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Kirche

Bür­ger­fest am Michaelsberg

Bam­berg fei­ert St. Michael

Am 9. und 10. Mai sind im Rah­men eines Bür­ger­fests am Micha­els­berg alle ein­ge­la­den, Ein­bli­cke in die Sanie­rung zu erhal­ten und die Eröff­nung zu fei­ern, wie die Stadt Bam­berg mitteilt.

Ein gan­zes Wochen­en­de im Zei­chen von Geschich­te, Kul­tur und Gemein­schaft: Anläss­lich der Wie­der­eröff­nung der Kir­che St. Micha­el ver­an­stal­ten Bür­ger­spi­tal­stif­tung und Stadt Bam­berg am kom­men­den Wochen­en­de ein gro­ßes „Bür­ger­fest am Micha­els­berg“. Alle Bam­ber­ge­rin­nen und Bam­ber­ger sowie Gäs­te der Welt­erbe­stadt sind herz­lich ein­ge­la­den, die ehe­ma­li­ge Klos­ter­an­la­ge neu zu ent­de­cken und die­ses beson­de­re Ereig­nis gemein­sam zu feiern.

Das Bür­ger­fest bie­tet eine ein­ma­li­ge Gele­gen­heit, die wie­der­eröff­ne­te Kir­che St. Micha­el in all ihren Facet­ten zu erle­ben – als Ort der Geschich­te, des Glau­bens, der Kul­tur und der Begeg­nung. Bereits am Sams­tag um 10 Uhr beginnt das Fest­wo­chen­en­de mit einem Eröff­nungs­got­tes­dienst in der Kir­che St. Michael.

Anschlie­ßend sind span­nen­de Hin­ter­grün­de zur Sanie­rung des belieb­ten Got­tes­hau­ses zu erfah­ren. An bei­den Tagen wer­den zahl­rei­che kos­ten­freie Füh­run­gen ange­bo­ten: am Sams­tag, dem 9. Mai, von 11.30 bis 18.30 Uhr, und am Sonn­tag, dem 10. Mai, von 10.30 bis 16 Uhr. Fach­leu­te des Baye­ri­schen Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge geben span­nen­de Ein­bli­cke in die unter­schied­li­chen Gewer­ke der Sanie­rung – von Gemäl­den und Skulp­tu­ren über Wand- und Decken­ge­stal­tung bis hin zu Reli­qui­en, Tex­ti­li­en, Holz- und Metall­ar­bei­ten sowie Naturstein.

Auch das städ­ti­sche Immo­bi­li­en­ma­nage­ment infor­miert über zen­tra­le Aspek­te der Bau­maß­nah­men, etwa zu Natur­stein­fas­sa­den und Glas­ar­bei­ten. Ergän­zend beleuch­ten Exper­ten wie Ste­fan Steng­lein und Ben Schrö­der The­men rund um Sta­tik und Glo­cken, wäh­rend Prof. Dr. Dr. Ulrich Thei­ßen-Piber­nik Füh­run­gen zur Orgel anbietet.

Der BAMBERG Tou­ris­mus & Kon­gress Ser­vice erwei­tert das Pro­gramm mit the­ma­ti­schen Rund­gän­gen unter dem Titel „Dem Him­mel so nah“, die den Micha­els­berg aus neu­en Per­spek­ti­ven erschließen.


Viel­fäl­ti­ges Pro­gramm für die gan­ze Familie

Auch außer­halb der Kir­che erwar­tet die Besu­che­rin­nen und Besu­cher ein abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm: Auf dem Ost­pla­teau lädt eine „Fami­li­en­wie­se“ mit Hüpf­bur­gen, krea­ti­ven Mit­mach­ak­tio­nen, Bas­ket­ball und Luft­bal­lon­tie­ren zum Ver­wei­len ein. Kin­der und Jugend­li­che kön­nen sich spie­le­risch mit The­men der Denk­mal­pfle­ge aus­ein­an­der­set­zen, etwa beim Gestal­ten mit Lehm­far­ben oder bei Aktio­nen rund um den „Him­mels­gar­ten“.

Auf einer Büh­ne auf dem Ost­pla­teau sorgt die Städ­ti­sche Musik­schu­le Bam­berg und das „Trumpet Vol­un­t­a­ry“ für musi­ka­li­sche Unter­hal­tung, mode­riert durch Mar­kus Appel von Radio Bam­berg. Für Sonn­tag um 14 Uhr ist zudem ein Gruß­wort des neu­en Ober­bür­ger­meis­ters Sebas­ti­an M. Nie­der­mai­er vorgesehen.


Wis­sen, Kunst und Natur erleben

Im Kreuz­gar­ten bie­ten Kurz­fil­me zur Gene­ral­sa­nie­rung span­nen­de Ein­bli­cke in die Bau­pha­se, wäh­rend Sitz­ge­le­gen­hei­ten und musi­ka­li­sche Beglei­tung zum Ent­span­nen einladen.

Ein umfang­rei­ches Vor­trags­pro­gramm im Kreuz­gar­ten des ehe­ma­li­gen Klos­ters ver­tieft zen­tra­le The­men rund um St. Micha­el – geplant sind fol­gen­de Themen:

Gene­ral­sa­nie­rung St. Micha­el „Im Schutz des Engels“: Vor­trag vom Stif­tungs­re­fe­ren­ten Bert­ram Felix und von Bau­lei­te­rin Karin Hamper

Neue Glo­cken für St. Micha­el: Vor­trag von Ben Schrö­der und Ste­fan Stenglein

Welt­erbe Bam­berg – St. Micha­el: Vor­trag von Dr. Simo­na von Eyb, Lei­te­rin Zen­trum Welt­erbe Bamberg

Ver­bor­gen unter Putz und Erde – Archäo­lo­gie in St. Micha­el: Vor­trag vom Stadt­ar­chäo­lo­gen Dr. Ste­fan Pfaffenberger

His­to­ri­sches und Aktu­el­les zum Forst­be­trieb: Herr Klaus Schulz und Johan­nes Höl­zel (ehem. und aktu­el­ler Forstamtsleiter)


Kuli­na­rik, Hand­werk und regio­na­le Vielfalt

Zahl­rei­che Infor­ma­ti­ons- und Ver­kaufs­stän­de laden zum Aus­tausch ein – es betei­li­gen sich unter ande­rem das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge, das Zen­trum Welt­erbe Bam­berg sowie regio­na­le Anbie­ter. Auch The­men wie Bie­nen­hal­tung und nach­hal­ti­ge Forst­wirt­schaft wer­den anschau­lich vermittelt.

Für das leib­li­che Wohl ist bes­tens gesorgt: Regio­na­le Anbie­ter bie­ten eine brei­te Aus­wahl an Spei­sen und Geträn­ken. Ergänzt wird das Ange­bot durch Kaf­fee und Kuchen sowie den Sil­va­ner vom Micha­els­berg aus dem Bam­ber­ger Stiftsladen.


Tag der Städtebauförderung

Eben­falls am Sams­tag, 9. Mai 2026, fin­det deutsch­land­weit wie­der der Tag der Städ­te­bau­för­de­rung statt, wel­cher seit 2015 all­jähr­lich gefei­ert wird. Das Bür­ger­fest am Micha­els­berg ist ein Bei­trag der Stadt Bam­berg zu dem bun­des­wei­ten Akti­ons­ta­ges. Die­ses Jahr fei­ern rund 600 Kom­mu­nen die Städ­te­bau­för­de­rung als eines der wich­tigs­ten Instru­men­te der Stadt­ent­wick­lung. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es hier.

Das detail­lier­te Pro­gramm für das Bür­ger­fest ist online hier nach­zu­le­sen. Vor Ort steht ein Lage­plan mit allen Infor­ma­tio­nen zur Verfügung.

Das vol­le Preis­geld von 20.000 Euro kommt der Stif­tung Welt­erbe zu Gute

Felix gibt Denk­mal­preis der Ober­fran­ken­stif­tung weiter

Regie­rungs­prä­si­dent Flo­ri­an Luder­schmid ehr­te beim Fest­akt zur Wie­der­eröff­nung der Kir­che St. Micha­el den Bam­ber­ger Finanz- und Stif­tungs­re­fe­ren­ten Bert­ram Felix und über­reich­te ihm den Denk­mal­preis der Ober­fran­ken­stif­tung. Felix kün­dig­te an, das damit ver­bun­de­ne Preis­geld von 20.000 Euro voll­stän­dig wei­ter­zu­ge­ben, wie die Stadt Bam­berg mitteilt.

