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Umwelt

Bei­trag zum Klimaschutz 

Gemein­nüt­zi­ge Kran­ken­haus­ge­sell­schaft führt Rück­ge­win­nung von Nar­ko­se­ga­sen ein

Seit Sep­tem­ber gewinnt die Gemein­nüt­zi­ge Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (GKG) die Nar­ko­se­ga­se, die von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wäh­rend einer Ope­ra­ti­on aus­ge­at­met wer­den, zurück. Damit gelan­gen die­se nicht mehr in die Atmo­sphä­re und kön­nen recy­celt werden.

Das Gesund­heits­we­sen der west­li­chen Län­der belas­tet erheb­lich das Welt­kli­ma. Der medi­zi­ni­sche Sek­tor ist welt­weit für cir­ca 8 bis 10 Pro­zent aller Treib­haus­gas­emis­sio­nen ver­ant­wort­lich. For­scher haben jetzt den typi­schen CO2-Anfall für Kran­ken­häu­ser bestimmt und dabei bemer­kens­wer­te Ergeb­nis­se fest­ge­stellt. Die CO2-Bilanz der Kli­ni­ken wird wesent­lich durch drei Berei­che bestimmt: Nar­ko­se­ga­se, Heiz­kos­ten und Müll.

Alle ver­wen­de­ten Nar­ko­se­ga­se sind schäd­lich für die Umwelt und damit direkt mit­ver­ant­wort­lich für den Kli­ma­wan­del. Ein erheb­li­cher Teil der bei einer Ope­ra­ti­on ein­ge­setz­ten umwelt­schäd­li­chen Nar­ko­se­ga­se wird von der Pati­en­tin bezie­hungs­wei­se dem Pati­en­ten unver­än­dert wie­der aus­ge­at­met und gerät so in die Umwelt.


Aus­ge­at­me­te Nar­ko­se­ga­se wer­den über Aktiv­koh­le-Fil­ter herausgefiltert


Alle Nar­ko­se­ga­se bestehen aus Flu­or­chlor­koh­len­was­ser­stof­fen (FCKW), wel­che zu den extrem kli­ma­schäd­li­chen Treib­haus­ga­sen gehö­ren. Der dadurch ver­ur­sach­te Treib­haus­ef­fekt ist erheb­lich. Die etwa 5.000 Nar­ko­sen pro Jahr in der Gemein­nüt­zi­gen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft des Land­krei­ses Bam­berg (GKG) ent­spre­chen unge­fähr dem jähr­li­chen CO2-Fuß­ab­druck von cir­ca 120 Bun­des­bür­ge­rin­nen und ‑bür­gern. Der welt­wei­te Anteil von Nar­ko­se­ga­sen an der Kli­ma­zer­stö­rung wird der­zeit auf min­des­tens 2 Pro­zent geschätzt. Der Ver­brauch von Nar­ko­se­ga­sen wird ange­sichts der ver­bes­ser­ten medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung glo­bal vor­aus­sicht­lich noch wei­ter steigen.

Nor­ma­ler­wei­se wer­den die Nar­ko­se­ga­se direkt am Nar­ko­se­ge­rät abge­saugt und dann in die Außen­luft – also in die Atmo­sphä­re – abge­lei­tet. Bei der neu­en Tech­nik wer­den die aus­ge­at­me­ten Nar­ko­se­ga­se direkt über einen zusätz­lich ange­brach­ten Aktiv­koh­le-Fil­ter, der mit dem Nar­ko­se­ge­rät ver­bun­den ist, abge­lei­tet und her­aus­ge­fil­tert. Die Fil­ter wer­den anschlie­ßend gesam­melt und der Wie­der­ver­wer­tung zuge­führt. Dadurch gera­ten die Nar­ko­se­ga­se nicht mehr in die Atmo­sphä­re. Die recy­cel­ten Gase kön­nen dann ohne Qua­li­täts­ver­lust wie­der ver­wen­det wer­den. Zusätz­lich wird das in den Fil­tern ein­ge­setz­te Gra­nu­lat aus Aktiv­koh­le sowie alle ande­ren Ver­brauch­ar­ti­kel im Zusam­men­hang mit den Nar­ko­se­ga­sen recy­celt. Die Pro­duk­ti­on und Auf­ar­bei­tung fin­den in Deutsch­land statt, womit auch lan­ge Trans­port­we­ge entfallen.

