­chen ein: Er orga­ni­siert Tur­nie­re in Nat­tern­berg, lei­tet bei Ver­eins­tur­nie­ren als Schieds­rich­ter Par­tien und betreut die E‑Junioren des Ver­eins. „Er ist gut im Fuß­ball und kann gut erklä­ren“, schwärm­te Arlind, einer sei­ner Schütz­lin­ge, als er von der Aus­zeich­nung erfah­ren hat­te. Und auch Dani­el Rei­chelt, der Jugend­lei­ter des TSV, schätzt den „Ama­teur des Jah­res“ sehr: „Er ist ein fei­ner Kerl und ein rich­tig guter Fuß­bal­ler, der Gott sei Dank in unse­rem Ver­ein spielt.“

Nach dem tra­gi­schen Vor­fall im Früh­jahr 2016 sind sei­ne Eltern nicht nur über­glück­lich, ihren Sohn wie­der gesund auf dem Platz zu sehen. Unheim­lich stolz erzählt Vater Mar­tin: „Gleich nach dem Auf­wa­chen im Kran­ken­haus hat er die Ärz­te gefragt, wann er wie­der Fuß­ball spie­len kann. Für ihn war nie die Fra­ge, ob, son­dern wann. Er hat nie gezwei­felt. Er hat uns da auch kei­ne wirk­li­che Wahl gelas­sen – für ihn war immer klar: Er wird Fuß­ball spie­len.“ Nun geht Yan­nick sei­nem liebs­ten Hob­by wie­der vol­ler Freu­de nach und irgend­wann wird er rück­bli­ckend erzäh­len kön­nen, wie das war mit der um 555 Tage ver­spä­te­ten Pokalübergabe.

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