Bürgerfest am Michaelsberg
Bamberg feiert St. Michael
Am 9. und 10. Mai sind im Rahmen eines Bürgerfests am Michaelsberg alle eingeladen, Einblicke in die Sanierung zu erhalten und die Eröffnung zu feiern, wie die Stadt Bamberg mitteilt.
Ein ganzes Wochenende im Zeichen von Geschichte, Kultur und Gemeinschaft: Anlässlich der Wiedereröffnung der Kirche St. Michael veranstalten Bürgerspitalstiftung und Stadt Bamberg am kommenden Wochenende ein großes „Bürgerfest am Michaelsberg“. Alle Bambergerinnen und Bamberger sowie Gäste der Welterbestadt sind herzlich eingeladen, die ehemalige Klosteranlage neu zu entdecken und dieses besondere Ereignis gemeinsam zu feiern.
Das Bürgerfest bietet eine einmalige Gelegenheit, die wiedereröffnete Kirche St. Michael in all ihren Facetten zu erleben – als Ort der Geschichte, des Glaubens, der Kultur und der Begegnung. Bereits am Samstag um 10 Uhr beginnt das Festwochenende mit einem Eröffnungsgottesdienst in der Kirche St. Michael.
Anschließend sind spannende Hintergründe zur Sanierung des beliebten Gotteshauses zu erfahren. An beiden Tagen werden zahlreiche kostenfreie Führungen angeboten: am Samstag, dem 9. Mai, von 11.30 bis 18.30 Uhr, und am Sonntag, dem 10. Mai, von 10.30 bis 16 Uhr. Fachleute des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege geben spannende Einblicke in die unterschiedlichen Gewerke der Sanierung – von Gemälden und Skulpturen über Wand- und Deckengestaltung bis hin zu Reliquien, Textilien, Holz- und Metallarbeiten sowie Naturstein.
Auch das städtische Immobilienmanagement informiert über zentrale Aspekte der Baumaßnahmen, etwa zu Natursteinfassaden und Glasarbeiten. Ergänzend beleuchten Experten wie Stefan Stenglein und Ben Schröder Themen rund um Statik und Glocken, während Prof. Dr. Dr. Ulrich Theißen-Pibernik Führungen zur Orgel anbietet.
Der BAMBERG Tourismus & Kongress Service erweitert das Programm mit thematischen Rundgängen unter dem Titel „Dem Himmel so nah“, die den Michaelsberg aus neuen Perspektiven erschließen.
Vielfältiges Programm für die ganze Familie
Auch außerhalb der Kirche erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Programm: Auf dem Ostplateau lädt eine „Familienwiese“ mit Hüpfburgen, kreativen Mitmachaktionen, Basketball und Luftballontieren zum Verweilen ein. Kinder und Jugendliche können sich spielerisch mit Themen der Denkmalpflege auseinandersetzen, etwa beim Gestalten mit Lehmfarben oder bei Aktionen rund um den „Himmelsgarten“.
Auf einer Bühne auf dem Ostplateau sorgt die Städtische Musikschule Bamberg und das „Trumpet Voluntary“ für musikalische Unterhaltung, moderiert durch Markus Appel von Radio Bamberg. Für Sonntag um 14 Uhr ist zudem ein Grußwort des neuen Oberbürgermeisters Sebastian M. Niedermaier vorgesehen.
Wissen, Kunst und Natur erleben
Im Kreuzgarten bieten Kurzfilme zur Generalsanierung spannende Einblicke in die Bauphase, während Sitzgelegenheiten und musikalische Begleitung zum Entspannen einladen.
Ein umfangreiches Vortragsprogramm im Kreuzgarten des ehemaligen Klosters vertieft zentrale Themen rund um St. Michael – geplant sind folgende Themen:
Generalsanierung St. Michael „Im Schutz des Engels“: Vortrag vom Stiftungsreferenten Bertram Felix und von Bauleiterin Karin Hamper
Neue Glocken für St. Michael: Vortrag von Ben Schröder und Stefan Stenglein
Welterbe Bamberg – St. Michael: Vortrag von Dr. Simona von Eyb, Leiterin Zentrum Welterbe Bamberg
Verborgen unter Putz und Erde – Archäologie in St. Michael: Vortrag vom Stadtarchäologen Dr. Stefan Pfaffenberger
Historisches und Aktuelles zum Forstbetrieb: Herr Klaus Schulz und Johannes Hölzel (ehem. und aktueller Forstamtsleiter)
Kulinarik, Handwerk und regionale Vielfalt
Zahlreiche Informations- und Verkaufsstände laden zum Austausch ein – es beteiligen sich unter anderem das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Zentrum Welterbe Bamberg sowie regionale Anbieter. Auch Themen wie Bienenhaltung und nachhaltige Forstwirtschaft werden anschaulich vermittelt.
Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt: Regionale Anbieter bieten eine breite Auswahl an Speisen und Getränken. Ergänzt wird das Angebot durch Kaffee und Kuchen sowie den Silvaner vom Michaelsberg aus dem Bamberger Stiftsladen.
Tag der Städtebauförderung
Ebenfalls am Samstag, 9. Mai 2026, findet deutschlandweit wieder der Tag der Städtebauförderung statt, welcher seit 2015 alljährlich gefeiert wird. Das Bürgerfest am Michaelsberg ist ein Beitrag der Stadt Bamberg zu dem bundesweiten Aktionstages. Dieses Jahr feiern rund 600 Kommunen die Städtebauförderung als eines der wichtigsten Instrumente der Stadtentwicklung. Weitere Informationen gibt es hier.
Das detaillierte Programm für das Bürgerfest ist online hier nachzulesen. Vor Ort steht ein Lageplan mit allen Informationen zur Verfügung.
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Das volle Preisgeld von 20.000 Euro kommt der Stiftung Welterbe zu Gute
Felix gibt Denkmalpreis der Oberfrankenstiftung weiter
Regierungspräsident Florian Luderschmid ehrte beim Festakt zur Wiedereröffnung der Kirche St. Michael den Bamberger Finanz- und Stiftungsreferenten Bertram Felix und überreichte ihm den Denkmalpreis der Oberfrankenstiftung. Felix kündigte an, das damit verbundene Preisgeld von 20.000 Euro vollständig weiterzugeben, wie die Stadt Bamberg mitteilt.
