Haus Mar­teau

Inter­view mit dem Künst­le­ri­schen Lei­ter Prof. Chris­toph Adt

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Haus Marteau. Foto: Lutz Focke
In Haus Mar­teau, der Inter­na­tio­na­len Musik­be­geg­nungs­stät­te des Bezirks Ober­fran­ken, wür­de nor­ma­ler­wei­se jetzt das Kurs­jahr 20 /​/​21 mit den Meis­ter­kur­sen für ver­schie­de­ne Instru­men­ten­gat­tun­gen und Gesang lau­fen. Pan­de­mie­be­dingt sind die Kur­se bis Ende Febru­ar aus­ge­setzt. Prof. Chris­toph Adt, der Künst­le­ri­sche Lei­ter des Hau­ses, äußert sich im Inter­view mit dem Bezirk Ober­fran­ken zur euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­gen Künst­ler­vil­la in Lichtenberg.

Was zeich­net Haus Mar­teau beson­ders aus?

Prof. Chris­toph Adt: Die Lage und die Pro­mi­nenz des Hau­ses ermög­li­chen Kur­se auf höchs­tem künst­le­ri­schen Niveau. Es ist ein wun­der­schö­ner Platz, ein opti­mal mit Kla­vie­ren aus­ge­stat­te­tes Haus, das inten­si­ve künst­le­ri­sche Arbeit allei­ne schon durch sei­ne äuße­ren Gege­ben­hei­ten unter­stützt. Etwa 40 Meis­ter­kur­se mit inter­na­tio­nal renom­mier­ten Künst­lern laden jun­ge Musi­ke­rin­nen und Musi­ker aus der gan­zen Welt ein, wich­ti­ge Schrit­te auf ihrem Weg zu wei­te­rer Exzel­lenz zu gehen.
Schon wenn ich hier aus dem Fens­ter schaue, schafft das eine beru­hi­gen­de, kon­zen­trie­ren­de Atmo­sphä­re.
Unser gro­ßer Vor­teil ist die Authen­ti­zi­tät, die das vom Haus­herrn Hen­ri Mar­teau gestal­te­te und aus­ge­stat­te­te Haus mit­bringt, gepaart mit einer gro­ßen Nähe zwi­schen Meis­ter und Schü­ler. Was ich hier bei den rela­tiv klei­nen Kur­sen so gut fin­de, ist die ganz star­ke, erns­te Zuwen­dung von erfah­re­nen Künst­lern zu den Stu­die­ren­den. Ich bin viel im Gespräch mit den Dozen­tin­nen und Dozen­ten und höre immer wie­der, wie wich­tig ihnen ein enger Aus­tausch ist, der eine gro­ße Nähe schafft.
Haus-Mar­teau-Kon­zer­te sind ja oft so berüh­rend, weil sie so intim sind, weil sie uns Augen­bli­cke schen­ken, die in die­ser Form nicht repro­du­zier­bar sind.
Der Saal, der jetzt dazu kommt, gibt uns die Chan­ce, dass sich das noch stär­ker fes­ti­gen kann, dass wir ent­spre­chend wei­te­res Publi­kum zu die­sen Kur­sen und zu unse­ren Kon­zer­ten gewinnen.


Wel­che Schwer­punk­te set­zen Sie in der künst­le­ri­schen Arbeit für Haus Marteau? 

Prof. Chris­toph Adt: Der Schwer­punkt liegt in der Exzel­lenz der Meis­ter­kur­se. Die­ser Schwer­punkt wird blei­ben. Er wird aber ergänzt durch die neu­en Mög­lich­kei­ten, die sich durch den Saal­bau erschlie­ßen: eine stär­ke­re Erkenn­bar­keit in der ober­frän­ki­schen Regi­on wird mög­lich sein.
Wir könn­ten uns zum Bei­spiel vor­stel­len, dass die Kon­zert­rei­he Haus Mar­teau auf Rei­sen auch ein­mal eine ganz kur­ze Rei­se macht und im Som­mer an dem lau­schi­gen, wun­der­bar ruhig gele­ge­nen Fran­ken­wald­see in Lich­ten­berg gas­tiert. Dort sind sowohl sehr klei­ne als auch grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen denk­bar.
Ich wür­de auch ger­ne neue Musik­far­ben ins Haus bringen.


