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Handwerk

Vier­tes Quar­tal 2021 

Hand­werk: Kon­junk­tur gibt leicht nach

Der Schluss­punkt des zwei­ten Pan­de­mie­jah­res lag für das ober­frän­ki­sche Hand­werk etwas nied­ri­ger als im Vor­jahr, der Jah­res­ab­schluss ist aller­dings im Ver­gleich zu 2020 deut­lich stär­ker. Die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken zeigt sich mit der Ent­wick­lung zufrie­den und hofft, dass das Hand­werk in Ober­fran­ken in die­sem Jahr end­gül­tig wie­der das star­ke Vor­kri­sen­ni­veau erreicht.

So ist der Geschäfts­kli­ma­in­dex im Hand­werk im Ver­gleich zum drit­ten Quar­tal 2021 um sechs Punk­te auf 108 gesun­ken. „Die Erho­lungs­ten­denz setzt sich den­noch fort“, sagt dazu der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, Mat­thi­as Graß­mann. „Das zeigt vor allem der Blick auf den Jahresvergleich.“

Die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken führ­te eine Umfra­ge unter 407 Betrie­ben mit 7.033 Beschäf­tig­ten durch. Ins­ge­samt 83 Pro­zent der befrag­ten Betrie­be des ober­frän­ki­schen Hand­werks beur­tei­len im vier­ten Quar­tal 2021 ihre Lage als befrie­di­gend oder gut, Ende 2020 lag die­ser Wert noch bei 73 Pro­zent und damit um zehn Pro­zent­punk­te tie­fer. „Ange­sichts der Ende letz­ten Jah­res wüten­den Del­ta-Vari­an­te des Coro­na-Virus und der Beschrän­kun­gen, die Bay­ern hat­te, sind wir mit der Ent­wick­lung im tra­di­tio­nell schwä­che­ren, letz­ten Quar­tal zufrieden.“

Jetzt gel­te es in 2022 end­gül­tig das Vor­kri­sen­ni­veau zu errei­chen. „Das ober­frän­ki­sche Hand­werk ist dafür trotz aller Her­aus­for­de­run­gen gut gerüs­tet“, gibt sich der HWK-Prä­si­dent opti­mis­tisch. Zum einen soll­te es wäh­rend der ver­gan­ge­nen bei­den Pan­de­mie-Jah­re eigent­lich auch dem Letz­ten klar gewor­den sein, wie wich­tig das Hand­werk für einen gut funk­tio­nie­ren­den, regio­na­len Wirt­schafts­kreis­lauf und für die Gesell­schaft sei. Zum ande­ren hält Graß­mann die Vor­aus­set­zun­gen ins­ge­samt für gut. „Die gro­ßen poli­ti­schen Wei­chen­stel­lun­gen in Rich­tung Kli­ma­wen­de, Ener­gie­wen­de und Ver­kehrs­wen­de funk­tio­nie­ren nicht ohne das Hand­werk. Daher gehen wir davon aus, dass die poli­ti­sche Land­schaft das Hand­werk stär­ker im Blick haben wird.“

Stei­gen­der Fach­kräf­te­be­darf als größ­te Herausforderung

Graß­mann weiß aber auch um die Her­aus­for­de­run­gen, die gera­de die klei­nen und mitt­le­ren Betrie­be des Hand­werks zu stem­men haben. „Die sehr hohen Ener­gie­prei­se belas­ten uns direkt und unmit­tel­bar, dazu kom­men aktu­ell die Mate­ri­al- und Roh­stoff­knapp­heit.“ Größ­te Her­aus­for­de­rung blei­be aber der stei­gen­de Fach­kräf­te­be­darf. „Wir tei­len uns die­ses Pro­blem natür­lich mit allen ande­ren Wirt­schafts­zwei­gen und ste­hen mit die­sen auch in direk­ter Kon­kur­renz. Den­noch müs­sen wir hier gute Lösun­gen fin­den und die Stär­ken des Hand­werks zur Gel­tung brin­gen.“ Sta­bi­li­tät als Stär­ke Eine Stär­ke des Hand­werks ist die gro­ße Sta­bi­li­tät, die Mit­ar­bei­ten­de vor allem als Arbeits­platz­si­cher­heit erle­ben. „Gute Hand­wer­ker und Hand­wer­ke­rin­nen wer­den in der Regel nicht arbeits­los, vor allem, wenn sie ein gutes Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veau haben“, erklärt Rein­hard Bau­er, der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken ist. So sei auch in der Pan­de­mie die Anzahl der Beschäf­tig­ten bei den ober­frän­ki­schen Hand­werks­be­trie­ben kaum redu­ziert wor­den. Im letz­ten Quar­tal 2021 gaben über 83 Pro­zent der befrag­ten Betrie­be an, gleich viel oder sogar mehr Mit­ar­bei­ter zu haben.

Sta­bi­li­tät weist das Hand­werk auch bei den kon­junk­tu­rel­len Kenn­zei­chen auf. „Trotz der Umstän­de in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren geben aktu­ell 46,5 Pro­zent der Betrie­be über alle Gewer­ke hin­weg die aktu­el­le Kon­junk­tur als gut, wei­te­re 36,5 Pro­zent als befrie­di­gend an“, sagt Bau­er. Der Auf­trags­be­stand sei mit einem Schnitt von 10,6 Wochen wei­ter­hin sehr hoch, die Kapa­zi­tä­ten sind zu 76 Pro­zent ausgelastet.

„Ledig­lich der Auf­trags­ein­gang hat im vier­ten Quar­tal 2021 einen spür­ba­ren Rück­gang erlebt, der aber oft sai­so­nal ist.“

Die Zah­len aus der Kon­junk­tur­er­he­bung des letz­ten Quar­tals 2021 spie­geln aber auch die Unge­wiss­hei­ten wider, die momen­tan vor­herr­schen. Die hohen Ener­gie­prei­se, der wei­te­re Ver­lauf der Pan­de­mie, aber auch die Fra­ge, wel­che Wei­chen die neue Ampel-Regie­rung jetzt kon­kret stellt – die­se Fak­to­ren füh­ren dazu, dass der Blick in die nächs­ten Mona­te etwas ver­hal­ten ist und die Erwar­tun­gen daher pes­si­mis­ti­scher als im III. Quar­tal 2021 aus­fal­len. Rein­hard Bau­er: „Wir gehen aber davon aus, dass sich die­se Zurück­hal­tung bald geben und 2022 ein star­kes Jahr für das Hand­werk wird.“

Ein­schät­zun­gen aus ein­zel­nen Handwerkszweigen

▪ Mate­ri­al­eng­päs­se, hohe Roh­stoff­prei­se und stark stei­gen­de Ener­gie­kos­ten – auch die­se Bür­den beein­dru­cken die Bau- und Aus­bau­hand­wer­ker bis­her kaum spür­bar. Noch immer mel­den 93,5 bezie­hungs­wei­se 94 Pro­zent der Betrie­be eine gute oder zumin­dest zufrie­den­stel­len­de Geschäfts­la­ge und errei­chen damit fast die Wer­te des vor­he­ri­gen Quartals.

▪ Die Zulie­fe­rer und Betrie­be des gewerb­li­chen Bedarfs prä­sen­tie­ren sich deut­lich stär­ker als zum Jah­res­ab­schluss 2020, kön­nen ihre Erho­lung aber im vier­ten Quar­tal 2021 nicht wei­ter fort­set­zen. Frag­lich bleibt, inwie­weit sich der struk­tu­rel­le Wan­del der Indus­trie auf die Zulie­fe­rer auswirkt.

▪ Leicht anstei­gen­de Ten­denz zeigt sich im Kfz-Hand­werk, das etwas bes­ser als im drit­ten Quar­tal abschnei­det. Deut­li­cher ist die Erho­lung im Ver­gleich zum Vor­jahr, 19 Pro­zent mehr Betrie­be sind mit ihrer Lage zufrieden.

▪ Sta­bil bleibt die Ent­wick­lung in den Nah­rungs­mit­tel­hand­wer­ken, in denen mehr als 87 Pro­zent mit der Geschäfts­la­ge zufrie­den sind. Auch die Aus­las­tung und die Umsatz­ent­wick­lung errei­chen die Vor­quar­tals­wer­te. Sor­gen berei­ten die stei­gen­den Ener­gie­kos­ten, die im Nah­rungs­mit­tel­hand­werk unmit­tel­bar zu Buche schlagen.

▪ Die Gesund­heits­hand­wer­ke ver­bes­sern sich im Jah­res­ver­gleich deut­lich und hal­ten auch im letz­ten Quar­tal 2021 das gute Niveau, das sie im Herbst 2021 erreicht haben.

