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Universität Bamberg

Stu­die der Uni­ver­si­tät Bamberg

Pan­de­mie­fol­gen für Abitur­jahr­gän­ge 2020 und 2021

Eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Bam­berg zeigt: Die Lebens­zu­frie­den­heit der Abitur­jahr­gän­ge 2020 und 2021 ist zurück­ge­gan­gen, die men­ta­le Belas­tung gestiegen.

Die Uni­ver­si­tät Bam­berg hat mit­ge­teilt, dass eine Stu­die erst­mals nega­ti­ve Effek­te der Coro­na­pan­de­mie auf Bil­dungs­ent­schei­dun­gen und Kar­rie­re­plä­ne bestimm­ter Abitur­jahr­gän­ge belegt. Die Stu­die war ein Gemein­schafts­pro­jekt der Öko­no­mie und Sozio­lo­gie der Uni­ver­si­tät Bam­berg und des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB).

„Die Lebens­zu­frie­den­heit von jun­gen Erwach­se­nen wäh­rend der Pan­de­mie ist auf einer Ska­la von 0 bis 10 um 0,5 gesun­ken“, sagt Pro­jekt­mit­ar­bei­ter Dr. Alex­an­der Patz­i­na von der Uni­ver­si­tät Bam­berg. „Wäh­rend die durch­schnitt­li­che Lebens­zu­frie­den­heit in Deutsch­land ins­ge­samt wesent­lich weni­ger stark zurück­ge­gan­gen ist. Die­ser Ein­bruch ist unty­pisch für jun­ge Men­schen. Er ent­spricht zum Bei­spiel dem dras­ti­schen Rück­gang der Lebens­zu­frie­den­heit in Kriegsgebieten.“

Die Erkennt­nis­se der aktu­el­len Ver­öf­fent­li­chung beru­hen auf dem Daten­satz der Stu­die „Beruf­li­che Ori­en­tie­rung: Berufs­wahl und Stu­di­en­wahl“. Der Daten­satz ent­hält Infor­ma­tio­nen von rund 8.000 Abitu­ri­en­tin­nen und Abitu­ri­en­ten der Jahr­gän­ge 2020 und 2021. Sie besuch­ten 217 Schu­len in acht ver­schie­de­nen Bun­des­län­dern, unter ande­rem Bay­ern und Nord­rhein-West­fa­len. Mit die­sen Daten haben die For­schen­den unter­sucht, wel­chen Ein­fluss die Pan­de­mie auf Bil­dungs­we­ge und Wohl­be­fin­den der soge­nann­ten Coro­na-Abitur­jahr­gän­ge hat.

Nega­ti­ve Effek­te einer Schul­zeit unter Covid-Bedingungen

Wel­che kurz- und lang­fris­ti­gen Fol­gen hat die Pan­de­mie auf Abitur­jahr­gän­ge? „Nach den ers­ten Schul­schlie­ßun­gen im März 2020 zeig­te die men­ta­le Gesund­heit der jun­gen Men­schen der Jahr­gän­ge 2020 und 2021 kurz­fris­tig kei­nen nega­ti­ven Ver­lauf“, sagt Pro­jekt­lei­te­rin Prof. Dr. Sil­ke Anger. „Aller­dings ging ihre Lebens­zu­frie­den­heit und psy­chi­sche Gesund­heit zwi­schen dem ers­ten und zwei­ten Lock­down im Win­ter 2020 /​/​2021 stark zurück.“

Zwi­schen den unter­such­ten Abitur­jahr­gän­gen 2020 und 2021 wür­den sich zudem Unter­schie­de zei­gen. So sei­en im Abitur­jahr­gang 2021 vor allem Angst- und Depres­si­ons­ri­si­ken im Abitur­jahr­gang stark ange­stie­gen. Auch die Lebens­zu­frie­den­heit ging zurück. Erst nach Ende der Schul­zeit habe sich das Wohl­be­fin­den wie­der ver­bes­sert und die Unter­schie­de zwi­schen bei­den unter­such­ten Abitur­jahr­gän­gen verschwanden.

Sil­ke Anger weist auf einen mög­li­chen Erklä­rungs­an­satz für die unter­schied­li­che Ent­wick­lung des Wohl­be­fin­dens hin: „Wäh­rend jun­ge Men­schen des Abitur­jahr­gangs 2020 die Schu­le unmit­tel­bar nach Aus­bruch der Covid-19-Pan­de­mie ver­lie­ßen, absol­vier­te der Abitur­jahr­gang 2021 noch ein gesam­tes wei­te­res Schul­jahr unter Covid-Bedin­gun­gen.“ Bei­de Abitur­jahr­gän­ge hät­ten zudem ihr Vor­pan­de­mie-Niveau men­ta­ler Gesund­heit und Lebens­zu­frie­den­heit im unter­such­ten Zeit­raum bis zum Herbst 2021 nicht wie­der erreicht.

Risi­ko von vor­zei­ti­gen Aus­bil­dungs- oder Stu­di­en­ab­brü­chen gestiegen

Die Schluss­fol­ge­run­gen, die das For­schungs­team aus den Ergeb­nis­sen der Stu­die zieht, fasst Alex­an­der Patz­i­na zusam­men. „Die Aus­ge­stal­tung bil­dungs­po­li­ti­scher Maß­nah­men hat kurz- und lang­fris­ti­ge Fol­gen. Wenn Schu­len schlie­ßen oder Distanz­un­ter­richt ein­füh­ren, kann sich das auf die psy­chi­sche Gesund­heit jun­ger Men­schen auswirken.“

Bil­dungs­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen in der Pan­de­mie könn­ten weit­rei­chen­de Fol­gen für indi­vi­du­el­le Lebens­ver­läu­fe haben. Vor allem eine star­ke Ver­schlech­te­rung der psy­chi­schen Gesund­heit ver­än­de­re Bil­dungs­ent­schei­dun­gen und Kar­rie­re­plä­ne jun­ger Men­schen. So stei­ge das Risi­ko von vor­zei­ti­gen Aus­bil­dungs- oder Stu­di­en­ab­brü­chen, weil sie mit ihrer Ent­schei­dung weni­ger zufrie­den sei­en. Die­se poten­ti­el­len indi­vi­du­el­len Fol­gen sei­en wie­der­um mit öko­no­mi­schen Fol­gen ver­bun­den. Denn Bil­dungs­ab­brü­che und ‑wech­sel ver­ur­sa­chen Kos­ten, zum Bei­spiel für Bera­tun­gen und für einen län­ge­ren Zeit­raum im Bildungssystem.

