Browse Tag

Kunst

Stadt­echo-Fra­ge­bo­gen

Das Stadt­echo fragt – Tho­mas Gröh­ling antwortet

In jeder Aus­ga­be des Stadt­echos legen wir einer Bam­ber­ger Per­sön­lich­keit einen Fra­ge­bo­gen vor. Dies­mal hat Tho­mas Gröh­ling die Fra­gen beant­wor­tet. Der gebür­ti­ge Bam­ber­ger ist bil­den­der Künst­ler und arbei­tet einer­seits als frei­schaf­fen­der Bild­hau­er in sei­nem Ate­lier sowie auch im öffent­li­chen Raum an Schu­len und bie­tet dar­über hin­aus Work­shops an.
Sehr geehr­ter Herr Gröh­ling, was braucht gute Kunst?

Kunst braucht ein neu­gie­ri­ges Publi­kum, egal um wel­che Kunst­form es sich han­delt. Man muss sich die Zeit neh­men und Lust haben, sich mit Kunst auseinanderzusetzen.


Woher kommt Ihre Begeis­te­rung für die Bildhauerei?

Land­schaft begeis­tert mich oder die Form und die Far­be der Natur. Das macht mich immer neu­gie­rig. Ein Bei­spiel ist mei­ne aktu­el­le Arbeit mit den Tier­s­te­len für mein Arche­pro­jekt oder eine frü­he­re Arbeits­wei­se, Land­schaft als Skulp­tur zu gestalten.


Was wären Sie gewor­den, wenn Sie nicht Bild­hau­er gewor­den wären?

Ich den­ke, irgend­was mit Land­schafts­ar­chi­tek­tur oder Archi­tek­tur. Mich begeis­tert es, mit Raum zu arbei­ten. Ich habe auch tat­säch­lich nach mei­ner Bild­hau­er­aus­bil­dung und Stu­di­um ein Auf­bau­stu­di­um an der Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te gemacht: Kunst und öffent­li­cher Raum. Das ist der Bereich, mit dem man sich mit Stadt­räu­men, Platz­ge­stal­tung etc. auseinandersetzt.


Was ist Ihre ers­te Erin­ne­rung in Bezug auf Bildhauerei?

Wir hat­ten hin­ter dem Haus einen gro­ßen Lehm­hau­fen. Da habe ich als Kind schon mit Spach­tel den Lehm geformt.


Gibt es einen wie­der­keh­ren­den Alb­traum, der von Ihrem Beruf handelt?

Alb­traum wür­de ich nicht sagen. Aber wenn man inten­siv an einer Arbeit dran ist, wie zum Bei­spiel gera­de an den Tier­s­te­len, da kann es schon mal sein, dass ich nachts in Gedan­ken auch wei­ter­ar­bei­te. Das kann auch ein biss­chen anstren­gend sein.


Was fehlt der Kunst­sze­ne in Bamberg?

In Bam­berg wäre es toll, wenn es eine fes­te Räum­lich­keit für Aus­stel­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen gäbe, die unter­schied­lich bespielt wer­den kön­nen. Sozu­sa­gen ein Mul­ti­kunst­raum, wo ver­schie­de­ne Kul­tu­ren und Kunst­spra­chen sich tref­fen könnten.


Wor­auf darf sie stolz sein?

In Bam­berg gibt es so vie­le Ate­liers von pro­fes­sio­nel­len Künst­lern, die zum Bei­spiel bei ARTUR die­ses Jahr am 20. und 21. Sep­tem­ber geöff­net sind. Das ist eine Ver­an­stal­tung vom Berufs­ver­band Bil­den­der Künst­le­rin­nen und Künst­ler (BBK). Dann gibt es noch eine tol­le Kul­tur­sze­ne im Thea­ter­be­reich mit vie­len klei­nen Büh­nen. Wenn man so durchs gan­ze Jahr schaut, gibt es so viel Ver­an­stal­tun­gen, die man zeit­lich kaum bewäl­ti­gen kann. Das ist doch toll.


Mit wel­cher gro­ßen Künst­le­rin oder wel­chem gro­ßen Künst­ler kön­nen Sie gar nichts anfangen?

Es gibt eigent­lich kei­nen Künst­ler, über den ich sagen wür­de, ich kann mit der Kunst nichts anfan­gen. Außer sie wirkt auf mich sehr ober­fläch­lich und ich kom­me in kei­ne star­ke Aus­ein­an­der­set­zung. Es gibt so vie­le Kunst­spra­chen, die unter­schied­li­che Ansät­ze haben. Und man lernt immer neu dazu. Das fin­de ich kom­plett span­nend. Es ist natür­lich auch nicht ganz ein­fach, wenn man in eine Aus­stel­lung geht und man denkt, man muss gleich alles sofort ver­stan­den haben. Man muss sich schon aus­ein­an­der­set­zen mit den Arbeiten.


Haben Sie ein Vorbild?

Die Natur.


Wie sieht ihr Aus­gleich zur Kunst aus?

Mit dem aus­glei­chen ist es nicht ganz so ein­fach. Eigent­lich bin ich nahe­zu stän­dig am arbei­ten. Ich bin ger­ne mit Freun­den in der Natur unter­wegs. Unter­wegs sein und Rei­sen – das mache ich sehr gerne.


Haben Sie Routinen?

Rou­ti­ne ist schön, wenn man sie auch wie­der unter­bre­chen kann. Die Hälf­te des Jah­res arbei­te ich im Ate­lier. In der ande­ren Zeit arbei­te ich an Schu­len im öffent­li­chen Raum. Auch Betei­li­gung­pro­jek­te. Ich brau­che die Abwechs­lung. Zu viel Rou­ti­ne ist bei mir nicht so gut. Auch bei den Mate­ria­li­en. Ich arbei­te in Holz, Stein, Kunst­stoff – ganz unterschiedlich.


Wovon waren Sie zuletzt überrascht?

Ich mache oft Kunst­pro­jek­te an Schu­len. Kin­der und Jugend­li­che über­ra­schen mich immer wie­der, wenn sie gute Lösun­gen vom Bau eines Kunst­werks finden.


Was ist ihr größ­ter Wunsch?

Fit zu blei­ben und immer neugierig.


Wie sieht ein per­fek­ter Tag für Sie aus?

Ich star­te den Tag in Ruhe mit einem Milch­kaf­fee auf dem Sofa. Dann den gan­zen Tag ohne Unter­bre­chun­gen an mei­ner Arbeit zu ste­hen und wei­ter zu kom­men. Und am Abend mit Freun­den unter­wegs zu sein.


Wor­über haben Sie sich zuletzt geärgert?

Ich habe mir letz­tes Mal mit der Bohr­ma­schi­ne in die Hand gebohrt. Das ist nur des­we­gen pas­siert, weil ich noch schnell was machen woll­te. Bei sowas kann man sich wirk­lich ärgern.


Wel­chen Luxus leis­ten Sie sich?

Ich ver­su­che, ein­mal im Jahr min­des­tens ein Monat zu reisen.


Wovor haben Sie Angst?

Die Zukunft der Welt schaut nicht gut aus. Des­we­gen auch die­ses The­ma mit der Arche. Das Ver­hal­ten der Men­schen bedroht vie­le Tie­re. Ich arbei­te an Holz­ste­len mit Tier­paa­ren. Ein Teil der Tie­re, die ich gemacht habe, sind schon aus­ge­stor­ben oder wer­den aus­ster­ben. Wer weiß, was die Zukunft bringt, aber natür­lich blei­be ich trotz­dem opti­mis­tisch. Sonst wür­de es alles gar kei­nen Sinn machen.


Wann haben Sie zuletzt geflirtet?

Flir­ten ist doch was sehr schö­nes. Allein schon, wenn man jeman­den anlä­chelt. Aber wenn, dann flir­te ich ohne Absicht – ich bin ver­liebt und glücklich.


Was ist Ihr Lieblingsschimpfwort?

Letzt­hin ist bei mir an der Staub­ab­saug­an­la­ge ein Schlauch geplatzt und ich hab aus­ge­schaut wie ein Mül­ler. So ein Scheißdreck!


Bei wel­chem his­to­ri­schen Ereig­nis wären Sie gern dabei gewesen?

Ich wäre gern bei Chris­to in Ita­li­en dabei gewe­sen: the Floa­ting Piers. Bei dem Pro­jekt, sei­ne letz­te Arbeit, konn­te man auf Flö­ßen zu den Inseln gelan­gen. So ist es mit man­chen Ereig­nis­sen, man kann sie nicht mehr zurück­ho­len. Das habe ich verpasst.


Was ist Ihre schlech­tes­te Angewohnheit?

Ich las­se mein Gegen­über nicht aussprechen.


Wel­che Feh­ler ent­schul­di­gen Sie am ehesten?

Wenn man was ver­ges­sen hat.


Ihre Lieb­lings­tu­gend?

Spon­tan und zuverlässig.


Ihr Haupt­cha­rak­ter­zug?

Unge­duld!


Wer ver­gibt zuerst, der Kopf oder das Gefühl?

Ich wür­de mich auf das Gefühl verlassen.


Wel­che Eigen­schaf­ten schät­zen Sie bei ihrem Gegen­über am meisten?

Wenn jemand nicht toternst ist und eine gewis­se Läs­sig­keit mit sich bringt. Aber trotz­dem zuver­läs­sig ist.


Wer oder was hät­ten Sie sein mögen?

Ich bin eigent­lich sehr zufrie­den mit dem, was ich mache.


Was hät­ten Sie ger­ne erfunden?

Natür­lich eine Wunsch­ma­schi­ne, dann wür­de ich mit den Wün­schen ver­su­chen, die Welt zu retten.


Wofür sind Sie dankbar?

Das es mir gesund­heit­lich gut geht. Dass ich für mich eine inter­es­san­te Arbeit gefun­den habe und dass ich bis jetzt neu­gie­rig bin.


Wie glau­ben Sie, wür­de Ihr Pen­dant von vor zehn Jah­ren auf Ihr heu­ti­ges Ich reagieren?

Mein Pen­dant beob­ach­tet und denkt sich, war­um macht man 5 Meter gro­ße Gän­se­blüm­chen oder eine 5 Meter gro­ße Weg­war­te? Oder war­um mei­ßelt man eine Land­schaft aus einem Stein? Manch­mal bin ich sel­ber über­rascht, was ich in einer Zeit vor zehn Jah­ren alles so gemacht habe.


Gibt es etwas, das Ihnen das Gefühl gibt, klein zu sein?

Ich bin nicht beson­ders groß!
Der Kli­ma­wan­del erschreckt mich, was das für eine enor­me Dimen­si­on ist.


Was bedeu­tet für Sie Glück?

Im Ate­lier sein zu kön­nen und sich inten­siv mit einer Arbeit zu beschäf­ti­gen. Zum Bei­spiel gera­de mit mei­nem Arche­pro­jekt. Ener­gie und immer wie­der den Ansporn zu haben, mit mei­ner Arbeit wei­ter­zu­ma­chen. Oder mit mei­ner Freun­din Zeit zu haben, mich mit Freun­den zu tref­fen, unter­wegs zu sein, zu tanzen.


Ihr Leben wird ver­filmt. Wel­cher Schau­spie­ler soll­te Sie spielen?

Es muss kein Film sein, aber ich möch­te gern von Franz Xaver Gernstl inter­viewt wer­den. Er hat ein Gespür für so schö­ne Geschichten.


Wie vie­le Apps sind auf Ihrem Smart­phone? Und wel­che benut­zen Sie am meisten?

Ich habe seit drei Wochen eine Solar­an­la­ge auf dem Dach der Werk­statt. Seit­dem schaue ich am meis­ten in die­se App und sehe, wie­viel Kilo­watt­stun­den von der Son­ne zu mir ins Ate­lier kom­men. Mein Ate­lier ist klimaneutral.


