Rund 300 Gäste feierten im Ziegelbau
Emotionale Sportgala des Förderkreis goolkids
Zum siebten Mal fand am vergangenen Samstag (25. Oktober) die goolkids-Sportgala statt. Die Klammer des Abends bildete Initiator Robert Bartsch. Zu Beginn blickte ein Einspielfilm, mit Bartsch als Erzähler, auf die Anfänge des Förderkreises zurück. Und am Ende der Gala überraschte das Team von goolkids seinen Gründer mit dem Video „Danke, Robert!“. Unter großer Rührung, sowohl im Publikum als auch auf der Bühne, verdeutlichte der Film noch einmal das Ausmaß von Bartsch‘ Engagement der vergangenen zehn Jahre. Die Gäste reagierten mit stehenden Ovationen. Doch der Abend hatte noch viele weitere tolle und emotionale Momente zu bieten.
Dem Einspieler folgte die Begrüßung durch Moderator Matthias „Stego“ Steger und anschließend ein Grußwort von Oberbürgermeister Andreas Starke.
Danach betraten die goolkids-Vorstände Anna Niedermaier und Wolfgang Heyder gemeinsam mit Wilfried Kämper vom Namensgeber Magnat die Bühne, zeigten sich selbst begeistert von der Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren und gaben einen kurzen Abriss über die unterschiedlichen Projekte unter dem gookids-Dach.
Zum Projekt Inklusions-Fußball, das in Zusammenarbeit von goolkids mit dem FV 1912 Bamberg läuft, kam der stellvertretende 12-er-Kapitän Andreas Güßregen zu einem kurzen Interview mit Moderator Steger auf die Bühne, zum Fitness-Projekt RehaFit Trainer Franz Bezold gemeinsam mit drei seiner AthletInnen. Initiator Robert Bartsch informierte über das Sammelcenter, das quasi direkt mit goolkids vor zehn Jahren startete und dazu dient, bedürftige Kinder mit Sportklamotten zu versorgen. In diesem Zusammenhang überreichte er Lilo Fischer, „ohne die das Sammelcenter nicht möglich wäre“, einen Blumenstrauß und dankte ihr von ganzem Herzen. Von ihr erhielt er umgehend die Zusage, solange es ihr gesundheitlich möglich ist, für goolkids da zu sein.
Stehende Ovationen für Gründer Robert Bartsch
Dr. Schönberger stellte im Namen des Bamberg Gutschein-Teams die Aktion „3 x Glück“ vor, bei der ein Teil des Erlöses gekaufter Gutscheine an vier Projekte geht. Begünstigte sind neben dem Förderkreis goolkids die Stiftung Zirkus Giovanni, der Förderverein der Lebenshilfe Bamberg „Hand in Hand“ und das Kinder- und Jugendhospiz Sternenzelt.
goolkids-Sozialpädagogin Lisca Dogan gab ein Feedback über Projekte wie „Rollstuhlsport macht Schule“ und die Inklusionsmesse und blickte auf den Benefiz-Lauftreff am 6. Dezember, bevor die AthletInnen, die bei den Special Olympics Medaillen gewannen, und ihr Trainer Udo Pörschke mit „Stego“ sprachen und Hans Martin Lechner vom Lions Club Residenz über den Bamberger Adventskalender informierte. Um auch weiterhin das Projekt „Rollstuhlsport macht Schule“ sichern zu können, überreichte Mathias Polz, Marketingleiter der Sparkasse Bamberg, einen Scheck.
Die Band Heaven sorgte für die musikalische Unterhaltung der Gala und versteigerte außerdem ein Wohnzimmerkonzert, für welches Matthias Stegers Kumpel den Zuschlag erhielt.
Emotional wurde es, als Johannes Grasser zum Botschafter ernannt wurde. Der junge Mann, lebt seit seiner Geburt mit Tetraspastik und stellt sich dennoch zeit seines Lebens neuen körperlichen Herausforderungen, sei es ein Sprung mit dem Rollstuhl vom Sprungbrett im Schwimmbad, oder das Klettern auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro. Mittlerweile ist er als Speaker aktiv und hat vor einem Jahr das Buch „Mich bremst niemand aus“ veröffentlicht. Bei der Ernennung und den jeweiligen Wortbeiträgen von Moderator, goolkids-Vorstandschaft und Johannes Graser selbst hatten alle auf der Bühne Anwesenden mit ihren Emotionen zu kämpfen und im Saal war es still wie den restlichen Abend nicht mehr.
