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Staatsbibliothek Bamberg

Viel­fäl­ti­ges Pro­gramm beim Inter­na­tio­na­len Museumstag

Bam­berg fei­ert leben­di­ge Museumslandschaft

Am Inter­na­tio­na­len Muse­ums­tag, der welt­weit am 18. Mai gefei­ert wur­de, stand in Bam­berg die leben­di­ge Muse­ums­land­schaft im Mit­tel­punkt. Unter dem Mot­to „Muse­en mit Freu­de ent­de­cken“ prä­sen­tier­ten die Muse­en und Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen am Sonn­tag auf dem Bam­ber­ger Dom­berg ein abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm, das die Bedeu­tung und Attrak­ti­vi­tät der Muse­en für die Zukunft unterstrich.

Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke ließ es sich nicht neh­men, den Muse­ums­tag per­sön­lich zu eröff­nen und zugleich den neu­en Direk­tor der Muse­en der Stadt Bam­berg, Dr. Fabi­an Ludo­vico, herz­lich will­kom­men zu hei­ßen. In sei­nem Gruß­wort beton­te Star­ke, dass Muse­en „eine enorm wich­ti­ge Rol­le für eine offe­ne Gesell­schaft spie­len“ und lob­te ins­be­son­de­re die Koope­ra­ti­on der Muse­en am Dom­berg mit ihren vie­len bedeut­sa­men Kunst­schät­zen sowie das erfolg­rei­che Agie­ren des Freun­des­krei­ses der Dombergmuseen.

Dr. Fabi­an Ludo­vico beton­te zum Auf­takt: „Heu­te soll die Freu­de über eine leben­di­ge Muse­ums­land­schaft hier in Bam­berg im Vor­der­grund ste­hen. Mit den viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten zei­gen die betei­lig­ten Häu­ser, war­um Bam­ber­ge­rin­nen und Bam­ber­ger auf ihre Muse­en auch zukünf­tig nicht ver­zich­ten wol­len.“ Das breit gefä­cher­te Pro­gramm lock­te zahl­rei­che Besu­che­rin­nen und Besu­cher, dar­un­ter auch vie­le Gäs­te aus dem Aus­land, auf den Dom­berg. Füh­run­gen, Info­sta­tio­nen, Work­shops und Fami­li­en­an­ge­bo­te wur­den rege genutzt und sorg­ten für einen leben­di­gen Austausch.


Posi­ti­ve Bilanz

Die betei­lig­ten Muse­en – die Neue Resi­denz, das His­to­ri­sche Muse­um, die Staats­bi­blio­thek und das Diö­ze­san­mu­se­um – zeig­ten sich mit den Besu­cher­zah­len äußerst zufrie­den. Vera Mame­row, Vor­sit­zen­de des Freun­des­krei­ses der Muse­en am Bam­ber­ger Dom, lob­te die posi­ti­ve Bilanz: „Die Gäs­tes­truk­tur war bunt gemischt, und erfreu­li­cher­wei­se haben auch vie­le Bam­ber­ge­rin­nen und Bam­ber­ger den Weg in ‚ihre‘ Muse­en gefun­den. Vie­le Inter­es­sier­te haben das Pro­gramm gezielt genutzt, um mög­lichst vie­le Ein­drü­cke zu gewinnen.“

Beson­ders Fami­li­en mit Kin­dern mach­ten bei den viel­fäl­ti­gen Spiel- und Bas­te­l­an­ge­bo­ten mit. Im Diö­ze­san­mu­se­um wur­den Papier­kro­nen gebas­telt, im His­to­ri­schen Muse­um bun­te But­tons gestanzt und tex­ti­le Auf­nä­her mit dem Mot­to „Demo­kra­tie braucht Kunst“ gestal­tet. In der Staats­bi­blio­thek konn­ten jun­ge Gäs­te krea­ti­ve Lese­zei­chen anfer­ti­gen. Die hohe Ver­weil­dau­er der Besu­che­rin­nen und Besu­cher unter­strich das gro­ße Inter­es­se und die posi­ti­ve Reso­nanz auf das bunt gefä­cher­te Pro­gramm­an­ge­bot, das mit einem mit­rei­ßen­den Kon­zert im Innen­hof der Alten Hof­hal­tung sei­nen Abschluss fand.


„Die Mühe hat sich gelohnt!“

Eleo­no­ra Cagol, Kura­to­rin für Kul­tu­rel­le Bil­dung, zog ein durch­weg erfreu­li­ches Fazit: „Die Stim­mung war sehr gut, es gab vie­le inter­es­san­te Gesprä­che am Ran­de, und das lie­be­voll auf­be­rei­te­te Kin­der­an­ge­bot wur­de sehr gelobt. Die Mühe hat sich defi­ni­tiv gelohnt!“

„Der Inter­na­tio­na­le Muse­ums­tag in Bam­berg hat erneut die Bedeu­tung der Muse­en als leben­di­ge Orte der Kul­tur, Bil­dung und Begeg­nung unter­stri­chen“, fass­te Kul­tur­re­fe­ren­tin Ulri­ke Sie­ben­haar den Tag zusam­men. „Das tol­le Enga­ge­ment aller Betei­lig­ten sorgt dafür, dass Bam­berg eine leben­di­ge Muse­ums­stadt bleibt.“

Inter­na­tio­na­ler Muse­ums­tag auf dem Domberg

Muse­en mit Freu­de entdecken

Am 18. Mai wird der Inter­na­tio­na­le Muse­ums­tag zum 48. Mal gefei­ert. Die­ser ver­folgt das Ziel, auf die gesell­schaft­li­che Bedeu­tung der Muse­en welt­weit auf­merk­sam zu machen und Besu­che­rin­nen und Besu­cher ein­zu­la­den, deren Viel­falt zu ent­de­cken. Auch die Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen rund um den Bam­ber­ger Dom betei­li­gen sich mit einem anspre­chen­den Pro­gramm für Jung und Alt am Inter­na­tio­na­len Museumstag.

„Die gan­ze Fami­lie erwar­tet ein bun­tes und abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm. Von Ein­bli­cken in inno­va­ti­ve For­schungs­an­sät­ze über Kurz­füh­run­gen durch aktu­el­le Aus­stel­lun­gen und fas­zi­nie­ren­de Bli­cke hin­ter die Kulis­sen bis hin zu krea­ti­ven Mit­mach­ak­tio­nen und akus­ti­schen High­lights“, wie Chris­tia­ne Wen­den­burg berich­tet, die Geschäfts­füh­re­rin des Freun­des­krei­ses der Muse­en um den Bam­berg Dom und Dombergkoordinatorin.

Der Inter­na­tio­na­le Muse­ums­tag wur­de 1978 vom Inter­na­tio­na­len Muse­ums­rat ICOM – Inter­na­tio­nal Coun­cil of Muse­ums – ins Leben geru­fen, um die Öffent­lich­keit auf die Viel­falt und die Bedeu­tung der Muse­en für die Gesell­schaft auf­merk­sam zu machen. Für 2025 hat der Inter­na­tio­na­le Muse­ums­rat das Mot­to „The Future of Muse­ums in Rapidly Chan­ging Com­mu­ni­ties“, im Deut­schen „Die Zukunft der Muse­en in sich schnell ver­än­dern­den Gesell­schaf­ten“ aus­ge­wählt, um sich mit der Fra­ge zu befas­sen, wie Muse­en in einer von tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen gepräg­ten Welt agie­ren und ihren Bei­trag leis­ten können.


Kin­der spie­le­risch an Muse­en heranführen

Geöff­net sind rund um den Dom das Diö­ze­san­mu­se­um, das His­to­ri­sche Muse­um, die Neue Resi­denz mit ihren Prunk­räu­men und der Staats­ga­le­rie sowie die Staats­bi­blio­thek Bam­berg.
Alle Ein­trit­te und Pro­gramm­an­ge­bo­te sind am Inter­na­tio­na­len Muse­ums­tag kostenlos!