Wel­ches Pro­blem wer­den Sie in die­sem Leben nicht mehr in den Griff bekommen?

Ich arbei­te gera­de an einem Arche­pro­jekt, bei dem ich Tier­paa­re auf Holz­ste­len bild­haue­risch bear­bei­te und bema­le. Die Dimen­si­on der Arbeit ist so groß, dass ich es in dem Leben wahr­schein­lich nicht mehr hin­be­kom­me. Allein schon die Tie­re fest­zu­hal­ten, die für immer ver­schwun­den sind.


Ihr Lieb­lings­buch, ‑album, ‑film?

Im Juli gehe ich auf ein Kon­zert in der Nähe von Würz­burg: die Meu­te. Das höre ich gera­de recht ger­ne. Oder Buka­ha­ra. Außer­dem inter­es­sie­ren mich Doku­men­tar­fil­me oder Rei­se­be­rich­te am meisten.


Ich kann nicht leben ohne

… Brat­wurst.


Wovon haben Sie über­haupt kei­ne Ahnung?

Irgend­wie hat man von vie­len Sachen kei­ne Ahnung, muss sich aber stän­dig wei­ter mit neu­en Tech­no­lo­gien anfreun­den. Ent­we­der ich bekom­me selbst hin oder ich fra­ge mei­nen Sohn Luis.


Was ist Ihre Vor­stel­lung von Hölle?

Sehr heiß, laut und end­los. Hof­fent­lich tref­fe ich Freunde.


Was war Ihr letz­ter Grund zu lachen?

Heu­te bei einem Bild­hau­er­kurs. Ein Kind frag­te mich, wie lan­ge ich das schon mache – das Bild­hau­ern. Ich sag­te zu ihm 35 Jah­re. Er sagt, dann bist Du schon ganz schön alt.


Was fin­den Sie langweilig?

Zu wie viel Ver­wal­tungs­kram im Büro!


Ihre Hel­din­nen und Hel­den in der Wirklichkeit?

Jeder von uns, der sich für eine Grup­pe ein­setzt, die es sehr schwer hat.


Ihre Hel­din­nen und Hel­den in der Geschichte?

Alle Men­schen, die sich für Frei­heit stark gemacht haben.


Wel­cher war der schöns­te Moment in Ihrem Leben?

Sich auf einen schöns­ten Moment zu beschrän­ken ist ganz schön schwie­rig. Ich fin­de, ich hab bis jetzt ziem­lich viel Glück gehabt.


Wel­che geschicht­li­chen Gestal­ten ver­ach­ten Sie am meisten?

Men­schen, die Ande­re unter­drü­cken. Und das hört nie auf.


Der amü­san­tes­te Tisch­part­ner in Ihrem Leben?

Phil­ipp Som­mer, Geschich­ten von frü­her, und aus dem Jetzt.


Was ver­ab­scheu­en Sie am meisten?

Rech­te Politik.


Wel­che Gabe möch­ten Sie besitzen?

Gebrauchs­an­wei­sun­gen zu ver­ste­hen. Schnel­ler am Rech­ner was Neu­es zu installieren.


Stel­len Sie sich vor, Sie könn­ten wäh­len – was für ein Tier wür­den Sie ger­ne sein?

Mei­ne Kat­ze bei mir daheim – der geht’s so prima!


Sind Sie der bes­se­re Fah­rer oder der bes­se­re Beifahrer?

Bin eher der bes­se­re Fah­rer. Ich fah­re nicht so ger­ne als Beifahrer.


Was bedeu­tet für Sie Freiheit?

Am Fluss zu sein, am Meer zu ste­hen, die Wei­te zu genie­ßen. Ich bin sehr glück­lich, dass wir in unse­rem Land Frei­heit haben. Wir kön­nen uns äußern, wie wir wol­len. Ich glaub, das ist vie­len Men­schen hier nicht klar.


Bier oder Wein?

Zu jedem Anlass anders genießen.


Aktiv­ur­laub oder Chillen?

Ein­fach zwi­schen­durch Zeit zu haben und nicht auf die Uhr schau­en zu müssen.


Wel­chen Ort in Bam­berg muss man besucht haben?

Auf der Reg­nitz durch Bam­berg pad­deln. Die Hain­spit­ze beim Stadt­teil Bug, die tol­len Kel­ler, Knei­pe Gale­rie am Ste­phans­berg und über­haupt tol­le Musikkneipen.


Tho­mas Gröh­ling, Mai 2025

Kunst­raum JETZT!

Ver­trags­ver­län­ge­rung Kesselhaus

Das Kes­sel­haus bleibt ein Ort für Kul­tur. Der Bam­ber­ger Ver­ein Kunst­raum JETZT! hat eine Nut­zungs­ver­trags­ver­län­ge­rung über wei­te­re fünf Jah­re unter­schrie­ben. Die ers­te Aus­stel­lung ist bereits ent­hüllt und beschäf­tigt sich mit der Fra­ge, wie das Kes­sel­haus aus­ge­baut wer­den könnte.

Das Kes­sel­haus kann damit für wei­te­re fünf Jah­re genutzt wer­den. Mit­te März unter­zeich­ne­te der Vor­stand die bereits vor zwei Jah­ren bean­trag­te Ver­trags-Ver­län­ge­rung mit der Stadt. Zur glei­chen Zeit eröff­ne­te Vor­stands­spre­cher Ulrich Kah­le die ers­te Aus­stel­lung im neu­en Jahr: Acht Künstler*innen haben, in Pla­kat­form, ihre Ideen zu Mög­lich­kei­ten der zukünf­ti­gen Gestal­tung des Kes­sel­hau­ses bei­getra­gen. Die teil­wei­se kon­kre­ten, teil­wei­se abs­trak­ten Ergeb­nis­se hän­gen anein­an­der­ge­reiht Rich­tung Lein­ritt an der Außen­wand der Shed­dach-Hal­le des Kes­sel­hau­ses. Die­se bis­her unge­nutz­te Hal­le möch­te der Kunst­raum JETZT! zum wei­te­ren zen­tra­len Aus­stel­lungs­ort im Kes­sel­haus umge­stal­ten. Wir haben mit Ulrich Kah­le gesprochen.

Herr Kah­le, vor zwei Wochen haben Sie den Nut­zungs­ver­trag des Kes­sel­hau­ses bis 2026 ver­län­gert. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Ulrich Kah­le: Ich habe eine gewis­se Genug­tu­ung gespürt. Um Pla­nungs­si­cher­heit zu haben, hat­ten wir die Ver­trags­ver­län­ge­rung ja schon im Okto­ber 2019 bean­tragt. Da es seit­dem aber kei­ne ent­spre­chen­den Schrit­te gab, haben wir von Aus­stel­lung zu Aus­stel­lung, also in gewis­ser Wei­se von der Hand in Mund gelebt. Aber jetzt haben wir wie­der Pla­nungs­luft für ein gutes Stück Zukunft.


Gab es Momen­te, in denen Sie nicht mehr an die­se Ver­län­ge­rung geglaubt haben?

Ulrich Kah­le: Nee, denn die Hoff­nung stirbt zuletzt. Aber es gab und gibt Stim­men oder Lager in die­ser Stadt, die die­se Ver­trags­ver­län­ge­rung nicht so ger­ne sehen. Auf der ande­ren Sei­te hat der Ober­bür­ger­meis­ter sich über den Ver­trag und die Pla­kat­aus­stel­lung echt posi­tiv geäußert.


Ande­re kul­tu­rel­le Akteu­re, wie FRANZ KAf­kA, konn­ten sich mit der Stadt nicht eini­gen. Trübt das die Freu­de über den Vertrag?

Ulrich Kah­le: Ich inter­pre­tie­re die Vor­gän­ge zwi­schen FRANZ KAf­kA und der Stadt nicht. Aber wenn KAf­kA wie­der etwas im Kes­sel­haus machen wol­len, wer­den wir die Letz­ten sein, nein zu sagen. Wir sind für Koope­ra­tio­nen offen. So tritt etwa im Mai das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel im Kes­sel­haus auf.

Wel­che Ver­trags-Bedin­gun­gen muss der Ver­ein Kunst­raum JETZT! erfüllen?

Ulrich Kah­le: Der Ver­trag sieht eigent­lich nur vor, dass nicht mehr als 99 Per­so­nen auf ein­mal im Kes­sel­haus sind. Das hat aus­schließ­lich bau­recht­li­che Grün­de. Aus­nah­me-Geneh­mi­gun­gen für mehr Publi­kum wur­den uns aber münd­lich zuge­si­chert. Ansons­ten gibt es kei­ne Vor­ga­ben. Wie wir das Kes­sel­haus nut­zen, ist unse­re Sache.


Was hat sich die Stadt ver­pflich­tet zu liefern?

Ulrich Kah­le: Sei­tens der Stadt gibt es kei­ne wei­te­ren Zusi­che­run­gen. Das ist leicht erklär­bar: Coro­na macht die Stadt­kas­sen leer und wie­weit sich die Kas­se durch ande­re Aktio­nen selbst geleert hat, stel­le ich dahin – das mögen ande­re klä­ren. Kul­tur ist seit jeher eine frei­wil­li­ge Leis­tung, die Geld kos­tet und bei der man am ehes­ten strei­chen kann. 


Was soll das Kes­sel­haus in den kom­men­den fünf Jah­ren sein?

Ulrich Kah­le: Wir möch­ten die Ent­wick­lung wei­ter­trei­ben, die wir schon immer vor­hat­ten: Wir wol­len das Kes­sel­haus als Kul­tur­ort ver­fes­ti­gen und ver­ste­ti­gen. Es gibt kei­nen mit die­sem still­ge­leg­ten Indus­trie­bau­kör­per ver­gleich­ba­ren alter­na­ti­ven Gegen­warts-Kunst-Raum in Bam­berg. Dar­an wol­len wir fest­hal­ten. Das Kes­sel­haus wei­ter zu betrei­ben, ist unser vor­ding­li­ches Ziel. Und lang­fris­tig wol­len wir die Eig­nung des Kes­sel­hau­ses durch Umbau­maß­nah­men ver­bes­sern, mehr Raum schaf­fen für ver­schie­dens­te Ver­an­stal­tun­gen neben der Kunst – Musik, Thea­ter, Diskussionsplattformen.


Die Pla­kat­aus­stel­lung zu Gestal­tungs­va­ri­an­ten des Kes­sel­hau­ses ist ein ers­tes neu­es Aus­stel­lungs­for­mat und mar­kiert außer­dem zehn Jah­re Aus­stel­lungs­be­trieb im Kes­sel­haus. Wie hät­te die Jubi­lä­ums­aus­stel­lung ohne Coro­na ausgesehen?

Ulrich Kah­le: Wir hät­ten bestimmt zunächst ein Fest gemacht. Mög­li­cher­wei­se wäre dann viel­leicht auch so eine Aus­stel­lung zustan­de gekom­men. Jetzt, in der Pan­de­mie­si­tua­ti­on, war es aber ein bewuss­tes Ziel, den ein­ge­la­de­nen Künst­lern ein Hono­rar in der Pan­de­mie­durst­stre­cke ver­schaf­fen zu kön­nen, was wir dann mit dem The­ma der Kes­sel­haus­aspek­te kur­zer­hand ver­bin­den konnten.


Die Aus­stel­lung zeigt Zukunfts­ideen des Kes­sel­hau­ses. Wel­che Vor­ga­ben haben Sie für die Pla­kat­ge­stal­tung gemacht? Umsetz­bar­keit scheint kein Kri­te­ri­um gewe­sen zu sein.

Ulrich Kah­le: Die ein­zi­ge Vor­ga­be war: „Was fällt euch zur Zukunft des Kes­sel­hau­ses ein?“ Mehr nicht.


