Es geht nur gemeinsam!

„Freund statt fremd“ fei­ert sein 10-jäh­ri­ges Jubiläum

2 Min. zu lesen
Freund
Von links: Der 2. Bürgermeister Jonas Glüsenkamp im Gespräch mit Simone Oswald, Katharina Breinbauer und Christoph Horn – Foto: Adalbert-Raps-Stiftung
Im Jahr 2019 beleg­te der Ver­ein „Freund statt fremd“ den 1. Platz bei „Hel­den der Hei­mat Ober­fran­ken“, einer Initia­ti­ve der Adal­bert-Raps-Stif­tung. Jetzt wur­de der Ver­ein zehn Jah­re alt, und die Enga­gier­ten zeig­ten am Grü­nen Markt in Bam­berg, wofür der Ver­ein steht: Respekt und Vielfalt.

Als 2015 die vie­len Men­schen mit den Zügen in Bam­berg ein­roll­ten, ver­spür­te Simo­ne Oswald den Drang: „Ich muss jetzt mit­hel­fen.“ Heu­te ist sie Vor­stands­mit­glied in einem gewach­se­nen Ver­ein, der ein­mal ganz klein star­te­te. Die Anfor­de­run­gen sei­en inzwi­schen ande­re, man müs­se sicht­bar blei­ben und zei­gen: Es geht auch anders. „Die Begeg­nun­gen mit den Men­schen machen mich glück­lich“, sagt Simo­ne Oswald, die sich mit vie­len wei­te­ren Ehren­amt­li­chen um Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in Bam­berg küm­mert. Natür­lich lau­fe nicht immer alles rei­bungs­los, aber „ich schaue mir jeden Men­schen an und mache mir mein per­sön­li­ches Bild“, pau­scha­le Vor­ur­tei­le wür­den im Mit­ein­an­der nicht weiterhelfen.

Der Kreis der Hel­fen­den und Mit­wir­ken­den ist groß gewor­den, das zeig­te sich in der Fuß­gän­ger­zo­ne ganz deut­lich. Ein attrak­ti­ves Pro­gramm bis in die Nacht hin­ein haben die Orga­ni­sa­to­ren zusam­men­ge­stellt, dar­un­ter Gesangs- und Tanz­vor­füh­run­gen, musi­ka­li­sche Ein­la­gen, Gedich­te und Thea­ter­vor­füh­run­gen. „Ihr steht für zehn Jah­re Mensch­lich­keit in die­ser Stadt“, sagt Mitra Sha­ri­fi Neyst­anak vom Migran­tin­nen- und Migran­ten­bei­rat der Stadt Bam­berg in ihren Gruß­wor­ten. „Ihr bie­tet eine aus­ge­streck­te Hand, ein offe­nes Herz und Freundschaft.“


All­tags­wis­sen auf ein­mal entwertet

Es kämen Men­schen nach lan­ger Flucht und fern­ab von allem, was ihnen ver­traut war, nach Bam­berg. „Freun­de, Fami­lie, Bil­der, Gerü­che, alles ist anders und das All­tags­wis­sen auf ein­mal ent­wer­tet“, sagt Mitra Sha­ri­fi. „Freund statt fremd“ habe alle Men­schen zusam­men­ge­bracht und über sich hin­aus wach­sen las­sen, Flucht und Schick­sa­le sei­en nicht abs­trakt geblie­ben. Dabei sei­en Migran­ten kei­ne Engel und auch kei­ne Super­bür­ger. „Es sind Men­schen, die Schutz und Frie­den suchen, und die gro­ße Mehr­heit stützt die­se Gesell­schaft mit, leis­tet Bei­trä­ge zur Ren­te, zu Wirt­schaft und Kul­tur.“ Wich­tig sei dabei ein Mit­ein­an­der auf Augenhöhe.


Pro­jek­te zur Unterstützung

Und genau das bie­tet „Freund statt fremd“ in zahl­rei­chen Pro­jek­ten. Ob Anker­zen­trum, BAmi­gra, Frau­en­power oder die Blaue Frie­da als Herz­stück des Ver­eins und Ort der inter­kul­tu­rel­len Begeg­nung – die Ehren­amt­li­chen sind viel­sei­tig enga­giert und bie­ten auch Hil­fe zur Selbst­hil­fe. So etwa beim neu­en Pro­jekt „WoFA – Wohn­raum für alle“ in Koope­ra­ti­on mit der evan­ge­li­schen Kir­che in Bay­ern. „Wir wol­len Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund befä­hi­gen, sich auf dem Woh­nungs­markt sicher zu füh­len und sich zurecht­zu­fin­den“, erklärt Huber­tus Schal­ler, Koor­di­na­tor für die Arbeit mit Geflüch­te­ten im evan­ge­li­schen Deka­nat Bam­berg. Dabei gehe es um das Fin­den einer Woh­nung, Miet­ver­trä­ge, Haus­ord­nung bis hin zur Kün­di­gung. „Men­schen mit aus­län­di­schen Namen oder Aus­se­hen tun sich oft schwer, eine Woh­nung zu fin­den“, sagt er. Da gebe es durch die Unter­stüt­zung des Pro­jekts einen wich­ti­gen Vertrauensvorschuss.


Die Arbeit wird schwieriger

Simo­ne Oswald blickt ger­ne auf die letz­ten zehn Jah­re ihres Enga­ge­ments zurück. „Ich wür­de es wie­der so machen, denn wenn ich nicht anfan­ge, wie kann ich das dann von ande­ren erwar­ten? Ich muss dage­gen hal­ten.“ Sor­ge macht ihr der­zeit jedoch die Stim­mung in der Gesell­schaft, und auch die Zukunft der gro­ßen Pro­jek­te berei­ten ihr Bauch­grum­meln. „Die Arbeit wird schwie­ri­ger, und drei unse­rer gro­ßen För­der­pro­jek­te lau­fen bis Ende 2026.“ Der Gedan­ke dar­an, dass künf­tig even­tu­ell weni­ger geför­dert wer­de, beschäf­ti­ge die Enga­gier­ten im Ver­ein sehr. „Wir hof­fen ein­fach, dass die Leu­te mer­ken, wie wich­tig die­se Arbeit ist“, sagt sie mit einem Blick auf die Politik.

Der zwei­te Bür­ger­meis­ter Jonas Glüsen­kamp jeden­falls beton­te die Bedeu­tung von „Freund statt fremd“ für die Stadt Bam­berg: „Ohne den Ver­ein kei­ne Inte­gra­ti­on, kein Ankom­men von Men­schen, und wir reden hier über Men­schen, die selbst­ver­ständ­lich Teil unse­rer Stadt sind, in Fir­men arbei­ten, Schu­len besu­chen.“ In der Koope­ra­ti­on mit „Freund statt fremd“ herr­sche eine „Hands-on-Men­ta­li­tät“, die der Gesell­schaft als Bei­spiel die­nen kön­ne. „Es geht letzt­end­lich nur gemein­sam. Wir müs­sen die Her­aus­for­de­run­gen anpa­cken und in einem Geist lösen, der ver­mit­telt: Wir krie­gen das unter­ein­an­der hin.“ Das gel­te für vie­le Berei­che der Gesellschaft.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen über das Enga­ge­ment des Ver­eins „Freund statt fremd“ sind hier zu finden.

Weiterer Artikel

Abschluss des Lehr­gangs „Geprüf­te/-r Natur- und Land­schafts­pfle­ger/-in“

Zeug­nis­se fei­er­lich überreicht

Nächster Artikel

Ein­rich­tung einer Zukunftsagentur

Metro­pol­re­gi­on stärkt die regio­na­le Automobilbranche