An sehr gute Reso­nanz beim Inter­na­tio­na­len Muse­ums­tag im ver­gan­ge­nen Jahr erin­nert sich Frau Wen­den­burg, die Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen konn­ten an die Besuchs­zah­len in Vor-Coro­na-Zei­ten anknüp­fen. „Vie­le der Muse­ums­tag-Gäs­te haben auch betont, in Zukunft öfter oder sogar regel­mä­ßig Muse­en und Aus­stel­lun­gen besu­chen zu wollen.“

Grund­sätz­lich sei das Ver­hält­nis Bam­ber­ger zu Tou­ris­ten bei den Besu­chen­den aus­ge­wo­gen, auch was die Alters­struk­tur betrifft, sei­en grund­sätz­lich alle Alters­grup­pen ver­tre­ten.
Dem­zu­fol­ge wird auch das Ange­bot am Inter­na­tio­na­len Muse­ums­tag so aus­ge­rich­tet, dass für die gesam­te Fami­lie ein inter­es­san­tes Pro­gramm gebo­ten ist. Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen seit Jah­res­be­ginn und Frau Wen­den­burg freut sich auch schon auf die inter­es­san­ten Gesprä­che mit den Besu­che­rin­nen und Besu­chern. „Die Füh­run­gen in den ein­zel­nen Häu­sern und die Info­stän­de sind für Erwach­se­ne oder inter­es­sier­te Jugend­li­che kon­zi­piert, für die Jün­ge­ren bie­ten die Ver­ant­wort­li­chen Mit­mach­sta­tio­nen, Rät­sel­bö­gen sowie Bas­tel- und Krea­tiv­work­shops an.“
Eltern oder Groß­el­tern, die ihre Kin­der bezie­hungs­wei­se Enkel­kin­der an die­sem Tag erst­mals an die The­ma­tik Muse­en her­an­füh­ren möch­ten, emp­fiehlt Frau Wen­den­burg, sich dabei nicht zu viel Pro­gramm vor­zu­neh­men, son­dern auf die Bedürf­nis­se und Wün­sche der Kin­der ein­zu­ge­hen. „Viel­leicht auch mal zwi­schen­durch eine Pau­se machen und etwas essen, auch dafür ist hier gesorgt“, rät die Dom­berg­ko­or­di­na­to­rin. „Der Muse­ums­be­such soll schließ­lich Spaß machen und ent­spre­chend in Erin­ne­rung bleiben.“

Für die Jüngs­ten wird es in allen Häu­sern Mit­mach­sta­tio­nen geben. „Bas­tel- und Krea­tiv­an­ge­bo­te wer­den bes­tens ange­nom­men und man sieht wäh­rend des Inter­na­tio­na­len Muse­ums­tags auf dem Dom­berg vie­le Kin­der, die stolz ihre “Krea­tio­nen” aus den Work­shops in den Hän­den und/​oder gebas­tel­te Kro­nen auf dem Kopf tra­gen. Die­se nie­der­schwel­li­gen Ange­bo­te sol­len Spaß machen und die­nen nicht zuletzt auch dazu, eine viel­leicht teil­wei­se noch vor­han­de­ne Scheu vor der Insti­tu­ti­on Muse­um zu neh­men“, berich­tet Frau Wen­den­burg. Im Zuge des Muse­ums­ta­ges kön­nen Inter­es­sier­te auch Ein­bli­cke in die Arbei­ten im Hin­ter­grund erhal­ten, die für Aus­stel­lun­gen und ins­ge­samt das Gelin­gen der Muse­en von­nö­ten sind. 

Die Aus­stel­lungs­in­ter­ven­ti­on “RE-CALL“ ist im His­to­ri­schen Muse­um zu sehen, Col­la­ge: Simo­na Sac­coc­cia, Foto: Muse­en der Stadt Bamberg

Die­se gibt es in der Staats­bi­blio­thek und an Info­sta­tio­nen des Kom­pe­tenz­zen­trums für Denk­mal­wis­sen­schaf­ten und Denk­mal­tech­no­lo­gien (KDWT) im Diö­ze­san­mu­se­um, in der Aus­stel­lung RE-CALL des His­to­ri­schen Muse­ums gewäh­ren die anwe­sen­den Künstler*innen Ein­bli­cke in die Muse­ums­ar­beit hin­ter den Kulissen.

Jede Kul­tur­in­sti­tu­ti­on hat mit ihrem Team ein­zel­ne Pro­gramm­punk­te für den Inter­na­tio­na­len Muse­ums­tag erar­bei­tet. Im His­to­ri­schen Muse­um ist dabei zum Bei­spiel Frau Eleo­no­ra Cagol feder­füh­rend, da sie in die­sem Muse­um die Kura­to­rin für die Kul­tu­rel­le Bil­dung ist. Ein­ge­bun­den sind immer auch die Muse­ums­lei­tung, die Ver­wal­tung und nicht zu ver­ges­sen die Mit­ar­bei­ten­den der Werk­statt, die zum Bei­spiel zusätz­li­che Stell­wän­de und Tische für Info­stän­de bereit­stel­len. „Für die Muse­ums­auf­sich­ten ist der Inter­na­tio­na­le Muse­ums­tag eben­falls ein beson­de­rer Tag – zum einen, weil das Besu­cher­auf­kom­men an sich viel höher ist als an ande­ren Tagen, zum ande­ren, weil mehr Besucher*innen ohne Muse­ums­er­fah­rung kom­men, die auf bestimm­te Regeln hin­ge­wie­sen wer­den müs­sen“, weiß Frau Wen­den­burg. „Außer­dem sind die Auf­sich­ten Anlauf­stel­le für vie­le Fra­gen, sei es die nach der nächs­ten Füh­rung oder die nach einem bestimm­ten Kunstwerk.“


Aus­stel­lungs­in­ter­ven­ti­on „RE-CALL“ im His­to­ri­schen Museum

Die erwähn­te Aus­stel­lungs­in­ter­ven­ti­on “RE-CALL“ im His­to­ri­schen Muse­um ist eine Koope­ra­ti­on der Muse­en der Stadt Bam­berg, des “Freun­des­kreis der Muse­en um den Bam­ber­ger Dom“ sowie der Ver­ei­ne “Freund statt Fremd“ und “Open­art“. 

Jugend­li­che und Erwach­se­ne kön­nen am Muse­ums­tag die inter­es­san­te Erfah­rung machen, mit jun­gen Künst­le­rin­nen und Künst­lern ins Gespräch zu kom­men. Sechs Kunst­schaf­fen­de aus fünf unter­schied­li­chen Her­kunfts­län­dern haben Kunst­wer­ke aus den Aus­stel­lun­gen des His­to­ri­schen Muse­ums aus­ge­wählt, sich mit den his­to­ri­schen Wer­ken aus­ein­an­der­ge­setzt und dar­auf mit eige­nen künst­le­ri­schen Arbei­ten reagiert. Bei­de, his­to­ri­sche und zeit­ge­nös­si­sche Wer­ke, wer­den im His­to­ri­schen Muse­um gemein­sam prä­sen­tiert. Zu sehen sind Male­rei, Gra­fik, Zeich­nung, Tex­til­kunst und Skulp­tur. Am Muse­ums­tag sind Donatel­lo Gior­gi (Ita­li­en), Evge­nia Mek­ho­va (Russ­land), Giu­sep­pe Peter­li­ni (Ita­li­en), Judith Sie­ders­ber­ger (Deutsch­land), Simo­na Sac­coc­cia (Ita­li­en), Zara Degan (Iran) vor Ort anwe­send und geben Aus­kunft zu ihren Werken.

Die ers­te Idee zu “RE-CALL“ ent­stand bei einem Tref­fen zwi­schen den Künst­le­rin­nen und Künst­lern der Grup­pe Open­Art, der Kura­to­rin der Muse­en der Stadt Bam­berg Eleo­no­ra Cagol und der Dom­berg­ko­or­di­na­to­rin. „Die ursprüng­li­che Idee war, eine Son­der­aus­stel­lung in der Vil­la Des­sau­er mit zeit­ge­nös­si­schen Kunst­wer­ken und Wer­ken aus dem Muse­ums­de­pot zu orga­ni­sie­ren, aber wir haben uns schnell ent­schlos­sen, in das His­to­ri­sche Muse­um umzu­zie­hen und einen Dia­log zwi­schen his­to­ri­schen und neu­en Kunst­wer­ken zu schaf­fen“, berich­tet Eleo­no­ra Cagol.

Die Inter­ven­ti­on hat zum Ziel, Raum für Dis­kur­se zur Gestal­tung einer demo­kra­ti­schen, par­ti­zi­pa­ti­ven und inklu­si­ven Gesell­schaft zu schaf­fen. „Daher war wich­tig, den Künst­le­rin­nen und Künst­lern so viel Frei­heit wie mög­lich zu las­sen: Nach­dem wir uns auf das The­ma des Dia­logs zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart geei­nigt hat­ten, konn­ten sie das Werk bezie­hungs­wei­se die Wer­ke aus­wäh­len, mit dem bezie­hungs­wei­se denen sie in den Dia­log tre­ten woll­ten.“ Auch die Tech­ni­ken und The­men der neu­en Wer­ke, die für die Inter­ven­ti­on geschaf­fen wur­den, wur­den von den Künst­le­rin­nen und Künst­lern selbst gewählt.

