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Musik

Inter­na­tio­na­le Popgrößen

35 Jah­re Erasure

Im ver­gan­ge­nen Jahr konn­te das Syn­thie-Pop-Duo Era­su­re das 35-jäh­ri­ge Band­be­stehen fei­ern. Zusam­men haben Sän­ger Andy Bell und Musi­ker Vin­ce Clar­ke mehr als 40 Hit­sin­gles ver­öf­fent­licht und welt­weit über 25 Mil­lio­nen Alben ver­kauft. Andy Bell stand uns für ein Inter­view zur Verfügung.

Mit „The Neon“ ver­öf­fent­lich­te Era­su­re im ver­gan­ge­nen Jahr sein ins­ge­samt 18. Stu­dio­al­bum – auf Vinyl, CD und sogar Kas­set­te. Nach wie vor bürgt das Duo für musi­ka­li­sche Güte und ver­steht noch immer, wor­um es im Elek­tro­nik-Pop geht. Mit dem Lon­do­ner Andy Bell (im Foto rechts), des­sen Wahl­hei­mat Miami ist, haben wir auf die Band­ge­schich­te zurückgeblickt.

Vin­ce Clar­ke war Grün­dungs­mit­glied von Depe­che Mode, ver­ließ sie 1981 und war dann zusam­men mit Sän­ge­rin Ali­son Moy­et bis 1983 als Yazoo erfolg­reich. Danach folg­ten wei­te­re Pro­jek­te, ehe er sich Ihnen anschloss. Erin­nern Sie sich noch an die Grün­dung von Era­su­re und wie alles ange­fan­gen hat?

Andy Bell: Selbst­ver­ständ­lich. Ich leb­te in einer Gay-WG, hat­te ers­te musi­ka­li­sche Erfah­run­gen in Lon­don gesam­melt. Abba, Blon­die, Human League, Selec­ter, Yazoo – mein Musik­ge­schmack war damals sehr viel­fäl­tig. Über eine Anzei­ge im Melo­dy Maker such­te Vin­ce einen Sän­ger, nann­te sich in der Anzei­ge aber nicht. Erst als ich mich bewarb, wur­de mir am Tele­fon gesagt, dass er es ist, der jeman­den sucht. Ich sang dann vor und weni­ge Tage spä­ter bekam ich das OK, ich ent­sprach genau sei­nen Vor­stel­lun­gen. Vin­ce hat­te noch mit The Assem­bly zu tun, gab mir aber einen groß­zü­gi­gen Vor­schuss, damit ich nicht irgend­wo anders anheu­er­te.

Vor allem Ihre Live-Shows sind bis heu­te spek­ta­ku­lär, die Erfol­ge lie­ßen nicht lan­ge auf sich war­ten. Die Che­mie zwi­schen Ihnen scheint also nach wie vor zu stimmen.

Andy Bell: Es ist in der Tat so etwas wie Lie­be zwi­schen uns. Eine Art größt­mög­li­cher Empa­thie, die uns bis heu­te nicht anein­an­der zwei­feln lässt, ange­fan­gen bei unse­rem Debüt „Won­der­land“ von 1986, der einen Abba-Boom aus­lö­sen­den „Abba-esque-EP“ aus dem Jahr 1992, über Kri­sen und Come­backs bis hin zu „World be gone“ mit dem wir 2017 nach 24 Jah­ren wie­der die UK Top Ten-Charts erreich­ten.

2018 wur­de zwi­schen­zeit­lich „World bey­ond“ ver­öf­fent­licht. Was hat es damit auf sich?

Andy Bell: Es ist qua­si eine Neu­ein­spie­lung von „World be gone“ in einem post-klas­si­schen Gewand. Wir haben es in Brüs­sel mit den sie­ben Musi­kern des Echo Collec­ti­ves ein­ge­spielt und damit den ers­ten Platz der Bill­board-Clas­si­cal Charts erreicht.

