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Naturkundemuseum Bamberg

Sau­ri­er­ske­lett, Quag­ga und far­ben­fro­he Minerale

Muse­ums­ob­jek­te im neu­en Licht im Naturkundemuseum

Abseits vom Tou­ris­ten­trei­ben und dem all­täg­li­chen Stadt­ge­sche­hen liegt es, leicht ver­steckt, im Hofe des ehe­ma­li­gen Jesui­ten­kol­legs und wirkt zunächst etwas unschein­bar. Der Ein­druck täuscht. Denn betritt man das Muse­um, bie­tet es extrem Span­nen­des und Seltenes.

„Haben Sie schon unse­ren neu­en Sau­ri­er ent­deckt?“, fragt die freund­li­che Dame im Kas­sen­be­reich nicht ohne einen Hauch von beschei­de­nem Stolz. Blick nach rechts. Ein rie­si­ges Ske­lett eines Sau­ri­ers! Bei genaue­rem Nach­le­sen han­delt es sich um einen aus­ge­wach­se­nen Euro­pa­sau­rus hol­ge­ri – benannt nach sei­nem Ent­de­cker Hol­ger Lüd­tke. Die hier aus­ge­stell­te Ech­se, die aus Euro­pa stammt, ist eine Nach­bil­dung des 1998 bei Gos­lar ent­deck­ten Exem­plars. Sie eröff­net seit Neu­es­tem als Eye­cat­cher im Bam­ber­ger Natur­kun­de­mu­se­um eine span­nen­de Ent­de­ckungs­rei­se durch über­wie­gend regio­na­le Flo­ra und Fau­na, näm­lich als Fran­ken vor 154 Mil­lio­nen Jah­ren noch tro­pisch war.


Der neue Sauriersaal

Über 150 Mil­lio­nen Jah­re hat er, der Euro­pa­sau­rus, auf dem ‚Buckel‘. „So zusam­men­ge­setzt, wie er bei uns steht, ist das ein­ma­lig“, betont Dr. Oli­ver Wings. Der stu­dier­te und pro­mo­vier­te Geo­wis­sen­schaft­ler und Palä­on­to­lo­ge hat seit 2022 die wis­sen­schaft­li­che Lei­tung des Natur­kun­de­mu­se­ums in Bam­berg inne und mit die­ser Funk­ti­on zahl­rei­che Auf­ga­ben und genau­so viel Ver­ant­wor­tung. Sein Ziel ist es, Neu­es aus Wis­sen­schaft und For­schung zu ver­mit­teln, Bestehen­des zu bewah­ren und vie­les, was schlum­mert, aus dem Dorn­rös­chen­schlaf ins Blick­feld zu rücken.

Unter die Rubrik ‚Neu‘ fällt der Sau­ri­er­saal. „Mit dem Euro­pa­sau­rus haben wir hier in Bam­berg ein extrem hoch­wer­ti­ges Modell mit vie­len klei­nen Knö­chel­chen, die wie­der­um unzäh­li­ge ana­to­mi­sche Ein­zel­hei­ten zei­gen. Das Ske­lett ist so gut nach­ge­bil­det, dass es sogar zu For­schungs­zwe­cken sehr gut her­an­ge­zo­gen wer­den kann.“ Oli­ver Wings freut sich über sein neu­es Stück – und das darf er auch. Der Sau­ri­er und sein Ambi­en­te stel­len in dem klei­nen Saal eine wei­te­re Berei­che­rung für das Muse­um dar und die­nen gleich­zei­tig als Ope­ner für die gesam­te Samm­lung. Der Muse­ums­lei­ter und sein Team haben die Gesamt­kom­po­si­ti­on gut durch­dacht. Sie wis­sen bei­spiels­wei­se, dass das Euro­pa­sau­rus-Eltern­tier sein „Klei­nes“ ver­misst. Des­halb möch­te das Natur­kun­de­mu­se­um-Crew noch ein Jung­tier die­ser Art hin­zu­fü­gen. Für das gro­ße Euro­pa­sau­rus-Exem­plar hat die Spen­den­kam­pa­gne gefruch­tet. Möge die Samm­lung für das Sau­ri­er-Kind genau­so effek­tiv sein! Spen­den­wil­li­ge sind also gefragt.

Übri­gens kommt das The­ma rund um ver­schie­de­ne Sau­ri­er­ar­ten nicht von unge­fähr, gibt es doch in Bam­berg und Umge­bung zahl­rei­che bemer­kens­wer­te Fos­si­li­en­fun­de. Vie­le von ihnen befin­den sich in ver­schie­de­nen Räum­lich­kei­ten im Muse­um. Die meis­ten stam­men aus Wat­ten­dorf, so auch das Flug­sauri­er­fos­sil Bal­ae­no­gnathus. Die­ses kann eben­falls – samt einer com­pu­ter­ge­stütz­ten Rekon­struk­ti­on des Tie­res, wie es damals aus­ge­se­hen haben könn­te – im Sau­ri­er­saal bestaunt wer­den. Bal­ae­no­gnathus und Euro­pa­sau­rus stam­men aus dem exakt glei­chen Abschnitt der Jura-Zeit. „Der Jura ist die Epo­che der Erd­ge­schich­te, die vor etwa 201 Mil­lio­nen Jah­ren begann und vor 145 Mil­lio­nen Jah­ren ende­te. Unser in Bam­berg nun zu bewun­dern­der Euro­pa­sau­rus ist nur 211 Kilo­me­ter ent­fernt von hier gefun­den wor­den. Ich hal­te es für sehr wahr­schein­lich, dass die­se Gat­tung auch in unse­rer Gegend damals unter­wegs war“, so der Muse­ums­lei­ter. Auch Mobbl wird einen neu­en Platz fin­den. Er darf aus sei­nem Nischen­da­sein im Ober­ge­schoss des Muse­ums befreit wer­den und eben­falls einen beson­de­ren Platz im neu­en Sau­ri­er­saal fin­den. Thalas­se­mys, so sein wis­sen­schaft­li­cher Name, ist die größ­te Mee­res­schild­krö­te welt­weit und wie vie­le ande­re Objek­te im Natur­kun­de­mu­se­um 154 Mil­lio­nen Jah­re alt. Die­ses außer­ge­wöhn­li­che Fos­sil aus einem Kalk­stein­bruch aus Wat­ten­dorf wur­de 2018 bei Aus­gra­bun­gen entdeckt. 