Alle Künst­le­rin­nen und Künst­ler leben und arbei­ten in oder bei Bam­berg. Die Idee der Ver­ant­wort­li­chen war es, den hier leben­den Künst­le­rin­nen und Künst­lern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund einen Dia­log mit den Wer­ken in den Samm­lun­gen der Stadt zu ermög­li­chen und ihre Visi­on zu präsentieren.

Und gera­de weil ein par­ti­zi­pa­ti­ves Pro­jekt geschaf­fen wer­den soll­te, sind die Kunst­schaf­fen­den auch in das Rah­men­pro­gramm der Inter­ven­ti­on ein­ge­bun­den, zum Bei­spiel beim Muse­ums­tag. Nicht nur die Inter­ven­ti­on, son­dern das gesam­te Rah­men- und Bil­dungs­pro­gramm, greift aktu­el­le The­men wie Migra­ti­on, LGBTQIA+, Kli­ma­kri­se und Inklu­si­on auf. „Als Orte des Aus­tauschs, des Dia­logs, der Kon­tro­ver­se und der Iden­ti­tät haben Muse­en gera­de in Kri­sen­zei­ten eine hohe gesell­schaft­li­che Bedeu­tung. Die Muse­en der Stadt Bam­berg set­zen sich ein für Welt­of­fen­heit, für einen respekt­vol­len und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Umgang mit­ein­an­der, für kon­se­quen­te Gleich­be­rech­ti­gung von Men­schen in allen Dimen­sio­nen der Viel­falt“, betont Frau Cagol und knüpft an das dies­jäh­ri­ge Mot­to des Muse­ums­tags „Die Zukunft der Muse­en in sich schnell ver­än­dern­den Gesell­schaf­ten“ an.

Gedrech­sel­ter Pokal aus dem 18. Jahr­hun­dert, Foto: Klaus Tenschert

Am Muse­ums­tag wer­den zwei der Künst­le­rin­nen einen Work­shop zum The­ma “Demo­kra­tie braucht Kunst” durch­füh­ren, ande­re Künst­le­rin­nen und Künst­ler sowie die Kura­to­rin wer­den in den Räu­men der Inter­ven­ti­on anwe­send sein, um mit dem Publi­kum ins Gespräch zu kom­men, und der Muse­ums­tag wird mit einem von der Grup­pe orga­ni­sier­ten Kon­zert enden.


Samm­lung des His­to­ri­schen Ver­eins Bam­berg:
Aktu­el­les The­ma „Zunft und Handwerk“

Im His­to­ri­schen Muse­um, das am Muse­um­tag von 10 bis 17 Uhr geöff­net hat, wird es in die­sem Zeit­raum außer­dem Kurz­füh­run­gen von etwa 20 bis 30 Minu­ten Dau­er in drei Aus­stel­lun­gen geben. Die Aus­stel­lung „Eine neue Zeit bricht an. Bam­bergs Bür­ger­tum zwi­schen Roman­tik und Grün­der­zeit“ erzählt vom Enga­ge­ment der Bam­ber­ger Bür­ger­schaft für das Wohl­erge­hen ihrer Stadt, von neu­en Ideen und dem Wan­del des Geschmacks in der Kunst. Por­träts zei­gen bedeu­ten­de Per­sön­lich­kei­ten aus dem Bam­ber­ger Bür­ger­tum. Von über­re­gio­na­ler Bedeu­tung sind die Zeug­nis­se aus dem Schmidt’schen Por­zel­lan­mal­in­sti­tut in Bamberg.

Der His­to­ri­sche Ver­ein besitzt unter ande­rem eine gro­ße Samm­lung kunst- und kul­tur­ge­schicht­li­cher Objek­te. Beson­ders wäh­rend der ers­ten 40 Jah­re der Ver­eins­ge­schich­te gin­gen zahl­rei­che Schen­kun­gen vor allem aus dem begü­ter­ten Kreis der Bevöl­ke­rung ein: prä­his­to­ri­sche Fun­de, Mün­zen und Medail­len, Hand­schrif­ten und Bücher, Gra­fi­ken, Gemäl­de und Kunst­ge­gen­stän­de. In sei­ner Stu­dio­aus­stel­lung „Der His­to­ri­sche Ver­ein Bam­berg und sei­ne Samm­lung“ im His­to­ri­schen Muse­um stellt der His­to­ri­sche Ver­ein Bam­berg High­lights die­ser umfang­rei­chen Samm­lun­gen aus.
Das dies­jäh­ri­ge The­ma der Stu­dio­aus­stel­lung lau­tet „Zunft und Hand­werk“. Seit dem Mit­tel­al­ter schlos­sen sich selb­stän­di­ge Hand­wer­ker und Gewer­be­trei­ben­de in eine meist berufs­spe­zi­fi­sche Inter­es­sens­ge­mein­schaft zusam­men, die mit ver­bind­li­chen Regeln und Geset­zen den Umgang inner­halb der soge­nann­ten Zunft regel­ten. Erst mit der Ein­füh­rung der aka­de­mi­schen Aus­bil­dun­gen bei künst­le­ri­schen Beru­fen und spä­ter der Gewer­be­frei­heit im 19. Jahr­hun­dert wur­de das stren­ge Zunft­we­sen schließ­lich auf­ge­ge­ben. In den Samm­lun­gen des His­to­ri­schen Ver­eins sind zahl­rei­che Zeug­nis­se mit Bezug zu unter­schied­li­chen Zünf­ten erhal­ten. Im All­ge­mein sind hier­zu nur die reprä­sen­ta­ti­ven und daher begehr­ten Zunft­la­den bekannt. In der dies­jäh­ri­gen Stu­dio­aus­stel­lung wer­den Expo­na­te gezeigt, die zum Teil zu den Inhal­ten der Zunft­la­den zäh­len könn­ten, aber iso­liert zu die­sen Bezug unbe­kannt und fast ver­ges­sen erschei­nen dürften.

Die Aus­stel­lung „Jüdi­sches in Bam­berg“ zeigt Spu­ren auf, die seit dem Mit­tel­al­ter in Fran­ken leben­de Jüdin­nen und Juden hin­ter­las­sen haben. Anhand his­to­ri­scher Quel­len, zahl­rei­cher Kunst- und All­tags­ge­gen­stän­de und von Zeit­zeu­gen­be­rich­ten berich­tet die Aus­stel­lung von der wech­sel­vol­len Geschich­te, dem Ende und Neu­be­ginn jüdi­schen Lebens in Bamberg.


Ein­bli­cke in For­schungs­in­itia­ti­ven am Diözesanmuseum

Im Diö­ze­san­mu­se­um kann man am Muse­ums­tag von 13 bis 17 Uhr in die Welt der For­schung anhand von Tex­ti­li­en, Gemäl­den, und Stein­skulp­tu­ren ein­tau­chen. Das Diö­ze­san­mu­se­um Bam­berg und das Kom­pe­tenz­zen­trum für Denk­mal­wis­sen­schaf­ten und Denk­mal­tech­no­lo­gien (KDWT) bie­ten span­nen­de Ein­bli­cke in ihre gemein­sa­men Pro­jek­te. An ver­schie­de­nen Sta­tio­nen im Muse­um kön­nen Besu­cher die Koope­ra­ti­on die­ser Insti­tu­tio­nen ent­de­cken und mehr über ihre For­schungs­in­itia­ti­ven erfahren.

Die For­schung an Tex­ti­li­en wird am Bei­spiel der Kai­ser­ge­wän­der sicht­bar gemacht. Die Kai­ser­ge­wän­der aus dem ers­ten Vier­tel des 11. Jahr­hun­derts zäh­len zu den ältes­ten erhal­te­nen Gewän­dern euro­päi­scher Herr­scher. Hier kön­nen Inter­es­sier­te erfah­ren, wie moderns­te For­schungs­me­tho­den – wie zum Bei­spiel Licht- und Faser­mi­kro­sko­pie sowie ana­ly­ti­sche Ras­ter­elek­tro­nen­mi­kro­sko­pie mit ener­gie­di­sper­si­ver Spek­tral­ana­ly­se – neue Ein­bli­cke in die Her­stel­lung und Erhal­tung die­ser his­to­ri­schen Schät­ze ermöglichen.