Im Anschluss ging es an die Verleihung von goolkids-Förderpreisen und die Ehrungen von Spielerin und Spieler des Jahres, Mannschaft des Jahres bei den Damen und Mannschaft des Jahres bei den Herren sowie des Funktionärs des Jahres.
Die vier goolkids-Förderpreise gingen an den MTV Bamberg, das Projekt „Wir Helden“, Heiner´s Traumelf und den FV 1912 Bamberg. Mit diesen Auszeichnungen würdigt goolkids Inklusions-Projekte und hofft, dadurch weitere derartige Projekte anzuregen.
Anschließend wurden je drei nominierte FußballerInnen beziehungsweise Mannschaften in Einspielern vorgestellt, bevor die Siegenden verkündet wurden. Bei den Damen räumte die SpVgg Ebing ab, stellte mit Caroline Eberth die Spielerin des Jahres sowie mit der 2. Mannschaft die Mannschaft des Jahres. Spieler des Jahres wurde Nico Imhof vom VfL Mürsbach, Mannschaft des Jahres bei den Herren der SC Kemmern, und als Funktionär des Jahres wurde Sascha Dorsch vom FC Eintracht Bamberg ausgezeichnet.
Zum Ende trat nochmals die goolkids-Vorstandschaft sowie Robert Bartsch auf die Bühne, um ihren Dank auszusprechen an Alle im Backoffice, an Moderator Matthias Steger und an alle Sponsoren, die diesen Abend ermöglichten. In diesem Zuge überraschte das goolkids-Team Initiator Robert Bartsch mit einem Einspielfilm über ihn mit Szenen aus den vergangenen zehn Jahren mit dem Titel „Danke, Robert“.
„Der Abend war eine emotionale Zeitreise mit wunderbaren Menschen und Höhepunkten!“, zeigte sich Bartsch bewegt. „Wir haben als Team weit mehr erreicht als im ersten Schritt gedacht war. Dass unser Streben nach mehr Inklusion im Sport so gut ankommt, hätte ich vorher nie erwartet”, ergänzte er im Rückblick auf seine Vision von vor rund 10 Jahren. „Doch gerade für eine inklusive Sportwelt gibt es noch viel zu tun. Aber durch unseren positiven Anfang werden wir die nächsten Meilensteine höchst motiviert anpacken.“
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Wenn aus einer Idee eine Bewegung wird
Zehn Jahre goolkids
Es begann mit einer Vision: Menschen mit und ohne Behinderung sollten nicht in getrennten Welten leben, sondern auf Augenhöhe, Seite an Seite, in der Mitte der Gesellschaft. Sport, so glaubte der Gründer von goolkids, Robert Bartsch, kann dafür der Schlüssel sein – eine Brücke, die verbindet, Vorurteile abbaut und Freude schenkt. Zehn Jahre später ist aus dieser Idee eine Bewegung geworden, die weit über Bamberg hinausstrahlt.
„In denjenigen zehn Jahren, in denen sich der Förderkreis goolkids in Bamberg und Umgebung für Inklusion und Integration einsetzt, ist es uns gelungen, den Wert der Teilhabe in der Gesellschaft bekannter zu machen und viele inklusive Veranstaltungen zu organisieren“, sagt Gründer Bartsch rückblickend. Was damals klein begann, hat sich zu einem Netzwerk entwickelt, das Politik, Wirtschaft, Schulen und Sportvereine miteinander verbindet.
Ein Jahrzehnt voller Meilensteine
Das Spektrum der Projekte ist beeindruckend und unterstreicht das soziale Engagement: Die Inklusionsmesse informiert seit Jahren über Angebote in der Region. Turniere wie die Franken- und MITeinander-Cups begeistern Sportler:innen mit und ohne Behinderung gleichermaßen. Benefizläufe oder Golfturniere bringen Menschen zusammen, die vielleicht sonst nie miteinander ins Gespräch gekommen wären.
