Im Jahr 2019 belegte der Verein „Freund statt fremd“ den 1. Platz bei „Helden der Heimat Oberfranken“, einer Initiative der Adalbert-Raps-Stiftung. Jetzt wurde der Verein zehn Jahre alt, und die Engagierten zeigten am Grünen Markt in Bamberg, wofür der Verein steht: Respekt und Vielfalt.
Als 2015 die vielen Menschen mit den Zügen in Bamberg einrollten, verspürte Simone Oswald den Drang: „Ich muss jetzt mithelfen.“ Heute ist sie Vorstandsmitglied in einem gewachsenen Verein, der einmal ganz klein startete. Die Anforderungen seien inzwischen andere, man müsse sichtbar bleiben und zeigen: Es geht auch anders. „Die Begegnungen mit den Menschen machen mich glücklich“, sagt Simone Oswald, die sich mit vielen weiteren Ehrenamtlichen um Menschen mit Migrationshintergrund in Bamberg kümmert. Natürlich laufe nicht immer alles reibungslos, aber „ich schaue mir jeden Menschen an und mache mir mein persönliches Bild“, pauschale Vorurteile würden im Miteinander nicht weiterhelfen.
Der Kreis der Helfenden und Mitwirkenden ist groß geworden, das zeigte sich in der Fußgängerzone ganz deutlich. Ein attraktives Programm bis in die Nacht hinein haben die Organisatoren zusammengestellt, darunter Gesangs- und Tanzvorführungen, musikalische Einlagen, Gedichte und Theatervorführungen. „Ihr steht für zehn Jahre Menschlichkeit in dieser Stadt“, sagt Mitra Sharifi Neystanak vom Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Bamberg in ihren Grußworten. „Ihr bietet eine ausgestreckte Hand, ein offenes Herz und Freundschaft.“
Alltagswissen auf einmal entwertet
Es kämen Menschen nach langer Flucht und fernab von allem, was ihnen vertraut war, nach Bamberg. „Freunde, Familie, Bilder, Gerüche, alles ist anders und das Alltagswissen auf einmal entwertet“, sagt Mitra Sharifi. „Freund statt fremd“ habe alle Menschen zusammengebracht und über sich hinaus wachsen lassen, Flucht und Schicksale seien nicht abstrakt geblieben. Dabei seien Migranten keine Engel und auch keine Superbürger. „Es sind Menschen, die Schutz und Frieden suchen, und die große Mehrheit stützt diese Gesellschaft mit, leistet Beiträge zur Rente, zu Wirtschaft und Kultur.“ Wichtig sei dabei ein Miteinander auf Augenhöhe.
Projekte zur Unterstützung
Und genau das bietet „Freund statt fremd“ in zahlreichen Projekten. Ob Ankerzentrum, BAmigra, Frauenpower oder die Blaue Frieda als Herzstück des Vereins und Ort der interkulturellen Begegnung – die Ehrenamtlichen sind vielseitig engagiert und bieten auch Hilfe zur Selbsthilfe. So etwa beim neuen Projekt „WoFA – Wohnraum für alle“ in Kooperation mit der evangelischen Kirche in Bayern. „Wir wollen Menschen mit Migrationshintergrund befähigen, sich auf dem Wohnungsmarkt sicher zu fühlen und sich zurechtzufinden“, erklärt Hubertus Schaller, Koordinator für die Arbeit mit Geflüchteten im evangelischen Dekanat Bamberg. Dabei gehe es um das Finden einer Wohnung, Mietverträge, Hausordnung bis hin zur Kündigung. „Menschen mit ausländischen Namen oder Aussehen tun sich oft schwer, eine Wohnung zu finden“, sagt er. Da gebe es durch die Unterstützung des Projekts einen wichtigen Vertrauensvorschuss.
Die Arbeit wird schwieriger
Simone Oswald blickt gerne auf die letzten zehn Jahre ihres Engagements zurück. „Ich würde es wieder so machen, denn wenn ich nicht anfange, wie kann ich das dann von anderen erwarten? Ich muss dagegen halten.“ Sorge macht ihr derzeit jedoch die Stimmung in der Gesellschaft, und auch die Zukunft der großen Projekte bereiten ihr Bauchgrummeln. „Die Arbeit wird schwieriger, und drei unserer großen Förderprojekte laufen bis Ende 2026.“ Der Gedanke daran, dass künftig eventuell weniger gefördert werde, beschäftige die Engagierten im Verein sehr. „Wir hoffen einfach, dass die Leute merken, wie wichtig diese Arbeit ist“, sagt sie mit einem Blick auf die Politik.
Der zweite Bürgermeister Jonas Glüsenkamp jedenfalls betonte die Bedeutung von „Freund statt fremd“ für die Stadt Bamberg: „Ohne den Verein keine Integration, kein Ankommen von Menschen, und wir reden hier über Menschen, die selbstverständlich Teil unserer Stadt sind, in Firmen arbeiten, Schulen besuchen.“ In der Kooperation mit „Freund statt fremd“ herrsche eine „Hands-on-Mentalität“, die der Gesellschaft als Beispiel dienen könne. „Es geht letztendlich nur gemeinsam. Wir müssen die Herausforderungen anpacken und in einem Geist lösen, der vermittelt: Wir kriegen das untereinander hin.“ Das gelte für viele Bereiche der Gesellschaft.
