Von der Schülerband zum Bamberger Aushängeschild
Bambägga feiert 20jähriges Jubiläum
In diesem Jahr feiert die Hip-Hop-Band Bambägga ihr 20jähriges Bestehen. Dazu wird es im Oktober einen großen Jubiläums-Abend mit Konzert geben. Wir haben uns mit Mitgründer und Frontmann Jonas Ochs unterhalten, der auf einige Anekdoten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückblicken konnte.
„Mein erster Berufswunsch, war tatsächlich Müllfahrer“, erinnert sich Jonas Ochs. „Mich hat das total begeistert, wie die Leute sich da hinten auf dieses Trittbrett stellen konnten, mit einer Hand festhalten und dann bist du an der frischen Luft.“ Dieser Kindheitstraum erfüllte sich zwar – zumindest bisher – nicht. Dennoch merkt man Jonas Ochs an, dass er seinen Traumberuf gefunden hat. Und auch alle weiteren Bereiche, in denen er engagiert ist, geben ihm offensichtlich Energie.
Nach seinem Abitur absolvierte Jonas Ochs seinen Zivildienst bei der Lebenshilfe, wo nach Abschluss seines Sozialpädagogik-Studiums dann fest anfing und jetzt das ambulant unterstützte Wohnen leitet. Zuvor hatte er als Teenager mit 2 Mitstreitern noch zu Schulzeiten Bambägga gegründet.
Die Hop-Hop-Band mit inzwischen veränderter Besetzung war und ist auch ständig im sozialen Bereich aktiv, woraus sich auch immer Berührungspunkte mit der Lebenshilfe, wo sie unter anderem Workshops mit Mitarbeitenden abhält.
Der Bägga hat gerufen
Bambägga wurde 2005 von Jonas Ochs, Franz Bläser und Constantin Kern alias Cony MC gegründet, später stieß DJ Mighty Mike dazu.
Cony MC ist mittlerweile Trainer im Nachwuchs bei Alba Berlin, dennoch weiterhin Teil der Band, zu der als drittes Mitglied seit 15 Jahren David Ochs alias DJ Adam gehört, der wie sein Bruder bei der Lebenshilfe arbeitet, er ist bei Integra Mensch zuständig für den Bereich „ausgelagerte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung“.
Die erste CD erschien bereits im Gründungsjahr – „Der Bägga hat gerufen“. Von der Produktion her sei es noch „total hemdsärmelig“ gewesen, beschreibt es Jonas Ochs. Das erste Lied entstand mit einem Aufnahmegerät in der Bäckerei Schüller, das letzte nachts vor dem und beim Giecher Beck, und der Bäcker selbst durfte Pizzaleberkäs-Sprüche aufsagen. Das Thema Brot und Backen zieht sich durch die folgenden CD-Veröffentlichungen der Bambägga.
„Das war anfangs schon sehr do-it-yourself-mäßig. Als wir das erste Mal im Studio waren, hat uns der Studiotechniker die Knöpfe gezeigt und dann haben wir aufgenommen.“ Um die Einstellungen identisch zu haben, wurden mit einer analogen Kamera Fotos gemacht und beim nächsten Mal die Regler wieder genauso eingestellt wie auf dem Foto. Die CD-Booklets haben die Jungs damals selbst zusammengestellt, geschnitten und dann in die CD-Hüllen gepackt.
Nachdem die erste CD mit einer Auflage von 150 Stück, die mittlerweile Sammlerwert hat, vergriffen war, gab es keine Nachproduktion, sondern die Band machte sich direkt an die zweite CD, bei der viel mehr Wert auf Details gelegt wurde und die Produktion schon deutlich professioneller gelaufen sei. „Ein echter erster Meilenstein war dann die dritte CD, weil wir dann auch mal mit einer Liveband im Studio waren und die Sachen richtig eingespielt haben mit Leuten, die wirklich damals schon lange im Musikgeschäft waren.“
Mittlerweile geht das Ganze wesentlich schneller, die Technik und ein eingespieltes Team machen es möglich. „Pyromusic von Alexander Döbereiner ist unser Haus- und-Hof-Studio seit Ewigkeiten und Alex hat die Voreinstellungen. Ich gehe dahin und rappe ein Lied ein und bin nach einer Stunde fertig, es ist deutlich vereinfachter.“
Live-Premiere: Zwischen Karate-Gruppe und Flohmarkt-Eröffnung
Bevor die Band loslegte, hatte Jonas Ochs schon einige Jahre für sich alleine Hip-Hop einstudiert. „Als ich 13, 14 war, war das umgänglich. Eine damals sehr angesagte Band waren die „Absoluten Beginner“, die haben in Bamberg ein Konzert gegeben, und da war eigentlich jeder dort“, erinnert sich Jonas Ochs „Und dann habe ich das zum ersten Mal gesehen und wollte das unbedingt auch machen.“ Inspiriert hat ihn dann vor allem das Album „Blauer Samt“ von Torch. Mit Torch, einem der ersten Deutschrapper, ergab sich später ein Kontakt, der bis heute anhält und der Bambägga auch schon zwei Mal buchte.
Jonas Ochs begann im Stillen und Verborgenen, es gab kein Internet, es gab kein Tutorial, er kannte auch niemanden, der schon Hip-Hop gemacht hatte. Also brachte er es sich in mühsamer Kleinarbeit bei. Er hat CD-Texte abgeschrieben, gelernt, wie Reime gesetzt werden, und dann seine Skizzen erst mal im Schuhkarton verstaut, bis er überhaupt den Mut gefasst hat, sich auch auf dem Pausenhof vor den Kumpels zu präsentieren. Erst Richtung Schulabschluss war es so weit. Vor 20 Jahren hat er seinen Zivildienst in der Lebenshilfe absolviert und damit hat quasi auch Bambägga begonnen. „Der Mut und auch das Selbstbewusstsein von Menschen mit Behinderung hat mich damals angesteckt. Ich hatte das Gefühl, ich muss mir einfach mal eine Scheibe abschneiden und sagen, ich mache das jetzt einfach. Egal ob jemand sagt, ich sei der große Superstar und mega talentiert, einfach machen. Das kann ich mir echt auch von unseren Klienten bis heute abschauen.“ Hätte er nicht bei der Lebenshilfe gearbeitet, hätte es vermutlich Bambägga nie gegeben. „Ich hätte mich das wahrscheinlich nie getraut, weil ich eigentlich per se eher ein schüchterner Typ war. Und ganz weit weg davon zu glauben, ich mache irgendwann mal einen Podcast mit dem Biogärtner Sebastian Niedermaier und hänge als Musketier am Ertl. Oder ich sitze jetzt hier und rede über 20 Jahre Band und 850 Konzerte. Da habe ich echt viel durch die Begegnung mit unseren Klienten für mich mitgenommen.“
Den ersten Live-Auftritt hatte Bambägga 2005 in Forchheim Nord bei einem Stadtteilfest. „Vor uns war eine Karate-Gruppe, nach uns wurde der Flohmarkt eröffnet. Es geht nicht unspektakulärer“, sagt Ochs und lacht, „also von daher sage ich jetzt auch jeder Nachwuchsband, ´wartet nicht auf diesen großen Moment, sondern startet klein‘. Das alles sind Erfahrungen, die man macht und die uns geprägt haben. Die Gage waren übrigens zwei Spezi und a Bratwurstbrödla pro Person.“
Im gleichen Jahr hat Bambägga dann auch bereits begonnen, eigene Veranstaltungen zu machen, im damaligen bfz-Keller und im Immerhin sind sie danach unter anderem öfters aufgetreten – und der Radius wurde rasch und sukzessive größer. „Wir haben einfach alles angeschrieben und wir sind durch ganz Deutschland gefahren. Wir haben Demo-CDs gebrannt und dann in der Brotzeittüte – wegen Bambägga – an alle Jugendzentren in Deutschland verschickt mit einem selbst geschriebenen Brief. So haben wir die Gigs akquiriert.“ Während damals quer durch Deutschland überall gespielt wurde, sei es mittlerweile regionaler geworden.