„Ein Mensch, der mit klarem Blick, unermüdlichem Einsatz und tiefem Verantwortungsbewusstsein die Welterbestadt Bamberg geprägt hat.“ Mit diesen Worten ehrte Regierungspräsident Florian Luderschmid beim Festakt zur Wiedereröffnung der umfassend sanierten Kirche St. Michael den Bamberger Finanz- und Stiftungsreferenten Bertram Felix und überreichte ihm den Denkmalpreis der Oberfrankenstiftung. Diese hohe Auszeichnung würdigt das herausragende Engagement von Felix für die Generalsanierung der ehemaligen Klosterkirche und der gesamten Anlage auf dem Michaelsberg, aber auch für weitere Denkmäler in Bamberg wie zum Beispiel das Schloss Geyerswörth.
Bertram Felix zeigte sich sichtlich bewegt über den Preis, machte jedoch anschließend deutlich, dass er diesen nicht als persönliche Ehrung versteht: „Ich nehme diesen Preis stellvertretend für ein außergewöhnliches Team entgegen. Ohne die fachlich und menschlich herausragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stiftungsmanagement und im gesamten Klosterteam wäre es niemals möglich gewesen, die Kirche in den vergangenen 14 Jahren grundlegend zu sanieren und zu einem Glanzlicht zu verwandeln.“
Unmittelbar nach der Preisverleihung kündigte Felix an, das damit verbundene Preisgeld von 20.000 Euro vollständig weiterzugeben: Es soll der Stiftung Welterbe zugutekommen und dadurch zum Erhalt und zur Pflege von St. Michael beitragen. „Das ist auch als großer Dank und Anerkennung für unser Stiftungsmanagement mit Claudia Schelbert an der Spitze zu verstehen. Das Team hat gerade in den vergangenen Wochen die Eröffnung von St. Michael mit unglaublicher Energie und viel persönlichem Einsatz vorbereitet“, betont Felix.
Die Oberfrankenstiftung hebt mit dem Denkmalpreis regelmäßig Persönlichkeiten hervor, die sich in besonderer Weise um den Erhalt des kulturellen Erbes verdient gemacht haben. Mit der Auszeichnung von Bertram Felix wird zugleich die enorme Gemeinschaftsleistung gewürdigt, die hinter der Sanierung von St. Michael steht, einem Projekt, das weit über die Region hinaus als beispielhaft für gelungene Denkmalpflege gilt. Das brachte auch Oberbürgermeister Andreas Starke zum Ausdruck, als er ebenfalls beim Festakt die Medaille „Denkmalstadt Bamberg“ an Bertram Felix verlieh.
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Erzbischof Gössl zur Wiedereröffnung von St. Michael
„Es ist eine Pracht!“
Mit einem festlichen Pontifikalamt ist am Samstag nach 13-jähriger Bauzeit die Bamberger Michaelskirche wiedereröffnet worden. Erzbischof Gössl bezeichnet die sanierte Kirche St. Michael als Zeichen für notwendige Umkehr und Reformen in Kirche und Gesellschaft.
Erzbischof Herwig Gössl begann seine Predigt mit den Worten „Es ist eine Pracht!“, und er dankte allen, die dafür gesorgt haben, dass diese Pracht erhalten geblieben ist. Er deutete das sanierte Gotteshaus als Symbol für Gottes bleibende Zuwendung zu den Menschen und für die damit immerzu notwendigen und möglichen Erneuerungsprozesse in Kirche, Gesellschaft und im persönlichen Leben jedes Menschen.
Das Leitwort der Kirchenväter „Ecclesia semper reformanda – Die Kirche muss sich immer erneuern“ betreffe nicht nur die Strukturen, sondern auch das ganze Leben. Es gehe darum, anzuerkennen, „dass wir unsere dunklen, schmutzigen Stellen haben“, die der Reinigung und Erneuerung bedürfen, persönlich, als Kirche und als Gesellschaft. Auch wenn die Menschen heute vielfach achtsamer und rücksichtsvoller miteinander umgingen als früher, sei es umso erschreckender, dass es immer wieder zu Rückfällen in die dunkelsten Machenschaften komme, die das Leben so unerträglich machen und die Freude am Leben nehmen, so Gössl.
„Mein Eindruck ist, dass viele Menschen heute gerne einen oberflächlichen, äußeren Glanz zur Schau stellen, aber sich sehr davor hüten, tiefer zu blicken“, sagte der Erzbischof. Viele bedrohliche Risse zögen sich durch die Familien, durch die Gesellschaft, nur mühsam übertüncht, um den Schein aufrecht zu erhalten. „Wie oft fehlt der richtige Halt, sodass unsere Lebenskonstruktionen brüchig werden und akute Einsturzgefahr besteht.“
„Die Kirche muss sich immer erneuern, indem sie zum Urbild zurückfindet und an ihm Maß nimmt: an Jesus Christus“, fügte der Erzbischof hinzu. „Durch ihn finden wir Halt in Gott und können die dunklen Schatten des Lebens bekämpfen. So können wir leuchten und strahlen von innen her durch den, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“
Ein weiterer Aspekt der Predigt lag auf der Verantwortung für die Schöpfung. Der sogenannte Himmelsgarten der Michaelskirche mit seinen rund 600 Pflanzenmotiven sei „eine wichtige Erinnerung daran, dass die Schöpfung Gottes kostbares Geschenk an uns ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt“. Gössl betonte, dem Menschen sei „nicht Ausbeutung und Verbrauch“ aufgetragen, sondern „hüten und hegen“. Die Schönheit der Natur verweise auf den Schöpfer und sei zugleich Auftrag zum verantwortlichen Handeln.
Die eigentliche Pracht der Kirche freilich seien die Menschen, die sich in ihr versammeln und die trotz ihrer Schwächen und Sünden von Gott geliebt sind. Daran erinnere der heilige Bischof Otto, der diese frohe Botschaft den Menschen in Pommern verkündete und der so bis heute zu einem Brückenbauer zwischen Ost und West, zwischen Polen und Deutschland wurde.