Auch Ihr Ver­ein hat zwei Pla­ka­te bei­gesteu­ert. Die­se wer­den in der Zukunfts­ge­stal­tung des Kes­sel­haus konkreter.

Ulrich Kah­le: Ja, das ist ein Fin­ger­zeig, wo es mit dem Kes­sel­haus hin­ge­hen könn­te – so rea­lis­tisch wie mög­lich visua­li­siert, um den Leu­ten klar­zu­ma­chen, wel­ches Poten­zi­al in die­sem Gebäu­de steckt. Der Ide­al­ent­wurf ist der Umbau der Shed­hal­le zu einer Kunsthalle.


Ist in die­sen Ent­wür­fen die mög­li­che Reak­ti­on der Stadt – mach­bar oder zu teu­er – schon miteingerechnet?

Ulrich Kah­le: Nein, so weit sind wir noch nicht gekom­men. Wobei die Stadt bis­lang eigent­lich nicht bereit war, dazu etwas zu sagen. Aber wir ver­su­chen schon unser Mög­lichs­tes, rea­lis­ti­sche Wege auf­zu­zei­gen. Aber es ist eben ein biss­chen pro­ble­ma­tisch in die­sen Zei­ten. Wenn der Bund 24 Mil­lio­nen für die Reno­vie­rung von St. Micha­el bereit­stellt, wird er nicht noch­mal zwei Mil­lio­nen fürs weit unschein­ba­re­re Kes­sel­haus am Fuß des Michels­berg bereit­stel­len. Aber das sind Din­ge, die man abwar­ten kann. Uns rennt ja die Zeit nicht davon, da wir in den nächs­ten fünf Jah­ren im Kes­sel­haus eine Men­ge machen kön­nen machen kön­nen, um ihm Auf­merk­sam­keit zu verschaffen.


Glau­ben Sie, dass in die­sen fünf Jah­ren schon Ent­schei­dun­gen fal­len, wie und ob das Kes­sel­haus umge­baut wer­den könnte?

Ulrich Kah­le: (lacht) Schwie­rig, aber war­um nicht? Ich sehe, abge­se­hen von den Finan­zen, kei­ne Grün­de, war­um das nicht mög­lich sein sollte.


Deu­tet sich bereits an, was nach Ablauf der fünf Jah­re mit dem Kes­sel­haus pas­sie­ren könnte?

Ulrich Kah­le: Wir sind zuver­sicht­lich, dann wei­ter zu sein und uns um die nächs­te Ver­trags­ver­län­ge­rung zu bemü­hen. Denn wir sehen gemein­sam mit vie­len Mit­strei­tern rea­lis­ti­scher­wei­se kei­nen ande­ren Stand­ort, der die räum­li­chen Qua­li­tä­ten des Kes­sel­hau­ses bie­tet und eine bes­se­re Lage hat.

Levi Strauss Museum

But­ten­heim meets Pop Art

Bedingt durch die Pan­de­mie geht die But­ten­hei­mer Kunst­rei­he „ART in B – Kunst in But­ten­heim“ im Levi Strauss Muse­um etwas lei­ser als gewohnt in die nächs­te Run­de. Im Mit­tel­punkt ste­hen auch in die­sem Jahr wie­der inter­na­tio­nal bekann­te Künstler.

ART in B ist auch ein Forum für Ideen, zur Wei­ter­ent­wick­lung und Stär­kung von Geist und See­le der Gemein­de, zur Stif­tung von Iden­ti­tät und zur Ergän­zung des gesell­schaft­li­chen Lebens – weit über die Gren­zen But­ten­heims hinaus.

„But­ten­heim meets Pop Art“ ist der Titel der dies­jäh­ri­gen Schau. Sie prä­sen­tiert einen bun­ten Mix an Wer­ken ver­schie­de­ner renom­mier­ter Künst­ler. Ver­tre­ten sind David Toll­mann, Udo Lin­den­berg, Ulri­ke Lan­gen, James Riz­zi, Mar­tin Sonn­leit­ner, Her­man Reichold und Patrik Preller.

Frisch und far­ben­froh wird so zum Bei­spiel mit den Mons­tern von Patrik Prel­ler, den detail­rei­chen Bil­dern von James Riz­zi, dem indi­vi­du­el­len Stil von Udo Lin­den­berg, Mar­tin Sonn­leit­ners Por­traits von berühm­ten Rock Stars, den inten­si­ven und groß­for­ma­ti­gen Wer­ken von David Toll­mann, Ulri­ke Lan­gens Sieb­dru­cken auf Alu­mi­ni­um­plat­ten oder den humor­voll-hin­ter­sin­ni­gen Wer­ken von Her­man Reichold einer der­zeit für Kunst und Kul­tur schwe­ren Zeit die Stirn geboten.

Die Wer­ke sind bis zum 4. Juli 2021 im Levi Straus Muse­um aus­ge­stellt. Abhän­gig von den Inzi­denz­wer­ten ist die Aus­stel­lung zu den Öff­nungs­zei­ten im Levi Strauss Muse­um zu besich­ti­gen, der Ein­tritt ist frei. Das Levi Strauss Muse­um bit­tet um Vor­anmel­dung per Mail unter levi-strauss-museum@buttenheim.de oder tele­fo­nisch unter 09545–442602.

Wei­te­re Informationen:

http://www.levi-strauss-museum.de/

Zehn Jah­re Kesselhaus

Belieb­ter Aus­stel­lungs­ort für die Kulturszene

In die­sem Jahr fei­ert das Kes­sel­haus sei­nen zehn­ten Geburts­tag als Aus­stel­lungs­ort, den es mit einer Open-Air-Aus­stel­lung begeht!

Zehn Jah­re ist es her, als sich im Früh­jahr 2011 ein klei­nes Häuf­lein Akti­vis­ten vom Kunst­ver­ein, dem BBK Ober­fran­ken, dem Archi­tek­tur­treff Bam­berg und dem dama­li­gen Bau­re­fe­ren­ten der Stadt, Micha­el Ilk, mit eige­ner Hän­de Arbeit dar­an­mach­ten, den brach lie­gen­den Indus­trie­raum im Kes­sel­haus auf­zu­räu­men. Und bei­na­he 40 Aus­stel­lun­gen und Events bewei­sen seit­her die Rich­tig­keit des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments für die­sen Ort mit sei­nen 225 Qua­drat­me­tern Flä­che, sie­ben Metern Höhe, durch­gän­gig ori­gi­na­len Ober­flä­chen und sei­ner zen­tra­len Lage am Lein­ritt als Aus­stel­lungs- und Ver­an­stal­tungs­flä­che. Denn: Das „Kes­sel­haus“ – bis 1984 genutz­te ehe­ma­li­ge Ener­gie­zen­tra­le des „Alten Kran­ken­hau­ses“ mit Kran­ken­haus­wä­sche­rei und Patho­lo­gie ¬–, am west­li­chen „Ein­gangs­tor“ zu Alt­stadt und Welt­erbe Bam­bergs gele­gen, birgt ein außer­or­dent­li­ches Poten­zi­al als leben­di­ger Kul­tur­ort. Es strahlt vor allem wegen der beson­de­ren funk­tio­na­len Archi­tek­tur der frü­hen 60er Jah­re und dem in Bam­berg sel­te­nen indus­tri­el­len Cha­rak­ter einen außer­ge­wöhn­li­chen Charme aus.


„Was mir zum Kes­sel­haus einfällt“

In die­sem Jahr fei­ert das Kes­sel­haus nun sei­nen zehn­ten Geburts­tag als Aus­stel­lungs­ort. Aber wie begeht man einen run­den Geburts­tag in Zei­ten von Coro­na? Ganz ein­fach: mit einer Open-Air-Ausstellung!

Die Idee dazu ist bereits im ers­ten Lock­down und dem damit erzwun­ge­nen Still­stand für die Kul­tur ent­stan­den. Bam­ber­ger Künstler:innen aus den Rei­hen des BBK Ober­fran­ken haben zum Pla­kat­wett­be­werb ein­ge­la­den, um das Kes­sel­haus mate­ri­ell zu unter­stüt­zen und damit für die Zukunft als Kul­tur­stand­ort zu sichern. Die Auf­ga­be bestand in der Gestal­tung eines Pla­ka­tes zum The­ma „Was mir zum Kes­sel­haus ein­fällt“, das als Ban­ner an der EG-Fas­sa­de des Kes­sel­hau­ses zum Lein­ritt open-air aus­ge­stellt wer­den soll. Ein beglei­ten­der eige­ner QR-Code erlaubt es allen Inter­es­sen­ten, sich auf der Web­site des Ver­eins ein­zu­klin­ken, um Nähe­res zu den Ent­wür­fen zu erfah­ren. Her­aus­ge­kom­men ist eine kun­ter­bun­te Mischung uto­pi­scher Vor­stel­lun­gen, augen­zwin­kern­de bis ernst­haf­te Anstö­ße an die Stadt Bam­berg bis hin zu ziem­lich kon­kret for­mu­lier­ten Vor­stel­lun­gen, die seit Anfang Febru­ar 2021 nun am vor­ge­se­he­nen Ort aus­ge­stellt sind.

Im Ein­zel­nen fin­det man nun eine Idee von Ger­hard Hagen, in einer Qua­si-Kari­ka­tur Bam­berg dar­auf auf­merk­sam zu machen, dass die Rea­li­sie­rung einer Kunst­hal­le ana­log zur Lan­dung auf dem Mond eigent­lich nur einen „klei­nen“ Schritt dar­stel­len würde.

Peter Schop­pel hat ein Modell ent­wor­fen, das zeigt, wie ein auf­ge­wer­te­tes Kes­sel­haus aus­se­hen könn­te. Höchst rea­lis­tisch visua­li­siert Tho­mas Michel einen erfolg­ten Umbau des Kes­sel­hau­ses unter Wah­rung sei­ner prä­gnan­ten Gestalt und ent­wirft sehr reiz­vol­le Auf­ent­halts­qua­li­tä­ten im Außen­be­reich. Nina Gross folgt mit einer bun­ten Phan­ta­sie­an­sicht eines veri­ta­blen Aus­stel­lungs­hau­ses, die gleich­falls Wert auf Auf­ent­halts­qua­li­tä­ten als Anzie­hungs­punkt für Publi­kum legt: der Park­platz ist einer Wie­se gewi­chen und das Dach des Kes­sel­hau­ses begrünt. Chris­tia­ne Toe­we wie­der­um schafft einen wuch­ti­gen Archi­tek­tur­kör­per, um ihn dann mit kräf­ti­gen rot-wei­ßen Bän­de­run­gen zu ver­se­hen, ähn­lich dem berühm­ten Leucht­turm „Roter Sand“ in der Weser­mün­dung – ein Welt­kul­tur­er­be übri­gens –, um dem unschwer erkenn­ba­ren Kes­sel­haus einen pro­gram­ma­ti­schen Leucht­turm­cha­rak­ter zu ver­lei­hen. Dag­mar Ohrn­dorf nimmt in ihrem Ban­ner Bezug auf die Akti­vi­tä­ten der Ver­gan­gen­heit und hat aus Frag­men­ten alter Aus­stel­lungs­pla­ka­te ein neu­es tän­ze­ri­sches Gesamt­bild kom­po­niert. Ger­hard Schlöt­zer, neben sei­nen foto­gra­fi­schen Fähig­kei­ten ein lei­den­schaft­li­cher und begab­ter Zeich­ner, prä­sen­tiert den Betrachter:innen mit peni­blen Blei­stifts­stri­chen sei­ne leicht nach­voll­zieh­ba­re Visi­on des Kes­sel­hau­ses mit auf­ge­setz­tem Dach­cafè und der zu einem Kiosk umfunk­tio­nier­ten Tra­fo­sta­ti­on an der Nord­spit­ze des Are­als inmit­ten einer publi­kums­freund­li­chen Frei­flä­che. David Grimm schließ­lich sieht das Kes­sel­haus als Funk­sta­ti­on, als geer­de­te Basis für inter­pla­ne­ta­ren Aus­tausch, als ein Labor für Rele­vanz, Funk­ti­on und Ver­ant­wor­tung von Kunst und Kul­tur im 21. Jahrhundert.