Top zehn deutschlandweit

Shang­hai Ran­king: Uni­ver­si­tät Bam­berg schnei­det sehr gut ab

Die Uni­ver­si­tät Bam­berg belegt im Shang­hai Ran­king deutsch­land­weit Platz zehn der bes­ten Uni­ver­si­tä­ten für das Fach Poli­tik­wis­sen­schaft. In Bay­ern ist nur eine poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät bes­ser platziert.

Die Uni­ver­si­tät Bam­berg hat bekannt­ge­ge­ben, dass das aktu­el­le Shang­hai Ran­king der Bam­ber­ger Poli­tik­wis­sen­schaft ein sehr hohes Niveau beschei­nigt. Dies gel­te sowohl auf natio­na­ler als auch auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne. Deutsch­land­weit zählt die Uni­ver­si­tät Bam­berg damit zu den bes­ten poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen Stand­or­ten und erreicht Platz zehn im Ran­king. In Bay­ern ist sie auf Platz zwei, nach der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen. Im welt­wei­ten Ver­gleich befin­det sich Bam­berg unter den bes­ten 200 poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen Universitäten.

„Es freut uns sehr, dass unse­re Anstren­gun­gen und unse­re Arbeit durch die­se Spit­zen­po­si­tio­nen beson­de­re Wür­di­gung erfah­ren“, sagt Prof. Dr. Johan­nes Marx, Direk­tor des Insti­tuts für Poli­tik­wis­sen­schaft an Uni­ver­si­tät. Man wer­de wei­ter kon­ti­nu­ier­lich dar­an arbei­ten, die Qua­li­tät in Leh­re und For­schung auf­recht­zu­er­hal­ten und wei­ter auszubauen.

Prof. Dr. Tho­mas Saal­feld, Vize­prä­si­dent für For­schung und wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs, ergänz­te: „Neben der her­vor­ra­gen­den Plat­zie­rung auf natio­na­ler Ebe­ne ist auch der inter­na­tio­na­le Rang­platz in Anbe­tracht der Grö­ße unse­rer Uni­ver­si­tät beacht­lich. Ihr sehr gutes Abschnei­den ver­dankt die Bam­ber­ger Poli­tik­wis­sen­schaft ins­be­son­de­re der Sicht­bar­keit eng­lisch­spra­chi­ger Publi­ka­tio­nen sowie ein­ge­wor­be­ner Dritt­mit­tel für die Forschung.“

Das Shang­hai Ran­king begann 2009 mit der Ver­öf­fent­li­chung von welt­wei­ten Hoch­schul­ran­kings nach aka­de­mi­schen Fächern. Im Jahr 2022 bewer­tet das soge­nann­te „Glo­bal Ran­king of Aca­de­mic Sub­jects“ 54 Fächer unter ande­rem aus den Natur­wis­sen­schaf­ten, Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten, Sozi­al­wis­sen­schaf­ten und der Medi­zin. Mehr als 1.800 Uni­ver­si­tä­ten aus 96 Län­dern und Regio­nen sind auf­ge­führt. Für das Ran­king wer­den eine Rei­he objek­ti­ver Indi­ka­to­ren her­an­ge­zo­gen wie etwa For­schungs­leis­tung, inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit, For­schungs­qua­li­tät und inter­na­tio­na­le aka­de­mi­sche Auszeichnungen.

Uni­ver­si­tät Bamberg

4. Inter­na­tio­na­le Kon­fe­renz in Skandalogie

Die Uni­ver­si­tät Bam­berg ver­an­stal­tet ab 29. Sep­tem­ber die „4. Inter­na­tio­na­le Kon­fe­renz in Skan­da­lo­gie“. Wis­sen­schaft­le­rIn­nen aus aller Welt spre­chen dabei über ihre For­schung zu poli­ti­schen Skan­da­len und gesell­schaft­li­cher Polarisierung.

Sie war einer der bekann­tes­ten euro­päi­schen Polit­skan­da­le der letz­ten Jah­re: die Ibi­za-Affä­re. Im Mai 2019 sorg­te „Ibi­za­ga­te“ nicht nur für Auf­ruhr, son­dern führ­te auch zum Bruch der öster­rei­chi­schen Regie­rungs­ko­ali­ti­on. Die Affä­re ist nur eines von vie­len The­men, um das es bei der „4. Inter­na­tio­na­le Kon­fe­renz in Skan­da­lo­gie“ gehen wird. Aus aller Welt kom­men Wis­sen­schaft­le­rIn­nen nach Bam­berg, um sich vom 29. Sep­tem­ber bis zum 1. Okto­ber über neu­es­te Ent­wick­lun­gen in der Skan­dal­for­schung aus­zu­tau­schen. Das teil­te die Uni­ver­si­tät Bam­berg Mit­te Sep­tem­ber mit.

Der Fokus der „Kon­fe­renz in Skan­da­lo­gie“ liegt auf poli­ti­schen Skan­da­len unter dem Ein­fluss von gesell­schaft­li­cher Pola­ri­sie­rung, der Spal­tung ent­lang poli­ti­scher Ideo­lo­gien und Par­tei­gren­zen sowie dem Erfolg popu­lis­ti­scher Akteu­re und The­men. Mit dem Ver­hält­nis zwi­schen Ruf­mord und öffent­li­cher Skan­da­li­sie­rung wird sich bei­spiels­wei­se ein Spe­zi­al­pa­nel der ame­ri­ka­ni­schen Geor­ge-Mason-Uni­ver­si­ty beschäf­ti­gen. Auch die aktu­el­le und kon­tro­ver­se Debat­ten über Hel­den­denk­mä­ler soll auf­ge­grif­fen wer­den. Den Zusam­men­hang zwi­schen Pro­mi­nenz, Poli­tik und popu­lis­ti­schen Ein­stel­lun­gen, soge­nann­ter „Cele­bri­ty Popu­lism“, the­ma­ti­siert ein wei­te­res Panel mit Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern aus Kroatien.

