Hein­richs­fest stand im Zei­chen des 50. Todes­ta­ges von Pater Rudolf Lun­ken­bein aus Döringstadt

Erz­bi­schof Gössl: Wah­re Bewe­gung braucht inne­re Ruhe

3 Min. zu lesen
Gössl
Erzbischof Herwig Gössl bei der Predigt. Foto: Erzbistum Bamberg/Patricia Achter
Erz­bi­schof Her­wig Gössl hat zum Hein­richs­fest dazu auf­ge­ru­fen, der zuneh­men­den Unru­he und Hek­tik der heu­ti­gen Zeit mit inne­rer Ruhe und Ver­wur­ze­lung im Glau­ben zu begeg­nen. Das Bis­tums­fest erin­ner­te in die­sem Jahr in beson­de­rer Wei­se an den 50. Todes­tag des aus dem Erz­bis­tum Bam­berg stam­men­den Mis­sio­nars Rudolf Lun­ken­bein, der am 15. Juli 1976 zusam­men mit sei­nem Freund Simao Bororo in Bra­si­li­en ermor­det wurde.

Der Erz­bi­schof sprach in sei­ner Pre­digt beim Fest­got­tes­dienst am Sonn­tag auf dem Dom­platz von einer „Hoch­ge­schwin­dig­keits­mo­bi­li­tät“, die längst alle Lebens­be­rei­che umfas­se und die Men­schen immer in Bewe­gung sein las­se: „Vie­le hal­ten äuße­re Ruhe schon gar nicht mehr aus. Sie ver­ge­hen gera­de­zu vor Langeweile.“

Vor die­sem Hin­ter­grund griff Gössl das Jah­res­mot­to des Erz­bis­tums „Du bewegst die Welt“ auf. Es kön­ne miss­ver­stan­den wer­den, als wäre es ein Slo­gan für eine Flug­ge­sell­schaft oder ein Logis­tik­un­ter­neh­men. Doch in Wirk­lich­keit sei das genaue Gegen­teil gemeint „Es geht um eine Bewe­gung, die aus einer gro­ßen Tie­fe kommt, die jemand ansto­ßen kann, weil er fest ver­wur­zelt ist, weil er Stand, Sta­bi­li­tät hat“, so der Erzbischof.

Auf die Men­schen über­tra­gen hei­ße das „Es braucht die inne­re Ruhe, die Ver­wur­ze­lung in Gott, damit unser Leben ertrag­reich wer­den kann, damit es erfüllt wird und Men­schen in Bewe­gung brin­gen kann.“ Die Bis­tums­pa­tro­ne Kai­ser Hein­rich und Kai­se­rin Kuni­gun­de stün­den für die­se Über­zeu­gung „Sie haben eine Bewe­gung ange­sto­ßen, die auch nach 1000 Jah­ren noch spür­bar ist und Früch­te trägt. Und sie taten das nicht aus eige­ner Macht­voll­kom­men­heit, son­dern aus der Tie­fe ihres Glau­bens heraus.“

Eben­so erin­ner­te Gössl an den aus Döring­stadt stam­men­den Sale­sia­ner­pa­ter Rudolf Lun­ken­bein und des­sen Freund Simao vom Stamm der Bororo. Bei­de wur­den im bra­si­lia­ni­schen Mer­uri erschos­sen, weil sie sich für die Rech­te der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung ein­ge­setzt hat­ten. Gössl wür­dig­te ihren Mut und ihre Glau­bens­über­zeu­gung. Obwohl sie um die Gefahr gewusst hät­ten, sei­en sie nicht in Angst erstarrt, son­dern hät­ten „einen Teil die­ser Welt zum Guten hin­be­wegt“. Zum Jah­res­tag des Mar­ty­ri­ums hielt sich eine Dele­ga­ti­on aus Bra­si­li­en im Erz­bis­tum auf. Eine Bam­ber­ger Dele­ga­ti­on reist in den nächs­ten Tagen nach Bra­si­li­en. Der Pro­zess der Selig­spre­chung der bei­den Mär­ty­rer läuft in Rom.

