Browse Tag

Bamberger Symphoniker

Wag­ne­rism an der Regnitz

Son­der­kon­zer­te der Bam­ber­ger Symphoniker

Mit der neu­en Son­der­kon­zert­rei­he im Mai „Die Welt mit Wag­ner“ in der Kon­zert­hal­le Bam­berg und dem „Ring ohne Wor­te“ in Bam­berg und der Isar­phil­har­mo­nie Mün­chen sowie dem live unter­mal­ten Stumm­film­klas­si­ker „Die Nibe­lun­gen: Sieg­fried 1. Teil“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1924 prä­sen­tie­ren die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker nach dem gro­ßen Erfolg von 2013 erneut eine Hom­mage an Richard Wagner.

In ihrer neu­en Son­der­kon­zert­rei­he spü­ren die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker mit gro­ßer Neu­gier wie­der der Wir­kung der Wag­ner­schen Musik nach. Inspi­riert durch das aktu­el­le Buch des New Yor­ker Musik­kri­ti­kers und Autors Alex Ross „Die Welt nach Wag­ner“ wer­den meh­re­re Musik­stü­cke ver­schie­de­ner Kom­po­nis­ten, unter ande­rem von Richard Wag­ner, Clau­de Debus­sy, Gus­tav Mah­ler und Richard Strauss in einer Art Labor zum Klin­gen gebracht. Mit mul­ti­me­dia­len Pro­jek­tio­nen der Brü­der Nick und Cle­mens Prokop, die pas­send zur Musik Film­aus­schnit­te, Vide­os, Fotos und Ani­ma­tio­nen zei­gen, wer­den die Bil­der zu den Musik­phä­no­me­nen inter­dis­zi­pli­när verwoben.

Dazu kom­men Musik und Stim­men aus dem „Off“. So fin­den ver­schie­de­ne Musik­stü­cke aus dem Wag­ner-Kos­mos eine Gegen­über­stel­lung mit von ihm beein­fluss­ten ande­ren Kunst­wer­ken in groß­for­ma­ti­gen, mul­ti­me­dia­len Inszenierungen.

Mul­ti­me­dia­les Konzertprojekt

Das Pro­jekt ist eine Art Hom­mage vor allem an das Gesamt­kunst­werk des Künst­lers Wag­ner, der das Orches­ter immer wie­der auf sei­ner musi­ka­li­schen Rei­se beglei­tet. „Richard Wag­ner hat mit sei­nem Werk nahe­zu alle Kom­po­nis­ten beein­flusst, die nach ihm kamen und kom­men“, sagt Mar­cus Rudolf Axt, Inten­dant der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker. Auch sym­pho­ni­sches Reper­toire kön­ne ohne Wag­ner nicht voll­stän­dig gedacht wer­den, wes­halb das Orches­ter über die Zeit hin­weg immer wie­der Wag­ner als kon­zer­tan­te Auf­füh­run­gen gespielt habe.

Die Son­der­kon­zert­rei­he mit Wag­ner ist wie­der etwas Beson­de­res, zumal die mul­ti­me­dia­le Prä­sen­ta­ti­on ein zusätz­li­ches High­light gibt. „Die­ses Pro­jekt ist der Ver­such, sich ein­mal nur der sym­pho­ni­schen Sei­te zu nähern sowie dem Ein­fluss, den Wag­ner auf ande­re Kom­po­nis­ten wie Strauss und Mah­ler aber auch auf ande­re Künst­le­rin­nen und Künst­ler wie Schrift­stel­ler und Fil­me­ma­cher hat­te“, so Axt.

Wag­ne­rism

Der „Wag­ner-Exper­te“ Alex Ross hat sofort begeis­tert zuge­sagt, das ers­te Son­der­kon­zert der Rei­he zusam­men mit dem Chef­di­ri­gen­ten der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker, Jakub Hrůša, und den Prokop-Brü­dern zu kon­zi­pie­ren. Er wird für die ers­ten bei­den Kon­zer­te nach Bam­berg rei­sen und auch vor den Kon­zer­ten eine Ein­füh­rung auf Deutsch hal­ten, an deren ers­ter Aus­ga­be auch Cle­mens Prokop via eines Talks auf der Büh­ne teilnimmt.