„Die Kon­fe­renz ist sehr breit auf­ge­stellt. Wir haben Bei­trä­ge aus unter­schied­li­chen Fächern, wobei der Fokus natür­lich auf der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft liegt“, sagen Dr. Hen­drik Micha­el vom Insti­tut für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg und Prof. Dr. André Hal­ler von der Fach­hoch­schu­le Kuf­stein Tirol, die Orga­ni­sa­to­ren der Konferenz.

Die Kon­fe­renz fin­det sowohl online, als auch in Prä­senz auf dem Bam­ber­ger ERBA-Cam­pus statt. Los geht es am Don­ners­tag, 29. Sep­tem­ber, mit einer Podi­ums­dis­kus­si­on. Inter­es­sier­te kön­nen sich bis zum 26. Sep­tem­ber auf der Home­page der Uni­ver­si­tät Bam­berg anmel­den.

Händ­ler­be­fra­gung zum Retouren-Management

Deutsch­land ist Retouren-Europameister

Die Bam­ber­ger For­schungs­grup­pe Retou­ren­ma­nage­ment hat die ers­te euro­päi­sche Händ­ler­be­fra­gung zum Retou­ren­ma­nage­ment im E‑Commerce unter­nom­men. Ergeb­nis: Deutsch­land ist Retou­ren-Euro­pa­meis­ter, euro­pa­weit hat kein Land eine höhe­re Retouren-Quote.

Wie vie­le Pake­te schi­cken Kun­din­nen und Kun­den im deut­schen Online­han­del zurück? Was sind die Grün­de der Anzahl an Retou­ren und was geschieht mit den retour­nier­ten Waren? Fra­gen wie die­se unter­sucht die Bam­ber­ger For­schungs­grup­pe Retou­ren­ma­nage­ment bereits seit meh­re­ren Jah­ren. Wie die Uni­ver­si­tät Bam­berg am 7. Sep­tem­ber bekannt­gab, hat das Team für eine Stu­die erst­mals Online­händ­ler auf euro­päi­scher Ebe­ne befragt und die Resul­ta­te im Rah­men des „Euro­pean Return-o-Meter“ (EUROM) veröffentlicht.

Die Stu­die lie­fert zahl­rei­che Erkennt­nis­se, die das bis­he­ri­ge Bild des Retou­ren­ma­nage­ments im deut­schen Online­han­del ver­än­dern. „Der Euro­pean Return-o-Meter schafft den bis­lang umfang­reichs­ten und genau­es­ten Ein­blick in die Prak­ti­ken deut­scher E‑Com­mer­ce-Händ­ler“, sagt Björn Asde­cker, Mit­ar­bei­ter am Lehr­stuhl für Betriebs­wirt­schafts­leh­re an der Uni­ver­si­tät Bam­berg und Lei­ter der For­schungs­grup­pe Retourenmanagement.

Die For­schen­den hät­ten ins­be­son­de­re durch drei Fak­to­ren eine höhe­re Ergeb­nis­qua­li­tät im Ver­gleich zu Vor­gän­ger­stu­di­en erreicht. So sei die Stich­pro­be dies­mal beson­ders umfang­reich, weil 411 Online­händ­ler an der Umfra­ge teil­ge­nom­men haben. Ins­ge­samt ver­ei­nen die in der Stich­pro­be ver­tre­te­nen Unter­neh­men einen E‑Com­mer­ce-Umsatz von fast 60 Mil­li­ar­den Euro. Zudem ver­ant­wor­te­ten sie den Ver­sand und Rück­ver­sand von 1,25 Mil­li­ar­den Pake­ten im Jahr 2020.

Zwei­tens ver­wen­de­ten die AutorIn­nen der Stu­die eine neue Metho­dik, die zu prä­zi­se­ren Kenn­zah­len führt. Und drit­tens sei die Hoch­rech­nung auf den Gesamt­markt exak­ter, weil das Team auf neue, zuver­läs­si­ge­re Sekun­där­da­ten zurück­grei­fen konnte.

Höchs­te Retou­ren­quo­ten in Europa

„Die euro­päi­sche Daten­er­he­bung ermög­licht zum ers­ten Mal einen inter­na­tio­na­len Ver­gleich“, sagt Dr. Björn Asde­cker. Eine wesent­li­che Erkennt­nis sei, dass Deutsch­land Retou­ren-Euro­pa­meis­ter ist. Über alle Waren­ge­bie­te hin­weg beob­ach­te­te das For­schungs­team in Deutsch­land die höchs­ten Retou­ren­quo­ten. Drei mög­li­che Ursa­chen könn­ten sein: Vie­le Deut­sche bestel­len Waren per Rech­nung (28,8 Pro­zent, EU: 9,9 Pro­zent), dies füh­re zu höhe­ren Retourenquoten.

Zudem wür­den deut­sche Online­händ­ler sehr libe­ra­le Rück­sen­de­re­geln haben. Die Rück­ga­be­frist betrug in der Stich­pro­be im Schnitt 51,7 Tage (Frist in der rest­li­chen EU: 28,1 Tage).

Auch ist die Rück­sen­dung in Deutsch­land der Regel kos­ten­los, wie 88,7 Pro­zent der befrag­ten Online­händ­ler bestä­tig­ten (EU: 52,4 Prozent).

Bis­lang unter­schätzt: Retou­ren-Men­ge und Umweltwirkung

Laut der aktu­el­len Stu­die ist die Retou­ren-Quo­te und ‑Men­ge auf dem deut­schen Gesamt­markt höher als bis­her ange­nom­men. Nach die­sen Berech­nun­gen wur­de im Jahr 2021 fast jedes vier­te Paket im deut­schen Online­han­del zurück­ge­schickt, vor allem im Bereich Mode. Das sind schät­zungs­wei­se fast 530 Mil­lio­nen Retou­ren-Sen­dun­gen, die rund 1,3 Mil­li­ar­den Arti­kel enthielten.

