Gewinn von 0,1 Millionen, Vermögen von 839 Millionen Euro
Erzbistum legt Haushalt 2023 und Finanzberichte 2021 vor
Das Erzbistum Bamberg hat die Finanzberichte für 2021 und den Haushalt für 2023 veröffentlicht. Dessen Jahresplanung liegt trotz sinkender Kirchensteuereinnahmen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
Für das Haushaltsjahr 2023 plant das Erzbistum Bamberg laut einer Mitteilung mit Gesamterträgen in Höhe von 233,5 Millionen Euro. Diesen stünden Gesamtaufwendungen von 233,4 Millionen Euro gegenüber. Somit würden die Finanzberichte ein Jahresergebnis von 0,1 Millionen Euro kalkulieren. Für das Jahr 2023 seien zudem Investitionen von 4,4 Millionen Euro vorgesehen, unter anderem im Diözesanmuseum, in den diözesanen Schulen und bei der EDV-Ausstattung.
Die Erträge setzten sich zum größten Teil mit 177,5 Millionen Euro (76,0 Prozent) aus Kirchensteuerzahlungen zusammen. Zudem sind 11 Millionen Euro (4,7 Prozent) Staatsleistungen einkalkuliert.
Auf der Aufwandsseite würden 98 Millionen Euro (42,0 Prozent) zur Finanzierung der unmittelbar beim Erzbistum angestellten Beschäftigten verwendet. Gewährte Zuschüsse und Zuweisungen schlagen mit 81,8 Millionen Euro (35,0 Prozent) zu Buche. Aufgrund gestiegener Energiekosten ist auch im Jahr 2023 Sonderbudget für die Pfarreien in Höhe von 2 Millionen Euro geplant.
Nach Aufgabenbereichen sind 96,3 Millionen Euro (41,3 Prozent) für die allgemeine und besondere Seelsorge vorgesehen. Für den Bereich Schule, Bildung, Wissenschaft und Kunst sind 42,3 Millionen Euro (19,4 Prozent) geplant, für soziale Dienste 24,8 Millionen Euro (10,6 Prozent).
Finanzdirektor Mathias Vetter erwartet für das Jahr 2023, dass die aufgrund der demographischen Entwicklung und der hohen Austrittszahlen sinkenden Kirchensteuereinnahmen noch durch die aus Tarifsteigerungen resultierenden Mehreinnahmen kompensiert werden. Die steigenden Personalkosten würden durch den Rückgang im Bereich des Personals und der Religionslehrkräfte ausgeglichen.
Mit Blick auf die knapper werdenden finanziellen und personellen Ressourcen hat sich die Bistumsleitung zum Ziel gesetzt, den kirchlichen und karitativen Auftrag zielgerichtet und mit sparsamen Mitteleinsatz zu erfüllen. Dazu gehören die Entwicklung von zukunftsfähigen Gebäude- und Raumkonzepten sowie überdiözesane Kooperationen. Ein im Jahr 2020 gestarteter Strukturprozess hat bereits zu zahlreichen konkreten Maßnahmen geführt, die in den nächsten Jahren konzentriert umgesetzt werden müssen.
Finanzberichte 2021
Auch die Jahresabschlüsse 2021 hat das Erzbistum veröffentlicht. Das Vermögen des Erzbistums, zu dem Finanzanlagen sowie für kirchliche und karitative Aufgaben genutzte Grundstücke und Gebäude gehören, beläuft sich auf 839 Millionen Euro. Hierzu zählen beispielsweise die Bildungshäuser in Vierzehnheiligen und das Jugendbildungshaus Am Knock in Teuschnitz, die Gebäude der diözesanen Schulen oder auch der Stadtkirche Nürnberg. Nach Berücksichtigung aller Verpflichtungen verbleibt ein Eigenkapital in Höhe von 575 Millionen Euro.
Der Erzbischöfliche Stuhl umfasst unverändert ein Vermögen von rund fünf Millionen Euro, das aus Gebäuden und Finanzanlagen besteht. Es steht für die Dienste und Aufgaben des Erzbischofs zur Verfügung.
