Vielfältiges Programm beim Internationalen Museumstag
Bamberg feiert lebendige Museumslandschaft
Am Internationalen Museumstag, der weltweit am 18. Mai gefeiert wurde, stand in Bamberg die lebendige Museumslandschaft im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Museen mit Freude entdecken“ präsentierten die Museen und Kulturinstitutionen am Sonntag auf dem Bamberger Domberg ein abwechslungsreiches Programm, das die Bedeutung und Attraktivität der Museen für die Zukunft unterstrich.
Oberbürgermeister Andreas Starke ließ es sich nicht nehmen, den Museumstag persönlich zu eröffnen und zugleich den neuen Direktor der Museen der Stadt Bamberg, Dr. Fabian Ludovico, herzlich willkommen zu heißen. In seinem Grußwort betonte Starke, dass Museen „eine enorm wichtige Rolle für eine offene Gesellschaft spielen“ und lobte insbesondere die Kooperation der Museen am Domberg mit ihren vielen bedeutsamen Kunstschätzen sowie das erfolgreiche Agieren des Freundeskreises der Dombergmuseen.
Dr. Fabian Ludovico betonte zum Auftakt: „Heute soll die Freude über eine lebendige Museumslandschaft hier in Bamberg im Vordergrund stehen. Mit den vielfältigen Angeboten zeigen die beteiligten Häuser, warum Bambergerinnen und Bamberger auf ihre Museen auch zukünftig nicht verzichten wollen.“ Das breit gefächerte Programm lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher, darunter auch viele Gäste aus dem Ausland, auf den Domberg. Führungen, Infostationen, Workshops und Familienangebote wurden rege genutzt und sorgten für einen lebendigen Austausch.
Positive Bilanz
Die beteiligten Museen – die Neue Residenz, das Historische Museum, die Staatsbibliothek und das Diözesanmuseum – zeigten sich mit den Besucherzahlen äußerst zufrieden. Vera Mamerow, Vorsitzende des Freundeskreises der Museen am Bamberger Dom, lobte die positive Bilanz: „Die Gästestruktur war bunt gemischt, und erfreulicherweise haben auch viele Bambergerinnen und Bamberger den Weg in ‚ihre‘ Museen gefunden. Viele Interessierte haben das Programm gezielt genutzt, um möglichst viele Eindrücke zu gewinnen.“
Besonders Familien mit Kindern machten bei den vielfältigen Spiel- und Bastelangeboten mit. Im Diözesanmuseum wurden Papierkronen gebastelt, im Historischen Museum bunte Buttons gestanzt und textile Aufnäher mit dem Motto „Demokratie braucht Kunst“ gestaltet. In der Staatsbibliothek konnten junge Gäste kreative Lesezeichen anfertigen. Die hohe Verweildauer der Besucherinnen und Besucher unterstrich das große Interesse und die positive Resonanz auf das bunt gefächerte Programmangebot, das mit einem mitreißenden Konzert im Innenhof der Alten Hofhaltung seinen Abschluss fand.
„Die Mühe hat sich gelohnt!“
Eleonora Cagol, Kuratorin für Kulturelle Bildung, zog ein durchweg erfreuliches Fazit: „Die Stimmung war sehr gut, es gab viele interessante Gespräche am Rande, und das liebevoll aufbereitete Kinderangebot wurde sehr gelobt. Die Mühe hat sich definitiv gelohnt!“
„Der Internationale Museumstag in Bamberg hat erneut die Bedeutung der Museen als lebendige Orte der Kultur, Bildung und Begegnung unterstrichen“, fasste Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar den Tag zusammen. „Das tolle Engagement aller Beteiligten sorgt dafür, dass Bamberg eine lebendige Museumsstadt bleibt.“
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Internationaler Museumstag auf dem Domberg
Museen mit Freude entdecken
Am 18. Mai wird der Internationale Museumstag zum 48. Mal gefeiert. Dieser verfolgt das Ziel, auf die gesellschaftliche Bedeutung der Museen weltweit aufmerksam zu machen und Besucherinnen und Besucher einzuladen, deren Vielfalt zu entdecken. Auch die Kulturinstitutionen rund um den Bamberger Dom beteiligen sich mit einem ansprechenden Programm für Jung und Alt am Internationalen Museumstag.
„Die ganze Familie erwartet ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Von Einblicken in innovative Forschungsansätze über Kurzführungen durch aktuelle Ausstellungen und faszinierende Blicke hinter die Kulissen bis hin zu kreativen Mitmachaktionen und akustischen Highlights“, wie Christiane Wendenburg berichtet, die Geschäftsführerin des Freundeskreises der Museen um den Bamberg Dom und Dombergkoordinatorin.
Der Internationale Museumstag wurde 1978 vom Internationalen Museumsrat ICOM – International Council of Museums – ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit auf die Vielfalt und die Bedeutung der Museen für die Gesellschaft aufmerksam zu machen. Für 2025 hat der Internationale Museumsrat das Motto „The Future of Museums in Rapidly Changing Communities“, im Deutschen „Die Zukunft der Museen in sich schnell verändernden Gesellschaften“ ausgewählt, um sich mit der Frage zu befassen, wie Museen in einer von tiefgreifenden Veränderungen geprägten Welt agieren und ihren Beitrag leisten können.
Kinder spielerisch an Museen heranführen
Geöffnet sind rund um den Dom das Diözesanmuseum, das Historische Museum, die Neue Residenz mit ihren Prunkräumen und der Staatsgalerie sowie die Staatsbibliothek Bamberg.
Alle Eintritte und Programmangebote sind am Internationalen Museumstag kostenlos!
An sehr gute Resonanz beim Internationalen Museumstag im vergangenen Jahr erinnert sich Frau Wendenburg, die Kulturinstitutionen konnten an die Besuchszahlen in Vor-Corona-Zeiten anknüpfen. „Viele der Museumstag-Gäste haben auch betont, in Zukunft öfter oder sogar regelmäßig Museen und Ausstellungen besuchen zu wollen.“
Grundsätzlich sei das Verhältnis Bamberger zu Touristen bei den Besuchenden ausgewogen, auch was die Altersstruktur betrifft, seien grundsätzlich alle Altersgruppen vertreten.