Dabei geht es in sei­nem Buch mit dem eng­li­schen Titel „Wag­ne­rism. Art and Poli­tics in the Shadow of Music“ eigent­lich mehr um Male­rei, Schrift­stel­le­rei und Archi­tek­tur in Zusam­men­hang mit Wag­ner. Den Inhalt des Buches zu trans­for­mie­ren ist auch für das Orches­ter eine völ­lig neue Sicht auf den gro­ßen Kom­po­nis­ten. „Im Buch ist die Wir­kung Wag­ners auf alle mög­li­chen Kunst­gat­tun­gen beschrie­ben: bil­den­de Kunst, Film, Lite­ra­tur, aber auch auf poli­ti­sche und ideo­lo­gi­sche Strö­mun­gen des 20. Jahr­hun­derts. Poten­zi­el­le Nach­wir­kun­gen in der Musik sind nicht Teil des Buches, son­dern ihnen wur­de von uns im Dia­log mit Alex Ross und Jakub Hrůša nach­ge­spürt und spe­zi­ell für die­ses Pro­jekt aus­ge­wählt“, erläu­tert Axt weiter.

Von links: Mar­cus Rudolf Axt (Foto: Andre­as Her­zau), Jakub Hruša (Foto: Mari­an Len­hard), Alex Ross (Foto: Josh Goldstine)
Musik und Text

Vor allem Diri­gent Jakub Hrůša hat bereits viel Erfah­rung mit Kon­zer­ten, die sich etwas außer­halb der Norm bewe­gen, die modern gedacht und inspi­rie­rend gespielt wer­den. Sei­ne Tätig­keit als Diri­gent von Opern und sei­ne Ver­traut­heit mit dem kom­po­si­to­ri­schen Schaf­fen Richard Wag­ners kom­men dem Pro­jekt über­dies zugu­te. So auch im „Ring ohne Wor­te“, den die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker in der Kon­zert­hal­le an der Reg­nitz und in der Isar­phil­har­mo­nie geben. Hier dreht sich alles um Wag­ners zeit­lo­se Para­bel der Macht und der Liebe.

Ein monu­men­ta­les Weltendra­ma, auf­ge­zeigt in einer Art Schnell­durch­lauf durch die vier Opern des Rings. Ohne Büh­nen­bil­der, Sän­ger und Kos­tü­me. Dafür gespielt in der Zusam­men­stel­lung und Aus­wahl des ame­ri­ka­ni­schen Kom­po­nis­ten und Diri­gen­ten Lorin Maazel. Dies­mal – auch das ist neu – mit gele­se­nen Text­pas­sa­gen aus bekann­ten lite­ra­ri­schen Wer­ken, bei­spiels­wei­se von Fried­rich Nietz­sche, Tho­mas Mann, Elfrie­de Jeli­nek, Vir­gi­nia Woolf oder Theo­dor W. Ador­no. Die Tex­te liest der Schau­spie­ler und Hör­buch­spre­cher Jens Har­zer, selbst ein gro­ßer Fan der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker. Durch das Hör­buch „Böh­men liegt in uns. War­um der Klang der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker die Men­schen ergreift“ hat er bereits in der Ver­gan­gen­heit inten­siv mit dem Orches­ter zusammengearbeitet.

Lorin Maazels „Ring ohne Wor­te“ ist eine bekann­te Zusam­men­stel­lung von Wag­ners Ring und wird häu­fi­ger von Orches­tern auf der gan­zen Welt gespielt. Um die Refle­xio­nen von und um Wag­ner unter­stüt­zend zur Musik dar­zu­stel­len, erwei­sen sich die aus­ge­wähl­ten Tex­te berühm­ter, aber auch weni­ger bekann­ter Autoren als gute Par­al­le­len oder Kon­tras­te, um Wag­ners Kos­mos zu erwei­tern. So eröff­nen sie auch ande­re Per­spek­ti­ven als die rein musi­ka­li­sche auf sein Werk und Wirken.