Vin­ce lebt mit sei­ner Ehe­frau in New York, Sie mit Ihrem Ehe­mann in Lon­don und Miami. Jeder geht eige­nen Pro­jek­ten nach, Sie zuletzt unter ande­rem mit Thea­ter­ar­beit. Dane­ben kann PETA auf Ihre Unter­stüt­zung zäh­len, eben­so die AIDS-Hil­fe und die LGBT-Bewe­gung. Ist da über­haupt noch Zeit für Erasure?

Andy Bell: Ich bin seit 1998 HIV-posi­tiv und habe mich bereits 2004 geoutet. Unse­re Erfol­ge mit Era­su­re haben es mir ermög­licht, mich in vie­ler­lei Hin­sicht aktiv zu enga­gie­ren und an gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen, vor allem im Hin­blick auf die LGBT-Com­mu­ni­ty, mit­zu­wir­ken. Was Era­su­re betrifft sind wir trotz­dem immer im Aus­tausch, Syn­thie-Pop wird uns immer ver­bin­den. Für „The Neon“ gab es kei­nen exak­ten Plan. Vin­ce hat­te 2019 ers­te Tracks in sei­nem mit Syn­the­si­zern voll­ge­pack­ten Stu­dio vor­be­rei­tet, ich ihn dort für eini­ge Zeit besucht. Wir impro­vi­sier­ten Melo­dien und Tex­te und es zeich­ne­te sich schnell ab, dass die neu­en Stü­cke für „The Neon“ mehr radio­taug­li­che Uptem­po-Num­mern mit catchy Har­mo­nien wer­den und zur Ver­öf­fent­li­chung tau­gen.

Ins­ge­samt sind es dann zehn Stü­cke zwi­schen „Hey now (think I got a fee­ling)“ bis hin zu „Kid you´re not alo­ne“ gewor­den. Man kann zwei­fels­frei hören, dass Sie sich mit allen Titeln iden­ti­fi­zie­ren und bei den Auf­nah­men spi­ri­tu­ell mit sich selbst im Rei­nen waren. Wie und wo haben Sie das Album dann fertiggestellt?

Andy Bell: Wir haben ver­sucht, den Stü­cken die­ses nost­al­gi­sche 1980er Jah­re-Fee­ling zu geben, mit dem wir uns nach wie vor iden­ti­fi­zie­ren. Und gleich der Ope­ner, die ers­te Sin­gle ver­sprüht die­se Krea­ti­vi­tät und Begeis­te­rung, die sich mit Stü­cken wie „Shot a satel­li­te“ oder „Tower of love“ fort­setzt. Beson­de­re Bedeu­tung haben für mich der Titel „Dia­mond lies“ und „Ner­ves of steel“, die ich mei­nem Ehe­mann gewid­met habe. Alle Vocals habe ich final in einem ana­lo­gen Stu­dio in Atlanta/​USA ein­ge­sun­gen. Das Album strahlt die­se Spi­ri­tua­li­tät aus, die Ver­gan­gen­heit mit Gegen­wart und Zukunft ver­bin­det und mehr als alles ande­re für Era­su­re steht.

Neon ist ein che­mi­sches Ele­ment, ein Edel­gas, das durch Gas­ent­la­dun­gen Röh­ren zum Leuch­ten bringt und bis heu­te für viel­fäl­ti­ge Neon­re­kla­me ver­wen­det wird. Seit den 1960er fin­det es auch in der Kunst Ver­wen­dung. Wel­che Bedeu­tung hat ent­spre­chend der Albumtitel?

Andy Bell: Neon hat mich schon als Kind fas­zi­niert. Old fashio­ned, aber still modern. Im Lon­do­ner Stadt­vier­tel Walt­ham­s­tow gibt es das soge­nann­te „God´s own jun­ky­ard“, Euro­pas größ­tes Neon-Muse­um für Schil­der und Objek­te, ein fan­tas­ti­scher Ort. Er hat mich zum Album­ti­tel inspi­riert und dort wur­den dann auch die aktu­el­len Cover-Shoo­tings gemacht.