Vor allem aber zeigen Projekte wie „Rollstuhlsport macht Schule“, wie nachhaltig Inklusion wirken kann. In Klassenzimmern und Turnhallen erleben Kinder und Jugendliche, was es bedeutet, im Rollstuhl einen Hindernisparcours zu bewältigen. Sie spielen Rollstuhlbasketball, lachen, schwitzen und vergessen nach wenigen Minuten, dass sie gerade in eine ganz andere Lebensrealität eintauchen: „So lernen die Kinder nicht nur ein soziales Miteinander schätzen, sondern verstehen auch, wie erstrebenswert eine vielfältige und diversitätsfreundliche Gesellschaft ist“, erklärt Robert Bartsch.
Besondere Sternstunden erlebten die goolkids-Athlet:innen bei den Special Olympics: „Jüngst konnten sich Athlet:innen von unserem Kooperationsverein FV 1912 Bamberg für die Special Olympics Landesspiele in Erlangen qualifizieren und dort Medaillen gewinnen“, erzählt er. Für viele sei es das erste Mal gewesen, bei einem großen sportlichen Wettbewerb dabei zu sein – und das Strahlen in den Gesichtern wirke noch lange nach.
Ein weiteres Kapitel, das unvergessen bleibt, war die Host-Town-Rolle während der Special Olympics World Games 2023 in Berlin. Bamberg empfing eine Delegation aus Bahrain, trainierte, feierte und lebte tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes „gelebte Teilhabe“. „Wie wir damals gemeinsam trainiert und gefeiert haben, werden unsere Athlet:innen sicher niemals vergessen“, ist sich Bartsch dessen ganz sicher. Solche Erlebnisse sind es, die nicht nur den Verein, sondern eine ganze Region prägen.
Die Sportgala: Ein Fest der Begegnung
Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird zweifellos die große Sportgala am 25. Oktober im Welcome Kongresshotel. Unter dem Motto „10 Jahre goolkids“ feiert Bamberg einen Abend, der Herz und Haltung verbindet: „Wir wollen den Gästen zeigen, wie wir Inklusion leben und was wir den Menschen geben wollen“, beschreibt der Gründer die Idee hinter dem großangelegten Event.
Die Gala ist dabei jedoch weitaus mehr als nur ein Rückblick. Es gibt ein festliches Drei-Gänge-Buffet, Musik der Band Heaven und eine Moderation durch Matthias „Stego“ Steger von Radio Bamberg, der mit Humor und Leidenschaft durch den Abend führt. Emotionale Momente sind hierbei garantiert, wenn die goolkids-Förderpreise verliehen und die besten Fußballer:innen der Region geehrt werden – unterstützt von anpfiff.info.
Ein ganz besonderer Höhepunkt wird dabei die Ernennung von Jonny Grasser zum Inklusionsbotschafter. Grasser, der bereits beim Neujahrsempfang für Begeisterung sorgte, steht wie kaum ein anderer dafür, dass Barrieren vor allem in den Köpfen existieren – und schließlich auch überwunden werden können und sollen.
Doch die Gala ist nicht nur eine Bühne für Sportler:innen. Sie ist auch ein Ort der Begegnung für Sponsoren, Partner und Gäste – auch das ist von besonderer Bedeutung. „Die Sportgala ist ein großes Fest und eine große Anerkennung für die teilnehmenden Sportler:innen. Doch sie bietet auch die Chance, sowohl beeindruckende Menschen als auch höchst emotionale Leistungen hautnah kennenzulernen“, betont Bartsch.
Das mediale Interesse sorgt dafür, dass die Botschaft von goolkids weit über die Region hinaus getragen und auf diese Weise für noch mehr Leute greif- und erfahrbar wird. Außerdem: „Wer teilnimmt und sich einen Tisch reserviert, unterstützt zudem Inklusions-Projekte aus dem Bereich Jugendsport für Inklusion und Integration.“
Persönliche Vision und kollektive Kraft
Wer den Gründer von goolkids, Robert Bartsch, nach seiner Rolle fragt, bekommt eine bescheidene Antwort. „Persönlich sehe ich mich eher als Ideengeber und möchte ganz einfach die Menschen zusammenbringen.“ Ihm gehe es nicht um die eigene Person, sondern um die Vision, dass Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich gemeinsam Sport treiben.