Mit 140 Zen­ti­me­tern Gesamt­län­ge und einer Pan­zer­län­ge von 82 Zen­ti­me­tern hat er statt­li­che Aus­ma­ße. Ver­mut­lich han­delt es sich tat­säch­lich um ein männ­li­ches Tier. Mee­res­schild­krö­ten­männ­chen haben rela­tiv lan­ge Schwän­ze, daher ist die Geschlechts­be­stim­mung hier – unter Vor­be­halt – mög­lich. Span­nend im Hin­blick auf sei­ne Ber­gungs­ge­schich­te ist, dass das gute Stück, was jetzt so uni­form aus­sieht, beim Auf­fin­den in Hun­der­te von Ein­zel­tei­len zer­bro­chen war. Unter Oli­ver Wings lang­jäh­ri­gem und wert­ge­schätz­tem Vor­gän­ger Mat­thi­as Mäu­ser (Lei­ter des Natur­kun­de­mu­se­ums von 1988 bis zu sei­nem frü­hen Tode 2021) puz­zel­te das ‚Mobbl-Team‘ bei Nacht mit einer UV-Lam­pe – unter die­ser leuch­ten näm­lich bei Dun­kel­heit die Kno­chen – in mühe­vol­ler Kleinst­ar­beit die ein­zel­nen Teil­chen zu einem gro­ßen Gan­zen zusam­men. Respekt vor die­ser Leis­tung und dem außer­ge­wöhn­li­chen Fund!

Eine gro­ße Kalk­stein­plat­te, die aus über 150 Ammo­ni­ten – stam­mend aus Lud­wag – zusam­men­ge­setzt wird, ist der­zeit noch im Auf­bau. Kom­plet­tiert wer­den die Aus­stel­lungs­stü­cke durch eine Medi­en­sta­ti­on, an deren gro­ßem Bild­schirm die Land-Meer-Ver­tei­lung und das Leben im Jura ver­folgt wer­den kann.


Beson­ders schö­ne Stü­cke an prä­de­sti­nier­ter Stelle

Wei­ter geht’s! Gleich hin­ter dem Sau­ri­er­saal, etwas erhöht, befin­det sich ein Aus­stel­lungs­raum, in dem der­zeit Mine­ra­le zu betrach­ten sind.

Das Quag­ga im Natur­kun­de­mu­se­um ist eines von nur noch weni­gen welt­weit erhal­te­nen Exem­pla­ren. Foto: Natur­kun­de­mu­se­um Bam­berg, Kari­na Hage­mann (SNSB)

Die­sen Raum möch­te Oli­ver Wings umge­stal­ten. Die Mine­ra­le sol­len umzie­hen, sodass hier künf­tig eini­ge der schöns­ten Objek­te des Natur­kun­de­mu­se­ums – momen­tan noch im Muse­um an unter­schied­li­chen Orten ver­streut – einen wür­di­gen Platz fin­den. Zu ihnen gehört ein Quag­ga, wel­ches im letz­ten Win­kel des Ober­ge­schos­ses ein etwas trau­ri­ges Schat­ten­da­sein fristet.

Trau­rig in dop­pel­ter Hin­sicht: Zum einen über­se­hen es die meis­ten Besu­che­rin­nen und Besu­cher, zum andern ist die­se Zebra-Unter­art im letz­ten Jahr­hun­dert aus­ge­löscht wor­den. Quag­gas waren in Süd­afri­ka weit ver­brei­tet. Im 19. Jahr­hun­dert wur­den sie wegen ihres Flei­sches und Leder gejagt und gel­ten seit 1877 als ausgerottet.

„Unser Quag­ga ist ein beson­ders schö­nes Exem­plar, den­noch nimmt es kaum einer wahr“, die­se Misch­form aus Zebra und Pferd liegt dem Muse­ums­lei­ter sehr am Her­zen. Bei dem Sub­jekt han­delt sich um ein der­mo­plas­ti­sches (frü­her: „aus­ge­stopft“) Tier. Das Quag­ga steht stell­ver­tre­tend für den For­schungs­auf­trag, dem die Wis­sen­schaft­ler im Natur­kun­de­mu­se­um nach­ge­hen, näm­lich der Doku­men­ta­ti­on von Pflan­zen- und Tier­welt, aber auch als Mah­nung und Schutz unse­rer Lebens­welt. Das Quag­ga in Bam­berg ist übri­gens eines von welt­weit nur noch 24 erhal­te­nen Tie­ren und ziert neben dem ein­gangs erwähn­ten Flug­sauri­er das 2022 neu kre­ierte Logo des Naturkundemuseums.

Eine his­to­ri­sche Quel­le beschreibt das Bam­ber­ger Quag­ga wie folgt: Es erweckt „den Ein­druck eines leben­den Tie­res“ und „wirkt auf die Besu­cher sehr anzie­hend. Gesichts­aus­druck und Hal­tung spie­geln ein ange­spro­che­nes, leicht auf­ge­schreck­tes Tier wider, das zwar miß­trau­isch, aber doch gewillt ist, mit dem Anru­fer-Besu­cher Kon­takt auf­zu­neh­men“ (Anton Kolb in: Ein „neu­es“ Quag­ga im Natur­kun­de-Muse­um). Bes­ser kann es kaum beschrie­ben wer­den. Die­ses Quag­ga ist aus Unter­küh­lungs­grün­den – es hat in nicht beheiz­ba­ren Räu­men des Natur­kun­de­mu­se­ums von Stutt­gart gefro­ren und somit sehr gelit­ten – 1969 von Stutt­gart in unse­re Bam­ber­ger Räum­lich­kei­ten umge­zo­gen. Nun soll es sich noch woh­ler als die letz­ten 56 Jah­re füh­len und einen wür­di­gen Platz erhal­ten. Zum Quag­ga wer­den sich noch wei­te­re aus­ge­stor­be­ne Tie­re und Pflan­zen gesellen.