Die For­schungs­grup­pe nahm bis­her auch eine gerin­ge­re Umwelt­wir­kung der Rück­sen­dun­gen an (850 Gramm CO₂ pro Arti­kel). Nun gaben die befrag­ten Unter­neh­men den Fuß­ab­druck mit cir­ca 1.500 Gramm CO₂ pro retour­nier­tem Arti­kel an. In die­sem Sze­na­rio wären durch Retou­ren im Jahr 2021 in Deutsch­land geschätzt 795.000 Ton­nen CO₂ ent­stan­den. Die­se Men­ge ent­spricht 5,3 Mil­li­ar­den Kilo­me­tern, die man mit dem PKW zurücklegt.

„Bemer­kens­wer­ter ist aber fast noch, dass mehr als 80 Pro­zent der befrag­ten Online­händ­ler den öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck gar nicht erfas­sen“, sagt Björn Asde­cker. Wei­te­re 15 Pro­zent konn­ten oder woll­ten kei­ne Anga­be machen. Den CO₂-Fuß­ab­druck der Retou­re mes­sen weni­ger als 5 Prozent.

Bis­lang über­schätzt: Retou­ren-Kos­ten und Entsorgungen

Über­schätzt wur­den bis­her hin­ge­gen die Retou­ren-Kos­ten pro Arti­kel, die zahl­rei­chen ver­gan­ge­ne Stu­di­en bis­her im Bereich von 10 bis 15 Euro anga­ben. Laut der aktu­el­len Stu­die ver­ur­sacht ein zurück­ge­schick­ter Arti­kel im Schnitt nur 2,85 Euro Trans­port- und Bearbeitungskosten.

Dies lie­ge einer­seits dar­an, dass im Gesamt­markt haupt­säch­lich Mode­ar­ti­kel retour­niert wer­den, die sich kos­ten­güns­tig bear­bei­ten las­sen. Ande­rer­seits rea­li­sie­ren die füh­ren­den Händ­ler mit vie­len Rück­sen­dun­gen extrem nied­ri­ge Kosten.

Außer­dem wer­den laut aktu­el­ler Stu­die im deut­schen Online­han­del nur 1,3 Pro­zent der retour­nier­ten Arti­kel direkt durch die Händ­ler ent­sorgt. „Der gerin­ge rela­ti­ve Anteil darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass in abso­lu­ten Zah­len 2021 trotz­dem meh­re­re Mil­lio­nen retour­nier­te Arti­kel ent­sorgt wur­den“, sagt Björn Asdecker.

Dar­über hin­aus wird die Ent­sor­gung durch Wie­der­ver­mark­ter und durch Kun­den bei einer Erstat­tung ohne Rück­sen­dung nicht erfasst. Die Zahl gibt also nur einen Teil des Pro­blems wie­der. Die meis­ten zurück­ge­schick­ten Arti­kel (93,2 Pro­zent) wur­den als neu­wer­tig verkauft.

Akti­on Uni­ver­si­tät Bamberg

„Türen auf mit der Maus“

Hin­ter Türen schau­en, die nor­ma­ler­wei­se ver­schlos­sen sind: „Die Sen­dung mit der Maus“ ermög­licht das Kin­dern bei der bun­des­wei­ten Akti­on „Türen auf mit der Maus“. Zu die­sem Anlass öff­net auch die Uni­ver­si­tät Bam­berg öff­net am 3. Okto­ber für Maus­fans ihre Pforten.

Am 3. Okto­ber kön­nen Kin­der bei der Akti­on „Türen auf mit der Maus“ exklu­si­ve Ein­bli­cke ins Labor für Restau­rie­rungs­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Bam­berg erhal­ten. Genau­er gesagt: in das Labor für Restau­rie­rungs­wis­sen­schaft am Kom­pe­tenz­zen­trum für Denk­mal­wis­sen­schaf­ten und Denk­mal­tech­no­lo­gien (KDWT).

Dort kön­nen ange­mel­de­te Teil­neh­men­de mit dem Mikro­skop han­tie­ren und gemein­sam mit Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern zum Bei­spiel Sand aus Flü­ßen, dem Meer oder dem Sand­kas­ten unter­su­chen. Denn das Mot­to des Akti­ons­ta­ges des Fern­seh­sen­ders WDR „Türen auf mit der Maus“ lau­tet in die­sem Jahr: span­nen­de Verbindungen.

„Wir sie­ben Sand und tren­nen so die unter­schied­li­chen Bestand­tei­le je nach Grö­ße auf“, sagt Prof. Dr. Paul Bel­len­dorf. Er ist Initia­tor des Bam­ber­ger Akti­ons­ta­ges und Inha­ber der Pro­fes­sur für Restau­rie­rungs­wis­sen­schaft an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät. „Gemein­sam über­le­gen wir, war­um man­cher Sand eine bes­se­re Ver­bin­dung her­stel­len kann als anderer.“

Kin­der im Alter von sechs bis zehn Jah­ren kön­nen am kos­ten­lo­sen Akti­ons­tag teil­neh­men. Da die Kapa­zi­tä­ten begrenzt sind, bit­tet die Uni­ver­si­tät um Anmel­dung bis zum 26. Sep­tem­ber.

Stu­die

Hält Wut von der Coro­na-Imp­fung ab?

Ein sozi­al­wis­sen­schaft­li­ches For­schungs­team von For­sche­rin­nen und For­schern der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, des Deut­schen Zen­trums für Inte­gra­ti­ons- und Migra­ti­ons­for­schung sowie der Uni­ver­si­tät Bam­berg zeigt, dass star­ke Emo­tio­nen zu Pola­ri­sie­rung füh­ren. Sie haben am Bei­spiel der Covid-19-Pan­de­mie ana­ly­siert, wie Wut unter­schied­li­che Arten von Pola­ri­sie­rung beeinflusst.