▪ Fri­seu­re und Kos­me­ti­ker lei­den deut­lich unter den noch immer sehr stren­gen Vor­ga­ben zur Pan­de­mie­be­kämp­fung. Den­noch hat sich die Lage im Ver­gleich zum Vor­jahr ins­ge­samt spür­bar verbessert.

Zur Stär­kung des Hand­werks in der Region

Hand­werks­kam­mer kauft Grundstück

Die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken unter­zeich­ne­te am 18. Janu­ar den Kauf­ver­trag für ein Grund­stück an der Forch­hei­mer Stra­ße. Vom Berufs­bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­trum, das dort ent­ste­hen soll, ver­spricht sich die Stadt Bam­berg einen wich­ti­gen Schritt zur Moder­ni­sie­rung der Aus­bil­dungs­stät­ten für den Fach­kräf­te­nach­wuchs und die Zukunft des Hand­werks in der Regi­on und ganz Ober­fran­ken. Wann Bau­be­ginn ist, kann aller­dings noch nicht gesagt werden.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­ten sich die Hand­werks­kam­mer und die Stadt­ver­wal­tung inten­siv dar­um bemüht, einen mög­lichst pas­sen­den Stand­ort für das neue Berufs­bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­trum (BTZ) der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken West zu finden.

„Trotz des knap­pen Flä­chen­an­ge­bo­tes im Stadt­ge­biet ist es uns gelun­gen, dass wir ein Grund­stück in tol­ler Lage direkt neben der bro­se Are­na und mit einer opti­ma­len Erreich­bar­keit anbie­ten konn­ten“, sag­te Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke. „Ich freue mich, dass die Hand­werks­kam­mer durch die­ses Bil­dungs­zen­trum nach­hal­tig das Hand­werk in Ober­fran­ken West und beson­ders in Bam­berg stärkt und Stadt und Regi­on zukunfts­si­cher macht.“

Das Hand­werk habe am Wirt­schafts­stand­ort Bam­berg tra­di­tio­nell eine gro­ße Bedeu­tung: Mit 3.493 Hand­werks­be­trie­ben und 1.219 Lehr­lin­gen im Jahr 2020 ste­he die Regi­on Bam­berg an der Spit­ze Ober­fran­kens und möch­te sich die­sen Spit­zen­platz auch in Zukunft sichern.

Moder­ni­sie­rung der Infrastruktur

Staats­mi­nis­te­rin Mela­nie Huml über­mit­tel­te ihre Freu­de über den Kauf und nann­te ihn einen ent­schei­den­den Schritt hin zum neu­en Berufs­bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­trum der HWK für Ober­fran­ken-West. „Das sind gute Neu­ig­kei­ten für die gan­ze Regi­on. Von bes­tens aus­ge­bil­de­ten Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker pro­fi­tie­ren wir alle, nicht nur Groß­bau­stel­len und Unter­neh­men, son­dern auch Pri­vat­kun­den mit klei­ne­ren Auf­trä­gen. Außer­dem trägt das Hand­werk wesent­lich zur erfolg­rei­chen Ent­wick­lung des Wirt­schafts­stand­orts bei.“

Auch der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer, Mat­thi­as Graß­mann, freu­te sich über den jetzt voll­zo­ge­nen Erwerb des 32.500 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stücks in bes­ter Lage.

„Die Hand­werks­kam­mer macht damit einen wich­ti­gen Schritt in Rich­tung Moder­ni­sie­rung ihrer Bil­dungs­in­fra­struk­tur.“ Und auch wenn es noch etwas daue­re, bis der Neu­bau an der Forch­hei­mer Stra­ße begin­nen kön­ne, sei das Vor­ha­ben ein wich­ti­ges Signal an die Betrie­be, aber auch an Jugend­li­che und ihre Eltern. „Seriö­ser­wei­se kön­nen wir noch nicht sagen, wann der ers­te Spa­ten­stich sein wird. Das Hand­werk bie­tet jun­gen Men­schen in Ober­fran­ken aber lang­fris­tig bes­te Vor­aus­set­zun­gen für eine Aus­bil­dung und spä­te­re Qua­li­fi­zie­rung – und natür­lich auch für den gan­zen Berufsweg.“

Nach­dem die Hand­werks­kam­mer zuletzt eine Eini­gung mit dem Hand­werk in Coburg über den Erhalt des dor­ti­gen Aus­bil­dungs­stand­or­tes erzielt hat­te und in der Voll­ver­samm­lung die Wei­chen gestellt wur­den, war der Ankauf des Are­als in Bam­berg der nächs­te logi­sche Schritt. 4,5 Mil­lio­nen Euro zahlt die Hand­werks­kam­mer für die bei­den Grundstücke.

Ver­trags­un­ter­zeich­nung und Zukunft des Projekts

Beim Ter­min in der Fluss­meis­ter­stel­le der Kreis­hand­wer­ker­schaft Bam­berg unter­zeich­ne­ten Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke, Mat­thi­as Graß­mann, Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, und Rein­hard Bau­er, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, offi­zi­ell den Grundstücksvertrag.

Wie es mit den Pla­nun­gen für das Bil­dungs­zen­trum wei­ter­ge­he, skiz­zier­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer. „Der Gut­ach­ter hat sei­ne Stel­lung­nah­me zu unse­ren Vor­ha­ben in Ober­fran­ken West bereits an das Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung übermittelt.“

Dort prüf­ten die För­der­ge­ber nun die Details. „Erst nach Abschluss die­ser Prü­fung wis­sen wir, wel­che Kapa­zi­tä­ten wir tat­säch­lich bau­en kön­nen.“ Die­ser Zeit­punkt sei dann gleich­zei­tig der Start­schuss für den Beginn der kon­kre­te­ren Pla­nun­gen für den Neu­bau in Bam­berg und die Moder­ni­sie­rung des BTZ in Coburg.

„Das Gut­ach­ten umfasst ja bei­de Stand­or­te“, erklär­te Bau­er. Der Kauf des Grund­stücks sei den­noch ein Mei­len­stein. „In Ober­fran­ken West – sprich Bam­berg und Coburg – geht es vor­an. Aber die eigent­li­che Arbeit beginnt jetzt erst.“

Der Schritt zur „Eli­te des Handwerks“

Hand­werks­meis­te­rin­nen und Hand­werks­meis­ter haben Meis­ter­schu­len erfolg­reich absolviert

Heu­te star­te­te der per­sön­li­che Ver­sand der Meis­ter­brie­fe an alle erfolg­rei­chen Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken. Die Kam­mer hat­te sich dazu ent­schie­den, die Ehrung und vor allem Wür­di­gung in die­sem Jahr anders aus­zu­drü­cken, nach­dem die Meis­ter­fei­er 2021 der Coro­na-Lage zum Opfer fiel. Zudem ist für das nächs­te Jahr eine nach­träg­li­che Fei­er geplant.

Die Meis­ter­fei­er blieb erneut ver­sagt, die Ehrung und vor allem Wür­di­gung von 371 neu­en Hand­werks­meis­te­rin­nen und Hand­werks­meis­tern lässt die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken aller­dings nicht aus­fal­len. „Wir sind wahn­sin­nig stolz auf unse­re erfolg­rei­chen Absol­ven­ten der Meis­ter­schu­len der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, und wahn­sin­nig ent­täuscht, dass wir die­se 2021 wie­der nicht mit einer tol­len Fei­er ehren kön­nen“, sagt der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, Mat­ti­as Graß­mann. Doch habe die pan­de­mi­sche Lage kei­nen Spiel­raum für eine Durch­füh­rung der in Prä­senz geplan­ten Meis­ter­fei­er 2021 gelas­sen. „Den­noch erhal­ten alle Meis­te­rin­nen und Meis­ter natür­lich ihren Meis­ter­brief – und ein Über­ra­schungs­pa­ket dazu, mit dem wir sie wür­di­gen wol­len.“ Die Pake­te wer­den seit dem heu­ti­gen Frei­tag per Post an die erfolg­rei­chen Absol­ven­ten verschickt.