Die barocke Michaelskirche zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten Frankens und prägt neben dem Dom das Stadtbild Bambergs. In der Kirche befindet sich das Grab des heiligen Bischofs Otto, der die Benediktinerabtei 1117 bis 1121 nach einem Erdbeben erneuern ließ. Die Kirche und das frühere Kloster auf dem Michaelsberg wurden 1803 säkularisiert und sind seitdem Eigentum der Bürgerspitalstiftung der Stadt Bamberg. Die Kirche war seit Herbst 2012 wegen gravierender Bauschäden geschlossen und umfassend saniert worden. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt auch sechs neue Glocken gießen lassen. Mit der Wiedereröffnung steht die Michaelskirche nun wieder – zunächst mit eingeschränkten Öffnungszeiten – Besucherinnen und Besuchern offen. Am 9. und 10. Mai ist ein Bürgerfest geplant.
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Kirche wurde mit Pontifikalamt und Festakt wieder eröffnet
„Die Krone Bambergs“: St. Michael beeindruckt alle Gäste
„Klock, klock, klock“: Mit dreimal drei Schlägen seines Bischofsstabs gegen die Pforte öffnete Erzbischof Herwig Gössl die Kirche St. Michael heute Vormittag. Damit wurde das Gotteshaus nach 14 Jahren Sperrung und aufwendiger Sanierung wieder seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben. Am morgigen Sonntag gibt es einen ersten Gottesdienst für alle Gläubigen.
Mit einem Pontifikalamt und einem Festakt wurde die Kirche nach 14 Jahren feierlich wieder eröffnet. „Ein historischer Moment für Bamberg und das Erzbistum: Mit der Wiedereröffnung der Kirche ist ein Juwel des Welterbes geschaffen worden“, sagt der Oberbürgermeister Andreas Starke.
Unter dem Klang der fünf alten und sechs neuen Glocken sowie begleitet von einer feierlichen Prozession mit 19 Konzelebranten nahm Erzbischof Gössl die Kirche symbolträchtig wieder in Besitz. Nach der Öffnung der Pforte zog der liturgische Dienst in das Gotteshaus ein, das sich den Gläubigen in neuem Glanz präsentierte. Die Segnung des Weihwassers, die Besprengung der Gemeinde sowie das feierliche Beweihräuchern (Inzens) der Kirchenwände knüpften bewusst an die jahrhundertealte Tradition der Kirchweihe an und machten die spirituelle Bedeutung des Ortes eindrucksvoll erlebbar. Höhepunkte des Pontifikalamts waren zudem die Wiederentzündung des Ewigen Lichts sowie die Rückkehr der Reliquie des heiligen Otto in den Kirchenraum.
Ein Symbol für Gottes bleibende Zuwendung
Erzbischof Herwig Gössl begann seine Predigt mit den Worten „Es ist eine Pracht!“, und er dankte allen, die dafür gesorgt haben, dass diese Pracht erhalten geblieben ist. Er deutete das sanierte Gotteshaus als Symbol für Gottes bleibende Zuwendung zu den Menschen und für die damit immerzu notwendigen und möglichen Erneuerungsprozesse in Kirche, Gesellschaft und im persönlichen Leben jedes Menschen.
Ein weiterer Aspekt der Predigt lag auf der Verantwortung für die Schöpfung. Der Himmelsgarten der Michaelskirche mit seinen 585 Pflanzenmotiven sei „eine wichtige Erinnerung daran, dass die Schöpfung Gottes kostbares Geschenk an uns ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt“. Gössl betonte, dem Menschen sei „nicht Ausbeutung und Verbrauch“ aufgetragen, sondern „hüten und hegen“. Die Schönheit der Natur verweise auf den Schöpfer und sei zugleich Auftrag zum verantwortlichen Handeln.
Nach einer Pause bildete ein Festakt am Nachmittag einen zweiten Höhepunkt an diesem Tag. Dieser begann mit einem kurzen Film, der die Generalsanierung und ihre außergewöhnlichen Herausforderungen anschaulich machte. Anschließend begrüßte Finanz- und Stiftungsreferent Bertram Felix viele namhafte Vertreter aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Denkmalpflege. „Nach 14 Jahren intensiver Arbeit ist die heutige Eröffnung für mich und alle an dem Projekt beteiligten Personen ein fast schon magischer Meilenstein. Es ist uns gelungen, mit St. Michael einen unermesslichen Schatz für Bamberg dauerhaft zu sichern. Wir verdienen uns damit den Welterbetitel noch einmal neu“, betonte Felix.
Putzbrocken gibt den Anstoß
In seiner Festrede spannte Oberbürgermeister Andreas Starke einen eindrucksvollen Bogen von den dramatischen Ereignissen des Jahres 2012 bis zur heutigen Wiedereröffnung. Die Festgäste wurden mit einem akustischen Knall daran erinnert, dass ein zwei Kilogramm schwerer Putzbrocken vor knapp 14 Jahren von der Decke fiel. Dieser Vorfall im November 2012 habe wie ein „Warnschuss“ gewirkt und deutlich gemacht, dass akuter Handlungsbedarf bestand. Die notwendige Schließung der Kirche sei unausweichlich gewesen, zugleich aber der Ausgangspunkt für eine „äußerst gelungene und erfolgreiche Generalsanierung dieser großartigen Kirche“, so Starke.
Starke hob die herausragende Bedeutung von St. Michael für Bamberg hervor: Die ehemalige Klosteranlage sei weit mehr als ein sakrales Gebäude – sie sei ein prägendes Wahrzeichen der Welterbestadt und für viele „die Krone Bambergs“. Zugleich betonte er die enorme Gemeinschaftsleistung hinter dem Projekt: Rund 43 Millionen Euro Investitionen, tausende Beteiligte, jahrzehntelanges Engagement und eine breite Unterstützung durch Fördermittelgeber, Fachleute und Bürgerschaft hätten die Sanierung möglich gemacht.
OB Starke blickt für die ursprünglich im Jahr 1015 erbaute Klosterkirche weit voraus: „Die nächsten 1.000 Jahre beginnen jetzt.“ St. Michael solle wieder ein Ort des Glaubens, der Begegnung und der Identifikation für kommende Generationen sein.