Das Metropolitankapitel, das vor allem für die Domkirche verantwortlich ist, hat ein Vermögen von rund 14 Millionen Euro. Der größte Teil besteht aus Kunstgegenständen und historischen Büchern.
Das Vermögen der Emeritenanstalt, das der Versorgung der Geistlichen im Ruhestand dient, liegt bei 215 Millionen Euro und sichert die anstehenden Pensions- und Beihilfeverpflichtungen. Das Vermögen der Erzbischöflichen Ernestinischen Seminarstiftung beträgt 46 Millionen Euro; der größte Einzelwert ist das Bistumshaus St. Otto am Heinrichsdamm in Bamberg.
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Erzbistum Bamberg
Neue Mitglieder der Frauenkommission im Amt
Das Erzbistum Bamberg hat seine Frauenkommission mit acht Frauen neu konstituiert. Die Frauen kündigten umgehend an, kritische Impulse zu liefern.
Erzbischof emeritus Ludwig Schick überreichte zusammen mit Diözesanadministrator Herwig Gössl die Urkunden für die nächste Amtszeit der Frauenkommission an acht Frauen aus dem gesamten Erzbistum. Das hat das Erzbischöfliche Ordinariat mitgeteilt.
„Die Frauenkommission ist für den Erzbischof und die Gesamtleitung der Erzdiözese sehr wichtig“, sagte der emeritierte Erzbischof. „Sie bringt die Perspektive von Frauen in die Debatten und Entscheidungen des Bistums ein.“
Das ehrenamtliche Gremium der Frauenkommission besteht aus Anja Pöhlmann, Elvira Werner, Sophia Tittel, Margot Burger, Beatrix Forster, Schwester Philippa Haase OFM, Carmen Brendel und Monika Meinke. Letztere war auch in der letzten Amtsperiode schon Mitglied der Kommission.
Bei der ersten Sitzung seien auch kontroverse Themen, wie die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen, die Einbeziehung von Frauen bei der Findung eines neuen Erzbischofs und die Einführung eines Synodalen Rates, besprochen worden.
Die Frauen kündigten unterdessen an, kritische Impulse zu liefern und ihre Standpunkte deutlich zu machen. „Wir sollten uns sichtbar machen als katholische Frauen und fordern, dass wir sichtbar werden“, sagte Beatrix Forster. Margot Burger ergänzte: „Ich wünsche mir, dass etwas vorwärtsgeht und habe auch den Eindruck, dass die Herren zumindest sehr aufmerksam zugehört haben.“
Die Frauenkommission existiert seit 2005
In der aktuellen Phase des unbesetzten Bischofsstuhls kann die Frauenkommission regulär weiterarbeiten. Der Diözesanadministrator Weihbischof Herwig Gössl wird die Kommission weiterführen und sie an den kommenden Bischof übergeben. Jährlich finden zwei Sitzungen der Frauenkommission statt, an denen der Erzbischof von Bamberg teilnimmt. Diesen geht jeweils
ein Klausurtag zur Vorbereitung voraus. Darüber hinaus finden bei aktuellem Anlass Sondersitzungen oder Arbeitsgruppen statt.
Das ehrenamtliche Gremium existiert seit 2005 und wird alle vier Jahre neu besetzt. Es besteht aus acht Frauen aus dem ganzen Erzbistum, die sich möglichst in unterschiedlichen Lebensphasen befinden und in unterschiedlichen Berufsfeldern arbeiten. Die kommende Amtszeit läuft von Herbst 2022 bis 2026. Die Frauenkommission arbeitet zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Erzdiözese Bamberg, Astrid Franssen.
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Rücktritt Erzbischof Schick
Weihbischof Herwig Gössl zum Administrator im Erzbistum gewählt
Nach dem Rücktritt des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick hat das Metropolitankapitel Weihbischof Herwig Gössl zum Diözesanadministrator gewählt. Er leitet das Erzbistum solange, bis Papst Franziskus einen neuen Erzbischof ernannt hat.