„Kai­ser Hein­rich und Kai­se­rin Kuni­gun­de, Pater Rudolf Lun­ken­bein und Simao Bororo – sie haben Men­schen bewegt und tun das bis heu­te zu völ­lig unter­schied­li­chen Epo­chen, unter total ver­schie­de­nen Umstän­den – aber immer aus der tie­fen inne­ren Ver­bin­dung mit Jesus Chris­tus, dem Herrn“, sag­te der Erz­bi­schof und füg­te hin­zu „Auch wir kön­nen die Welt bewe­gen, aber nicht indem wir rast- und ruhe­los her­um­het­zen, um mög­lichst viel zu erle­ben, son­dern nur, wenn wir bereit sind, in die Tie­fe zu wach­sen, wenn wir unse­re Wur­zeln aus­stre­cken hin zu Chris­tus, der Leben schenkt, das nicht ein­mal der Tod aus­lö­schen kann.“

Zum Auf­takt der Fest­ta­ge wur­de am Don­ners­tag­abend die „Über­tra­gung der Häup­ter“ gefei­ert. Dazu wur­den die nor­ma­ler­wei­se in der Häup­t­er­ka­pel­le des Doms aus­ge­stell­ten Reli­qui­en­schä­del des Kai­ser­paa­res Hein­rich und Kuni­gun­de im Altar­raum zur Ver­eh­rung gebracht. Am Frei­tag­abend gab die bekann­te Ordens­frau Schwes­ter Tere­sa Zukic bei einer Prai­se­night Impul­se zum The­ma Hoff­nung. Am Sams­tag fand in St. Urban eine Eucha­ris­tie­fei­er mit Kran­ken­sal­bung statt. Am Nach­mit­tag wur­de auf dem Dom­platz der tra­di­tio­nel­le Motor­rad­got­tes­dienst mit den „Beth­le­hem All­stars“ gefei­ert, anschlie­ßend herrsch­te in der Alten Hof­hal­tung fro­he Bier­gar­ten­at­mo­sphä­re mit Musik der „Jazz­Pantz“. Außer­dem wur­de mit einer Talk­run­de das Leben und Wir­ken von Pater Lun­ken­bein gewür­digt. Die Band „Sin­nergie“ sorg­te für ein beson­de­res Konzerterlebnis.

Nach dem Fest­got­tes­dienst am Sonn­tag bestand die Mög­lich­keit, bei strah­len­dem Son­nen­schein Stän­de der Ver­bän­de, Ver­ei­ne und Ein­rich­tun­gen des Erz­bis­tums zu besu­chen und bei deren viel­fäl­ti­gen Aktio­nen mit­zu­ma­chen. Ein Was­ser­spiel­platz lud zum Abküh­len auf dem Dom­platz ein.

Anschlie­ßend wur­den die Haupt­prei­se eines Schul­wett­be­werbs ver­lie­hen In über 120 Ein­sen­dun­gen hat­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler das Leben von Pater Lun­ken­bein in unter­schied­lichs­ten For­ma­ten von Zeich­nun­gen bis Pod­casts behan­delt. Die Haupt­prei­se für die ver­schie­de­nen Alters­grup­pen gin­gen an die 10. Klas­se der Berufs­fach­schu­le Maria­hilf in Bam­berg, die Klas­se 5aG des Maria-Ward-Gym­na­si­ums Bam­berg sowie an die Lun­ken­bein-Grund­schu­le in Ebens­feld. Die aus­ge­zeich­ne­ten Bei­trä­ge ver­ban­den das Leben Lun­ken­beins auf krea­ti­ve Wei­se mit kon­kre­tem sozia­lem Enga­ge­ment. Zudem wur­den zwei Son­der­prei­se der Jury für inno­va­ti­ve Unter­richts­kon­zep­te verliehen.

Auf der Dom­platz­büh­ne wur­de ein abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm mit Musik, Tanz, Kampf­sport und Show­akro­ba­tik gebo­ten. Bevor das Hein­richs­fest mit der Pon­ti­fi­kal­ves­per ende­te, stand ein Auf­tritt des Chors „Hap­py Tog­e­ther“ auf dem Dom­platz auf dem Programm.

Das Hein­richs­fest erin­nert jedes Jahr am zwei­ten Juli-Wochen­en­de an den Bis­tums­grün­der, Kai­ser Hein­rich II., der am 13. Juli 1024 starb.

Weiterer Artikel

Stadt fei­ert Jubi­lä­um und star­tet Bürgerbeteiligung

100 Jah­re Volks­park Bamberg