Auch bis zum ersten richtig großen Auftritt dauerte es nicht lange. Dieser ist auch eines der Highlights aus zwei Bambägga-Jahrzehnten, an die sich Jonas Ochs lebhaft erinnert. „Wir waren Vorband von den Fantastischen Vier. Das erste Mal spielten wir wirklich vor richtig viel Publikum, in Coburg auf dem Schlossplatz. Uns gab es damals eineinhalb Jahre, wir hatten uns die Plattenspieler aus dem Jugendzentrum am Margaretendamm ausgeliehen und standen vor 6.000 Leuten als Vorband der Fantastischen Vier.“ Hatten sie in Forchheim Nord oder im Immerhin vor maximal 100 Leuten gespielt, standen in Coburg plötzlich tausende Leute vor der Bühne. Dieser Auftritt hat Bambägga außerdem an dem Tag viele Kontakte und neue Konzerte beschert. Was für Jonas Ochs immer wieder Highlights sind, sind Momente im Kleinen, die eher nachdenklicher sind. „Wir haben ja auch Workshops gemacht beim Hospizverein, mit Menschen, die Menschen verloren haben und darüber einen Song gemacht haben. Und da ist es schön zu sehen, was Hip-Hop oder das Texteschreiben und das Rappen Leuten auch im Kleinen geben kann.“
Soziales Engagement von Anfang an ein wichtiges Element
Die Arbeit der anfangs erwähnten Müllabfuhr hat neben der Aufgabe auch eine wichtige soziale Komponente. Etwas das auch den Mitgliedern von Bambägga immer wichtig war. „Mit Menschen in Kontakt sein und auch der Gesellschaft was zurückgeben ist was, was auch wir immer machen wollten. Ich glaube, ich spreche für die ganze Band, aber für mich persönlich ist es etwas Nützliches“, so der 39jährige. Die Jungs sahen sich von Anfang an nicht als Business-Typen, betont Ochs. „Bestimmt hätte man in den letzten 20 Jahren mal so retrospektiv gesehen in dem einen oder anderen Moment auch cleverere Business-Entscheidungen treffen oder sich besser verkaufen können, aber das war jetzt nie der Ansatz. Wir haben immer versucht, nach dem Herz zu entscheiden und sind uns da hoffentlich auch soweit treu geblieben.“ Was sie allerdings auch konnten, weil sie trotzdem auch schnell gemerkt haben, dass ihr musikalisches Wirken „wahrscheinlich mit dem Namen, mit dem Standort und unserem Talent für die ganz großen Bühnen nicht reicht, da haben wir uns relativ schnell auch selber einschätzen können.“ Alle haben ihren Vollzeitjob und mit der Band schon weit mehr erreicht als sie sich hätten vorstellen können. „Wenn man nicht muss, ist vieles deutlich entspannter und auch nur von Leidenschaft geprägt.“
Das Spektrum der Band an Auftritten ist breit. Die Jungs haben mit dem Hospizverein mit Menschen, die Angehörige verloren haben, gearbeitet. Sie haben mit Menschen mit Behinderung gerappt. Sie haben Seniorenheimkonzerte während Corona gemacht. „Vom Spektrum her gibt es eigentlich in den 20 Jahren fast nichts, was nicht passiert ist. Und von daher haben wir da schon ziemlich alle Lebensbereiche vom Elementar-Frühkindlichen bis hin zu den Senioren alles abgedeckt“, reüssiert Ochs.
Die Band war auch in Russland, in Hongkong oder in Sarajevo aktiv. In Russland, auf Initiative des Goethe-Instituts, war die längste eine fünf Wochen dauernde Tour. Bambägga spielte in Moskau unterhalb vom Roten Platz auf einem Schiff, in Irkutsk in Sibirien bei minus 27 Grad. In Russland wie in Hongkong oder Sarajevo – stets wurden Konzerte mit Workshops verbunden. Auch hier war ein sozialer Aspekt, ein Bildungsauftrag, inkludiert. „Bildungsunterricht mit anzubieten ist uns auch wichtig. Wo kommt Hip-Hop her, aus welchem sozialen Ursprung, was ist die eigentliche Aufgabe? Man braucht nicht unglaublich viel Talent, man braucht nicht super Deutschkenntnisse, muss keine Noten lesen können und trotzdem kannst du ein musikalisches Ergebnis in kürzester Zeit kreieren. Innerhalb einer Stunde konnten die Kinder mit uns rappen – auf Deutsch. Ohne dass sie Deutschkenntnisse oder wir Kenntnisse der Landessprache hatten. Sprache als Botschaft sozusagen. Deutsch kann ja auch eine coole Sprache sein. Auch normales Hochdeutsch hat wirklich viele Möglichkeiten und Räume, kreative Bilder entstehen zu lassen. Und nicht ohne Grund sind wir das Land der Dichter und Denker. Und das so ein bisschen in die Neuzeit zu transportieren, war auch unser Anspruch.“ Dazu wollte die Band auch immer sympathisch die Stadt repräsentieren. „Zu sagen, hey, wir kommen aus Bamberg, das ist ein wunderschöner kleiner Ort. So haben wir auch immer versucht, einfach gute Botschafter für unsere Stadt zu sein“, so Ochs. „Und haben da eigentlich echt nur positive Erfahrungen gemacht.“
Komponieren am Strand zur Erholung
Während die Rapper Jonas Ochs und Cony MC die Texte schreiben und komponieren, produzieren hauptsächlich drei Partner die Beats: Ralle-Beats, 85 Dezibel und Scratch‑D. David Ochs spielt als DJ Beats ab, macht aber auch Live-Scratching und bringt da auch nochmal seine individuelle Note mit ein. Er konnte dem Bruder schon als Kind über die Schulter schauen und entwickelte auch früh seine Liebe zur Musik. Mittlerweile ist er seit 15 Jahren bei Bambägga, legt allerdings auch selbstständig als DJ Adam auf und produziert selbst Musik. „Andere kriegen zur Konfirmation eine Uhr oder Geld und David hat halt seine ersten Plattenspieler bekommen“, erinnert sich Jonas Ochs. „Und er hat dann, als er 14 war, angefangen aufzulegen, zu mixen und als bei uns der DJ ausgestiegen ist, weil er nach Leipzig gezogen ist, dann stieß David zu uns.“
Das Musikmachen, das Komponieren, Schreiben und Texten bezeichnet Jonas Ochs als pure Entspannung, „wie wenn ich mich massieren lasse.“ Auch im Pfingsturlaub an der Adria ging er früh um sieben raus an den Strand, um Texte zu schreiben ins Handy zu rappen und Skizzen zu machen, und kam anschließend mit frischen Brötchen zu Frau und Töchtern zurück ins Hotel.