„Ein Mensch, der mit kla­rem Blick, uner­müd­li­chem Ein­satz und tie­fem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein die Welt­erbe­stadt Bam­berg geprägt hat.“ Mit die­sen Wor­ten ehr­te Regie­rungs­prä­si­dent Flo­ri­an Luder­schmid beim Fest­akt zur Wie­der­eröff­nung der umfas­send sanier­ten Kir­che St. Micha­el den Bam­ber­ger Finanz- und Stif­tungs­re­fe­ren­ten Bert­ram Felix und über­reich­te ihm den Denk­mal­preis der Ober­fran­ken­stif­tung. Die­se hohe Aus­zeich­nung wür­digt das her­aus­ra­gen­de Enga­ge­ment von Felix für die Gene­ral­sa­nie­rung der ehe­ma­li­gen Klos­ter­kir­che und der gesam­ten Anla­ge auf dem Micha­els­berg, aber auch für wei­te­re Denk­mä­ler in Bam­berg wie zum Bei­spiel das Schloss Geyerswörth.

Bert­ram Felix zeig­te sich sicht­lich bewegt über den Preis, mach­te jedoch anschlie­ßend deut­lich, dass er die­sen nicht als per­sön­li­che Ehrung ver­steht: „Ich neh­me die­sen Preis stell­ver­tre­tend für ein außer­ge­wöhn­li­ches Team ent­ge­gen. Ohne die fach­lich und mensch­lich her­aus­ra­gen­den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im Stif­tungs­ma­nage­ment und im gesam­ten Klos­ter­team wäre es nie­mals mög­lich gewe­sen, die Kir­che in den ver­gan­ge­nen 14 Jah­ren grund­le­gend zu sanie­ren und zu einem Glanz­licht zu verwandeln.“

Unmit­tel­bar nach der Preis­ver­lei­hung kün­dig­te Felix an, das damit ver­bun­de­ne Preis­geld von 20.000 Euro voll­stän­dig wei­ter­zu­ge­ben: Es soll der Stif­tung Welt­erbe zugu­te­kom­men und dadurch zum Erhalt und zur Pfle­ge von St. Micha­el bei­tra­gen. „Das ist auch als gro­ßer Dank und Aner­ken­nung für unser Stif­tungs­ma­nage­ment mit Clau­dia Schel­bert an der Spit­ze zu ver­ste­hen. Das Team hat gera­de in den ver­gan­ge­nen Wochen die Eröff­nung von St. Micha­el mit unglaub­li­cher Ener­gie und viel per­sön­li­chem Ein­satz vor­be­rei­tet“, betont Felix.

Die Ober­fran­ken­stif­tung hebt mit dem Denk­mal­preis regel­mä­ßig Per­sön­lich­kei­ten her­vor, die sich in beson­de­rer Wei­se um den Erhalt des kul­tu­rel­len Erbes ver­dient gemacht haben. Mit der Aus­zeich­nung von Bert­ram Felix wird zugleich die enor­me Gemein­schafts­leis­tung gewür­digt, die hin­ter der Sanie­rung von St. Micha­el steht, einem Pro­jekt, das weit über die Regi­on hin­aus als bei­spiel­haft für gelun­ge­ne Denk­mal­pfle­ge gilt. Das brach­te auch Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke zum Aus­druck, als er eben­falls beim Fest­akt die Medail­le „Denk­mal­stadt Bam­berg“ an Bert­ram Felix verlieh.

Erz­bi­schof Gössl zur Wie­der­eröff­nung von St. Michael

„Es ist eine Pracht!“

Mit einem fest­li­chen Pon­ti­fi­kal­amt ist am Sams­tag nach 13-jäh­ri­ger Bau­zeit die Bam­ber­ger Micha­els­kir­che wie­der­eröff­net wor­den. Erz­bi­schof Gössl bezeich­net die sanier­te Kir­che St. Micha­el als Zei­chen für not­wen­di­ge Umkehr und Refor­men in Kir­che und Gesellschaft.

Erz­bi­schof Her­wig Gössl begann sei­ne Pre­digt mit den Wor­ten „Es ist eine Pracht!“, und er dank­te allen, die dafür gesorgt haben, dass die­se Pracht erhal­ten geblie­ben ist. Er deu­te­te das sanier­te Got­tes­haus als Sym­bol für Got­tes blei­ben­de Zuwen­dung zu den Men­schen und für die damit immer­zu not­wen­di­gen und mög­li­chen Erneue­rungs­pro­zes­se in Kir­che, Gesell­schaft und im per­sön­li­chen Leben jedes Menschen.

Das Leit­wort der Kir­chen­vä­ter „Eccle­sia sem­per refor­man­da – Die Kir­che muss sich immer erneu­ern“ betref­fe nicht nur die Struk­tu­ren, son­dern auch das gan­ze Leben. Es gehe dar­um, anzu­er­ken­nen, „dass wir unse­re dunk­len, schmut­zi­gen Stel­len haben“, die der Rei­ni­gung und Erneue­rung bedür­fen, per­sön­lich, als Kir­che und als Gesell­schaft. Auch wenn die Men­schen heu­te viel­fach acht­sa­mer und rück­sichts­vol­ler mit­ein­an­der umgin­gen als frü­her, sei es umso erschre­cken­der, dass es immer wie­der zu Rück­fäl­len in die dun­kels­ten Machen­schaf­ten kom­me, die das Leben so uner­träg­lich machen und die Freu­de am Leben neh­men, so Gössl.

„Mein Ein­druck ist, dass vie­le Men­schen heu­te ger­ne einen ober­fläch­li­chen, äuße­ren Glanz zur Schau stel­len, aber sich sehr davor hüten, tie­fer zu bli­cken“, sag­te der Erz­bi­schof. Vie­le bedroh­li­che Ris­se zögen sich durch die Fami­li­en, durch die Gesell­schaft, nur müh­sam über­tüncht, um den Schein auf­recht zu erhal­ten. „Wie oft fehlt der rich­ti­ge Halt, sodass unse­re Lebens­kon­struk­tio­nen brü­chig wer­den und aku­te Ein­sturz­ge­fahr besteht.“

„Die Kir­che muss sich immer erneu­ern, indem sie zum Urbild zurück­fin­det und an ihm Maß nimmt: an Jesus Chris­tus“, füg­te der Erz­bi­schof hin­zu. „Durch ihn fin­den wir Halt in Gott und kön­nen die dunk­len Schat­ten des Lebens bekämp­fen. So kön­nen wir leuch­ten und strah­len von innen her durch den, der uns aus der Fins­ter­nis in sein wun­der­ba­res Licht geru­fen hat.“

Ein wei­te­rer Aspekt der Pre­digt lag auf der Ver­ant­wor­tung für die Schöp­fung. Der soge­nann­te Him­mels­gar­ten der Micha­els­kir­che mit sei­nen rund 600 Pflan­zen­mo­ti­ven sei „eine wich­ti­ge Erin­ne­rung dar­an, dass die Schöp­fung Got­tes kost­ba­res Geschenk an uns ist, das es zu schüt­zen und zu bewah­ren gilt“. Gössl beton­te, dem Men­schen sei „nicht Aus­beu­tung und Ver­brauch“ auf­ge­tra­gen, son­dern „hüten und hegen“. Die Schön­heit der Natur ver­wei­se auf den Schöp­fer und sei zugleich Auf­trag zum ver­ant­wort­li­chen Handeln.

Die eigent­li­che Pracht der Kir­che frei­lich sei­en die Men­schen, die sich in ihr ver­sam­meln und die trotz ihrer Schwä­chen und Sün­den von Gott geliebt sind. Dar­an erin­ne­re der hei­li­ge Bischof Otto, der die­se fro­he Bot­schaft den Men­schen in Pom­mern ver­kün­de­te und der so bis heu­te zu einem Brü­cken­bau­er zwi­schen Ost und West, zwi­schen Polen und Deutsch­land wurde.