Im Diö­ze­san­mu­se­um bie­tet das KDWT Ein­bli­cke in die For­schung an Stein­skulp­tu­ren. Foto: KDWT

Die For­schung an Tafel­ge­mäl­den kom­bi­niert ver­schie­de­ne kunst­tech­no­lo­gi­sche, natur­wis­sen­schaft­li­che und kon­ser­va­to­ri­sche Metho­den, um wert­vol­le Ein­bli­cke in die Ent­ste­hung, Ver­än­de­run­gen und den Zustand von Tafel­ge­mäl­den zu gewin­nen. Mit­tels Infra­rot­re­flek­to­gra­fie kön­nen zum Bei­spiel ver­bor­ge­ne Unter­zeich­nun­gen durch Infra­rot­strah­lung sicht­bar gemacht werden.

Die Unter­su­chung von Stein­ober­flä­chen mit­tel­al­ter­li­cher Bau­plas­tik eröff­net Ein­bli­cke in die Geschich­te und Ent­wick­lung die­ser Kunst­wer­ke. Durch den Ein­satz moder­ner, zer­stö­rungs­frei­er High­tech-Metho­den kön­nen For­schen­de wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über die Ent­ste­hung, Ver­än­de­run­gen und den Zustand der Skulp­tu­ren gewinnen.

Außer­dem kann die aktu­el­le Son­der­aus­stel­lung “2x Pom­mern und zurück – Hei­li­ger Otto von Bam­berg” besucht wer­den, die einen Ein­blick in das Leben und Wir­ken von Bischof Otto bie­tet.
Auf­hän­ger für die Aus­stel­lung ist die 900. Wie­der­kehr der ers­ten Mis­si­ons­rei­se Ottos in den Jah­ren 1124 bis 1125 nach Pom­mern, 1128 erfolg­te die zwei­te. Die Rei­sen des ein­zi­gen hei­lig­ge­spro­che­nen Bam­ber­ger Bischofs Otto ver­än­der­ten nicht nur die reli­giö­se Land­schaft, son­dern beein­fluss­ten auch die poli­ti­schen Macht­ver­hält­nis­se in Pom­mern. Die­se Aus­stel­lung lädt ein, den span­nen­den Lebens­weg des Bischofs zu ent­de­cken, der vor 900 Jah­ren zu Fuß, zu Pferd und mit dem Schiff mit dem Ziel der Chris­tia­ni­sie­rung an die Küs­ten Pom­merns reis­te.
Beein­dru­cken­de Leih­ga­ben des Pol­ni­schen Natio­nal­mu­se­ums in Stet­tin geben einen fas­zi­nie­ren­den Ein­blick in das Leben der Bevöl­ke­rung und die dama­li­ge Kul­tur. Doch auch in Bam­berg selbst hin­ter­ließ Otto blei­ben­de Spu­ren: Vom Reli­qui­en­kult bis zu Kunst­wer­ken und Kir­chen­aus­stat­tun­gen zeigt die Aus­stel­lung, wie sein Wir­ken bis heu­te nachhallt.

Auch Biblio­phi­le kom­men am Muse­ums­tag auf ihre Kos­ten: Im Diö­ze­san­mu­se­um fin­det ein Dublet­ten­ver­kauf der Biblio­thek des Metro­po­li­tan­ka­pi­tels statt. Durch Geschen­ke und Nach­läs­se kom­men immer wie­der Bücher in die­se Biblio­thek, die hier schon vor­han­den sind. Die­se Bücher sind je nach Inter­es­sens­ge­biet des Nach­las­sen­den oder Schen­ken­den aus ganz ver­schie­de­nen Sach­ge­bie­ten, mit einem Schwer­punkt auf Kunst, Reli­gi­on und Regio­nal­li­te­ra­tur. Sie sind durch­wegs sehr gut erhal­ten und es wert einen neu­en Besit­zer zu finden.


Freun­des­kreis bie­tet ideell und mate­ri­ell Unter­stüt­zung der Muse­en am Domberg

Wie an den Info­sta­tio­nen des KDWT im Diö­ze­san­mu­se­um wird es auch in der Staats­bi­blio­thek Ein­bli­cke in die Muse­ums­ar­beit hin­ter den Kulis­sen geben. „Ein inter­es­san­tes und span­nen­des Ange­bot sind sicher die Werk­statt­ge­sprä­che zur Buch­re­stau­rie­rung mit Jes­si­ca Leit­ner“, ist Chris­tia­ne Wen­den­burg über­zeugt. Denn die Buch­re­stau­ra­to­rin prä­sen­tiert nicht nur Buch­ein­bän­de und alte Hef­tun­gen aus­ge­wähl­ter Bei­spie­le aus den Samm­lun­gen der Biblio­thek, son­dern erläu­tert auch, wel­che Arbei­ten anste­hen, bevor wert­vol­le Bücher als Leih­ga­ben außer Haus gehen.

Die Staats­bi­blio­thek Bam­berg in der Neu­en Resi­denz öff­net von 11 bis 15 Uhr ihre Türen und ab Beginn bis um 14.15 Uhr gibt es im drei­vier­tel­stün­di­gen Tur­nus halb­stün­di­ge Werk­statt­ge­sprä­che.
Wei­ter­hin las­sen Füh­run­gen durch die einst fürst­bi­schöf­li­chen Schau­räu­me mit his­to­ri­schem Inven­tar und Bücher­be­stän­den aus dem Zeit­raum vom 16. bis zum 19. Jahr­hun­dert in die Geschich­te der Neu­en Resi­denz und der Staats­bi­blio­thek ein­tau­chen. Biblio­theks­di­rek­to­rin Prof. Dr. Bet­ti­na Wag­ner per­sön­lich führt durch die Aus­stel­lung “Schö­ner Schein“.
Die­se zeigt Fak­si­mi­le-Aus­ga­ben eini­ger berühm­ter Hand­schrif­ten, dar­un­ter mit­tel­al­ter­li­che Pracht­co­di­ces, eines der ältes­ten Bücher, das in Bam­berg erschien, und ein erschüt­tern­des Doku­ment aus der Zeit der Hexen­ver­fol­gung.
Im Lese­saal wer­den aus­ge­wähl­te Zeich­nun­gen aus der 80.000 Blät­ter umfas­sen­den Gra­fik­samm­lung der Staats­bi­blio­thek prä­sen­tiert und fach­kun­dig erläutert.

Kin­der haben in der Bas­tel­werk­statt die Mög­lich­keit, sich Lese­zei­chen aus schö­nen Papie­ren zu bas­teln. Unter pro­fes­sio­nel­ler Anlei­tung kön­nen lus­ti­ge Ecken­mons­ter gestal­tet oder Lese­zei­chen in Ori­ga­mi­tech­nik gefal­tet wer­den – um künf­tig nie wie­der zu ver­ges­sen, auf wel­cher Sei­te man am Tag zuvor sein Buch zuge­klappt hat.

Die Neue Resi­denz mit Prunk­räu­men und Staats­ga­le­rie hat von 9 bis 18 Uhr geöff­net und bie­tet Füh­run­gen durch das Fürst­bi­schöf­li­che Appar­te­ment im Halbstundentakt.

Auch der Freun­des­kreis der Muse­en um den Bam­ber­ger Dom wird sich vor Ort mit einem Info­stand prä­sen­tie­ren.
Der Freun­des­kreis der Muse­en um den Bam­ber­ger Dom ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Muse­en auf dem Dom­berg zu beglei­ten und ihre Arbeit ideell, aber auch mate­ri­ell zu unter­stüt­zen. „Der Ver­ein ver­steht sich als Bin­de­glied zwi­schen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern und den jewei­li­gen Muse­en“, erläu­tert die 1. Vor­sit­zen­de des Ver­eins und Kunst­his­to­ri­ke­rin Vera Mamerow.

Die Staats­bi­blio­thek prä­sen­tiert Fak­si­mi­le-Aus­ga­ben berühm­ter mit­tel­al­ter­li­cher Hand­schrif­ten. Foto: Staats­bi­blio­thek Bam­berg, Gerald Raab

„Sei­ne Mit­glie­der­schaft ist sehr viel­fäl­tig und von bekann­ten Bam­ber­ger Fir­men bis zu Per­sön­lich­kei­ten des öffent­li­chen Lebens der Stadt spre­chen wir alle an, denen die Kul­tur unse­rer Welt­erbe­stadt und deren ein­zig­ar­ti­ge Muse­ums­land­schaft am Her­zen lie­gen.“ Nach einer Neu­auf­stel­lung des Vor­stands im Dezem­ber 2024 mit der neu­en Vor­sit­zen­den Vera Mame­row und der Stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den Dr. Bir­git Kast­ner möch­te der Ver­ein den Fokus wie­der mehr auf die kul­tu­rel­le Bil­dung und Ver­an­stal­tun­gen zur Öff­nung der Muse­en in die Stadt­ge­sell­schaft legen. Daher ist der kom­men­de Muse­ums­tag eine Chan­ce für den Ver­ein, um für enga­gier­te Part­ner zu wer­ben. „Um das Ange­bot an kul­tu­rel­ler Bil­dung in den Muse­en und somit die Par­ti­zi­pa­ti­on beson­ders jun­ger Muse­ums­be­su­che­rin­nen und ‑besu­cher zu beför­dern, braucht es finan­zi­el­le Unter­stüt­zung, die der Ver­ein durch das Ein­wer­ben von Spen­den ger­ne ergänzt“, bekräf­tigt Eleo­no­ra Cagol, Mit­glied des Vor­stands und Mit­ar­bei­te­rin des His­to­ri­schen Museums.