Stumm­film mit Musik

Beim Son­der­kon­zert zum Stumm­film­klas­si­ker „Die Nibe­lun­gen: Sieg­fried 1. Teil“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1924 wird Chris­ti­an Schu­mann diri­gie­ren. Der gebür­ti­ge Frei­bur­ger Schu­mann gibt mit die­sem Kon­zert sein Debüt bei den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern. In gro­ßer Beset­zung spielt das Orches­ter die ori­gi­na­le Film­mu­sik, wäh­rend im Saal auf einer gro­ßen Film­lein­wand der Stumm­film gezeigt wird. Der deut­sche Kom­po­nist Gott­fried Hup­pertz kom­po­nier­te 1924 die Musik für den Film von Fritz Lang. Auch Schu­mann selbst ist Kom­po­nist von Film­mu­sik und wird in der nächs­ten Sai­son mit den Edu­ca­ti­on-Kon­zer­ten „Sound of Cli­ma­te“, einem wei­te­ren mul­ti­me­dia­len Kon­zert­pro­jekt, die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker unterstützen.

Auch für Stu­die­ren­de und die Jüngsten

Die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker sind das ein­zi­ge Orches­ter mit Welt­ruf, das nicht in einer Groß­stadt behei­ma­tet ist. Den­noch geht die Magnet­wir­kung des Klang­kör­pers nach außen. So trägt das Orches­ter auf Rei­sen den Rhyth­mus und das musi­ka­li­sche Echo sei­ner Hei­mat­stadt in die gan­ze Welt hinaus.

Mehr als 7.300 Kon­zer­te in über 500 Städ­ten und 63 Län­dern haben die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker seit ihrer Grün­dung im Jahr 1946 gege­ben. Das Orches­ter, des­sen Wur­zeln bis nach Prag rei­chen, ver­steht sich als grenz­über­schrei­ten­der, welt­of­fe­ner Klang­bot­schaf­ter. Der cha­rak­te­ris­ti­sche Klang, der als dun­kel, warm und strah­lend beschrie­ben und seit 2016 von Chef­di­ri­gent Jakub Hrůša aus Tsche­chi­en geprägt wird, ist viel gerühmt und wur­de häu­fig prä­miert. Als Leucht­turm der Kul­tur­ge­sell­schaft steht für das Orches­ter Nach­hal­tig­keit sowohl musi­ka­lisch als auch öko­lo­gisch im Vor­der­grund. Auch die Nähe zum Hei­mat­pu­bli­kum und dabei vor allem zu den Kon­zert­be­su­che­rIn­nen von mor­gen ist den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern beson­ders wich­tig. So spie­len sie im Mai unter dem Mot­to „Viva Espa­ña!“ auch für Stu­die­ren­de und „Sitz­kis­sen­kon­zer­te“ für die Jüngsten.

Bene­fiz­ver­an­stal­tung für die Ukraine

Lesung: Volha Hapeyeva

Mor­gen Abend liest die Autorin Volha Hapey­e­va um 20 Uhr im Stu­dio des ETA Hoff­mann Thea­ters aus ihren Wer­ken. Im Anschluss spie­len die bei­den Mit­glie­der der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker, Vla­dis­lav Popy­al­kovs­ky und Edu­ard Resa­tsch, ein Kon­zert. Die Spen­den­ein­nah­men des Abends kom­men der Initia­ti­ve „Bam­berg hilft Ukrai­ne“ zugute.

Volha Hapey­e­va, 1982 in Minsk gebo­ren, ist Lyri­ke­rin, Lin­gu­is­tin, Über­set­ze­rin und Roman­au­torin – eine poli­tisch den­ken­de und schrei­ben­de Poe­tin. In ihrem preis­ge­krön­ten Essay „Die Ver­tei­di­gung der Poe­sie in Zei­ten dau­ern­den Exils“ führt Hapey­e­va die Macht der Spra­che gegen ihren gewalt­tä­ti­gen Miss­brauch an. Poe­sie kön­ne ein Zuhau­se sein, weil sie Wider­stän­dig­keit för­de­re und das Poten­zi­al böte, die Unter­drü­ckungs­lo­gik von „wir“ und „sie“ durch Mit­ge­fühl zu überwinden.

Hapey­e­vas Roman „Camel Tra­vel“ durch­wan­dert eine Kind­heit von Minks bis Mos­kau und kar­to­gra­phiert poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen aus den Augen eines Kin­des. Ihre Gedich­te wie „der rote him­mel, der nach eisen schmeckt“ han­deln von Kriegs- und Fluchterfahrung.