Die baro­cke Micha­els­kir­che zählt zu den bedeu­tends­ten Sakral­bau­ten Fran­kens und prägt neben dem Dom das Stadt­bild Bam­bergs. In der Kir­che befin­det sich das Grab des hei­li­gen Bischofs Otto, der die Bene­dik­ti­ner­ab­tei 1117 bis 1121 nach einem Erd­be­ben erneu­ern ließ. Die Kir­che und das frü­he­re Klos­ter auf dem Micha­els­berg wur­den 1803 säku­la­ri­siert und sind seit­dem Eigen­tum der Bür­ger­spi­tal­stif­tung der Stadt Bam­berg. Die Kir­che war seit Herbst 2012 wegen gra­vie­ren­der Bau­schä­den geschlos­sen und umfas­send saniert wor­den. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die Stadt auch sechs neue Glo­cken gie­ßen las­sen. Mit der Wie­der­eröff­nung steht die Micha­els­kir­che nun wie­der – zunächst mit ein­ge­schränk­ten Öff­nungs­zei­ten – Besu­che­rin­nen und Besu­chern offen. Am 9. und 10. Mai ist ein Bür­ger­fest geplant.

Kir­che wur­de mit Pon­ti­fi­kal­amt und Fest­akt wie­der eröffnet

„Die Kro­ne Bam­bergs“: St. Micha­el beein­druckt alle Gäste

„Klock, klock, klock“: Mit drei­mal drei Schlä­gen sei­nes Bischofs­stabs gegen die Pfor­te öff­ne­te Erz­bi­schof Her­wig Gössl die Kir­che St. Micha­el heu­te Vor­mit­tag. Damit wur­de das Got­tes­haus nach 14 Jah­ren Sper­rung und auf­wen­di­ger Sanie­rung wie­der sei­ner ursprüng­li­chen Bestim­mung über­ge­ben. Am mor­gi­gen Sonn­tag gibt es einen ers­ten Got­tes­dienst für alle Gläubigen.

Mit einem Pon­ti­fi­kal­amt und einem Fest­akt wur­de die Kir­che nach 14 Jah­ren fei­er­lich wie­der eröff­net. „Ein his­to­ri­scher Moment für Bam­berg und das Erz­bis­tum: Mit der Wie­der­eröff­nung der Kir­che ist ein Juwel des Welt­erbes geschaf­fen wor­den“, sagt der Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Starke.

Unter dem Klang der fünf alten und sechs neu­en Glo­cken sowie beglei­tet von einer fei­er­li­chen Pro­zes­si­on mit 19 Kon­ze­le­bran­ten nahm Erz­bi­schof Gössl die Kir­che sym­bol­träch­tig wie­der in Besitz. Nach der Öff­nung der Pfor­te zog der lit­ur­gi­sche Dienst in das Got­tes­haus ein, das sich den Gläu­bi­gen in neu­em Glanz prä­sen­tier­te. Die Seg­nung des Weih­was­sers, die Bespren­gung der Gemein­de sowie das fei­er­li­che Beweih­räu­chern (Inzens) der Kir­chen­wän­de knüpf­ten bewusst an die jahr­hun­der­te­al­te Tra­di­ti­on der Kirch­wei­he an und mach­ten die spi­ri­tu­el­le Bedeu­tung des Ortes ein­drucks­voll erleb­bar. Höhe­punk­te des Pon­ti­fi­kal­amts waren zudem die Wie­der­ent­zün­dung des Ewi­gen Lichts sowie die Rück­kehr der Reli­quie des hei­li­gen Otto in den Kirchenraum.


Ein Sym­bol für Got­tes blei­ben­de Zuwendung

Erz­bi­schof Her­wig Gössl begann sei­ne Pre­digt mit den Wor­ten „Es ist eine Pracht!“, und er dank­te allen, die dafür gesorgt haben, dass die­se Pracht erhal­ten geblie­ben ist. Er deu­te­te das sanier­te Got­tes­haus als Sym­bol für Got­tes blei­ben­de Zuwen­dung zu den Men­schen und für die damit immer­zu not­wen­di­gen und mög­li­chen Erneue­rungs­pro­zes­se in Kir­che, Gesell­schaft und im per­sön­li­chen Leben jedes Menschen.

Ein wei­te­rer Aspekt der Pre­digt lag auf der Ver­ant­wor­tung für die Schöp­fung. Der Him­mels­gar­ten der Micha­els­kir­che mit sei­nen 585 Pflan­zen­mo­ti­ven sei „eine wich­ti­ge Erin­ne­rung dar­an, dass die Schöp­fung Got­tes kost­ba­res Geschenk an uns ist, das es zu schüt­zen und zu bewah­ren gilt“. Gössl beton­te, dem Men­schen sei „nicht Aus­beu­tung und Ver­brauch“ auf­ge­tra­gen, son­dern „hüten und hegen“. Die Schön­heit der Natur ver­wei­se auf den Schöp­fer und sei zugleich Auf­trag zum ver­ant­wort­li­chen Handeln.

Nach einer Pau­se bil­de­te ein Fest­akt am Nach­mit­tag einen zwei­ten Höhe­punkt an die­sem Tag. Die­ser begann mit einem kur­zen Film, der die Gene­ral­sa­nie­rung und ihre außer­ge­wöhn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen anschau­lich mach­te. Anschlie­ßend begrüß­te Finanz- und Stif­tungs­re­fe­rent Bert­ram Felix vie­le nam­haf­te Ver­tre­ter aus Kir­che, Poli­tik, Wirt­schaft, Gesell­schaft und Denk­mal­pfle­ge. „Nach 14 Jah­ren inten­si­ver Arbeit ist die heu­ti­ge Eröff­nung für mich und alle an dem Pro­jekt betei­lig­ten Per­so­nen ein fast schon magi­scher Mei­len­stein. Es ist uns gelun­gen, mit St. Micha­el einen uner­mess­li­chen Schatz für Bam­berg dau­er­haft zu sichern. Wir ver­die­nen uns damit den Welt­erbe­ti­tel noch ein­mal neu“, beton­te Felix.


Putz­bro­cken gibt den Anstoß

In sei­ner Fest­re­de spann­te Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke einen ein­drucks­vol­len Bogen von den dra­ma­ti­schen Ereig­nis­sen des Jah­res 2012 bis zur heu­ti­gen Wie­der­eröff­nung. Die Fest­gäs­te wur­den mit einem akus­ti­schen Knall dar­an erin­nert, dass ein zwei Kilo­gramm schwe­rer Putz­bro­cken vor knapp 14 Jah­ren von der Decke fiel. Die­ser Vor­fall im Novem­ber 2012 habe wie ein „Warn­schuss“ gewirkt und deut­lich gemacht, dass aku­ter Hand­lungs­be­darf bestand. Die not­wen­di­ge Schlie­ßung der Kir­che sei unaus­weich­lich gewe­sen, zugleich aber der Aus­gangs­punkt für eine „äußerst gelun­ge­ne und erfolg­rei­che Gene­ral­sa­nie­rung die­ser groß­ar­ti­gen Kir­che“, so Starke.

Star­ke hob die her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung von St. Micha­el für Bam­berg her­vor: Die ehe­ma­li­ge Klos­ter­an­la­ge sei weit mehr als ein sakra­les Gebäu­de – sie sei ein prä­gen­des Wahr­zei­chen der Welt­erbe­stadt und für vie­le „die Kro­ne Bam­bergs“. Zugleich beton­te er die enor­me Gemein­schafts­leis­tung hin­ter dem Pro­jekt: Rund 43 Mil­lio­nen Euro Inves­ti­tio­nen, tau­sen­de Betei­lig­te, jahr­zehn­te­lan­ges Enga­ge­ment und eine brei­te Unter­stüt­zung durch För­der­mit­tel­ge­ber, Fach­leu­te und Bür­ger­schaft hät­ten die Sanie­rung mög­lich gemacht.

OB Star­ke blickt für die ursprüng­lich im Jahr 1015 erbau­te Klos­ter­kir­che weit vor­aus: „Die nächs­ten 1.000 Jah­re begin­nen jetzt.“ St. Micha­el sol­le wie­der ein Ort des Glau­bens, der Begeg­nung und der Iden­ti­fi­ka­ti­on für kom­men­de Gene­ra­tio­nen sein.


Hohe Aus­zeich­nung für Felix

Im Rah­men des Fest­akts wur­de Finanz- und Stif­tungs­re­fe­rent Bert­ram Felix für sein außer­ge­wöhn­li­ches Enga­ge­ment mit der Medail­le „Denk­mal­stadt Bam­berg“ aus­ge­zeich­net. Als maß­geb­li­cher Pro­jekt­ver­ant­wort­li­cher habe er die Gene­ral­sa­nie­rung über vie­le Jah­re hin­weg mit gro­ßer Fach­kom­pe­tenz und per­sön­li­chem Ein­satz geprägt, beton­te Star­ke. „Was Sie bei die­sem Pro­jekt geleis­tet haben, kann man Ihnen gar nicht hoch genug anrech­nen“, so das Stadt­ober­haupt, der sich bei Bert­ram Felix herz­lich bedankte.