Doch natürlich braucht jede Bewegung Motoren – Menschen, die Ideen entwickeln, Türen öffnen, Partner gewinnen. Ohne die Leidenschaft eines gemeinsamen Gründerteams wäre goolkids nicht da, wo es heute steht. „Ich glaube, dass meine Vision und vor allem das große Engagement aller Beteiligten von goolkids zusammen den Weg weiter gehen können“, betont Robert Bartsch.
Geschichten, die alle berühren
Wenn von zehn Jahren goolkids die Rede ist, sind es vor allem die vielen persönlichen Geschichten, die hängen bleiben. Sie machen deutlich, dass Inklusion kein theoretisches Konzept ist, sondern gelebte Realität. Sie berührt uns alle und wir alle haben immer wieder Berührungspunkte mit ihr. Da ist das junge Mädchen, das bei den Landesspielen in Erlangen ihr sportliches Debüt feierte – und gleich die Goldmedaille holte. Da ist der Athlet, der eigentlich nur „dabei sein wollte“ und plötzlich mit Silber um den Hals vor Glück weinte. „Wenn sich dann diese Sportler zusammen mit ihrem hoch engagierten Trainer in den Armen liegen, dann geht einem das Herz auf“, erinnert sich der Gründer. Diese Emotionen sind es, die alle Anstrengungen lohnenswert und mit nichts anderem vergleichbar machen.
Herausforderungen und Zukunftsziele
Trotz aller Erfolge bleibt die Arbeit von goolkids kein Selbstläufer und am Ende des Tages eben weiterhin knochenharte ehrenamtliche Arbeit: „Da wir ein ehrenamtlicher Verein sind, bestand und besteht eine immens hohe Herausforderung darin, Geldgeber und Förderer zu finden“, schildert er. Öffentliche Mittel gibt es nicht, stattdessen haben Stiftungen wie Aktion Mensch, die Oberfranken-Stiftung oder die RAPS-Stiftung wichtige Projektförderungen ermöglicht. Inzwischen stehen auch viele Unternehmen aus der Region hinter goolkids: REWE, die VR-Bank, die Sparkasse Bamberg oder der Wirtschaftsclub Bamberg – um nur einige zu nennen, denn da gehören noch viele weitere dazu. Ohne diese Partner könnten viele Ideen nicht umgesetzt werden: „Herzlichen Dank an dieser Stelle!“, sagt der Vereinsgründer mit Nachdruck.
Die größte Aufgabe bleibt jedoch nach wie vor die gesellschaftliche Haltung. Noch immer stoßen Menschen mit Behinderung im Alltag auf Barrieren – seien es fehlende Rampen, Vorbehalte in Sportvereinen oder mangelndes Verständnis: „Inklusion, also alle Menschen ohne Vorbehalte einzubeziehen, ist unser großes Ziel“, fasst Bartsch zusammen. Und er verweist auf eine Zahl, die zum Nachdenken anregt: Mehr als zwölf Prozent der Bevölkerung in der Region Bamberg leben mit einer Beeinträchtigung. Hätten Sie diese Zahl erwartet?
Das Ziel der kommenden Jahre lautet daher: Strukturen schaffen, die über einzelne Projekte hinaus wirken. Inklusion soll kein Leuchtturm sein, sondern Alltag. Sportvereine sollen lernen, Berührungsängste abzubauen und Teilhabe selbstverständlich zu machen. „Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der Sport für alle zugänglich ist“, formuliert es der Gründer.
Es ist weit mehr als Sport
Zehn Jahre goolkids – das ist die Geschichte einer Idee, die zur Bewegung wurde. Einer Initiative, die nicht nur sportliche Erfolge feierte und weiterhin feiert, sondern vor allen Dingen Herzen öffnet, Vorurteile abbaut und Perspektiven verändert.