Demzufolge wird auch das Angebot am Internationalen Museumstag so ausgerichtet, dass für die gesamte Familie ein interessantes Programm geboten ist. Die Vorbereitungen laufen seit Jahresbeginn und Frau Wendenburg freut sich auch schon auf die interessanten Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern. „Die Führungen in den einzelnen Häusern und die Infostände sind für Erwachsene oder interessierte Jugendliche konzipiert, für die Jüngeren bieten die Verantwortlichen Mitmachstationen, Rätselbögen sowie Bastel- und Kreativworkshops an.“
Eltern oder Großeltern, die ihre Kinder beziehungsweise Enkelkinder an diesem Tag erstmals an die Thematik Museen heranführen möchten, empfiehlt Frau Wendenburg, sich dabei nicht zu viel Programm vorzunehmen, sondern auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder einzugehen. „Vielleicht auch mal zwischendurch eine Pause machen und etwas essen, auch dafür ist hier gesorgt“, rät die Dombergkoordinatorin. „Der Museumsbesuch soll schließlich Spaß machen und entsprechend in Erinnerung bleiben.“
Für die Jüngsten wird es in allen Häusern Mitmachstationen geben. „Bastel- und Kreativangebote werden bestens angenommen und man sieht während des Internationalen Museumstags auf dem Domberg viele Kinder, die stolz ihre “Kreationen” aus den Workshops in den Händen und/oder gebastelte Kronen auf dem Kopf tragen. Diese niederschwelligen Angebote sollen Spaß machen und dienen nicht zuletzt auch dazu, eine vielleicht teilweise noch vorhandene Scheu vor der Institution Museum zu nehmen“, berichtet Frau Wendenburg. Im Zuge des Museumstages können Interessierte auch Einblicke in die Arbeiten im Hintergrund erhalten, die für Ausstellungen und insgesamt das Gelingen der Museen vonnöten sind.
Diese gibt es in der Staatsbibliothek und an Infostationen des Kompetenzzentrums für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) im Diözesanmuseum, in der Ausstellung RE-CALL des Historischen Museums gewähren die anwesenden Künstler*innen Einblicke in die Museumsarbeit hinter den Kulissen.
Jede Kulturinstitution hat mit ihrem Team einzelne Programmpunkte für den Internationalen Museumstag erarbeitet. Im Historischen Museum ist dabei zum Beispiel Frau Eleonora Cagol federführend, da sie in diesem Museum die Kuratorin für die Kulturelle Bildung ist. Eingebunden sind immer auch die Museumsleitung, die Verwaltung und nicht zu vergessen die Mitarbeitenden der Werkstatt, die zum Beispiel zusätzliche Stellwände und Tische für Infostände bereitstellen. „Für die Museumsaufsichten ist der Internationale Museumstag ebenfalls ein besonderer Tag – zum einen, weil das Besucheraufkommen an sich viel höher ist als an anderen Tagen, zum anderen, weil mehr Besucher*innen ohne Museumserfahrung kommen, die auf bestimmte Regeln hingewiesen werden müssen“, weiß Frau Wendenburg. „Außerdem sind die Aufsichten Anlaufstelle für viele Fragen, sei es die nach der nächsten Führung oder die nach einem bestimmten Kunstwerk.“
Ausstellungsintervention „RE-CALL“ im Historischen Museum
Die erwähnte Ausstellungsintervention “RE-CALL“ im Historischen Museum ist eine Kooperation der Museen der Stadt Bamberg, des “Freundeskreis der Museen um den Bamberger Dom“ sowie der Vereine “Freund statt Fremd“ und “Openart“.
Jugendliche und Erwachsene können am Museumstag die interessante Erfahrung machen, mit jungen Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen. Sechs Kunstschaffende aus fünf unterschiedlichen Herkunftsländern haben Kunstwerke aus den Ausstellungen des Historischen Museums ausgewählt, sich mit den historischen Werken auseinandergesetzt und darauf mit eigenen künstlerischen Arbeiten reagiert. Beide, historische und zeitgenössische Werke, werden im Historischen Museum gemeinsam präsentiert. Zu sehen sind Malerei, Grafik, Zeichnung, Textilkunst und Skulptur. Am Museumstag sind Donatello Giorgi (Italien), Evgenia Mekhova (Russland), Giuseppe Peterlini (Italien), Judith Siedersberger (Deutschland), Simona Saccoccia (Italien), Zara Degan (Iran) vor Ort anwesend und geben Auskunft zu ihren Werken.
Die erste Idee zu “RE-CALL“ entstand bei einem Treffen zwischen den Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe OpenArt, der Kuratorin der Museen der Stadt Bamberg Eleonora Cagol und der Dombergkoordinatorin. „Die ursprüngliche Idee war, eine Sonderausstellung in der Villa Dessauer mit zeitgenössischen Kunstwerken und Werken aus dem Museumsdepot zu organisieren, aber wir haben uns schnell entschlossen, in das Historische Museum umzuziehen und einen Dialog zwischen historischen und neuen Kunstwerken zu schaffen“, berichtet Eleonora Cagol.
Die Intervention hat zum Ziel, Raum für Diskurse zur Gestaltung einer demokratischen, partizipativen und inklusiven Gesellschaft zu schaffen. „Daher war wichtig, den Künstlerinnen und Künstlern so viel Freiheit wie möglich zu lassen: Nachdem wir uns auf das Thema des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart geeinigt hatten, konnten sie das Werk beziehungsweise die Werke auswählen, mit dem beziehungsweise denen sie in den Dialog treten wollten.“ Auch die Techniken und Themen der neuen Werke, die für die Intervention geschaffen wurden, wurden von den Künstlerinnen und Künstlern selbst gewählt.
Alle Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten in oder bei Bamberg. Die Idee der Verantwortlichen war es, den hier lebenden Künstlerinnen und Künstlern mit Migrationshintergrund einen Dialog mit den Werken in den Sammlungen der Stadt zu ermöglichen und ihre Vision zu präsentieren.