Die Gene­ral­sa­nie­rung von St. Micha­el bezeich­ne­te Mar­tin Schöf­fel, Staats­se­kre­tär im Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen und für Hei­mat, in sei­nem Gruß­wort als „der­zeit größ­tes Kir­chen­sa­nie­rungs­pro­jekt Deutsch­lands“. Die Maß­nah­me ret­te ein ober­frän­ki­sches Wahr­zei­chen und einen zen­tra­len Teil der Bam­ber­ger UNESCO-Welt­erbe­stät­te. „Die Arbei­ten ver­ei­nen wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Restau­rie­rung, hand­werk­li­che Prä­zi­si­on und ein Netz­werk aus Fach­leu­ten, Uni­ver­si­tä­ten und For­schungs­kol­lo­qui­en. Das hoch­kom­ple­xe Pro­jekt hat nicht nur tech­ni­sche, son­dern auch kon­ser­vie­rungs­wis­sen­schaft­li­che Maß­stä­be gesetzt und gilt als Vor­bild für künf­ti­ge Sanie­run­gen. Finan­ziert als Gemein­schafts­auf­ga­be von Frei­staat, Bund, regio­na­len För­de­rern sowie Bür­ge­rin­nen und Bür­gern konn­te die­ses ein­zig­ar­ti­ge Kul­tur­gut für kom­men­de Gene­ra­tio­nen gesi­chert wer­den. Ich dan­ke allen Betei­lig­ten für Ihren groß­ar­ti­gen Ein­satz“, erklär­te Schöffel.

Ein Kraft­akt sei die umfas­sen­de Bau­maß­nah­me für die Stadt Bam­berg und die Bür­ger­spi­tal­stif­tung gewe­sen, beton­te Regie­rungs­prä­si­dent Flo­ri­an Luder­schmid. „Für uns als För­der­ge­ber war beson­ders wich­tig, dass St. Micha­el ein leben­di­ger, zugäng­li­cher, ein­la­den­der Ort bleibt. Der heu­ti­ge Tag mar­kiert einen Neu­an­fang. Die Klos­ter­kir­che St. Micha­el tritt wie­der in ech­te Bezie­hung zu ihrer Stadt. Las­sen Sie uns die­sen Ort nun wie­der mit Leben fül­len – in Respekt vor sei­ner Geschich­te und mit Offen­heit für das, was hier ent­ste­hen kann“, so Luder­schmid. Auch er brach­te eine Aus­zeich­nung für Felix mit: Der Regie­rungs­prä­si­dent zeich­ne­te den Finanz- und Stif­tungs­re­fe­ren­ten mit dem Denk­mal­preis der Ober­fran­ken­stif­tung aus.


Ein „ech­tes Leuchtturmprojekt“

Gene­ral­kon­ser­va­tor Pro­fes­sor Mat­thi­as Pfeil wür­dig­te in sei­nem Gruß­wort die Sanie­rung als her­aus­ra­gen­des Bei­spiel moder­ner Denk­mal­pfle­ge. Aus einem zunächst schein­bar „übli­chen“ Scha­dens­fall habe sich ein Pro­jekt von außer­ge­wöhn­li­cher Trag­wei­te ent­wi­ckelt: Die Gene­ral­sa­nie­rung sei zu einem „ech­ten Leucht­turm­pro­jekt“ gewor­den, das Maß­stä­be für zukünf­ti­ge Gene­ra­tio­nen setze.

Dabei sei ins­be­son­de­re das Prin­zip der behut­sa­men Inter­ven­ti­on ent­schei­dend gewe­sen: Ziel sei es gewe­sen, die his­to­ri­sche Sub­stanz zu erhal­ten und Ein­grif­fe auf das not­wen­di­ge Maß zu beschrän­ken. Oder, so Pfeil zuge­spitzt: „Die bes­te denk­mal­pfle­ge­ri­sche Maß­nah­me ist oft die, die man spä­ter nicht sieht.“


Ein­trag ins Gol­de­ne Buch

Musi­ka­lisch umrahmt wur­de der Fest­akt vom Kam­mer­mu­sik­ensem­ble der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker mit Wer­ken unter ande­rem von Mozart, Haydn und Dvořák. Den Abschluss bil­de­ten die Ein­tra­gung der Ehren­gäs­te in das Gol­de­ne Buch der Stadt Bam­berg sowie ein gemein­sa­mer Empfang.

Via Live­stream konn­ten alle inter­es­sier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die bei­den Ver­an­stal­tun­gen im Netz ver­fol­gen, bei der auf Grund der beeng­ten Raum­ver­hält­nis­se nur gela­de­ne Gäs­te zuge­las­sen waren. Am mor­gi­gen Sonn­tag, dem 26. April 2026, gibt es einen ers­ten Got­tes­dienst für alle Gläu­bi­gen. Außer­dem sind alle Men­schen aus der Regi­on in zwei Wochen zu einem gro­ßen Bür­ger­fest rund um die sanier­te Kir­che St. Micha­el am 9. und 10. Mai 2026 eingeladen.

Erz­bi­schof Gössl setzt pas­to­ra­le Ori­en­tie­run­gen für eine Kir­che mit Zukunft in Kraft

Erz­bis­tum Bam­berg setzt auf Dia­log und Synodalität

Mit neu­en pas­to­ra­len Ori­en­tie­run­gen stellt das Erz­bis­tum Bam­berg die Wei­chen für eine leben­di­ge und zukunfts­fä­hi­ge Kir­che. Dabei sol­len die Prin­zi­pi­en der Syn­oda­li­tät und des Dia­logs hand­lungs­lei­tend sein, sag­te Erz­bi­schof Her­wig Gössl, der die „Ent­wick­lungs­li­ni­en“ mit Wir­kung zum Sonn­tag, dem Fest der Tau­fe des Herrn, in Kraft setzte.

Die sich ver­än­dern­den Lebens­rea­li­tä­ten in der Gesell­schaft und die unter­schied­li­chen Erwar­tun­gen und Bedürf­nis­se der Men­schen mach­ten es erfor­der­lich, die kirch­li­chen Struk­tu­ren und Ange­bo­te neu aus­zu­rich­ten. „In die­ser Situa­ti­on ist Jesus Chris­tus unser Maß­stab“, beton­te Gössl.

Pas­to­ra­les Han­deln ent­wick­le sich aus­ge­hend von und gemein­sam mit den Men­schen, ihren jewei­li­gen Lebens­wel­ten und sozia­len Bezü­gen, ihren Bedürf­nis­sen, Freu­den, Hoff­nun­gen, Sor­gen, Zwei­feln, Ängs­ten und Nöten. Die Kir­che wol­le Gemein­schaft unter den Men­schen för­dern, „nicht in einer exklu­si­ven Form, son­dern im Blick auf alle Men­schen in ihrer Ein­zig­ar­tig­keit und in ihrer Lebens­wirk­lich­keit“. Wei­ter heißt es: „Daher tre­ten wir für eine Welt ein, in der Unter­schied­lich­keit als Berei­che­rung erfah­ren wird.“

Die Ent­wick­lung mache die Gren­zen der bis­he­ri­gen kirch­li­chen Struk­tu­ren mit ihren per­so­nel­len und finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten deut­lich. Dies habe zur Fol­ge, dass nicht flä­chen­de­ckend alle Ange­bo­te auf­recht­erhal­ten wer­den kön­nen, so Gössl. Ein „wert­schät­zen­des Abschied­neh­men“ sei erfor­der­lich. Nötig sei die Bereit­schaft, Lieb­ge­wor­de­nes los­zu­las­sen und Din­ge auf­zu­ge­ben, die ein­mal wich­tig waren und immer noch sinn­voll sind, aber nicht mehr gehal­ten wer­den kön­nen. Zugleich müss­ten neben bestehen­den Kirch­or­ten neue Orte der Hoff­nung und des geleb­ten Glau­bens geför­dert wer­den. Auch expe­ri­men­tell-inno­va­ti­ve Ansät­ze und Initia­ti­ven sol­len sys­te­ma­tisch beglei­tet und unter­stützt wer­den. Die Fei­er der sonn­täg­li­chen Eucha­ris­tie blei­be an aus­ge­wähl­ten Orten Höhe­punkt und Mit­te des Glau­bens, damit Men­schen die Nähe Got­tes erfah­ren kön­nen. Dane­ben sei auch die Fei­er wei­te­rer viel­fäl­ti­ger lit­ur­gi­scher und spi­ri­tu­el­ler For­men zu fördern.