Die Band hatte von Anfang an den Anspruch, als Kinder dieser Stadt der Stadt einen coolen Stempel aufzudrücken. „Wir beschlossen, wir nennen uns Bambägga, wir sind von hier, wir erzählen von hier Geschichten. Und ich wollte, dass irgendeiner einmal auf einer CD „Bamberg“ sagt. Von Leuten unter 50. Also, dass Jugendliche sich mit dem Standort identifizieren und dass auch Generationen darüber hinaus das als einen coolen Ort sehen, und witzige Geschichten erzählen.“ Das ist der Band jetzt die ersten 20 Jahre gelungen. Mittlerweile gibt es eine Generation von 50 plus, die selber früher mit Hip-Hop groß geworden ist. „Das gab’s ja damals noch nicht. Hip-Hop ist immer noch eine Jugendkultur“, sagt Jonas Ochs. Und viel der Besucher von damals kommen jetzt mit ihren Kindern zu Bambägga.
Im August gibt es wieder eine Kooperation mit dem Hospizverein. In diesem Jahr sicherlich noch einige weitere Lieder. Und am 17. Oktober im Live-Club den Jubiläumsabend, bei dem alle ehemaligen Bandmitglieder vor Ort sein werden, dazu jede Menge Special Guests und Weggefährten, die die Band seit damals begleitet haben. Geplant ist zweieinhalb Stunden Live-Show nur von Bambägga, dazu Tanzeinlagen und verschiedene Special-Effekts. Und vermutlich wird Jonas Ochs beim großen Jubiläumsabend die eine oder andere weitere Anekdote zum Besten geben, für den es noch Karten gibt.
Und wer weiß: Vielleicht ergibt sich nach 20 Jahren Hip-Hop-Geschichte in Bamberg und Aktionen in vielen Gegenden der Welt auch während der nächsten 20 Jahre noch die Möglichkeit, ein Rap-Video auf dem Trittbrett eines Müllwagens zu drehen. „Wenn das hier die zuständigen Müllabfuhrunternehmen lesen, ich bin ready, also ich würde gerne mal auch einfach auf einem Müllwagen ein Rap-Video drehen. Das fände ich auf jeden Fall geil“, so Jonas Ochs.
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Mehr als 1000 Besucher beim Tag der offenen Tür
Massenansturm auf den Kulturboden
Die Erfolgsgeschichte, von der Bürgermeister Thomas Söder im offiziellen Teil anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Kulturbodens in Hallstadts Stadtmitte schwärmte, schlug mit der Jubiläumsveranstaltung ein neues Kapitel auf, zu der mehr als 1.000 Besucher in den Kulturboden kamen.
Der Ansturm zum Tag der offenen Tür übertraf die kühnsten Erwartungen der Veranstalter. Mehr als 1.000 Besucher*innen erlebten ein mehrstündiges Bühnenprogramm, das einen Schnelldurchlauf des Jahresprogrammes mit rund 100 öffentlichen Veranstaltungen im Kulturprogramm abbildete: Schlager, Gospel, Kabarett, Rock, Theater, Kinderprogramm. „Wir wollen mit diesen acht Auftritten ein bisschen was von der Bandbreite des Jahres zeigen, mit der wir jeden Abend eine andere Zielgruppe ansprechen“, hatte Kulturboden-Chef Wolfgang Heyder als Zielsetzung ausgegeben.
Was gelang. In jeweils 20-minütigen Slots machten die Künstler auf sich und anstehende Auftritte aufmerksam und wurden mit viel Beifall belohnt. Köstlich die Bamberger Schauspieler Patrick L. Schmitz und Gerald Leiß mit ihrer Heinz-Erhardt-Parodie, stimmgewaltig Marina Seidel aus Gefrees mit italienischen Liedern und amerikanischen Gospels von Gianna Nannini bis Carole King. Ebenso beeindruckte die Bamberger TV-Rockröhre Egon Herrnleben mit Rockklassikern. Sebastian Schönmoser nahm die Kinder, die sich vorher hatten schminken lassen können, mit auf eine Schiffsreise. Mit viel Lokalkolorit stimulierte Kabarettist Mäc Härder die Lachmuskeln, wohnte er doch 19 Jahre lang in Hallstadt: „Dass Hallstadt saureich ist, hat man im Schwimmbad erleben könna. Weil wer kann sich gleich zwei so dicka Bademeister leisten?“ Der Erlangener Klaus-Karl Kraus erinnerte humorvoll an Tugenden aus der Jugendzeit, die keinem geschadet hätten, wie die „Watschn vom Lehrer“. Wolfgang Reichmann steuerte schon auf die Bamberger OB-Wahl zu und fand einen neuen Titel für die Lokalzeitung: „FT steht doch für Fehlerteufel.“ Alle drei Kabarettisten persiflierten köstlich die Besonderheiten der bisweilen paradoxen fränkischen Sprache und Eigenheiten. „Host a Bäppn an der Bappn, will dei Puppn nimmer poppen.“ Und sie lobten den Kulturboden als ideale Stätte für Kleinkunst. Klaus-Karl Kraus erfreute sich am „Gefühl, dass das Publikum mit auf der Bühne steht“. Für Wolfgang Reichmann war klar, dass „mit der Übernahme durch das Ehepaar Heyder pausenlos ein Highlight nach dem anderen folgt und dass ich als Fastenprediger seit bald zehn Jahren dazu gehör‘, ist für mich schon eine Anerkennung“. Für Mäc Härder ist der Kulturboden eine „Super-Einrichtung“, weil man als „Künstler und Kabarettist ganz nah am Publikum ist“.