Und gerade weil ein partizipatives Projekt geschaffen werden sollte, sind die Kunstschaffenden auch in das Rahmenprogramm der Intervention eingebunden, zum Beispiel beim Museumstag. Nicht nur die Intervention, sondern das gesamte Rahmen- und Bildungsprogramm, greift aktuelle Themen wie Migration, LGBTQIA+, Klimakrise und Inklusion auf. „Als Orte des Austauschs, des Dialogs, der Kontroverse und der Identität haben Museen gerade in Krisenzeiten eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Die Museen der Stadt Bamberg setzen sich ein für Weltoffenheit, für einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander, für konsequente Gleichberechtigung von Menschen in allen Dimensionen der Vielfalt“, betont Frau Cagol und knüpft an das diesjährige Motto des Museumstags „Die Zukunft der Museen in sich schnell verändernden Gesellschaften“ an.
Am Museumstag werden zwei der Künstlerinnen einen Workshop zum Thema “Demokratie braucht Kunst” durchführen, andere Künstlerinnen und Künstler sowie die Kuratorin werden in den Räumen der Intervention anwesend sein, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, und der Museumstag wird mit einem von der Gruppe organisierten Konzert enden.
Sammlung des Historischen Vereins Bamberg:
Aktuelles Thema „Zunft und Handwerk“
Im Historischen Museum, das am Museumtag von 10 bis 17 Uhr geöffnet hat, wird es in diesem Zeitraum außerdem Kurzführungen von etwa 20 bis 30 Minuten Dauer in drei Ausstellungen geben. Die Ausstellung „Eine neue Zeit bricht an. Bambergs Bürgertum zwischen Romantik und Gründerzeit“ erzählt vom Engagement der Bamberger Bürgerschaft für das Wohlergehen ihrer Stadt, von neuen Ideen und dem Wandel des Geschmacks in der Kunst. Porträts zeigen bedeutende Persönlichkeiten aus dem Bamberger Bürgertum. Von überregionaler Bedeutung sind die Zeugnisse aus dem Schmidt’schen Porzellanmalinstitut in Bamberg.
Der Historische Verein besitzt unter anderem eine große Sammlung kunst- und kulturgeschichtlicher Objekte. Besonders während der ersten 40 Jahre der Vereinsgeschichte gingen zahlreiche Schenkungen vor allem aus dem begüterten Kreis der Bevölkerung ein: prähistorische Funde, Münzen und Medaillen, Handschriften und Bücher, Grafiken, Gemälde und Kunstgegenstände. In seiner Studioausstellung „Der Historische Verein Bamberg und seine Sammlung“ im Historischen Museum stellt der Historische Verein Bamberg Highlights dieser umfangreichen Sammlungen aus.
Das diesjährige Thema der Studioausstellung lautet „Zunft und Handwerk“. Seit dem Mittelalter schlossen sich selbständige Handwerker und Gewerbetreibende in eine meist berufsspezifische Interessensgemeinschaft zusammen, die mit verbindlichen Regeln und Gesetzen den Umgang innerhalb der sogenannten Zunft regelten. Erst mit der Einführung der akademischen Ausbildungen bei künstlerischen Berufen und später der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert wurde das strenge Zunftwesen schließlich aufgegeben. In den Sammlungen des Historischen Vereins sind zahlreiche Zeugnisse mit Bezug zu unterschiedlichen Zünften erhalten. Im Allgemein sind hierzu nur die repräsentativen und daher begehrten Zunftladen bekannt. In der diesjährigen Studioausstellung werden Exponate gezeigt, die zum Teil zu den Inhalten der Zunftladen zählen könnten, aber isoliert zu diesen Bezug unbekannt und fast vergessen erscheinen dürften.
Die Ausstellung „Jüdisches in Bamberg“ zeigt Spuren auf, die seit dem Mittelalter in Franken lebende Jüdinnen und Juden hinterlassen haben. Anhand historischer Quellen, zahlreicher Kunst- und Alltagsgegenstände und von Zeitzeugenberichten berichtet die Ausstellung von der wechselvollen Geschichte, dem Ende und Neubeginn jüdischen Lebens in Bamberg.
Einblicke in Forschungsinitiativen am Diözesanmuseum
Im Diözesanmuseum kann man am Museumstag von 13 bis 17 Uhr in die Welt der Forschung anhand von Textilien, Gemälden, und Steinskulpturen eintauchen. Das Diözesanmuseum Bamberg und das Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) bieten spannende Einblicke in ihre gemeinsamen Projekte. An verschiedenen Stationen im Museum können Besucher die Kooperation dieser Institutionen entdecken und mehr über ihre Forschungsinitiativen erfahren.
Die Forschung an Textilien wird am Beispiel der Kaisergewänder sichtbar gemacht. Die Kaisergewänder aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts zählen zu den ältesten erhaltenen Gewändern europäischer Herrscher. Hier können Interessierte erfahren, wie modernste Forschungsmethoden – wie zum Beispiel Licht- und Fasermikroskopie sowie analytische Rasterelektronenmikroskopie mit energiedispersiver Spektralanalyse – neue Einblicke in die Herstellung und Erhaltung dieser historischen Schätze ermöglichen.
Die Forschung an Tafelgemälden kombiniert verschiedene kunsttechnologische, naturwissenschaftliche und konservatorische Methoden, um wertvolle Einblicke in die Entstehung, Veränderungen und den Zustand von Tafelgemälden zu gewinnen. Mittels Infrarotreflektografie können zum Beispiel verborgene Unterzeichnungen durch Infrarotstrahlung sichtbar gemacht werden.
Die Untersuchung von Steinoberflächen mittelalterlicher Bauplastik eröffnet Einblicke in die Geschichte und Entwicklung dieser Kunstwerke. Durch den Einsatz moderner, zerstörungsfreier Hightech-Methoden können Forschende wertvolle Informationen über die Entstehung, Veränderungen und den Zustand der Skulpturen gewinnen.
Außerdem kann die aktuelle Sonderausstellung “2x Pommern und zurück – Heiliger Otto von Bamberg” besucht werden, die einen Einblick in das Leben und Wirken von Bischof Otto bietet.