Bereits seit eini­gen Jah­ren beob­ach­ten Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler eine zuneh­men­de gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Pola­ri­sie­rung. Wel­chen Ein­fluss haben star­ke Gefüh­le, wie etwa Angst oder Wut, auf die Hal­tung zu gesell­schaft­lich rele­van­ten The­men und die Ein­stel­lung gegen­über als geg­ne­risch emp­fun­de­nen Grup­pen? Die­se Fra­ge hat sich ein For­schungs­team der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, des Deut­schen Zen­trums für Inte­gra­ti­ons- und Migra­ti­ons­for­schung sowie der Uni­ver­si­tät Bam­berg gestellt. Die For­sche­rin­nen und For­scher haben ana­ly­siert, wie Wut unter­schied­li­che Arten von Pola­ri­sie­rung beein­flusst – und das am Bei­spiel der Covid-19-Pan­de­mie. Das zen­tra­le Ergeb­nis: „Die Erin­ne­rung an wütend machen­de Ereig­nis­se ver­stärkt bis­he­ri­ge Ein­stel­lun­gen – Men­schen hal­ten also noch mehr an ihrer Hal­tung fest“, erklärt Prof. Dr. Sabri­na May­er, Inha­be­rin des Lehr­stuhls für poli­ti­sche Sozio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bam­berg, die an dem Pro­jekt betei­ligt ist. „Gleich­zei­tig erhöht sich ihre Ableh­nung von Men­schen mit ande­ren Stand­punk­ten.“ Dar­aus ableit­bar ist laut der For­sche­rin auch: „Eine emo­tio­na­li­sier­te Bericht­erstat­tung und State­ments von Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern, die Wut nut­zen, um etwa die Impf­be­reit­schaft bei unge­impf­ten Men­schen zu erhö­hen, sind kontraproduktiv.“

Wut ver­stärkt Abnei­gung gegen Coro­na-Impf­man­dat bei frei­wil­lig Ungeimpften

Für die Stu­die, die im August im wis­sen­schaft­li­chen Jour­nal „Rese­arch & Poli­tics“ erschie­nen ist, nutz­ten die For­sche­rin­nen und For­scher ein Umfra­ge­ex­pe­ri­ment, bei dem sie 2.857 Per­so­nen zwi­schen 18 und 69 Jah­ren aus Deutsch­land befrag­ten. Die Umfra­ge wur­de im Sep­tem­ber 2021 durch­ge­führt, als das Zögern in Bezug auf Imp­fun­gen zu einem zuneh­men­den Pro­blem wur­de, die Befür­wor­tung einer Coro­na-Impf­pflicht in der Poli­tik aber noch gering war. In der Befra­gung ging es um Pola­ri­sie­rung in Bezug auf die Unter­stüt­zung einer Impf­pflicht und die Feind­se­lig­keit zwi­schen Per­so­nen, die den Covid-Sicher­heits­maß­nah­men zustimm­ten und den­je­ni­gen, die sie nicht befolg­ten. Bei der Aus­wer­tung unter­schie­den die For­schen­den dem­entspre­chend zwi­schen the­men­be­zo­ge­ner und grup­pen­be­zo­ge­ner Pola­ri­sie­rung. Wäh­rend die the­men­be­zo­ge­ne Pola­ri­sie­rung zuneh­mend unter­schied­li­che und extre­me poli­ti­sche Posi­tio­nen beschreibt, erfasst die per­so­nen­be­zo­ge­ne Pola­ri­sie­rung die wach­sen­de Feind­se­lig­keit gegen­über Mit­glie­dern ande­rer gesell­schaft­li­cher Gruppen.

„Wut kann die Pola­ri­sie­rung in Bezug auf ein bestimm­tes The­ma ver­stär­ken, da sie zu einer ver­min­der­ten kogni­ti­ven Ver­ar­bei­tung und einem stär­ke­ren Ver­trau­en in bereits bestehen­de Über­zeu­gun­gen führt“, erklärt Dr. Chris­toph Nguy­en, Poli­tik­wis­sen­schaft­ler an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, der Teil des For­schungs­teams ist. Im Ver­gleich zu neu­tra­len Bedin­gun­gen löst Wut im Rah­men der Stu­die bei bereits geimpf­ten Per­so­nen eine stär­ke­re Unter­stüt­zung einer Impf­pflicht aus, wohin­ge­gen frei­wil­lig unge­impf­te Per­so­nen eine ver­stärk­te Abnei­gung gegen ein Impf­man­dat zei­gen. Außer­dem führt Wut zu mehr Feind­se­lig­keit gegen­über Per­so­nen mit ande­rer Mei­nung zur Coro­na-Situa­ti­on. Die Ana­ly­se von geimpf­ten und unge­impf­ten Befrag­ten zeigt, dass der Anstieg der per­so­nen­be­zo­ge­nen Pola­ri­sie­rung haupt­säch­lich bei Unge­impf­ten auf­tritt. Bei geimpf­ten Per­so­nen ver­ur­sacht Ärger kei­nen wesent­li­chen Anstieg der Polarisierung.

„Die meis­ten gro­ßen Kri­sen sind mit emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen Situa­tio­nen ver­bun­den“, erklärt Chris­toph Nguy­en. „Unse­re Stu­die zeigt, wel­che Rol­le Emo­tio­nen bei der Ver­stär­kung der Pola­ri­sie­rung im Zusam­men­hang mit sol­chen hoch­gra­dig sen­si­blen und emo­tio­nal gela­de­nen Kon­tex­ten spie­len.“ Ganz all­ge­mein ver­an­schau­lich­ten die Befun­de auch die Schwie­rig­kei­ten, mit denen poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ge­rin­nen und ‑trä­ger kon­fron­tiert sind, wenn sie mit stark umstrit­te­nen und emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen The­men umge­hen. „Wäh­rend eine gestei­ger­te Wut hilf­reich sein kann, um bereits befür­wor­ten­de Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu mobi­li­sie­ren, trägt sie wenig dazu bei, skep­ti­sche Men­schen zu über­zeu­gen und bewirkt eine wach­sen­de Pola­ri­sie­rung in der Gesell­schaft“, sagt Sabri­na Mayer.

Stu­die Uni­ver­si­tät Bamberg

Wel­che Fir­men über­le­ben jahrzehntelang?

Um lang­fris­tig zu über­le­ben, müs­sen Fir­men dau­er­haft Gewin­ne erzie­len. Ihre Gemein­sam­keit: Zwei öko­no­mi­sche Kenn­zah­len sind bei ihnen im Schnitt ähn­lich hoch. Die­se Durch­schnitts­wer­te haben For­sche­rin­nen und For­scher der Uni­ver­si­tät Bam­berg und der spa­ni­schen Uni­ver­si­tät Jau­me I nun erst­mals entdeckt.