Am 1. November legte Erzbischof Ludwig Schick nach 20 Jahren sein Amt überraschend nieder. Mit seinem Rücktritt wolle Schick bevorstehenden wichtigen Entscheidungen im Erzbistum Bamberg einem jüngeren Nachfolger überlassen. Gestern gab das Erzbistum bekannt, Weihbischof Herwig Gössl zum Diözesanadministrator gewählt zu haben. Bis Papst Franziskus einen neuen Erzbischof ernennt, leitet Gössl das Erzbistum. Zu seinem ständigem Stellvertreter wurde der bisherige Generalvikar Prälat Georg Kestel ernannt. Dessen Vertreter ist ab sofort Domkapitular Heinrich Hohl.
Herwig Gössl übernimmt das Amt in für das Bamberger Erzbistum unangenehmen Zeiten. Er wurde 1967 in München geboren und wuchs in Nürnberg auf. 1993 erhielt er seine Priesterweihe. Nach vierjähriger Kaplanszeit in Bayreuth St. Hedwig wurde er Pfarrer in Hannberg und Weisendorf im Dekanat Erlangen.
2007 berief ihn Erzbischof Schick zum Subregens am Bamberger Priesterseminar. Seit 2014 ist er Weihbischof und Dompropst. 2022 übernahm er zudem die Leitung der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat.
Georg Kestel kam 1955 im Landkreis Kronach auf die Welt und ist seit 1983 Priester. Nach der Kaplanszeit in Bad Windsheim und Staffelstein und nach seiner Zeit als Dekanatsjugendseelsorger in Neustadt a. d. Aisch und Lichtenfels war er ab 1987 als Militärgeistlicher freigestellt. Zuletzt war er Militärdekan im Katholischen Militärbischofsamt in Berlin. 2006 berief ihn Erzbischof Schick zum Generalvikar. Dieses Amt verlor er automatisch mit dem Rücktritt des Erzbischofs.
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Papst Franziskus nimmt Amtsverzicht an
Ludwig Schick legt Amt als Erzbischof nieder
Bambergs Erzbischof Ludwig Schick legt nach 20 Jahren sein Amt nieder, wie das Erzbistum Bamberg heute bekanntgab. Papst Franziskus habe am Allerheiligentag der Bitte Ludwig Schicks entsprochen, ihn vom Amt zu entpflichten.
Ludwig Schick betonte, er lege „dankbar und zuversichtlich“ wichtige Entscheidungen und Weichenstellungen in die Hände eines Nachfolgers.
Die Entscheidung wurde am Dienstag zeitgleich in Rom und in Bamberg verkündet. Mit seinem Rücktritt wolle Schick die bevorstehenden wichtigen Entscheidungen und Weichenstellungen im Erzbistum einem jüngeren Nachfolger überlassen. „Vernunft und Verantwortung“ hätten ihn bereits im ersten Quartal des Jahres zu dieser Überzeugung kommen lassen. In einer Privataudienz im April habe er deshalb dem Papst seinen Rücktritt angeboten, schreibt Schick, der im September 73 Jahre alt geworden ist, in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an die Menschen im Erzbistum Bamberg.
Seine Aufgaben im Erzbistum habe er in seiner 20-jährigen Amtszeit erfüllt und abgeschlossen, schreibt Schick weiter und nennt die Beschlüsse des Bamberger Pastoralgesprächs, die Strukturreform mit der Bildung neuer Seelsorgebereiche sowie die Renovierung zahlreicher Gebäude wie das Bamberger Priesterseminar, das Jugendhaus Burg Feuerstein, die Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg, die Bildungshäuser Vierzehnheiligen sowie alle Schulen in katholischer Trägerschaft und viele Kirchen, Kapellen, Kindergärten und Seniorenheime. Auch das Ordinariat sei neu strukturiert worden. „Vor allem konnte die tägliche Seelsorgearbeit in Verkündigung, Gottesdienst und karitativer Gemeinschaftbildung getan werden“, schreibt Schick weiter.
Administrator soll zeitnah Leitung interimsweise übernehmen
In seinem Brief weist Schick auf bevorstehende Personalentscheidungen im Erzbistum und auf die Umsetzung der Reformbeschlüsse des Synodalen Wegs und des weltweiten synodalen Prozesses hin. Papst Franziskus habe ihn zunächst gebeten, weiter im Amt zu bleiben. „Nach nochmaligem Vortragen meiner Gründe hat er meiner Bitte Ende September dann entsprochen“, erläutert Schick. Der Amtsverzicht ist damit am 1. November 2022 wirksam geworden.