Für ihre Werk erhielt Volha Hapey­e­va Werk zahl­rei­che inter­na­tio­na­le Prei­se und Aus­zeich­nun­gen. Ihre Gedich­te wur­den in mehr als 15 Spra­chen über­setzt. Unter dem Titel „Mutan­ten­gar­ten“ liegt auch eine Aus­wahl auf Deutsch vor.

In der Lesung wird die Autorin aus ihrem Essay, ihrem Roman und ihrer Lyrik vor­tra­gen. In einem anschlie­ßen­den Gespräch berich­ten Volha Hapey­e­va, wie ihre Bio­gra­fie und ihre Poe­sie ineinanderfließen.

Danach spie­len der Vio­li­nist Vla­dis­lav Popy­al­kovs­ky und Edu­ard Resa­tsch, Vio­lon­cel­lo, ein klei­nes Kon­zert. Popy­al­kovs­ky ist in Lett­land gebo­ren und wuchs in St. Peters­burg auf, Resa­tsch ist Ukrai­ner. Bei­de sind Mit­glie­der der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker und ergän­zen den Abend im Zei­chen der Empa­thie musi­ka­lisch, als wei­te­re Spra­che der Kunst.

Der Ein­tritt ist frei. Das ETA Hoff­mann Thea­ter bit­tet um Spen­den, die der der Initia­ti­ve „Bam­berg hilft Ukrai­ne“ zugu­te­kom­men.

Bis zu 50 Pro­zent Auslastung

Locke­run­gen für die Kultur

Posi­ti­ve Nach­rich­ten für Thea­ter und Kinos: Ab heu­te dür­fen Kul­tur­ein­rich­tun­gen in Bay­ern wie­der mehr Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er ein­las­sen als bis­her. Wir haben in der Bam­ber­ger Sze­ne nach­ge­fragt, wie die Locke­run­gen dort ankommen.

An kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen in Innen­räu­men kön­nen ab heu­te wie­der mehr Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er teil­neh­men als bis­her. Dafür hat sich das Baye­ri­sche Kabi­nett am Diens­tag, 25.1., ent­schie­den. Das heißt: Kinos, Thea­ter oder Kon­zert­hal­len kön­nen ihre Publi­kums­räu­me wie­der bis zu 50 Pro­zent aus­las­ten, wei­ter­hin unter Ein­hal­tung der 2G plus Regel. Bis­her erlaub­ten die Beschlüs­se aus Mün­chen nur 25 Prozent.

Kunst­mi­nis­ter Bernd Sibler und Digi­tal­mi­nis­te­rin Judith Ger­lach, zustän­dig für Kinos in Bay­ern, sehen die vom Baye­ri­schen Kabi­nett beschlos­se­ne Anhe­bung der Aus­las­tungs­gren­ze für den Kul­tur­be­reich auf 50 Pro­zent und die Mög­lich­keit, das Publi­kum mit redu­zier­tem Abstand etwa nach dem Schach­brett­mus­ter zu plat­zie­ren, als „einen wich­ti­gen Schritt, der in die rich­ti­ge Rich­tung weist.“

„Wir kön­nen Kunst und Kul­tur“, sag­te Bernd Sibler, „im wört­li­chen wie im über­tra­ge­nen Sinn wie­der mehr Raum geben. Die neue Aus­las­tungs­ka­pa­zi­tät ermög­licht mehr Publi­kum und damit auch mehr Per­spek­ti­ve für unse­re Kunst- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen in Bay­ern, ins­be­son­de­re für die klei­ne­ren Büh­nen. Künst­le­rin­nen und Künst­ler brau­chen die Büh­ne. Mit den neu­en Rege­lun­gen sor­gen wir für mehr Auf­tritts­mög­lich­kei­ten und für ein grö­ße­res kul­tu­rel­les Ange­bot. Ich freue mich dar­auf, dass ein kul­tu­rel­les Erleb­nis mit mehr Men­schen im Saal mög­lich ist.“

Wir haben bei Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Bam­ber­ger Ver­an­stal­tungs-Kul­tur nach­ge­fragt, was sie von den Locke­run­gen hal­ten. Die Reak­tio­nen dar­auf fal­len gemischt aus.