Syn­the­si­zer-Pop hat auch in Deutsch­land eine lan­ge Tra­di­ti­on. Acts wie Alpha­ville oder Camou­fla­ge kennt man welt­weit. Neue Grup­pen wie Sea Of Sin oder St Geor­ge bele­ben die Sze­ne. Ver­fol­gen Sie auch inter­na­tio­nal, was in die­sem Gen­re passiert?

Andy Bell: Immer noch, vor allem, wenn ich im Urlaub bin und Zeit habe, mich vor Ort damit zu beschäf­ti­gen, so wie in den 1980er Jah­ren, als ich eini­ge Zeit in Ber­lin gelebt habe. Als Samm­ler heu­te weni­ger, mei­ne Vinyl- und CD-Samm­lung habe ich aus Platz­grün­den in einer Lager­ein­rich­tung unter­ge­bracht und beschrän­ke mich musi­ka­lisch auf mobi­le End­ge­rä­te.

„The Neon“ wur­de sogar als Kas­set­te ver­öf­fent­licht. Wegen der alten Zeiten?

Andy Bell: Nein, Kas­set­ten sind ein­fach wie­der ange­sagt, es ist ein Trend. Und den bedient unser Label damit.

Musik-Neu­erschei­nung

Toi et Moi: N’al­lu­me pas le feu

Heu­te prä­sen­tie­ren wir wie­der eine neu­erschie­ne­ne Plat­te: „N’al­lu­me pas le feu” von Toi et Moi.

Nou­vel­le Chan­son de Colo­gne. „N´allume pas le feu“ ist bereits das vier­te Album des Krea­tiv-Duos Julia Klom­fass und des Deutsch-Fran­zo­sen Rapha­el Han­sen. Für die Ver­öf­fent­li­chung der ins­ge­samt elf Stü­cke zwi­schen „Suzy, Car­la, Babet­te“ und „L´espoir de se revoir“ ver­bin­den sie fran­zö­sisch­spra­chi­ge Chan­sons sti­lis­tisch mit dem Gen­re Singer/​Songwriter und haben dafür bei GMO (unter ande­rem Jen­ny & The Mexi­cats) einen kon­ge­nia­len Part­ner gefun­den. Bei­de kom­po­nie­ren und sin­gen, spie­len die unter­schied­lichs­ten Instru­men­te und tre­ten live als Duo, als Quar­tett und sogar mit Strei­ch­ensem­ble auf. Ihre Lie­der sind vol­ler Emo­tio­nen und Lebens­freu­de und machen auch in schwie­ri­gen Zei­ten Mut. Dank die­ser posi­ti­ven Grund­hal­tung konn­ten sich Toi et Moi in den letz­ten Jah­ren über ihre Hei­mat­stadt Köln hin­aus eine bemer­kens­wer­te Fan­ge­mein­de auf­bau­en. Und ihre Zusam­men­ar­beit mit Slam-Poet Juli­us Esser belegt, dass Toi et Moi auch genera­ti­ons­über­grei­fend funk­tio­nie­ren. Wit­zig, kri­tisch, frech, fröh­lich, sen­ti­men­tal und melan­cho­lisch, die Band­brei­te des Köl­ner Duos über­zeugt auf „N’al­lu­me pas le feu“ nachhaltig.

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Axel Fló­vent: You Stay By The Sea

Zum Start ins neue Jahr prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Wei­ter geht es heu­te mit „You Stay By The Sea” von Axel Flóvent.