Aufhänger für die Ausstellung ist die 900. Wiederkehr der ersten Missionsreise Ottos in den Jahren 1124 bis 1125 nach Pommern, 1128 erfolgte die zweite. Die Reisen des einzigen heiliggesprochenen Bamberger Bischofs Otto veränderten nicht nur die religiöse Landschaft, sondern beeinflussten auch die politischen Machtverhältnisse in Pommern. Diese Ausstellung lädt ein, den spannenden Lebensweg des Bischofs zu entdecken, der vor 900 Jahren zu Fuß, zu Pferd und mit dem Schiff mit dem Ziel der Christianisierung an die Küsten Pommerns reiste.
Beeindruckende Leihgaben des Polnischen Nationalmuseums in Stettin geben einen faszinierenden Einblick in das Leben der Bevölkerung und die damalige Kultur. Doch auch in Bamberg selbst hinterließ Otto bleibende Spuren: Vom Reliquienkult bis zu Kunstwerken und Kirchenausstattungen zeigt die Ausstellung, wie sein Wirken bis heute nachhallt.
Auch Bibliophile kommen am Museumstag auf ihre Kosten: Im Diözesanmuseum findet ein Dublettenverkauf der Bibliothek des Metropolitankapitels statt. Durch Geschenke und Nachlässe kommen immer wieder Bücher in diese Bibliothek, die hier schon vorhanden sind. Diese Bücher sind je nach Interessensgebiet des Nachlassenden oder Schenkenden aus ganz verschiedenen Sachgebieten, mit einem Schwerpunkt auf Kunst, Religion und Regionalliteratur. Sie sind durchwegs sehr gut erhalten und es wert einen neuen Besitzer zu finden.
Freundeskreis bietet ideell und materiell Unterstützung der Museen am Domberg
Wie an den Infostationen des KDWT im Diözesanmuseum wird es auch in der Staatsbibliothek Einblicke in die Museumsarbeit hinter den Kulissen geben. „Ein interessantes und spannendes Angebot sind sicher die Werkstattgespräche zur Buchrestaurierung mit Jessica Leitner“, ist Christiane Wendenburg überzeugt. Denn die Buchrestauratorin präsentiert nicht nur Bucheinbände und alte Heftungen ausgewählter Beispiele aus den Sammlungen der Bibliothek, sondern erläutert auch, welche Arbeiten anstehen, bevor wertvolle Bücher als Leihgaben außer Haus gehen.
Die Staatsbibliothek Bamberg in der Neuen Residenz öffnet von 11 bis 15 Uhr ihre Türen und ab Beginn bis um 14.15 Uhr gibt es im dreiviertelstündigen Turnus halbstündige Werkstattgespräche.
Weiterhin lassen Führungen durch die einst fürstbischöflichen Schauräume mit historischem Inventar und Bücherbeständen aus dem Zeitraum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in die Geschichte der Neuen Residenz und der Staatsbibliothek eintauchen. Bibliotheksdirektorin Prof. Dr. Bettina Wagner persönlich führt durch die Ausstellung “Schöner Schein“.
Diese zeigt Faksimile-Ausgaben einiger berühmter Handschriften, darunter mittelalterliche Prachtcodices, eines der ältesten Bücher, das in Bamberg erschien, und ein erschütterndes Dokument aus der Zeit der Hexenverfolgung.
Im Lesesaal werden ausgewählte Zeichnungen aus der 80.000 Blätter umfassenden Grafiksammlung der Staatsbibliothek präsentiert und fachkundig erläutert.
Kinder haben in der Bastelwerkstatt die Möglichkeit, sich Lesezeichen aus schönen Papieren zu basteln. Unter professioneller Anleitung können lustige Eckenmonster gestaltet oder Lesezeichen in Origamitechnik gefaltet werden – um künftig nie wieder zu vergessen, auf welcher Seite man am Tag zuvor sein Buch zugeklappt hat.
Die Neue Residenz mit Prunkräumen und Staatsgalerie hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet und bietet Führungen durch das Fürstbischöfliche Appartement im Halbstundentakt.
Auch der Freundeskreis der Museen um den Bamberger Dom wird sich vor Ort mit einem Infostand präsentieren.
Der Freundeskreis der Museen um den Bamberger Dom ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Museen auf dem Domberg zu begleiten und ihre Arbeit ideell, aber auch materiell zu unterstützen. „Der Verein versteht sich als Bindeglied zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den jeweiligen Museen“, erläutert die 1. Vorsitzende des Vereins und Kunsthistorikerin Vera Mamerow.
„Seine Mitgliederschaft ist sehr vielfältig und von bekannten Bamberger Firmen bis zu Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Stadt sprechen wir alle an, denen die Kultur unserer Welterbestadt und deren einzigartige Museumslandschaft am Herzen liegen.“ Nach einer Neuaufstellung des Vorstands im Dezember 2024 mit der neuen Vorsitzenden Vera Mamerow und der Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Birgit Kastner möchte der Verein den Fokus wieder mehr auf die kulturelle Bildung und Veranstaltungen zur Öffnung der Museen in die Stadtgesellschaft legen. Daher ist der kommende Museumstag eine Chance für den Verein, um für engagierte Partner zu werben. „Um das Angebot an kultureller Bildung in den Museen und somit die Partizipation besonders junger Museumsbesucherinnen und ‑besucher zu befördern, braucht es finanzielle Unterstützung, die der Verein durch das Einwerben von Spenden gerne ergänzt“, bekräftigt Eleonora Cagol, Mitglied des Vorstands und Mitarbeiterin des Historischen Museums.
Ausführliche Informationen zum Programmablauf sind auf der Homepage zu finden.
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Nachleben Kaiser Heinrichs II.
Ausstellung Staatsbibliothek: Leuchtende Wunderzeichen
Auch die Staatsbibliothek Bamberg beteiligt sich am 1000. Todesjahr Heinrichs II. In der Ausstellung „Leuchtende Wunderzeichen: Das Nachleben Kaiser Heinrichs II. in der Frühen Neuzeit“ nähert sie sich dem Bistumsgründer anhand der Legenden, die ihn umgeben, und ihrer medialen Aufbereitung in den Jahrhunderten.