Für die GKG Bam­berg ist dies ein wei­te­rer Bei­trag zum Kli­ma­schutz. Neben der Ener­gie­ge­win­nung aus Solar­an­la­gen und Block­heiz­kraft­wer­ken ist die umwelt­freund­li­che Rück­ge­win­nung von Nar­ko­se­ga­sen eine wei­te­re Inves­ti­ti­on in die Zukunft. Die zusätz­lich ent­ste­hen­den Kos­ten durch die Wie­der­ver­wer­tung der Nar­ko­se­ga­se wer­den von der Kran­ken­haus­ge­sell­schaft übernommen.

His­to­ri­sche Glas­schei­ben tra­gen zum Res­sour­cen­schutz bei

Restau­rie­rungs­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Bam­berg prä­sen­tiert Kli­ma­Glas-For­schungs­er­geb­nis­se bei der Woche der Umwelt

Aus öko­lo­gi­scher und denk­mal­pfle­ge­ri­scher Sicht sind Fens­ter in denk­mal­ge­schütz­ten Gebäu­den erhal­tens­wert: „Wenn wir his­to­ri­sche Glas­schei­ben im Bestand hal­ten und ener­ge­tisch opti­mie­ren, leis­ten wir einen akti­ven Bei­trag zum Res­sour­cen­schutz“, erläu­tert Restau­rie­rungs­wis­sen­schaft­ler Prof. Dr. Paul Bel­len­dorf von der Uni­ver­si­tät Bam­berg in Ver­tre­tung sei­nes Kol­le­gen Prof. Dr. Rai­ner Dre­wel­lo, der das Pro­jekt „Kli­ma­Glas“ leitet.

Das Pro­jekt­team stellt sei­ne For­schungs­er­geb­nis­se in einer vir­tu­el­len Prä­sen­ta­ti­on am 10. und 11. Juni 2021 bei der sechs­ten Woche der Umwelt vor, zu der Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er und die Deut­sche Bun­des­stif­tung Umwelt einladen.


Res­sour­cen­schutz statt Abfallglas

„Es ist ein wich­ti­ges Anlie­gen der Denk­mal­pfle­ge, den Cha­rak­ter von his­to­ri­schen Gebäu­den zu erhal­ten – auch die Fens­ter“, erklärt Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin Alex­an­dra Schmöl­der. „Alte Fens­ter sind gera­de des­halb char­mant, weil sie nicht ganz per­fekt und dadurch viel leben­di­ger sind.“ Wel­len, Ein­schlüs­se, gebro­che­nes Licht: Sol­che Effek­te machen his­to­ri­sches Fens­ter­glas ein­zig­ar­tig und authen­tisch. Das Pro­jekt „Kli­ma­Glas“ unter­mau­ert erst­mals mess­tech­nisch, dass es neben dem denk­mal­pfle­ge­ri­schen auch ein öko­lo­gi­sches Argu­ment gibt, alte Fens­ter zu erhal­ten. Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin Ruth Ten­schert führt aus: „Wenn für die Glas­pro­duk­ti­on Sand geschmol­zen wird, ver­braucht das vie­le Res­sour­cen. Erhält man die his­to­ri­schen Fens­ter, blei­ben die ursprüng­lich ein­ge­setz­ten Roh­stof­fe im Bestand.“ His­to­ri­sche Glas­schei­ben kön­nen Schwer­me­tal­le ent­hal­ten, sodass kein Recy­cling mög­lich ist. Sie enden bis­lang oft als Abfallglas.