„Bis­her haben For­schen­de aus­schließ­lich Fir­men aller Alters­stu­fen unter­sucht, ange­fan­gen bei Start-ups“, sag­te Stu­di­en­lei­ter und Volks­wirt­schaft­ler Prof. Dr. Misha­el Mila­ko­vić in einer Mit­tei­lung der Uni­ver­si­tät Bam­berg. „Sie beton­ten, dass für den Unter­neh­mens­er­folg indi­vi­du­el­le Merk­ma­le wie Unter­neh­mens­grö­ße oder Wachs­tums­po­ten­zi­al ent­schei­dend sei­en. Wir haben zum ers­ten Mal bewusst einen Fokus auf lang­le­bi­ge Fir­men gelegt. Und lang­fris­tig kommt es über­ra­schen­der­wei­se gar nicht auf Indi­vi­dua­li­tät, son­dern auf zwei Gemein­sam­kei­ten an.“

Aus­wer­tung der 500 lang­le­bigs­ten US-Konzerne

Ein inter­na­tio­na­les For­scher­team hat die Stu­die „Sur­vi­val and the Ergo­di­ci­ty of Cor­po­ra­te Pro­fi­ta­bi­li­ty“ unter­nom­men. Die Team­mit­glie­der sind Misha­el Mila­ko­vić und Dr. Phil­ipp Mundt von der Uni­ver­si­tät Bam­berg und Prof. Dr. Simo­ne Alfa­ra­no von der Uni­ver­si­tät Jau­me I.

Sie wer­te­ten mit Metho­den aus der sta­tis­ti­schen Phy­sik die 500 lang­le­bigs­ten US-Fir­men aus, dar­un­ter Apple, Proc­ter & Gam­ble oder John­son & John­son. Die­se Fir­men sind alle min­des­tens 25 Jah­re alt. Die Fra­ge, die es dabei zu beant­wor­ten galt, war, wie sie es geschafft haben so lan­ge zu überleben?

„In allen Bran­chen außer dem Bank­we­sen haben lang­le­bi­ge Unter­neh­men zwei Kri­te­ri­en gemein­sam“, sag­te Phil­ipp Mundt. „Zum einen erwirt­schaf­ten sie eine lang­fris­ti­ge Gesamt­ka­pi­tal­ren­di­te von durch­schnitt­lich etwa neun Pro­zent. Zum ande­ren dür­fen sie dabei in der Schwan­kungs­brei­te ihrer Pro­fi­ta­bi­li­tät lang­fris­tig nicht mehr als sechs Pro­zent pro Jahr überschreiten.“

Die Kapi­tal­ren­di­te ist eine Kenn­zahl, die aus­sagt, wie effi­zi­ent ein Unter­neh­men sein Kapi­tal ein­setzt, um Gewinn zu erzie­len. Das heißt zum Bei­spiel: Eine Fir­ma, der 100 Mil­lio­nen Euro Kapi­tal zur Ver­fü­gung ste­hen und die damit 9 Mil­lio­nen Euro Gewinn pro Jahr erzielt, erwirt­schaf­tet eine Kapi­tal­ren­di­te von neun Prozent.

Die zwei­te ent­schei­den­de Kenn­zahl ist die Schwan­kungs­brei­te. Die­se besagt, wie stark die Kapi­tal­ren­di­te eines Unter­neh­mens schwankt. Über­schrei­tet sie lang­fris­tig sechs Pro­zent im Jahr nicht, scheint dies bei ent­spre­chen­der Kapi­tal­ren­di­te von neun Pro­zent aus­rei­chend zu sein, um lang­fris­tig am US-Markt zu bestehen.

Ver­gleich mit Deutsch­land und ande­ren Ländern

„In die­ser Stu­die haben wir uns auf die USA kon­zen­triert“, sag­te Misha­el Mila­ko­vić. „Mitt­ler­wei­le haben wir auch ers­te Zah­len von Fir­men aus Deutsch­land, Frank­reich und Japan aus­ge­wer­tet, die deut­lich nied­ri­ger als in den USA ausfallen.“

War­um die Durch­schnitts­wer­te in die­sen drei Län­dern gerin­ger sind, ist noch nicht erforscht. In Deutsch­land lie­gen Kapi­tal­ren­di­te und deren Schwan­kungs­brei­te bei lang­le­bi­gen Kon­zer­nen wie VW, Sie­mens oder Bay­er etwa ein Drit­tel unter denen in den USA, in Japan sogar unter der Hälf­te der US-Wer­te. Somit kön­nen es sich lang­le­bi­ge deut­sche oder japa­ni­sche Kon­zer­ne schein­bar zwar erlau­ben, lang­fris­tig eine gerin­ge­re Kapi­tal­ren­di­te zu erwirt­schaf­ten. Dafür dür­fen sie sich in ihren Aus­schlä­gen aber nur eine gerin­ge­re Schwan­kungs­brei­te als US-Kon­zer­ne leisten.

Mila­ko­vić’ Lehr­stuhl unter­sucht momen­tan auch die his­to­ri­sche Per­spek­ti­ve lang­le­bi­ger Kon­zer­ne. „Nach unse­ren vor­läu­fi­gen Aus­wer­tun­gen kann man unse­re Ergeb­nis­se auf sehr lan­ge Zeit­räu­me über­tra­gen – sowohl in den USA als auch in Deutsch­land“, sagt der Lehr­stuhl­in­ha­ber. „Die Kapi­tal­ren­di­te und deren Schwan­kun­gen blei­ben für lang­le­bi­ge Fir­men sogar in glo­ba­len Kri­sen­zei­ten sehr sta­bil. Das galt bei­spiels­wei­se in der „Lan­gen Depres­si­on“ der 1870-er Jah­re oder in der glo­ba­len Finanz­kri­se von 2007 bis 2009.“

Ein­zig wäh­rend der „Gro­ßen Depres­si­on“ der 1930-er habe es deut­li­che nega­ti­ve Abwei­chun­gen in der Kapi­tal­ren­di­te gro­ßer Kon­zer­ne gege­ben, die ansons­ten his­to­risch über­ra­schend sta­bil geblie­ben sei. Die For­schen­den rech­nen damit, dass sie die Ergeb­nis­se der genann­ten Fol­ge­stu­di­en vor­aus­sicht­lich 2023 veröffentlichen.