Stadt­wärts been­den die Open-Air-Aus­stel­lung zwei archi­tek­ten­ba­sier­te und com­pu­ter­gra­fisch auf­be­rei­te­te Ide­al­an­sich­ten eines umge­bau­ten Kes­sel­hau­ses, ein­mal das Inne­re des Shed­dach­be­reichs als veri­ta­ble Kunst­hal­le und zum ande­ren die Gesamt­schau des Kes­sel­hau­ses als Kunst­ort samt auto­frei­em Lein­ritt und Frei­trep­pen­an­la­ge am Fluss mit zuvor unge­ahn­ten Aufenthaltsqualitäten.

Allen aus­ge­stell­ten Künst­lern gemein ist ihre klar aus­ge­drück­te Hoff­nung auf eine kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung des Kes­sel­hau­ses als Kul­tur­ort. Denn nir­gends sonst fin­det sich in die­ser Stadt ein ande­rer, bes­ser geeig­ne­ter Ort als die­se städ­te­bau­lich irgend­wie ver­kann­te Bra­che am äußers­ten Wes­t­en­de des Sand­vier­tels – und dies nur den sprich­wört­li­chen Stein­wurf von St. Micha­el entfernt!

Audio­rund­gang mit dem TiG

W:ORTE: Fla­nie­ren mit Lite­ra­tur und Musik im Ohr

Das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel (TiG) bie­tet ab dem heu­ti­gen Sams­tag den kul­tu­rel­len Audio­rund­gang „W:ORTE“ durch das Gärt­ner­vier­tel an. Per App kann man sich unter­wegs lite­ra­ri­sche Tex­te, Gedich­te und Musik – ein­ge­spro­chen und ein­ge­spielt von Mit­glie­dern des Ensem­bles – anhö­ren. Die Stra­ßen wer­den zum Kunst­ort. TiG-Che­fin Nina Lorenz hat mit dem Web­echo einen Aus­blick unternommen.

Frau Lorenz, wie sind Sie auf die Idee zum lite­ra­ri­schen Wort­weg gekommen?

Nina Lorenz: Die ers­te Idee kam von Lena Kalt und Lina Hof­mann, bei­de Kos­tüm- und Büh­nen­bild­ne­rin­nen beim TiG, und sah so aus, Schau­fens­ter­in­stal­la­tio­nen anzu­bie­ten und dazu eine Füh­rung oder einen Audio­gui­de zu gestal­ten. Die­se Idee hat mich fas­zi­niert und dar­auf auf­bau­end haben wir sie gemein­sam wei­ter ent­wi­ckelt. Als klar war, dass Olga See­ha­fer und Jakob Fischer die musi­ka­li­sche Gesamt­kom­po­si­ti­on über­neh­men, ein Groß­teil des Schau­spiel­ensem­bles die Tex­te ein­spricht und wir die­se gemein­sam mit Ton­in­ge­nieur Michel Spek auf­neh­men kön­nen, war der Audio­weg gebo­ren. Den schö­nen Titel W:ORTE hat Wer­ner Lorenz entwickelt.


Sie beschrei­ben “W:ORTE” als Kunst­pro­jekt. Um was geht es genau?

Nina Lorenz: Es geht um das Öff­nen der Sin­ne – Hören, Sehen, Rie­chen, Füh­len.
Um das Gehen – in Bewe­gung kom­men, sich die eige­ne Stadt erge­hen, sie wahr­neh­men aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve, die durch Wor­te und Töne, durch Lite­ra­tur und Musik ange­rei­chert wird.
Es geht auch dar­um, sich ein­zu­las­sen auf den Sound der Stadt – um viel­leicht ein Teil der Stadt zu wer­den, gelei­tet von der Kunst. Mit dem TiG-Ensem­ble im Ohr ent­ste­hen die Bil­der nicht nur auf den Stra­ßen, son­dern auch im Kopf.


Wodurch unter­schei­det sich der Rund­gang von tou­ris­ti­schen Rundgängen?

Nina Lorenz: Wir bie­ten kei­ne klas­si­sche Stadt­füh­rung zu den Sehens­wür­dig­kei­ten Bam­bergs an, son­dern gehen eher unbe­kann­te­re Wege und bele­ben die­se mit Wort und Musik. Wir blei­ben dem TiG-Prin­zip treu, das bedeu­tet, wir erschlie­ßen mit jedem neu­en Pro­jekt neue Orte, las­sen uns von ihnen inspi­rie­ren und ver­wan­deln all­täg­li­che Orte in Thea­ter­stät­ten. In die­sem Fall wird das Gärt­ner­vier­tel ins­ge­samt und wer­den die Wege dar­in zu einem Kunstort.


Wie vie­le und wel­che Sta­tio­nen hat der Weg?

Nina Lorenz: Der Weg hat ins­ge­samt 19 Sta­tio­nen, umfasst etwa andert­halb Stun­den oder 6000 Schrit­te durchs Gärt­ner­vier­tel. Die Tex­te wer­den ent­we­der an den Sta­tio­nen direkt gehört und man ver­weilt dabei vor Gebäu­den, Geschäf­ten, Spiel­plät­zen, Brü­cken, oder wer­den wäh­rend des Gehens erleb­bar gemacht. Man kann jeder­zeit den Rund­gang unter­bre­chen und wie­der auf­neh­men, wie es für den eige­nen Geh­rhyth­mus am bes­ten ist. Start­punkt ist das TiG-Büro in der Joseph­stra­ße 7.


Bit­te nen­nen Sie drei Bei­spie­le, was es wo zu hören bezie­hungs­wei­se zu sehen gibt?

Nina Lorenz: Zu sehen gibt es immer was – die Stadt bil­det den Rah­men dazu. Eben­so gibt es von Lena Kalt und Lin­da Hof­mann gestal­te­te Schau­fens­ter­in­stal­la­tio­nen. Zu hören gibt es zum Bei­spiel auf der Luit­pold­stra­ße einen Mono­log aus „Anna Kare­ni­na“ von Leo Tol­stoi, als sich Anna auf dem Weg zum Bahn­hof befin­det. An der Lan­des­jus­tiz­kas­se Bam­berg ist Kaf­ka zu erle­ben und an der Gärt­ne­rei Nie­der­mai­er ein Erleb­nis­be­richt von Micha­el Nie­der­mai­er über den Ver­such der Stadt Bam­berg, 1970 eine mehr­spu­ri­ge Schnell­stra­ße durch das Gärt­ner­vier­tel zu bau­en und wie die Gärt­ner dies sei­ner­zeit ver­hin­dert haben. Zwi­schen­drin gibt es einen Song von „Be an Ani­mal“ von und mit Olga See­ha­fer und Jakob Fischer und vie­les mehr.


Unter­wegs gibt es auch Schau­fens­ter-Instal­la­tio­nen. Was erwar­tet das Publi­kum hierbei?

Nina Lorenz: Die Instal­la­tio­nen unter­stüt­zen die Geschich­ten, die an die­ser Stel­le erzählt wer­den und kön­nen im bes­ten Fal­le die Fan­ta­sie anregen.


Folgt “W:ORTE” wie ein Thea­ter­stück einer Hand­lung oder einem Spannungsbogen?

Nina Lorenz: Der Span­nungs­bo­gen ent­steht durch die Musik und durch die dra­ma­tur­gi­sche Durch­mi­schung von lite­ra­ri­schen Tex­ten, Gedich­ten, O‑Tönen von Bam­ber­ger Bür­ge­rin­nen und Bür­gern und Musik. Im klas­si­schen Sin­ne eine durch­ge­hen­de Hand­lung ist nicht vor­han­den. Jeder lite­ra­ri­scher Bei­trag ist in sich abge­schlos­sen. Den­noch ergibt alles in allem in Kom­bi­na­ti­on mit der Musik einen Span­nungs­bo­gen und eine Dar­stel­lung von Leben in sei­nen unter­schied­li­chen Facetten.


Vor der Teil­nah­me an “W:ORTE” muss man die App Hearo­ny­mus her­un­ter­la­den. Sie ist genau wie die Teil­nah­me kos­ten­frei. Die Finan­zie­rung soll durch Spen­den gesi­chert wer­den. Wie­so set­zen Sie auf Frei­wil­lig­keit anstatt auf fest­ge­leg­te Preise?

Nina Lorenz: Da es zur Zeit kei­nen Vor­ver­kauf bei den Vor­ver­kaufs­stel­len gibt, uns die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten eines online Kar­ten­ver­kau­fes nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, haben wir uns für die Finan­zie­rung auf Spen­den­ba­sis nach dem Pay-as-you-wish-Ver­fah­ren ent­schie­den. Wir sind außer­or­dent­lich froh über die Unter­stüt­zung von „Hearo­ny­mus Audio­gui­de“, die es uns ermög­licht hat, den Audio­weg über eine pro­fes­sio­nel­le App anzubieten.


Wann ist “W:ORTE” für Sie ein Erfolg?

Nina Lorenz: Sobald die ers­ten Zuhörer*innen mit dem TiG-Ensem­ble im Ohr durch die Stra­ßen zie­hen – schon ab da ist es ein Erfolg für uns. Die Zuschauer*innen kön­nen nicht zu uns ins Thea­ter kom­men, aber wir kön­nen zu ihnen kom­men – und wenn wir es schaf­fen, mit die­sem Audio­weg den Kon­takt zu hal­ten und zu zei­gen, dass wir auch in der Pan­de­mie wei­ter­hin für da sind, machen wir das Kunst­er­leb­nis auch in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten mög­lich. Unser Publi­kum kann trotz Kri­se unse­re Schauspieler*innen hören und füh­len. Das allein ist ein Riesenerfolg.

Wei­te­re Informationen:

https://tig-bamberg.de/

Haus Mar­teau

Inter­view mit dem Künst­le­ri­schen Lei­ter Prof. Chris­toph Adt

In Haus Mar­teau, der Inter­na­tio­na­len Musik­be­geg­nungs­stät­te des Bezirks Ober­fran­ken, wür­de nor­ma­ler­wei­se jetzt das Kurs­jahr 20 /​/​21 mit den Meis­ter­kur­sen für ver­schie­de­ne Instru­men­ten­gat­tun­gen und Gesang lau­fen. Pan­de­mie­be­dingt sind die Kur­se bis Ende Febru­ar aus­ge­setzt. Prof. Chris­toph Adt, der Künst­le­ri­sche Lei­ter des Hau­ses, äußert sich im Inter­view mit dem Bezirk Ober­fran­ken zur euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­gen Künst­ler­vil­la in Lichtenberg.

Was zeich­net Haus Mar­teau beson­ders aus?