Mine­ra­le-Son­der­aus­stel­lung seit Mit­te August

Der High­lights nicht genug! Seit 12. August und bis 15. Febru­ar 2026 wer­den in den Räu­men, die für Son­der­aus­stel­lun­gen vor­ge­se­hen sind, beson­de­re Mine­ra­le zu sehen sein. Unter dem Titel „Kris­tall­ma­gie – ver­bor­ge­ner Zau­ber dunk­ler Turm­a­li­ne“ gibt die Son­der­schau einen Ein­blick über die 20-jäh­ri­ge For­schungs­rei­se durch das Inne­re tau­sen­der Turm­a­lin-Kris­tal­le. Turm­a­li­ne sind Halb­edel­stei­ne, die auf­grund ihrer Far­ben­viel­falt und ihres For­men­reich­tums seit vie­len hun­dert Jah­ren bei Edel­stein- und Mine­ra­li­en­lieb­ha­bern gro­ßes Anse­hen genie­ßen. Die Besu­che­rin­nen und Besu­cher dür­fen sich auf bun­te Farb- und Struk­tur­for­men freu­en. Bis­lang gal­ten nur die hel­len Turm­a­li­ne als wich­tigs­te Schmuck­stei­ne. Seit eini­gen Jah­ren aber ist bekannt, dass die Kris­tal­le der schwar­zen Turm­a­lin­art genau­so far­big aus­se­hen können. 

Der Trick dabei: Man muss sie sehr dünn schlei­fen. Mit­tels einer spe­zi­el­len Foto­tech­nik, die sehr klei­ne Objek­te oder Details in extre­men Nah­auf­nah­men sicht­bar macht, konn­te der Che­mi­ker Dr. Paul Rus­te­mey­er aus Gun­del­fin­gen (geb. 1952) die­se schö­nen Struk­tu­ren sicht­bar machen. In die­sem Zusam­men­hang wur­de die Aus­stel­lung „Kris­tall­ma­gie“ von ihm ins Leben geru­fen. So ist die Aus­stel­lung einer­seits ein ästhe­ti­scher Augen­schmaus, ande­rer­seits prä­sen­tiert sie die neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se über Ent­ste­hen und das Ende die­ser Minerale.

Ein Kris­tall­mo­dell. Foto: Dr. Paul Rustemeyer

Zu sehen sein wer­den gro­ße Bil­der der Turm­a­lin-Fami­lie, über 400 Kris­tal­le und etwa 1.500 Dünn­schlif­fe, die hin­ter­leuch­tet sind. Oli­ver Wings ist schon neu­gie­rig auf, so wört­lich, „die Wir­kung die­ser ästhe­ti­schen Aus­stel­lung mit ihren vie­len far­ben­fro­hen Kris­tal­len in unse­ren his­to­ri­schen Räum­lich­kei­ten“. Turm­a­li­ne sind übri­gens welt­weit – also auch in Fran­ken – zu fin­den. Im Rah­men der Aus­stel­lung fin­det ein Begleit­pro­gramm statt. So gibt es ver­schie­de­ne Vor­trä­ge zum The­ma Turm­a­li­ne. Außer­dem kön­nen Inter­es­sier­te sich selbst im Dünn­schlei­fen üben.


Ein Muse­um ohne Stillstand

Muse­ums­lei­ter Oli­ver Wings und sein Team tun eini­ges, um die Attrak­ti­vi­tät des ohne­hin schon hoch­in­ter­es­san­ten Natur­kun­de­mu­se­ums zu stei­gern. „Bei­de Räu­me, Sau­ri­er­saal und Arten­ster­ben, letz­te­res sym­bo­li­siert durch das Quag­ga, sind gewis­ser­ma­ßen unse­re Flagg­schif­fe, mit denen wir gleich am Anfang eines Rund­gangs gut punk­ten und Span­nung sowie Neu­gier­de auf das, was kommt, erzeu­gen kön­nen“, erklärt Oli­ver Wings die neue Kon­zep­ti­on. In die­sem Atem­zug sind nicht nur die Objek­te her­vor­zu­he­ben, son­dern auch Maß­nah­men, die einen Besuch erleich­tern. So darf erwähnt wer­den, dass in Kür­ze Umbau­ar­bei­ten – bei­spiels­wei­se wird ein Trep­pen­lift instal­liert – statt­fin­den, um das Gebäu­de bar­rie­re­frei zu gestal­ten. Schließ­lich befin­det sich das Muse­um in einem mehr als drei­hun­dert Jah­re alten ehe­ma­li­gen Gebäudekomplex.

Ver­stei­ne­run­gen in ver­schie­dens­ten For­ma­tio­nen, der noch im Ent­ste­hen begrif­fe­ne Sau­ri­er­saal, inno­va­ti­ve Son­der­rau­stel­lun­gen und – bei­des hier nicht erwähnt – die Würz­bur­ger Lügen­stei­ne oder aller­hand Getier im berühm­ten Vogel­saal: Das Natur­kun­de­mu­se­um Bam­berg war­tet mit exzel­len­ten bio­lo­gi­schen und geo­lo­gi­schen Aus­stel­lung­s­tü­cken auf. An die­ser Stel­le noch ein­mal ein Schwenk zum Kurio­sen: Hal­ten Sie doch bei Ihrem nächs­ten Besuch ein­mal Aus­schau nach der Wun­der­ket­te, einem Klein­od aus 137 Kirsch‑, 15 Apri­ko­sen- und einem Pflau­men­kern. Oder nach unse­rem guten alten Pol­di, dem Bam­ber­ger Alten­burg­bä­ren. Der­zeit befin­den sich Pol­di und auch der Löwe aus dem Vogel­saal aller­dings auf „Beau­ty-Kur“. Auf­grund von Schad­in­sek­ten­be­fall hat Oli­ver Wings bei­de vor Kur­zem zur Behand­lung an die Zoo­lo­gi­sche Prä­pa­ra­ti­on der Staats­samm­lung in Mün­chen mit­ge­nom­men. Gute Bes­se­rung und bal­di­ge Heimkehr!

Spen­den­auf­ruf

Natur­kun­de­mu­se­um braucht Geld für Europasaurus-Skelett

Das Bam­ber­ger Natur­kun­de­mu­se­um möch­te sich zwei Ske­lett­ab­güs­se eines Euro­pa­sau­rus anschaf­fen. Dafür fehlt aller­dings noch etwas Geld. Nun hat das Muse­um einen Spen­den­auf­ruf gestartet.