Zwi­schen Tra­di­ti­on und Innovation

Vor­le­sung: Genera­tio­nen­wech­sel in Unternehmen

Eine Vor­le­sungs­rei­he der Uni­ver­si­tät Bam­berg, der IHK Ober­fran­ken Bay­reuth und der HWK Ober­fran­ken wid­met sich dem Genera­tio­nen­wech­sel in mit­tel­stän­di­schen Unternehmen.

Unter­neh­men gehe es manch­mal nicht anders als Eltern, deren Kin­der her­an­wach­sen und selbst­stän­di­ger wer­den, sagt Mar­tin Friesl, Pro­fes­sor für BWL an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Wenn der oft ersehn­te und not­wen­di­ge Genera­tio­nen­wech­sel in Unter­neh­men Fahrt auf­ge­nom­men habe, wer­de es zur Her­aus­for­de­rung, Tra­di­ti­on und Inno­va­ti­on auszubalancieren.

In sei­ner For­schung unter­sucht Pro­fes­sor Friesl die stra­te­gi­sche Trans­for­ma­ti­on von Orga­ni­sa­tio­nen, unter ande­rem auch in Fami­li­en­un­ter­neh­men. Zu den Fak­to­ren, die sich aus sei­ner Sicht als ent­schei­dend für das Gelin­gen der Genera­tio­nen­wech­sel her­aus­ge­stellt haben, zählt zum einen das rich­ti­ge Ver­hält­nis von Altem und Neu­em. „Fami­li­en­un­ter­neh­men haben in der Regel einen leich­ten Vor­teil, denn die nach­kom­men­de Genera­ti­on stößt auto­ma­tisch Ver­än­de­run­gen an.“

Zusätz­lich brau­che es aus­rei­chen­de Res­sour­cen: „Ver­än­de­run­gen zu mana­gen, gehört nicht zum Tages­ge­schäft, son­dern kommt zusätz­lich hin­zu“, sagt Friesl. Auch das rich­ti­ge Timing sei wich­tig, also Ver­än­de­run­gen aktiv anzu­sto­ßen und nicht erst dann, wenn eine Lage bereits ernst sei.

Wie Expe­ri­men­te und ein Genera­tio­nen­wech­sel in mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men gelin­gen kön­nen, beschrieb Friesl bei der ers­ten Vor­le­sung der Rei­he „Wis­sen­schaft & Pra­xis“. Sascha Dorsch von der Dr. Pfle­ger Arz­nei­mit­tel GmbH, Gise­la Han­sen von Mei­nel Bräu und Tobi­as Hum­mel von der Albert & Hum­mel GmbH lie­fer­ten Praxisbeispiele.

Bei­spie­le für Unternehmenstransformation

Eine Trans­for­ma­ti­on habe das Arz­nei­mit­tel­un­ter­neh­men Dr. Pfle­ger in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch­lau­fen. Dies berich­te­te Sascha Dorsch, Lei­ter der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on. „Mit der neu­en Geschäfts­lei­tung wan­del­te sich das Unter­neh­men vom Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler zum Pharmakonzern.“

Gise­la Han­sen ist Brau­meis­te­rin und führt in der 13. Genera­ti­on die Hofer Fami­li­en­braue­rei Mei­nel. Sie zeigt, wie Trans­for­ma­ti­on in einem Tra­di­ti­ons­hand­werk gelin­gen kann, ohne Bewähr­tes auf­ge­ben zu müs­sen. So nimmt die Braue­rei zum Bei­spiel neue Ziel­grup­pen in den Blick und braut Bie­re, die vor allem Frau­en anspre­chen sollen.

Tobi­as Hum­mel ist Teil der Geschäfts­lei­tung der Albert & Hum­mel GmbH, einem Bam­ber­ger Her­stel­ler von Auto­ma­ti­sie­rungs­tech­nik. Kon­flikt­po­ten­zi­al ber­ge immer wie­der, sagt er, und das wer­de mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit auch immer wie­der pas­sie­ren, dass beim Genera­tio­nen­wech­sel die Genera­tio­nen in alte Rol­len­mus­ter von Eltern und Kin­dern zurückfallen.

Aus­tausch zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirtschaft

Ein­mal pro Semes­ter bringt eine Gemein­schafts­in­itia­ti­ve der Uni­ver­si­tät Bam­berg, der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth und der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken Wis­sen­schaft und Wirt­schaft zusam­men. Ziel der Vor­le­sungs­rei­he ist es, den Aus­tausch unter­ein­an­der zu för­dern und den Trans­fer von Wis­sen zwi­schen den bei­den Sei­ten anzuregen.

Zu der Ver­an­stal­tung am 20. Juli in der Uni­ver­si­tät Bam­berg begrüß­ten Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Prof. Dr. Kai Fisch­bach, Dr. Andre­as Schön­ber­ger für das IHK-Gre­mi­um Bam­berg und HWK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Rein­hard Bau­er mehr als 50 Gäs­te. Das gab eine gemein­sa­me Mit­tei­lung der drei Insti­tu­tio­nen bekannt.

Antritts­vor­le­sun­gen

Gren­zen und poli­ti­sche Kommunikation

Isa­bel Kusche the­ma­ti­siert bei ihrer Antritts­vor­le­sung heu­te Abend ab 19 Uhr poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on im Netz. Dani­el Drew­ski ver­gleicht im Anschluss die Auf­nah­me von Geflüch­te­ten in sechs Ländern.

Prof. Dr. Isa­bel Kusche, Inha­be­rin der Pro­fes­sur für Sozio­lo­gie mit dem Schwer­punkt digi­ta­le Medi­en, beschäf­tigt sich in ihrer Antritts­vor­le­sung mit poli­ti­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on und poli­ti­schen Effek­ten von Inter­net und sozia­len Medi­en. Das gab die Uni­ver­si­tät Bam­berg Ende Juni bekannt.