Prof. Chris­toph Adt: Die Lage und die Pro­mi­nenz des Hau­ses ermög­li­chen Kur­se auf höchs­tem künst­le­ri­schen Niveau. Es ist ein wun­der­schö­ner Platz, ein opti­mal mit Kla­vie­ren aus­ge­stat­te­tes Haus, das inten­si­ve künst­le­ri­sche Arbeit allei­ne schon durch sei­ne äuße­ren Gege­ben­hei­ten unter­stützt. Etwa 40 Meis­ter­kur­se mit inter­na­tio­nal renom­mier­ten Künst­lern laden jun­ge Musi­ke­rin­nen und Musi­ker aus der gan­zen Welt ein, wich­ti­ge Schrit­te auf ihrem Weg zu wei­te­rer Exzel­lenz zu gehen.
Schon wenn ich hier aus dem Fens­ter schaue, schafft das eine beru­hi­gen­de, kon­zen­trie­ren­de Atmo­sphä­re.
Unser gro­ßer Vor­teil ist die Authen­ti­zi­tät, die das vom Haus­herrn Hen­ri Mar­teau gestal­te­te und aus­ge­stat­te­te Haus mit­bringt, gepaart mit einer gro­ßen Nähe zwi­schen Meis­ter und Schü­ler. Was ich hier bei den rela­tiv klei­nen Kur­sen so gut fin­de, ist die ganz star­ke, erns­te Zuwen­dung von erfah­re­nen Künst­lern zu den Stu­die­ren­den. Ich bin viel im Gespräch mit den Dozen­tin­nen und Dozen­ten und höre immer wie­der, wie wich­tig ihnen ein enger Aus­tausch ist, der eine gro­ße Nähe schafft.
Haus-Mar­teau-Kon­zer­te sind ja oft so berüh­rend, weil sie so intim sind, weil sie uns Augen­bli­cke schen­ken, die in die­ser Form nicht repro­du­zier­bar sind.
Der Saal, der jetzt dazu kommt, gibt uns die Chan­ce, dass sich das noch stär­ker fes­ti­gen kann, dass wir ent­spre­chend wei­te­res Publi­kum zu die­sen Kur­sen und zu unse­ren Kon­zer­ten gewinnen.


Wel­che Schwer­punk­te set­zen Sie in der künst­le­ri­schen Arbeit für Haus Marteau? 

Prof. Chris­toph Adt: Der Schwer­punkt liegt in der Exzel­lenz der Meis­ter­kur­se. Die­ser Schwer­punkt wird blei­ben. Er wird aber ergänzt durch die neu­en Mög­lich­kei­ten, die sich durch den Saal­bau erschlie­ßen: eine stär­ke­re Erkenn­bar­keit in der ober­frän­ki­schen Regi­on wird mög­lich sein.
Wir könn­ten uns zum Bei­spiel vor­stel­len, dass die Kon­zert­rei­he Haus Mar­teau auf Rei­sen auch ein­mal eine ganz kur­ze Rei­se macht und im Som­mer an dem lau­schi­gen, wun­der­bar ruhig gele­ge­nen Fran­ken­wald­see in Lich­ten­berg gas­tiert. Dort sind sowohl sehr klei­ne als auch grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen denk­bar.
Ich wür­de auch ger­ne neue Musik­far­ben ins Haus bringen.


War­um soll­ten eine jun­ge Künst­le­rin oder ein jun­ge Künst­ler ins Haus Mar­teau kommen?

Prof. Chris­toph Adt: Haus Mar­teau ermög­licht künst­le­ri­sche Begeg­nung auf einem exzel­len­ten, inter­na­tio­na­len Niveau. Welt­weit ist Haus Mar­teau eine Adres­se. Man schreibt das als jun­ger Künst­ler in sei­ne Vita, wenn man in Haus Mar­teau war.
Wenn es nicht zusam­men­pas­sen wür­de, dass die Kur­se gut sind und die Kurs­ab­sol­ven­ten Kar­rie­re machen, könn­te man so etwas nicht machen.
Haus Mar­teau steht für Kon­ti­nui­tät der Qua­li­tät. Die inter­na­tio­nal erfolg­rei­che Pia­nis­tin Ali­ce Sarah Ott erwähn­te jüngst in einem Gespräch, sie sei auch in Haus Mar­teau gewe­sen – als Elf­jäh­ri­ge. Jetzt ist sie Anfang 30 und spielt auf der gan­zen Welt.


Wel­che Neue­run­gen bringt der Neu­bau des Kon­zert­saals in Haus Mar­teau mit sich? 

Prof. Chris­toph Adt: Haus Mar­teau ist seit 1982 eine glück­li­che Insel für jeweils klei­ne Grup­pen, bis­her durch die räum­li­chen Gege­ben­hei­ten sehr beschränkt. Vie­le Kon­zert­be­su­cher muss­ten sich mit Hör­plät­zen zufriedengeben.

Unser neu­er Kon­zert­saal bringt eine zusätz­li­che Kom­po­nen­te in das Gesche­hen in Haus Mar­teau, er hat eine gro­ße Aus­strah­lung und Anzie­hungs­kraft. Ich fin­de ihn wirk­lich spek­ta­ku­lär. Die Gra­nit­spit­zen schaf­fen eine tol­le Raum­at­mo­sphä­re, ich glau­be, nur für die Akus­tik eines sol­chen Saals hät­te es auch vie­le ande­re Mög­lich­kei­ten gege­ben.
Die­ser akus­tisch und gestal­te­risch außer­ge­wöhn­li­che Saal ermög­licht eine Ver­grö­ße­rung der Primärarbeit.

Prof. Chris­toph Adt, der Künst­le­ri­sche Lei­ter des Haus Mar­teau. Foto: Mar­tin Köppel

Wir kön­nen zum Bei­spiel zwei Kur­se gleich­zei­tig ver­an­stal­ten, die sich ergän­zen, mit­ein­an­der kor­re­spon­die­ren und dadurch künst­le­risch ganz neue Mög­lich­kei­ten erar­bei­ten. Denk­bar wäre ein Kla­vier­kurs in Zusam­men­ar­beit mit einem Gesangs­kurs, die über die Woche immer wie­der gemein­sa­me und eige­ne Kurs­ab­schnit­te haben. Oder zwei Kur­se, die sich dem glei­chen Instru­ment wid­men und bei denen die Dozen­tin bezie­hungs­wei­se der Dozent mal den einen, mal den ande­ren Kurs betreut.


Was liegt Ihnen im Hin­blick auf Haus Mar­teau beson­ders am Herzen?

Prof. Chris­toph Adt: „Alles wirk­li­che Leben ist Begeg­nung.“ Die­ser Satz von Mar­tin Buber gilt ganz beson­ders für Kunst, für alle künst­le­ri­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, natur­ge­mäß ganz beson­ders für Musik. Hier möch­te ich – beson­ders und aus­drück­lich in unse­rer Zeit, die durch Maß­nah­men gegen die Coro­na-Infek­ti­ons­ge­fahr Begeg­nun­gen erschwert und Ein­sam­keit ver­stärkt – nach Kräf­ten unter­stüt­zen. Wir haben solang es irgend ging unse­re Kur­se wei­ter­ge­führt.
Begeg­nun­gen durch Kon­zer­te sind genau­so wenig ersetz­bar wie Begeg­nun­gen durch Gesprä­che. Ich den­ke, dass wir mit dem, was wir hier in Haus Mar­teau machen, etwas für die Mensch­lich­keit tun. Begeg­nung heißt, dass der Künst­ler tat­säch­lich mit dem Publi­kum kom­mu­ni­ziert und das Publi­kum kom­mu­ni­ziert zurück, und das geht nur in Prä­senz.
Als Musi­ker sind wir ja dar­stel­len­de Künst­ler. Wenn wir eine Brahms-Sona­te spie­len, dann ist das zunächst ein­fach ein Werk. Die Sona­te wur­de im 19. Jahr­hun­dert kom­po­niert, ist 170 Jah­re alt – und trotz­dem: Durch die Dar­stel­lung der Künst­ler, die in der Gegen­wart leben, wird sie ins Heu­te trans­por­tiert und schafft Begeg­nung zwi­schen Spie­len­den und Per­so­nen, die zuhö­ren. Die Per­so­nen, die zuhö­ren, sind kaum weni­ger wich­tig als die spie­len­de Per­son. Die spie­len­de Per­son spielt anders, wenn das Spiel anders reflek­tiert wird.
Umso bedeut­sa­mer ist es, dass wir über­haupt Publi­kum haben und die Künst­ler nicht nur auf Kacheln zu sehen sind.
Neh­men wir als Bei­spiel den Hen­ri Mar­teau-Vio­lin­wett­be­werb. Auch hier set­zen wir auf Prä­senz und Authen­ti­zi­tät. Alle Vor­spie­le sind live. Allein die Tat­sa­che, dass für die ers­te Run­de bis zu 120 Leu­te aus der gan­zen Welt hier­her­kom­men, ist für uns ein wun­der­ba­rer Mul­ti­pli­ka­tor: Da ist die­se Wahn­sinns-Vil­la und dort habe ich die­se Musik gemacht. Seit 2008 hat der Bezirk die Trä­ger­schaft für den Wett­be­werb über­nom­men, mit der Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung durch die Hofer Sym­pho­ni­ker steht der Wett­be­werb auf sta­bi­len Füßen. Das ist mir wich­tig.
Und die Tat­sa­che, dass wir den Wett­be­werb mit einem Gala­kon­zert zusam­men mit den Sym­pho­ni­kern beschlie­ßen, ist natür­lich ein Gewinn: So tra­gen wir die Arbeit des Hau­ses noch stär­ker in die Region.


Wie wer­den jun­ge Men­schen zu exzel­len­ten Künstlern?

Prof. Chris­toph Adt: Ich fin­de es wich­tig für jun­ge Instru­men­ta­lis­ten und Sän­ger, dass sie kei­ne Scheu­klap­pen auf­ha­ben, son­dern dass sie sich beschäf­ti­gen mit Kunst, mit Lite­ra­tur, mit der Natur. Ich möch­te den jun­gen Men­schen sagen: Geht raus, geht in die Oper, geht ins Thea­ter, setzt euch mit der Regie aus­ein­an­der. Das gehört dazu, zum Künstlersein.


Wel­che drei Rat­schlä­ge geben Sie jun­gen Instru­men­ta­lis­ten und Sän­gern mit auf dem Weg?

Prof. Chris­toph Adt: Ganz­heit­lich leben – flei­ßig üben – sich empa­thisch für die Mit­men­schen einsetzen.

Erz­bi­schöf­li­ches Ordinariat

Haupt­ab­tei­lungs­lei­te­rin Dr. Bir­git Kast­ner im Interview

Seit Novem­ber ist Dr. Bir­git Kast­ner die neue Ordi­na­ri­ats­rä­tin und Haupt­ab­tei­lungs­lei­te­rin Kunst und Kul­tur des Erz­bi­schöf­li­chen Ordi­na­ri­ats Bam­berg. Die Kunst­his­to­ri­ke­rin kennt die Struk­tu­ren des Dom­bergs aus ihrer Zeit als Dom­berg­ko­or­di­na­to­rin von 2013 bis 2016 bes­tens. Wir haben mit ihr über Kir­che und Kunst gesprochen.

Dr. Kast­ner, wor­in bestehen Ihre Auf­ga­ben als neue Ordi­na­ri­ats­rä­tin und Haupt­ab­tei­lungs­lei­te­rin Kunst und Kultur?

Bir­git Kast­ner: Als Haupt­ab­tei­lungs­lei­te­rin Kunst und Kul­tur unter­ste­hen mir das Diö­ze­san­mu­se­um, die Dom­tou­ris­tik, die Kunst­denk­mal­pfle­ge und die Biblio­thek des Metro­po­li­tan­ka­pi­tels, das heißt die wis­sen­schaft­li­che Biblio­thek. Als Ordi­na­ri­ats­rä­tin bin ich Mit­glied der Ordi­na­ri­ats­kon­fe­renz, dem obers­ten Ent­schei­dungs­gre­mi­um des Erz­bis­tums. Spek­ta­ku­lär ist, dass in die­sem bis­her nur mit Män­nern besetz­ten Gre­mi­um nun drei Frau­en Mit­glied sind. Das Erz­bis­tum Bam­berg folgt damit dem Anlie­gen des „Syn­oda­len Wegs“, das heißt des Reform­pro­zes­ses, der unter ande­rem die Stär­kung der Posi­ti­on der Frau in der katho­li­schen Kir­che ver­folgt. Das Haupt­au­gen­merk mei­ner Stel­le liegt sei­ner­seits dar­auf, die Rol­le der katho­li­schen Kir­che und des Erz­bis­tums Bam­berg in der Gesell­schaft prä­sent zu hal­ten und unser kul­tu­rel­les Erbe zu bewah­ren und zu vermitteln.