„Unser Haus gibt es zwar schon seit 233 Jah­ren, aber ein rich­ti­ges Dino­ske­lett fehlt uns bis­her noch“, zitiert eine Mit­tei­lung des Natur­kun­de­mu­se­ums Bam­berg sei­nen Lei­ter Oli­ver Wings. Dar­um pla­ne er im Zuge der Sanie­rung und Neu­aus­rich­tung der Dau­er­aus­stel­lun­gen des Hau­ses die Anschaf­fung hoch­wer­ti­ger Ske­lett­ab­güs­se des nord­deut­schen Dino­sau­ri­ers Euro­pa­sau­rus. Dabei ste­hen sowohl die Kno­chen eines aus­ge­wach­se­nen Exem­plars als auch die eines Jung­tiers auf der Wunschliste.

Die Anschaf­fungs­kos­ten für den erwach­se­nen (54.000 Euro) und jugend­li­chen (18.000 Euro) Euro­pa­sau­rus belau­fen sich auf ins­ge­samt 72.000 Euro. Doch für die Finan­zie­rung des Ske­letts des erwach­se­nen Exem­plars fehlt noch Geld. Durch bereits zuge­sag­te För­de­run­gen von den Staat­li­chen Natur­wis­sen­schaft­li­chen Samm­lun­gen Bay­erns und anhand meh­re­rer Spen­den ist zwar bereits eini­ges an Finanz­mit­teln zusam­men­ge­kom­men. 10.000 Euro braucht das Muse­um aber noch.

Und: Die Zeit rast, schreibt das Muse­um. Denn ein Groß­teil der bewil­lig­ten Mit­tel müs­se noch die­ses Jahr aus­ge­ge­ben wer­den, bevor sie ver­fal­len. Des­halb star­tet das Natur­kun­de­mu­se­um nun einen öffent­li­chen Spen­den­auf­ruf. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie hier.

Lang­hals­di­no­sau­ri­er soll im Erd­ge­schoss stehen

Oli­ver Wings sagt: „Euro­pa­sau­rus ist ein bemer­kens­wer­tes Zeug­nis der Erd­ge­schich­te. Die hoch­wer­ti­gen Ske­let­te wer­den alle Kin­der und erwach­se­nen Besu­che­rin­nen und Besu­cher begeis­tern und so einen wert­vol­len Bei­trag zur Bil­dungs­ar­beit des Muse­ums leisten.“

Die­ser Dino­sau­ri­er leb­te in der spä­ten Jura­zeit, vor etwa 154 Mil­lio­nen Jah­ren, und ist damit exakt gleich alt wie die Wat­ten­dor­fer Plat­ten­kalk­fos­si­li­en, die das Muse­um beher­bergt. Der zu erwer­ben­de Euro­pa­sau­rus ist dabei nicht nur einer der weni­gen über­haupt in Deutsch­land gefun­de­nen Lang­hals­di­no­sau­ri­er. Mit mehr als 95 Pro­zent ori­gi­nal gefun­de­nen Ske­lett­tei­len zählt er auch zu den voll­stän­digs­ten Dino­sau­ri­er-Gat­tun­gen weltweit.

Ste­hen sol­len die Ske­let­te der Dino­sau­ri­er im neu­en Aus­stel­lungs­raum im Erd­ge­schoss. Dort sol­len die bei­den Abgüs­se mit einer Län­ge von etwa zwei bezie­hungs­wei­se sechs Metern gemein­sam mit den Wat­ten­dorf-Fos­si­li­en, wei­te­ren juras­si­schen High­lights wie loka­len Fisch­sau­ri­ern, einer vier Qua­drat­me­ter gro­ßen Plat­te mit etwa 150 Ammo­ni­ten und einer eigens ent­wi­ckel­ten Touch­screen-Medi­en­sta­ti­on dau­er­haft prä­sen­tiert werden.

Alp­ka­ra­kush kyrgyzicus

Neue Raub­di­no­sau­ri­er­art: Natur­kun­de­mu­se­um Bam­berg an Ent­de­ckung beteiligt

Ein kir­gi­sisch-deut­sches Expe­di­ti­ons­team, dar­un­ter Oli­ver Wings, Lei­ter des Natur­kun­de­mu­se­ums Bam­berg, hat bei Feld­ar­bei­ten im süd­west­li­chen Kir­gi­si­stan die fos­si­len Kno­chen zwei­er Exem­pla­re einer neu­en Raub­di­no­sau­ri­er­art gefun­den. Der Fund ist einer der bedeu­tends­ten in Zentralasien.

Raub­di­no­sau­ri­er (The­ro­po­den) sind eine der wich­tigs­ten Groß­grup­pen der Dino­sau­ri­er, zu denen neben so bekann­ten Tie­ren wie Tyran­no­sau­rus oder Allosau­rus auch heu­ti­ge Vögel gehö­ren. Von ihnen sind aus der Zeit des Erd­mit­tel­al­ters, dem Zeit­al­ter der Dino­sau­ri­er, eine Viel­falt von Grup­pen bekannt. Ähn­lich wie es Löwen heu­te über­wie­gend in Afri­ka und Tiger nur in Asi­en gibt, war zum Bei­spiel der Allosau­rus im Jura in Nord­ame­ri­ka und im süd­west­li­chen Euro­pa ver­brei­tet, wäh­rend in Chi­na die ähn­lich gro­ßen Metria­can­tho­sau­ri­er leb­ten. Bis­her war der Wis­sen­schaft laut einer Mit­tei­lung des Bam­ber­ger Natur­kun­de­mu­se­ums jedoch kei­ne gro­ße Raub­di­no­sau­ri­er­art aus der Regi­on zwi­schen Zen­tral­eu­ro­pa und Ost­asi­en bekannt.