Die Meis­ter­schu­len der Hand­werks­kam­mer sind sehr rege nach­ge­fragt. Mehr als 420 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer haben sich im Jahr­gang 2020/​/​21 der Qua­li­fi­zie­rung gestellt, 291 jun­ge Hand­wer­ker und 80 jun­ge Hand­wer­ke­rin­nen haben die Meis­ter­prü­fung erfolg­reich absol­viert – dar­un­ter auch Meis­te­rin­nen und Meis­ter aus der Regi­on Bam­berg (die Lis­te mit den neu­en Meis­te­rin­nen und Meis­te­rin­nen aus Stadt und Land­kreis Bam­berg fin­den Sie am Ende der Pres­se­mit­tei­lung). „Die­se Zah­len sagen eini­ges: Zum einen, dass es nach wie vor attrak­tiv ist, sich zum Meis­ter wei­ter­zu­bil­den. Zum ande­ren aber auch, dass die­ser Schritt kein Zucker­schle­cken ist“, erklärt Rein­hard Bau­er, der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der HWK für Ober­fran­ken ist. Erfreu­lich ist aus Sicht der Kam­mer, dass auch vie­le Meis­ter­schü­ler und spä­te­ren Meis­te­rin­nen und Meis­ter nicht nur aus Ober­fran­ken kom­men. Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer: „Das zeigt, dass unse­re Meis­ter­schu­len einen sehr guten Ruf genie­ßen. Die Teil­neh­men­den stam­men aus ins­ge­samt acht Bundesländern.“

Die in Ober­fran­ken aus­ge­bil­de­ten, jun­gen Meis­te­rin­nen und Meis­ter gehö­ren jetzt zur Eli­te des Hand­werks – „das ist Ehre und Ver­pflich­tung zugleich“, betont der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer. Schließ­lich sei­en es vor allem die Meis­ter, die zum einen erfolg­reich wirt­schaf­ten­de Betrie­be über­neh­men und wei­ter­füh­ren und zum ande­ren die Aus­bil­dung des hand­werk­li­chen Nach­wuch­ses sicher­stel­len. „Damit sind unse­re Absol­ven­ten auch Aus­hän­ge­schil­der und Vor­bil­der für die Jugend­li­chen, die am Start ihres Berufs­wegs ste­hen und auch über­le­gen, ins Hand­werk zu gehen.“

Aus­hän­ge­schil­der sind auch die 20 Nach­wuchs­meis­te­rin­nen und ‑meis­ter, die ihre Meis­ter­schu­le mit her­vor­ra­gen­den (sie­ben Absol­ven­ten) oder beson­ders guten Leis­tun­gen abge­schlos­sen haben. Der Prä­si­dent: „Wir sind sehr stolz auf die­se Ergeb­nis­se. Sie zeu­gen von moti­vier­ten, tol­len Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­kern und eben­so guten Aus­bil­dungs­meis­tern und Dozen­ten bei uns in den Meisterschulen.“


Kraft­fahr­zeug­tech­ni­ker ohne Fehl und Tadel

Mit 102 Teil­neh­men­den ist das Fri­seur­hand­werk wie­der das Gewerk, das bei der Qua­li­fi­zie­rung zum Meis­ter am stärks­ten ver­tre­ten ist, gefolgt von dem Kraft­fahr­zeug­tech­ni­ker­hand­werk (77 Teil­neh­men­de) und dem Elek­tro­tech­ni­ker­hand­werk (42). In der Kraft­fahr­zeug­tech­nik schaff­ten alle Meis­ter­schü­le­rin­nen und Meis­ter­schü­ler die Meis­ter­prü­fung. Der Anteil an jun­gen Frau­en an den erfolg­rei­chen Absol­ven­ten beträgt rund 21,5 Prozent.

Nach­dem die Meis­ter­fei­er 2021 der Coro­na-Lage zum Opfer fiel, hat sich die Hand­werks­kam­mer dafür ent­schie­den, die Meis­ter­brie­fe und Meis­ter­pa­ke­te an die jun­gen Män­ner und Frau­en per Post zu ver­schi­cken. Der Ver­sand star­tet heu­te. Eine Fei­er ist für das nächs­te Jahr geplant.

Acht Lan­des­sie­ge­rin­nen und ‑sie­ger kom­men aus Oberfranken

Gro­ßer Bahn­hof für die baye­ri­schen Lan­des­sie­ger im Handwerk

In Augs­burg wur­den am Frei­tag die bes­ten baye­ri­schen Gesel­lin­nen und Gesel­len ihrer Gewer­ke aus­ge­zeich­net – unter ihnen acht ober­frän­ki­sche Nach­wuchs­hand­wer­ke­rin­nen und ‑hand­wer­ker. Mit dem Sieg im Lan­des­ent­scheid haben sie sich für die Teil­nah­me am Bun­des­wett­be­werb qualifiziert.

Mit einer gro­ßen Fei­er wur­den in Augs­burg die 110 Lan­des­sie­ge­rin­nen und ‑sie­ger des Leis­tungs­wett­be­werbs des Deut­schen Hand­werks (PLW) geehrt. Die jun­gen Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker hat­ten sich auf der baye­ri­schen Ebe­ne des PLW in ihren Beru­fen durch­ge­setzt und mit ihren ers­ten Plät­zen zudem für den jewei­li­gen Bun­des­ent­scheid qua­li­fi­ziert. Bay­erns Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder ließ es sich nicht neh­men, beim Fest­akt anwe­send zu sein und selbst einen Teil der Urkun­den zu über­rei­chen. „Ein­satz, Bereit­schaft und eine super Aus­bil­dung zah­len sich aus“, sag­te Söder in sei­ner Anspra­che. „Herz­li­chen Glück­wunsch an Bay­erns 100 Bes­te! Wir sind stolz auf Sie!“
Der Minis­ter­prä­si­dent beton­te, dass Bay­ern sich zu sei­nem Hand­werk beken­ne. Es ste­he für Inno­va­ti­on und Fort­schritt. Im Talk mit dem Mode­ra­tor der Fei­er, Mar­kus Oth­mar, beton­te der Minis­ter­prä­si­dent: „Ob Meis­ter oder Pro­fes­sor, bei­de sind Spit­zen unse­rer Wirt­schaft. High­tech geht nicht ohne das Hand­werk und es braucht die Wert­schät­zung für die­sen Wirtschaftszweig.“

Aus Ober­fran­ken stam­men acht die­ser Spit­zen­nach­wuchs­kräf­te des Hand­werks. Mat­thi­as Graß­mann, Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer (HWK) für Ober­fran­ken, ist ein Fan die­ser jun­gen Hand­wer­ker und stolz auf „sei­ne Ober­fran­ken“. Der Prä­si­dent des Baye­ri­schen Hand­werks­ta­ges (BHT), Franz Xaver Peteran­d­erl, beglück­wünsch­te die erfolg­rei­chen Nach­wuchs­hand­wer­ke­rin­nen und ‑hand­wer­ker eben­falls und beton­te vor den rund 300 Gäs­ten den beson­de­ren Auf­trag der Lan­des­sie­ge­rin­nen und Lan­des­sie­ger. „Das Hand­werk ist modern und inno­va­tiv, wir bie­ten Chan­cen und Kar­rie­ren, wir sind die sym­pa­thi­sche Wirt­schafts­macht „von neben­an“. Dafür ste­hen Sie ab heu­te in ganz beson­de­rer Wei­se. Tra­gen Sie das nach außen und blei­ben Sie unse­rem Wirt­schafts­zweig treu“.

Der Leis­tungs­wett­be­werb des Deut­schen Hand­werks wird in vier Stu­fen durch­ge­führt. Der Weg zum Lan­des­sieg, bei dem das hand­werk­li­che Kön­nen bewer­tet wird, basiert ent­we­der auf dem Able­gen einer Arbeits­pro­be oder der Bewer­tung des Gesel­len­stücks. Eine Fach­ju­ry beur­teilt die Leis­tun­gen. Die HWK für Ober­fran­ken ist beson­ders stolz auf die acht sieg­rei­chen Gesel­len und Gesel­lin­nen. „Wir hal­ten unse­ren ober­frän­ki­schen Lan­des­sie­gern nun für den Bun­des­wett­be­werb fest die Dau­men. Die­se jun­gen Fach­kräf­te haben die Fähig­keit ganz vor­ne mit­zu­mi­schen“, zeig­te sich HWK-Prä­si­dent Graß­mann sicher.


Tol­les Rah­men­pro­gramm – trotz Corona

Für die Lan­des­sie­ger­fei­er leg­te sich die gast­ge­ben­de HWK Schwa­ben rich­tig ins Zeug. Der fest­li­che Rah­men für die Geehr­ten, ihre Aus­bil­der und Fami­li­en im Kon­gress am Park, wur­de durch Ein­la­gen des A‑Ca­pel­la-Chors „Cash-n-go“ unter­malt. Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der HWK für Ober­fran­ken, Rein­hard Bau­er, zeig­te sich sehr froh dar­über, dass wie­der eine Ver­an­stal­tung in der Art und Grö­ße durch­ge­führt wer­den konn­te. „Es ist ein­fach enorm wich­tig, dass die Erfol­ge des Nach­wuch­ses im Hand­werk wie­der bes­ser sicht­bar wer­den“ Daher dan­ke er den aus­rich­ten­den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus Schwa­ben für die Aus­ge­stal­tung einer sol­chen wür­de­vol­len Lan­des­sie­ger­fei­er unter Corona-Bedingungen.