Ursprüng­lich stammt der Solo­künst­ler Axel Fló­vent aus dem Nor­den Islands und lebt heu­te nach Umwe­gen über Ams­ter­dam und Bris­tol in der islän­di­schen Haupt­stadt Reykja­vik. Dort hat er zusam­men mit Pro­du­zent Ian Grim­ble (The 1975, Mum­ford & Sons) sein Debüt­al­bum „You stay by the sea“ ein­ge­spielt. Zwi­schen „Tonight“ und „You stay by the sea“ prä­sen­tiert Axel Fló­vent über die 12 Titel hin­weg einen anspruchs­vol­len Mix aus Akus­tik­gi­tar­re, Pia­no und elek­tri­schen Sounds, zu dem auch Blas­in­stru­men­te gehö­ren. Sei­ne poe­ti­schen, von fröh­lich bis melan­cho­lisch ange­hauch­ten Tex­te, brin­gen sei­ne Hei­mat­ver­bun­den­heit zum Aus­druck und las­sen auf­hor­chen. Braucht es Anspiel­tipps, so liegt man mit den Titeln „Tou­rist“ (als Sin­gle aus­ge­kop­pelt), „Fire­workks“ und „Dri­ving hours“ genau rich­tig. Fló­vent scheint in Reykja­vik und mit dem Album ange­kom­men. „Es wäre wun­der­schön, wenn mei­ne Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer das füh­len. Ich habe gelernt, dass es nichts Wich­ti­ge­res als das Zuhau­se, die Freun­de und die Fami­lie gibt“, sagt er.

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Catt: Why, why

Zum Start ins neue Jahr prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Heu­te geht es wei­ter mit „Why, why” von Catt.

Mit den ins­ge­samt 12 eng­lisch­spra­chi­gen Stü­cken zwi­schen „Again“ und „How can I beco­me“ debü­tiert die Sän­ge­rin und Song­wri­te­rin CATT auf Alb­um­län­ge. Das Ergeb­nis hat sie im Allein­gang in Ham­burg ein­ge­spielt, ver­öf­fent­licht wur­de es auf dem Ber­li­ner Indie-Label Lis­ten­re­cords. Die 25-jäh­ri­ge Mul­ti­in­stru­men­ta­lis­tin ist Musi­ke­rin durch und durch. Als Sti­pen­dia­tin der Roger Wil­lem­sen Stif­tung hat Catha­ri­na Schor­ling ihr Kön­nen bereits unter Beweis gestellt und war unter ande­rem mit Sarah Con­nor und Judith Holo­fer­nes auf Tour­nee. Ihr klas­si­scher Back­ground und ein Stu­di­um der Musik­pro­duk­ti­on sor­gen für die fun­dier­te Basis ihrer erfolg­rei­chen Kar­rie­re. Was am Pia­no sei­nen Anfang nahm, funk­tio­niert mitt­ler­wei­le auch im Band­kon­text zwi­schen Pop und Elek­tro­nik. Mit „Cur­ve a line“ und „Wil­low tree“ lie­fert CATT zudem fein­sin­ni­ge Anspiel­tipps, zu denen pas­sen­de Video­clips gedreht wur­den. Nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass sie auch in text­li­cher Hin­sicht über­zeugt. CATT über­rascht, berührt und es bleibt das, was in die­ser Zeit wich­ti­ger nicht sein könn­te: Hoffnung.

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Ayom: Ayom

Zum Start ins neue Jahr prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Den Auf­takt macht heu­te Ayom.

Hin­ter AYOM ver­ber­gen sich Ex-Mit­glie­der der Band For­ró Miór und die bra­si­lia­ni­sche Sän­ge­rin, Song­wri­te­rin und Per­cus­sio­nis­tin Jabu Mora­les, die alle in Bar­ce­lo­na auf­ein­an­der­tra­fen. Zusam­men haben sie in Por­tu­gal die ins­ge­samt elf Titel für das Debüt­al­bum „Ayom“ ein­ge­spielt. Dar­auf ver­bin­den sie tra­di­tio­nel­le bra­si­lia­ni­sche Rhyth­men mit Afro- und Latin-Pop und musi­ka­li­schen Ein­flüs­sen der Mit­tel­meer­re­gi­on. Dabei wird Sän­ge­rin Jabu von Gitar­ren, Zabum­ba, Per­kus­si­on, Tuba, Föte und Tri­an­gel beglei­tet. Ein mul­ti­kul­tu­rel­les, hoch­wer­ti­ges Sound-Kon­zept, dem auch die sprach­li­che Umset­zung auf Fran­zö­sisch. Kreo­lisch, Spa­nisch, Yoru­ba, Kim­bun­du und bra­si­lia­ni­schem Por­tu­gie­sisch nicht nach­steht. Bei allen Stü­cken spielt zudem das Akkor­de­on des Ita­lie­ners Alber­to Becuc­ci eine tra­gen­de Rol­le. Das Sex­tett hat sich so inner­halb der Welt­mu­sik-Sze­ne rasch eta­bliert. Und den musi­ka­li­schen Opti­mis­mus, den ihr som­mer­li­cher Musik-Cock­tail ver­brei­tet, kann man in die­sen Zei­ten durch­aus gebrauchen.