Pas­to­ra­les Han­deln fin­de mit­ten in der Gesell­schaft statt und sei durch Eigen­in­itia­ti­ve und Enga­ge­ment, die sich dort zei­gen, inspi­riert. Gemein­schaft­lich geleb­ter Glau­be gesche­he in den Fami­li­en und über­all dort, wo Men­schen ihr Christ­sein und ihre Über­zeu­gung im All­tag und auch in der digi­ta­len Welt leben. „Gemein­schaft­lich geleb­ter Glau­be ist dyna­misch und nicht an bestehen­de Orte und Gebäu­de gebun­den“, heißt es in den Orientierungen.

Daher bestehe nicht der Anspruch, kirch­li­ches Leben im Sin­ne einer Ver­sor­gung durch Haupt- und Ehren­amt­li­che flä­chen­de­ckend auf­recht zu erhal­ten. Die Ver­wal­tung wer­de effi­zi­ent und zen­tral in Seel­sor­ge­be­rei­chen orga­ni­siert. Ein wei­te­res Anlie­gen ist die enge Zusam­men­ar­beit mit ande­ren gesell­schaft­li­chen und kirch­li­chen Akteu­ren im Sozi­al­raum. Die Kir­che möch­te sich als zuver­läs­si­ge Part­ne­rin in der Gesell­schaft ver­ste­hen, die ihre Ver­ant­wor­tung aktiv mit ande­ren über­nimmt. Dies schließt öku­me­ni­sche Part­ner­schaf­ten sowie die Zusam­men­ar­beit mit zivil­ge­sell­schaft­li­chen Initia­ti­ven, Ver­ei­nen, Ver­bän­den und Ein­rich­tun­gen ein.

Der zen­tra­le Ori­en­tie­rungs­punkt für kirch­li­ches Han­deln sei Jesus Chris­tus, beton­te der Erz­bi­schof. Auf sein Wort, sein Leben, sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­ste­hung müss­ten sich alle For­men kirch­li­chen Lebens bezie­hen. Die Kir­che von Bam­berg bewe­ge sich im Rah­men der gesamt­kirch­lich gül­ti­gen Regeln und Nor­men und nut­ze die sich bie­ten­den Mög­lich­kei­ten und Räu­me. „Dabei sind wir getra­gen von der fes­ten Über­zeu­gung, dass es im Letz­ten nicht auf unse­ren Bei­trag ankommt, son­dern auf Got­tes Wir­ken, damit unser Tun als Kir­che frucht­bar wird“, so Gössl.

Die pas­to­ra­len Ori­en­tie­run­gen schrei­ben den Pas­to­ral­plan „Den Auf­bruch wagen – heu­te!“ aus dem Jahr 2005 fort, der wei­ter­hin in Kraft bleibt. Zugleich bil­den sie den Auf­takt des pas­to­ra­len Bis­tums­pro­zes­ses „Ent­schei­den und Han­deln: Für eine Kir­che mit Zukunft“. Auf Basis der Ori­en­tie­run­gen sol­len die Seel­sor­ge­be­rei­che eige­ne pas­to­ra­le Stra­te­gien und inno­va­ti­ve Ideen ent­wi­ckeln, wie sie künf­tig vor Ort Kir­che sein wol­len. Anhand von Rück­mel­dun­gen aus der Pra­xis sol­len die erz­bi­schöf­li­chen pas­to­ra­len Ori­en­tie­run­gen dyna­misch fort­ge­schrie­ben werden.

Stif­tung unter­stützt bedürf­ti­ge Menschen

Bam­ber­ger Ehe­paar för­dert Beru­fe im kirch­li­chen und sozia­len Bereich

Es war der 15. Sep­tem­ber 2019, als aus der Idee von Eri­ka und Wolf­gang Ruzi­cka Rea­li­tät wur­de: Unter dem Dach der Stadt Bam­berg grün­de­ten sie eine Treu­hand­stif­tung. Gut sechs Jah­re spä­ter haben sie den Grund­stock der „Eri­ka-und-Wolf­gang-Ruzi­cka-Stif­tung“ um einen fünf­stel­li­gen Betrag erhöht. Der Grund: Die enge Ver­bun­den­heit mit ihrer Hei­mat­stadt und der Wunsch, dau­er­haft einen Bei­trag für ein lebens­wer­tes Bam­berg zu leisten.

Die Stif­tung unter­stützt bedürf­ti­ge Men­schen, sowohl in der Stadt Bam­berg, als auch im Aus­land, hier mit dem Ziel einer seel­sor­ge­ri­schen oder sozia­len Berufs­tä­tig­keit in Bam­berg. Neben unmit­tel­ba­ren Ein­zel­fall­hil­fen liegt dem Ehe­paar beson­ders die Aus­bil­dungs­för­de­rung am Her­zen. Kon­kret sagen Eri­ka und Wolf­gang Ruzi­cka zur Aus­wahl des Stif­tungs­zwe­ckes: „Bam­berg braucht heu­te und in Zukunft in sozia­len und kirch­li­chen Beru­fen gut aus­ge­bil­de­te Men­schen, gera­de auch aus dem Aus­land, die hier arbei­ten und leben möchten.“

Die Stif­tungs­grün­der sind in Bam­berg tief ver­wur­zelt: Eri­ka Ruzi­cka war 48 Jah­re lang bei der Stadt Bam­berg beschäf­tigt, ihr Mann arbei­te­te meh­re­re Jahr­zehn­te bei der Spar­kas­se Bam­berg. Im Ver­lauf ihres Lebens haben die bei­den selbst erfah­ren müs­sen, was es heißt, mit den Her­aus­for­de­run­gen des Lebens umzu­ge­hen. Umso wich­ti­ger ist es ihnen, mit der Stif­tung nach­hal­ti­ge Zwe­cke im sozia­len Bereich zu verfolgen.


Jün­ge­re Gene­ra­tio­nen unterstützen

„Wir haben kei­ne Kin­der und möch­ten auf unse­re Wei­se jün­ge­re Gene­ra­tio­nen unter­stüt­zen“, erläu­ter­te Wolf­gang Ruzi­cka beim Besuch im Rat­haus am Max­platz. Ein­ge­la­den hat­ten Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke und Stif­tungs­re­fe­rent Bert­ram Felix, um den bei­den Stif­tern per­sön­lich zu dan­ken. „Ein sol­ches Enga­ge­ment ist alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich. Es ist ein Geschenk an die Stadt Bam­berg und ein Vor­bild für ande­re Men­schen“, so der Oberbürgermeister.

Eri­ka und Wolf­gang Ruzi­cka ist es wich­tig, dass auch nach ihrem Able­ben die von der Stadt Bam­berg ver­wal­te­te Stif­tung gut aus­ge­stat­tet ist. Sie haben sich dazu ent­schie­den, ihr Mehr­fa­mi­li­en­haus samt ihrem sons­ti­gen Ver­mö­gen eben­falls an die Stif­tung zu übergeben.

St. Mat­thä­us, St. Ste­phan und Erlöserkirche

Evan­ge­li­sche Gemein­den Bam­berg: Dis­kus­si­on zu sexua­li­sier­ter Gewalt in der Kirche

Am 16. Okto­ber 2024 luden die Bam­ber­ger evan­ge­li­schen Gemein­den St. Mat­thä­us, St. Ste­phan und Erlö­ser­kir­che in die KUFA Bam­berg ein, um ein drän­gen­des The­ma zu dis­ku­tie­ren. Was tun gegen sexua­li­sier­te Gewalt in der Kirche?

Den Anlass für die Ver­an­stal­tung hat­te die Ver­öf­fent­li­chung der unab­hän­gi­gen „ForuM“-Stu­die zu Beginn des Jah­res gege­ben, wie das Deka­nat Bam­berg mit­teilt. Die­se Stu­die hat­te auf­ge­deckt, in wel­chem Umfang und auf­grund wel­cher spe­zi­fi­schen Struk­tu­ren es in der evan­ge­li­schen Kir­che seit den 1940er Jah­ren zu sexua­li­sier­ter Gewalt gekom­men ist. Doch sei die Ver­an­stal­tung mehr als nur eine Bestands­auf­nah­me von Miss­stän­den gewe­sen. Auch ging es dar­um, ein tief ver­an­ker­tes Schwei­gens, das in vie­len Berei­chen der Gesell­schaft und ins­be­son­de­re auch in der Kir­che exis­tiert, zu brechen.