Die Lan­des­sie­ge­rin­nen und Lan­des­sie­ger aus Oberfranken

▪ Anna Dries­sen, Kera­mi­ke­rin, Betrieb: Edith Mem­mel Töp­fe­rei, Mitwitz

▪ Pas­cal Schramm, Klemp­ner, Betrieb: Gehring GmbH, Stadtsteinach

▪ Maren Look, Kon­di­to­rin, Betrieb: Kon­di­to­rei Café am Dom, Bamberg

▪ Mar­kus Schwarz­mann, Land- und Bau­ma­schi­nen­me­cha­tro­ni­ker, Betrieb: Land­tech­nik Steng­lein GmbH, Waischenfeld

▪ Anne­ma­rie Bach­mann, Male­rin und Lackie­re­rin (Fach­rich­tung Kir­chen­ma­le­rei und Denk­mal­pfle­ge), Betrieb: Hof­mann Erhal­ten & Gestal­ten GmbH, Königsfeld

▪ Mar­tha Bücker, Maß­schnei­de­rin (Schwer­punkt Damen), Betrieb: Thea­ter Hof GmbH, Hof

▪ Niels Kas­perek, Sei­ler, Betrieb: LIROS GmbH, Berg

▪ Felix Zeit­ler, Ver­fah­rens­tech­no­lo­ge in der Müh­len- und Getrei­de­wirt­schaft (Fach­rich­tung Agrar­la­ger), Betrieb: Bay­Wa AG, Leupoldsgrün

Infor­mie­ren über Aus­bil­dungs- und Kar­rie­re­we­ge im Handwerk 

Hand­werks­kam­mer und Kreis­hand­wer­ker­schaf­ten orga­ni­sie­ren die Berufs­mes­se Handwerk

Am mor­gi­gen Sams­tag, dem 23. Okto­ber, orga­ni­siert die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken gemein­sam mit den Kreis­hand­wer­ker­schaf­ten Bam­berg und Forch­heim im Berufs­bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­trum (BTZ) Bam­berg eine Berufs­mes­se des Handwerks.

Mit Betriebs­in­ha­bern, Aus­bil­dungs­meis­te­rin­nen und Aus­bil­dungs­meis­tern direkt spre­chen, in Beru­fe hin­ein­schnup­pern, ers­te Prak­ti­ka ver­ein­ba­ren – bei der Berufs­mes­se des Hand­werks am mor­gi­gen Sams­tag in Bam­berg haben Jugend­li­che die Mög­lich­keit, sich gemein­sam mit ihren Eltern über die Aus­bil­dungs- und Kar­rie­re­we­ge im Hand­werk zu infor­mie­ren und direkt mit Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­kern in Kon­takt zu kommen.

Das Team der Aus­bil­dungs­be­ra­tung der Hand­werks­kam­mer und das U 25-Bera­tungs­team der Agen­tur für Arbeit run­den das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot bei der Berufs­mes­se des Hand­werks ab.


Jetzt noch die Chan­ce, eine Aus­bil­dung regu­lär zu beginnen


„Unse­re Berufs­mes­sen des Hand­werks kom­men zur rech­ten Zeit“, sagt Dr. Bernd Sau­er, Geschäfts­füh­rer der HWK für Ober­fran­ken, die die Berufs­mes­se in Bam­berg gemein­sam mit den Kreis­hand­wer­ker­schaf­ten Bam­berg und Forch­heim orga­ni­siert. „Es ist wich­tig, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler und vor allem die Eltern zusam­men mit ihren Kin­dern die Mög­lich­keit haben, direkt mit Betrie­ben in Kon­takt zu kom­men. So wer­den Berüh­rungs­ängs­te abge­baut und auch das eine oder ande­re Vor­ur­teil gegen­über dem Handwerk.“

Dass das Kon­zept gro­ßen Zuspruch fin­de und der Zeit­punkt gut sei, habe das ver­gan­ge­ne Wochen­en­de gezeigt. „Bei der Berufs­mes­se in Bay­reuth hat­ten wir deut­lich mehr als 300 Besu­che­rin­nen und Besu­cher, die sich teils stun­den­lang inten­siv infor­miert haben. Die Betrie­be und die Gäs­te waren mehr als zufrie­den.“ Der Zeit­punkt sei auch daher ide­al, da Jugend­li­che, die aktu­ell noch eine Aus­bil­dungs­stel­le suchen, jetzt noch die Chan­ce haben, ihre Aus­bil­dung regu­lär zu beginnen.

Um von den gut 130 Beru­fen des Hand­werks ein mög­lichst brei­tes Spek­trum abzu­de­cken, enga­gie­ren sich gut 40 Betrie­be aus der Regi­on Bam­berg-Forch­heim bei der Berufs­mes­se des Hand­werks. Sie ver­tre­ten ihre Innun­gen und damit auch vie­le ande­re Hand­werks­be­trie­be der Regi­on. So kön­nen Eltern und ihre Kin­dern vie­le der belieb­tes­ten Beru­fe der ver­gan­ge­nen Jah­re – etwa Kfz-Mecha­tro­ni­ke­rin, Anla­gen­me­cha­ni­ke­rin Sanitär‑, Hei­zung und Kli­ma­tech­nik (SHK), Elek­tro­ni­ke­rin in ver­schie­de­nen Fach­rich­tun­gen, aber auch Mau­re­rin, Stahl­be­ton­baue­rin, Fri­seur, Bäcker, Auto­mo­bil­kauf­mann­frau und vie­le wei­te­re Aus­bil­dungs­be­ru­fe vor Ort kennenlernen

Die Besu­cher wer­den dort zur Coro­na-Doku­men­ta­ti­on regis­triert – ana­log oder mit der Luca-App -, ansons­ten gilt das vor Ort kom­mu­ni­zier­te Hygie­nekon­zept. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Beru­fen und der Mes­se sind zu fin­den unter https://www.hwk-oberfranken.de/deinsamstag.


Berufs­mes­se des Handwerks

Sams­tag, 23. Okto­ber, 9 bis 15 Uhr

Berufs­bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­trum (BTZ) Bam­berg, Hertz­stra­ße 24a

Öff­nung der Berufs­bil­dungs- und Technologiezentren 

„Fach­kräf­te­ver­sor­gung steht auf dem Spiel“

Das baye­ri­sche Hand­werk kri­ti­siert die gra­vie­ren­de Benach­tei­li­gung sei­ner Aus­zu­bil­den­den gegen­über dem Hand­werks­nach­wuchs in ande­ren Bun­des­län­dern scharf. Die Baye­ri­schen Hand­werks­kam­mern for­dern des­halb eine voll­stän­di­ge Öff­nung der Berufs­bil­dungs- und Tech­no­lo­gie­zen­tren, um prak­ti­sche Aus­bil­dung in allen Facet­ten leis­ten zu können.

„Selbst in Län­dern mit einer höhe­ren 7‑Ta­ge-Inzi­denz als in Bay­ern fin­det die Über­be­trieb­li­che Lehr­lings­un­ter­wei­sung (ÜLU) statt – unter den glei­chen Hygie­ne­vor­schrif­ten, die auch im Frei­staat gel­ten. Aber für alle Aus­zu­bil­den­den“, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung des Baye­ri­schen Hand­werks­tags (BHT) und der baye­ri­schen Hand­werks­kam­mern. In Bay­ern dage­gen sind aktu­ell nur Lehr­lin­ge zur ÜLU zuge­las­sen, die kurz vor ihrer Abschluss- oder Gesel­len­prü­fung stehen.


„Jetzt wie­der in Präsenz“

Das baye­ri­sche Hand­werk habe inzwi­schen alle Mög­lich­kei­ten des Distanz­un­ter­richts in Form von E‑Lear­ning-Ange­bo­ten aus­ge­schöpft. Und unter den Aus­zu­bil­den­den aus über 110 Her­kunfts­län­dern sei­en auch sol­che, die beson­de­re Unter­stüt­zung benö­ti­gen. „Des­halb muss“, so die For­de­rung der baye­ri­schen Kam­mern wei­ter, „die pra­xis­ori­en­tier­te über­be­trieb­li­che Aus­bil­dung in den Bil­dungs­zen­tren des Hand­werks jetzt wie­der in Prä­senz statt­fin­den.“ Im baye­ri­schen Hand­werk fie­len auf­grund der Coro­na-Beschrän­kun­gen die ÜLU-Lehr­gän­ge für rund 20.000 Aus­zu­bil­den­de nur des ers­ten Lehr­jah­res aus.