Hohe Auszeichnung für Felix
Im Rahmen des Festakts wurde Finanz- und Stiftungsreferent Bertram Felix für sein außergewöhnliches Engagement mit der Medaille „Denkmalstadt Bamberg“ ausgezeichnet. Als maßgeblicher Projektverantwortlicher habe er die Generalsanierung über viele Jahre hinweg mit großer Fachkompetenz und persönlichem Einsatz geprägt, betonte Starke. „Was Sie bei diesem Projekt geleistet haben, kann man Ihnen gar nicht hoch genug anrechnen“, so das Stadtoberhaupt, der sich bei Bertram Felix herzlich bedankte.
Die Generalsanierung von St. Michael bezeichnete Martin Schöffel, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, in seinem Grußwort als „derzeit größtes Kirchensanierungsprojekt Deutschlands“. Die Maßnahme rette ein oberfränkisches Wahrzeichen und einen zentralen Teil der Bamberger UNESCO-Welterbestätte. „Die Arbeiten vereinen wissenschaftlich fundierte Restaurierung, handwerkliche Präzision und ein Netzwerk aus Fachleuten, Universitäten und Forschungskolloquien. Das hochkomplexe Projekt hat nicht nur technische, sondern auch konservierungswissenschaftliche Maßstäbe gesetzt und gilt als Vorbild für künftige Sanierungen. Finanziert als Gemeinschaftsaufgabe von Freistaat, Bund, regionalen Förderern sowie Bürgerinnen und Bürgern konnte dieses einzigartige Kulturgut für kommende Generationen gesichert werden. Ich danke allen Beteiligten für Ihren großartigen Einsatz“, erklärte Schöffel.
Ein Kraftakt sei die umfassende Baumaßnahme für die Stadt Bamberg und die Bürgerspitalstiftung gewesen, betonte Regierungspräsident Florian Luderschmid. „Für uns als Fördergeber war besonders wichtig, dass St. Michael ein lebendiger, zugänglicher, einladender Ort bleibt. Der heutige Tag markiert einen Neuanfang. Die Klosterkirche St. Michael tritt wieder in echte Beziehung zu ihrer Stadt. Lassen Sie uns diesen Ort nun wieder mit Leben füllen – in Respekt vor seiner Geschichte und mit Offenheit für das, was hier entstehen kann“, so Luderschmid. Auch er brachte eine Auszeichnung für Felix mit: Der Regierungspräsident zeichnete den Finanz- und Stiftungsreferenten mit dem Denkmalpreis der Oberfrankenstiftung aus.
Ein „echtes Leuchtturmprojekt“
Generalkonservator Professor Matthias Pfeil würdigte in seinem Grußwort die Sanierung als herausragendes Beispiel moderner Denkmalpflege. Aus einem zunächst scheinbar „üblichen“ Schadensfall habe sich ein Projekt von außergewöhnlicher Tragweite entwickelt: Die Generalsanierung sei zu einem „echten Leuchtturmprojekt“ geworden, das Maßstäbe für zukünftige Generationen setze.
Dabei sei insbesondere das Prinzip der behutsamen Intervention entscheidend gewesen: Ziel sei es gewesen, die historische Substanz zu erhalten und Eingriffe auf das notwendige Maß zu beschränken. Oder, so Pfeil zugespitzt: „Die beste denkmalpflegerische Maßnahme ist oft die, die man später nicht sieht.“
Eintrag ins Goldene Buch
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Kammermusikensemble der Bamberger Symphoniker mit Werken unter anderem von Mozart, Haydn und Dvořák. Den Abschluss bildeten die Eintragung der Ehrengäste in das Goldene Buch der Stadt Bamberg sowie ein gemeinsamer Empfang.
Via Livestream konnten alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die beiden Veranstaltungen im Netz verfolgen, bei der auf Grund der beengten Raumverhältnisse nur geladene Gäste zugelassen waren. Am morgigen Sonntag, dem 26. April 2026, gibt es einen ersten Gottesdienst für alle Gläubigen. Außerdem sind alle Menschen aus der Region in zwei Wochen zu einem großen Bürgerfest rund um die sanierte Kirche St. Michael am 9. und 10. Mai 2026 eingeladen.
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Erzbischof Gössl setzt pastorale Orientierungen für eine Kirche mit Zukunft in Kraft
Erzbistum Bamberg setzt auf Dialog und Synodalität
Mit neuen pastoralen Orientierungen stellt das Erzbistum Bamberg die Weichen für eine lebendige und zukunftsfähige Kirche. Dabei sollen die Prinzipien der Synodalität und des Dialogs handlungsleitend sein, sagte Erzbischof Herwig Gössl, der die „Entwicklungslinien“ mit Wirkung zum Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, in Kraft setzte.
Die sich verändernden Lebensrealitäten in der Gesellschaft und die unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnisse der Menschen machten es erforderlich, die kirchlichen Strukturen und Angebote neu auszurichten. „In dieser Situation ist Jesus Christus unser Maßstab“, betonte Gössl.
Pastorales Handeln entwickle sich ausgehend von und gemeinsam mit den Menschen, ihren jeweiligen Lebenswelten und sozialen Bezügen, ihren Bedürfnissen, Freuden, Hoffnungen, Sorgen, Zweifeln, Ängsten und Nöten. Die Kirche wolle Gemeinschaft unter den Menschen fördern, „nicht in einer exklusiven Form, sondern im Blick auf alle Menschen in ihrer Einzigartigkeit und in ihrer Lebenswirklichkeit“. Weiter heißt es: „Daher treten wir für eine Welt ein, in der Unterschiedlichkeit als Bereicherung erfahren wird.“
Die Entwicklung mache die Grenzen der bisherigen kirchlichen Strukturen mit ihren personellen und finanziellen Möglichkeiten deutlich. Dies habe zur Folge, dass nicht flächendeckend alle Angebote aufrechterhalten werden können, so Gössl. Ein „wertschätzendes Abschiednehmen“ sei erforderlich. Nötig sei die Bereitschaft, Liebgewordenes loszulassen und Dinge aufzugeben, die einmal wichtig waren und immer noch sinnvoll sind, aber nicht mehr gehalten werden können. Zugleich müssten neben bestehenden Kirchorten neue Orte der Hoffnung und des gelebten Glaubens gefördert werden. Auch experimentell-innovative Ansätze und Initiativen sollen systematisch begleitet und unterstützt werden. Die Feier der sonntäglichen Eucharistie bleibe an ausgewählten Orten Höhepunkt und Mitte des Glaubens, damit Menschen die Nähe Gottes erfahren können. Daneben sei auch die Feier weiterer vielfältiger liturgischer und spiritueller Formen zu fördern.