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Kon­stan­tin Wecker: Jeder Augen­blick ist ewig

Für die stil­len Tage prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Zum Abschluss gibt es heu­te Kon­stan­tin Wecker mit Jeder Augen­blick ist ewig.

Im Mai ver­öf­fent­lich­te der Münch­ner Lie­der­ma­cher, Kom­po­nist, Autor und Schau­spie­ler Kon­stan­tin Wecker mit Fany Kam­mer­lan­der und Jo Barnikel das Live-Album „Poe­sie in stür­mi­schen Zei­ten“. Ein hal­bes Jahr spä­ter legt das Mul­ti­ta­lent nach. Für das im Thea­ter im Park in Wien auf­ge­nom­me­ne Live-Dop­pel­al­bum „Jeder Augen­blick ist ewig“ hat er sich Dör­te Lys­sew­ski (Schau­spie­le­rin am Wie­ner Burg­thea­ter) und Micha­el Dangl (Schau­spie­ler am Thea­ter in der Josef­stadt) als Gäs­te ein­ge­la­den. Zusam­men prä­sen­tie­ren sie ins­ge­samt 54 (!) Stü­cke. Ein poe­ti­sches, aber durch­aus nicht unpo­li­ti­sches Pro­gramm.
Zwi­schen „Begrü­ßung“ über „Ich wer­de dich zum Abend­essen essen“ und „Ich Flie­ge übers Ach-ich-kann-nicht-Meer“ bis hin zu „Jeder Augen­blick ist ewig“ bie­tet das Album einen Streif­zug durch das Schaf­fen des baye­ri­schen Künst­lers. Es fin­den sich Lyrik, Pro­sa und Lie­der von sei­nen Anfän­gen Ende der 1960-er Jah­re bis zur Gegen­wart auf dem Dop­pel-Ton­trä­ger. Ins­ge­samt ein inten­si­ves, sprach- und musik­ge­wal­ti­ges Kon­zert­er­leb­nis trotz Coro­na-beding­ter Einschränkungen.

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Star Femi­ni­ne Band: Star Femi­ni­ne Band

Für die stil­len Tage prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Heu­te geht es wei­ter mit der Star Femi­ni­ne Band.

Das fran­zö­sisch­spra­chi­ge Land Benin in West­afri­ka ist hier­zu­lan­de bis auf Angé­li­que Kid­jo musi­ka­lisch bis­her kaum in Erschei­nung getre­ten. Das könn­te sich durch die Star Femi­ni­ne Band ändern. Die sie­ben­köp­fi­ge Grup­pe jun­ger Frau­en wur­de von Musi­ker André Bale­gue­mon gegrün­det, der zunächst kos­ten­lo­se Musik­stun­den in der Stadt Nati­t­in­gou anbot. Sei­ne Schü­le­rin­nen hat­ten zum Teil Instru­men­te wie ein Key­board noch nie gese­hen. Aber nach den ers­ten viel­ver­spre­chen­den Pro­ben wur­de rasch eine fes­te Band­be­set­zung gefun­den, die auf ihrem Debüt­al­bum vol­ler Ener­gie Pop, Rock und tra­di­tio­nel­le Musik ihrer Hei­mat mischt.
Mit den acht Titeln, dar­un­ter dem hit­ver­däch­ti­gen „Femme afri­cai­ne“, ver­su­chen die Band­mit­glie­der, der Stel­lung der Frau in der afri­ka­ni­schen Gesell­schaft mehr Bedeu­tung zu ver­schaf­fen. Vor allem singt die Star Femi­ni­ne Band in loka­len Spra­chen des Benin. Über den fran­zö­si­schen Ton­in­ge­nieur wur­de die Album-Ver­öf­fent­li­chung ange­scho­ben. Es bleibt zu hof­fen, dass die afri­ka­ni­sche Pro­vinz durch die All Girl-Band lang­fris­tig an Bedeu­tung gewinnt.