Ein neu­er Fund habe die Daten­la­ge nun aber erheb­lich ver­bes­sert. Alp­ka­ra­kush kyr­gy­zi­cus heißt der ers­te in Kir­gi­si­stan gefun­de­ne the­ro­po­de Dino­sau­ri­er. Die ers­ten Kno­chen des Fos­sils wur­den bereits 2006 vom kir­gi­si­schen Palä­on­to­lo­gen Aizek Bak­i­rov ent­deckt. Der Fund­ort liegt in den gebir­gi­gen Wüs­ten­ge­bie­ten nahe der Stadt Tasch­kömür im Wes­ten Kir­gi­si­stans. Die dor­ti­gen Aus­gra­bun­gen fan­den in der Bala­b­an­sai-For­ma­ti­on statt, deren Sedi­men­te wäh­rend der mitt­le­ren Jura­zeit vor etwa 165 Mil­lio­nen Jah­ren abge­la­gert wurden.

Wäh­rend meh­re­rer Gra­bungs­kam­pa­gnen im Zeit­raum von 2006 bis 2023 wur­den Schä­del­kno­chen, Rücken- und Becken­wir­bel, Frag­men­te des Schul­ter­gür­tels und der Vor­der­glied­ma­ßen sowie der fast voll­stän­di­ge Becken­gür­tel und die Hin­ter­glied­ma­ßen eines etwa acht bis neun Meter lan­gen Raub­di­no­sau­ri­ers gebor­gen. Es han­delt sich dabei um eine neue Gat­tung und Art, die bis­her unbe­kann­te Merk­ma­le aufweist.

Raubdinosaurierart
Die Aus­gra­bungs­ar­bei­ten in Kir­gi­si­stan, Foto: Oli­ver Wings
Eltern­tier mit sei­nem Jungen

Beson­ders ein­drucks­voll ist laut Muse­ums­mit­tei­lung sei­ne extrem vor­ste­hen­de Augen­braue am soge­nann­ten Post­or­bi­ta­le, einem Schä­del­kno­chen hin­ter der Augen­öff­nung, die auf das Vor­han­den­sein eines Horns an die­ser Stel­le hin­weist. Ande­re ein­zig­ar­ti­ge Merk­ma­le fin­den sich an den Rücken­wir­beln und am Ober­schen­kel­kno­chen. Der Ver­gleich mit zahl­rei­chen ande­ren The­ro­po­den zeigt zudem, dass die neue Art eben­falls zu den Metria­can­tho­sau­r­i­den gehört, also nahe mit den gro­ßen Raub­di­no­sau­ri­ern Ost­asi­ens ver­wandt ist. Die Palä­on­to­lo­gie ver­mu­tet den Ursprung der Metria­can­tho­sau­r­i­den und ande­rer wich­ti­ger The­ro­po­den­grup­pen in Süd­ost­asi­en. Von dort brei­te­ten sie sich über Zen­tral­asi­en und Euro­pa auf ande­re Kon­ti­nen­te aus.

„Obwohl die Zuge­hö­rig­keit von Alp­ka­ra­kush zu den Metria­can­tho­sau­r­i­den nicht unbe­dingt eine Über­ra­schung ist“, sagt Oli­ver Rau­hut von der Baye­ri­schen Staats­samm­lung für Palä­on­to­lo­gie und Geo­lo­gie in Mün­chen, „schließt die­ser Fund doch eine gewal­ti­ge Lücke in unse­rer Kennt­nis der juras­si­schen The­ro­po­den und führt zu wich­ti­gen neu­en Erkennt­nis­sen zur Evo­lu­ti­on und Bio­geo­gra­fie die­ser Tiere.“

An der­sel­ben Fund­stel­le in Kir­gi­si­stan wur­den auch die Über­res­te eines zwei­ten, etwas klei­ne­ren Exem­plars von Alp­ka­ra­kush kyr­gy­zi­cus gefun­den. Unter­su­chun­gen des inne­ren Kno­chen­auf­baus erga­ben, dass es sich bei dem gro­ßen Exem­plar um ein fast erwach­se­nes, min­des­tens sieb­zehn Jah­re altes und sicher­lich schon geschlechts­rei­fes Tier han­del­te, wäh­rend das klei­ne­re Indi­vi­du­um ein Jung­tier ist. Mög­li­cher­wei­se war am Fund­ort vor 165 Mil­lio­nen Jah­ren ein Eltern­tier mit sei­nem Jun­gen unterwegs.

Von allen wich­ti­gen Kno­chen des Alp­ka­ra­kush wur­den im Rah­men der Arbeit zusätz­lich digi­ta­le 3D-Model­le erstellt. „Die­se Model­le sind jetzt online ver­füg­bar und erlau­ben es For­schen­den welt­weit, sowohl Fol­ge­stu­di­en durch­zu­füh­ren als auch 3D-Dru­cke anzu­fer­ti­gen“, sagt Oli­ver Wings, Lei­ter des Natur­kun­de­mu­se­ums Bam­berg, der an der Aus­gra­bung betei­ligt war.

Raubdinosaurierart
Die ana­to­misch kor­rekt ange­ord­ne­ten Ske­lett­tei­le von Alp­ka­ra­kush kyr­gy­zi­cus mit Gra­bungs­teil­neh­me­rin Alex­an­dra Fer­nan­dez als Grö­ßen­ver­gleich, Foto: Oli­ver Rauhut
Namens­ge­bung der Raubdinosaurierart

Benannt ist die Raub­di­no­sau­ri­er­art nach Alp­ka­ra­kush, einem rie­si­gen Vogel im mytho­lo­gi­schen kir­gi­si­schen Manas-Epos, der den Hel­den in kri­ti­schen Momen­ten oft zu Hil­fe kommt. Der Art­na­me kyr­gy­zi­cus ver­weist direkt auf die Kir­gi­si­sche Repu­blik, dem Her­kunfts­ort des neu­en Raubsauriers.

Alp­ka­ra­kush kyr­gy­zi­cus könn­te sogar das ers­te in Kir­gi­si­stan aus­ge­stell­te Dino­sau­ri­er­ske­lett über­haupt wer­den. Wenn sich genü­gend Unter­stüt­zung fin­det, ist die Auf­stel­lung des rekon­stru­ier­ten Ske­let­tes inklu­si­ve aller ori­gi­na­len Kno­chen im His­to­ri­schen Natio­nal­mu­se­um in Bish­kek geplant.