Auch die beruf­li­che Fort- und Wei­ter­bil­dung für Fach­kräf­te des Hand­werks ist der­zeit mas­siv ein­ge­schränkt. Die baye­ri­schen Kam­mern: „Wir for­dern die Staats­re­gie­rung mit Nach­druck auf, den Inzi­denz­wert von 165 auch für Aus‑, Fort und Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men im Hand­werk als Gren­ze anzu­wen­den. Sonst ste­hen der Aus­bil­dungs­er­folg und die Fach­kräf­te­ver­sor­gung unse­res Wirt­schafts­be­reichs auf dem Spiel.“

Hin­ter­grund

Die ÜLU ist im Hand­werk ein Teil der pra­xis­ori­en­tier­ten betrieb­li­chen Aus­bil­dung. Hand­werk­li­che Bil­dungs­zen­tren unter­stüt­zen dabei als exter­ne Aus­bil­dungs­werk­stät­ten zum Bei­spiel Betrie­be, die auf­grund ihrer Spe­zia­li­sie­rung nicht alle Aus­bil­dungs­in­hal­te ver­mit­teln können.

Kon­junk­tur im I. Quar­tal 2021

Licht und Schat­ten im ober­frän­ki­schen Handwerk

Das ober­frän­ki­sche Hand­werk beweist in der Pan­de­mie Robust­heit, wie die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken mit­teilt. So wei­sen wesent­li­che Kon­junk­tur­da­ten trotz der teils erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen für ein­zel­ne Gewer­ke nach oben, auch die Früh­jahrs­be­le­bung bil­det sich in den Zah­len ab.

„Wir sind froh, dass das Hand­werk ins­ge­samt so sta­bil ist“, sagt der Vize­prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, Mat­thi­as Graß­mann. „Aller­dings darf das Ergeb­nis nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die wirt­schaft­li­che Lage in vie­len Gewer­ken nach wie vor sehr ange­spannt ist. Wir haben also sowohl viel Licht, als auch viel Schat­ten in der Kon­junk­tur.“ Beson­ders wich­tig sei aber, dass die Kon­junk­tur­ent­wick­lung des I. Quar­tals wie­der einen opti­mis­ti­sche­ren Blick in die Zukunft weist als das Ende 2020 der Fall war. So gehen mit 62 % fast zwei Drit­tel der befrag­ten Unter­neh­men nicht von einer wei­te­ren Ver­schlech­te­rung aus, 21 % rech­nen gar mit einer bes­se­ren Situation.

Der Geschäfts­kli­ma­in­dex im ober­frän­ki­schen Hand­werk stieg im I. Quar­tal 2021 auf den Wert von 111, obwohl gro­ße Tei­le der Wirt­schaft noch im Lock­down ver­har­ren, der Ende 2020 noch zu einem deut­li­chen Ein­bruch führ­te (99). Wesent­li­che Trei­ber des Hand­werks sind dabei nach wie vor die Bau- und Aus­bau­hand­wer­ke, denen die Kri­se kaum anzu­mer­ken ist. „Alle ande­ren Gewer­ke lei­den deut­lich stär­ker unter der Coro­na-Kri­se und haben wei­ter­hin mit teils gro­ßen Ein­bu­ßen zu kämp­fen“, dif­fe­ren­ziert Geschäfts­füh­rer Rai­ner Beck die Zah­len. „Daher kön­nen auch wir im Hand­werk noch kei­ne Ent­war­nung geben.“


Gro­ße kon­junk­tu­rel­le Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Gewerken

Die gro­ßen kon­junk­tu­rel­len Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Hand­werks­zwei­gen zei­gen sich vor allem bei der Betrach­tung der Kapa­zi­täts­aus­las­tung. Wäh­rend in den Bau- und Aus­bau­hand­wer­ken gut die Hälf­te der Betrie­be eine 100-pro­zen­ti­ge oder höhe­re Aus­las­tung bestä­tig­ten, kehrt sich das Bild in allen ande­ren Berei­chen um. Vor allem Fri­seu­re und Kos­me­ti­ker, die lan­ge geschlos­sen blei­ben muss­ten und auch jetzt erheb­li­che Anfor­de­run­gen bei den Hygie­ne- und Schutz­maß­nah­men zu erfül­len haben, aber auch indus­trie­na­he Zulie­fe­rer und Betrie­be des gewerb­li­chen Bedarfs arbei­ten noch immer weit unter ihren Mög­lich­kei­ten. Fast die Hälf­te mel­de­te eine Betriebs­aus­las­tung von maxi­mal 70 %. Im Kfz-Bereich ist die Aus­las­tung sogar noch etwas nied­ri­ger, was in ers­ter Linie auf die Ein­schrän­kun­gen im Han­del zurück­zu­füh­ren sein dürf­te. „Über alle Gewer­ke hin­weg wei­sen die ober­frän­ki­schen Betrie­be der­zeit durch­schnitt­lich eine Aus­las­tung von 74 % aus, was zwar dem Vor­quar­tals­wert ent­spricht, aber wei­ter­hin deut­lich unter dem Schnitt der letz­ten Jah­re liegt“, fasst Beck zusammen.


Hand­werk als Arbeit­ge­ber ver­läss­li­che Größe

Die Kon­junk­tur­zah­len der ers­ten drei Mona­te des Jah­res zei­gen damit auch, dass trotz begin­nen­der Erho­lung das Vor­kri­sen­ni­veau 2021 nicht mehr erreicht wird – auch wenn die Auf­trags­ein­gän­ge wie­der etwas zuge­nom­men haben, die Auf­trags­reich­wei­te gestie­gen ist (durch­schnitt­lich 9 Wochen) und eine Umsatz­stei­ge­rung erwar­tet wird. Gleich­wohl bleibt das Hand­werk als Arbeit­ge­ber für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in der Pan­de­mie eine ver­läss­li­che Grö­ße, der Arbeits­markt zeigt sich trotz leicht nega­ti­vem Sal­do sta­bil. Der Geschäfts­füh­rer: „Der nega­ti­ve Sal­do im I. Quar­tal dürf­te in ers­ter Linie sai­so­nal bedingt sein, die­se Schwan­kung gibt es Jahr für Jahr – unab­hän­gig von der Pandemie.“


„Jetzt end­lich Ver­läss­lich­keit gefordert“

Die­se Robust­heit des Hand­werks, die auch den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in der Kri­se Halt und Sicher­heit gibt, darf aus Sicht des Vize­prä­si­den­ten der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken nun nicht mehr wei­ter belas­tet wer­den. „Wir brau­chen jetzt ange­sichts der neu­er­li­chen Ver­schär­fun­gen der Pan­de­mie-Regeln in Bay­ern und der Dis­kus­si­on um eine bun­des­ein­heit­li­che Rege­lung qua Gesetz end­lich Pla­nungs­si­cher­heit für unser Betrie­be“, for­dert Mat­thi­as Graß­mann. „Die­se muss eine Ver­läss­lich­keit beinhal­ten, die dem ewi­gen Hin und Her Ein­halt gebie­tet und auch eine Öff­nungs­stra­te­gie skiz­ziert, die dann auch tat­säch­lich umge­setzt wird.“ Graß­mann lehnt auch die vom Bun­des­ka­bi­nett beschlos­se­ne, gesetz­li­che Ver­pflich­tung für Arbeit­ge­ber rund­weg ab, ihren Beschäf­tig­ten Tests anzu­bie­ten. „Das ist das fal­sche Signal und belas­tet unse­re Hand­werks­be­trie­be zusätz­lich in einer für sie ohne­hin schwie­ri­gen Lage. Die­se gesetz­ge­be­risch unnö­ti­ge Akti­on ist der Ver­such, die beim Staat lie­gen­de Ver­ant­wor­tung für die Pan­de­mie­be­kämp­fung auf die Wirt­schaft zu verlagern.“


Ein­schät­zung aus ein­zel­nen Handwerkszweigen

Die Bau- und Aus­bau­hand­wer­ke blei­ben die Kon­junk­tur­trei­ber im ober­frän­ki­schen Hand­werk und mel­den star­ke Wer­te. 95 % bezie­hungs­wei­se 94,5 % haben eine gute oder befrie­di­gen­de Geschäftslage.