Schick betont weiter, dass er alle übernommenen und zugesagten Verpflichtungen erfüllen werde, sofern dies von den Gläubigen und Gemeinden sowie dem künftigen Administrator des Erzbistums gewünscht werde. „Dankbar und zuversichtlich scheide ich aus dem Amt“, schreibt er. „Die Aufgaben der Kirche in Verkündigung der frohen Botschaft in den Gottesdiensten, der Seelsorge und Caritas können auf einem guten Fundament fruchtbar weitergeführt werden.“ Das Schreiben endet mit den Worten: „Ich bin dankbar, dass ich am Allerheiligentag ausscheiden darf und die Erzdiözese Bamberg sowie die ganze Kirche Jesus Christus und allen Heiligen für eine segensreiche Zukunft anvertrauen darf.“
Die katholische Kirche sieht Schick derzeit in einer Phase der Neuorientierung, wie das Erzbistum Bamberg mitteilt. „Reformen sind möglich und nötig“, betonte er und machte auch deutlich, dass die Gemeinschaft der Glaubenden wichtiger ist als die Institution Kirche.
In den letzten Monaten seiner Amtszeit musste Schick sich auch verstärkt mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen befassen. Jeder Fall habe ihn tief erschüttert, betonte er und räumte auch Kommunikationsfehler der Bistumsleitung in den vergangenen Jahrzehnten ein. Missbrauch sei Mord an Kinderseelen.
Ludwig Schick wurde am 22. September 1949 in Marburg geboren und 1975 in Fulda zum Priester geweiht. 1995 wurde er Generalvikar in Fulda, 1998 Weihbischof. Ab 1985 war er Inhaber des Lehrstuhls für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät in Fulda, bis er 2002 zum Erzbischof von Bamberg ernannt wurde. Von 2006 bis 2021 war er Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. In seine Amtszeit in Bamberg fielen das 1000. Bistumsjubiläum 2007 und das 1000. Domjubiläum 2012.
Das Domkapitel werde baldmöglichst einen Administrator wählen, der bis zur Ernennung eines Nachfolgers durch den Papst das Erzbistum leitet.
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Personalwechsel im Erzbistum
Gerd-Richard Neumeier neuer Domvikar am Bamberger Dom
Diözesanjugendpfarrer Gerd-Richard Neumeier ist neuer Domvikar am Bamberger Dom. Der frühere Krankenpfleger und Flugbegleiter ist jetzt außerdem Caritas-Aufsichtsratschef.
Am 25. Oktober hat Erzbischof Ludwig Schick Gerd-Richard Neumeier zum neuen Domvikar am Bamberger Dom ernannt. Nachdem das Erzbistum vor Kurzem Fälle sexuellen Missbrauchs einräumte, konnte es nun diese harmlose Mitteilung machen.
Bereits Anfang September hatte Neumeier als Diözesanjugendpfarrer die Leitung der Abteilung Jugendpastoral im Ordinariat übernommen. Dazu gehört neben dem Jugendhaus Burg Feuerstein auch das Jugendamt der Erzdiözese. Damit trat er die Nachfolge von Norbert Förster an, der fünf Jahre lang als Jugendpfarrer in der Erzdiözese wirkte. Zudem hat Neumeier seit 1. September den Vorsitz der Aufsichtsräte des Diözesan-Caritasverbandes und der Caritas gGmbH St. Heinrich und Kunigunde inne.
Erzbischof Ludwig Schick betonte in einer Predigt, Caritas und Jugendarbeit gehörten zu den wesentlichen Aufgaben der Kirche und seien von großer Bedeutung. „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“ So sollten Domvikare als Geistliche den Menschen dienen.
Gerd-Richard Neumeier ist 45 Jahre alt und war bisher Pfarrer in Uffenheim und Dekan des Dekanats Ansbach. Aufgewachsen ist er in Schlüsselfeld. Evangelisch getauft habe er sich nach eigenen Angaben immer katholisch gefühlt und sei schließlich mit 18 Jahren konvertiert. Er hat Krankenpfleger gelernt und später als Flugbegleiter gearbeitet. Mit Ende 20 hat er dann das Theologiestudium und die Priesterausbildung begonnen.