Reak­tio­nen von ETA und Wildwuchstheater

Sibyl­le Broll-Pape, Inten­dan­tin der ETA Hoff­man Thea­ters, freut sich über die Locke­run­gen. „End­lich kön­nen wir der gro­ßen Nach­fra­ge für unse­re Ver­an­stal­tun­gen bes­ser nach­kom­men. Die 2G plus Rege­lung, FFP2-Mas­ken­pflicht und Abstän­de bie­ten gleich­zei­tig unse­rem Publi­kum den größt­mög­li­chen Schutz. Des­we­gen hal­te ich die 50 Pro­zent-Regel für einen guten Kom­pro­miss in die­ser wei­ter­hin her­aus­for­dern­den Zeit.“

Fre­de­ric Hei­sig vom Wild­wuchs­thea­ter sieht die Locke­run­gen hin­ge­gen nicht ganz so posi­tiv. Er befürch­tet sogar, dass grund­le­gen­de Schä­den ent­stan­den sind, die sich auch durch höhe­re Aus­las­tung nicht so schnell behe­ben lassen.

„Aus viro­lo­gisch-epi­de­mio­lo­gi­scher Sicht kann ich die Locke­rung nicht beur­tei­len, aber für das Thea­ter sind sie erst­mal eine Ver­bes­se­rung. Auch wenn die Finan­zie­rung von Insze­nie­run­gen auch bei 50 Pro­zent schwer ist. Grund­le­gend muss ich aller­dings sagen, dass es mir ein biss­chen komisch vor­kommt, wenn man im Thea­ter sitzt, Abstand hält und Mas­ke trägt, nur um dann auf dem Heim­weg oder so viel­leicht an einem Restau­rant vor­bei­zu­kom­men und zu sehen, was dort mög­lich ist. Voll­be­le­gung und kei­ne Mas­ken. Da passt für mich nicht zusam­men, da fin­det eine Wer­tung statt, bei der Kul­tur ganz klar den Kür­ze­ren zieht. Das kann ich nicht verstehen.

Ich habe ohne­hin mehr und mehr das Gefühl, dass die Kul­tur zwar schon robus­ter ist als vie­le am Anfang der Pan­de­mie gedacht haben. Aber so lang­sam, nach über zwei Jah­ren, beob­ach­te ich, dass die Pra­xis, Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen wahr­zu­neh­men, ange­schla­gen ist. Selbst im Som­mer, als noch mehr ging, und man dach­te, die Leu­te rei­ßen einem die Kar­ten aus der Hand, egal für was, war vie­les nicht aus­ver­kauft. Viel­leicht wird die Bran­che gera­de nach­hal­tig beschä­digt, indem sie mehr beschränkt wird als ande­re Bereiche.“

Die Mei­nung von Licht­spiel und Symphonikern

Ger­rit Zach­rich vom Licht­spiel­ki­no ist froh über die Ent­schei­dung, bemän­gelt aber sei­ner­seits die Ungleich­be­hand­lung von Kul­tur und Gastronomie.

„Die Mög­lich­keit, 50 Pro­zent Aus­las­tung zu haben, ist ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Damit kann man ein biss­chen bes­ser und kos­ten­de­cken­der arbei­ten. Gera­de für die Kurz­film­ta­ge ist uns das sehr wich­tig und wir freu­en uns. Aber eigent­lich hat­ten wir gehofft, dass die Locke­run­gen noch einen Schritt wei­ter gehen. Wir hat­ten gehofft, dass die­se him­mel­schrei­en­de Unge­rech­tig­keit zwi­schen 2Gplus in der Kul­tur und 2G in der Gas­tro­no­mie been­det wird und es auch für uns mit 2G geht. Bei 2Gplus ist es schwer, die Leu­te dazu zu bewe­gen, spon­tan ins Kino zu gehen. Das ist ein Ungleich­ge­wicht, das uns nie­mand, auch nicht die Staats­kanz­lei erklä­ren kann.“

Die Reak­ti­on der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern auf die Locke­run­gen geht wie­der­um in die glei­che Rich­tung wie beim ETA Hoff­mann Thea­ter. Inten­dant Mar­cus Rudolf Axt sag­te auf Webecho-Anfrage:

„Wir sind sehr glück­lich über die­sen Schritt der Staats­re­gie­rung. Er beweist gera­de in die­sen Wochen, dass Thea­ter und Kon­zert­häu­ser auch bei einer etwas höhe­ren Aus­las­tung sicher sind. Ein gutes Signal für unser treu­es Publi­kum, das uns und vie­le ande­re Kul­tur­ver­an­stal­ter in den letz­ten Mona­ten sehr unter­stützt hat.“