Mit der Ver­brei­tung von Inter­net und sozia­len Medi­en habe sich das Aus­maß, in dem poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on öffent­lich beob­acht­bar ist, ver­än­dert. Oft sei in die­sem Zusam­men­hang die Rede von „Micro­tar­ge­ting“, aber auch von „Fil­ter­bla­sen“ und „Echo­kam­mern“. Mit ande­ren Wor­ten gebe es Befürch­tun­gen, dass man­che Nut­ze­rin­nen und Nut­zer sozia­ler Medi­en von der Öffent­lich­keit iso­liert wer­den oder sich selbst iso­lie­ren und dadurch nur noch ähn­li­chen poli­ti­schen Mei­nun­gen wie den eige­nen begeg­nen – was nega­ti­ve Fol­gen für die Demo­kra­tie haben könnte.

„Die empi­ri­sche For­schung zeigt aller­dings, dass Fil­ter­bla­sen oder Echo­kam­mern äußerst sel­ten sind und Micro­tar­ge­ting nicht beson­ders prä­zi­se ist“, sag­te Kusche. „Ich fra­ge in mei­ner Vor­le­sung also, wie sich die poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on pro­fes­sio­nel­ler poli­ti­scher Akteu­re verändert.“

Die Antritts­vor­le­sung mit dem Titel „Das Beob­ach­ten von Beob­ach­tun­gen – Zum digi­ta­len Struk­tur­wan­del poli­ti­scher Öffent­lich­keit“ fin­det am Mitt­woch, 6. Juli, um 19 Uhr in der Feld­kir­chen­stra­ße 21 statt.

Gren­zen und Grenzziehungen

Im Anschluss wird Prof. Dr. Dani­el Drew­ski sei­ne Antritts­vor­le­sung zu „Gren­zen und Grenz­zie­hun­gen – Öffent­li­che Debat­ten zur Auf­nah­me von Geflüch­te­ten im Län­der­ver­gleich“ hal­ten. Der Juni­or­pro­fes­sor für Sozio­lo­gie Euro­pas und der Glo­ba­li­sie­rung beschäf­tigt sich in sei­ner For­schung mit dem Phä­no­men der „Gren­ze“. Dabei han­delt es sich um eine sozia­le Insti­tu­ti­on, die Staa­ten und Gesell­schaf­ten von­ein­an­der trennt.

„In mei­ner Antritts­vor­le­sung möch­te ich vor allem aus einem Pro­jekt berich­ten, das ich der­zeit zusam­men mit Jür­gen Ger­hards von der FU Ber­lin durch­füh­re“, sagt Drew­ski. „Dar­in geht es um die Fra­ge, wie man die unter­schied­li­che Bereit­schaft von Län­dern erklä­ren kann, ihre Gren­zen für Flücht­lin­ge zu öff­nen, um ihnen Schutz zu bieten.“

Um das her­aus­zu­fin­den, ana­ly­sie­ren die bei­den Wis­sen­schaft­ler poli­ti­sche Debat­ten über die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen in sechs Län­dern: Chi­le, Deutsch­land, Polen, Sin­ga­pur, Tür­kei und Ugan­da. Sie wol­len zei­gen, wie ins­be­son­de­re natio­na­le Iden­ti­täts­kon­struk­tio­nen und die Deu­tung „der Ande­ren” die Auf­nah­me­be­reit­schaft prägt.

„Jen­seits von Geschlecht“

Poe­tik­pro­fes­sur mit Yoko Tawada

Eine poe­ti­sche Eth­no­lo­gin – so könn­te man die Japa­ne­rin Yoko Tawa­da bezeich­nen. In ihren Wer­ken ver­webt sie Tra­di­tio­nel­les mit Moder­nem und Euro­päi­sches mit Asia­ti­schem. In die­sem Jahr hat die Schrift­stel­le­rin die 35. Poe­tik­pro­fes­sur der Uni­ver­si­tät Bam­berg inne.

Seit 1986 kom­men auf Ein­la­dung des Lehr­stuhls für Neue­re deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft all­jähr­lich nam­haf­te Autorin­nen und Autoren an die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät, um dort vier öffent­li­che Vor­le­sun­gen zu hal­ten und in Semi­na­ren mit Stu­die­ren­den zu dis­ku­tie­ren. 2022 hat Yoko Tawa­da die Poe­tik­pro­fes­sur inne.

Die Vor­trä­ge von Yoko Tawa­da wer­den unter dem Titel „Jen­seits von Geschlecht“ ste­hen. Ihre Tex­te sind in allen Gat­tun­gen behei­ma­tet – ob Lyrik, Kurz­pro­sa, Roman oder Essay. Den Auf­takt mach­ten Vor­trä­ge am 22. und 29. Juni, jeweils um 20 Uhr fin­den am 6. und am 14. Juli wei­te­re Vor­trä­ge statt, bei­de An der Uni­ver­si­tät 2, im Hör­saal U2/​025.

An den letz­ten Vor­trag Tawa­das schließt ein wis­sen­schaft­li­ches Sym­po­si­um an, das im Inter­na­tio­na­len Künst­ler­haus Vil­la Con­cordia statt­fin­den wird. Das aus Japan, USA, Frank­reich, Polen, Ita­li­en, Öster­reich und Deutsch­land inter­na­tio­nal besetz­te Kol­lo­qui­um wird das Werk von Yoko Tawa­da diskutieren.

Am Abend des 15. Juli spielt das Wild­wuchs­thea­ter Bam­berg Yoko Tawa­das Thea­ter­stück „Mam­ma­lia in Babel“ im Palais Schrot­ten­berg (20 Uhr). Die Autorin wird anwe­send sein und mit Stu­die­ren­den, dem Regis­seur und dem Publi­kum ins Gespräch kommen.

Yoko Tawa­da wur­de als Toch­ter eines Buch­händ­lers in Tokio gebo­ren und lebt in Ber­lin. Sie hat zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen erhal­ten, dar­un­ter die Goe­the-Medail­le, den Erlan­ger Lite­ra­tur­preis für Poe­sie als Über­set­zung und den Kleist-Preis. 1993 erhielt sie mit dem Aku­taga­wa-Sho, den renom­mier­tes­ten japa­ni­schen Lite­ra­tur­preis, wenig spä­ter den Adel­bert von Chamisso-Preis.

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