Als Ordinariatsrat nimmt Neumeier an der wöchentlich stattfindenden Ordinariatskonferenz teil. Diese stellt das oberste Entscheidungs- und Beratungsgremium im Erzbistum Bamberg dar.
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Ehemaliger Priester von Wallenfels
Missbrauchsvorwürfe gegen Dieter Scholz bereits 1963
Das Erzbistum Bamberg hat bekanntgegeben, dass es gegen Dieter Scholz, langjähriger Pfarrer von Wallenfels, bereits in den 1960er Jahren Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gab. Das habe man nach erneuter Durchsicht von im Archiv vorhandenen Personalunterlagen festgestellt. Bisher war das Erzbistum davon ausgegangen, dass Dieter Scholz sich lediglich in 1990er Jahren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatte. Trotz der Missbrauchsvorwürfe durfte Dieter Scholz mehr als 25 Jahre als Pfarrer im Erzbistum Bamberg arbeiten.
Bei der Durchsicht von Nachlassakten aus dem Privatbesitz von Wallenfels’ ehemaligem Pfarrer Dieter Scholz ist das Erzbistum Bamberg im April auf Tagebuchaufzeichnungen gestoßen, aus denen sexueller Missbrauch von Jugendlichen im Jahr 1963 hervorgegangen sei. Das hat das Erzbistum am 26. September in einer Mitteilung eingestanden. Betroffene hatten dem damaligen Weihbischof Johannes Lenhardt von sexuellen Übergriffen des Priesters während seiner Kaplanszeit berichtet. Bisher waren nur Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Scholz aus dem Jahr 1999 bekannt gewesen.
Im Angesicht der Vorwürfe wurde Scholz 1963 aus dem Dienst genommen und zur Besinnung zuerst ins Kloster Niederalteich und dann in die Abtei Münsterschwarzach versetzt. Für seine Vergehen habe Scholz zudem zwei Entschuldigungsbriefe an Erzbischof Josef Schneider und Weihbischof Lenhardt geschrieben.
1964 entsprach die Erzdiözese der Bitte von Dieter Scholz, als Seelsorger nach Bolivien zu wechseln. Dort war er im Apostolischen Vikariat Ñuflo de Chávez tätig. 1969 erhielt er trotz der Vorwürfe tatsächlich die Erlaubnis, ins Erzbistum Bamberg zurückzukehren. Dort war er zuerst in den Pfarreien Weisendorf und Kirchehrenbach tätig, bevor er 1970 zum Kaplan in Wallenfels ernannt wurde. Anschließend war er dort von 1972 bis 1995 Pfarrer. 1995 wurde er zum Pfarrer in Uffenheim ernannt.
„Aus heutiger Sicht unvorstellbar“
Am 22. Oktober 1996 habe Scholz abrupt, ohne Mitteilung, die Pfarrei wegen Unstimmigkeiten mit dem Pfarrgemeinderat verlassen. Wenige Monate später meldete er sich aus Bolivien, wo er wieder im Vikariat Ñuflo de Chávez tätig war.
Im Jahr 1999 gab es einen weiteren Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Die Überprüfung desselben sei aber schwierig gewesen, weil er nicht von einem Opfer kam und sich Dieter Scholz immer noch in Bolivien aufhielt.
Zwischen 1964 und 1999 seien keine Missbrauchsvorwürfe in den Akten des Bistums dokumentiert. Im April 2022 wurden aus Privatbesitz Nachlassakten des Priesters dem Diözesanarchiv übergeben. In diesen finden sich Tagebuchaufzeichnungen, aus denen Missbrauch von Jugendlichen hervorgeht.
2003 versetzte Erzbischof Schick den damals 70-Jährigen Scholz regulär in den Ruhestand. Bis zu seinem Tod am 8. Mai 2005 hielt Scholz sich erneut in Wallenfels auf. Erzbischof Schick teilte mit, dass er erst nach dem Tod von Dieter Scholz von den Vorwürfen gehört habe.