Schwei­gen und Idea­li­sie­rung von Männ­lich­keit schützt Täter

Etwa 50 Inter­es­sier­te nah­men an der Ver­an­stal­tung teil. Aus Frank­reich war zudem Sabi­ne Wall­ner vom Insti­tut für Pra­xis­for­schung und Pro­jekt­be­glei­tung in Mün­chen digi­tal zuge­schal­tet. Das Insti­tut hat­te für die „ForuM“-Studie die Per­spek­ti­ve Betrof­fe­ner von sexua­li­sier­ter Gewalt erforscht.

„In vie­len Gemein­den gibt es eine Kul­tur­tech­nik des Ver­ges­sen-Machens“, sag­te Wall­ner. „Man schweigt so lan­ge über sexua­li­sier­te Gewalt, bis sie all­mäh­lich in Ver­ges­sen­heit gerät. Die­ses Schwei­gen muss gebro­chen wer­den. Hat eine Per­son einen Ver­dacht, so muss sie spre­chen, muss sie gehört wer­den und damit rech­nen kön­nen, dass ihr geglaubt wird.“ Auch müs­se man sich in den Gemein­den auf eine gemein­sa­me Wahr­heit zuguns­ten der Betrof­fe­nen eini­gen. „Die Scham muss die Sei­te wech­seln“, zitier­te Wall­ner die Anklä­ge­rin im Ver­ge­wal­ti­gungs­pro­zess von Avi­gnon, Gisè­le Pélicot.

Die Stu­die habe außer­dem gezeigt, wie infor­mel­le Struk­tu­ren und Netz­wer­ke in den Gemein­den das Schwei­gen begüns­ti­gen. Beson­ders alar­mie­rend sei, dass die Gewalt selbst oft als weni­ger pro­ble­ma­tisch wahr­ge­nom­men wer­de als die Tat­sa­che, dass sie gemel­det oder auf­ge­deckt wird. Die­ses Schwei­gen führt dazu, dass Betrof­fe­ne nicht ernst genom­men und Täter geschützt wer­den. Begüns­ti­gend hier­für wir­ke auch eine spe­zi­fisch evan­ge­li­sche Idea­li­sie­rung von Männlichkeit.

Sabi­ne Wall­ner sprach von der Ten­denz in evan­ge­li­schen Krei­sen, bestimm­te männ­li­che Per­so­nen zu cha­ris­ma­ti­schen Per­sön­lich­kei­ten zu sti­li­sie­ren und sie mit unver­hält­nis­mä­ßig viel Macht aus­zu­stat­ten, wel­che dann ver­schlei­ert wer­de. Die­se Macht­kon­zen­tra­ti­on schaf­fe eine gefähr­li­che Umge­bung, in der sexua­li­sier­te Gewalt geplant und durch­ge­führt wer­den kann, wäh­rend das Schwei­gen der Gemein­de die Täter schützt.

Fami­liä­re Struk­tu­ren als Deck­man­tel für Täter

Im anschlie­ßen­den Podi­ums­ge­spräch wies Regi­na Fritz, die aus der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Nürn­berg ange­reist war, auf die Struk­tu­ren der Gemein­den hin, die ein sol­ches Schwei­gen begüns­ti­gen. „Wir haben sehr unter­schied­li­che Macht­struk­tu­ren in der evan­ge­li­schen Kir­che, die sehr ver­schie­den zu cha­rak­te­ri­sie­ren sind. Unse­re Gemein­den sind bei­spiels­wei­se eher wie Fami­li­en orga­ni­siert“, erklär­te sie. Im wei­te­ren Ver­lauf der Dis­kus­si­on wur­de deut­lich, wie gera­de in sol­chen fami­liä­ren Struk­tu­ren Nähe ent­steht, die plan­voll vor­ge­hen­de Täter aus­nut­zen können.

Auf das Dilem­ma, dass Kir­che eigent­lich einen Raum für Gebor­gen­heit schaf­fen müs­se, sie aber zugleich Tätern Unter­schlupf bie­ten kön­ne, ging Pfar­rer Wal­ter Neun­hoef­fer ein. „Das offe­ne Pfarr­haus, wo jeder will­kom­men ist, habe ich als einen Ort erlebt, an dem Men­schen Gebor­gen­heit und Ermu­ti­gung erfah­ren. Es hat mich erschüt­tert, dass es auch als Ort des Miss­brauchs iden­ti­fi­ziert wur­de. Auf­ga­be muss sein, dass die genann­ten Wer­te gelebt wer­den kön­nen, ohne dass Täter einen Schutz­raum haben.“

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit gilt aus Neun­hoef­fers Sicht daher jenen Orten, an denen Ver­bor­ge­nes gesche­hen kann: „Begeg­nun­gen müs­sen statt­des­sen dort statt­fin­den, wo vie­le Men­schen sind, die hin­se­hen.“ Auch ging er dar­auf ein, dass es nor­ma­li­siert wer­den müs­se, um Ein­ver­ständ­nis zu bit­ten, wenn es bei Segens­hand­lun­gen oder in Jugend­spie­len zu kör­per­li­chen Berüh­run­gen kommt. Wenn dies eine Selbst­ver­ständ­lich­keit wer­de, wür­den die­je­ni­gen auf­fal­len, die Gren­zen verletzen.

Sabi­ne Wall­ner erwei­ter­te die­sen Aspekt auf einen gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Kon­text und sag­te: „Grenz­über­schrei­tun­gen begeg­nen wir über­all, und wir wer­den nicht sel­ten schon von klein auf dage­gen desen­si­bi­li­siert. Wenn ein Kind, das dem Bus­si der Oma aus­weicht, gesagt bekommt, es sol­le sich nicht so anstel­len, das sei doch lieb gemeint, wer­den schon früh Gren­zen und Bedürf­nis­se des Kin­des miss­ach­tet; und dass es sie zum Aus­druck bringt, wird hier nicht ernst genom­men, son­dern igno­riert. Die­se früh ein­ge­präg­ten Denk- und Ver­hal­tens­mus­ter soll­ten reflek­tiert und neu gedacht werden.“

Auf die­sen Aspekt ging auch Sophia ein, die ehren­amt­lich in der evan­ge­li­schen Jugend­ar­beit tätig ist. „Wir wer­den in Semi­na­ren geschult, dar­auf zu ach­ten, dass kei­ne Spie­le mehr gespielt wer­den, in denen man sich zu nahe­kommt. Alle Men­schen haben Gren­zen, die müs­sen respek­tiert wer­den.“ Wenn außer­dem ver­schie­de­ne Alter­na­ti­ven der Beschäf­ti­gung ange­bo­ten wer­den, müs­se sich nie­mand aktiv gegen eine Grup­pe stel­len, wenn er sich mit einer Akti­vi­tät nicht wohl­füh­le. Nein sagen müs­se leicht sein. Die Schu­lun­gen zur Prä­ven­ti­on sexua­li­sier­ter Gewalt sei­en bei Ehren­amt­li­chen und Haupt­amt­li­chen jeden Alters und in allen kirch­li­chen Arbeits­fel­dern mitt­ler­wei­le verpflichtend.

Kein Ermes­sens­spiel­raum mehr beim Opferschutz

Dies lob­te auch Deka­nin Sabi­ne Hirsch­mann. „End­lich hat das, was in der Lan­des­kir­che seit min­des­tens einem Jahr­zehnt begon­nen wur­de, so rich­tig Fahrt auf­ge­nom­men“, beton­te Hirsch­mann, die damals als Stu­di­en­lei­te­rin in der Aus­bil­dung von Pfarr­per­so­nen Prä­ven­ti­ons­schu­lun­gen ein­ge­führt hatte.