Ener­gie­ef­fi­zi­en­te Fenster

Kom­bi­niert man nun bei­spiels­wei­se ein his­to­ri­sches Kas­ten­fens­ter mit einer moder­nen Schei­be, ver­mei­det man Wär­me­ver­lust und senkt somit den CO2-​Abdruck. Es ist nicht nötig, das alte durch ein neu­es, drei­fach­ver­glas­tes Fens­ter zu erset­zen. Das Pro­jekt­team der Uni­ver­si­tät Bam­berg hat für das Pro­jekt unter ande­rem recher­chiert, wie Glas­schei­ben damals her­ge­stellt und wel­che Res­sour­cen dabei ver­braucht wur­den. Es koope­riert mit dem Fraun­ho­fer-Insti­tut für Bau­phy­sik in Holz­kir­chen und Stutt­gart, das meh­re­re modell­haf­te Kon­struk­tio­nen mess­tech­nisch über­wacht und die Ener­gie­ef­fi­zi­enz errech­net hat. Die Mes­sun­gen in der Alten Schäff­le­rei des Klos­ters Bene­dikt­beu­ern bestä­ti­gen etwa, dass ein Kas­ten­fens­ter in Kom­bi­na­ti­on mit moder­nem Glas ener­gie­ef­fi­zi­ent ist und sich kein Schim­mel im Zwi­schen­raum bildet.

„Kli­ma­Glas“ ist die Kurz­be­zeich­nung für das Pro­jekt „Inno­va­ti­ve Lösun­gen für die ener­ge­ti­sche Ertüch­ti­gung his­to­ri­scher Glä­ser und Glas­fens­ter – Pra­xis­ver­su­che in der Alten Schäff­le­rei, Klos­ter Bene­dikt­beu­ern“. Es läuft seit Okto­ber 2018 bis August 2021 und wird vom Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz mit 543.248 Euro finanziert.


Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und ein Video über das For­schungs­pro­jekt sind zu fin­den unter https://www.uni-bamberg.de/restaurierungswissenschaft/forschung/aktuelle-forschungsprojekte/klimaglas/

Aus­zeich­nung

Uni­ver­si­tät Bam­berg erhält Qua­li­täts­sie­gel „Umweltbildung.Bayern“

Die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg darf nun das Qua­li­täts­sie­gel „Umweltbildung.Bayern“ tra­gen. Das Qua­li­täts­sie­gel wird seit 2006 an gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen, Selbst­stän­di­ge und Netz­wer­ke ver­lie­hen, die sich beson­ders in der Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in Bay­ern ein­set­zen und eine Trans­for­ma­ti­on in der Gesell­schaft aktiv mitgestalten.

„Wir freu­en uns sehr, dass unse­re Anstren­gun­gen im Bereich der Nach­hal­tig­keit auf die­se Wei­se gewür­digt wer­den und wir nun das Qua­li­täts­sie­gel für unse­re Akti­vi­tä­ten in der Steue­rungs­grup­pe Nach­hal­tig­keit tra­gen dür­fen“, sagt Kanz­le­rin Dr. Dag­mar Steu­er-Flie­ser, die die Steue­rungs­grup­pe lei­tet. „Die Uni­ver­si­tät hat eine gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung, wenn es dar­um geht, Bil­dungs­pro­zes­se zu gestal­ten, die die Gesell­schaft und die Wirt­schaft hin zu einer Kul­tur der Nach­hal­tig­keit füh­ren.“ Mit Pro­jek­ten wie dem „Uni­Gar­de­ning“ oder „Uni­Bie­nen“ wirkt die Uni­ver­si­tät auch in die Gesell­schaft hin­ein. Über den Lehr­bie­nen­stand der Didak­tik der Natur­wis­sen­schaf­ten wer­den Stu­die­ren­de dabei fach­lich und didak­tisch zum Auf­bau und Füh­ren einer Schu­lim­ke­rei aus­ge­bil­det und dau­er­haft für die Imke­rei begeistert.


Der „UrbanGardening“-Demonstrationsgarten steht allen Inter­es­sier­ten offen

Die Steue­rungs­grup­pe Nach­hal­tig­keit an der Uni­ver­si­tät Bam­berg koor­di­niert seit 2016 ver­schie­de­ne Arbeits­grup­pen zu Nach­hal­tig­keits­in­itia­ti­ven. Momen­tan ver­tre­ten 16 Per­so­nen die Berei­che Stu­di­um, For­schung, Leh­re und Ver­wal­tung. Eine der Arbeits­grup­pen ist für das „Uni­Gar­de­ning“ ver­ant­wort­lich. Das Pro­jekt ermög­licht es allen Uni­ver­si­täts­an­ge­hö­ri­gen, Gemü­se und Kräu­ter auf dem Uni­ver­si­täts­ge­län­de zu pflan­zen, zu pfle­gen und zu ern­ten. Brach­lie­gen­de Flä­chen wer­den dabei nach nach­hal­ti­gen Gesichts­punk­ten begrünt.