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zum Pro­gramm­ab­lauf sind auf der Home­page zu finden.

Nach­le­ben Kai­ser Hein­richs II.

Aus­stel­lung Staats­bi­blio­thek: Leuch­ten­de Wunderzeichen

Auch die Staats­bi­blio­thek Bam­berg betei­ligt sich am 1000. Todes­jahr Hein­richs II. In der Aus­stel­lung „Leuch­ten­de Wun­der­zei­chen: Das Nach­le­ben Kai­ser Hein­richs II. in der Frü­hen Neu­zeit“ nähert sie sich dem Bis­tums­grün­der anhand der Legen­den, die ihn umge­ben, und ihrer media­len Auf­be­rei­tung in den Jahrhunderten.

Obwohl das Kai­ser­paar Hein­rich II. und Kuni­gun­de im Jahr 1500 schon fast 500 Jah­re tot war, dau­er­te ihre Ver­eh­rung vor allem in Bam­berg, dem Ort ihrer letz­ten Ruhe, an. Etwa um die­se Zeit wuchs ihre Pro­pa­gie­rung sogar noch ins Über­re­gio­na­le. Was war geschehen?

Vor­aus­ge­gan­gen waren beleg­ba­re Groß­ereig­nis­se, deren Ange­den­ken sich Gene­ra­ti­on für Gene­ra­ti­on fort­setz­te. Dazu gehör­ten die Bis­tums­grün­dung 1007 oder zwei Hei­lig­spre­chun­gen (Hein­rich wur­de 1146 in die­sen Stand erho­ben, Kuni­gun­de 1200) samt der Tat­sa­che, dass dies seit­dem kei­nem ande­ren Kai­ser­paar zuteil­ge­wor­den ist.

Aber auch eine Hand­voll Legen­den, die das Leben des Kai­ser­paars umge­ben, tru­gen zur fort­dau­ern­den Ver­eh­rung bei – das Hein­richs­fest auf dem Dom­platz wird in Bam­berg heu­te noch began­gen. Kuni­gun­des Feu­er­pro­be oder ihr Pfen­nig­wun­der sind nur zwei der Mythen. Beim ers­ten lief sie zum Beweis ihrer ehe­li­chen Treue über glü­hen­de Pflug­scha­ren – und zwar unver­letzt –, beim zwei­ten konn­te auf wun­der­sa­me Wei­se jeder am Bau von St. Ste­phan betei­lig­te Arbei­ter nur so viel Lohn aus einer von der Kai­se­rin gereich­ten Scha­le neh­men, wie ihm gerech­ter­wei­se zustand. Und Hein­rich soll zum Bei­spiel einst im Schlaf von Nie­ren­stei­nen befreit wor­den sein. Im Traum war ihm der hei­li­ge, mit einem Mes­ser bewehr­te Bene­dikt erschie­nen. Als der Kai­ser erwach­te, waren die Schmer­zen weg und in der Hand hielt er die Nierensteine.

Gute Geschich­ten also, um den Legen­den­sta­tus des Kai­ser­paa­res über die Jahr­hun­der­te zu ret­ten. Drei Bege­ben­hei­ten, die sich alle um das Jahr 1500 her­um zutru­gen, soll­ten der Pro­pa­gie­rung der Ver­eh­rung Hein­richs und Kuni­gun­des aber einen andau­ern­den Schub versetzen.

Erst gestal­te­te Bild­hau­er Til­man Rie­men­schnei­der das Kai­ser-Dop­pel­grab, das sich bis heu­te im Bam­ber­ger Dom befin­det. Die Reli­efs des Sar­ko­phags zei­gen bild­lich-ein­drück­lich die genann­ten und wei­te­re Legen­den. Dann unter­nahm das Bis­tum Anstren­gun­gen, mög­lichst vie­le Pil­ger zum Grab zu locken und mit den Legen­den in Kon­takt zu brin­gen. Und dann begann der etwa 1440 erfun­de­ne Buch­druck sei­nen Weg nach Bam­berg zu fin­den. Bücher, die etwa die Kai­ser­le­gen­den zum Inhalt hat­ten, aber vor­her hand­schrift­lich her­ge­stellt wer­den muss­ten, konn­ten nun anhand die­ser tech­ni­schen Neue­rung leich­ter ver­viel­fäl­tigt, unters Volk gebracht und regio­nal und über­re­gio­nal bekann­ter gemacht werden.

In ihrer Aus­stel­lung „Leuch­ten­de Wun­der­zei­chen: Das Nach­le­ben Kai­ser Hein­richs II. in der Frü­hen Neu­zeit“ geht die Staats­bi­blio­thek Bam­berg auf die media­le Fort­schrei­bung des Lebens und der Wun­der­ta­ten des Kai­ser­paars seit 1500 ein.

His­to­ri­sche Quel­len der Legenden

„Die Aus­stel­lung“, sagt Bet­ti­na Wag­ner, Kura­to­rin der Schau und Lei­te­rin der Staats­bi­blio­thek, „kon­zen­triert sich auf die Wir­kungs­ge­schich­te Hein­richs im Buch­druck vom spä­ten 15. bis in das frü­he 20. Jahr­hun­dert. Unse­re Absicht ist es zu zei­gen, wel­che Aspek­te des Kai­sers im Lau­fe der Jahr­hun­der­te medi­al in den Vor­der­grund gerückt wur­den.“ So wur­de um 1500 vor­nehm­lich die Ver­eh­rung pro­pa­giert, ehe seit dem 17. Jahr­hun­dert ein wis­sen­schaft­li­che­rer Umgang mit dem Leben des Bis­tums­grün­ders im Vor­der­grund stand. Im Jahr 1924, dem 900. Todes­jahr, ging es dann vor­nehm­lich um eine publi­kums­wirk­sa­me Insze­nie­rung von Hein­richs Leben.

Aber wohl­ge­merkt, die inhalt­li­che Sei­te die­ser Wun­der­ta­ten, also die Berich­te über die­se „Leuch­ten­den Wun­der­zei­chen“, haben sich über die Jahr­hun­der­te kaum ver­än­dert. Ledig­lich ihre media­le Prä­sen­ta­ti­on nahm ande­re For­men an. Das heißt, die Geschichts­schrei­bung über das Kai­ser­paar aus dem 16. Jahr­hun­dert muss­te auf die­sel­ben, weni­gen Quel­len zurück­grei­fen wie im 18. oder 20. Jahrhundert.

Eine sol­che Quel­le stellt eine Chro­nik dar, die der Bischof Thiet­mar von Mer­se­burg Anfang des 11. Jahr­hun­derts schrieb. Eine wei­te­re ist eine deutsch­spra­chi­ge Vita von Hein­rich und Kuni­gun­de aus dem 13. Jahr­hun­dert, die Eber­nand von Erfurt ver­fass­te und die hand­schrift­lich über­lie­fert ist. „Die­se Schrif­ten sind lite­ra­risch sicher­lich über­formt“, sagt Bet­ti­na Wag­ner, „aber wor­auf wir an zeit­ge­nös­si­schen Quel­len zurück­grei­fen kön­nen, wie Thiet­mar von Mer­se­burg, der Hein­richs poli­ti­sches Wir­ken beschrieb, ist schon akku­rat. Was jedoch im Lauf der Zeit immer mehr aus­ge­schmückt wur­de, sind die legen­den­haf­ten Erzäh­lun­gen, auch um christ­li­che Wer­te zu propagieren.“

Wobei in die­sen Erzäh­lun­gen durch­aus auch Kri­tik mit­schwin­gen konn­te. Nicht so sehr am Kai­ser als zum Bei­spiel Kriegs­herr – das war sei­ne all­seits akzep­tier­te poli­ti­sche Auf­ga­be –, doch aber am Kai­ser als Per­son. So zeigt eine Illus­tra­ti­on aus dem Stett­fel­der, dazu gleich mehr, eine Sze­ne zur Pflugscharen-Legende.