Die Jubiläumsgala wird diese Reise würdigen. Sie wird zurückblicken auf bewegende Momente, großartige sportliche Leistungen und Menschen, die durch ihren Mut und ihre Leidenschaft andere inspiriert haben. Doch noch wichtiger: Sie wird nach vorn blicken – auf eine Zukunft, in der Inklusion kein Ziel mehr ist, sondern gelebte Normalität für die Gesamtgesellschaft.
Oder, wie es der Gründer selbst formuliert: „Es liegt mir sehr am Herzen, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam sportlich aktiv sein können. Dass wir eine inklusive Gesellschaft werden, in der Teilhabe etwas Selbstverständliches ist.“
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Special Olympics Landesspiele in Erlangen
Bamberger Athlet:innen holen Medaillen
Der sportliche Mittelpunkt Bayerns war Mitte Juli Erlangen. Dort fanden vom 14. bis 18. Juli die Special Olympics Landesspiele statt. Dieses Sportturnier für Menschen mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung ist mit rund 1500 Athlet:innen die größte inklusive Sportveranstaltung des Freistaats. Außerdem zählte sie als Qualifikation für die Nationalen Spiele 2026 im Saarland. Mit am Start in Erlangen war auch eine Bamberger Delegation.
In mehr als 20 Disziplinen trugen fünf Tage lang etwa 1.500 Sportler:innen Wettbewerbe aus. Dabei maßen sie sich unter anderem in Basketball, Boccia, Fußball, Segeln, Judo, Golf, Schwimmen oder Tennis. Auch einige Athlet:innen aus Bamberg, am Start für die Kooperation des Fördervereins goolkids mit dem FV 1912 Bamberg, hatten sich für die die bayerischen Wettbewerbe qualifiziert.
Seit 2015 setzt sich der Förderverein in Bamberg und Umgebung für Inklusion und Integration sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher sowie von Menschen mit Behinderung ein. Neben Highlight-Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, wie einer Inklusionsmesse, des MITeinanderCups und einer großen Sportgala im Oktober, konnte der FV 1912 Bamberg zusammen mit goolkids nun auch einen echten sportlichen Höhepunkt feiern. Denn im Jahr des zehnjährigen Bestehens lieferten Julia Weber, Robert Aschenbrenner und Dustin Barth sowie die Inklusions-Fußballmannschaft des Clubs beeindruckende Leitungen ab.
Persönliche Bestzeiten und Medaillen
Stark ersatzgeschwächt, aber mit großem Ehrgeiz ging die Fußballmannschaft des FV 1912 am 15. Juli für ihr erstes Klassifizierungs-Spiel an den Start. Am den beiden folgenden Tagen fanden die Gruppenspiele statt. Hier ließen sich die Bamberger Spieler nichts nehmen und qualifizierten sich letztendlich für das Spiel um Platz drei. Im kleinen Finale traf die Mannschaft auf den HPZ Rehasport Irchenrieth. Das souveräne Ergebnis – 4:0. „Damit hat das Team wie in den Jahren zuvor auch 2025 wieder die Bronzemedaille gewonnen“, freute sich Delegationsleiter Robert Bartsch.
Weber, Aschenbrenner und Barth haben sich der Leichtathletik verschrieben – die beiden Herren traten in Erlangen in verschiedenen Langläufen an, Weber in der Disziplin „Mini-Speerwurf“. Nach Wochen und Monaten des Trainings mit Coach Udo Pörschke konnten die Spiele für die drei aus Bamberg letzte Woche endlich beginnen.
Zuerst griff Dustin Barth ins Turnier ein. Am Mittwoch, dem 16. Juli, erreichte er über 400 Meter mit einer Zeit von 1:12 Minuten den vierten Platz. Am 17. Juli gelang es ihm in einem umkämpften Lauf, die grandiose Platzierung über 5.000 Meter mit einer Zeit von 22:45 Minuten zu wiederholen.