Was berei­tet Ihnen mehr Freu­de: Die Ver­wal­tungs­auf­ga­ben als Ordi­na­ri­ats­rä­tin oder die kul­tu­rel­le Arbeit der Hauptabteilungsleiterin?

Bir­git Kast­ner: Bei­des hat fas­zi­nie­ren­de Aspek­te, die für die Gesamt­tä­tig­keit sehr wich­tig sind. Der Bereich als Ordi­na­ri­ats­rä­tin, wo ich an gro­ßen Pro­zes­sen des Bis­tums teil­ha­ben kann, ist fas­zi­nie­rend und hat eine gro­ße Ver­ant­wor­tung, denn in die­sem Bereich habe ich die Mög­lich­keit, die Rol­le von Kunst und Kul­tur im Erz­bis­tum zu stär­ken und gestal­te­risch an Struk­tur­pro­zes­sen oder Neu­aus­rich­tung mit­wir­ken. Als stu­dier­te Kunst­his­to­ri­ke­rin liegt mir der täg­li­che Umgang mit der Kunst und die Erhal­tung und Ver­mitt­lung von Kul­tur­er­be natür­lich beson­ders am Her­zen. Am meis­ten freue ich mich dar­auf, Akzen­te mit zeit­ge­nös­si­scher Kunst zu set­zen, Kon­takt mit zeit­ge­nös­si­schen Kul­tur­schaf­fen­den zu haben. Ich möch­te, dass es einen Dia­log gibt zwi­schen zeit­ge­nös­si­scher Kunst und dem, was wir im Bestand haben, also in Muse­um und Kirchen.


Sie haben die Stel­le seit Anfang Novem­ber 2020 inne. Wie sieht Ihr Fazit bis­her aus?

Bir­git Kast­ner: Als ich die Stel­le antrat, war mei­ne ers­te Amts­hand­lung, wegen der Coro­na-Pan­de­mie das Diö­ze­san­mu­se­um schlie­ßen zu müs­sen. Unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen kann man nicht mit her­kömm­li­chen Erwar­tun­gen arbei­ten, ent­spre­chend schwer ist ein Fazit. Wie der gesam­te Kul­tur­be­trieb fah­ren auch wir auf Sicht.


Wird sich eine Hand­schrift in der kul­tu­rel­len Aus­rich­tung des Erz­bis­tums erken­nen las­sen? Wel­che Lini­en möch­ten Sie verfolgen?

Bir­git Kast­ner: Mir ist es wesent­lich, unser kul­tu­rel­les Erbe zukunfts­fä­hig zu machen. Das heißt, Kon­tex­tua­li­sie­rung und Reso­nan­zen zu schaf­fen zwi­schen dem, was die Kir­che aus ihrer meh­re­re tau­send Jah­re alten Geschich­te mit­bringt und dem, was Kir­che, Kunst und Kul­tur heu­te bedeutet.


Via Lewan­dowskys letzt­jäh­ri­ge Instal­la­ti­on “Good/​God” zwi­schen den Tür­men des Doms hat im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes in die Stadt hin­ein­ge­strahlt. Pla­nen Sie Aus­stel­lun­gen in ähn­li­cher Größenordnung?

Bir­git Kast­ner: Aus­stel­lun­gen, die mit einem so gro­ßen kura­to­ri­schen und finan­zi­el­len Auf­wand ein­her­ge­hen, sind Aus­stel­lun­gen, die nicht jedes Jahr statt­fin­den kön­nen. Was ich weg­wei­send an die­ser Aus­stel­lung fand, war der Dia­log mit zeit­ge­nös­si­scher Kunst und unse­rem Samm­lungs­be­stand. Das soll auf alle Fäl­le wie­der­holt wer­den, das gehört zu mei­nen fes­ten Vor­sät­zen. Kunst und Kul­tur des Erz­bis­tums soll nicht nur im Bam­ber­ger Diö­ze­san­mu­se­um ver­or­tet und sicht­bar sein, son­dern die Haupt­ab­tei­lung soll an vie­len Stel­len sicht­bar wer­den. “Good/​God” war ganz signi­fi­kant ein Zei­chen, das in die Stadt hin­aus gestrahlt hat. Wir wer­den auch in Zukunft den Aus­tausch und den Dia­log mit zeit­ge­nös­si­schen Künst­lern suchen, auch um über das Erz­bis­tum hin­aus sicht­bar zu sein.


Wie groß ist die Bereit­schaft der zeit­ge­nös­si­schen Kunst, mit der Kir­che, die nicht unbe­dingt für das Zeit­ge­nös­si­sche steht, zu kooperieren?

Bir­git Kast­ner: Das hal­te ich für eine Fehl­ein­schät­zung. Sehr vie­le zeit­ge­nös­si­sche Künst­ler sind beken­nen­de Chris­ten oder arbei­ten im sakra­len Raum. Zahl­rei­che docu­men­ta-Künst­ler zum Bei­spiel oder hier in Bam­berg Mar­kus Lüpertz oder Rui Chafes. 

Kunst zu erzeu­gen, ist sehr oft die Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst und dem eige­nen Schick­sal – Fra­gen, die sich auf­grund ihres exis­ten­zi­el­len Cha­rak­ters sehr oft mit Glau­ben aus­ein­an­der­set­zen.
Gera­de im Bereich der sakra­len Kunst gibt es sehr vie­le zeit­ge­nös­si­sche The­men wie Kir­chen­fens­ter, Kir­chen­aus­stat­tung oder vie­le pro­mi­nen­te Bei­spie­le moder­ner Kir­chen­ar­chi­tek­tur. Die Kir­che hat eine gro­ße Tra­di­ti­on als Auf­trag­ge­ber für Kunst. Die Ver­bin­dung zwi­schen Kunst und Kir­che, die Rol­le der Kir­che für Kunst und Gesell­schaft war für Euro­pa über Jahr­hun­der­te iden­ti­täts­stif­tend. An die­se Rol­le gilt es anzuknüpfen.

Zeit­ge­nös­si­sche Annä­he­rung an ein sakra­les The­ma: “Cur­ry-Geor­ge” von Jörg Län­ger. Aus­gangs­punkt ist ein Ölge­mäl­de aus dem 19. Jahr­hun­dert des Hl. Georg, der Bam­ber­ger Dom- und Stadt­pa­tron, im Kampf gegen einen Dra­chen. Foto: Lud­mi­la Kvapilová-Klüsener

Was ist kul­tu­rell in der Haupt­ab­tei­lung Kunst und Kul­tur für 2021 geplant?

Bir­git Kast­ner: Wir wer­den 2021 kei­ne neu­en Aus­stel­lun­gen haben. Wir wer­den die Zäsur der per­so­nel­len Neu­auf­stel­lung und der Schlie­ßun­gen zur Neu­kon­zep­ti­on nut­zen. Ich stel­le mich zusam­men mit mei­nen Abtei­lungs­lei­tun­gen neu auf. Wir arbei­ten inten­siv dar­an, alter­na­ti­ve Mög­lich­kei­ten der Kunst- und Kul­tur­be­geg­nung zu schaf­fen, das ist unser Haupt­au­gen­merk. Zum Bei­spiel ent­wi­ckeln und erwei­tern wir unse­re digi­ta­len Ange­bo­te. Wir prü­fen, was wir online umset­zen kön­nen. Als Haupt­ab­tei­lungs­lei­te­rin Kunst und Kul­tur bin ich auch für das Hein­richs­fest ver­ant­wort­lich – dabei fra­gen wir uns, wie wir die­ses For­mat in die Zukunft brin­gen oder es pan­de­mietaug­lich machen können.

Extramei­le für Kunst

Spen­den­emp­fän­ger des Bene­fiz­laufs ste­hen fest

Mit dem Bene­fiz­lauf „#extramei­le­fuer­kunst“ am 31. Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res orga­ni­sier­te der Stadt­ver­band für Sport einen beson­de­ren Jah­res­ab­schluss. Sport­le­rin­nen und Sport­ler waren auf­ge­ru­fen, die Lauf­schu­he zu schnü­ren und mög­lichst vie­le Kilo­me­ter zu lau­fen. Jetzt ste­hen die Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den, die sich auf Spen­den aus dem Bene­fiz­lauf freu­en kön­nen, fest.

Die unter der Lei­tung von Wolf­gang Reich­mann, ers­ter Vor­sit­zen­der des Stadt­ver­ban­des für Sport, zusam­men­ge­stell­te Jury hat sich für fol­gen­de Kul­tur­schaf­fen­de ent­schie­den: Die Kul­tur­fa­brik (Kul­tur- und Kunst­pro­gram­me gemein­sam mit Men­schen mit Han­di­cap zur Inte­gra­ti­ons- und Kul­tur­ar­beit), Nev­fel Cum­art (Schrift­stel­ler, Refe­rent, Über­set­zer, Jour­na­list, Lite­ra­tur­le­sun­gen unter ande­rem auch in Schu­len), Ste­phan Bach (Schau­spie­ler und Mit­glied im Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel), Nina Lorenz (mit dem Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel bie­tet sie Kul­tur auf höchs­tem Niveau), Ger­rit Zach­rich (seit 20 Jah­ren Lei­tung des Ode­on- und Licht­spiel­ki­nos mit Fil­men auf hohem Niveau), Mar­tin Neu­bau­er (als Solo­selbst­stän­di­ger Lei­ter des Bren­ta­no-Thea­ters), Wer­ner Kohn (Foto­graf, in zahl­rei­chen Bam­berg-Büchern ver­tre­ten), Dirk Bay­er (Thea­ter­päd­ago­ge, Erzie­hungs­ar­beit vor allem in Schu­len), Micha­el Cleff III. (Maler, hat sich vor allem durch Por­traits einen Namen gemacht). Jeder von ihnen darf sich über 1.000 Euro freuen.

Erwar­tun­gen wur­den bei Wei­tem übertroffen

Wolf­gang Reich­mann: „Mit die­ser Sum­me soll den von den Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie betrof­fe­nen Künst­lern zumin­dest ein biss­chen gehol­fen wer­den. Und das zu Recht, denn durch die Pan­de­mie ist die Exis­tenz vie­ler Selbst­stän­di­ger in gro­ßer Gefahr. Zudem konn­ten wir den Sports­geist wecken, vor allem nach den „gewichts­träch­ti­gen“ Fei­er­ta­gen um Weih­nach­ten. Aller­dings bit­te ich – auch im Namen der gesam­ten Jury – um Nach­sicht, dass nicht alle, die wir auf dem Zet­tel hat­ten und die durch­aus eine Unter­stüt­zung benö­tigt hät­ten, zum Zuge kom­men konn­ten.“ Der Jury gehör­ten neben dem ers­ten Vor­sit­zen­den des Stadt­ver­ban­des fol­gen­de Per­so­nen an: der Drit­te Bür­ger­meis­ter der Stadt Bam­berg Wolf­gang Metz­ner, die städ­ti­sche Refe­ren­tin für Kul­tur und Welt­erbe Ulri­ke Sie­ben­haar, Car­men Eber­hardt vom Haupt­geld­ge­ber und Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Bro­se sowie Wolf­gang Heyder, Ver­an­stal­tungs­ma­na­ger und Sport­funk­tio­när. Nach­dem Wolf­gang Reich­mann die fro­he Kun­de an die Emp­fän­ger der Spen­de über­mit­tel­te, wur­de der ehe­ma­li­ge Leh­rer von den lie­be­voll und zum Teil eupho­risch ver­fass­ten Reak­tio­nen förm­lich über­wäl­tigt. „Wir haben mit dem Spen­den­lauf, das ist ganz deut­lich gewor­den, voll ins Schwar­ze getrof­fen. So war es für die vie­len Läu­fe­rin­nen und Läu­fer, die Spon­so­ren und die Hel­fen­den vom Stadt­ver­band und von unse­rem Koope­ra­ti­ons­part­ner FC Ein­tracht Bam­berg eine Win-Win-Situa­ti­on.“
Das gro­ße Ziel des Lau­fes war eine Gesamt­lauf­stre­cke von 5.000 Kilo­me­tern gewe­sen. Es hat­te vor dem Lauf gehei­ßen, wenn die­se Mar­ke erreicht wer­de, spen­de der Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Bro­se 5.000 Euro. Zudem stell­te die Metz­ge­rei Böhn­lein aus Bam­berg spon­tan am Lauft­ag 3.000 Euro und der Wirt­schafts­club Bam­berg als Lauf­pa­te 1.000 Euro zur Ver­fü­gung. Das End­ergeb­nis über­traf alle Erwar­tun­gen bei Wei­tem. Zum Zeit­punkt der fina­len Ergeb­nis­er­mitt­lung am Neu­jahrs­abend notier­ten die Zäh­ler 13.849,05 Kilo­me­ter mit 1.160 Teilnehmenden.