Das Pro­jekt „Uni­Gar­de­ning“ bie­tet einen öko­lo­gi­schen Gestal­tungs­raum auf dem Uni­ver­si­täts­ge­län­de. Foto: René Paetow 

„Uni­Gar­de­ning bie­tet einen öko­lo­gi­schen Gestal­tungs­raum mit­ten auf dem Unige­län­de“, sagt Dr. Yel­va Lar­sen, Mit­ar­bei­te­rin an der Pro­fes­sur für Didak­tik der Natur­wis­sen­schaf­ten. Sie betreut das Pro­jekt gemein­sam mit Dr. Anna­ma­ria Pfef­fer, ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­te­rin an der Pro­fes­sur für Volks­wirt­schafts­leh­re, insb. Ange­wand­te Wirt­schafts­for­schung. Es ver­netzt die Uni­ver­si­tät mit Initia­ti­ven der Stadt, die Nach­hal­tig­keit als über­ge­ord­ne­tes Ziel ihrer Akti­vi­tä­ten betrach­ten. Dazu gehör­ten etwa die Ver­ei­ne Tran­si­ti­on Bam­berg und Bam­ber­ger Sorten­gar­ten – Grü­nes Erbe Bam­berg. „In Zusam­men­ar­beit mit dem Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten Bam­berg und der Ess­ba­ren Stadt Bam­berg wird seit dem Früh­jahr 2020 am Schil­ler­platz 15 ein „Urban­Gar­de­ning“ Demons­tra­ti­ons­gar­ten für Ober­fran­ken ange­legt, der nicht nur den Uni­ver­si­täts­an­ge­hö­ri­gen, son­dern allen Inter­es­sier­ten offen­steht“, freut sich Yel­va Larsen.


Uni­ver­si­tät darf das Sie­gel bis Dezem­ber 2023 tragen

„Ins­ge­samt tut sich an der Uni­ver­si­tät sehr viel im Bereich Nach­hal­tig­keit“, betont Dag­mar Steu­er-Flie­ser. „Zum Bei­spiel nut­zen wir Strom aus rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien, set­zen E‑Autos sowie Dienst­fahr­rä­der ein und haben seit eini­ger Zeit ein neu­es Müll­tren­nungs­sys­tem. Zahl­rei­che Lehr­ver­an­stal­tun­gen, For­schungs­pro­jek­te und stu­den­ti­sche Initia­ti­ven, die Nach­hal­tig­keit the­ma­ti­sie­ren, fin­den bereits statt.“ Die Uni­ver­si­tät darf das Qua­li­täts­sie­gel „Umweltbildung.Bayern“ nun für drei Jah­re tra­gen. Anschlie­ßend durch­läuft sie eine Rezer­ti­fi­zie­rung. Das Qua­li­täts­sie­gel wird vom soge­nann­ten Kern­team ver­lie­hen und wei­ter­ent­wi­ckelt. Im Kern­team sind der Lan­des­bund für Vogel­schutz, der Bund Natur­schutz in Bay­ern, die Arbeits­ge­mein­schaft Natur- und Umwelt­bil­dung Bay­ern, das Staats­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten (StMELF) /​Baye­ri­sche Forst­ver­wal­tung und das Staats­mi­nis­te­ri­um für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz ver­tre­ten. Das Qua­li­täts­sie­gel wird getra­gen vom Staats­mi­nis­te­ri­um für Umwelt und Verbraucherschutz.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Steue­rungs­grup­pe Nach­hal­tig­keit sind zu fin­den unter

https://www.uni-bamberg.de/nachhaltigkeit/steuerungsgruppe/


Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Pro­jek­ten „Uni­Gar­de­ning“ und „Uni­Bie­nen“ sind zu fin­den unter

https://www.uni-bamberg.de/unigardening/

und

https://www.uni-bamberg.de/nawididaktik/unibiene/

Green­peace Bamberg

Die Umwelt­ret­ter von nebenan

Mal sind ihre Aktio­nen spek­ta­ku­lär, mal eher beschei­den. Mal drau­ßen, weit weg in der Wild­nis, im Wald oder auf dem Meer. Und manch­mal ein­fach nur ums Eck in der Innen­stadt. Die Umwelt­schutz-Orga­ni­sa­ti­on Green­peace, die in den 1970-er Jah­ren in Van­cou­ver in Kana­da gegrün­det wur­de, hat seit 2012 auch einen Able­ger in Bam­berg. Doch was macht Green­peace kon­kret vor Ort? Und wie hat sich alles entwickelt?