Was auch umgekehrt gilt: Viele der Besucher*innen, die mittlerweile schon aus ganz Franken, von Hof bis Würzburg und Coburg bis Nürnberg, sowie aus der Oberpfalz und Thüringen kommen, nutzen die Gelegenheit, nach dem Gastspiel mit ihrem Künstler in Kontakt zu kommen, sei es zum Gespräch, Autogramm oder Selfie.
Auf großes Interesse stießen auch die Führungen mit Blick hinter die Kulissen, bei denen Wolfgang Heyder auch Vorschläge für künftige Veranstaltungen aufnahm. Dabei lobte er die Leistungen der Helfer im Hintergrund, die für Aufbau und Sauberkeit sorgen. „Gestern Abend hatten wir ein Rockkonzert mit einem proppenvollen Saal und heute Morgen hat man davon nichts mehr gemerkt und alles stand bereit für den Tag der offenen Tür.“ Den immensen Aufwand an Logistik und deren Sorgfalt hatte zuvor auch schon Bürgermeister Söder gelobt: „Der Kulturboden ist nun seit zehn Jahren in Betrieb und schaut fast noch aus wie am ersten Tag.“
Förmlich überrannt wurde das Personal bei der Ticketaktion, bei der fast vier Stunden lang zwei Eintrittskarten zum Preis von einer erworben werden konnten. Die Warteschlange reichte zeitweise quer durch das Foyer bis zur Garderobe und Hunderte nutzten diese einmalige Gelegenheit.
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10 Jahre Kulturboden Hallstadt – ein Grund zum Feiern!
Tag der offenen Tür im Kulturboden Hallstadt am Sonntag
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2015 hat sich der Kulturboden Hallstadt als feste Größe in der regionalen Kulturlandschaft etabliert. Am Sonntag, dem 28. September, wird das zehnjährige Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.
Innerhalb eines Jahrzehnts ist der Kulturboden zu einem lebendigen Ort und zur Kulturstätte für Kabarett, Comedy, Konzerte, Theater, Tagungen und Feiern geworden – auch weit über die Grenzen Hallstadts hinaus.
Am Sonntag, dem 28. September 2025, wird dieses Jubiläum gebührend gefeiert: Von 12 bis 17 Uhr erwartet die Besucher:innen ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm und ein stimmungsvoller Mix aus Kabarett, Musik und Show.
Nach der Ansprache von 1. Bürgermeister Thomas Söder und Wolfgang Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg treten im Kulturboden folgende Künstler:innen nacheinander beim Tag der offenen Tür auf:
- Heinz & Heinz – Heinz Erhardt Klassiker
- Marina Seidel – Italienische Songs & Gospel
- Mäc Härder – Kabarett
- Klaus Karl-Kraus – Kabarett
- Egon Herrnleben – Finalist bei The Voice of Germany
- Sebastian Schönmoser mit Kinderliedern
- Wolfgang Reichmann – Fastenprediger
Auf der Bühne stehen das Duo Heinz & Heinz mit einer Hommage an Heinz Erhardt, Gospelsängerin Marina Seidel, Comedian Mäc Härder, Kabarettist Klaus Karl-Kraus, Musiker Egon Herrnleben (bekannt aus The Voice of Germany), Sebastian Schönmoser, der Kinderlieder präsentiert, sowie Fastenprediger Wolfgang Reichmann.
Angebote am Tag der offenen Tür
- Führungen zu jeder vollen Stunde durch den Kulturboden geben spannende Einblicke in die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten – von Hochzeiten über Tagungen bis hin zu Vereins- und Weihnachtsfeiern.
- Für die jüngsten Gäste gibt es Kinderschminken.
- Als besonderes Highlight lockt eine 2 für 1 Ticketaktion von 14 bis 17 Uhr, bei der Kulturfans doppelt profitieren können (Gültig für ausgewählte Veranstaltungen im Kulturboden Hallstadt vom Veranstaltungsservice Bamberg, nur solange der Vorrat reicht und nur vor Ort im genannten Zeitraum).
Das Kulturboden Theater-Programm 2025//26
Das Jubiläumsjahr ist zugleich der Auftakt in eine neue Spielzeit, in der Theater im Kulturboden Hallstadt einen besonderen Stellenwert erhält. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Klassikern, modernen Inszenierungen und humorvollen Stücken wird die Bühne erneut zum Treffpunkt für Theaterliebhaber.
Die Besucher:innen dürfen sich auf Produktionen freuen, die zum Lachen, Staunen und Nachdenken einladen – mal leichtfüßig und unterhaltsam, mal tiefgründig und bewegend. Dabei bleibt der Kulturboden seiner Linie treu: hochwertige Veranstaltungen in einer Atmosphäre, die Nähe zwischen Publikum und Künstler schafft.
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Ein Sommer voller Erlebnisse und der Blick voraus auf das 10-jährige Jubiläum
Baumwipfelpfad Steigerwald in den Startlöchern für Jubiläumsjahr 2026
Der Baumwipfelpfad Steigerwald bereitet sich auf ein besonderes Ereignis vor – 2026 feiert die Touristenattraktion 10-jähriges Bestehen! Doch auch noch in diesem Jahr ist viel geboten – mit einem abwechslungsreichen Programm für Familien, Kinder und Naturbegeisterte, wie die Verantwortlichen mitteilen.
Themenführungen, Erlebnisformate und Mitmachaktionen laden dazu ein, den Wald aus neuen Perspektiven zu erleben. Besonderes Highlight: Der große Fotowettbewerb Wipfel Momente zum Jubiläum startet ab sofort – mit attraktiven Preisen und der Chance, Teil der Jubiläumsausstellung zu werden. Außerdem: Der neue Newsletter bringt jetzt alle Wipfel News direkt ins Postfach!
Foto-Wettbewerb: Der Baumwipfelpfad Steigerwald wird 10 und sammelt Wipfel Momente!
Im kommenden Jahr feiert der Baumwipfelpfad Steigerwald sein zehnjähriges Bestehen. Freuen dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf zahlreiche Jubiläumsaktionen – unter anderem sucht der Fotowettbewerb Wipfel Momente die schönsten Impressionen vom Baumwipfelpfad und lockt mit tollen Preisen.