Mitt­ler­wei­le sei­en die­se, so Regi­na Fritz, die an der Aus­bil­dung ver­schie­de­ner kirch­li­cher Berufs­grup­pen betei­ligt ist, in enger Koope­ra­ti­on mit Fach­per­so­nal aus­ge­baut wor­den und eta­bliert. Sabi­ne Hirsch­mann ergänz­te: „Es gibt ein vor der Stu­die und ein nach der Stu­die. Nun gibt es kla­re Hand­lungs­an­wei­sun­gen für Lei­tungs­per­so­nen, wie sie bei Ver­dachts­fäl­len vor­ge­hen müs­sen. Wir haben kei­ne Ermes­sens­spiel­räu­me mehr. Es ist gut, dass dies nun nicht mehr Gegen­stand von Dis­kus­si­on ist. Durch die Stu­die ist es auch denen klar, die nie geglaubt haben, dass sexua­li­sier­te Gewalt min­des­tens jedes fünf­te Kind betrifft. Wir kön­nen uns nicht aus der Ver­ant­wor­tung steh­len, Miss­brauch gibt es nicht nur bei den ande­ren, den gibt es auch in der evan­ge­li­schen Kir­che“, so Hirschmann.

Gemein­sam gegen sexua­li­sier­te Gewalt

Kri­ti­sche Fra­gen aus dem Publi­kum und auf dem Podi­um gab es vor allem zum Umgang mit Betrof­fe­nen. So wur­de bei­spiels­wei­se gefragt, wel­chen Raum die Beglei­tung Betrof­fe­ner ein­nimmt, wenn man sich bei einem Ver­dachts­fall vor­nehm­lich auf die Kon­se­quen­zen für den Täter kon­zen­trie­re. Elke Haber­mei­er, die als Ansprech­per­son für Betrof­fe­ne auf dem Podi­um saß, berich­te­te dar­auf­hin von den Auf­ga­ben, die mit die­sem Amt ver­bun­den sind: Ver­dachts­fäl­le auf­neh­men und die Betrof­fe­nen unter­stüt­zen, unter ande­rem auch durch Ver­mitt­lung von juris­ti­schen oder psy­cho­lo­gi­schen Bera­tungs­an­ge­bo­ten. „Es ist wich­tig, auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se von Betrof­fe­nen zu ach­ten. Das eine ist die Beglei­tung der Betrof­fe­nen in ihrer Kri­sen­si­tua­ti­on, das ande­re der Opfer­schutz durch kla­re dienst­recht­li­che und juris­ti­sche Kon­se­quen­zen für den Täter. Es braucht unbe­dingt bei­des“, so Habermeier.

Die Not­wen­dig­keit einer inten­si­ven Beglei­tung Betrof­fe­ner stell­ten auch Maria Schus­ter vom Wei­ßen Ring, Sven­ja Debe­li­us vom Not­ruf bei sexua­li­sier­ter Gewalt (SkF Bam­berg) und Psy­cho­the­ra­peu­tin Mela­nie Becker her­aus, die als Exper­tin­nen im Publi­kum gela­den waren. Dabei wur­de deut­lich, dass gera­de die Ver­net­zung zwi­schen kirch­li­chen und welt­li­chen Insti­tu­tio­nen an vie­len Stel­len essen­zi­ell für eine wir­kungs­vol­le Prä­ven­ti­on, Inter­ven­ti­on und Auf­ar­bei­tung bei Fäl­len sexua­li­sier­ter Gewalt in der Kir­che ist. Zumal Betrof­fe­ne die­ser Gewalt häu­fig expli­zit nicht von kirch­li­chen Ver­tre­tern beglei­tet wer­den wol­len, wie die „ForuM“-Studie gezeigt hat.

In ihren abschlie­ßen­den Wor­ten appel­lier­te Sabi­ne Wall­ner: „Es reicht nicht, nur auf ver­gan­ge­ne und aktu­el­le Vor­fäl­le zu reagie­ren. Wir müs­sen die tief ver­an­ker­ten Struk­tu­ren und Nar­ra­ti­ve hin­ter­fra­gen, die Grenz­über­schrei­tun­gen über­haupt ermög­li­chen. Reflek­tie­ren Sie Macht­kon­zep­te kri­tisch! Hin­ter­fra­gen Sie evan­ge­li­sche Idea­le! Neh­men Sie die For­schung ernst!“

„Jesus will eine Kir­che der Gleichberechtigten“

Haupt­amt­li­che zu sehr im Vordergrund

Der Bam­ber­ger Erz­bi­schof Lud­wig Schick warnt davor, die Kir­che auf die Rol­le der Päps­te, Bischö­fe, Pries­ter und Haupt­amt­li­chen zu redu­zie­ren, teilt das Erz­bis­tum Bam­berg mit. Haupt­amt­li­che hät­ten sich zu sehr in den Vor­der­grund gespielt, Jesus wol­le jedoch eine Kir­che der Gleichberechtigten.

„Wir haben uns zu sehr in den Vor­der­grund gespielt, das war aber gegen die Inten­ti­on Jesu“, sag­te Schick in sei­ner heu­ti­gen Pre­digt zum Don-Bosco-Fest in Forch­heim. Es müs­se in der Kir­che Ämter und Ver­ant­wort­lich­kei­ten geben. „Aber die Kir­che ist Gemein­schaft aller Getauf­ten. Jesus will eine Kir­che der Gleich­be­rech­tig­ten, vor allem im Ein­satz für sei­ne Sache.“

Der hei­li­ge Don Bosco habe neben den Pries­tern und Ordens­leu­ten immer alle Getauf­ten im Blick gehabt: „Sie soll­ten sich als Chris­ten für die Kin­der und Jugend­li­chen, beson­ders die benach­tei­lig­ten und schutz­be­dürf­ti­gen, inter­es­sie­ren und enga­gie­ren.“ Die Kir­che, die Don Bosco im Blick hat­te, sei die wah­re Kir­che und sie dür­fe nicht unter­ge­hen, „weil sie für unse­re Gesell­schaft, Mensch­heit und Schöp­fung so viel Heil­sa­mes und Gutes wirkt“.

Dras­ti­sche Dro­hung Jesu gel­te heu­te wie immer

Sie hal­te den Glau­ben und das Ver­trau­en auf den guten Gott auf­recht. Das sei gera­de in schwie­ri­gen Zei­ten des Lebens und der Geschich­te wich­tig. „Wir erle­ben es auch jetzt in der Pan­de­mie: Wir brau­chen Ver­trau­en und Hoff­nung, damit wir die Kri­se über­win­den kön­nen. Die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums, die Got­tes­diens­te sowie das seel­sorg­li­che und kari­ta­ti­ve Wir­ken der Kir­che sind unerlässlich.“

Der Miss­brauchs­skan­dal sei ein Tsu­na­mi, beson­ders für die Kir­che. Die Sor­ge um Kin­der und Jugend­li­che, ihre Ent­wick­lung und Bil­dung sei der Kir­che von Jesus selbst auf­ge­tra­gen. In ihr müss­ten sie einen siche­ren Ort fin­den, um sich frei zu ent­fal­ten, sag­te Schick und beton­te: „Wer Kin­der miss­braucht, dem gehört ein Mühl­stein um den Hals und im Meer ver­senkt. Die­se dras­ti­sche Dro­hung Jesu gilt heu­te wie immer.“

Kir­chen­sto­rys

Kurz­film-Wett­be­werb

Um mehr Leu­te dazu zu bewe­gen, sich mit Kir­chen aus­ein­an­der­zu­set­zen – in die­sem Fall mit den Gebäu­den, nicht mit der Insti­tu­ti­on –, hat das Erwach­se­nen­bil­dungs­werk des Erz­bis­tums Bam­berg den Kurz­film-Wett­be­werb „Kir­chen­sto­rys“ aus­ge­ru­fen. Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer sind ange­hal­ten, in Kurz­fil­men die bau­li­chen Beson­der­hei­ten ihrer Lieb­lings­kir­che vor­zu­stel­len. Den ers­ten Plät­zen win­ken Preis­gel­der von meh­re­ren Tau­send Euro. Seit Dezem­ber letz­ten Jah­res läuft der Wett­be­werb, Ein­sen­de­schluss für die fil­mi­schen Bei­trä­ge ist der 31. Mai 2021. Ste­fa­nie Bau­er ist Pro­jekt­as­sis­ten­tin der „Kir­chen­sto­rys“, mit ihr haben wir im Inter­view eine Halb­zeit­bi­lanz gezogen.

Wie kam die Idee des Kurz­film­wett­be­werbs „Kir­chen­sto­rys“ zustande?