Obwohl das Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde im Jahr 1500 schon fast 500 Jahre tot war, dauerte ihre Verehrung vor allem in Bamberg, dem Ort ihrer letzten Ruhe, an. Etwa um diese Zeit wuchs ihre Propagierung sogar noch ins Überregionale. Was war geschehen?
Vorausgegangen waren belegbare Großereignisse, deren Angedenken sich Generation für Generation fortsetzte. Dazu gehörten die Bistumsgründung 1007 oder zwei Heiligsprechungen (Heinrich wurde 1146 in diesen Stand erhoben, Kunigunde 1200) samt der Tatsache, dass dies seitdem keinem anderen Kaiserpaar zuteilgeworden ist.
Aber auch eine Handvoll Legenden, die das Leben des Kaiserpaars umgeben, trugen zur fortdauernden Verehrung bei – das Heinrichsfest auf dem Domplatz wird in Bamberg heute noch begangen. Kunigundes Feuerprobe oder ihr Pfennigwunder sind nur zwei der Mythen. Beim ersten lief sie zum Beweis ihrer ehelichen Treue über glühende Pflugscharen – und zwar unverletzt –, beim zweiten konnte auf wundersame Weise jeder am Bau von St. Stephan beteiligte Arbeiter nur so viel Lohn aus einer von der Kaiserin gereichten Schale nehmen, wie ihm gerechterweise zustand. Und Heinrich soll zum Beispiel einst im Schlaf von Nierensteinen befreit worden sein. Im Traum war ihm der heilige, mit einem Messer bewehrte Benedikt erschienen. Als der Kaiser erwachte, waren die Schmerzen weg und in der Hand hielt er die Nierensteine.
Gute Geschichten also, um den Legendenstatus des Kaiserpaares über die Jahrhunderte zu retten. Drei Begebenheiten, die sich alle um das Jahr 1500 herum zutrugen, sollten der Propagierung der Verehrung Heinrichs und Kunigundes aber einen andauernden Schub versetzen.
Erst gestaltete Bildhauer Tilman Riemenschneider das Kaiser-Doppelgrab, das sich bis heute im Bamberger Dom befindet. Die Reliefs des Sarkophags zeigen bildlich-eindrücklich die genannten und weitere Legenden. Dann unternahm das Bistum Anstrengungen, möglichst viele Pilger zum Grab zu locken und mit den Legenden in Kontakt zu bringen. Und dann begann der etwa 1440 erfundene Buchdruck seinen Weg nach Bamberg zu finden. Bücher, die etwa die Kaiserlegenden zum Inhalt hatten, aber vorher handschriftlich hergestellt werden mussten, konnten nun anhand dieser technischen Neuerung leichter vervielfältigt, unters Volk gebracht und regional und überregional bekannter gemacht werden.
In ihrer Ausstellung „Leuchtende Wunderzeichen: Das Nachleben Kaiser Heinrichs II. in der Frühen Neuzeit“ geht die Staatsbibliothek Bamberg auf die mediale Fortschreibung des Lebens und der Wundertaten des Kaiserpaars seit 1500 ein.
Historische Quellen der Legenden
„Die Ausstellung“, sagt Bettina Wagner, Kuratorin der Schau und Leiterin der Staatsbibliothek, „konzentriert sich auf die Wirkungsgeschichte Heinrichs im Buchdruck vom späten 15. bis in das frühe 20. Jahrhundert. Unsere Absicht ist es zu zeigen, welche Aspekte des Kaisers im Laufe der Jahrhunderte medial in den Vordergrund gerückt wurden.“ So wurde um 1500 vornehmlich die Verehrung propagiert, ehe seit dem 17. Jahrhundert ein wissenschaftlicherer Umgang mit dem Leben des Bistumsgründers im Vordergrund stand. Im Jahr 1924, dem 900. Todesjahr, ging es dann vornehmlich um eine publikumswirksame Inszenierung von Heinrichs Leben.
Aber wohlgemerkt, die inhaltliche Seite dieser Wundertaten, also die Berichte über diese „Leuchtenden Wunderzeichen“, haben sich über die Jahrhunderte kaum verändert. Lediglich ihre mediale Präsentation nahm andere Formen an. Das heißt, die Geschichtsschreibung über das Kaiserpaar aus dem 16. Jahrhundert musste auf dieselben, wenigen Quellen zurückgreifen wie im 18. oder 20. Jahrhundert.
Eine solche Quelle stellt eine Chronik dar, die der Bischof Thietmar von Merseburg Anfang des 11. Jahrhunderts schrieb. Eine weitere ist eine deutschsprachige Vita von Heinrich und Kunigunde aus dem 13. Jahrhundert, die Ebernand von Erfurt verfasste und die handschriftlich überliefert ist. „Diese Schriften sind literarisch sicherlich überformt“, sagt Bettina Wagner, „aber worauf wir an zeitgenössischen Quellen zurückgreifen können, wie Thietmar von Merseburg, der Heinrichs politisches Wirken beschrieb, ist schon akkurat. Was jedoch im Lauf der Zeit immer mehr ausgeschmückt wurde, sind die legendenhaften Erzählungen, auch um christliche Werte zu propagieren.“
Wobei in diesen Erzählungen durchaus auch Kritik mitschwingen konnte. Nicht so sehr am Kaiser als zum Beispiel Kriegsherr – das war seine allseits akzeptierte politische Aufgabe –, doch aber am Kaiser als Person. So zeigt eine Illustration aus dem Stettfelder, dazu gleich mehr, eine Szene zur Pflugscharen-Legende.
Die des Ehebruchs verdächtigte Kunigunde hat ihre öffentliche Prüfung mit den glühenden Eisen dank himmlischen Beistands gerade unbeschadet überstanden. Vorher beteuerte sie ebenso öffentlich, dass sie ohnehin noch unberührt sei – also auch von ihrem Ehemann. Davon fühlte sich Heinrich zu einem derart harten Schlag ins Gesicht der Kaiserin provoziert, dass Kunigunde Blut aus dem Mund lief.
Nonnosus Stettfelders Bestseller
Die Chroniken aus dem 11. und 13. Jahrhundert befinden sich zwar beide nicht in der Ausstellung der Staatsbibliothek, zwei Werke, die auf sie Bezug nehmen, aber schon. So handelt eine Passage der „Schedelschen Weltchronik“, eine illustrierte Darstellung der Weltgeschichte des Nürnberger Historikers Hartmann Schedel, geschaffen 1493, vom Leben des Kaiserpaars und seiner Taten.
Ein abzweigungsreicher Holzschnitt zeigt darin etwa den Stammbaum von Heinrich und Kunigunde, der Text widmet sich Feldzügen und der Kaiserkrönung. Auch Heinrichs Reise ins mittelitalienische Montecassino, wo er der Legende nach von seinen Nierensteinen geheilt wurde, kommt vor.
Diese mit den neuen Möglichkeiten des Buchdrucks vervielfältigte Chronik war dann auch eines jener Werke, die Anfang des 16. Jahrhunderts die Verbreitung und Steigerung der Bekanntheit des Kaiserpaars förderten. Den etwa um dieselbe Zeit entstandenen Schriften des Michelsberger Mönchs Nonnosus Stettfelder über Heinrich und Kunigunde gelang es jedoch, die Verehrung der beiden zu zementieren. Inhaltlich orientierten auch sie sich an den Vorlagen vorangegangener Jahrhunderte, profitierten aber, was ihre Verbreitung anging, sehr vom Buchdruck. „An den Erzählungen über Heinrich und Kunigunde hat sich weder bei Schedel, noch bei Stettfelder fundamental etwas geändert“, sagt Bettina Wagner. „Aber vor allem auf Stettfelder geht der Ruhm des Kaiserpaares zurück.“
Der Buchdruck hatte dabei einen derartigen Einschlag, dass damals um 1500 nicht nur die Bamberger Bevölkerung gut mit Stettfelders Werk versorgt werden konnte. Noch heute sind allein im Bestand der Staatsbibliothek mehrere Exemplare davon erhalten. So ist es auch möglich, für die Ausstellung verschiedene Seiten der Bücher aufgeschlagen gleichzeitig zu zeigen. So kann das Publikum nicht nur die Textanteile ins Auge nehmen, sondern auch die detailreichen Illustrationen. Diese Bilder zeigen zum Beispiel das Pfennigwunder und nehmen so direkten Bezug zum Riemenschneideraltar.
Verständnis der Vergangenheit
Aufgeteilt ist „Leuchtende Wunderzeichen: Das Nachleben Kaiser Heinrichs II. in der Frühen Neuzeit“ auf zwei Räume, die etwa 40 Exponate beherbergen. Im einen geht es schwerpunktmäßig um das Werk Stettfelders und die „Schedelsche Weltchronik“, der andere Raum zeigt neuzeitliche, dem 18. und 20. Jahrhundert entstammende Darstellungen und Werke. So wurde der Heinrichsverehrung etwa um 1730 ein weiterer Schub zuteil. Damals entstand ein Katalog der Dombibliothek, in dem die Schriften aufgeführt sind, und man begann, die Buchmalerei aus den 700 Jahre älteren Handschriften zu reproduzieren und die Bücher zu erforschen. „Besonders die Säkularisation trug zur Bekanntheit der von Heinrich gestifteten Handschriften bei“, sagt Bettina Wagner. Seit 1803 waren die Bücher in der heutigen Staatsbibliothek zugänglich und gewannen dadurch an Bekanntheit, genau wie durch ihre wissenschaftliche Erforschung, die der erste Direktor, Heinrich Joachim Jaeck, einleitete.
1924, 900 Jahre nach Heinrichs Tod, kamen weitere Vermittlungsformen hinzu. „Beim Jubiläum vor 100 Jahren ging es stark darum, anhand des Erbes Heinrichs wieder eine Art hoffnungsvolle Stimmung zu schaffen nach dem verlorenen 1. Weltkrieg“, sagt Bettina Wagner. „Damals gab es ein Festspiel und Theaterstücke, die das Heinrichsbild wieder populär machen sollten.“ Jedoch, wie in den Jahrhunderten zuvor, erneut mit dem gleichen Inhalt. Trotzdem oder entsprechend war das Jubiläum ein riesiges öffentliches Event, mit einer enormen Menschenmasse auf dem Domberg, angelockt unter anderem durch in der ganzen Region verteilte Plakate. Eines davon zeigt die Staatsbibliothek ebenfalls in der Ausstellung.
Was die Ausstellung nicht zeigt, sind heutige Darstellungsformen der Heinrichs- und Kunigundenlegenden. Beziehungsweise sie zeigt, dass die Legenden und ihre früheren Darstellungsformen heute eher musealen Reiz besitzen. Gleichzeitig verdeutlicht die Schau allerdings auch, wie sich das Medium des Buchs oder des Drucks in den Jahren änderte und vor allem wie das heutige Verständnis der Vergangenheit von den medialen Möglichkeiten der Vergangenheit beeinflusst ist.
Die Ausstellung „Leuchtende Wunderzeichen: Das Nachleben Kaiser Heinrichs II. in der Frühen Neuzeit“ in der Staatsbibliothek beginnt am 16. September und geht bis 14. Dezember.
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200. Todesjahr E.T.A. Hoffmann
Ausstellung „Unheimlich Fantastisch“
Die Staatsbibliothek Bamberg zeigt noch bis zum 22. Oktober zum 200. Todesjahr von E.T.A. Hoffmann die Ausstellung „Unheimlich Fantastisch“. Auf Kulturschaffende wie ihn geht zurück, dass in der romantischen Epoche des 19. Jahrhunderts der Begriff des Universalkünstlers aufkam. Seine literarischen Werke prägten eine literarische Gattung und seine Gesellschafts- und Kunstkritiken beeinflussten die ihrige. Zudem zeigte er große Produktivität als Zeichner und Komponist. Maßgeblichen Einfluss auf seine Laufbahn als Künstler hatte indes Bamberg.
„Obwohl es in Bamberg das ETA Hoffmann Theater, das ETA Gymnasium und den Hund „Berganza“ im Hain gibt“, sagt Prof. Dr. Bettina Wagner, Direktorin der Bamberger Staatsbibliothek, „Orte also, an denen man sich E.T.A. Hoffmanns durchaus bewusst werden könnte, befürchte ich, dass viele in der Stadt mit seinem unglaublich vielseitigen Werk nicht vertraut sind.“ Um dem ein wenig gegenzusteuern und anlässlich des 200. Todesjahres des Autors, Zeichners, Kritikers, Komponisten und Juristen Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann Hoffmann (1776 bis 1822) zeigt die Staatsbibliothek die Ausstellung „Unheimlich Fantastisch“.
Zu sehen seit Ende Juli, präsentiert die Schau knapp 50 Stücke aus dem Bestand der Bibliothek, die neben der Staatsbibliothek Berlin die weltweit größte Sammlung zu Hoffmann besitzt. Umrahmt wird das Ganze von Spezial-Führungen, zeitgenössischer Installation und Konzerten.
Der Universalkünstler
Der Titel der Ausstellung spielt zwar mit der vornehmlichen populären Wahrnehmung Hoffmanns, die Schau selbst legt ihren Schwerpunkt aber nicht allein auf ihn als Autor von Schauergeschichten. Der Spitzname, den ihm Zeitgenossen einst verliehen haben – Gespenster-Hoffmann – kam im Angesicht seiner genre-definierenden Werke wie des Romans „Die Elixiere des Teufels“ oder der Erzählung „Der Sandmann“ durchaus nicht von ungefähr. Der Allrounder Hoffmann beschränkte sich aber nicht nur auf die Darstellung fantastischer Welten.
„Seine literarische Bedeutung für die Romantik“, sagt Bettina Wagner, „war darum so groß, weil er eigentlich alle ihre Spielarten verkörperte. Dunkle und abwegige Themen bearbeitete er genauso wie neue gesellschaftliche Aspekte, die durch die Selbstbeobachtung und technischen Fortschritt zustande gekommen waren.“
Als ein Highlight der Ausstellung bezeichnet Frau Wagner das Original-Manuskript der Hoffmann-Erzählung „Meister Martin der Küfner und seine Gesellen“, die eher in die Richtung eines Lustspiels geht. „Das ist eines der wenigen Werkmanuskripte, das erhalten geblieben ist.“
Weitere Originale
Weitere Originale des Künstlers entstammen vor allem seinem zeichnerischen Schaffen, einer weiteren Säule seines Werks. Das großformatige Doppelporträt (siehe unten) seiner selbst und seines Freundes Adalbert Friedrich Marcus, ein Arzt und Kunstförderer, nach dem später das Markushaus, die Markusbrücke und der Markusplatz in Bamberg benannt wurden, ist ein Beispiel dafür.
„Auch zeigen wir einige Karikaturen vor allem zeitgenössischer Politik oder die des Bamberger Bürgermilitärs. Außerdem befinden sich Partituren Hoffmanns in unserem Besitz, wie diejenige seiner Oper „Dirna“, mit denen wir auch sein musikalisches Werk beleuchten wollen.“
Dieses näherte sich der Materie von zwei Seiten an. So hatte Hoffmann als Musikkritiker beispielsweise urheberischen Verdienst an der Entstehung des Begriffs der Romantischen Musik. Dies bewerkstelligte er, indem er Werke von Beethoven oder Mozart, eigentlich zwei Inbegriffe einer der Romantik vorangegangenen Epochen, der Klassik, unter romantischen Gesichtspunkten analysierte. Hoffmann versuchte als erster, die Wirkung dieser Musik auf das Empfinden des Publikums zu beschreiben, also wie sie welche Emotionen auslöst.
Außerdem galt Hoffmanns künstlerische Leidenschaft mindestens genauso sehr der Musik wie der Literatur und dem Zeichnen. So komponierte er mehr als 85 musikalische Werke, von denen nur 34 erhalten sind – sie fanden aber, besonders in seiner Bamberger Zeit, nicht immer soviel Anerkennung, wie er es sich wünschte.
Der Jurist
Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann wurde am 24. Januar im ostpreußischen Königsberg geboren. Der Familientradition gemäß schrieb er sich im jungen Alter von 16 Jahren für ein Studium der Rechtswissenschaften ein. Wenn auch damals noch hobbymäßig, widmete er sich zu dieser Zeit bereits ersten literarischen, zeichnerischen und musikalischen Unternehmungen.
Diesen ging er zwar auch in der Folge nach, räumte ihnen aber vorerst nicht den späteren Platz im Leben ein. Denn 1798 schloss Hoffmann das juristische Studium mit der Note „vorzüglich“ ab und siedelte nach Berlin über. Dort fand er eine Anstellung am Kammergericht.
Auch seine Beförderung zum Gerichtsassessor, ein Richter auf Probe, und die damit zusammenhängende Versetzung nach Posen hätten der Beibehaltung dieser Konstellation aus privater Kreativität und beruflichem Beamtentum nicht im Weg gestanden. Aber Anfang des 19. Jahrhunderts kamen sich diese beiden Hoffmanns – erst ungewollt, dann aus Überzeugung – bei zwei folgenreichen Ereignissen doch in die Quere.
Zur Karnevalszeit 1802 verteilte eine vorwitzige Gruppe junger Regierungsbeamter – Hoffmann war Teil davon – höhnische Karikaturen höherrangiger Beamten – Hoffmann hatte sie gezeichnet. Die Posse und ihre Urheber flogen auf und Hoffmann wurde zur Strafe in eine abgelegene Kleinstadt versetzt. Dort begann er sich überliefertermaßen zu langweilen.
1804 folgte eine weitere Versetzung nach Warschau, das damals preußisch war, und die Wiederaufnahme der Existenz als künstlerisch tätiger Jurist. Aus dieser Zeit stammen Hoffmanns erste musikalische Erzeugnisse samt öffentlicher Auftritte.
Dann kam ihm allerdings die Weltgeschichte dazwischen. Napoleon nahm Warschau ein und zwang die dortige Beamtenschaft, entweder einen Eid auf ihn abzulegen oder die Stadt zu verlassen. Hoffmann entschied sich zu gehen. Außerdem nahm er diese Entwicklung zum Anlass, die Juristerei vorerst ruhen zu lassen und nun ganz und gar Künstler zu werden.
Die Bamberger Zeit
Allerlei Bewerbungen um verschiedenste musikalische Stellen führten E.T.A. Hoffmann 1808 zusammen mit seiner Ehefrau Marianne Thekla Michalina Rorer nach Bamberg. Am örtlichen Theater hatte er die Zusage für den Posten des Kapellmeisters erhalten. Künstlerisch war seine Zeit in Bamberg eine Zeit des Zu-sich-selbst-Findens, frei von Rückschlägen, nicht zuletzt privater Art, war sie aber nicht.
„Hoffmann hatte sich an mehreren Stellen beworben“, sagt Bettina Wagner. „Er hatte auch ein Angebot aus Luzern und wäre auch gerne nach Leipzig gezogen – beides wäre finanziell aber nur wenig einträglich gewesen. So kam er nach Bamberg. Diese Station ist auch insofern nennenswert, weil es die südlichste Station seines Lebens war.“ Nie sei er weiter weg von der ostpreußischen Heimat gewesen.
„Es war die Zeit, in der er versucht hat, Künstler zu werden, und so gesehen war es sicher auch beglückend für ihn, diesen Traum vom freien Künstler und seine Kreativität auszuleben zu können.“
Da er sich damals aber in erster Linie als Komponist gesehen habe und nicht als Autor, ließen die ersten Irritationen mit der neuen Lebenssituation und dem neuen Lebensplan nicht lange auf sich warten. „Wenn er etwas Literarisches produziert hat, ist ihm alles ganz leicht aus der Feder geflossen. Den „Sandmann“ hat er zum Beispiel in einer Woche niedergeschrieben. Er war unglaublich produktiv und hat auch zu allen möglichen Dingen textlich Stellung bezogen.“
Mit der Musik wollte es aber nicht so einfach klappen. Seine Kompositionen für das Theater trugen nicht genug finanziellen Erfolg ein und bald wurde er vom Kapellmeister zum Direktionsgehilfen zurückgestuft.
Kein Mensch mit gleichmäßigem Seelenzustand
„In seiner Bamberger Zeit hat Hoffmann viele Briefe und Tagebücher geschrieben. Daher wissen wir, dass er sehr kritisch über das Bamberger Theater und die dortigen Verhältnisse geschrieben hat. Aber wahrscheinlich hat er das Haus mit seinen Kompositionen auch überfordert. Er wollte musikalische Neuerungen einführen, was nicht so positiv aufgenommen wurde. Vielleicht hat er auch aber auch einfach nicht kompromissbereit genug agiert“ – wie bei Napoleon, könnte man sagen – auch aus dem Grund, dass Hoffmann erneut anderen Dingen den Vorzug geben konnte; diesmal allerdings nicht der Kunstkarriere allgemein, sondern der Literatur.
So stammt seine erste literarische Veröffentlichung, die „Fantasiestücke in Callots Manier“, in denen unter anderem „Der goldene Topf“ und „Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza“ enthalten sind, aus der Bamberger Zeit.
Auch das bereits genannte „Die Elixiere des Teufels“ sähe ohne Bamberg anders aus. „Das Gruselstück spielt in einem Kloster. Die Idee dazu kam Hoffmann beim Besuch des Bamberger Kapuzinerklosters. Als Protestant war ihm diese Welt und ihre Atmosphäre völlig fremd. Kurz gesagt: Bamberg hat ihm den Namen gemacht als Autor von Fantasiestücken.“
Diesen Namen brachte er in der damaligen Bamberger Gesellschaft allerdings ein wenig in Verruf, als er sich in seine Gesangsschülerin Julia Mark verliebte. Diese Verliebtheit soll aufs Peinlichste aufgefallen sein und dann geriet Hoffmann auch noch mit Julia Marks Verlobten in Konflikt.
„Ja, er war verliebt“, sagt Bettina Wagner, „aber unglücklich. Dieser euphorische Zustand hob ihn zwar ein bisschen aus dem Alltag heraus, hat ihn aber auch zur Verzweiflung gebracht. Wobei wir eigentlich grundlegend davon ausgehen sollten, dass er sicher kein Mensch war, der einen gleichmäßigen Seelenzustand hatte.“
Verhängnisvoller Ausflug
Bei einem Ausflug zum Schloss Weißenstein in Pommersfelden, den Hoffmann, Julia Mark und ihr Verlobter 1812 im Angesicht der sich teilweise zuwiderlaufenden emotionalen Verbindungen in dieser Gruppe bemerkenswerterweise gemeinsam unternahmen, soll sich der Verlobte derart heftig betrunken haben, dass er stürzte. Das nahm Hoffmann zum Anlass, ihn als „Scheißhund“ zu beschimpfen. „Der Entschuldigungsbrief, den er an Julias Mutter schreiben musste, ist bei uns im Bestand erhalten“, sagt Bettina Wagner.
Als Julia kurz darauf heiratete und etwa zur selben Zeit das Stellenangebot des Musikdirektors einer Operngesellschaft einging, zog Hoffmann Bilanz. Er entschied sich zuzusagen und verließ Bamberg. „Dann endete seine Bamberger Zeit nach knapp fünf Jahren. Dass heute unter anderem das ETA Theater seinen Namen trägt, hätte ihn, denke ich, amüsiert. Denn die Tatsache, dass der Ort nach ihm benannt wurde, an dem er gelitten hat und unterschätzt wurde, ist nicht ohne Ironie.“
Die Ausstellung „Unheimlich Fantastisch“, die die Staatsbibliothek noch bis 22. Oktober zeigt, geht auf das gesamte Spektrum des Schaffens von E.T.A. Hoffmann ein und widmet sich auch seiner Bamberger Zeit.