Die Arbeit ist das Resul­tat einer For­schungs­ko­ope­ra­ti­on zwi­schen dem M.M. Adys­hev Insti­tut für Geo­lo­gie der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten der Kir­gi­si­schen Repu­blik und zwei Abtei­lun­gen der Staat­li­chen Natur­wis­sen­schaft­li­chen Samm­lun­gen Bay­erns (Baye­ri­sche Staats­samm­lung für Palä­on­to­lo­gie und Geo­lo­gie in Mün­chen und Natur­kun­de­mu­se­um Bam­berg) sowie der Frie­den­stein Stif­tung Gotha. Eine von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft finan­zier­te Stu­die erschien nun in der Fach­zeit­schrift Zoo­lo­gi­cal Jour­nal of the Lin­ne­an Society.

Neu­er Lei­ter des Naturkundemuseums

Oli­ver Wings: „Palä­on­to­lo­gie ist momen­tan eine der wich­tigs­ten Wissenschaften“

Im August 2021 starb über­ra­schend Mat­thi­as Mäu­ser, der dama­li­ge Lei­ter des Natur­kun­de­mu­se­ums Bam­berg. Nach einem Jahr der kom­mis­sa­ri­schen Lei­tung über­nahm Oli­ver Wings die Stel­le im August 2022. Wir haben mit dem Geo­wis­sen­schaft­ler und Palä­on­to­lo­gen über das Ver­mächt­nis von Mat­thi­as Mäu­ser, Platz­pro­ble­me des Muse­ums, heu­ti­ges und urzeit­li­ches Arten­ster­ben und den Xin­jiang­ti­tan shansha­ne­sis gesprochen.
Herr Wings, Mat­thi­as Mäu­ser starb am 24. August 2021 im Alter von 64 Jah­ren. Wel­che Lücke hin­ter­ließ er?

Oli­ver Wings: Mat­thi­as Mäu­ser hat das Muse­um über 30 Jah­re lang gelei­tet und in der Zeit sehr viel bewirkt und gestal­tet. Er hat­te sehr gute Bezie­hun­gen in die Fach­welt, bau­te all unse­re Dau­er­aus­stel­lun­gen auf und hat dafür zum Bei­spiel auch die Fos­si­li­en­fund­stel­le bei Wat­ten­dorf erschlos­sen, nach­dem sie unser geo­wis­sen­schaft­li­cher Prä­pa­ra­tor Tho­mas Bech­mann vor etwa 20 Jah­ren nord­öst­lich von Bam­berg ent­deckt hat­te. Heu­te ist Wat­ten­dorf eine der wich­tigs­ten Fos­si­li­en­fund­stel­len Deutsch­lands. Kurz gesagt: Herr Mäu­ser hat eine sehr gro­ße Lücke hin­ter­las­sen. Da muss man sich, das heißt, da muss ich mich erst ein­mal reinarbeiten.

In wel­chem Zustand hat er das Muse­um hinterlassen?

Oli­ver Wings: Die meis­ten Natur­kun­de­mu­se­en, oder eigent­lich fast alle Muse­en, haben drei gro­ße Pro­ble­me. Geld, Per­so­nal und Platz. Was die Finan­zen angeht, sind wir im Natur­kun­de­mu­se­um glück­li­cher­wei­se in einer Situa­ti­on, die nicht ganz so pre­kär ist wie in ande­ren Häu­sern. Wir haben näm­lich nicht die Stadt als Trä­ger, son­dern die Lyze­um­stif­tung, deren Zweck unter ande­rem die För­de­rung des Muse­ums ist. Unser Etat kommt zudem von den Staat­li­chen Natur­wis­sen­schaft­li­chen Samm­lun­gen Bay­ern, unser Haus ist eines von fünf Regio­nal­mu­se­en, die direkt aus Mün­chen unter­stützt wer­den. Beim Per­so­nal hin­ge­gen sind wir, wie so vie­le ande­re auch, unter­be­setzt. Wir könn­ten dem Publi­kum viel mehr bie­ten, zum Bei­spiel in Sachen Aus­stel­lun­gen, Füh­run­gen oder Muse­ums­päd­ago­gik, wenn wir mehr Per­so­nal hät­ten. Und was die Depots angeht – die plat­zen aus allen Näh­ten. Die­se Situa­ti­on hat sich vor allem durch die vie­len tau­send Fun­de aus Wat­ten­dorf sehr ver­schärft. Das war auch einer der ers­ten Bau­stel­len, die ich nach mei­ner Ein­stel­lung ange­gan­gen bin, um zu sehen, wo und wie wir, zumin­dest kurz­fris­tig, Ent­span­nung bekom­men können.

Das heißt?

Oli­ver Wings: Zum einen haben wir einen fast abso­lu­ten Samm­lungs­stopp ver­hängt. Wir könn­ten also der­zeit, auch wenn wir woll­ten, in den bestehen­den Depots kei­ne grö­ße­re Samm­lung über­neh­men. Das ist für ein Natur­kun­de­mu­se­um aber grund­falsch. Denn sol­che Häu­ser leben davon, zu sam­meln und zu kon­ser­vie­ren. Ein biss­chen zusätz­li­chen Platz konn­ten wir gewin­nen, indem wir bestimm­te Samm­lungs­ob­jek­te – zum Bei­spiel Tier­prä­pa­ra­te –, die auf­grund feh­len­der wis­sen­schaft­li­cher Daten, ihrer Häu­fig­keit und ihres schlech­ten Zustands wegen nicht wirk­lich auf­he­bens­wert waren, aus­ge­son­dert haben. Ein­mal haben wir auch etwa zwei Ton­nen altes Gestein weg­ge­schmis­sen. Dabei han­del­te es sich um Fund­stü­cke ohne beson­de­ren Wert, von denen weni­ge Beleg­ex­em­pla­re aus­rei­chen und die man nicht schub­la­den­wei­se vor­rä­tig haben muss. Aber selbst den Platz, den wir so schaf­fen konn­ten, muss­ten wir sofort wie­der mit ande­ren Din­gen füllen.

Was wäre eine lang­fris­tig Lösung?