Die des Ehe­bruchs ver­däch­tig­te Kuni­gun­de hat ihre öffent­li­che Prü­fung mit den glü­hen­den Eisen dank himm­li­schen Bei­stands gera­de unbe­scha­det über­stan­den. Vor­her beteu­er­te sie eben­so öffent­lich, dass sie ohne­hin noch unbe­rührt sei – also auch von ihrem Ehe­mann. Davon fühl­te sich Hein­rich zu einem der­art har­ten Schlag ins Gesicht der Kai­se­rin pro­vo­ziert, dass Kuni­gun­de Blut aus dem Mund lief.

Leuchtende Wunderzeichen
„Pflug­schar­wun­der“, kolo­rier­ter Holz­schnitt aus Non­no­sus Stett­fel­ders „Dye legend und leben des Heyli­gen sandt Key­ser Hein­richs“, 1511, Foto: Gerald Raab, Staats­bi­blio­thek Bamberg
Non­no­sus Stett­fel­ders Bestseller

Die Chro­ni­ken aus dem 11. und 13. Jahr­hun­dert befin­den sich zwar bei­de nicht in der Aus­stel­lung der Staats­bi­blio­thek, zwei Wer­ke, die auf sie Bezug neh­men, aber schon. So han­delt eine Pas­sa­ge der „Sche­del­schen Welt­chro­nik“, eine illus­trier­te Dar­stel­lung der Welt­ge­schich­te des Nürn­ber­ger His­to­ri­kers Hart­mann Sche­del, geschaf­fen 1493, vom Leben des Kai­ser­paars und sei­ner Taten.

Ein abzwei­gungs­rei­cher Holz­schnitt zeigt dar­in etwa den Stamm­baum von Hein­rich und Kuni­gun­de, der Text wid­met sich Feld­zü­gen und der Kai­ser­krö­nung. Auch Hein­richs Rei­se ins mit­tel­ita­lie­ni­sche Mon­te­cas­si­no, wo er der Legen­de nach von sei­nen Nie­ren­stei­nen geheilt wur­de, kommt vor.

Die­se mit den neu­en Mög­lich­kei­ten des Buch­drucks ver­viel­fäl­tig­te Chro­nik war dann auch eines jener Wer­ke, die Anfang des 16. Jahr­hun­derts die Ver­brei­tung und Stei­ge­rung der Bekannt­heit des Kai­ser­paars för­der­ten. Den etwa um die­sel­be Zeit ent­stan­de­nen Schrif­ten des Michels­ber­ger Mönchs Non­no­sus Stett­fel­der über Hein­rich und Kuni­gun­de gelang es jedoch, die Ver­eh­rung der bei­den zu zemen­tie­ren. Inhalt­lich ori­en­tier­ten auch sie sich an den Vor­la­gen vor­an­ge­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te, pro­fi­tier­ten aber, was ihre Ver­brei­tung anging, sehr vom Buch­druck. „An den Erzäh­lun­gen über Hein­rich und Kuni­gun­de hat sich weder bei Sche­del, noch bei Stett­fel­der fun­da­men­tal etwas geän­dert“, sagt Bet­ti­na Wag­ner. „Aber vor allem auf Stett­fel­der geht der Ruhm des Kai­ser­paa­res zurück.“

Der Buch­druck hat­te dabei einen der­ar­ti­gen Ein­schlag, dass damals um 1500 nicht nur die Bam­ber­ger Bevöl­ke­rung gut mit Stett­fel­ders Werk ver­sorgt wer­den konn­te. Noch heu­te sind allein im Bestand der Staats­bi­blio­thek meh­re­re Exem­pla­re davon erhal­ten. So ist es auch mög­lich, für die Aus­stel­lung ver­schie­de­ne Sei­ten der Bücher auf­ge­schla­gen gleich­zei­tig zu zei­gen. So kann das Publi­kum nicht nur die Text­an­tei­le ins Auge neh­men, son­dern auch die detail­rei­chen Illus­tra­tio­nen. Die­se Bil­der zei­gen zum Bei­spiel das Pfen­nig­wun­der und neh­men so direk­ten Bezug zum Riemenschneideraltar.

Leuchtende Wunderzeichen
Pla­kat zum Fest­spiel aus Anlass des 900. Todes­tags Kai­ser Hein­richs, 1924, Foto: Gerald Raab, Staats­bi­blio­thek Bamberg
Ver­ständ­nis der Vergangenheit

Auf­ge­teilt ist „Leuch­ten­de Wun­der­zei­chen: Das Nach­le­ben Kai­ser Hein­richs II. in der Frü­hen Neu­zeit“ auf zwei Räu­me, die etwa 40 Expo­na­te beher­ber­gen. Im einen geht es schwer­punkt­mä­ßig um das Werk Stett­fel­ders und die „Sche­del­sche Welt­chro­nik“, der ande­re Raum zeigt neu­zeit­li­che, dem 18. und 20. Jahr­hun­dert ent­stam­men­de Dar­stel­lun­gen und Wer­ke. So wur­de der Hein­richs­ver­eh­rung etwa um 1730 ein wei­te­rer Schub zuteil. Damals ent­stand ein Kata­log der Dom­bi­blio­thek, in dem die Schrif­ten auf­ge­führt sind, und man begann, die Buch­ma­le­rei aus den 700 Jah­re älte­ren Hand­schrif­ten zu repro­du­zie­ren und die Bücher zu erfor­schen. „Beson­ders die Säku­la­ri­sa­ti­on trug zur Bekannt­heit der von Hein­rich gestif­te­ten Hand­schrif­ten bei“, sagt Bet­ti­na Wag­ner. Seit 1803 waren die Bücher in der heu­ti­gen Staats­bi­blio­thek zugäng­lich und gewan­nen dadurch an Bekannt­heit, genau wie durch ihre wis­sen­schaft­li­che Erfor­schung, die der ers­te Direk­tor, Hein­rich Joa­chim Jaeck, einleitete.

1924, 900 Jah­re nach Hein­richs Tod, kamen wei­te­re Ver­mitt­lungs­for­men hin­zu. „Beim Jubi­lä­um vor 100 Jah­ren ging es stark dar­um, anhand des Erbes Hein­richs wie­der eine Art hoff­nungs­vol­le Stim­mung zu schaf­fen nach dem ver­lo­re­nen 1. Welt­krieg“, sagt Bet­ti­na Wag­ner. „Damals gab es ein Fest­spiel und Thea­ter­stü­cke, die das Hein­richs­bild wie­der popu­lär machen soll­ten.“ Jedoch, wie in den Jahr­hun­der­ten zuvor, erneut mit dem glei­chen Inhalt. Trotz­dem oder ent­spre­chend war das Jubi­lä­um ein rie­si­ges öffent­li­ches Event, mit einer enor­men Men­schen­mas­se auf dem Dom­berg, ange­lockt unter ande­rem durch in der gan­zen Regi­on ver­teil­te Pla­ka­te. Eines davon zeigt die Staats­bi­blio­thek eben­falls in der Ausstellung.

Was die Aus­stel­lung nicht zeigt, sind heu­ti­ge Dar­stel­lungs­for­men der Hein­richs- und Kuni­gun­den­le­gen­den. Bezie­hungs­wei­se sie zeigt, dass die Legen­den und ihre frü­he­ren Dar­stel­lungs­for­men heu­te eher musea­len Reiz besit­zen. Gleich­zei­tig ver­deut­licht die Schau aller­dings auch, wie sich das Medi­um des Buchs oder des Drucks in den Jah­ren änder­te und vor allem wie das heu­ti­ge Ver­ständ­nis der Ver­gan­gen­heit von den media­len Mög­lich­kei­ten der Ver­gan­gen­heit beein­flusst ist.

Die Aus­stel­lung „Leuch­ten­de Wun­der­zei­chen: Das Nach­le­ben Kai­ser Hein­richs II. in der Frü­hen Neu­zeit“ in der Staats­bi­blio­thek beginnt am 16. Sep­tem­ber und geht bis 14. Dezember.