Robert Aschenbrenners Distanzen sind hingegen die 800 und die 1.500 Meter. Beide Male belegte er einen Platz auf dem Podium. Über die kürzere Distanz wurde er Dritter – besonders dürfte ihm aber sein Rennen über 1.500 Meter in Erinnerung bleiben. Denn mit 7:15 Minuten hatte er nicht nur Silber, sondern auch seine persönliche Bestzeit über diese Strecke erreicht.
Kollege Dustin Barth kommentierte die Leistung von Aschenbrenner augenzwinkernd so: „Erst lief es nicht so für Robert. Aber dann hat er alle, einen nach dem anderen, bis auf Platz zwei überholt.“ Der angesprochene Aschenbrenner tauschte zu diesem Zeitpunkt nach dem Lauf längst emotionale Umarmungen mit seinem Trainer aus.
Julia Weber lieferte bei ihren allerersten Landesspielen sogar noch erfolgreicher ab. Denn der erste Platz und eine Goldmedaille waren ihr am Mini-Speer mit einem Wurf von 11,74 Meter sicher. Ihre Freude darüber wurde noch größer, weil sie dieser Platz direkt für die Nationalen Spiele 2026 im Saarland qualifizierte.
Wertvolles sportliches Miteinander
„Hätte ich gewusst, dass es so hochemotional wird, hätte ich mir heute Morgen zweimal überlegt, ob ich komme”, so fasste Lisca Dogan, pädagogische Fachkraft bei goolkids, die Spiele und vor allem die Leistungen und Freude der Athlet:innen des Förderkreises in Erlangen zusammen.
Dies sind allerdings Eindrücke, die goolkids bei seiner inklusiven Arbeit immer wieder sammelt. Immer wieder beeindruckt Inklusionssport nicht nur durch mitreißenden Wettkampf, sondern vor allem auch wegen seiner durch und durch positiven Ausstrahlung. „Wer mit dem Thema Inklusion noch nicht in Berührung gekommen ist“, sagt Dogan, „sollte eine Veranstaltung wie die Landesspiele unbedingt mal miterleben, um zu sehen, wie wertvoll ein vielfältiges Miteinander in unserer Gesellschaft ist.“
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Stadtecho-Fragebogen
Das Stadtecho fragt: Robert Bartsch antwortet
In jeder Ausgabe des Stadtechos legen wir einer Bamberger Persönlichkeit einen Fragebogen vor. Diesmal hat Robert Bartsch die Fragen beantwortet. Er ist Gründer und Leiter des inklusiven Förderkreises goolkids und Mit-Organisator von Host-Town Bamberg.
Herr Bartsch, auf einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (komplett): Wie hat sich Ihr Leben durch die Corona-Pandemie verändert?
3 bis 4: Es ist leider schwieriger geworden, Begegnungen einfach aus der Hüfte heraus zu erleben. Persönlich hatte ich nie irgendwelche Symptome.
Wie weit ist Bamberg in Sachen Inklusion, was muss noch besser werden?
Bamberg bietet an sich eine gute Basis. Eine kooperative Lebenshilfe sowie ein Behindertenbeirat bieten gute Ansätze, um Lösungen für gelebte Inklusion aufzubauen. Doch stehen wir dabei noch sehr am Anfang. Unsere Teilnahme als Host-Town 2023 bei Special Olympics ist ein sehr guter Schritt für die ganze Region Bamberg. Mit Hilfe dieses Events könnten nachhaltige Strukturen und Ideen auf den Weg gebracht werden. Nur muss es dann gerade auch von allen Schreibtischen in der Verwaltung gelebt und umgesetzt werden, damit die Gesellschaft mitziehen kann.
Was hat eine Stadt von Inklusion?
Ein größeres Miteinander zwischen allen Teilen der Bevölkerung. Inklusion = TEILHABE für ALLE. Wenn alle Menschen dabei sein dürfen, entwickeln sich automatisch viel mehr Gemeinsamkeiten und weniger Streit und Missgunst. Eine tolerante Gesellschaft entsteht und wächst durch Empathie und Offenheit. Inklusion oder Teilhabe ist ein wirksamer Schlüssel dafür.
Bamberg wird 2023 Host Town einer Delegation der Special Olympics World Games Berlin 2023. Was muss hier bis dahin noch getan werden oder ist schon alles bereit für die Delegation?