Die besten Fotos werden in einer Jubiläumsausstellung im Frühjahr 2027 präsentiert und mit attraktiven Preisen ausgezeichnet. Zu gewinnen gibt es Übernachtungen in besonderer Location der Schlafstaelle, ein 5‑Gang-Menü mit Weinbegleitung auf der Stollburg und eine Jahreskarte inklusive Goodie Bag des Baumwipfelpfad Steigerwald. Teilnahmebedingungen und weitere Details sind unter www.baumwipfelpfadsteigerwald.de/aktuelles/jubilaeum.html zu finden, Einsendeschluss ist am 31. Dezember 2026.
Newsletter: Wipfel-News
Ab sofort können sich Interessierte online für den neuen Newsletter des Baumwipfelpfads Steigerwald anmelden und damit immer auf dem Laufenden bleiben – zu Veranstaltungen, Naturwissen und Aktionen rund um den Pfad. Zur Anmeldung für die aktuellsten Wipfel News entweder den QR Code scannen oder unter www.baumwipfelpfadsteigerwald.de das entsprechende Formular ausfüllen.
Veranstaltungshighlights Sommer & Herbst 2025: Mit Ferienpässen sparen
Teilnehmende Städte und Gemeinden bieten besondere Veranstaltungen oder Rabatte für den Besuch auf dem Baumwipfelpfad Steigerwald – zum Beispiel über:
- Däumling Familienpass Bamberg
- Ferienpass Schweinfurt
- Ferienpass Stadt Bamberg
Pfadralley – Naturabenteuer für Kinder
Donnerstag, 21. August 2025, 10 bis 12 Uhr
Für Kinder von 6 bis 9 Jahren: Bei dieser spielerischen Waldralley mit dem Ferienprogramm der VG Ebrach entdecken die Kids den Wald mit Köpfchen und Bewegung.
- Tickets: 8,00 €
- Anmeldung bis 14. August und alle Details via FeProNet: www.fepronet.de/Vg_ebrach/Veranstaltungen
Sunset Yoga: Zusatztermin
Mittwoch, 27.08.2025 I 17:45 bis 19:00 Uhr
Ein Zusatztermin für alle, die Bewegung & Entspannung über den Wipfeln lieben. Unter freiem Himmel mit Weitblick Yoga praktizieren – mit Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemübungen) & Meditation mit Kathi Gocht (von Yoga Vidya Bamberg).
- Tickets: 25,00 €
- Anmeldung via info@yoga-vidya-bamberg.de oder über das Kontaktformular unter https://www.baumwipfelpfadsteigerwald.de/aktuelles/veranstaltungen.html
Themenführung: Wald – Wissen & Märchen
Freitag, 12. September 2025, 16:00 Uhr
Was haben Hänsel und Gretel, Nachhaltigkeit und Waldpädagogik gemeinsam? Eine familienfreundliche Themenführung verknüpft Erzählungen und Wissenswertes rund um das Thema nachhaltige Waldbewirtschaftung.
- Treffpunkt: 16:00 Uhr am Eingang zum Baumwipfelpfad
- Tickets: Erwachsene 16,50 € | Kind 12,50 € | Familie 35,00 € | Singlefamilie 20,00 €
- Anmeldung via Online-Ticketshop (keine Barzahlung möglich) unter www.baumwipfelpfadsteigerwald.de/service/online-ticketshop.html
Nachtformate & Sternstunden
- Mondscheinführung
- Sternenspaziergang
- NEU: Führung Sterne & Märchen
Alle Termine und Informationen sind über den Veranstaltungskalender unter https://www.baumwipfelpfadsteigerwald.de/aktuelles/veranstaltungen.html zu finden, Tickets über den Online-Ticketshop unter www.baumwipfelpfadsteigerwald.de/service/online-ticketshop.html
Regionalmarkt am 5. Oktober
Nach dem Markt ist vor dem Markt. Nach dem erfolgreichen Sommer-Regionalmarkt Ende Juli lädt das Team in Ebrach zum Herbst-Regionalmarkt am 5. Oktober ein: Fränkische Spezialitäten, regionale Produzenten und Kunsthandwerk hautnah erleben – auf dem Gelände des Baumwipfelpfads mit freiem Eintritt zum Markt. Für den Baumwipfelpfad gelten ermäßigte Eintrittspreise.
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20 Jahre TSG 05 Bamberg
Stadt gratuliert zum Jubiläum mit Fairtrade-Bällen
Vor 20 Jahren schlossen sich der VfL Tb Jahn 1888 Bamberg und der TV 1860 Bamberg zusammen. Mit der TSG 05 entstand aus den beiden Traditionsvereinen der erste Fusionsverein in Bamberg. Bürgermeister Jonas Glüsenkamp sowie die Schul- und Sportreferentin Gabriele Kepic gratulierten am vergangenen Wochenende zum Jubiläum.
Die TSG sei das Idealbeispiel eines Breitensportvereins, lobte Glüsenkamp anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten auf dem Vereinsgelände an der Galgenfuhr. Rund 1.600 Mitglieder aus 50 verschiedenen Nationen, davon über 700 Kinder und Jugendliche, sind aktiv in 13 Abteilungen mit einem breiten Angebot von klassischen Sportarten wie Turnen, Fußball und Basketball bis hin zu asiatischen Kampfsportarten. „Der Verein verbindet Generationen, Kulturen und Menschen. Das ist nicht nur gelebte Integration, die Zahlen zeigen auch das beispiellose ehrenamtliche Engagement der Mitglieder. Die TSG ist ein Vorbild für erfolgreiche Vereinsarbeit, insbesondere im Jugend- und Breitensport“, sagte Glüsenkamp. Als ehemaliger Schiedsrichter erlaube er sich, zum Jubiläum die Fußball-Abteilung zu unterstützen und übergab an den Vereinspräsidenten Harald Kobold zwei Fußbälle mit Fairtrade-Siegel. „Das Geschenk ist auch symbolisch: Wir wollen den Ball aufnehmen, um die Zukunftsfähigkeit des Vereins hinsichtlich der Infrastruktur zu stärken.“
Glüsenkamp erinnerte in seinem Grußwort auch an die Millionen-Investitionen des Vereins in den vergangenen Jahren. Unter anderem entstanden eine Sechs-Bahnen-Kegelanlage, ein Gymnastikraum sowie Sanitär- und Umkleideräume im erweiterten und komplett modernisierten Vereinsheim. Eine Solaranlage sorgt für das Warmwasser. „Durch die Fusion wurde die Finanzkraft gestärkt, die Mitgliederzahlen erhöht, das Sportangebot erweitert und der Zusammenhalt gestärkt. Bei der weiteren Vereinsentwicklung hier am Hainwehr werden wir Sie weiterhin aktiv unterstützen“, versprach der Zweite Bürgermeister der Stadt Bamberg.