Oli­ver Wings: Ein neu­es Depot. Dazu pla­nen wir bereits Gesprä­che mit der Stadt und den städ­ti­schen Muse­en, die näm­lich das glei­che Pro­blem haben. Aber bis so ein Gebäu­de fer­tig gebaut ist, wür­de es wahr­schein­lich ein Jahr­zehnt dauern.

Wenn Sie kein neu­es Depot bekom­men, fällt das Muse­um dann zurück?

Oli­ver Wings: Es sta­gniert zumin­dest und muss sich wei­ter­hin mit den bestehen­den Depots zufrie­den­ge­ben. Die­se sind teil­wei­se aber wirk­lich unge­eig­net. Damit mei­ne ich zum Bei­spiel Kel­ler­räu­me unter dem Haus, die feucht und schimm­lig sind und wo stän­dig die Gefahr von Was­ser­ein­brü­chen besteht. Wir müs­sen da einen Befrei­ungs­schlag schaf­fen, auch wenn es nicht bil­lig wird. Ich wür­de mich dabei auch über die Unter­stüt­zung der Stadt freu­en, die sich bis­her aus der Finan­zie­rung des Muse­ums kom­plett heraushält.

Wel­chen Ruf hat das Muse­um in der Fachwelt?

Oli­ver Wings: Wir haben Samm­lun­gen, die inter­na­tio­nal in der Fach­welt nach­ge­fragt wer­den, wie unse­re Insek­ten- oder Vogel­samm­lun­gen. Und an den Fos­si­li­en aus Wat­ten­dorf gibt es eben­falls per­ma­nent gro­ßes wis­sen­schaft­li­ches Inter­es­se. Wir haben dort bei­spiels­wei­se 154 Mil­lio­nen Jah­re alte Sau­ri­er oder auch Quas­ten­flos­ser gefun­den. Unser bes­ter Fund bis­her ist übri­gens eine neue Flug­sauri­er-Art, die seit eini­gen Mona­ten im Andenken am Mat­thi­as Mäu­ser Bal­ae­no­gnathus maeu­se­ri heißt.

Sie sind seit 1. August 2022 der Lei­ter des Muse­ums. War­um woll­ten Sie nach Bamberg?

Oli­ver Wings: Die Stadt hat die rich­ti­ge Grö­ße, ein akti­ves Kul­tur­le­ben und tol­les Bier, ich ken­ne sie schon aus mei­nen Stu­di­en­zei­ten in Erlan­gen. Das Muse­um selbst ist wegen sei­ner Samm­lun­gen und Finanz­la­ge reiz­voll, außer­dem hat­te ich schon vor mei­nen Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen ange­neh­me Gesprä­che mit den Mit­ar­bei­tern, die nicht nur zeig­ten, wie sehr sich alle für das Muse­um enga­gie­ren, son­dern auch, dass wir ähn­li­che Vor­stel­lun­gen zur wei­te­ren Ent­wick­lung unse­res Hau­ses haben.

Sie sind stu­dier­ter Geo­wis­sen­schaft­ler und Palä­on­to­lo­ge. Was fas­zi­niert Sie an die­sen Disziplinen?

Oli­ver Wings: Schon als klei­nes Kind hat­te ich eine Fas­zi­na­ti­on fürs Sam­meln. Damals ging ich noch ein biss­chen wahl­lo­ser vor mit Din­gen wie Brief­mar­ken, Kron­kor­ken, Mün­zen oder Bier­de­ckeln – aber auch schon mit ers­ten Fos­si­li­en. Bis auf Letz­te­res hat sich die­se Sam­mel­lei­den­schaft dann irgend­wann erüb­rigt. Bei Fos­si­li­en ist die Fas­zi­na­ti­on bis heu­te geblie­ben. Wenn ich bei­spiels­wei­se einen ver­stei­ner­ten Ammo­ni­ten sehe, den­ke ich immer noch: Der hat vor vie­len Mil­lio­nen Jah­ren gelebt. Wie sah wohl sei­ne Umwelt aus? Ich bin zu DDR-Zei­ten in Erfurt auf­ge­wach­sen und hat­te das Glück, damals über das Natur­kun­de­mu­se­um Erfurt an einer Arbeits­ge­mein­schaft namens „Jun­ge Geo­lo­gen“ teil­neh­men zu kön­nen. Dort wur­de ich bereits mit 13 Jah­ren zum ers­ten Mal an das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten und den Muse­ums­all­tag her­an­ge­führt und stell­te fest, was man dabei für ein abwechs­lungs­rei­ches und span­nen­des Arbeits­spek­trum hat. Das war der Ansatz für mich, in die­se Rich­tung wei­ter­zu­ge­hen und zu studieren.

Ein Schwer­punkt Ihrer For­schun­gen sind die Dino­sau­ri­er der Jura­zeit vor etwa 150 Mil­lio­nen Jah­ren. Was war Ihr bes­ter Fund bisher?

Oli­ver Wings: Da gibt es meh­re­re tol­le Fun­de und neue Arten, aber der bes­te Fund war der Xin­jiang­ti­tan shansha­ne­sis. Das war ein über 30 Meter lan­ger Lang­hals­di­no­sau­ri­er, der vor unge­fähr 160 Mil­lio­nen im heu­ti­gen Chi­na leb­te. Ich habe das ers­te und ein­zi­ge Exem­plar davon zusam­men mit mei­nem dama­li­gen Gra­bungs­team 2009 ent­deckt und meh­re­re Mona­te lang ausgegraben.

Palä­on­to­lo­gie, die Wis­sen­schaft von aus­ge­stor­be­nen Lebe­we­sen und Lebe­wel­ten, wird seit etwa 200 Jah­ren betrie­ben. Konn­te sie sich mitt­ler­wei­le zum Bei­spiel über die Jura­zeit und ihre Lebe­we­sen ein mehr oder weni­ger voll­stän­di­ges Bild machen oder muss man sich zwangs­läu­fig damit zufrie­den­ge­ben, höchs­tens Bruch­tei­le des dama­li­gen Lebens ent­de­cken zu können?