200. Todes­jahr E.T.A. Hoffmann

Aus­stel­lung „Unheim­lich Fantastisch“

Die Staats­bi­blio­thek Bam­berg zeigt noch bis zum 22. Okto­ber zum 200. Todes­jahr von E.T.A. Hoff­mann die Aus­stel­lung „Unheim­lich Fan­tas­tisch“. Auf Kul­tur­schaf­fen­de wie ihn geht zurück, dass in der roman­ti­schen Epo­che des 19. Jahr­hun­derts der Begriff des Uni­ver­sal­künst­lers auf­kam. Sei­ne lite­ra­ri­schen Wer­ke präg­ten eine lite­ra­ri­sche Gat­tung und sei­ne Gesell­schafts- und Kunst­kri­ti­ken beein­fluss­ten die ihri­ge. Zudem zeig­te er gro­ße Pro­duk­ti­vi­tät als Zeich­ner und Kom­po­nist. Maß­geb­li­chen Ein­fluss auf sei­ne Lauf­bahn als Künst­ler hat­te indes Bamberg.

„Obwohl es in Bam­berg das ETA Hoff­mann Thea­ter, das ETA Gym­na­si­um und den Hund „Bergan­za“ im Hain gibt“, sagt Prof. Dr. Bet­ti­na Wag­ner, Direk­to­rin der Bam­ber­ger Staats­bi­blio­thek, „Orte also, an denen man sich E.T.A. Hoff­manns durch­aus bewusst wer­den könn­te, befürch­te ich, dass vie­le in der Stadt mit sei­nem unglaub­lich viel­sei­ti­gen Werk nicht ver­traut sind.“ Um dem ein wenig gegen­zu­steu­ern und anläss­lich des 200. Todes­jah­res des Autors, Zeich­ners, Kri­ti­kers, Kom­po­nis­ten und Juris­ten Ernst Theo­dor Wil­helm Hoff­mann Hoff­mann (1776 bis 1822) zeigt die Staats­bi­blio­thek die Aus­stel­lung „Unheim­lich Fantastisch“.

Zu sehen seit Ende Juli, prä­sen­tiert die Schau knapp 50 Stü­cke aus dem Bestand der Biblio­thek, die neben der Staats­bi­blio­thek Ber­lin die welt­weit größ­te Samm­lung zu Hoff­mann besitzt. Umrahmt wird das Gan­ze von Spe­zi­al-Füh­run­gen, zeit­ge­nös­si­scher Instal­la­ti­on und Konzerten.

Der Uni­ver­sal­künst­ler

Der Titel der Aus­stel­lung spielt zwar mit der vor­nehm­li­chen popu­lä­ren Wahr­neh­mung Hoff­manns, die Schau selbst legt ihren Schwer­punkt aber nicht allein auf ihn als Autor von Schau­er­ge­schich­ten. Der Spitz­na­me, den ihm Zeit­ge­nos­sen einst ver­lie­hen haben – Gespens­ter-Hoff­mann – kam im Ange­sicht sei­ner gen­re-defi­nie­ren­den Wer­ke wie des Romans „Die Eli­xie­re des Teu­fels“ oder der Erzäh­lung „Der Sand­mann“ durch­aus nicht von unge­fähr. Der All­roun­der Hoff­mann beschränk­te sich aber nicht nur auf die Dar­stel­lung fan­tas­ti­scher Welten.

„Sei­ne lite­ra­ri­sche Bedeu­tung für die Roman­tik“, sagt Bet­ti­na Wag­ner, „war dar­um so groß, weil er eigent­lich alle ihre Spiel­ar­ten ver­kör­per­te. Dunk­le und abwe­gi­ge The­men bear­bei­te­te er genau­so wie neue gesell­schaft­li­che Aspek­te, die durch die Selbst­be­ob­ach­tung und tech­ni­schen Fort­schritt zustan­de gekom­men waren.“

Als ein High­light der Aus­stel­lung bezeich­net Frau Wag­ner das Ori­gi­nal-Manu­skript der Hoff­mann-Erzäh­lung „Meis­ter Mar­tin der Küf­ner und sei­ne Gesel­len“, die eher in die Rich­tung eines Lust­spiels geht. „Das ist eines der weni­gen Werk­ma­nu­skrip­te, das erhal­ten geblie­ben ist.“

Wei­te­re Originale

Wei­te­re Ori­gi­na­le des Künst­lers ent­stam­men vor allem sei­nem zeich­ne­ri­schen Schaf­fen, einer wei­te­ren Säu­le sei­nes Werks. Das groß­for­ma­ti­ge Dop­pel­por­trät (sie­he unten) sei­ner selbst und sei­nes Freun­des Adal­bert Fried­rich Mar­cus, ein Arzt und Kunst­för­de­rer, nach dem spä­ter das Mar­kus­haus, die Mar­kus­brü­cke und der Mar­kus­platz in Bam­berg benannt wur­den, ist ein Bei­spiel dafür.

„Auch zei­gen wir eini­ge Kari­ka­tu­ren vor allem zeit­ge­nös­si­scher Poli­tik oder die des Bam­ber­ger Bür­ger­mi­li­tärs. Außer­dem befin­den sich Par­ti­tu­ren Hoff­manns in unse­rem Besitz, wie die­je­ni­ge sei­ner Oper „Dir­na“, mit denen wir auch sein musi­ka­li­sches Werk beleuch­ten wollen.“

Die­ses näher­te sich der Mate­rie von zwei Sei­ten an. So hat­te Hoff­mann als Musik­kri­ti­ker bei­spiels­wei­se urhe­be­ri­schen Ver­dienst an der Ent­ste­hung des Begriffs der Roman­ti­schen Musik. Dies bewerk­stel­lig­te er, indem er Wer­ke von Beet­ho­ven oder Mozart, eigent­lich zwei Inbe­grif­fe einer der Roman­tik vor­an­ge­gan­ge­nen Epo­chen, der Klas­sik, unter roman­ti­schen Gesichts­punk­ten ana­ly­sier­te. Hoff­mann ver­such­te als ers­ter, die Wir­kung die­ser Musik auf das Emp­fin­den des Publi­kums zu beschrei­ben, also wie sie wel­che Emo­tio­nen auslöst.

Außer­dem galt Hoff­manns künst­le­ri­sche Lei­den­schaft min­des­tens genau­so sehr der Musik wie der Lite­ra­tur und dem Zeich­nen. So kom­po­nier­te er mehr als 85 musi­ka­li­sche Wer­ke, von denen nur 34 erhal­ten sind – sie fan­den aber, beson­ders in sei­ner Bam­ber­ger Zeit, nicht immer soviel Aner­ken­nung, wie er es sich wünschte.

Der Jurist

Ernst Theo­dor Wil­helm Hoff­mann wur­de am 24. Janu­ar im ost­preu­ßi­schen Königs­berg gebo­ren. Der Fami­li­en­tra­di­ti­on gemäß schrieb er sich im jun­gen Alter von 16 Jah­ren für ein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten ein. Wenn auch damals noch hob­by­mä­ßig, wid­me­te er sich zu die­ser Zeit bereits ers­ten lite­ra­ri­schen, zeich­ne­ri­schen und musi­ka­li­schen Unternehmungen.

Die­sen ging er zwar auch in der Fol­ge nach, räum­te ihnen aber vor­erst nicht den spä­te­ren Platz im Leben ein. Denn 1798 schloss Hoff­mann das juris­ti­sche Stu­di­um mit der Note „vor­züg­lich“ ab und sie­del­te nach Ber­lin über. Dort fand er eine Anstel­lung am Kammergericht.

Auch sei­ne Beför­de­rung zum Gerichts­as­ses­sor, ein Rich­ter auf Pro­be, und die damit zusam­men­hän­gen­de Ver­set­zung nach Posen hät­ten der Bei­be­hal­tung die­ser Kon­stel­la­ti­on aus pri­va­ter Krea­ti­vi­tät und beruf­li­chem Beam­ten­tum nicht im Weg gestan­den. Aber Anfang des 19. Jahr­hun­derts kamen sich die­se bei­den Hoff­manns – erst unge­wollt, dann aus Über­zeu­gung – bei zwei fol­gen­rei­chen Ereig­nis­sen doch in die Quere.

Zur Kar­ne­vals­zeit 1802 ver­teil­te eine vor­wit­zi­ge Grup­pe jun­ger Regie­rungs­be­am­ter – Hoff­mann war Teil davon – höh­ni­sche Kari­ka­tu­ren höher­ran­gi­ger Beam­ten – Hoff­mann hat­te sie gezeich­net. Die Pos­se und ihre Urhe­ber flo­gen auf und Hoff­mann wur­de zur Stra­fe in eine abge­le­ge­ne Klein­stadt ver­setzt. Dort begann er sich über­lie­fer­ter­ma­ßen zu langweilen.