War­um soll­ten eine jun­ge Künst­le­rin oder ein jun­ge Künst­ler ins Haus Mar­teau kommen?

Prof. Chris­toph Adt: Haus Mar­teau ermög­licht künst­le­ri­sche Begeg­nung auf einem exzel­len­ten, inter­na­tio­na­len Niveau. Welt­weit ist Haus Mar­teau eine Adres­se. Man schreibt das als jun­ger Künst­ler in sei­ne Vita, wenn man in Haus Mar­teau war.
Wenn es nicht zusam­men­pas­sen wür­de, dass die Kur­se gut sind und die Kurs­ab­sol­ven­ten Kar­rie­re machen, könn­te man so etwas nicht machen.
Haus Mar­teau steht für Kon­ti­nui­tät der Qua­li­tät. Die inter­na­tio­nal erfolg­rei­che Pia­nis­tin Ali­ce Sarah Ott erwähn­te jüngst in einem Gespräch, sie sei auch in Haus Mar­teau gewe­sen – als Elf­jäh­ri­ge. Jetzt ist sie Anfang 30 und spielt auf der gan­zen Welt.


Wel­che Neue­run­gen bringt der Neu­bau des Kon­zert­saals in Haus Mar­teau mit sich? 

Prof. Chris­toph Adt: Haus Mar­teau ist seit 1982 eine glück­li­che Insel für jeweils klei­ne Grup­pen, bis­her durch die räum­li­chen Gege­ben­hei­ten sehr beschränkt. Vie­le Kon­zert­be­su­cher muss­ten sich mit Hör­plät­zen zufriedengeben.

Unser neu­er Kon­zert­saal bringt eine zusätz­li­che Kom­po­nen­te in das Gesche­hen in Haus Mar­teau, er hat eine gro­ße Aus­strah­lung und Anzie­hungs­kraft. Ich fin­de ihn wirk­lich spek­ta­ku­lär. Die Gra­nit­spit­zen schaf­fen eine tol­le Raum­at­mo­sphä­re, ich glau­be, nur für die Akus­tik eines sol­chen Saals hät­te es auch vie­le ande­re Mög­lich­kei­ten gege­ben.
Die­ser akus­tisch und gestal­te­risch außer­ge­wöhn­li­che Saal ermög­licht eine Ver­grö­ße­rung der Primärarbeit.

Prof. Chris­toph Adt, der Künst­le­ri­sche Lei­ter des Haus Mar­teau. Foto: Mar­tin Köppel

Wir kön­nen zum Bei­spiel zwei Kur­se gleich­zei­tig ver­an­stal­ten, die sich ergän­zen, mit­ein­an­der kor­re­spon­die­ren und dadurch künst­le­risch ganz neue Mög­lich­kei­ten erar­bei­ten. Denk­bar wäre ein Kla­vier­kurs in Zusam­men­ar­beit mit einem Gesangs­kurs, die über die Woche immer wie­der gemein­sa­me und eige­ne Kurs­ab­schnit­te haben. Oder zwei Kur­se, die sich dem glei­chen Instru­ment wid­men und bei denen die Dozen­tin bezie­hungs­wei­se der Dozent mal den einen, mal den ande­ren Kurs betreut.


Was liegt Ihnen im Hin­blick auf Haus Mar­teau beson­ders am Herzen?