Umfang­rei­ches Jubi­lä­ums­pro­gramm in die­sem Jahr

E.T.A. Hoff­mann – „Unheim­lich fantastisch“

Das Jahr 2022 steht im kul­tu­rel­len Bam­berg ganz unter dem Stern des Geden­kens an Ernst Theo­dor Ama­de­us Hoff­mann. Die­ser viel­sei­ti­ge Künst­ler ver­starb am 25. Juni 1822. Anläss­lich des 200. Todes­ta­ges sind für die­ses Jahr zahl­rei­che Ver­an­stal­tun­gen geplant.

E.T.A. Hoff­mann hat­te fünf Jah­re in Bam­berg ver­bracht, die ihn als Mensch und Künst­ler nach­hal­tig geprägt haben – dar­auf fußt die Ver­bun­den­heit des Künst­lers mit die­ser Stadt. Unter dem Titel „Unheim­lich Fan­tas­tisch“ fin­den in die­sem Jubi­lä­ums­jahr zahl­rei­che Ver­an­stal­tun­gen in den ver­schie­dens­ten Kunst­spar­ten statt, genau­so facet­ten­reich und spar­ten­über­grei­fend wie der Kom­po­nist, Lite­rat, Illus­tra­tor, Musik­kri­ti­ker und Jurist einst arbei­te­te. Dar­über infor­miert das Kul­tur­amt der Stadt Bamberg.

In Bam­berg wer­den Insti­tu­tio­nen wie die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker, das ETA Hoff­mann Thea­ter, die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg und freie Akteu­re der Kul­tur­sze­ne wie das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel, der Rosen­gar­ten-Sere­na­den e.V., das Bam­ber­ger Mario­net­ten­thea­ter und vie­le wei­te­re in ihrem Jah­res­pro­gramm den Künst­ler auf­neh­men oder thematisieren.

Das gesam­te bun­des­wei­te Jah­res­pro­gramm wird maß­geb­lich von der Staats­bi­blio­thek Ber­lin koor­di­niert und gestal­tet. In Zusam­men­ar­beit mit der Staats­bi­blio­thek Bam­berg und dem Frei­en Deut­schen Hoch­stift wur­de eine Wan­der­aus­stel­lung zu Leben und Werk Hoff­manns kon­zi­piert. Die als Gesamt­schau zu Hoff­mann ange­leg­te und an ein brei­tes Publi­kum gerich­te­te Schau wird im Früh­jahr zunächst im Biblio­theks­mu­se­um der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin Unter den Lin­den zu sehen sein. Vom 24.07. – 29.10.2022 wird die Aus­stel­lung in Bam­berg in der Staats­bi­blio­thek aus­ge­stellt sein. Ende Novem­ber zieht die Aus­stel­lung dann in das neue Roman­tik-Muse­um in Frank­furt am Main.


Son­der­aus­stel­lung im E.T.A.-Hoffmann-Haus

Neben der stän­di­gen Aus­stel­lung ist in die­ser Sai­son eine Aus­ein­an­der­set­zung zum The­ma der Fan­ta­sie im Hoff­mann­schen Sin­ne zu sehen. Die­se ent­steht in Koope­ra­ti­on mit der Hegel­wo­che der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät. Sowohl bil­den­de Künst­le­rin­nen und Künst­ler als auch Autorin­nen und Autoren wer­den beauf­tragt, Wer­ke bei­zu­steu­ern, um so dem Wech­sel­spiel von Den­ken und Fan­ta­sie­ren näher und dem Uner­gründ­li­chen auf die Spur zu kom­men. Das E.T.A.-Hoffmann-Haus öff­net zum 1. Mai 2022 sei­ne Pforten.

75 Jah­re Bam­ber­ger Symphoniker

Jubi­lä­ums­kon­zert auf BR-Klas­sik und ARD-alpha

Die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker fei­ern ihren 75. Geburts­tag. Da Kon­zer­te im gewohn­ten Rah­men nicht statt­fin­den kön­nen, kommt es immer­hin zur Über­tra­gung des gro­ßen Jubi­lä­ums­kon­zerts auf ver­schie­de­nen Kanälen.