Schick stellte zudem fest, dass es nach heutigen Richtlinien schwere Versäumnisse der Bistumsleitung gab. Auch wenn die Akten keine Hinweise auf strafrechtliche Schritte enthalten würden, sei es aus heutiger Sicht unvorstellbar – wobei die Richtigkeit dieses Wortes in der Mitteilung des Erzbistums angezweifelt werden kann –, dass ein Priester, der sich solcher Vorwürfe ausgesetzt sah, nicht aus dem Dienst genommen und zumindest kirchenrechtlich bestraft würde. Er hätte nach 1963 nicht mehr als Kaplan und Gemeindepfarrer eingesetzt werden dürfen, betonte Schick. Sein Mitgefühl gelte den Betroffenen. Er habe auch schon persönliche Gespräche geführt.
Das Erzbistum erneuerte zudem seinen Aufruf an Betroffene aus allen Einsatzorten von Pfarrer Scholz (Oberkotzau 1960, Hersbruck 1960⁄61, Nürnberg St. Georg 1962 bis 64, Mainroth 1964, Weisendorf 1969, Kirchehrenbach 1970, Wallenfels 1970 bis 1995, Uffenheim 1995 bis 1996), sich bei der Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Bamberg zu melden. Rechtsanwältin Eva Hastenteufel-Knörr ist unter 0951⁄40735525 oder eva.hastenteufel@kanzlei-hastenteufel.de erreichbar.
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Erzbischof Schick nimmt zum 20. Mal teil
Friedensprozession in Hollfeld
Bei seiner 20. Teilnahme an der Friedensprozession in Hollfeld hat Erzbischof Ludwig Schick den Krieg gegen die Ukraine verurteilt und dazu aufgerufen, „alles zu tun, damit der Friede wiederhergestellt wird.“ Der Krieg bedrohe auch die Nachbarländer und die ganze Weltgemeinschaft, sagte Schick am Fest Maria Himmelfahrt am Montagabend.
„Heute um den Frieden zu beten, ist notwendiger als in all den Jahren, in denen ich nach Hollfeld gekommen bin“, sagte der Erzbischof. Außerdem rief Schick dazu auf, die Flüchtlinge gut aufzunehmen. Es müsse zudem alles dafür getan werden, dass sie nach dem Wiederaufbau wieder zurückkehren können. „Wir müssen alles tun, dass Friede wiederhergestellt wird, damit auch die Wirtschaftsbeziehungen wieder normalisiert werden, dass wieder Energievorräte, die eine Gabe des Schöpfers für die ganze Menschheit sind, geteilt werden und auch die landwirtschaftlichen Produkte wieder in die Länder kommen, in denen sie dringend gebraucht werden“, so Schick. Denn durch den Lieferstopp von Getreide aus der Ukraine herrsche zum Beispiel in Afrika eine Hungersnot. Erzbischof Schick mahnte zugleich, den Frieden zu lieben und alles zu unterlassen, was den Frieden stört. „Wir müssen den Frieden lieben und entsprechend das Leben gestalten“, so Schick.
Die Friedensprozession von Hollfeld geht auf ein Gelübde des damaligen Pfarrers Kurt Weirather vom 2. April 1945 zurück: Wenn Hollfeld von der Zerstörung verschont bliebe, würde der Obere Markt in Marienplatz umbenannt und dort eine Marienstatue aufgestellt werden. Außerdem sollte jedes Jahr am 15. August eine Dankprozession stattfinden. Seit seinem Amtsantritt als Erzbischof von Bamberg nimmt Schick an der Prozession teil.
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Erzbischof Schick würdigt jahrzehntelangen Einsatz
Domkapitulare in den Ruhestand verabschiedet
Das Erzbistum Bamberg hat die Domkapitulare Hans Schieber und Peter Wünsche in den Ruhestand verabschiedet. In einer Feierstunde im Bistumshaus St. Otto würdigte Erzbischof Ludwig Schick am Dienstag ihren jahrzehntelangen Dienst in der Kirche von Bamberg in unterschiedlichen Funktionen. Zuletzt waren beide als Hauptabteilungsleiter tätig. Schieber verantwortete den Bereich Pastorales Personal und Wünsche leitete das Seelsorgeamt.