Ein Tref­fen nach Fei­er­abend mit zwei Mit­glie­dern, die es wis­sen müs­sen: Franz Ger­big, wel­cher seit Juli 2020 als Grup­pen­ko­or­di­na­tor am Start ist. Und Flo­ri­an Beck, der zu den Grün­dungs­mit­glie­dern der Grup­pe zählt und zuvor Grup­pen­ko­or­di­na­tor war. „Wir haben damals eine Grup­pe von Stu­die­ren­den über die Face­book-Grup­pe von Share and Care zusam­men­ge­trom­melt“, erin­nert sich der Phy­sio­the­ra­peut Beck an die Anfangs­zeit. Andert­halb Jah­re habe es gedau­ert, bis die Grup­pe alle wich­ti­gen Posi­tio­nen besetzt hat­te. Die Green­peace-Orga­ni­sa­ti­ons-Zen­tra­le in Ham­burg mache kla­re Vor­ga­ben für die Struk­tu­ren der Ortsgruppen.

In vie­len Rich­tun­gen aktiv

Die Lis­te an The­men, wel­cher sich Green­peace annimmt, ist lang und ambi­tio­niert: Der Schutz der Mee­re und Wäl­der, die Ener­gie­wen­de, der Wan­del zu einer öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft, der Schutz von Ark­tis und Ant­ark­tis, die Fra­ge von End­la­gern, die Erhal­tung der Arten­viel­falt sowie der Zusam­men­hang von Umwelt und Wirt­schaft ste­hen auf der Agen­da. Alle die­se The­men­fel­der wer­den stets auf loka­le Gege­ben­hei­ten umge­münzt. Und zwar über­par­tei­lich und unab­hän­gig von Wirt­schafts­un­ter­neh­men. Dazu spä­ter mehr.

Offi­zi­ell wur­de Green­peace in Bam­berg im Jahr 2014 aus der Tau­fe geho­ben. Seit­dem hat sich eini­ges ver­än­dert: „Vie­le Leu­te haben dann nach dem Stu­di­um eine Fami­lie gegrün­det oder sind berufs­mä­ßig weg­ge­zo­gen“, schil­dert Flo­ri­an Beck den Fortgang.

Franz Ger­big, Grup­pen­ko­or­di­na­tor (oben), und Flo­ri­an Beck, Grün­dungs­mit­glied und vor­he­ri­ger Grup­pen­koo­di­na­tor der Green­peace-Orts­grup­pe Bam­berg, Fotos: Juli­an Megerle

Trotz­dem wuchs die Grup­pe unun­ter­bro­chen wei­ter, sodass bis heu­te nicht nur Stu­die­ren­de, son­dern vom Bosch-Inge­nieur, über ehe­ma­li­ge US-Army-Mit­glie­der und Leh­rer bis hin zur Rent­ne­rin diver­se per­sön­li­che und sozia­le Hin­ter­grün­de ver­tre­ten sind. Ein Umstand, wel­chen das lang­jäh­ri­ge Mit­glied Beck bis heu­te schätzt: „Es ist wich­tig, dass wir mög­lichst alle gesell­schaft­li­chen Schich­ten ver­tre­ten, wel­chen Umwelt­schutz ein Anlie­gen ist.“ Deutsch­land­weit sind etwa 600.000 Men­schen – mehr als bei jeder eta­blier­ten poli­ti­schen Par­tei – För­der­mit­glied bei Green­peace. 110 Grup­pen ver­tei­len sich quer durch die Bun­des­re­pu­blik. „Das ist ein wich­ti­ges Argu­ment, wenn wir bei Aktio­nen unter­wegs sind und Men­schen abwin­kend mut­ma­ßen, dass wir nur eine klei­ne Grup­pe von Leu­ten sei­en, die sich für die The­men stark machen“, betont Beck. Welt­weit sind drei Mil­lio­nen Mit­glie­der aktiv und in fast 50 Län­dern unter­hält Green­peace Büros und beschäf­tigt Mitarbeitende.