Extramei­le für Kunst

„Kei­ne Spen­de geht verloren“

Nach dem Sil­ves­ter-Bene­fiz­lauf woll­ten meh­re­re Pri­vat­per­so­nen zuguns­ten der Kunst spen­den. Der Stadt­ver­band für Sport teil­te mit Ver­weis auf sei­ne Sat­zung mit, dass die­se Ein­zel­spen­den nicht ange­nom­men wer­den könn­ten. Nun wur­de eine Lösung gefunden.

Der vom Stadt­ver­band für Sport am 31. Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res durch­ge­führ­te Bene­fiz­lauf „#extramei­le­fuer­kunst“ geht in die Ver­län­ge­rung. Meh­re­re Spen­den­an­ge­bo­te von Pri­vat­per­so­nen bezie­hungs­wei­se ent­spre­chen­de Anfra­gen lie­gen dem Stadt­ver­band vor, „die Spen­den­be­reit­schaft lässt nicht nach und ist unge­bro­chen. Und noch heu­te, fünf Tage nach dem Lauf, errei­chen uns Mit­tei­lun­gen über Lauf­stre­cke und Lauf­di­stanz sowie Spen­den­zu­sa­gen“, zeig­te sich Wolf­gang Reich­mann ges­tern überglücklich.

Bereits am Sonn­tag hat­te der Vor­sit­zen­de des Stadt­ver­ban­des für Sport betont, dass die Spen­den­be­reit­schaft zei­ge, dass der Ver­band mit dem Spen­den­lauf den Nerv der Sport­le­rin­nen und Sport­ler getrof­fen habe. Zudem sei sie ein Beleg dafür, dass der Sport und die Kul­tur zusam­men­ge­hö­ren. „Sie sind gut gemeint. Und wir per­sön­lich fin­den es toll, dass Men­schen für die auf­grund Coro­na in Not gera­te­nen Kunst­schaf­fen­den spen­den wol­len. Die­se Bereit­schaft schät­zen wir sehr. Aller­dings kön­nen wir die Ein­zel­spen­den nicht anneh­men. Der Stadt­ver­band muss sich an sei­ne Sat­zung halten.”

Die­se Sat­zung nennt die Auf­ga­ben des Stadt­ver­ban­des, in denen die Ver­tei­lung von Spen­den an Kul­tur­schaf­fen­de nicht abge­deckt ist. Zudem dür­fen Mit­tel des Stadt­ver­ban­des nur für die sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben ver­wen­det wer­den. Eine Nicht­be­ach­tung die­ser Regel wür­de die Gemein­nüt­zig­keit in Fra­ge stel­len. Als Aus­nah­me wird der Stadt­ver­band für Sport nur die Spen­den über den Stadt­ver­band abwi­ckeln, die als sport­li­cher Anreiz im Vor­feld ver­ein­bart waren, die 5.000 Euro von der Fir­ma Bro­se und die als Wett­pa­te ange­kün­dig­ten 1.000 Euro vom Wirt­schafts­club Bam­berg. Als ein­zi­ge Aus­nah­me wer­den noch 3.000 Euro der Metz­ge­rei Böhn­lein hin­zu­ge­nom­men, die die Fir­ma kurz nach dem Lauf ankün­dig­te zu spen­den. „Die­se drei Spen­den haben wir im Sin­ne des Sports und der Kul­tur als direk­te Hil­fe ange­nom­men. Aber mehr geht lei­der beim bes­ten Wil­len nicht, mehr kön­nen wir recht­lich nicht ver­ant­wor­ten. Hier­für darf ich um Ver­ständ­nis bit­ten”, so Reich­mann.
Jetzt wur­de jedoch eine Lösung gefun­den, wie Ein­zel­spen­den der Kunst zuge­führt wer­den können.

Der ers­te Vor­sit­zen­de des Stadt­ver­ban­des macht auf die Mög­lich­keit auf­merk­sam, die dem Stadt­ver­band ange­bo­te­nen Spen­den der Stadt Bam­berg zuzu­lei­ten. „Die­se hat im ver­gan­ge­nen Jahr das Pro­jekt „Köp­fe für die Kul­tur“ initi­iert. Dort kön­nen Spen­den­wil­li­ge mit ihrem Gesicht zei­gen, dass ihnen die Kul­tur am Her­zen liegt. Wie es geht, ist ein­fach. Sie spen­den Geld und las­sen sich foto­gra­fie­ren. Mit ihrem Bild set­zen die Spen­de­rin­nen und Spen­der ein Zei­chen und unter­stüt­zen Künst­le­rin­nen und Künst­ler für Pro­jek­te. Somit geht kein Euro verloren.“

Spen­den­kon­to „Köp­fe für Kul­tur“ steht zur Verfügung

Ulri­ke Sie­ben­haar, Refe­ren­tin für Kul­tur und Welt­erbe der Stadt Bam­berg: „Die Initia­ti­ve des FC Ein­tracht Bam­berg und des Stadt­ver­bands Sport Bam­berg, und vor allem der „Lauf­wil­le“ und die Begeis­te­rung der vie­len Sport­le­rin­nen und Sport­ler in Bam­berg, ist ein­fach groß­ar­tig und ich dan­ke sehr dafür. Auch wenn mitt­ler­wei­le vie­le För­der­pro­gram­me von Bund und Land erfolg­reich ange­lau­fen sind, ste­hen nach wie vor vie­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler vor dem Nichts und wis­sen auch noch nicht wie es wei­ter­geht. Ich dan­ke auch den Spen­dern und Spon­so­ren, die den Bene­fiz­lauf so groß­zü­gig unter­stüt­zen. Die Stadt Bam­berg hat im Früh­som­mer zur Unter­stüt­zung der leben­di­gen Kul­tur­sze­ne Bam­bergs das Spen­den­kon­to „Köp­fe für Kul­tur“ ein­ge­rich­tet. Wer die Bam­ber­ger Kunst wei­ter­hin direkt unter­stüt­zen möch­te, kann ger­ne auch dort spen­den.“ Mehr Infor­ma­tio­nen gibt es online unter https://www.koepfe-fuer-kultur.de
Die Bank­ver­bin­dung für Spen­den lau­tet: Spar­kas­se Bam­berg, IBAN: DE71 7705 0000 0000 0057 77, Ver­wen­dungs­zweck: Köp­fe für Kul­tur, extramei­le­fuer­kul­tur. Der Stadt­ver­band macht in die­sem Zusam­men­hang auf den kor­rek­ten Ver­wen­dungs­zweck auf­merk­sam: Spen­der müss­ten unbe­dingt den Begriff ´extramei­le­fuer­die­kunst‘ anfü­gen. Nur wenn die­ser ange­ge­ben sei, kön­ne das Kul­tur­re­fe­rat die Spen­den dem Bene­fiz­lauf vom 31. Dezem­ber zuord­nen. Und nur dann sei sicher­ge­stellt, dass die Kunst­schaf­fen­den, die von einer Jury aus­ge­wählt wer­den, die im Zuge des Spen­den­lau­fes ein­ge­gan­ge­nen Spen­den­gel­der auch erhal­ten. In den nächs­ten Tagen wird die Jury ver­bind­lich fest­ste­hen und über die Ver­ga­be der Spen­den aus dem Bene­fiz­lauf entscheiden.

Extramei­le für Kunst

Spen­den­lauf brach­te mehr als 13.000 Kilometer

Das End­ergeb­nis des vom Stadt­ver­band für Sport orga­ni­sier­ten Spen­den­laufs zuguns­ten der Kunst liegt vor. Alle Erwar­tun­gen wur­den bei der gest­ri­gen Ver­an­stal­tung bei Wei­tem übertroffen.

Das fina­le Ergeb­nis, das um 19:27 Uhr fest­stand, hat­te eine Dimen­si­on, die nie­mand erwar­tet hat­te: Ins­ge­samt wur­den 13.849,05 Kilo­me­ter gelau­fen, dem Ruf des Stadt­ver­ban­des folg­ten 1.160 Teil­neh­men­de. Stadt­ver­bands-Vor­stands­chef Wolf­gang Reich­mann konn­te es nicht fas­sen: „Wenn ich die­se Zah­len sehe, dann bin ich ein­fach nur über­glück­lich und fas­sungs­los, aber im posi­ti­ven Sin­ne.” Unter­stützt wur­de der Stadt­ver­band für Sport vom FC Ein­tracht Bam­berg als Koope­ra­ti­ons­part­ner. Des­sen Vor­stands­mit­glied Sascha Dorsch zeig­te sich sprach­los: „Was an Sil­ves­ter und Neu­jahr pas­siert ist, hat mich ver­stum­men las­sen. Nie hät­ten wir mit die­ser Reso­nanz gerech­net. Wir haben so vie­le Dan­kes­mails bekom­men, ich den­ke, wir haben da einen Nerv getrof­fen. Von daher bin ich wirk­lich berührt, wie stark sich die Stadt und die Regi­on hier mit den Kunst­schaf­fen­den soli­da­risch zei­gen. Ich habe im per­sön­li­chen Gespräch öfter gehört, dass es den Läufern/​innen eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit war, den Kunst­schaf­fen­den ein Zei­chen zu geben, dass sie nicht allei­ne sind und vie­le Sport­ler und Bür­ger der Stadt hier hel­fen wollen.”

Beim „#extramei­le­fuer­kunst“ rief der Stadt­ver­band am 31. Dezem­ber Sport­le­rin­nen und Sport­ler auf, die Lauf­schu­he zu schnü­ren und zusam­men min­des­tens 5.000 Kilo­me­ter zu lau­fen. Die Lauf­be­reit­schaft war kaum noch zu top­pen, so dass der Stadt­ver­band mit sei­nem Koope­ra­ti­ons­part­ner FC Ein­tracht Bam­berg am Lauft­ag um 15:38 Uhr in Jubel­stür­me aus­brach: „Da wur­de die magi­sche Zahl durch bock­star­ke 60 Kilo­me­ter von Dani­el Hof­stät­ter geknackt, der Kerl lief näm­lich sage und schrei­be 60 Kilo­me­ter. Unglaub­lich”, so ein völ­lig per­ple­xer Wolf­gang Reich­mann. Jetzt sind vom Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Bro­se 5.000 Euro fäl­lig – die­se hat­te das Unter­neh­men in Aus­sicht gestellt, wenn 5.000 Kilo­me­ter gelau­fen wer­den. „Mit die­ser Sum­me soll den von den Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie betrof­fe­nen Kunst­schaf­fen­den gehol­fen wer­den. Dass die Akti­ven uns jedoch, um es locker zu for­mu­lie­ren, die Bude ein­ge­rannt haben, ist Wahn­sinn. Vie­le aus unse­rem Team haben am Sil­ves­ter­tag noch nach 22 Uhr gezählt, und am Neu­jahrs­tag wur­den bis kurz vor 19 Uhr die ein­ge­gan­ge­nen Mel­dun­gen aus­ge­wer­tet. Man darf nicht ver­ges­sen, dass sogar noch am frü­hen Abend des 1. Janu­ar gelau­fe­ne Kilo­me­ter gemel­det wurden.” 