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Ina Mül­ler: 55

Für die stil­len Tage prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Wei­ter geht es heu­te mit 55 von Ina Müller

Ein Jahr nach­dem Ina Mül­ler den Deut­schen Fern­seh­preis für ihre Sen­dung „Inas Nacht“ gewon­nen hat, prä­sen­tiert sie mit „55“ (ange­lehnt an ihr Alter) ein neu­es Album. Die Sän­ge­rin und Enter­tai­ne­rin aus Ham­burg prä­sen­tiert dar­auf 12 deutsch­spra­chi­ge, facet­ten­rei­che Titel. Selbst­be­wusst nimmt sie ihre Höre­rIn­nen mit auf eine Ach­ter­bahn­fahrt der Gefüh­le, zwi­schen laut und leise.

Mit den bereits aus­ge­kop­pel­ten Stü­cken „Woh­nung gucken“ und „Wenn der lie­be Gott will“ gibt es schon ein­gän­gi­ge Hits zu hören, die über die, wie sie sagen wür­de, „Mül­ler­sche Drei­fal­tig­keit: Sin­gen, Sab­beln, Sau­fen“ hin­aus­ge­hen. Auch den rest­li­chen Titeln gelingt das Kunst­stück, unver­braucht, fast kind­lich ver­spielt und dabei wei­se und reso­lut zu klin­gen. Ins­ge­samt zeit­lo­ser deutsch­spra­chi­ger Pop, mit des­sen Musik und Tex­ten sich nicht nur die Künst­le­rin sel­ber iden­ti­fi­zie­ren kann. Nur scha­de, dass zwi­schen Album-Ver­öf­fent­li­chung und Live-Prä­sen­ta­ti­on mehr als ein Jahr ver­ge­hen wird.

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Flie­der­kind: Schlotterschaum

Für die stil­len Tage prä­sen­tie­ren wir Ihnen eine Aus­wahl an neu­erschie­ne­nen Plat­ten. Den Anfang macht Schlot­ter­schaum von Fliederkind. 

Hin­ter Flie­der­kind ver­birgt sich das Duo Egbert Schark (Jahr­gang 1966) und Maxi­mi­li­an Schä­fer (1967), die in Wies­ba­den und Ham­burg woh­nen, aber zusam­men elek­tro­ni­sche (Orchester-)Musik machen. Im Gegen­satz zum Debüt „Zeit­ge­stalt“ von 2019 sind die neun neu­en Stü­cke wie „Ich sehe nicht, was du hier siehst“ deut­lich posi­ti­ver und tanz­ba­rer gewor­den. Die bei­den Musi­ker, die sich seit fast 50 Jah­ren ken­nen, sind zudem stu­dier­te Phy­si­ker, deren Musik oft an Syn­the­si­zer-Pop der 1980er Jah­re erin­nert. Dies liegt an der Ver­wen­dung von PPG Wave-Instru­men­ten (halb digi­ta­le, halb ana­lo­ge Syn­the­si­zer), die in den 80ern auch bei Depe­che Mode oder Alpha­ville zum Ein­satz kamen. Um ihren Fans den Zugang zu den Lyrics zu erleich­tern, ver­öf­fent­li­chen Flie­der­kind auch ein Hör­buch, dass par­al­lel zum neu­en Album erscheint und die Geschich­ten zu den ein­zel­nen Songs bei­der Alben erklärt. Zum bereits ver­öf­fent­lich­ten „Es ist das Wir“ haben die bei­den Künst­ler auch ein Video gedreht.