Viel Auf­merk­sam­keit in der Altstadt

In Bam­berg ste­hen 15 Men­schen bereit, sich an Umwelt-The­men zu wagen. In der Jugend­grup­pe sind noch­mal genau­so vie­le Leu­te aktiv. Seit Dezem­ber 2018 hat die Grup­pe ein Büro in der Mem­mels­dor­fer Stra­ße bezo­gen, wel­ches auch ande­re Grup­pen wie Chan­ge e.V. nut­zen. So trifft sich – unter nor­ma­len, coro­nafrei­en Umstän­den – auch die Fri­days for Future-Orts­grup­pe dort. Und das mitt­ler­wei­le 28 Orga­ni­sa­tio­nen umfas­sen­de Bam­ber­ger Kli­ma­schutz­bünd­nis nahm dort im Som­mer 2019 sei­ne Arbeit auf.

So viel Bünd­nis­ar­beit gebe neue Ener­gie. Apro­pos: Beck kann sich noch gut an die ers­te Akti­on zum The­ma Koh­le­ver­stro­mung erin­nern, die auch medi­al mehr Wider­hall hat­te: „Wir haben damals auf dem Max­platz auf einer gro­ßen Pla­kat­wand den Stadt­plan Bam­bergs abge­druckt und die Flä­chen far­big mar­kiert, wel­che bei einem dama­li­gen Koh­le­ab­bau­pro­jekt in der Lau­sitz betrof­fen waren. So woll­ten wir mit ein­fa­chen Mit­teln zei­gen, in wel­chem Aus­maß Dör­fer und Städ­te in Abbau­ge­bie­ten der fos­si­len Ener­gie­er­zeu­gung zum Opfer fie­len. Damals hät­ten Pas­san­tin­nen und Pas­san­ten nicht schlecht gestaunt, wel­che Aus­wir­kun­gen sol­che Bau-Pro­jek­te haben kön­nen“, erin­nert sich Beck. Über­tra­gen auf Bam­berg wären gro­ße Tei­le der Alt­stadt, über das Berg­ge­biet bis nach Gau­stadt, betrof­fen gewesen.

Seit­dem hat die Bam­ber­ger Grup­pe immer wie­der für Auf­se­hen in der Stadt gesorgt. Im Rah­men der deutsch­land­wei­ten Akti­ons­ta­ge haben die Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten von Green­peace bei strah­len­dem Son­nen­schein zur Sand­ker­wa­zeit bei­spiels­wei­se ein Ban­ner vor der Reg­nit­zin­sel am Kra­nen trei­ben las­sen. Das Logo des Mine­ral­öl­kon­zerns Shell zeig­te sich dar­auf zwei­ge­teilt: Die lin­ke Hälf­te war ein trau­rig drein­bli­cken­der Eis­bär, bei der rech­ten rag­te aus der Shell-Muschel ein teuf­li­sches Horn. Der Anlass war die geplan­te Boh­rung nach Erd­öl in der Ark­tis, auf wel­che die Grup­pe auf­merk­sam machen woll­te, um den Ölrie­sen zum Umden­ken zu bewe­gen. Tou­ris­tin­nen und Tou­ris­ten sowie Ein­hei­mi­sche sei­en ste­hen geblie­ben, um die Akti­on foto­gra­fisch festzuhalten.

Ein Schwim­mer sei immer wie­der beschäf­tigt gewe­sen, die Schnü­re des Ban­ners zu lösen, damit der Gon­do­lie­re sei­ne Gäs­te sicher durch den alten Kanal manö­vrie­ren konn­te. Durch Zufall war ein bekann­ter Unter­stüt­zer auf Besuch in Bam­berg: Der dama­li­ge SPD-Ober­bür­ger­meis­ter Mün­chens, Chris­ti­an Ude, lehn­te aus dem Boot her­aus den Fly­er des Schwim­mers dan­kend ab. Die ent­spre­chen­de Peti­ti­on habe er schon unter­schrie­ben und wün­sche gutes Gelin­gen. Und tat­säch­lich: Im Herbst 2015 stopp­te der Ölkon­zern sein Pro­jekt in der Nach­bar­schaft des Nordpols.