Prof. Chris­toph Adt: „Alles wirk­li­che Leben ist Begeg­nung.“ Die­ser Satz von Mar­tin Buber gilt ganz beson­ders für Kunst, für alle künst­le­ri­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, natur­ge­mäß ganz beson­ders für Musik. Hier möch­te ich – beson­ders und aus­drück­lich in unse­rer Zeit, die durch Maß­nah­men gegen die Coro­na-Infek­ti­ons­ge­fahr Begeg­nun­gen erschwert und Ein­sam­keit ver­stärkt – nach Kräf­ten unter­stüt­zen. Wir haben solang es irgend ging unse­re Kur­se wei­ter­ge­führt.
Begeg­nun­gen durch Kon­zer­te sind genau­so wenig ersetz­bar wie Begeg­nun­gen durch Gesprä­che. Ich den­ke, dass wir mit dem, was wir hier in Haus Mar­teau machen, etwas für die Mensch­lich­keit tun. Begeg­nung heißt, dass der Künst­ler tat­säch­lich mit dem Publi­kum kom­mu­ni­ziert und das Publi­kum kom­mu­ni­ziert zurück, und das geht nur in Prä­senz.
Als Musi­ker sind wir ja dar­stel­len­de Künst­ler. Wenn wir eine Brahms-Sona­te spie­len, dann ist das zunächst ein­fach ein Werk. Die Sona­te wur­de im 19. Jahr­hun­dert kom­po­niert, ist 170 Jah­re alt – und trotz­dem: Durch die Dar­stel­lung der Künst­ler, die in der Gegen­wart leben, wird sie ins Heu­te trans­por­tiert und schafft Begeg­nung zwi­schen Spie­len­den und Per­so­nen, die zuhö­ren. Die Per­so­nen, die zuhö­ren, sind kaum weni­ger wich­tig als die spie­len­de Per­son. Die spie­len­de Per­son spielt anders, wenn das Spiel anders reflek­tiert wird.
Umso bedeut­sa­mer ist es, dass wir über­haupt Publi­kum haben und die Künst­ler nicht nur auf Kacheln zu sehen sind.
Neh­men wir als Bei­spiel den Hen­ri Mar­teau-Vio­lin­wett­be­werb. Auch hier set­zen wir auf Prä­senz und Authen­ti­zi­tät. Alle Vor­spie­le sind live. Allein die Tat­sa­che, dass für die ers­te Run­de bis zu 120 Leu­te aus der gan­zen Welt hier­her­kom­men, ist für uns ein wun­der­ba­rer Mul­ti­pli­ka­tor: Da ist die­se Wahn­sinns-Vil­la und dort habe ich die­se Musik gemacht. Seit 2008 hat der Bezirk die Trä­ger­schaft für den Wett­be­werb über­nom­men, mit der Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung durch die Hofer Sym­pho­ni­ker steht der Wett­be­werb auf sta­bi­len Füßen. Das ist mir wich­tig.
Und die Tat­sa­che, dass wir den Wett­be­werb mit einem Gala­kon­zert zusam­men mit den Sym­pho­ni­kern beschlie­ßen, ist natür­lich ein Gewinn: So tra­gen wir die Arbeit des Hau­ses noch stär­ker in die Region.


Wie wer­den jun­ge Men­schen zu exzel­len­ten Künstlern?

Prof. Chris­toph Adt: Ich fin­de es wich­tig für jun­ge Instru­men­ta­lis­ten und Sän­ger, dass sie kei­ne Scheu­klap­pen auf­ha­ben, son­dern dass sie sich beschäf­ti­gen mit Kunst, mit Lite­ra­tur, mit der Natur. Ich möch­te den jun­gen Men­schen sagen: Geht raus, geht in die Oper, geht ins Thea­ter, setzt euch mit der Regie aus­ein­an­der. Das gehört dazu, zum Künstlersein.


Wel­che drei Rat­schlä­ge geben Sie jun­gen Instru­men­ta­lis­ten und Sän­gern mit auf dem Weg?

Prof. Chris­toph Adt: Ganz­heit­lich leben – flei­ßig üben – sich empa­thisch für die Mit­men­schen einsetzen.

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