Ver­an­stal­tungs­ma­na­ge­rin Gaby Heyder 

Das Jahr im Schnell­durch­lauf: 9 Fra­gen, 9 Antworten

Gaby Heyder führt seit 1984 gemein­sam mit Ihrem Ehe­mann Wolf­gang Heyder und Ulf Scha­back­er den Ver­an­stal­tungs­ser­vice Bam­berg. Ihre Fir­ma ist in einem Bereich tätig, der durch die Coro­na-Pan­de­mie in Sachen Berufs­aus­übung lahm­ge­legt ist wie nur ganz weni­ge wei­te­re. Kurz vor dem Jah­res­en­de las­sen wir Frau Heyder auf 2020 zurück­bli­cken und einen Aus­blick in das kom­men­de Jahr wagen.
Frau Heyder, das Jahr 2020 war geprägt von der Coro­na-Pan­de­mie. Wenn sie so kurz vor dem Jah­res­wech­sel zurück­bli­cken: Was neh­men Sie als Fazit aus die­sem Jahr mit?

Die Erkennt­nis, dass es Ereig­nis­se gibt, an die man sein Leben lang nie geglaubt hät­te, dass sie ein­tre­ten kön­nen und qua­si von heu­te auf mor­gen den kom­plet­ten lieb­ge­won­ne­nen Tages-/Mo­nats-/Jah­res­rhyth­mus ad absur­dum füh­ren.
Aber auch die Erkennt­nis, dass wir als Min­der­heit in einer unge­wöhn­li­chen Bran­che auch zu den weni­gen wirk­lich 100 % Betrof­fe­nen gehö­ren. Die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung wird zwar auch in mehr oder min­der gro­ßen Teil­be­rei­chen tan­giert, aber kann im Gro­ßen und Gan­zen ihren gewohn­ten Rhyth­mus bei­be­hal­ten. Wir lei­der gar nicht.

Was war das Schlimms­te für Sie an die­sem Jahr?

Beruf­lich gese­hen: die Hilf­lo­sig­keit gegen­über dem Virus und den dar­aus resul­tie­ren­den Fol­gen und staat­li­chen Maß­nah­men, die ja in unse­rem Fall in einem Berufs­ver­bot mün­den, das nun inzwi­schen seit März qua­si durch­ge­hend besteht.
Beruf­lich und pri­vat gese­hen: die immer wie­der sug­ge­rier­te Hoff­nung, dass es dem­nächst „auf­wärts” geht, die dann in ent­spre­chen­de Akti­vi­tät umge­setzt wur­de (sei es, Ver­an­stal­tun­gen zu pla­nen oder pri­va­te Zie­le zu ver­wirk­li­chen) und die eben­so abrupt wie­der ver­bo­ten wurden.

Ande­rer­seits: Das Virus exis­tiert, Krank­heit und Tod sind trau­ri­ge Fol­gen, denen wir uns alle als Bevöl­ke­rung nicht ver­schlie­ßen dür­fen. Inso­fern müs­sen wir auch trotz aller per­sön­li­cher Betrof­fen­heit unse­ren Teil leisten.

Wenn Ihnen vor dem Lock­down im Früh­jahr gesagt wor­den wäre wie sich die Situa­ti­on zum Ende des Jah­res dar­stellt, wann und wie hät­ten Sie seit­dem anders gehan­delt als Sie es getan haben?

Wahr­schein­lich gar nicht. Da ich grund­sätz­lich ein posi­ti­ver Mensch bin und nicht so recht geglaubt hät­te, dass das tat­säch­lich alles Rea­li­tät gewor­den wäre. Im März beim ers­ten Lock­down habe ich noch den Som­mer geplant, im Herbst ein inten­si­ves Kul­tur­bo­den­pro­gramm und neue Shows für 21. Jetzt Ende des Jah­res ist wie­der alles abge­sagt oder ver­scho­ben und wir har­ren der Din­ge ab Neujahr.

Wenn Sie eine posi­ti­ve Sache aus die­sem Jahr her­aus­stel­len möch­ten, wel­che wäre das?