Umwelt­zer­stö­rung veranschaulichen

„Wir ver­su­chen die Men­schen auf­zu­klä­ren und ihnen mehr Wis­sen an die Hand zu geben“, beschreibt Grup­pen­ko­or­di­na­tor Franz Ger­big das Cre­do der Orga­ni­sa­ti­on. Des­halb arbei­te Green­peace nicht mit Ver­bo­ten, son­dern baue auf die Mün­dig­keit der Kon­su­mie­ren­den und die Ein­sicht der Poli­tik. Es gehe nicht dar­um, die Men­schen zu errei­chen, wel­che ohne­hin schon ein aus­ge­präg­tes Umwelt­be­wusst­sein an den Tag legen, son­dern jene, die sich mit der The­ma­tik noch nicht beschäf­tigt haben.

Aktio­nen kön­nen The­men und glo­ba­le Zusam­men­hän­ge auf­grei­fen, wie den Weg „Vom Regen­wald zum Schäu­fer­la“, ein Vor­trag, bei dem Ger­big und sei­ne Mit­strei­ten­den anschau­lich über die Fol­gen des EU-Mer­co­sur-Han­dels­ab­kom­mens auf­klär­ten. Das Frei­han­dels­pa­ket soll den Absatz von Fleisch und land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten aus Bra­si­li­en und sei­nen Nach­bar­staa­ten in der EU erleich­tern, was in Süd­ame­ri­ka die Regen­wäl­der gefähr­det, wel­che für die Pro­duk­ti­on zuse­hends gero­det wer­den. Noch ist das Abkom­men jedoch nicht ver­ab­schie­det. Zu allen The­men gebe es Vor­la­gen von Green­peace Deutsch­land, die Umset­zung vor Ort sei aber zwang­los. „Als Orts­grup­pe kön­nen wir nicht auf allen Hoch­zei­ten tan­zen und müs­sen lokal oder regio­nal manch­mal auch ande­re Schwer­punk­te set­zen als Green­peace Deutsch­land“, so Gerbig.

Statt Wäl­der dem Erd­bo­den gleich­zu­ma­chen, set­zen sich die Green­peace-Akti­ven lie­ber dafür ein, dass sie erhal­ten blei­ben. Dabei steht auch der Ein­satz für einen Natio­nal­park Stei­ger­wald auf der Lis­te. „Wir sind seit Jah­ren bei Orts­ter­mi­nen und poli­ti­schen Gesprä­chen dabei“, erklärt Beck.

Inzwi­schen hat sich das Bünd­nis „Stei­gi bleibt“ aus ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen gegrün­det. Und auch in Bam­berg hat Green­peace – neben ande­ren Umwelt­ver­bän­den – Human­power rein­ge­steckt, um beim Bür­ger­ent­scheid zum Gewer­be­ge­biet am Haupt­s­moor­wald zu ver­hin­dern, dass fast 50 Hekt­ar Wald gefällt wer­den. Die Abstim­mung war ein Erfolg: 75 Pro­zent der Bam­ber­ger Stadt­ge­sell­schaft stimm­ten für die Been­di­gung des Bebau­ungs­pla­nes auf der Muna. Das Wald­ge­biet ist fürs Ers­te sicher.

Alles ande­re als sicher ist auf­grund der Coro­na-Kri­se jedoch die Durch­führ­bar­keit wei­te­rer Aktio­nen. Im Som­mer konn­te Green­peace immer­hin 150 Men­schen für einen Film­abend zu nach­hal­ti­gen Alter­na­ti­ven auf die Jahn­wie­se locken. Und im Herbst haben die DJa­nes Lau­ren­zia und gyn_​terre mit­tels Fahr­rad­strom Drum and Bass plus Hip-Hop am Skate­park unter dem Münch­ner Ring zuguns­ten der Kul­tur­schaf­fen­den in Bam­berg auf­ge­legt, gefolgt vom Auf­tritt der Band Soul­Jam. „Durch Coro­na wer­den wir in unse­ren Pla­nun­gen zurück­ge­wor­fen“, gibt der Grup­pen­ko­or­di­na­tor zu beden­ken. Aber die Grup­pe tüf­telt schon an neu­en Din­gen. Denn die Kli­ma­kri­se schwelt wei­ter. Ers­te Über­le­gun­gen für krea­ti­ve Online­ak­tio­nen wol­len Ger­big und Beck aber noch nicht verraten.