Mit dem Organisationsteam „Initiative Teilhabe“ wurde eine erste Basis geschaffen, mit der auch die Bewerbung erfolgreich gelang. Dieses Team braucht nun weitere Unterstützer, Helfer und auch Macher, die mit anpacken und gestalten wollen. Die neue Webseite www.bamberg-liebt-inklusion.de soll mithelfen, Inklusion breiter in die Gesellschaft zu tragen. Doch dazu braucht es auch hier Helfer, aber auch Fachkräfte in vielen Bereichen, bis hin zu Organisationstalenten oder auch IT- und letztlich Marketing-Fachleute. Und ganz besonders brauchen wir viele Volunteers, die unsere Reise zur Teilhabe über 2023 hinaus begleiten wollen. Denn: Es geht uns um weit mehr als nur den Besuch der Athleten aus Bahrain. Es geht um das zukünftige Leben als eine faire Gemeinschaft.
Würden Sie gerne öfter Fahrrad fahren?
Klar, soweit es meine Gesundheit erlaubt.
Zahlen Sie gern Rundfunkgebühren?
Zum Glück bin ich befreit. Doch gerne würde ich es nicht zahlen, weil man mit den Geldern der Bürger viel zu großzügig hantiert. Aber eine unabhängige Medienwelt ist zwingend notwendig, zu der zum Glück auch die regionalen, privaten Medien gehören.
Töten Sie Insekten?
Nein.
Ihr Leben wird verfilmt. Welcher Schauspieler sollte Sie spielen?
Es müsste schon ein Publikumsmagnet sein, damit das überhaupt Jemand sehen will, haha. Passend wäre Tom Hanks, so wie er in „Forrest Gump“ trotz Handicap nie aufgab.
Wovon waren Sie zuletzt überrascht?
Es war wohl die Goldmedaille unserer Rollstuhlsprinterin Lena in Berlin. Ich hatte sie eigentlich nur als Vorbereitung für die große 400 Meter-Strecke auch über 100 Meter angemeldet.
Was ist Ihr größter Wunsch?
Dass unser Weg in Richtung mehr Inklusion = Teilhabe sehr nachhaltig bei allen Menschen ankommt.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Mit lieben Freunden frühstücken, Kaffee trinken, lachen und später auf einen Keller gehen.
Worüber haben Sie sich zuletzt geärgert?
Die schlechte Berichterstattung über Inklusionssport sowohl bei den European Championships als auch das geringe Mitwirkung öffentlich-rechtlicher Sender bei Special Olympics Berlin 2022.
Haben Sie ein Lieblingsgeräusch?
Meeresrauschen.
Welchen Luxus leisten Sie sich?
Mehr auf meine Gesundheit zu achten und weniger Stress zu verursachen.
Wovor haben Sie Angst?
Zahnarzt und schwere Krankheit, aber vor allem der steigende Egoismus.
Wann haben Sie zuletzt geflirtet?
Gestern? Oder letzte Woche? Viele nette Begegnungen sind irgendwie auch Flirt. Nur halt ohne Hintergedanken.
Wann und warum hatten Sie zum letzten Mal Ärger mit der Polizei?
Vor rund 13 Jahren, als ich sehr sehr viel Mist gebaut hatte. Die Lehren daraus helfen mir aber auch heute noch in vielen Phasen. Vor allem um nicht mehr abzuheben.
Was war der schönste Moment Ihres langjährigen Einsatzes für Inklusion?
Schwierig, denn es gibt nicht DEN schönsten Moment. War es die rote Rose eines Sportlers mit Trisomie an unsere Vorsitzende bei der Siegerehrung vom MITeinander-Cup? Oder waren es überraschende Unterstützungen für unsere Arbeit? Die Medaille unserer Inklusions-Fußballmannschaft in Berlin? Es sind einfach so viele solcher Momente, dass ich ständig positiv geflasht werde. Inklusion ist einfach Spaß mit und durch Menschen.
Gibt es einen wiederkehrenden Albtraum, der von Ihrem Beruf handelt?