Pastorales Handeln finde mitten in der Gesellschaft statt und sei durch Eigeninitiative und Engagement, die sich dort zeigen, inspiriert. Gemeinschaftlich gelebter Glaube geschehe in den Familien und überall dort, wo Menschen ihr Christsein und ihre Überzeugung im Alltag und auch in der digitalen Welt leben. „Gemeinschaftlich gelebter Glaube ist dynamisch und nicht an bestehende Orte und Gebäude gebunden“, heißt es in den Orientierungen.
Daher bestehe nicht der Anspruch, kirchliches Leben im Sinne einer Versorgung durch Haupt- und Ehrenamtliche flächendeckend aufrecht zu erhalten. Die Verwaltung werde effizient und zentral in Seelsorgebereichen organisiert. Ein weiteres Anliegen ist die enge Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen und kirchlichen Akteuren im Sozialraum. Die Kirche möchte sich als zuverlässige Partnerin in der Gesellschaft verstehen, die ihre Verantwortung aktiv mit anderen übernimmt. Dies schließt ökumenische Partnerschaften sowie die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen, Verbänden und Einrichtungen ein.
Der zentrale Orientierungspunkt für kirchliches Handeln sei Jesus Christus, betonte der Erzbischof. Auf sein Wort, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung müssten sich alle Formen kirchlichen Lebens beziehen. Die Kirche von Bamberg bewege sich im Rahmen der gesamtkirchlich gültigen Regeln und Normen und nutze die sich bietenden Möglichkeiten und Räume. „Dabei sind wir getragen von der festen Überzeugung, dass es im Letzten nicht auf unseren Beitrag ankommt, sondern auf Gottes Wirken, damit unser Tun als Kirche fruchtbar wird“, so Gössl.
Die pastoralen Orientierungen schreiben den Pastoralplan „Den Aufbruch wagen – heute!“ aus dem Jahr 2005 fort, der weiterhin in Kraft bleibt. Zugleich bilden sie den Auftakt des pastoralen Bistumsprozesses „Entscheiden und Handeln: Für eine Kirche mit Zukunft“. Auf Basis der Orientierungen sollen die Seelsorgebereiche eigene pastorale Strategien und innovative Ideen entwickeln, wie sie künftig vor Ort Kirche sein wollen. Anhand von Rückmeldungen aus der Praxis sollen die erzbischöflichen pastoralen Orientierungen dynamisch fortgeschrieben werden.
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Stiftung unterstützt bedürftige Menschen
Bamberger Ehepaar fördert Berufe im kirchlichen und sozialen Bereich
Es war der 15. September 2019, als aus der Idee von Erika und Wolfgang Ruzicka Realität wurde: Unter dem Dach der Stadt Bamberg gründeten sie eine Treuhandstiftung. Gut sechs Jahre später haben sie den Grundstock der „Erika-und-Wolfgang-Ruzicka-Stiftung“ um einen fünfstelligen Betrag erhöht. Der Grund: Die enge Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt und der Wunsch, dauerhaft einen Beitrag für ein lebenswertes Bamberg zu leisten.
Die Stiftung unterstützt bedürftige Menschen, sowohl in der Stadt Bamberg, als auch im Ausland, hier mit dem Ziel einer seelsorgerischen oder sozialen Berufstätigkeit in Bamberg. Neben unmittelbaren Einzelfallhilfen liegt dem Ehepaar besonders die Ausbildungsförderung am Herzen. Konkret sagen Erika und Wolfgang Ruzicka zur Auswahl des Stiftungszweckes: „Bamberg braucht heute und in Zukunft in sozialen und kirchlichen Berufen gut ausgebildete Menschen, gerade auch aus dem Ausland, die hier arbeiten und leben möchten.“
Die Stiftungsgründer sind in Bamberg tief verwurzelt: Erika Ruzicka war 48 Jahre lang bei der Stadt Bamberg beschäftigt, ihr Mann arbeitete mehrere Jahrzehnte bei der Sparkasse Bamberg. Im Verlauf ihres Lebens haben die beiden selbst erfahren müssen, was es heißt, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Umso wichtiger ist es ihnen, mit der Stiftung nachhaltige Zwecke im sozialen Bereich zu verfolgen.
Jüngere Generationen unterstützen
„Wir haben keine Kinder und möchten auf unsere Weise jüngere Generationen unterstützen“, erläuterte Wolfgang Ruzicka beim Besuch im Rathaus am Maxplatz. Eingeladen hatten Oberbürgermeister Andreas Starke und Stiftungsreferent Bertram Felix, um den beiden Stiftern persönlich zu danken. „Ein solches Engagement ist alles andere als selbstverständlich. Es ist ein Geschenk an die Stadt Bamberg und ein Vorbild für andere Menschen“, so der Oberbürgermeister.
Erika und Wolfgang Ruzicka ist es wichtig, dass auch nach ihrem Ableben die von der Stadt Bamberg verwaltete Stiftung gut ausgestattet ist. Sie haben sich dazu entschieden, ihr Mehrfamilienhaus samt ihrem sonstigen Vermögen ebenfalls an die Stiftung zu übergeben.
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St. Matthäus, St. Stephan und Erlöserkirche
Evangelische Gemeinden Bamberg: Diskussion zu sexualisierter Gewalt in der Kirche
Am 16. Oktober 2024 luden die Bamberger evangelischen Gemeinden St. Matthäus, St. Stephan und Erlöserkirche in die KUFA Bamberg ein, um ein drängendes Thema zu diskutieren. Was tun gegen sexualisierte Gewalt in der Kirche?
Den Anlass für die Veranstaltung hatte die Veröffentlichung der unabhängigen „ForuM“-Studie zu Beginn des Jahres gegeben, wie das Dekanat Bamberg mitteilt. Diese Studie hatte aufgedeckt, in welchem Umfang und aufgrund welcher spezifischen Strukturen es in der evangelischen Kirche seit den 1940er Jahren zu sexualisierter Gewalt gekommen ist. Doch sei die Veranstaltung mehr als nur eine Bestandsaufnahme von Missständen gewesen. Auch ging es darum, ein tief verankertes Schweigens, das in vielen Bereichen der Gesellschaft und insbesondere auch in der Kirche existiert, zu brechen.