1804 folg­te eine wei­te­re Ver­set­zung nach War­schau, das damals preu­ßisch war, und die Wie­der­auf­nah­me der Exis­tenz als künst­le­risch täti­ger Jurist. Aus die­ser Zeit stam­men Hoff­manns ers­te musi­ka­li­sche Erzeug­nis­se samt öffent­li­cher Auftritte.

Dann kam ihm aller­dings die Welt­ge­schich­te dazwi­schen. Napo­le­on nahm War­schau ein und zwang die dor­ti­ge Beam­ten­schaft, ent­we­der einen Eid auf ihn abzu­le­gen oder die Stadt zu ver­las­sen. Hoff­mann ent­schied sich zu gehen. Außer­dem nahm er die­se Ent­wick­lung zum Anlass, die Juris­te­rei vor­erst ruhen zu las­sen und nun ganz und gar Künst­ler zu werden.

Die Bam­ber­ger Zeit

Aller­lei Bewer­bun­gen um ver­schie­dens­te musi­ka­li­sche Stel­len führ­ten E.T.A. Hoff­mann 1808 zusam­men mit sei­ner Ehe­frau Mari­an­ne Thek­la Mich­ali­na Rorer nach Bam­berg. Am ört­li­chen Thea­ter hat­te er die Zusa­ge für den Pos­ten des Kapell­meis­ters erhal­ten. Künst­le­risch war sei­ne Zeit in Bam­berg eine Zeit des Zu-sich-selbst-Fin­dens, frei von Rück­schlä­gen, nicht zuletzt pri­va­ter Art, war sie aber nicht.

„Hoff­mann hat­te sich an meh­re­ren Stel­len bewor­ben“, sagt Bet­ti­na Wag­ner. „Er hat­te auch ein Ange­bot aus Luzern und wäre auch ger­ne nach Leip­zig gezo­gen – bei­des wäre finan­zi­ell aber nur wenig ein­träg­lich gewe­sen. So kam er nach Bam­berg. Die­se Sta­ti­on ist auch inso­fern nen­nens­wert, weil es die süd­lichs­te Sta­ti­on sei­nes Lebens war.“ Nie sei er wei­ter weg von der ost­preu­ßi­schen Hei­mat gewesen.

Unheimlich Fantastisch
E. T. A. Hoff­mann, anti­kisch geklei­det, zeigt Adal­bert Fried­rich Mar­cus eine Wald­land­schaft, ahr­schein­lich die Umge­bung der Alten­burg, Gemäl­de, 1809 bis 1813, Foto: Gerald Raab, Staats­bi­blio­thek Bamberg 

„Es war die Zeit, in der er ver­sucht hat, Künst­ler zu wer­den, und so gese­hen war es sicher auch beglü­ckend für ihn, die­sen Traum vom frei­en Künst­ler und sei­ne Krea­ti­vi­tät aus­zu­le­ben zu können.“

Da er sich damals aber in ers­ter Linie als Kom­po­nist gese­hen habe und nicht als Autor, lie­ßen die ers­ten Irri­ta­tio­nen mit der neu­en Lebens­si­tua­ti­on und dem neu­en Lebens­plan nicht lan­ge auf sich war­ten. „Wenn er etwas Lite­ra­ri­sches pro­du­ziert hat, ist ihm alles ganz leicht aus der Feder geflos­sen. Den „Sand­mann“ hat er zum Bei­spiel in einer Woche nie­der­ge­schrie­ben. Er war unglaub­lich pro­duk­tiv und hat auch zu allen mög­li­chen Din­gen text­lich Stel­lung bezogen.“

Mit der Musik woll­te es aber nicht so ein­fach klap­pen. Sei­ne Kom­po­si­tio­nen für das Thea­ter tru­gen nicht genug finan­zi­el­len Erfolg ein und bald wur­de er vom Kapell­meis­ter zum Direk­ti­ons­ge­hil­fen zurückgestuft.

Kein Mensch mit gleich­mä­ßi­gem Seelenzustand

„In sei­ner Bam­ber­ger Zeit hat Hoff­mann vie­le Brie­fe und Tage­bü­cher geschrie­ben. Daher wis­sen wir, dass er sehr kri­tisch über das Bam­ber­ger Thea­ter und die dor­ti­gen Ver­hält­nis­se geschrie­ben hat. Aber wahr­schein­lich hat er das Haus mit sei­nen Kom­po­si­tio­nen auch über­for­dert. Er woll­te musi­ka­li­sche Neue­run­gen ein­füh­ren, was nicht so posi­tiv auf­ge­nom­men wur­de. Viel­leicht hat er auch aber auch ein­fach nicht kom­pro­miss­be­reit genug agiert“ – wie bei Napo­le­on, könn­te man sagen – auch aus dem Grund, dass Hoff­mann erneut ande­ren Din­gen den Vor­zug geben konn­te; dies­mal aller­dings nicht der Kunst­kar­rie­re all­ge­mein, son­dern der Literatur.

So stammt sei­ne ers­te lite­ra­ri­sche Ver­öf­fent­li­chung, die „Fan­ta­sie­stü­cke in Cal­lots Manier“, in denen unter ande­rem „Der gol­de­ne Topf“ und „Nach­richt von den neu­es­ten Schick­sa­len des Hun­des Bergan­za“ ent­hal­ten sind, aus der Bam­ber­ger Zeit.

Auch das bereits genann­te „Die Eli­xie­re des Teu­fels“ sähe ohne Bam­berg anders aus. „Das Gru­sel­stück spielt in einem Klos­ter. Die Idee dazu kam Hoff­mann beim Besuch des Bam­ber­ger Kapu­zi­ner­klos­ters. Als Pro­tes­tant war ihm die­se Welt und ihre Atmo­sphä­re völ­lig fremd. Kurz gesagt: Bam­berg hat ihm den Namen gemacht als Autor von Fantasiestücken.“

Die­sen Namen brach­te er in der dama­li­gen Bam­ber­ger Gesell­schaft aller­dings ein wenig in Ver­ruf, als er sich in sei­ne Gesangs­schü­le­rin Julia Mark ver­lieb­te. Die­se Ver­liebt­heit soll aufs Pein­lichs­te auf­ge­fal­len sein und dann geriet Hoff­mann auch noch mit Julia Marks Ver­lob­ten in Konflikt.

„Ja, er war ver­liebt“, sagt Bet­ti­na Wag­ner, „aber unglück­lich. Die­ser eupho­ri­sche Zustand hob ihn zwar ein biss­chen aus dem All­tag her­aus, hat ihn aber auch zur Ver­zweif­lung gebracht. Wobei wir eigent­lich grund­le­gend davon aus­ge­hen soll­ten, dass er sicher kein Mensch war, der einen gleich­mä­ßi­gen See­len­zu­stand hatte.“

Ver­häng­nis­vol­ler Ausflug

Bei einem Aus­flug zum Schloss Wei­ßen­stein in Pom­mers­fel­den, den Hoff­mann, Julia Mark und ihr Ver­lob­ter 1812 im Ange­sicht der sich teil­wei­se zuwi­der­lau­fen­den emo­tio­na­len Ver­bin­dun­gen in die­ser Grup­pe bemer­kens­wer­ter­wei­se gemein­sam unter­nah­men, soll sich der Ver­lob­te der­art hef­tig betrun­ken haben, dass er stürz­te. Das nahm Hoff­mann zum Anlass, ihn als „Scheiß­hund“ zu beschimp­fen. „Der Ent­schul­di­gungs­brief, den er an Juli­as Mut­ter schrei­ben muss­te, ist bei uns im Bestand erhal­ten“, sagt Bet­ti­na Wagner.

Als Julia kurz dar­auf hei­ra­te­te und etwa zur sel­ben Zeit das Stel­len­an­ge­bot des Musik­di­rek­tors einer Opern­ge­sell­schaft ein­ging, zog Hoff­mann Bilanz. Er ent­schied sich zuzu­sa­gen und ver­ließ Bam­berg. „Dann ende­te sei­ne Bam­ber­ger Zeit nach knapp fünf Jah­ren. Dass heu­te unter ande­rem das ETA Thea­ter sei­nen Namen trägt, hät­te ihn, den­ke ich, amü­siert. Denn die Tat­sa­che, dass der Ort nach ihm benannt wur­de, an dem er gelit­ten hat und unter­schätzt wur­de, ist nicht ohne Ironie.“

Die Aus­stel­lung „Unheim­lich Fan­tas­tisch“, die die Staats­bi­blio­thek noch bis 22. Okto­ber zeigt, geht auf das gesam­te Spek­trum des Schaf­fens von E.T.A. Hoff­mann ein und wid­met sich auch sei­ner Bam­ber­ger Zeit.