„Gefühlt ist ganz Bam­berg und die Regi­on auf den Beinen”

Um 9 Uhr am Sil­ves­ter­tag ging es los mit dem Erfas­sen der ers­ten ein­ge­gan­ge­nen Mel­dun­gen. Kurz nach 13 Uhr hieß es aus dem Zähl­zen­trum: „Wahn­sinn…! Gefühlt ist ganz Bam­berg und die Regi­on auf den Bei­nen. Mitt­ler­wei­le ste­hen wir bei 2.800 Kilo­me­ter. Nur noch 2.200 km bis zum gro­ßen Ziel.” Gegen 15 Uhr mel­de­te der Mode­ra­tor der Face­book­sei­te: „Fast 4.000 Kilo­me­ter schon. Leu­te, ihr seid wahn­sin­nig, wir arbei­ten aktu­ell an vier Rech­nern par­al­lel und kom­men nicht mehr hin­ter­her. Dan­ke an alle Läufer*innen.”

Eine Viel­zahl von auf­mun­tern­den Dankesworten

Bis dahin waren nicht nur Bam­berg und die Regi­on beim Lau­fen, son­dern auch Men­schen außer­halb der Welt­kul­tur­er­be­stadt: Erlan­gen, Nürn­berg, aus dem All­gäu, Lör­rach, Karls­ru­he, Ber­lin, Cott­bus – die Mel­dun­gen der gelau­fe­nen Kilo­me­ter zuguns­ten der Kunst­schaf­fen­den kann­ten kei­ne Gren­zen. Die Fol­ge: die Vor­stands­mit­glie­der des Stadt­ver­ban­des – Wolf­gang Gra­der, Robert Hat­zold, Heinz Kunt­ke, Wolf­gang Reich­mann und Mäx Zil­li­bil­ler sowie die den Ver­band in Web­an­ge­le­gen­hei­ten unter­stüt­zen­de Sibyl­le Kretz­schmar – hat­ten beim Aus­zäh­len alle Hän­de voll zu tun. „Völ­lig klar ist auch, dass der Stadt­ver­band ohne die Mit­ar­beit des FC Ein­tracht Bam­berg das alles nie­mals hät­te stem­men kön­nen. Nicht ver­ges­sen dür­fen wir daher des­sen Leu­te Abi Bas­ka­ran, Sascha Dorsch und Niklas Rajc­zyk”, dankt Vor­sit­zen­der Reich­mann neben sei­nen Vor­stands­mit­glie­dern auch den Hel­fern des FCE.

Alle, die mit­ge­ar­bei­tet haben, kön­nen Geschich­ten erzäh­len: Von Maxi­mi­li­an, der die ers­ten Kilo­me­ter zum Bäcker und zurück­ge­lau­fen ist, um dann noch gute acht Kilo­me­ter zusätz­lich bei­zu­steu­ern und – wohl auf den Hund gekom­men – von die­sem beglei­tet wur­de, des­sen vier­bei­ni­ge Kilo­me­ter jedoch nicht ange­rech­net wur­den. Vom klei­nen Joschua, der einen Kilo­me­ter lief, was der Stadt­ver­band kom­men­tier­te mit: „Was sagt Jack im Film Tita­nic? Weil jeder Tag zählt. In die­sem Fall zählt jeder Kilo­me­ter”. Von Peter, der mit sei­nem Arbeits­kol­le­gen Robert vier Kilo­me­ter lief und dann allei­ne fast zehn wei­te­re Kilo­me­ter fol­gen ließ. Von Tho­mas, der sei­ne Leis­tung von gut 21 Kilo­me­tern sel­ber als „klei­nen Bei­trag” bezeich­ne­te. Von Ben aus der U12 des FC Ein­tracht Bam­berg mit gut zehn Kilo­me­tern. Von Ste­fa­nie, die gegen 11 Uhr als 100. lau­fen­de Per­son erfasst wur­de. Von Jas­min, die als gebür­ti­ge Bam­ber­ge­rin ihren Bei­trag von gut acht Kilo­me­tern im All­gäu bei­steu­er­te. Von Tho­mas, für den es aus dienst­li­chen Grün­den eine Pflicht war, mit­zu­lau­fen und der gute 15 Kilo­me­ter auf­leg­te. Von Sven, der einen Mara­thon mit 42 Kilo­me­tern bei­steu­er­te. Von Nata­lie, die in der Daten­bank als tau­sends­te Teil­neh­men­de erfasst wur­de. Die Lis­te der unglaub­lich erbrach­ten Lauf­leis­tun­gen lie­ße sich schier end­los fort­füh­ren. „Aber nicht nur die gemeis­ter­ten Kilo­me­ter wur­den gemel­det, uns erreich­ten auch eine Viel­zahl von auf­mun­tern­den Dan­kes­wor­ten. Daher auf die­sem Weg noch­mals gro­ßes Kom­pli­ment an alle Läu­fe­rin­nen und Läu­fer, ver­bun­den mit der Zusi­che­rung, dass wir sie tat­säch­lich alle gele­sen haben”, lässt Reich­mann wissen.

Hek­ti­scher Jahreswechsel

Der ehe­ma­li­ge Leh­rer hat zudem noch eine Bit­te an alle Lau­fen­den: „Bei so einer extrem gro­ßen Reso­nanz und bei einem im Ver­hält­nis betrach­tet klei­nen Team dau­er­te das Zäh­len und Erfas­sen deut­lich län­ger als vor­ge­se­hen. Viel­leicht ging auch man­cher Post auf Face­book unter, viel­leicht ist man­cher Name nicht kor­rekt geschrie­ben wor­den, viel­leicht wur­de auch die eine oder ande­re Lauf­leis­tung der ver­kehr­ten Per­son zuge­teilt. Das pas­siert nun mal, hier­für bit­te ich im Namen des Stadt­ver­ban­des und unse­res Part­ners FC Ein­tracht Bam­berg um Nach­sicht.“ Auch für Sascha Dorsch waren die letz­ten Tage arbeits­in­ten­siv: „Das war der hek­tischs­te Jah­res­wech­sel, den ich je erlebt habe. Ich war zwei Tage unter „Strom”. Dan­ke auch mal an mei­ne Fami­lie, dass sie sol­che Aktio­nen immer mit­trägt – es sind übri­gens auch alle mit­ge­lau­fen. Sie wis­sen ja, dass der Papa da etwas spinnt”.

Tri­ath­let Chris Dels gene­riert 1.000 Euro Prä­mie 

Dem Ruf zu Lau­fen folg­ten auch vie­le bekann­ten Gesich­ter der Regi­on. Tri­ath­let Chris Dels gewann eine Wet­te gegen den Wirt­schafts­club Bam­berg: Der 36-Jäh­ri­ge lief 20 Kilo­me­ter am Stück, dafür gibt es zu den 5.000 Euro der Fir­ma Bro­se zusätz­lich 1.000 Euro vom Wirt­schafts­club. Des­sen Vor­sit­zen­der Wil­fried Käm­per zahlt das Geld ger­ne aus, denn „eines der Grund­an­lie­gen des Wirt­schafts­clubs Bam­berg ist die Unter­stüt­zung und die Zusam­men­ar­beit aller Unter­neh­mer in Bam­berg. Dies gilt natür­lich auch beson­ders in der aktu­el­len Situa­ti­on.“ Sei­nen Bei­trag zu den 5.000 Kilo­me­tern leis­te­te unter ande­rem auch Wolf­gang Metz­ner – Bam­bergs drit­ter Bür­ger­meis­ter hat­te Wochen vor dem Lauf sei­ne Zusa­ge gege­ben und lief mit. „Allei­ne jedoch wer­de ich die 5.000 Kilo­me­ter nicht schaf­fen”, hieß es vor Weih­nach­ten in der humor­voll ver­pack­ten Zusa­ge. Metz­ners Amts­kol­le­ge Jonas Glüsen­kamp hat­te sich eben­falls in die Schar der Akti­ven ein­ge­reiht. Stadt­ver­bands­vor­stands­mit­glied Robert Hat­zold augen­zwin­kernd: „Viel­leicht ist der Lauf neben dem Die­nen einer guten Sache für Jonas Glüsen­kamp und Wolf­gang Metz­ner auch eine Abwechs­lung zur bestimmt nicht immer ver­gnü­gungs­steu­er­pflich­ti­gen Kommunalpolitik”. 

Fuß­ball Bay­ern­li­gist FC Ein­tracht Bam­berg leis­te­te sei­nen Bei­trag und ließ sei­ne Spie­ler Simon Koll­mer, Tobi­as Linz, Marc Reisch­mann und Tobi­as Ulb­richt Fuß­ball­schu­he mit Lauf­schu­hen tau­schen und schick­te sie auf die Stre­cke. Damit jedoch nicht genug: Flü­gel­flit­zer Linz lief gut zehn Kilo­me­ter im Tri­kot des Dritt­li­gis­ten TSV 1860 Mün­chen, was den ehe­ma­li­gen FCE-Fuß­bal­ler Alex­an­der Deptal­la zu einer wei­te­ren Spen­de von 100 Euro ver­an­lass­te. Am Start waren zudem unter ande­rem die ehe­ma­li­ge Lang­stre­cken­läu­fe­rin Inga­le­na Heuck, Kaba­ret­tist Mäc Här­der, Nach­wuchs­spie­ler und Mit­ar­bei­ten­de aus der Ver­wal­tung von Bas­ket­ball Bun­des­li­gist Bro­se Bam­berg, Jonas Ochs von „Bam­bäg­ga“, Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ursu­la Sowa und Stadt­rä­tin Danie­la Reinfelder.

Fach­ju­ry ent­schei­det im Janu­ar über die Ver­tei­lung der Gelder

Wie genau lief der Tag ab? Am Sil­ves­ter­tag konn­ten ab 5 Uhr am Mor­gen bis 21 Uhr am Abend alle Teil­neh­men­den ihr läu­fe­ri­sches Vor­ha­ben in Angriff neh­men. Die Lauf­stre­cke und die Uhr­zeit konn­te selbst bestimmt wer­den. Von der Stre­cke oder vom Ziel muss­te sozu­sa­gen ein Beweis­fo­to von dem Läu­fer mit den Anga­ben zu den zurück­ge­leg­ten Kilo­me­tern an den Stadt­ver­band für Sport gesen­det wer­den, wel­ches auf der Face­book­sei­te ver­öf­fent­licht wur­de. Neben der sport­li­chen Leis­tung galt es jedoch auch, die auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie ver­häng­ten staat­li­chen Rege­lun­gen zu beach­ten. Stadt­ver­bands­vor­sit­zen­der Wolf­gang Reich­mann: „Wer gelau­fen ist, hat sich völ­lig kor­rekt ver­hal­ten, denn Indi­vi­du­al­sport war und ist ja erlaubt. Nur an die Aus­gangs­sper­re zwi­schen 21 Uhr und 5 Uhr muss­te sich gehal­ten wer­den.” Jetzt geht es dar­um, die Spen­den­sum­me von 6.000 Euro, die sich durch zusätz­li­che Spen­den noch erhöht, zu ver­tei­len. Hier­für wird der­zeit eine mehr­köp­fi­ge Jury zusam­men­ge­stellt. Die­se soll noch in die­sem Monat ent­schei­den, wer aus dem Finanz­topf in wel­cher Höhe unter­stützt wird.

1 2