Oli­ver Wings: Nie­mals wird alles gefun­den wer­den. Allein die Jura­zeit dau­ert etwa 56 Mil­lio­nen Jah­re mit ent­spre­chend vie­len Gene­ra­tio­nen von Tie­ren und Pflan­zen. Und wenn es nur ab und zu ein­mal eini­ge Lebe­we­sen schaff­ten, als Fos­si­li­en erhal­ten zu blei­ben – kann man die Viel­falt nie erschöp­fend ent­de­cken. Aber das heißt auch, dass man als Palä­on­to­lo­ge immer etwas zu hat, auch noch in wei­te­ren 200 Jah­ren. Die Chan­ce aller­dings, etwas kom­plett Neu­es oder Über­ra­schen­des zu fin­den, wird mit jedem Neu­fund ein wenig klei­ner. Aber so weit sind wir nach knapp 200 Jah­ren palä­on­to­lo­gi­scher For­schung auch noch lan­ge nicht. Wat­ten­dorf ist ein sehr gutes Bei­spiel dafür. Gera­de ein­mal 20 Jah­re bekannt, gab es so einen Fund­ort aus die­ser Zeit in Deutsch­land vor­her noch nicht und sehr vie­le Arten, die wir dort gefun­den haben und fin­den, sind neu. Welt­weit wird der­zeit allein bei den Dino­sau­ri­ern fast wöchent­lich eine wei­te­re neue Art beschrie­ben und man­che davon kom­men aus Bayern.

Gibt es Din­ge, die man von der Zeit von vor 150 Mil­lio­nen Jah­ren über die Gegen­wart ler­nen kann?

Oli­ver Wings: Ich fin­de, Palä­on­to­lo­gie ist momen­tan eine der wich­tigs­ten Wis­sen­schaf­ten. Das liegt dar­an, dass wir als ein­zi­ge Dis­zi­plin dar­auf zurück­schau­en, was in der Ver­gan­gen­heit mit Öko­sys­te­men pas­siert ist. So kön­nen wir zum Bei­spiel ler­nen, was die Aus­lö­ser waren für Umwelt­ver­än­de­run­gen, Umwelt­ka­ta­stro­phen und das Arten­ster­ben. Sol­che Erkennt­nis­se kön­nen wir dann auf die Gegen­wart übertragen.

Mit wel­chem Ergebnis?

Oli­ver Wings: Wir kön­nen Pro­gno­sen erstel­len und die Rele­vanz bestimm­ter Bio­sphä­ren­pro­zes­se ein­ord­nen. Umwelt und Leben ändern sich und haben sich ent­spre­chend geän­dert. Auch Kli­ma­än­de­run­gen wie die der­zei­ti­ge Erd­er­wär­mung, auf die wir übri­gens auch in unse­rer Son­der­aus­stel­lung „Ver­stei­ner­tes Wet­ter“ hin­wei­sen, gab es schon immer in der Erd­ge­schich­te, aber noch nie in der heu­ti­gen Geschwin­dig­keit. Da exis­tiert ein gro­ßer zeit­ge­schicht­li­cher Zusam­men­hang, der nicht nur von der Bio­lo­gie erforscht, son­dern von der Palä­on­to­lo­gie zusätz­lich in den rich­ti­gen Rah­men gerückt wird. Wir kön­nen zei­gen, dass es bis­her fünf gro­ße Mas­sen­aus­ster­ben in der Erd­ge­schich­te gab, zum Bei­spiel das der Dino­sau­ri­er vor 65 Mil­lio­nen Jah­ren. Auch wis­sen wir oder kön­nen es zumin­dest ver­mu­ten, was die Grün­de waren. Ich den­ke, wir befin­den uns bereits im sechs­ten Mas­sen­aus­ster­ben, vor allem von Insek­ten und Vögeln. Der heu­ti­ge Grund dafür ist aller­dings ganz klar. Es gibt zu vie­le Men­schen mit zu gro­ßem Res­sour­cen­ver­brauch und zu viel Verschmutzung.

Wie lief Ihr ers­tes Jahr als Lei­ter der Muse­ums in der Publikumsgunst?

Oli­ver Wings: Ziem­lich gut muss ich sagen. Das Muse­um ist schon ein tou­ris­ti­sches High­light in Bam­berg. In den meis­ten Jah­ren besu­chen etwa 20.000 Leu­te das Muse­um. Das hat­ten wir 2023 bereits im August geschafft.

Wodurch?

Oli­ver Wings: Die Aus­stel­lung „So viel mehr als nur T. rex“, in der wir Anfang des Jah­res palä­on­to­lo­gi­sche Illus­tra­tio­nen von Joschua Knüp­pe zeig­ten, hat viel Publi­kum ange­zo­gen, der neue Flug­sauri­er Bal­ae­no­gnathus maeu­se­ri genau­so – und dann kam jetzt im Som­mer noch schlech­tes Wet­ter hin­zu. Lang­fris­tig wür­de ich mir eigent­lich sogar wün­schen, die Besu­cher­zah­len zu ver­dop­peln. Ich den­ke, das ist in Bam­berg realistisch.

Wie soll das gelingen?

Oli­ver Wings: Wir müs­sen mit unse­ren Fun­den wuchern, wie es so schön heißt. Wir müs­sen den Vogel­saal wei­ter pro­mo­ten und auch die Dau­er­aus­stel­lun­gen stär­ker beto­nen. Der­zeit sanie­ren wir unse­ren Aus­stel­lungs­raum im Erd­ge­schoss. Ich hof­fe, dass wir spä­tes­tens Anfang nächs­ten Jah­res begin­nen kön­nen, den Raum zu fül­len. Unse­re fan­tas­tischs­ten Fun­de aus Wat­ten­dorf kom­men hin­ein, eine meh­re­re Qua­drat­me­ter gro­ße Stein­plat­te mit Ammo­ni­ten wird gera­de prä­pa­riert, und wenn es gut läuft und wir die Finan­zie­rung zusam­men­be­kom­men, zei­gen wir dort auch das ers­te Dino­ske­lett in Bam­berg: einen Euro­pa­sau­rus. Das ist ein sehr klei­ner Lang­hals­di­no­sau­ri­er aus Nie­der­sach­sen, der genau­so alt ist wie die Wat­ten­dor­fer Fos­si­li­en. Wer sich mit Spen­den am Erwerb des ers­ten Bam­ber­ger Dinos betei­li­gen möch­te, kann sich ger­ne bei mir melden.