Als Hom­mage an die Geschich­te ihres Orches­ters wer­den Ehren­di­ri­gent Chris­toph Eschen­bach und die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker eben jenes Pro­gramm wie­der­ho­len, das vor 75 Jah­ren eigent­lich hät­te gespielt wer­den sol­len. Die Ouver­tü­re „Leo­no­re“ Nr. 3 op. 72b, das Kon­zert für Vio­li­ne und Orches­ter D‑Dur op. 61 sowie die Sym­pho­nie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroi­ca“ von Lud­wig van Beet­ho­ven wer­den im Hör­funk auf BR-Klas­sik, auf der BR-Klas­sik Face­book-Sei­te https://www.facebook.com/brklassik, im Fern­se­hen auf ARD-alpha und per Video-Stream auf https://www.br-klassik.de/concert/index.html zu erle­ben sein. Nach der Aus­strah­lung steht es unbe­grenzt in der BR-Media­thek zur Ver­fü­gung. Den Part an der Vio­li­ne im Kon­zert für Vio­li­ne und Orches­ter D‑Dur op. 61 bestrei­tet Niko­laj Szeps-Zna­ider. „Leo­no­re“ und „Eroi­ca“ wer­den im BR-Fern­se­hen am Sonn­tag, 21. März 2021, ab 9 Uhr wiederholt.

Bereits vor dem Kon­zert, um 19.05 Uhr, sen­det BR-Klas­sik ein Hör­funk­fea­ture zum 75. Jubi­lä­um der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker. Wolf­gang Schi­cker zeich­net dar­in die Lini­en der Orches­ter­ge­schich­te nach: die Grün­dung im Kon­text von Flucht und Ver­trei­bung nach dem Zwei­ten Welt­krieg, die kom­ple­xe Vor­ge­schich­te, die eng mit der Blü­te und dem Zer­fall der öster­rei­chisch-unga­ri­schen Mon­ar­chie zusam­men­hängt, die Ent­wick­lung zum kul­tu­rel­len Bot­schaf­ter der BRD bis hin zu den Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft und den Ideen, wie ein moder­nes Orches­ter trotz vol­len Tour­nee­ka­len­ders zum Kli­ma­schutz bei­tra­gen kann.

In der Pau­se des Kon­zerts wird auf ARD-alpha und im Video­stream ein Film zu Geschich­te und Gegen­wart der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker zu sehen sein. Zusätz­lich gibt es auf allen Kanä­len ein Gespräch mit dem Inten­dan­ten des Orches­ters, Mar­cus Rudolf Axt.

Cel­list Edu­ard Resatsch

„reflec­tions of hope“

Auch den Musi­ke­rin­nen und Musi­kern der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker fehlt der Kon­takt zu ihrem Publi­kum und die Mög­lich­keit, Musik zu spie­len. Gegen den ers­ten Man­gel kann der­zeit nur wenig aus­ge­rich­tet wer­den, dem zwei­ten lässt sich aller­dings ent­ge­gen­tre­ten. Das beweist Edu­ard Resa­tsch, Cel­list bei den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern, mit sei­ner Komposition 
Edu­ard Resa­tsch, Foto: Privat
„reflec­tions of hope“. Für die Auf­füh­rung bezie­hungs­wei­se Auf­nah­me des Werks hat er einen Groß­teil der Orches­ter­mit­glie­der, 86 Stück an der Zahl, vor die hei­mi­schen Web­cams gebe­ten, um die jewei­li­gen Parts ein­zu­spie­len. Her­aus­ge­kom­men ist ein etwa sie­ben­mi­nü­ti­ger musi­ka­li­scher Auf­schrei gegen die Beklom­men­heit des Lockdowns.

Wie geht es den Mit­glie­dern des Bam­ber­ger Sym­pho­nie­or­ches­ters nach
mona­te­lan­gem Stillstand?

Edu­ard Resa­tsch: Wir hal­ten uns alle fit und wie beim Sport müs­sen wir täg­lich trai­nie­ren, auch in die­ser Aus­nah­me­si­tua­ti­on. Wir hof­fen natür­lich sehr, dass wir bald wie­der das tun kön­nen, was unse­re Beru­fung ist, für ein gro­ßes Publi­kum zu musi­zie­ren und uns gemein­sam musi­ka­lisch aus­zu­drü­cken. Auch Kul­tur ist sys­tem­re­le­vant, denn was wäre unser Leben ohne Musik, Kunst, Thea­ter und Literatur? 