Schweigen und Idealisierung von Männlichkeit schützt Täter
Etwa 50 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil. Aus Frankreich war zudem Sabine Wallner vom Institut für Praxisforschung und Projektbegleitung in München digital zugeschaltet. Das Institut hatte für die „ForuM“-Studie die Perspektive Betroffener von sexualisierter Gewalt erforscht.
„In vielen Gemeinden gibt es eine Kulturtechnik des Vergessen-Machens“, sagte Wallner. „Man schweigt so lange über sexualisierte Gewalt, bis sie allmählich in Vergessenheit gerät. Dieses Schweigen muss gebrochen werden. Hat eine Person einen Verdacht, so muss sie sprechen, muss sie gehört werden und damit rechnen können, dass ihr geglaubt wird.“ Auch müsse man sich in den Gemeinden auf eine gemeinsame Wahrheit zugunsten der Betroffenen einigen. „Die Scham muss die Seite wechseln“, zitierte Wallner die Anklägerin im Vergewaltigungsprozess von Avignon, Gisèle Pélicot.
Die Studie habe außerdem gezeigt, wie informelle Strukturen und Netzwerke in den Gemeinden das Schweigen begünstigen. Besonders alarmierend sei, dass die Gewalt selbst oft als weniger problematisch wahrgenommen werde als die Tatsache, dass sie gemeldet oder aufgedeckt wird. Dieses Schweigen führt dazu, dass Betroffene nicht ernst genommen und Täter geschützt werden. Begünstigend hierfür wirke auch eine spezifisch evangelische Idealisierung von Männlichkeit.
Sabine Wallner sprach von der Tendenz in evangelischen Kreisen, bestimmte männliche Personen zu charismatischen Persönlichkeiten zu stilisieren und sie mit unverhältnismäßig viel Macht auszustatten, welche dann verschleiert werde. Diese Machtkonzentration schaffe eine gefährliche Umgebung, in der sexualisierte Gewalt geplant und durchgeführt werden kann, während das Schweigen der Gemeinde die Täter schützt.
Familiäre Strukturen als Deckmantel für Täter
Im anschließenden Podiumsgespräch wies Regina Fritz, die aus der Evangelischen Hochschule Nürnberg angereist war, auf die Strukturen der Gemeinden hin, die ein solches Schweigen begünstigen. „Wir haben sehr unterschiedliche Machtstrukturen in der evangelischen Kirche, die sehr verschieden zu charakterisieren sind. Unsere Gemeinden sind beispielsweise eher wie Familien organisiert“, erklärte sie. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde deutlich, wie gerade in solchen familiären Strukturen Nähe entsteht, die planvoll vorgehende Täter ausnutzen können.
Auf das Dilemma, dass Kirche eigentlich einen Raum für Geborgenheit schaffen müsse, sie aber zugleich Tätern Unterschlupf bieten könne, ging Pfarrer Walter Neunhoeffer ein. „Das offene Pfarrhaus, wo jeder willkommen ist, habe ich als einen Ort erlebt, an dem Menschen Geborgenheit und Ermutigung erfahren. Es hat mich erschüttert, dass es auch als Ort des Missbrauchs identifiziert wurde. Aufgabe muss sein, dass die genannten Werte gelebt werden können, ohne dass Täter einen Schutzraum haben.“
Besondere Aufmerksamkeit gilt aus Neunhoeffers Sicht daher jenen Orten, an denen Verborgenes geschehen kann: „Begegnungen müssen stattdessen dort stattfinden, wo viele Menschen sind, die hinsehen.“ Auch ging er darauf ein, dass es normalisiert werden müsse, um Einverständnis zu bitten, wenn es bei Segenshandlungen oder in Jugendspielen zu körperlichen Berührungen kommt. Wenn dies eine Selbstverständlichkeit werde, würden diejenigen auffallen, die Grenzen verletzen.
Sabine Wallner erweiterte diesen Aspekt auf einen gesamtgesellschaftlichen Kontext und sagte: „Grenzüberschreitungen begegnen wir überall, und wir werden nicht selten schon von klein auf dagegen desensibilisiert. Wenn ein Kind, das dem Bussi der Oma ausweicht, gesagt bekommt, es solle sich nicht so anstellen, das sei doch lieb gemeint, werden schon früh Grenzen und Bedürfnisse des Kindes missachtet; und dass es sie zum Ausdruck bringt, wird hier nicht ernst genommen, sondern ignoriert. Diese früh eingeprägten Denk- und Verhaltensmuster sollten reflektiert und neu gedacht werden.“
Auf diesen Aspekt ging auch Sophia ein, die ehrenamtlich in der evangelischen Jugendarbeit tätig ist. „Wir werden in Seminaren geschult, darauf zu achten, dass keine Spiele mehr gespielt werden, in denen man sich zu nahekommt. Alle Menschen haben Grenzen, die müssen respektiert werden.“ Wenn außerdem verschiedene Alternativen der Beschäftigung angeboten werden, müsse sich niemand aktiv gegen eine Gruppe stellen, wenn er sich mit einer Aktivität nicht wohlfühle. Nein sagen müsse leicht sein. Die Schulungen zur Prävention sexualisierter Gewalt seien bei Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen jeden Alters und in allen kirchlichen Arbeitsfeldern mittlerweile verpflichtend.
Kein Ermessensspielraum mehr beim Opferschutz
Dies lobte auch Dekanin Sabine Hirschmann. „Endlich hat das, was in der Landeskirche seit mindestens einem Jahrzehnt begonnen wurde, so richtig Fahrt aufgenommen“, betonte Hirschmann, die damals als Studienleiterin in der Ausbildung von Pfarrpersonen Präventionsschulungen eingeführt hatte.