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Es geht nur gemeinsam!
„Freund statt fremd“ feiert sein 10-jähriges Jubiläum
Im Jahr 2019 belegte der Verein „Freund statt fremd“ den 1. Platz bei „Helden der Heimat Oberfranken“, einer Initiative der Adalbert-Raps-Stiftung. Jetzt wurde der Verein zehn Jahre alt, und die Engagierten zeigten am Grünen Markt in Bamberg, wofür der Verein steht: Respekt und Vielfalt.
Als 2015 die vielen Menschen mit den Zügen in Bamberg einrollten, verspürte Simone Oswald den Drang: „Ich muss jetzt mithelfen.“ Heute ist sie Vorstandsmitglied in einem gewachsenen Verein, der einmal ganz klein startete. Die Anforderungen seien inzwischen andere, man müsse sichtbar bleiben und zeigen: Es geht auch anders. „Die Begegnungen mit den Menschen machen mich glücklich“, sagt Simone Oswald, die sich mit vielen weiteren Ehrenamtlichen um Menschen mit Migrationshintergrund in Bamberg kümmert. Natürlich laufe nicht immer alles reibungslos, aber „ich schaue mir jeden Menschen an und mache mir mein persönliches Bild“, pauschale Vorurteile würden im Miteinander nicht weiterhelfen.
Der Kreis der Helfenden und Mitwirkenden ist groß geworden, das zeigte sich in der Fußgängerzone ganz deutlich. Ein attraktives Programm bis in die Nacht hinein haben die Organisatoren zusammengestellt, darunter Gesangs- und Tanzvorführungen, musikalische Einlagen, Gedichte und Theatervorführungen. „Ihr steht für zehn Jahre Menschlichkeit in dieser Stadt“, sagt Mitra Sharifi Neystanak vom Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Bamberg in ihren Grußworten. „Ihr bietet eine ausgestreckte Hand, ein offenes Herz und Freundschaft.“
Alltagswissen auf einmal entwertet
Es kämen Menschen nach langer Flucht und fernab von allem, was ihnen vertraut war, nach Bamberg. „Freunde, Familie, Bilder, Gerüche, alles ist anders und das Alltagswissen auf einmal entwertet“, sagt Mitra Sharifi. „Freund statt fremd“ habe alle Menschen zusammengebracht und über sich hinaus wachsen lassen, Flucht und Schicksale seien nicht abstrakt geblieben. Dabei seien Migranten keine Engel und auch keine Superbürger. „Es sind Menschen, die Schutz und Frieden suchen, und die große Mehrheit stützt diese Gesellschaft mit, leistet Beiträge zur Rente, zu Wirtschaft und Kultur.“ Wichtig sei dabei ein Miteinander auf Augenhöhe.
Projekte zur Unterstützung
Und genau das bietet „Freund statt fremd“ in zahlreichen Projekten. Ob Ankerzentrum, BAmigra, Frauenpower oder die Blaue Frieda als Herzstück des Vereins und Ort der interkulturellen Begegnung – die Ehrenamtlichen sind vielseitig engagiert und bieten auch Hilfe zur Selbsthilfe. So etwa beim neuen Projekt „WoFA – Wohnraum für alle“ in Kooperation mit der evangelischen Kirche in Bayern. „Wir wollen Menschen mit Migrationshintergrund befähigen, sich auf dem Wohnungsmarkt sicher zu fühlen und sich zurechtzufinden“, erklärt Hubertus Schaller, Koordinator für die Arbeit mit Geflüchteten im evangelischen Dekanat Bamberg. Dabei gehe es um das Finden einer Wohnung, Mietverträge, Hausordnung bis hin zur Kündigung. „Menschen mit ausländischen Namen oder Aussehen tun sich oft schwer, eine Wohnung zu finden“, sagt er. Da gebe es durch die Unterstützung des Projekts einen wichtigen Vertrauensvorschuss.
Die Arbeit wird schwieriger
Simone Oswald blickt gerne auf die letzten zehn Jahre ihres Engagements zurück. „Ich würde es wieder so machen, denn wenn ich nicht anfange, wie kann ich das dann von anderen erwarten? Ich muss dagegen halten.“ Sorge macht ihr derzeit jedoch die Stimmung in der Gesellschaft, und auch die Zukunft der großen Projekte bereiten ihr Bauchgrummeln. „Die Arbeit wird schwieriger, und drei unserer großen Förderprojekte laufen bis Ende 2026.“ Der Gedanke daran, dass künftig eventuell weniger gefördert werde, beschäftige die Engagierten im Verein sehr. „Wir hoffen einfach, dass die Leute merken, wie wichtig diese Arbeit ist“, sagt sie mit einem Blick auf die Politik.
Der zweite Bürgermeister Jonas Glüsenkamp jedenfalls betonte die Bedeutung von „Freund statt fremd“ für die Stadt Bamberg: „Ohne den Verein keine Integration, kein Ankommen von Menschen, und wir reden hier über Menschen, die selbstverständlich Teil unserer Stadt sind, in Firmen arbeiten, Schulen besuchen.“ In der Kooperation mit „Freund statt fremd“ herrsche eine „Hands-on-Mentalität“, die der Gesellschaft als Beispiel dienen könne. „Es geht letztendlich nur gemeinsam. Wir müssen die Herausforderungen anpacken und in einem Geist lösen, der vermittelt: Wir kriegen das untereinander hin.“ Das gelte für viele Bereiche der Gesellschaft.
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Zum 20-jährigen Bestehen
Richard-Wagner-Verband veröffentlicht Jahres-Programm
Der Richard-Wagner-Verband Bamberg hat sein Jahresprogramm veröffentlicht. Für den Herbst hat sich prominenter Besuch angekündigt.
Bambergs Richard-Wagner-Verband begeht dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Zwar wurde er bereits 1950 gegründete, nach ein paar Jahrzehnten aber wieder stillgelegt. Erst 2003 gelang der Neustart und die Wiedergründung. Heute hat der von von Monika Beer geleitete Kulturverein etwa 130 Mitglieder.
Zum 20. Geburtstag hat der RWV nun sein Jahres-Programm veröffentlicht. Seit 2021 findet der Großteil der seiner Abendveranstaltungen in den Räumlichkeiten der Kulturfabrik KUFA statt. Dort wird am 14. März Wagner-Urenkelin Nike Wagner über die künstlerische Entwicklung ihres Vaters Wieland Wagner sprechen. Zu weiteren Gesprächen und Vorträgen kommen der Coburger Ring-Dirigent Daniel Carter und der Intendant des Coburger Landestheaters, Bernhard F. Loges (11. April), sowie der Bayreuther Ring-Regisseur Valentin Schwarz und der Wagner-Experte Frank Piontek (6. Juni) nach Bamberg.