Ein Rollstuhlfahrer strandet am Bahnhof vor einem defekten Aufzug.
Was ist Ihr Lieblingsschimpfwort?
Verdammter Mist.
Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gern dabei gewesen?
Beim Mauerfall – direkt vor Ort.
Was ist Ihre schlechteste Angewohnheit?
Wenn es um meine Herzensthemen (Inklusion und goolkids) geht, kann ich meinen Redeschwall nicht immer bremsen. Und es dreht sich bei mir zu 80 Prozent wohl eher immer darum…
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Wenn sie durch Engagement und Leidenschaft passieren.
Ihre Lieblingstugend?
Ich kann und mag nicht aufgeben.
Ihr Hauptcharakterzug?
Harmoniebedürftig, mitfühlend, hilfsbereit.
Was mögen Sie an sich gar nicht?
Manchmal bin ich leider etwas ungeduldig.
Was hätten Sie gerne erfunden?
Einen Schalter für Frieden.
Haben Sie ein Vorbild?
Nicht direkt. Mich beeindrucken oder motivieren durchaus einige authentische Menschen, die sich ehrlich für die Schwächeren der Gesellschaft engagieren.
Wofür sind Sie dankbar?
Dass ich meine Visionen für Inklusion umsetzen darf und starke Helfer gefunden habe.
Was ist Ihr Lieblingsbuch, Lieblingsalbum, Lieblingsfilm?
„Mit dem Kühlschrank durch Irland“, Fotoalben von unseren tollen Begegnungen, „Ziemlich beste Freunde“.
Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?
Sparbuch.
Welche Musik hören Sie nur heimlich?
Monika Martin, weil ich sie und ihre Musik faszinierend finde.
Was war Ihre größte Modesünde?
Eine gift-grüne Cordhose (von Muttern ausgesucht!).
Was ist Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
Sport und Urlaub.
Was zeigt das letzte Foto, das Sie mit Ihrem Handy aufgenommen haben?
Inklusionstag in Baunach.
Mit wem würden Sie gerne eine Nacht durchzechen?
Katharina Böhm. Ich habe sie vor Jahren bei den Dreharbeiten zur TV-Serie „Der König“ persönlich kennen gelernt.
Wovon haben Sie keine Ahnung?
Politik und Mathematik.
Sie sind in einer Bar. Welches Lied würde Sie dazu bringen, zu gehen?
Jazz und Bierzeltlieder.
Was ist Ihre Vorstellung von Hölle?
Die Hölle gibt es nur im realen Leben. Wenn man zum Beispiel in einer extrem erdrückenden (Gefühls-)Situation oder Lebenslage nicht mehr ein oder aus weiß.
Wie würde der Robert Bartsch von vor zehn Jahren auf den Robert Bartsch von heute reagieren?
Alter Schwede… bist du verrückt?
Was finden Sie langweilig?
Alles Oberflächliche… und Mathematik.
Gibt es etwas, das Ihnen das Gefühl gibt, klein zu sein?
Wenn selbst beste Ideen zugunsten der Menschen von der Politik oder Verwaltung einfach ignoriert oder schwach geredet werden. Noch schlimmer ist, wenn Ideen vordergründig gelobt werden und dann aus finanziellen oder politischen Motiven dagegen gearbeitet wird. Da nützt mir mein Stimmrecht alle vier Jahre auch nichts mehr.
Ich kann nicht leben ohne…
Erdbeeren, Eis und Kaffee.
In welchen Club sollte man unbedingt mal gehen?
Mir ist die Keller- und Braugaststättenwelt in unserer Region 1000 Mal lieber.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten wählen – was für ein Tier wären Sie gerne?
Wal oder Adler.
Welches Problem werden Sie in diesem Leben nicht mehr in den Griff bekommen?
Inklusion oder echte Teilhabe sollten ein lebendiger Bestandteil unserer Gesellschaft sein. Doch dafür braucht es leider noch eine sehr lange Zeit und wesentlich mehr Mitmacher und Anschieber.
Das Stadtecho gibt eine Runde aus. Was trinken Sie?
Alkoholfreien Cocktail … oder einen Kaffee.
Robert Bartsch, September 2022