Hans Schieber wurde 1977 zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit wurde er 1989 als Subregens stellvertretender Leiter des Priesterseminars, dessen Leitung er von 1994 bis 2007 als Regens innehatte. Danach wurde er Pfarradministrator in Nürnberg, bevor er 2010 die Leitung der Hauptabteilung Pastorales Personal und damit die Verantwortung für die Priester und Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie deren Fort- und Weiterbildung übernahm. In seine Zuständigkeit fielen auch die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle sowie die Prävention. Die Strukturveränderungsprozesse im Erzbistum habe er als „Motor und Kompass“ mitgestaltet, so Schick. Er habe stets für eine Atmosphäre des Vertrauens und der Wertschätzung und Achtsamkeit gesorgt. Schieber tritt mit dem Erreichen der Altersgrenze von 70 Jahren in den Ruhestand.
„Wir blicken voller Dankbarkeit und Wehmut zurück“
Peter Wünsche wurde 1982 zum Priester geweiht und schlug nach der Kaplan-Zeit die akademische Laufbahn ein als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später Professor an der theologischen Fakultät. 2010 übernahm er die Hauptabteilung Außerschulische Bildung, bevor er 2012 in die Hauptabteilung Seelsorge wechselte. Zum Seelsorgeamt gehören zahlreiche Aufgaben von der Gefängnis- über die Krankenhaus- bis zur Arbeitnehmerseelsorge, die Kirchenmusik und die Jugendpastoral. „Ihr Herz schlug immer für die Seelsorge“, sagte der Erzbischof. „Sie haben das Amt so geleitet, dass die Seelsorge Kern und Herz des Bistums war und bleiben wird.“ Sein Einsatz und die Mitgliedschaft in über 30 Gremien habe ihn an die Grenzen der Gesundheit gebracht, sodass er vorzeitig in den Ruhestand tritt.
Für den Diözesanrat würdigte dessen Vorsitzender Günter Heß die sachliche, freundschaftliche und kreative Zusammenarbeit mit Schieber sowie die stets wohlwollende geistliche Begleitung Wünsches. „Wir blicken voller Dankbarkeit und Wehmut zurück“, so Heß.
Wünsche dankte in seinem Schlusswort seinen großartigen Mitarbeitern. Er freue sich auf eine Zeit mit weniger vollem Terminkalender. Schieber bedankte sich für die vertrauensvolle Kooperation und die menschliche Atmosphäre und wünschte sich für die Zukunft der Kirche, „dass Macht und Verantwortung mehr als bisher geteilt werden.“
Die Leitung des Seelsorgeamts übernimmt ab September Weihbischof Herwig Gössl. Die Hauptabteilung Pastorales Personal leitet zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben künftig Regens Ewald Sauer.
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Erzbischof Schick feiert mit Geistlichen Priesterjubiläen in Vierzehnheiligen
„Ohne Priester keine Kirche Jesu Christi“
Nach Worten von Erzbischof Ludwig Schick gehören Priester wesensnotwendig zur Kirche. Andernfalls sei sie nicht mehr als eine sozial-karitative Einrichtung. Schick ging damit am Freitag in Vierzehnheiligen auf eine Debatte auf dem Synodalen Weg ein, wo über die Frage abgestimmt wurde, ob es Priester brauche.
Die Kirche sei mehr als ein soziales Gebilde oder ein Verein für seelisches und körperliches Wohlbefinden. „Kirche Jesu Christi ist ohne den transzendenten Gott, ohne Jesus Christus und sein Evangelium, das nicht von dieser Welt ist, nicht denkbar. Der priesterliche Dienst, der durch die Weihe übertragen wird, soll den göttlichen Ursprung der Kirche und ihr Ziel, das Himmelreich, deutlich machen“, sagte der Erzbischof. Die mit der Weihe verbundene Leitungsvollmacht sei eine geistliche. Für das Sozialgebilde Kirche, das notwendig ist, könne und solle es auch andere Leitungsbevollmächtigte geben.