Mittlerweile seien diese, so Regina Fritz, die an der Ausbildung verschiedener kirchlicher Berufsgruppen beteiligt ist, in enger Kooperation mit Fachpersonal ausgebaut worden und etabliert. Sabine Hirschmann ergänzte: „Es gibt ein vor der Studie und ein nach der Studie. Nun gibt es klare Handlungsanweisungen für Leitungspersonen, wie sie bei Verdachtsfällen vorgehen müssen. Wir haben keine Ermessensspielräume mehr. Es ist gut, dass dies nun nicht mehr Gegenstand von Diskussion ist. Durch die Studie ist es auch denen klar, die nie geglaubt haben, dass sexualisierte Gewalt mindestens jedes fünfte Kind betrifft. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen, Missbrauch gibt es nicht nur bei den anderen, den gibt es auch in der evangelischen Kirche“, so Hirschmann.
Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt
Kritische Fragen aus dem Publikum und auf dem Podium gab es vor allem zum Umgang mit Betroffenen. So wurde beispielsweise gefragt, welchen Raum die Begleitung Betroffener einnimmt, wenn man sich bei einem Verdachtsfall vornehmlich auf die Konsequenzen für den Täter konzentriere. Elke Habermeier, die als Ansprechperson für Betroffene auf dem Podium saß, berichtete daraufhin von den Aufgaben, die mit diesem Amt verbunden sind: Verdachtsfälle aufnehmen und die Betroffenen unterstützen, unter anderem auch durch Vermittlung von juristischen oder psychologischen Beratungsangeboten. „Es ist wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse von Betroffenen zu achten. Das eine ist die Begleitung der Betroffenen in ihrer Krisensituation, das andere der Opferschutz durch klare dienstrechtliche und juristische Konsequenzen für den Täter. Es braucht unbedingt beides“, so Habermeier.
Die Notwendigkeit einer intensiven Begleitung Betroffener stellten auch Maria Schuster vom Weißen Ring, Svenja Debelius vom Notruf bei sexualisierter Gewalt (SkF Bamberg) und Psychotherapeutin Melanie Becker heraus, die als Expertinnen im Publikum geladen waren. Dabei wurde deutlich, dass gerade die Vernetzung zwischen kirchlichen und weltlichen Institutionen an vielen Stellen essenziell für eine wirkungsvolle Prävention, Intervention und Aufarbeitung bei Fällen sexualisierter Gewalt in der Kirche ist. Zumal Betroffene dieser Gewalt häufig explizit nicht von kirchlichen Vertretern begleitet werden wollen, wie die „ForuM“-Studie gezeigt hat.
In ihren abschließenden Worten appellierte Sabine Wallner: „Es reicht nicht, nur auf vergangene und aktuelle Vorfälle zu reagieren. Wir müssen die tief verankerten Strukturen und Narrative hinterfragen, die Grenzüberschreitungen überhaupt ermöglichen. Reflektieren Sie Machtkonzepte kritisch! Hinterfragen Sie evangelische Ideale! Nehmen Sie die Forschung ernst!“
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„Jesus will eine Kirche der Gleichberechtigten“
Hauptamtliche zu sehr im Vordergrund
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick warnt davor, die Kirche auf die Rolle der Päpste, Bischöfe, Priester und Hauptamtlichen zu reduzieren, teilt das Erzbistum Bamberg mit. Hauptamtliche hätten sich zu sehr in den Vordergrund gespielt, Jesus wolle jedoch eine Kirche der Gleichberechtigten.
„Wir haben uns zu sehr in den Vordergrund gespielt, das war aber gegen die Intention Jesu“, sagte Schick in seiner heutigen Predigt zum Don-Bosco-Fest in Forchheim. Es müsse in der Kirche Ämter und Verantwortlichkeiten geben. „Aber die Kirche ist Gemeinschaft aller Getauften. Jesus will eine Kirche der Gleichberechtigten, vor allem im Einsatz für seine Sache.“
Der heilige Don Bosco habe neben den Priestern und Ordensleuten immer alle Getauften im Blick gehabt: „Sie sollten sich als Christen für die Kinder und Jugendlichen, besonders die benachteiligten und schutzbedürftigen, interessieren und engagieren.“ Die Kirche, die Don Bosco im Blick hatte, sei die wahre Kirche und sie dürfe nicht untergehen, „weil sie für unsere Gesellschaft, Menschheit und Schöpfung so viel Heilsames und Gutes wirkt“.
Drastische Drohung Jesu gelte heute wie immer
Sie halte den Glauben und das Vertrauen auf den guten Gott aufrecht. Das sei gerade in schwierigen Zeiten des Lebens und der Geschichte wichtig. „Wir erleben es auch jetzt in der Pandemie: Wir brauchen Vertrauen und Hoffnung, damit wir die Krise überwinden können. Die Verkündigung des Evangeliums, die Gottesdienste sowie das seelsorgliche und karitative Wirken der Kirche sind unerlässlich.“
Der Missbrauchsskandal sei ein Tsunami, besonders für die Kirche. Die Sorge um Kinder und Jugendliche, ihre Entwicklung und Bildung sei der Kirche von Jesus selbst aufgetragen. In ihr müssten sie einen sicheren Ort finden, um sich frei zu entfalten, sagte Schick und betonte: „Wer Kinder missbraucht, dem gehört ein Mühlstein um den Hals und im Meer versenkt. Diese drastische Drohung Jesu gilt heute wie immer.“
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Kirchenstorys
Kurzfilm-Wettbewerb
Um mehr Leute dazu zu bewegen, sich mit Kirchen auseinanderzusetzen – in diesem Fall mit den Gebäuden, nicht mit der Institution –, hat das Erwachsenenbildungswerk des Erzbistums Bamberg den Kurzfilm-Wettbewerb „Kirchenstorys“ ausgerufen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind angehalten, in Kurzfilmen die baulichen Besonderheiten ihrer Lieblingskirche vorzustellen. Den ersten Plätzen winken Preisgelder von mehreren Tausend Euro. Seit Dezember letzten Jahres läuft der Wettbewerb, Einsendeschluss für die filmischen Beiträge ist der 31. Mai 2021. Stefanie Bauer ist Projektassistentin der „Kirchenstorys“, mit ihr haben wir im Interview eine Halbzeitbilanz gezogen.
Wie kam die Idee des Kurzfilmwettbewerbs „Kirchenstorys“ zustande?