Für das traditionelle Stipendiatenkonzert des RWVs im Irmler-Saal der Universität gibt es am 14. Mai Tubaklänge. Dann treten zwei RWV-Stipendiaten zusammen mit Heiko Triebener und Christoph Eß von den Bamberger Symphonikern auf. Außerdem hat der Richard-Wagner-Verband einen Überraschungsgast angekündigt.
Die Termine des Jubiläumsprogramms nach der Sommerpause stehen noch nicht endgültig, aber ein prominenter Gast hat bereits zugesagt. So soll im Herbst Bayreuths Festspielleiterin Katharina Wagner den Bamberger Wagnerverband besuchen.
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1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland
Guter Ort
2021 markiert das bundesweite Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Vor diesem Hintergrund entwickelten das „Projekt 2025-Arche Musica“ und das Bildungsbüro des Landkreises Bamberg die Veranstaltungsreihe “Guter Ort“. Am morgigen Sonntag findet in Schlüsselfeld die zweite Veranstaltung statt.
Insgesamt handelt es sich um vier Erinnerungstage an das jüdische Leben der Region, die Arno Schimmelpfennig aus Bamberg durch Videos und das Aufzeichnen der Veranstaltungen zudem in Szene setzt. Eröffnung war Ende Juli unter großem Publikumsinteresse in Scheßlitz. Weitere Termine zu Begegnungen mit der jüdischen Geschichte Frankens sind morgen in Schlüsselfeld, in Heiligenstadt im September und Mitte Oktober in Lichtenfels. Wir haben mit Thomas Spindler über die Reihe gesprochen.
Herr Spindler, warum haben Sie und das Bildungsbüro des Landkreises sich entschlossen, die Reihe “Guter Ort – Begegnungen mit der jüdischen Geschichte Oberfrankens” zu organisieren?
Thomas Spindler: Da Oberfranken und besonders der Landkreis Bamberg eine Jahrhunderte alte, große jüdische Geschichte hat, war es nicht nur an der Zeit, diese Geschichte mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ bot die Möglichkeit, die jüdische Geschichte Oberfrankens bundesweit vorzustellen.
Am 25. Juli startete die Reihe in Scheßlitz mit einem Vortrag. Was wurde dem Publikum dabei geboten?
Thomas Spindler: Die Veranstaltung „Guter Ort“ besteht aus unterschiedlichen Angeboten für die Besucher. Ein besonderes Angebot waren Führungen durch den jüdischen Friedhof von Zeckendorfe durch Anton Heinert, einem Kenner der jüdischen Geschichte der Stadt Scheßlitz.
Im Rahmen des Begegnungsforums in der Mittelschule von Scheßlitz konnten sich unterschiedlichste Projektpartner und jüdische Kultureinrichtungen präsentieren. Auch die Mittelschule Scheßlitz und der Heimatverein beteiligten sich und das Besucherinteresse war groß. Das dritte Angebot bestand aus aufeinander abgestimmten Vorträgen, Musikstücken und Einblicken in die Kulturgeschichte unserer Region. Referenten waren Prof. Dr. Günter Dippold, Dr. Karin Dengler-Schreiber und Markus Raupach. Dass ein fränkischer Musikverein, unter Leitung von Holger Lieb, drei jüdische Musikstücke nach einem Arrangement aus Tel Aviv, Arrangeuer Danny Donner, spielte, war ein echter Höhepunkt und ein besonderes Symbol für die jüdisch-israelisch-deutsche Projektkooperation. Die wunderbaren und sehr atmosphärischen Videoeinspielungen von Arno Schimmelpfennig präsentierten den Gästen mehr als 500 Jahre jüdische Geschichte und Geschichten unserer Region.
Wie viele Leute waren da? Mit wie vielen hatten Sie gerechnet?
Thomas Spindler: Inklusive der Führungen und der Kernveranstaltung gehen wir von 250 bis 300 Besuchern aus, die zwischen 13 und 17 Uhr die Angebote wahrgenommen haben. Das war ein sehr gutes Ergebnis, das so nicht zu erwarten war. Zudem haben sich bundesweit bereits mehr als 500 Personen für den Videostream der Veranstaltung interessiert, den Arno Schimmelpfennig.
Wie sahen die Rückmeldungen aus?
Thomas Spindler: Die aktuellen Rückmeldungen von den Besuchern, von Projektpartnern und aus den Sozialen Netzen ist überaus positiv. Wir beleuchten einen bisher wenig berücksichtigten und sehr vernachlässigten Bereich unserer Regionalgeschichte.
Wie wird das Programm der weiteren Veranstaltungen in Schlüsselfeld (22. August.), Heiligenstadt (19. September) und Lichtenfels (17. Oktober) aussehen?
Thomas Spindler: Die Inhalte der Vorträge und die Gästeauswahl ändern sich zwar von Veranstaltungstag zu Veranstaltungstag, aber das Rahmenformat der vier Veranstaltungen ist jeweils identisch: Zwischen 13 und 17 Uhr gibt es ein Begegnungsforum, wobei die Kernveranstaltung jeweils von 15 bis 16:15 Uhr stattfindet. Unsere Führungen zu den jüdischen Friedhöfen beginnen jeweils um 13:30 Uhr und enden um 16:30 Uhr. Alle Kernveranstaltungen sind am Veranstaltungstag ab 18 Uhr außerdem als Stream zu sehen.
Warum haben Sie diese vier Orte für die Vorträge gewählt?
Thomas Spindler: Bei mehr als 30 besonderen jüdischen Orten in Oberfranken war es unser Ziel, durch die vier unterschiedlichen Schauplätze einen ersten Eindruck zum jüdischen Leben zu vermitteln. Jeder dieser Orte wie Scheßlitz, Schlüsselfeld, Heiligenstadt und Lichtenfels hat seine eigenen jüdischen Geschichten und Schicksale
Was werden die Gäste Eva Haller, die Präsidentin der Europäischen Janusz Korczak Akademie, die sich dem interreligiösen Dialog widmet, und der Holocaustüberlebende Roman Haller beitragen?
Thomas Spindler: Die Teilnahme von Gästen wie Eva Haller und Roman Haller, außerdem Karin Offmann, die Geschäftsführerin des Landesverbandes israelitischer Kultusgemeinden in Bayern, German Djanatlie, einem Mitglied im Direktorium des Zentralrates der Juden, sind ein Beleg für die Aktualität der Themen Judentum und Antisemitismus und für die Bedeutung dieser Veranstaltungsreihe. Unsere Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro des Landkreises Bamberg, hier möchte ich Vanessa Hohmann, Dr. Rosa Karl und Dr. Christian Lorenz besonders danken, war der Schlüssel für den Erfolg. Die Teamleistung hat den Landkreis Bamberg zu einem echten Hot-Spot der jüdischen Geschichte transformiert und gezeigt, dass der Landkreis die Fachkompetenz hat dieses Thema überzeugend zu präsentieren.