Zulie­fe­rer und Betrie­be des gewerb­li­chen Bedarfs bewe­gen sich auf Vor­jah­res­ni­veau und ver­zeich­nen kei­ne merk­li­che Erho­lung. Den­noch ist die Lage bes­ser als in ande­ren Gewer­ken. 70 % sind zumin­dest mit den Geschäf­ten zufrieden.

Im Kfz-Hand­werk hat sich die wirt­schaft­li­che Lage im Vor­jah­res­ver­gleich zwar leicht ver­bes­sert, den­noch lei­den die Betrie­be wei­ter­hin stark unter den Ein­schrän­kun­gen, sodass 46,5 % eine schlech­te Geschäfts­la­ge vor­wei­sen. Das I. Quar­tal ist für den Auto­mo­bil­han­del schlecht gelaufen.

Die Nah­rungs­mit­tel­hand­wer­ke kom­men wei­ter­hin etwas bes­ser durch die Kri­se. Zwar haben auch sie merk­li­che Umsatz­aus­fäl­le, kön­nen die Ver­lus­te aber wenigs­tens teil­wei­se kom­pen­sie­ren. 38,5 % haben eine gute, 43 % noch eine befrie­di­gen­de Geschäftslage.

Bei den Gesund­heits­hand­wer­ken stellt sich die Lage wie im Vor­jahr wei­ter­hin schwie­rig dar. Bei 59 % der Befrag­ten ist die Geschäfts­la­ge schlecht.

Fri­seu­re und Kos­me­ti­ker waren im I. Quar­tal 2021 erneut von behörd­lich ange­ord­ne­ten Betriebs­schlie­ßun­gen betrof­fen. Dem­entspre­chend beur­teilt die Mehr­heit mit 59 % die wirt­schaft­li­che Lage als schlecht.

Brand­brief von IHK und HWK

Wirt­schaft warnt vor fak­ti­scher Grenzschließung

Die baye­ri­schen Indus­trie-und Han­dels­kam­mern aus Bay­reuth, Pas­sau und Regens­burg sowie die Hand­werks­kam­mern für Ober­fran­ken und für Nie­der­bay­ern-Ober­pfalz haben einen Brand­brief an Minis­ter­prä­si­dent Söder geschrie­ben, in dem sie die Ein­stu­fung Tsche­chi­ens als Virus­mu­ta­ti­ons­ge­biet aus Sicht der regio­na­len Wirt­schaft als fol­ge­rich­tig ein­stu­fen, aller­dings eine pra­xis­taug­li­che Rege­lung an der baye­risch-tsche­chi­schen Gren­ze fordern.

Appell, von fünf­tä­gi­ger Qua­ran­tä­ne­pflicht abzusehen

Der Brand­brief wur­de von Gabrie­le Hohen­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth, Dr. Jür­gen Hel­mes, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Regens­burg für Ober­pfalz /​Kel­heim, Alex­an­der Schrei­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK für Nie­der­bay­ern in Pas­sau, Jür­gen Kil­ger, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer Nie­der­bay­ern-Ober­pfalz, und Rai­ner Beck, Geschäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, unterschrieben.

Die Ein­stu­fung Tsche­chi­ens als Virus­mu­ta­ti­ons­ge­biet sei aus Sicht der regio­na­len Wirt­schaft fol­ge­rich­tig und unter­strei­che die Risi­ko-Beur­tei­lung gegen­über dem Infek­ti­ons­ge­sche­hen bei den tsche­chi­schen Nach­barn. Die an Tsche­chi­en gren­zen­den baye­ri­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mern sowie Hand­werks­kam­mern unter­stütz­ten die geplan­ten sta­tio­nä­ren Grenz­kon­trol­len, die Aus­wei­tung des Testan­ge­bots auf baye­ri­scher und tsche­chi­scher Sei­te sowie eine siche­re Umset­zung der Ein­rei­se­ver­ord­nun­gen. „Gleich­zei­tig appel­lie­ren wir in einem heu­te ver­sand­ten Brand­brief an Minis­ter­prä­si­dent Dr. Mar­kus Söder, von einer fak­ti­schen Grenz­schlie­ßung in Form einer Qua­ran­tä­ne­pflicht von fünf Tagen nach Ein­rei­se mit nega­ti­vem Coro­na-Test abzu­se­hen”, so der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Regens­burg für Ober­pfalz /​Kel­heim, Dr. Jür­gen Hel­mes.
Eine sol­che Rege­lung kön­ne weder von den Betrie­ben, noch von den bay­ern­weit ins­ge­samt 23.000 tsche­chi­schen Pend­lern umge­setzt wer­den. In Fol­ge wür­den ab kom­men­der Woche in erheb­li­chem Umfang drin­gend benö­tig­te Fach­kräf­te in der Indus­trie, im Hand­werk, in der Logis­tik bei indus­tri­el­len Lie­fer­ket­ten, der Lebens­mit­tel­ver­sor­gung, der Ent­sor­gung und beim ÖPNV sowie in wei­te­ren Dienst­leis­tungs­be­rei­chen fehlen.


Euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Teststrategie

„Die Wirt­schaft in den Grenz­re­gio­nen hat seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie alle nöti­gen Maß­nah­men zum Infek­ti­ons­schutz kon­struk­tiv beglei­tet”, betont Gabrie­le Hohen­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. „Durch vor­bild­li­che Infek­ti­ons­schutz­kon­zep­te haben die Unter­neh­men einen wich­ti­gen Bei­trag zum Schutz der Mit­ar­bei­ter und der Bevöl­ke­rung geleis­tet.” Die Wirt­schaft lobt die aktu­el­le Test­stra­te­gie, bei der die Berufs­pend­ler in einem 48-Stun­den-Tur­nus auf COVID19 getes­tet wer­den. „Dank der vor­bild­li­chen Arbeit der grenz­na­hen Land­rats­äm­ter und die Unter­stüt­zung des Frei­staats Bay­ern für umfang­rei­che Test­ka­pa­zi­tä­ten an den Gren­zen zu Tsche­chi­en konn­te ein in Euro­pa bei­spiel­lo­ses und wirk­sa­mes Test­sys­tem eta­bliert wer­den”, dan­ken Dr. Hel­mes und Hohen­ner den poli­ti­schen Verantwortlichen.

Die Wirt­schafts­ver­tre­ter sind über­zeugt, dass der grenz­über­schrei­ten­de Arbeits­markt an der baye­risch-tsche­chi­schen Gren­ze auch mit vor­über­ge­hen­den Grenz­kon­trol­len wei­ter bestehen kann, sofern die Rege­lun­gen in der Pra­xis umsetz­bar seien.

Offe­ne Werk­statt Bamberg

Ein Ort des Hand­werks und des Wissens

Auf dem Gelän­de der War­ner-Bar­racks in der Wei­ßen­burg­stra­ße ent­steht der­zeit die Offe­ne Werk­statt Bam­berg. Der gemein­nüt­zi­ge Ver­ein stellt Raum, Werk­zeug und Anlei­tung für die Umset­zung hand­werk­li­cher Ideen und Plä­ne zur Verfügung.

Unab­hän­gig von hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten kön­nen alle Inter­es­sier­ten das Ange­bot in Anspruch neh­men, gestal­te­risch tätig sein und sich mit ande­ren Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­kern aus­tau­schen. Auf den etwa 150 Qua­drat­me­tern der Offe­nen Werk­statt sind meh­re­re Arbeits­plät­ze ver­teilt – was an Werk­zeug, Werk­stoff oder Maschi­ne­rie noch nicht vor­han­den ist, soll noch ange­schafft wer­den.
Katha­ri­na Brein­bau­er ist Vor­stands­mit­glied und Kas­sen­wär­tin des 25-köp­fi­gen Orga­ni­sa­ti­ons­teams der Offe­nen Werk­statt. Wir haben mit ihr gesprochen.


Frau Brein­bau­er, wie wirkt sich die Pan­de­mie auf die Pla­nun­gen der Offe­nen Werk­statt aus? 

Katha­ri­na Brein­bau­er: Wir hat­ten eigent­lich geplant, schon im zurück­lie­gen­den Novem­ber zu öff­nen. Aber als sich die zwei­te Coro­na-Wel­le und der zwei­te Lock­down abzeich­ne­ten, muss­ten wir die­sen Ter­min ver­schie­ben. Wir über­le­gen noch, ob wir den Febru­ar anpei­len kön­nen. Aber solan­ge die gesell­schaft­li­chen Beschrän­kun­gen noch lau­fen, wäre es abso­lut unsin­nig, die Werk­statt zu öff­nen. Bis dahin läuft alles eben ein biss­chen lang­sa­mer, aber ganz untä­tig sind wir nicht. Neben Reno­vie­rungs­ar­bei­ten und Online-Bespre­chun­gen haben wir bei­spiels­wei­se im Dezem­ber eine Ade­nts­werk­statt ver­an­stal­tet, klei­ne Bas­tel­ar­bei­ten wie ein Wikin­ger-Schach her­ge­stellt und in ver­schie­de­nen Läden in der Stadt zum Mit­neh­men aus­ge­legt. Auf unse­rer Home­page haben wir gleich­zei­tig die Anlei­tung hoch­ge­la­den, wie man sich ähn­li­che Sachen selbst nach­bau­en kann. Das hat­te den Sinn, zumin­dest ein biss­chen Work­shop- und Bas­tel­fe­e­ling zu verbreiten.