Wie sind Sie auf die Idee zu „reflec­tions of hope“ gekommen?

Edu­ard Resa­tsch: Das Werk ist in der Zeit des Lock­downs ent­stan­den, die Zeit der Beklom­men­heit, Unge­wiss­heit, Enge, nicht auf der Büh­ne musi­zie­ren zu dür­fen, die Zeit der gezwun­ge­nen Stil­le auch für uns als Musi­ker – es war mir ein Bedürf­nis, dies alles in Tönen fest­zu­hal­ten und damit stellt mei­ne Kom­po­si­ti­on eine direk­te Reak­ti­on auf die Pan­de­mie dar. 

Um was geht es darin?

Edu­ard Resa­tsch: Das Stück behan­delt expli­zit die Welt im Aus­nah­me­zu­stand. Dabei war für mich der Gedan­ke beson­ders wich­tig: Wie reagiert ein Mensch in die­ser Aus­nah­me­si­tua­ti­on, wie reagiert der Musi­ker auf die­se schreck­li­che Zeit – mit ängst­li­chem Flüs­tern oder mit einem ver­zwei­fel­ten Schrei? Darf die Kunst über­haupt schreien? 

Etwa in der Mit­te des Werks schrei­en die Musi­ke­rin­nen und Musi­ker in ihrer jewei­li­gen Mut­ter­spra­che das Wort „Coro­na“ in die Kame­ras. Was hat es damit auf sich?

Die­ser Moment bil­det eine Beson­der­heit Mit­te des Wer­kes. Zuerst rezi­tie­ren die Orches­ter­mu­si­ke­rin­nen und ‑musi­ker in ihrer jewei­li­gen Mut­ter­spra­che aktu­el­le Begrif­fe von Aus­gangs­sper­re, Covid-19, Fall­zah­len bis Atem­mas­ke. In mehr als 20 Spra­chen wird gemur­melt, geflüs­tert, gespro­chen bis es zu die­sem schrei­en­den „Corona“-Ausbruch kommt. Für mich war es eine Form der Befrei­ung, das was sich nicht in Wor­ten aus­drü­cken lässt, in Töne und Klän­ge umzu­wan­deln – somit ent­stand ein künst­le­ri­sches Doku­ment die­ser Zeit, das ich dem Orches­ter kos­ten­frei zur Ver­fü­gung gestellt habe.

Beschrei­ben Sie bit­te, wie es Ihnen gelun­gen ist, 86 Musi­ke­rin­nen und Musi­ker davon zu über­zeu­gen, bei dem Pro­jekt mit­zu­ma­chen und sie zu koordinieren. 

Ich bin sehr dank­bar, dass mei­ne Orches­ter­kol­le­gin­nen und ‑kol­le­gen, unser Chef­di­ri­gent Jakub Hrůša und unser Manage­ment die gan­ze Akti­on unter­stützt haben und die­ses groß­ar­ti­ge Pro­jekt nur mit dem Bei­trag aller zu einem so wun­der­ba­ren Hör- und Seh­erleb­nis wer­den konn­te. Mit die­sem Pro­jekt hat das Orches­ter gezeigt, dass es gemein­sam etwas Neu­es erschaf­fen und die­sen furcht­ba­ren Umstän­den durch Zusam­men­halt trot­zen kann. 

War die Umset­zung, auch unter tech­ni­schen Gesichts­punk­ten, schwer? 

Die Umset­zung war extrem schwie­rig – 86 Leu­te haben jeweils ihre Stim­me aus ihren Wohn­zim­mern ein­zeln auf­ge­nom­men und der Ton­meis­ter Georg Ober­may­er hat die digi­ta­len Ein­zel-Datei­en zusam­men­ge­fügt und damit ein außer­ge­wöhn­li­ches Kon­zert­er­leb­nis geschaf­fen. Der Fil­me­ma­cher Micha­el Wen­de hat mei­ne Kom­po­si­ti­on groß­ar­tig in Bil­der umge­setzt. Beson­ders war auch, dass die gan­ze Pro­duk­ti­on in sehr kur­zer Zeit statt­ge­fun­den hat, alle waren mit vol­lem Ein­satz dabei.

Hier fin­den Sie das Video zu “reflec­tions of hope”: