Uni­ver­si­tät Bamberg

Coro­na­pan­de­mie: Ver­zerr­te Erin­ne­run­gen bei Geimpf­ten und Ungeimpften

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Coronapandemie
Symbolbild, Foto: Pixabay
Ein For­schungs­team aus unter ande­rem Bam­berg hat unter­sucht, wie Wahr­neh­mun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen wäh­rend der Coro­na­pan­de­mie künf­ti­ge Ein­stel­lun­gen über die Pan­de­mie prä­gen. Je nach Impf­sta­tus besteht eine pola­ri­sier­te Wahr­neh­mung der Vergangenheit.

For­schen­de der Uni­ver­si­tä­ten Bam­berg, Chi­ca­go, Erfurt, Ham­burg und Wien haben ver­sucht her­aus­zu­fin­den, wie der Impf­sta­tus, also geimpft oder unge­impft, die Wahr­neh­mung und Erin­ne­rung an die Coro­na­pan­de­mie beein­flus­sen. Die Stu­di­en­teil­neh­me­rIn­nen wur­den dafür im ers­ten Jahr der Pan­de­mie, also 2020, befragt und dann noch­mals 2023. „In der zwei­ten Befra­gung wur­den sie auch gebe­ten, sich an ihre Wahr­neh­mun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen im ers­ten Jahr der Pan­de­mie zu erin­nern. So konn­ten ihre Erin­ne­run­gen mit den tat­säch­lich gege­be­nen Ant­wor­ten ver­gli­chen wer­den“, sagt Phil­ipp Spreng­holz, Mit­au­tor der Stu­die von der Uni­ver­si­tät Bamberg.

Mit­tels meh­re­rer Stu­di­en mit mehr als 10.000 Befrag­ten aus ins­ge­samt zehn Län­dern konn­ten die For­sche­rIn­nen ermit­teln, wie die Erin­ne­run­gen an die eige­nen Anga­ben aus der Ver­gan­gen­heit der Coro­na­pan­de­mie von aktu­el­len Wahr­neh­mun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen abhän­gig waren. Ins­be­son­de­re inter­es­sier­te die Wis­sen­schaf­te­rIn­nen, wie unter­schied­li­che Ein­stel­lun­gen die Ver­zer­rung der Erin­ne­run­gen beein­flus­sen. Dafür betrach­te­ten sie vor allem, ob die Befrag­ten gegen Covid-19 geimpft oder unge­impft waren. Das über­ra­schen­de Ergeb­nis, so die Uni­ver­si­tät Bam­berg in einer Mit­tei­lung: Je nach­dem, wie sehr sich Geimpf­te bezie­hungs­wei­se Unge­impf­te mit ihrem Impf­sta­tus iden­ti­fi­zie­ren, sind die Erin­ne­run­gen in unter­schied­li­che Rich­tun­gen verzerrt.

So über­schätz­ten bei­spiels­wei­se Geimpf­te ihr damals wahr­ge­nom­me­nes Risi­ko einer Infek­ti­on und ihr Ver­trau­en in die Wis­sen­schaft. Unge­impf­te unter­schätz­ten im Rück­blick hin­ge­gen ten­den­zi­ell Risi­ko und Ver­trau­en. Da sich die Erin­ne­run­gen teil­wei­se ver­bes­ser­ten, wenn die Befrag­ten Geld für beson­ders akku­ra­te Erin­ne­run­gen erhiel­ten, schlie­ßen die Wis­sen­schaf­te­rIn­nen, dass die Erin­ne­rungs­ver­zer­run­gen zumin­dest teil­wei­se moti­viert sind und nicht allein durch blo­ßes Ver­ges­sen erklärt wer­den können.

Wunsch zur Zer­schla­gung des poli­ti­schen Systems

Wei­ter­hin zeig­ten die Stu­di­en­ergeb­nis­se, dass bei einer stär­ke­ren Unter­schät­zung der dama­li­gen Risi­ko­wahr­neh­mun­gen, Schutz­ver­hal­ten und Ver­trau­en in die Regie­rung und Wis­sen­schaft, poli­ti­sche Maß­nah­men rück­bli­ckend als weni­ger ange­mes­sen wahr­ge­nom­men wur­den. Nega­ti­ve­re Bewer­tun­gen der poli­ti­schen Maß­nah­men wäh­rend der Pan­de­mie sind der Stu­die zufol­ge auch mit einem stär­ke­ren Wunsch ver­bun­den, Poli­ti­ke­rIn­nen und Wis­sen­schaf­te­rIn­nen für ihr Han­deln in der Pan­de­mie zu bestra­fen und die gesam­te poli­ti­sche Ord­nung zu zer­schla­gen. Wenig über­ra­schend gaben die­se Befrag­ten auch an, dass sie nicht beab­sich­ti­gen, Bestim­mun­gen in zukünf­ti­gen Pan­de­mien zu folgen.

„Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass es sys­te­ma­ti­sche Unter­schie­de dar­in gibt, wie sich Men­schen an die Pan­de­mie erin­nern, obwohl sich ihre dama­li­gen Ein­schät­zun­gen oft­mals gar nicht so stark von­ein­an­der unter­schie­den“, sagt Luca Hen­kel von der Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go über die Ergeb­nis­se. Die ver­zerr­te Erin­ne­rung füh­re zu einer pola­ri­sier­ten Wahr­neh­mung der Ver­gan­gen­heit, die das Poten­zi­al hat, die aktu­el­le und zukünf­ti­ge gesell­schaft­li­che Pola­ri­sie­rung auf­recht­zu­er­hal­ten und die Vor­be­rei­tung auf kom­men­de Kri­sen zu behin­dern. Cor­ne­lia Betsch von der Uni­ver­si­tät Erfurt und vom Bern­hard-Nocht-Insti­tut Ham­burg ergänzt: „In Zukunft müs­sen wir über die kurz­fris­ti­gen Effek­te poli­ti­scher Maß­nah­men zur Ein­däm­mung von Pan­de­mien hin­aus­bli­cken und auch lang­fris­ti­ge Fol­gen für den sozia­len Zusam­men­halt berücksichtigen“.

Wei­te­re Stu­di­en sol­len nun unter­su­chen, wie sich die Ver­zer­rung von Erin­ne­run­gen und die gesell­schaft­li­che Pola­ri­sie­rung gegen­sei­tig beein­flus­sen und wie die­se Dyna­mik in ver­schie­de­nen Län­dern vari­iert. Dabei sol­len auch ande­re Kri­sen wie etwa die Kli­ma­kri­se in den Blick genom­men wer­den. „Außer­dem wol­len wir Wege zur Ver­rin­ge­rung der Pola­ri­sie­rung erfor­schen“, sagt Robert Böhm von der Uni­ver­si­tät Wien. „Even­tu­ell lässt sich die Iden­ti­fi­ka­ti­on von Geimpf­ten und Unge­impf­ten mit ihrem Impf­sta­tus redu­zie­ren. Damit könn­te sich die Moti­va­ti­on ver­rin­gern, die Erin­ne­run­gen über­haupt zu ver­zer­ren und somit die Auf­ar­bei­tung der Pan­de­mie ver­bes­sert werden.“

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