Reihe „Guter Ort“
Termine:
22. August, Schlüsselfeld, Historische Zehntscheune
19. September, Heiligenstadt, Oertelscheune
17. Oktober, Lichtenfels, Stadthalle
Weitere Informationen und Streaming-Angebote sind zu finden unter https://arche-musica.org/guter-ort/
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Jubiläumsjahr
Plakatserie „Jüdisches Leben in Oberfranken“
Anlässlich des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gibt der Bezirk Oberfranken eine Plakatserie heraus. Sie orientiert sich am jüdischen Kalender und enthält neben Fotos erklärende Texte zu jüdischen Feiertagen und Traditionen sowie dem jeweiligen Fotomotiv.
„Mit der Plakatserie ‚Jüdisches Leben in Oberfranken‘ möchte der Bezirk die vielfältige jüdische Geschichte der Region ins öffentliche Bewusstsein rufen“, sagt Bezirkstagspräsident Henry Schramm und erklärt weiter: „Ein prominentes Beispiel für diese Geschichte ist Levi Strauss, der Miterfinder der Jeans. Er stammte aus Buttenheim im Landkreis Bamberg.“
„Der jüdische Kalender hat im kommenden Jahr einen Schaltmonat und daher insgesamt dreizehn Monate. So können wir mit unseren monatlich erscheinenden Plakaten aus jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt einen Ort oder ein Objekt beleuchten“, erläutert Bezirksheimatpfleger Günter Dippold. Warum jüdische Familien für verschiedene Speisen unterschiedliches Geschirr verwenden, wird beispielsweise an einigen Ausstellungsstücken des Porzellanikons im Landkreis Wunsiedel erklärt. Wie Thorarollen entstehen und wie die Fragmente zweier Thorarollen ins Stadtarchiv Kulmbach kamen, erzählt das dritte Plakate der Serie im August.
Deutschland blickt in diesem Jahr auf mehr als 1700 Jahre jüdisches Leben zurück. Im Jahr 321 erließ der römische Kaiser Konstantin ein Gesetz, das es Juden erlaubte, städtische Ämter in Köln zu übernehmen. Dieses Gesetz ist der älteste Nachweis für jüdisches Leben in Deutschland und zeigt, dass Juden und der jüdische Glaube schon lange ein fester Bestandteil der europäischen und deutschen Kultur sind.
Die Plakate „Jüdisches Leben in Oberfranken“ erscheinen ab sofort monatlich bis Juni 2022. In gedruckter Form werden sie im Format A2 kostenlos an öffentliche Einrichtungen und Vereine ausgegeben (maximal 5 Exemplare pro Plakat). Ein kostenloses PDF ist auf Anfrage für alle Interessierten erhältlich über die Kultur- und Heimatpflege: Frau Ronja Storck; E‑Mail: ronja.storck@bezirk-oberfranken.de; Telefon: 0921//604‑1789.
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Stadtentwicklung auf der ERBA-Insel preiswürdig
Auszeichnung im Landeswettbewerb „Gemeinsam Orte gestalten“ auf der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Städtebauförderung“
Die Bambergerinnen und Bamberger haben den ERBA-Park und das neue Stadtquartier an der Inselspitze längst ins Herz geschlossen, nun folgt eine bayernweite Anerkennung: Auf der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Städtebauförderung“ wurde die Konversion der ehemaligen Industriebrache ERBA im Landeswettbewerb „Gemeinsam Orte gestalten“ ausgezeichnet.
Seit 50 Jahren hilft die Städtebauförderung in Bayern, das Lebensumfeld der Menschen aufzuwerten und Stadt- und Ortsmitten attraktiver zu gestalten. Im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung in München am 1. Juli würdigten internationale Fachleute diese herausragende Leistung. Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer zeichnete als Schirmherrin des Landeswettbewerbs 2021 „Gemeinsam Orte gestalten“ im Rahmen der Veranstaltung auch insgesamt 19 Städte und Gemeinden für ihre gelungene Stadt- und Ortserneuerung aus. Die Stadt Bamberg konnte nicht nur im Rahmen der Städtebauförderung finanziell profitieren, sie wurde mit dem Projekt „ERBA-Insel – Entwicklung einer Industriebrache zur attraktiven Park- und Wohnlandschaft“ auch als Preisträgerin in der Kategorie „Reaktivierung und Entwicklung“ gewürdigt.
In der dazugehörigen Festschrift wurde die Stadtumbaumaßnahme als beispielgebend anerkannt.
„In Bamberg entstand auf einem ehemaligen Standort der Textilindustrie, dem ERBA-Gelände, mit Hilfe einer Landesgartenschau ein qualitätsvoller und multifunktionaler Freiraum. Mit der Renaturierung des „Fischpasses“ gelang es, das Gebiet beispielhaft ökologisch aufzuwerten. Spuren des industriekulturellen Erbes wurden in die Gestaltung des Parks integriert und ansprechende Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen. Es gelang, das ehemals verschlossene Brachgelände in das Stadtgewebe zu integrieren und zugänglich zu machen. Freiraumentwicklung und die städtebauliche Entwicklung eines Universitätscampus und neuer Wohnbebauung greifen in dieser Park- und Wohnlandschaft überzeugend räumlich und funktional ineinander. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie wesentlich Grün- und Freiraum zur Stadtentwicklung beitragen.“
Für die Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes hatte sich die Stadt Bamberg für die Landesgartenschau 2012 beworben. So war es möglich, einen neuen Stadtpark als zentrale Kernmaßnahme umzusetzen. Dank der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Stadtumbau West“ und der Festlegung des Sanierungsgebietes „ERBA Süd“ konnte die Konversion der ehemaligen Industriebrache erfolgreich umgesetzt werden.
Bürgermeister Wolfgang Metzner nahm in Vertretung von OB Andreas Starke an der Preisverleihung in München teil. Für Baureferent Thomas Beese ist „die ehemalige ERBA-Brache das bekannteste Beispiel der Reaktivierung von brachgefallenen Flächen in der Innenstadt. Die Stadt Bamberg darf zurecht stolz darauf sein, den Einwohnerzuwachs von rund 1.000 Menschen pro Jahr ausschließlich in der Innenentwicklung zu bewältigen. Unser Ziel ist es, Grundstücke innerhalb der Stadt zu aktivieren, um keine neuen Flächen am Stadtrand zu versiegeln.“