Akti­vis­mus wirkt

Die meis­ten Aktio­nen von Green­peace sind harm­los und recht­lich abso­lut sicher. Doch für man­che braucht es mehr Geschick und Wis­sen, um erfolg­reich sein zu kön­nen. Wenn Green­peace-Schif­fe sich im Nord­at­lan­tik zwi­schen Wale und Wal­fang­schif­fe schie­ben, gewal­ti­ge Ban­ner von den obe­ren Eta­gen von Gebäu­den her­ab­ge­las­sen wer­den oder – wie in Bam­berg und an ande­ren Orten gesche­hen – Super­markt­fens­ter­schei­ben mit über­le­bens­gro­ßen Foto­gra­fien aus Mas­sen­tier­hal­tungs­be­trie­ben beklebt wer­den, dann braucht es dafür aus­ge­bil­de­tes Per­so­nal. In Ham­burg kön­nen sich Inter­es­sier­te das recht­li­che, fach­li­che und sport­li­che Know-How draufpacken.

Die genann­ten Kon­fron­ta­tio­nen loh­nen sich immer wie­der: „Das Tier­wohl-Label auf Fleisch­pro­duk­ten ist in Fol­ge der Green­peace-Aktio­nen durch­ge­setzt wor­den“, hält Grup­pen­ko­or­di­na­tor Ger­big fest. „Wenn mein Sohn alt genug ist und ich die Zeit dafür fin­de, möch­te ich auch die Aus­bil­dung ange­hen“, betont Ger­big, wel­cher als For­schungs­as­sis­tent arbei­tet und frü­her eine BUND-Jugend­grup­pe leitete.

Wer bei Green­peace ein­stei­gen möch­te, muss nicht ein­mal for­mal Mit­glied wer­den. „Im Zen­trum steht, dass wir Aktio­nen machen, die sinn­voll sind und allen Spaß machen“, fasst es der Grup­pen­ko­or­di­na­tor Ger­big zusam­men. Alle zwei Wochen tref­fen sich die Mit­glie­der zum Ple­num. Momen­tan selbst­ver­ständ­lich online. Auf die Fra­ge, ob man sich bei Green­peace vegan ernäh­ren müs­se oder zumin­dest das eige­ne Auto ver­kau­fen sol­le, müs­sen Franz Ger­big und Flo­ri­an Beck lachen: „Wir wol­len die Din­ge zwang­los ver­mit­teln. Das ist erfolg­ver­spre­chen­der“, bekräf­tigt Beck. Und kei­ne Angst: Nie­mand muss auf Fund­rai­sing-Tour gehen und Spen­den für die Orga­ni­sa­ti­on sam­meln. Auch Jugend­li­che kön­nen sich der Jugend­ak­ti­ons­grup­pe anschließen.

Die bei­den Green­peace-Akti­ven haben ihr Enga­ge­ment nie bereut. Auch wenn in einer Akti­ons­wo­che mal acht Stun­den Zeit in das Ehren­amt flie­ßen. Bleibt die Fra­ge: Was wün­schen sich die Umwelt­schüt­zer für ihre Zukunft? „Das bes­te wäre natür­lich, wenn sich Green­peace als Orga­ni­sa­ti­on eines Tages über­flüs­sig machen wür­de, weil unse­re Zie­le erreicht wur­den“, sagt Grup­pen­ko­or­di­na­tor Ger­big. Für sei­nen lang­jäh­ri­gen Mit­strei­ter Beck besteht noch Hoff­nung, dass die Grup­pe wei­ter­exis­tiert und so divers auf­ge­stellt bleibt wie bis­her. Poli­tisch gese­hen sind sich bei­de einig, dass die Stadt Bam­berg die For­de­run­gen des Bam­ber­ger Kli­ma­schutz­bünd­nis­ses aner­ken­nen und ihre Reak­tio­nen dar­auf nach­bes­sern soll­te. Damit nicht nur Green­peace eine Zukunft hat.