Stefanie Bauer: Es gibt fast keinen Ort in Franken ohne eine eigene Kirche. Und doch kennen viele die Gebäude mittlerweile nur noch von außen. Dies wollen wir ändern. Beim Projekt „Kirchenstorys“ suchen wir Filmemacherinnen und Filmemacher, die in einem Kurzfilm von maximal vier Minuten die Besonderheiten ihrer Kirche zeigen, ihre Geschichte erzählen und ihre Geheimnisse entdecken. Die Idee dahinter ist, dass die Menschen in unserer Region sich mehr mit ihren Kirchen auseinandersetzen. Denn oft wissen wir gar nicht, was es in unserer eigenen Kirche so alles zu entdecken gibt. Jedes Detail hat seine eigene Geschichte. Zur Unterstützung finden begleitende Workshops statt, die Einblicke in das Thema Filmdreh und Filmschnitt geben. Diese sind für Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wettbewerb kostenlos.
Warum möchten die Katholische Erwachsenenbildung und das Jugendamt der Erzdiözese, dass Jugendliche ihre Kirchen filmisch vorstellen?
Stefanie Bauer: Wir wollen nicht nur Jugendliche anregen, einen Film über ihre Kirche zu drehen, sondern Menschen jeden Alters. Denn Kirchen ziehen Erwachsene, Jugendliche und Kinder unterschiedlich in ihren Bann. Mit einem Filmdreh kommt man seiner Kirche auf eine ganz andere Weise näher, sozusagen mit einem Außenblick. Im besten Fall hat man natürlich eine Menge Spaß an dem gemeinsamen Filmdreh.
Woher stammt das Preisgeld von insgesamt 3.500 Euro, das sich aus 2.000 Euro für den ersten, 1.000 Euro für den zweiten und 500 Euro für den dritten Platz zusammensetzt?
Stefanie Bauer: Die Katholische Erwachsenenbildung und das Jugendamt der Erzdiözese sind die finanziellen Träger des Projektes. Darüber hinaus wird das Projekt vom Kulturfonds Bayern unterstützt. Neben dem Preisgeld bekommen aber auch alle anderen Beiträge eine kleine Aufmerksamkeit.
Wie viele Einsendungen gibt es bisher, mit wie vielen weiteren rechnen Sie?
Stefanie Bauer: Bisher gibt es noch recht wenige Einsendungen, was wohl vor allem auf Corona und die damit verbundenen Beschränkungen zurückzuführen ist. Es haben sich aber einige Schulklassen angemeldet und sehr viele möchten noch einen Beitrag einreichen. Man muss bedenken, dass es von der Idee eines Filmes bis hin zum fertigen Film auch einige Zeit dauert.
Würden Sie einige Beispiele nennen, wie die bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich des Themas annehmen? Wie sehen die bisherigen Einsendungen aus?
Stefanie Bauer: Die Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen auf ganz vielfältige Art und Weise die verschiedenen Kirchengebäude: Von einem Video mit musikalischer Untermalung, einem Gedicht bis hin zu einem spannenden Erklärvideo reicht die Bandbreite der eingesendeten Kurzfilme. Der Kreativität der Filmemacherinnen und Filmemacher sind keine Grenzen gesetzt.
Welche Qualitäten müssen die Filme haben, um als Gewinner in Frage zu kommen?
Stefanie Bauer: Ob witzig, spannend oder rührend, grundsätzlich gilt, je kreativer der Film gestaltet ist, desto besser. Filmemacher sollten die Besonderheiten ihrer Kirche darstellen, also zum Beispiel den Altar, die Architektur, künstlerische Darstellung oder Ähnliches. Außerdem sollte der Film eine Geschichte erzählen, einen Spannungsbogen haben und ein sinnvoller roter Faden sollte erkennbar sein. Auch die maximale Filmlänge von vier Minuten sollte nicht überschritten und rechtliche Grundlagen wie die der GEMA müssen beachtet werden. Ziel ist es, dass man mit seinem Beitrag anderen Menschen Lust macht, die Kirche selber zu besuchen. Egal ob mit Handy, Videokamera oder Fotoapparat – Film-Erfahrungen braucht niemand.
Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass jeder mitmachen kann „egal ob jeden Sonntag in der Kirche oder nie. Ob katholisch oder evangelisch. Ob Christ, Jude, Moslem, Hindu oder Buddhist.“ Können Sie einschätzen, ob es bereits Einsendungen von Juden, Moslems, Hindus oder Buddhisten gibt?
Stefanie Bauer: Bisher haben wir noch keine Beiträge von anderen Religionsgemeinschaften erhalten, was wir sehr bedauern. Wir hoffen, dass mit unter anderem durch die Workshops noch mehr Menschen auf das Projekt aufmerksam machen, die vielleicht nicht viel mit der katholischen Kirche zu tun haben.
Sie schreiben dort ebenfalls, dass „sogenannte Kirchenferne“ teilnehmen können. Könnte auch ein Film gewinnen, der qualitativ sehr hoch abschneidet, aber kirchenkritisch ist?
Stefanie Bauer: Grundsätzlich geht es um die Darstellung der Kirche als Gebäude, also nicht um die Kirche als Institution. Wir möchten mit den eingereichten Beiträgen andere Menschen neugierig darauf machen, die Kirche selber einmal zu besuchen und dabei die Besonderheiten zu entdecken. Als Kirchenferner könnte man den Fokus des eigenen Films beispielsweise auf die architektonischen und geschichtlichen Aspekte des Kirchengebäudes lenken.
Was hat es mit der Pluralbildung von „Storys“, anstatt „Stories“, auf sich?
Stefanie Bauer: Da hat wohl einer gut aufgepasst im Englischunterricht. Aber laut Duden ist das Wort „Story“ ein eingedeutschtes Wort und der Plural vom Wort „Story“ im Deutschen lautet „Storys“.
Wie hat sich die Corona-Pandemie auf den Wettbewerb ausgewirkt?
Stefanie Bauer: Wir hatten spezielle Workshops geplant, in denen alle wichtigen Tricks zum Drehen und Schneiden gelernt werden können. Durch Corona mussten wir diese Workshops vorerst absagen. Wir sind aber aktuell drauf und dran, die Workshops Ende September oder Anfang Oktober nachzuholen. Genauere Informationen werden so schnell wie möglich auf unserer Homepage www.kirchenstorys.de bekannt geben. Unter anderem deswegen haben wir uns auch entschieden, den Wettbewerbszeitraum um fast ein halbes Jahr zu verlängern, also bis zum 31. Mai 2021.