Ste­fa­nie Bau­er: Es gibt fast kei­nen Ort in Fran­ken ohne eine eige­ne Kir­che. Und doch ken­nen vie­le die Gebäu­de mitt­ler­wei­le nur noch von außen. Dies wol­len wir ändern. Beim Pro­jekt „Kir­chen­sto­rys“ suchen wir Fil­me­ma­che­rin­nen und Fil­me­ma­cher, die in einem Kurz­film von maxi­mal vier Minu­ten die Beson­der­hei­ten ihrer Kir­che zei­gen, ihre Geschich­te erzäh­len und ihre Geheim­nis­se ent­de­cken. Die Idee dahin­ter ist, dass die Men­schen in unse­rer Regi­on sich mehr mit ihren Kir­chen aus­ein­an­der­set­zen. Denn oft wis­sen wir gar nicht, was es in unse­rer eige­nen Kir­che so alles zu ent­de­cken gibt. Jedes Detail hat sei­ne eige­ne Geschich­te. Zur Unter­stüt­zung fin­den beglei­ten­de Work­shops statt, die Ein­bli­cke in das The­ma Film­dreh und Film­schnitt geben. Die­se sind für Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer am Wett­be­werb kostenlos.

War­um möch­ten die Katho­li­sche Erwach­se­nen­bil­dung und das Jugend­amt der Erz­diö­ze­se, dass Jugend­li­che ihre Kir­chen fil­misch vorstellen?

Ste­fa­nie Bau­er: Wir wol­len nicht nur Jugend­li­che anre­gen, einen Film über ihre Kir­che zu dre­hen, son­dern Men­schen jeden Alters. Denn Kir­chen zie­hen Erwach­se­ne, Jugend­li­che und Kin­der unter­schied­lich in ihren Bann. Mit einem Film­dreh kommt man sei­ner Kir­che auf eine ganz ande­re Wei­se näher, sozu­sa­gen mit einem Außen­blick. Im bes­ten Fall hat man natür­lich eine Men­ge Spaß an dem gemein­sa­men Filmdreh. 

Woher stammt das Preis­geld von ins­ge­samt 3.500 Euro, das sich aus 2.000 Euro für den ers­ten, 1.000 Euro für den zwei­ten und 500 Euro für den drit­ten Platz zusammensetzt?

Ste­fa­nie Bau­er: Die Katho­li­sche Erwach­se­nen­bil­dung und das Jugend­amt der Erz­diö­ze­se sind die finan­zi­el­len Trä­ger des Pro­jek­tes. Dar­über hin­aus wird das Pro­jekt vom Kul­tur­fonds Bay­ern unter­stützt. Neben dem Preis­geld bekom­men aber auch alle ande­ren Bei­trä­ge eine klei­ne Aufmerksamkeit.

Wie vie­le Ein­sen­dun­gen gibt es bis­her, mit wie vie­len wei­te­ren rech­nen Sie?

Ste­fa­nie Bau­er: Bis­her gibt es noch recht weni­ge Ein­sen­dun­gen, was wohl vor allem auf Coro­na und die damit ver­bun­de­nen Beschrän­kun­gen zurück­zu­füh­ren ist. Es haben sich aber eini­ge Schul­klas­sen ange­mel­det und sehr vie­le möch­ten noch einen Bei­trag ein­rei­chen. Man muss beden­ken, dass es von der Idee eines Fil­mes bis hin zum fer­ti­gen Film auch eini­ge Zeit dauert. 

Wür­den Sie eini­ge Bei­spie­le nen­nen, wie die bis­he­ri­gen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer sich des The­mas anneh­men? Wie sehen die bis­he­ri­gen Ein­sen­dun­gen aus?

Ste­fa­nie Bau­er: Die Bei­trä­ge der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer zei­gen auf ganz viel­fäl­ti­ge Art und Wei­se die ver­schie­de­nen Kir­chen­ge­bäu­de: Von einem Video mit musi­ka­li­scher Unter­ma­lung, einem Gedicht bis hin zu einem span­nen­den Erklär­vi­deo reicht die Band­brei­te der ein­ge­sen­de­ten Kurz­fil­me. Der Krea­ti­vi­tät der Fil­me­ma­che­rin­nen und Fil­me­ma­cher sind kei­ne Gren­zen gesetzt. 

Wel­che Qua­li­tä­ten müs­sen die Fil­me haben, um als Gewin­ner in Fra­ge zu kommen?

Ste­fa­nie Bau­er: Ob wit­zig, span­nend oder rüh­rend, grund­sätz­lich gilt, je krea­ti­ver der Film gestal­tet ist, des­to bes­ser. Fil­me­ma­cher soll­ten die Beson­der­hei­ten ihrer Kir­che dar­stel­len, also zum Bei­spiel den Altar, die Archi­tek­tur, künst­le­ri­sche Dar­stel­lung oder Ähn­li­ches. Außer­dem soll­te der Film eine Geschich­te erzäh­len, einen Span­nungs­bo­gen haben und ein sinn­vol­ler roter Faden soll­te erkenn­bar sein. Auch die maxi­ma­le Film­län­ge von vier Minu­ten soll­te nicht über­schrit­ten und recht­li­che Grund­la­gen wie die der GEMA müs­sen beach­tet wer­den. Ziel ist es, dass man mit sei­nem Bei­trag ande­ren Men­schen Lust macht, die Kir­che sel­ber zu besu­chen. Egal ob mit Han­dy, Video­ka­me­ra oder Foto­ap­pa­rat – Film-Erfah­run­gen braucht niemand.

Auf Ihrer Home­page schrei­ben Sie, dass jeder mit­ma­chen kann „egal ob jeden Sonn­tag in der Kir­che oder nie. Ob katho­lisch oder evan­ge­lisch. Ob Christ, Jude, Mos­lem, Hin­du oder Bud­dhist.“ Kön­nen Sie ein­schät­zen, ob es bereits Ein­sen­dun­gen von Juden, Mos­lems, Hin­dus oder Bud­dhis­ten gibt?

Ste­fa­nie Bau­er: Bis­her haben wir noch kei­ne Bei­trä­ge von ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten erhal­ten, was wir sehr bedau­ern. Wir hof­fen, dass mit unter ande­rem durch die Work­shops noch mehr Men­schen auf das Pro­jekt auf­merk­sam machen, die viel­leicht nicht viel mit der katho­li­schen Kir­che zu tun haben. 

Sie schrei­ben dort eben­falls, dass „soge­nann­te Kir­chen­fer­ne“ teil­neh­men kön­nen. Könn­te auch ein Film gewin­nen, der qua­li­ta­tiv sehr hoch abschnei­det, aber kir­chen­kri­tisch ist?

Ste­fa­nie Bau­er: Grund­sätz­lich geht es um die Dar­stel­lung der Kir­che als Gebäu­de, also nicht um die Kir­che als Insti­tu­ti­on. Wir möch­ten mit den ein­ge­reich­ten Bei­trä­gen ande­re Men­schen neu­gie­rig dar­auf machen, die Kir­che sel­ber ein­mal zu besu­chen und dabei die Beson­der­hei­ten zu ent­de­cken. Als Kir­chen­fer­ner könn­te man den Fokus des eige­nen Films bei­spiels­wei­se auf die archi­tek­to­ni­schen und geschicht­li­chen Aspek­te des Kir­chen­ge­bäu­des lenken. 

Was hat es mit der Plu­ral­bil­dung von „Sto­rys“, anstatt „Sto­ries“, auf sich?

Ste­fa­nie Bau­er: Da hat wohl einer gut auf­ge­passt im Eng­lisch­un­ter­richt. Aber laut Duden ist das Wort „Sto­ry“ ein ein­ge­deutsch­tes Wort und der Plu­ral vom Wort „Sto­ry“ im Deut­schen lau­tet „Sto­rys“.

Wie hat sich die Coro­na-Pan­de­mie auf den Wett­be­werb ausgewirkt?

Ste­fa­nie Bau­er: Wir hat­ten spe­zi­el­le Work­shops geplant, in denen alle wich­ti­gen Tricks zum Dre­hen und Schnei­den gelernt wer­den kön­nen. Durch Coro­na muss­ten wir die­se Work­shops vor­erst absa­gen. Wir sind aber aktu­ell drauf und dran, die Work­shops Ende Sep­tem­ber oder Anfang Okto­ber nach­zu­ho­len. Genaue­re Infor­ma­tio­nen wer­den so schnell wie mög­lich auf unse­rer Home­page www.kirchenstorys.de bekannt geben. Unter ande­rem des­we­gen haben wir uns auch ent­schie­den, den Wett­be­werbs­zeit­raum um fast ein hal­bes Jahr zu ver­län­gern, also bis zum 31. Mai 2021.