Jedes Jahr Feier der Priesterjubiläen
Schick sagte, es mache ihn immer nachdenklich, wenn Priester bei Begrüßungen als „hohe Geistlichkeit“ angesprochen würden. „Wir müssen unsere hohe und verantwortungsvolle Weihe und Sendung in Demut und Heiligkeit wahrnehmen. Sonst richten wir mehr Schaden als Nutzen an“, so der Erzbischof. Damit die Kirche Haus und Familie Gottes bleibe und Instrument Jesu Christi für das Heil der Menschen, sei das geweihte Priestertum unerlässlich, betonte Schick. „Die Priester müssten Brüder der Menschen sein, die den Menschen dienen und nicht über sie herrschen wollen.“
Jedes Jahr feiert Erzbischof Schick in der Basilika Vierzehnheiligen einen Festgottesdienst mit den Priestern, die vor 25, 40, 50 und 60 Jahren geweiht wurden.
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„Treten Sie auf und nicht aus“
Erzbischof Schick lädt beim Heinrichsfest Austrittswillige ein
Beim Heinrichsfest auf dem Bamberger Domplatz hat Erzbischof Ludwig Schick die Kirche aufgerufen, weniger um sich selbst und ihre Probleme zu kreisen, sondern die christlichen Werte und Tugenden zu leben und zu verkünden.
Das Heinrichsfest steht in diesem Jahr im Zeichen des Jahresmottos des Bistums „Raus aus der Blase – Kirche und ihre Mission heute“. Dies bedeute „Lebensdienliche Gottesdienste feiern, einander so begegnen, dass wir füreinander nützlich und hilfreich sind. Das ist Kirche“, so der Erzbischof am Sonntag in seiner Predigt beim Festgottesdienst auf dem Domplatz.
Das Motto „Raus aus der Blase“ ergänzte Schick mit den Worten „Rein in die Kirche“. Denjenigen, die an einen Austritt denken, sagte er: „Bleiben Sie in der Kirche! Treten Sie auf und nicht aus!“ Der Erzbischof lud sie ein, „mitzumachen, wo immer sie wollen und können.“ Kirche sei viel einfacher als sie oft in Diskussionen und Schlagzeilen dargestellt werde. „Kirche ist Leben der Frohen Botschaft, die dann auch ‚Werke‘ hervorbringt wie Kindergärten und Schulen, Altenheime und Behinderteneinrichtungen; all das, was nützlich ist für die Menschen“, sagte Schick.
Buntes Programm mit Talk, Musik und Zauberei
Rund um den Bamberger Dom findet nach zwei Jahren Pause aufgrund der Pandemie wieder ein buntes Fest mit Gottesdiensten, Aktionen und Präsentationen der Verbände und Einrichtungen statt. Das Programm begann schon am Freitagabend mit der „Praisenight“ auf dem Domplatz. Am Samstagnachmittag fand der traditionelle Motorradgottesdienst statt. In der Alten Hofhaltung gab es Kaffee und Gegrilltes, Live-Musik der „JazzPantz“ und magische Momente mit dem Bamberger Zauberkünstler Timm Full.
Während im Hof der Jugend am Sonntag in der Dompropstei und auf dem Vorplatz des Diözesanmuseums viele Mitmachaktionen geboten werden, sind die Zuschauer auf der Domplatzbühne zu verschiedenen Talks eingeladen sowie zu musikalischen und tänzerischen Einlagen. Erzbischof Schick führt auch in diesem Jahr Kinder durch den Dom. Daneben gibt es viele Angebote für die ganze Familie, Aufführungen, aber auch meditative Auszeiten.
Zum Abschluss des Heinrichsfestes wird am Sonntagnachmittag eine Pontifikalvesper gefeiert, in der die in den letzten Jahren erarbeiteten 35 Pastoralkonzepte der Seelsorgebereiche feierlich an den Erzbischof übergeben werden. Die Pontifikalvesper ist hier im Livestream ab 17 Uhr zu sehen. Die Erlöse und Kollekten des Festes kommen dieses Jahr den vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine sowie Flüchtlingen aus der Region zugute.
Der heilige Heinrich ist neben Kunigunde und Otto einer der drei Bistumspatrone. Seinen Festtag feiert die Kirche am 13. Juli, das Bamberger Heinrichsfest findet immer am zweiten Juli-Wochenende statt.