Wodurch unter­schei­det sich die Offe­ne Werk­statt Bam­berg vom hei­mi­schen Hobbykeller?

Katha­ri­na Brein­bau­er: Wir ver­su­chen, einen Raum zu schaf­fen, in dem Leu­ten, die ger­ne hand­werk­lich arbei­ten und sel­ber gestal­ten, hand­werk­li­che Aus­rüs­tung und Infra­struk­tur bereit­ge­stellt wird, um auf einem Niveau arbei­ten zu kön­nen, das das Niveau von Hob­by­räu­men und der­glei­chen über­steigt. Auch gibt es Work­shops und regel­mä­ßi­ge Maschi­nen­ein­wei­sun­gen, um Fähig­kei­ten zu ver­tie­fen. Auch die Grö­ße des Rau­mes erlaubt Sachen, die man zuhau­se nicht machen kann.


Wie finan­zie­ren Sie sich?

Katha­ri­na Brein­bau­er: Momen­tan finan­zie­ren wir uns noch über För­der­mit­tel und Mit­glieds­bei­trä­ge. Spä­ter, wenn wir einen lau­fen­den Betrieb haben, wird es auch Nut­zungs­ge­büh­ren geben.


Die Offe­ne Werk­statt befin­det sich in den War­ner-Bar­racks in der Wei­ßen­burg­stra­ße. Wie sind Sie zu die­sem Stand­ort gekommen?

Katha­ri­na Brein­bau­er: Der neu gegrün­de­te Ver­ein mach­bar bam­berg e.V. hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, Räu­me für die sozia­le und kul­tu­rel­le Bele­bung Bam­bergs zu fin­den. Durch mach­bar e.V. ist unser gro­ber Zusam­men­schluss Inter­es­sier­ter zu den Räum­lich­kei­ten auf der ehe­ma­li­gen Lagar­de Kaser­ne gekom­men. Die Räu­me wer­den uns von der Stadt­bau GmbH zur Zwi­schen­nut­zung ver­mie­tet. Wir hof­fen natür­lich, mög­lichst lan­ge an die­sem Stand­ort blei­ben zu kön­nen, auch weil das Her­rich­ten der Räu­me sehr viel ehren­amt­li­che Zeit und Arbeits­leis­tung in Anspruch genom­men hat. Aus dem losen Zusam­men­schluss von Leu­ten ist inzwi­schen ein Ver­ein mit 25 akti­ven Mit­glie­dern gewor­den, der wöchent­lich wächst!


Wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen erfüllt sein, um Ihre Aus­rüs­tung und Räum­lich­kei­ten in Anspruch neh­men zu dürfen?

Katha­ri­na Brein­bau­er: Wir glau­ben es den Leu­ten, wenn sie uns ihre hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten beschrei­ben, aber alle müs­sen, bevor sie unser Ange­bot, das heißt in die­sem Fall, bevor sie gewis­se Maschi­nen nut­zen kön­nen, an einer Ein­wei­sung teil­neh­men – auch damit wir ver­si­che­rungs­recht­lich abge­si­chert sind. Dann bekommt man einen Schein, der erlaubt, beim nächs­ten Mal schon selbst­stän­di­ger zu arbei­ten. Sonst haben wir eigent­lich kaum Anfor­de­run­gen und wir set­zen kei­ne hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten vor­aus. Wir möch­ten ein mög­lichst brei­tes Publi­kum anspre­chen, mit ver­schie­de­nem Professionalisierungsgrad.


Inwie­weit ist die Offe­ne Werk­statt demenstpre­chend auch ein Ort des Aus­tauschs von Wissen?

Katha­ri­na Brein­bau­er: Dar­in besteht die Essenz und das Ziel einer offe­nen Werk­statt. Wir wer­den immer wie­der Work­shops anbie­ten, als nied­rig­schwel­li­ges Ange­bot, um Leu­te zu uns zu locken und ihnen hand­werk­li­che Fähig­kei­ten zu geben oder zu ver­tie­fen. Auf der ande­ren Sei­te bemü­hen sich auch die Team­mit­glie­der um Aus­tausch mit Hand­werks­ar­ten, die ihnen noch unbe­kannt sind. So befin­det sich im Stock­werk über uns die Kul­tur­in­itia­ti­ve „Kos­mos Ost“, ein Ort zur Ver­net­zung zwi­schen Künst­le­rin­nen und Künst­lern, Kul­tur­schaf­fen­den und Ver­ei­nen. Zu eini­gen Kul­tur­schaf­fen­den besteht bereits ein enger Kon­takt und Work­shop-Ange­bo­te wer­den geplant.


Ein Bei­spiel zum Schluss: Wenn sich eine Per­son an Sie wen­det und sagt, kei­ne hand­werk­li­che Fähig­kei­ten und kein Werk­zeug, aber den Wunsch, sich einen Tisch zu bau­en zu haben – wür­de und könn­te die Offe­ne Werk­statt die­se Per­son auf­neh­men und beglei­ten, bis der Tisch fer­tig ist?

Katha­ri­na Brein­bau­er: Ja, das ist mög­lich. Es hängt zwar ein biss­chen davon ab, wie gera­de unse­re per­so­nel­len Res­sour­cen aus­se­hen, aber grund­sätz­lich bie­ten wir ger­ne unse­re Unter­stüt­zung an.

Offe­ne Werk­statt Bamberg

War­ner-Bar­racks 7107
Wei­ßen­burg­stra­ße 10

96052 Bam­berg

https://www.owba.de

Crowd­fun­ding

https://www.startnext.com/offene-werkstatt-bamberg

Kreis­hand­wer­ker­schaft Bamberg

Kon­junk­tu­rel­le Achterbahnfahrt

Das Hand­werk in Stadt und Land­kreis Bam­berg hat die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie bis­lang deut­lich weni­ger zu spü­ren bekom­men als die ört­li­che Indus­trie. Wäh­rend die Betrie­be aus dem Bau- und Aus­bau­hand­werk nahe­zu unbe­scha­det durch die Kri­se gekom­men sind, haben indus­trie­na­he Hand­werks­be­trie­be deut­li­che wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen hin­neh­men müs­sen. Hin­zu kommt ein seit län­ge­rem herr­schen­der Per­so­nal­man­gel. Man­fred Amon ist Kreis­hand­werks­meis­ter der Kreis­hand­wer­ker­schaft Bam­berg. Mit ihm haben wir über den Zustand der ört­li­chen Hand­werks­bran­che gesprochen.

Herr Amon, wie geht es der ober­frän­ki­schen Hand­werks­bran­che, lässt sich die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Jah­res 2020 bereits beziffern?

Man­fred Amon: Laut der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken lässt sich das Jahr 2020 für das ober­frän­ki­sche Hand­werk in der Gesamt­heit noch nicht bezif­fern, daher kön­nen nur all­ge­mei­ne Aus­sa­gen getrof­fen wer­den. Für die ober­frän­ki­schen Hand­werks­be­trie­be glich das Jahr 2020 einer kon­junk­tu­rel­len Ach­ter­bahn­fahrt. Nach einem star­ken Start hat der Lock­down im Früh­jahr auch der Hand­werks­wirt­schaft einen star­ken Dämp­fer ver­passt. Zwar hat sich das Hand­werk nach den ers­ten Locke­run­gen wie­der auf­ge­rap­pelt und erholt, durch den aktu­ell anhal­ten­den Teil-Lock­down wer­den aller­dings eini­ge Betrie­be aber­mals kon­junk­tu­rell aus­ge­bremst. Ins­be­son­de­re Gewer­ke, die direkt von den Ein­schrän­kun­gen betrof­fen sind, wie Kos­me­ti­ker oder die Lebens­mit­tel­hand­wer­ke, haben erneu­te Umsatz­ein­bu­ßen. Für das Jahr 2020 gehen wir daher davon aus, dass das ober­frän­ki­sche Hand­werk einen Umsatz­rück­gang von cir­ca 4 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­zeich­nen wird. Damit ist das Hand­werk – im Ver­gleich zu ande­ren Bran­chen – bis­her zwar nicht unge­scho­ren, aber bes­ser als zunächst erwar­tet durch die Kri­se gekom­men, ins­be­son­de­re mit Blick auf die Beschäf­tig­ten­ent­wick­lung. Die Beschäf­tig­ten­zahl konn­te über das Jahr kon­stant gehal­ten wer­den.
Den­noch ist die finan­zi­el­le Per­spek­ti­ve für vie­le Betrie­be unge­wiss. Fast jeder zwei­te Betrieb rech­net mit zuneh­men­den finan­zi­el­len Eng­päs­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund und mit Blick auf die nach wie vor nicht abseh­ba­re Ent­wick­lung der Pan­de­mie und ihrer wirt­schaft­li­chen Fol­gen ist es wei­ter wich­tig, mit staat­li­chen Hilfs­maß­nah­men den Betrie­ben unter die Arme zu grei­fen. Deut­li­che­re Spu­ren hat die Coro­na-Pan­de­mie übri­gens im Aus­bil­dungs­markt hin­ter­las­sen. Im Ver­gleich zum Vor­jahr beträgt der Rück­gang an neu geschlos­se­nen Aus­bil­dungs­ver­trä­gen etwa 8 Pro­zent, wäh­rend der Bedarf an Fach­kräf­ten wei­ter­hin hoch ist.