Die Soli­da­ri­tät unter den unmit­tel­bar Betrof­fe­nen – unse­ren Ange­stell­ten, unse­ren Dienst­leis­tern, unse­ren unmit­tel­ba­ren Part­nern, wie zum Bei­spiel der Stadt Hall­stadt. Das gegen­sei­ti­ge Auf­mun­tern und Unter­stüt­zen, soweit es mög­lich ist.

Auch Weih­nach­ten wird für die meis­ten Men­schen anders statt­fin­den als in den Jah­ren zuvor. Wie ver­brin­gen Sie das Fest?

Letzt­end­lich genau­so wie die Jah­re zuvor. In den letz­ten Jah­ren waren mein Mann und ich ein­fach froh, ein paar freie Tage nach den hek­ti­schen Mona­ten zu haben, in denen wir fast täg­lich irgend­wo auf Ver­an­stal­tun­gen unter­wegs waren. Heu­er sind wir zwar schon seit Mona­ten nur im Büro und daheim, aber den­noch tut Abschal­ten mit einem guten Buch oder Film durch­aus gut.

Auf­grund der Erfah­run­gen in die­sem Jahr: Wie ver­än­dert sich die pri­va­te Gaby Heyder und wie ihre Arbeits­wei­se für die Zukunft?

Ich hof­fe und den­ke nicht, dass ich mich ver­än­de­re. Wir schar­ren qua­si alle schon (wie­der) mit den Füßen, dass es in 21 ste­tig berg­auf geht und wir zumin­dest ab Som­mer wie­der „nor­mal” arbei­ten kön­nen, sprich Kon­zer­te zu ver­an­stal­ten. Wenn Sie mit ver­än­der­ter Arbeits­wei­se Zoom­kon­fe­ren­zen und home­of­fice mei­nen – no. Der per­sön­li­che Kon­takt mit Geschäfts­part­nern, Künst­lern, Publi­kum, selbst das (aktu­ell eher schwie­ri­ge) ein­fa­che Tele­fo­nat hat mir in den letz­ten Mona­ten am meis­ten gefehlt.

Was berei­tet Ihnen Sor­gen im Hin­blick auf das neue Jahr?

Die lei­der immer noch vor­herr­schen­de Unge­wis­sen­heit, wie sich alles wei­ter­ent­wi­ckelt. Das macht jeg­li­che sinn­vol­len Pla­nun­gen ein­fach zunich­te oder zumin­dest unsi­cher und hemmt uns wei­ter, trotz aller Krea­ti­vi­tät, die wir immer wie­der an den Tag legen. Aktu­el­les Bei­spiel – das Bam­ber­ger Lite­ra­tur­fes­ti­val Ende April/​Mai. Wir sind im Ver­kauf und hof­fen doch sehr, dass in den nächs­ten vier Mona­ten zumin­dest so viel pas­siert, dass in klei­nem Rah­men die Lesun­gen mög­lich sein wer­den – aber kei­ner kann uns das garan­tie­ren. Und das Schlimms­te wäre dann, wie­der alles abzusagen.

Wel­che Wün­sche haben Sie für das neue Jahr?

Kon­zer­te, Kon­zer­te, Kon­zer­te… Live und in Far­be.
Wir haben min­des­tens ein ver­lo­re­nes Jahr auf­zu­ho­len: wirt­schaft­lich – vor allem aber auch per­sön­lich und idea­lis­tisch. Packen wir es an und star­ten durch.

Was macht Ihnen Mut für das neue Jahr?

Ket­ze­risch gesagt: die Ver­spre­chun­gen des Staa­tes nicht, weder, was die immer wie­der pro­pa­gier­ten Unter­stüt­zun­gen betrifft noch das Ver­trau­en in das rich­ti­ge und sinn­vol­le Tun.

Aller­dings haben Wis­sen­schaft und Medi­zin mit der Ent­wick­lung des Impf­stof­fes in so kur­zer Zeit den­ke ich Erstaun­li­ches geleis­tet und den ein­zi­gen rich­ti­gen Weg im Umgang mit dem Virus für die Zukunft aufgezeigt.

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