Wäre ein Haus­bau der­zeit ver­hält­nis­mä­ßig teu­er oder billig?

Man­fred Amon: Auf­grund der anhal­ten­den Nied­rig­zins­pha­se hält der Trend zum Eigen­heim­bau an. Wäh­rend die Prei­se am Bau nahe­zu kon­stant geblie­ben sind, stei­gen die Grund­stücks­prei­se auf­grund des knap­pen Bau­land­an­ge­bots in der Regi­on ste­tig an.

Gibt es inner­halb der Bran­che Unter­schie­de in den Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie? Wel­che Gewer­ke sind mehr, wel­che weni­ger betroffen?

Man­fred Amon: Auf­grund der Inho­mo­ge­ni­tät des Hand­werks­sek­tors sind auch die wirt­schaft­li­chen Fol­gen für die ein­zel­nen Gewer­ke sehr unter­schied­lich. Das Bau- und Aus­bau­hand­werk in Stadt und Land­kreis Bam­berg spürt bei­spiel­wei­se nur wenig bis gar nichts von der Kri­se. Die Auf­trags­bü­cher sind gut gefüllt. Ledig­lich War­tungs­ter­mi­ne wer­den ver­ein­zelt sei­tens der Kun­den ver­scho­ben. Und auch das Lebens­mit­tel­hand­werk ohne Cate­ring ist bis­lang robust durch die Kri­se gekom­men. Für indus­trie­na­he Zulie­fer­ge­wer­ke, Betrie­be aus dem Lebens­mit­tel­hand­werk, die eng mit der Gas­tro­no­mie ver­bun­den sind oder Cate­ring anbie­ten, sowie für per­sön­li­che Dienst­leis­tun­gen wie Fri­seu­re und Kos­me­tik­stu­di­os, sind die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Pan­de­mie dage­gen deut­li­cher spür­bar.
Eini­ge indus­trie­na­he Hand­werks­be­trie­be in der Regi­on Bam­berg, ins­be­son­de­re im Metall­be­reich, haben Pro­ble­me ihre Pro­duk­ti­on am Lau­fen zu hal­ten, weil Lie­fer­ket­ten unter­bro­chen sind.
Auch per­so­nel­le Eng­päs­se machen den Betrie­ben zuneh­mend zu schaf­fen, da immer mehr Mit­ar­bei­ter krank­heits- oder qua­ran­tä­ne­be­dingt aus­fal­len. Die gestie­ge­nen Anfor­de­run­gen an Hygie­ne- und Schutz­vor­keh­run­gen sind vor allem für die­je­ni­gen Hand­wer­ker eine zusätz­li­che Belas­tung, für die das kör­per­na­he Arbei­ten unab­ding­bar ist. Die schwie­ri­gen Geschäf­te in eini­gen Gewer­ken machen sich auch bei den Aus­bil­dungs­plät­zen bemerk­bar. Kon­kre­te Zah­len zu den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der betrof­fe­nen Hand­werks­be­trie­be lie­gen uns bis­lang jedoch noch nicht vor.
Doch hat die Kri­se im regio­na­len Hand­werk auch krea­ti­ve Kräf­te frei­ge­setzt. Mit einem Lie­fer­ser­vice, beson­de­ren Ange­bo­ten und einer Umstruk­tu­rie­rung der Pro­duk­ti­on reagier­ten eini­ge Betrie­be auf die ver­än­der­te Situa­ti­on. Vor allem im Hin­blick auf die Digi­ta­li­sie­rung hat sich hier viel bewegt.

Gibt es in der Bran­che wie­der­keh­ren­de Kla­gen? Wenn ja, welche?

Man­fred Amon: Größ­te Her­aus­for­de­run­gen des Hand­werks neben der aktu­el­len Coro­na-Kri­se ist der seit lan­gem bestehen­de Fach­kräf­te- und Nach­wuchs­man­gel. Ober­fran­ken­weit ist im Hand­werk ein deut­li­cher Rück­gang an Aus­zu­bil­den­den in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren zu ver­zeich­nen. Die regio­na­len Hand­werks­be­trie­be haben vie­le poten­zi­el­le Aus­zu­bil­den­de an die Indus­trie ver­lo­ren. Die­se Ent­wick­lung ist durch die zuneh­men­de Aka­de­mi­sie­rung der Gesell­schaft noch ver­schärft wor­den. Die Coro­na-Kri­se, die teils zu mas­si­ven Umsatz­ein­brü­chen in der Indus­trie geführt und die Zukunfts­per­spek­ti­ven in der Indus­trie ein­ge­trübt hat, könn­te sich des­halb mit­un­ter posi­tiv auf die Fach­kräf­te- und Nach­wuchs­si­tua­ti­on im Hand­werk auswirken.

Zur Hand­werks­bran­che gehört auch das Sanie­rungs­ge­wer­be. In wel­chem Zustand befin­det sich die­ses? Sehen Sie beim Sanie­ren eine ver­stärk­te Nach­fra­ge? Wel­che Instand­hal­tungs­maß­nah­men wer­den der­zeit ver­stärkt durch­ge­führt? Wenn ja, wie erklä­ren Sie sich die­sen Trend?

Man­fred Amon: Gera­de klei­ne­re Bau­vor­ha­ben von pri­va­ten Eigen­tü­mern wur­den und wer­den der­zeit ver­mehrt ange­gan­gen. Vor allem die Tat­sa­che, dass mehr zuhau­se ver­weilt und gear­bei­tet wird, hat manch einen dazu ver­an­lasst, mehr ins eige­ne Heim zu inves­tie­ren. Dabei spielt auch eine Rol­le, dass zum Bei­spiel bei ener­gie­wirk­sa­men Inves­ti­tio­nen wie einer Wär­me­däm­mung, dem Aus­tausch von Fens­tern oder auch der Hei­zungs­mo­der­ni­sie­rung staat­li­cher­seits mit beträcht­li­chen Hil­fen geför­dert wird. Wenn ein Haus­ei­gen­tü­mer sieht, dass er kei­ne Zin­sen bekommt und damit ange­sichts auch einer nur gerin­gen Preis­stei­ge­rung das Geld auf der Bank weni­ger wert wird, dann liegt der Gedan­ke nahe, in Immo­bi­li­en­wer­te zu inves­tie­ren. Zudem wur­de in die­sem Jahr deut­lich weni­ger Geld für Rei­sen auf­ge­wen­det. Auch die­ses übri­ge Kapi­tal fließt mit­un­ter in Sach­in­ves­ti­tio­nen, vor allem eben in Bau- und Umbaumaßnahmen.

In einer immer älter wer­den­den Gesell­schaft muss alters­ge­recht gebaut wer­den. Wie hoch ist hier­bei die Nach­fra­ge? Wie ist die Bran­che für die­ses The­ma aufgestellt?

Man­fred Amon: Die Nach­fra­ge zu alters­ge­rech­ter Bau­wei­se nimmt ste­tig zu, das regio­na­le Hand­werk ist hier­für bes­tens gerüs­tet. Gestie­ge­ne Nach­fra­ge besteht im Bereich Elek­tro­tech­nik nach Smart Home-Lösun­gen. Hier steht die Bedie­nung elek­tri­scher Anla­gen zum Bei­spiel über Sprach­steue­rung hoch im Kurs.