Seit September gewinnt die Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft (GKG) die Narkosegase, die von Patientinnen und Patienten während einer Operation ausgeatmet werden, zurück. Damit gelangen
... weiter
Beitrag zum Klimaschutz
Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft führt Rückgewinnung von Narkosegasen ein
Seit September gewinnt die Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft (GKG) die Narkosegase, die von Patientinnen und Patienten während einer Operation ausgeatmet werden, zurück. Damit gelangen diese nicht mehr in die Atmosphäre und können recycelt werden.
Das Gesundheitswesen der westlichen Länder belastet erheblich das Weltklima. Der medizinische Sektor ist weltweit für circa 8 bis 10 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Forscher haben jetzt den typischen CO2-Anfall für Krankenhäuser bestimmt und dabei bemerkenswerte Ergebnisse festgestellt. Die CO2-Bilanz der Kliniken wird wesentlich durch drei Bereiche bestimmt: Narkosegase, Heizkosten und Müll.
Alle verwendeten Narkosegase sind schädlich für die Umwelt und damit direkt mitverantwortlich für den Klimawandel. Ein erheblicher Teil der bei einer Operation eingesetzten umweltschädlichen Narkosegase wird von der Patientin beziehungsweise dem Patienten unverändert wieder ausgeatmet und gerät so in die Umwelt.
Ausgeatmete Narkosegase werden über Aktivkohle-Filter herausgefiltert
Alle Narkosegase bestehen aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), welche zu den extrem klimaschädlichen Treibhausgasen gehören. Der dadurch verursachte Treibhauseffekt ist erheblich. Die etwa 5.000 Narkosen pro Jahr in der Gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg (GKG) entsprechen ungefähr dem jährlichen CO2-Fußabdruck von circa 120 Bundesbürgerinnen und ‑bürgern. Der weltweite Anteil von Narkosegasen an der Klimazerstörung wird derzeit auf mindestens 2 Prozent geschätzt. Der Verbrauch von Narkosegasen wird angesichts der verbesserten medizinischen Versorgung global voraussichtlich noch weiter steigen.
Normalerweise werden die Narkosegase direkt am Narkosegerät abgesaugt und dann in die Außenluft – also in die Atmosphäre – abgeleitet. Bei der neuen Technik werden die ausgeatmeten Narkosegase direkt über einen zusätzlich angebrachten Aktivkohle-Filter, der mit dem Narkosegerät verbunden ist, abgeleitet und herausgefiltert. Die Filter werden anschließend gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Dadurch geraten die Narkosegase nicht mehr in die Atmosphäre. Die recycelten Gase können dann ohne Qualitätsverlust wieder verwendet werden. Zusätzlich wird das in den Filtern eingesetzte Granulat aus Aktivkohle sowie alle anderen Verbrauchartikel im Zusammenhang mit den Narkosegasen recycelt. Die Produktion und Aufarbeitung finden in Deutschland statt, womit auch lange Transportwege entfallen.
Für die GKG Bamberg ist dies ein weiterer Beitrag zum Klimaschutz. Neben der Energiegewinnung aus Solaranlagen und Blockheizkraftwerken ist die umweltfreundliche Rückgewinnung von Narkosegasen eine weitere Investition in die Zukunft. Die zusätzlich entstehenden Kosten durch die Wiederverwertung der Narkosegase werden von der Krankenhausgesellschaft übernommen.
Historische Glasscheiben tragen zum Ressourcenschutz bei
Restaurierungswissenschaft der Universität Bamberg präsentiert KlimaGlas-Forschungsergebnisse bei der Woche der Umwelt
Aus ökologischer und denkmalpflegerischer Sicht sind Fenster in denkmalgeschützten Gebäuden erhaltenswert: „Wenn wir historische Glasscheiben im Bestand halten und energetisch optimieren, leisten wir einen aktiven Beitrag zum Ressourcenschutz“, erläutert Restaurierungswissenschaftler Prof. Dr. Paul Bellendorf von der Universität Bamberg in Vertretung seines Kollegen Prof. Dr. Rainer Drewello, der das Projekt „KlimaGlas“ leitet.
Das Projektteam stellt seine Forschungsergebnisse in einer virtuellen Präsentation am 10. und 11. Juni 2021 bei der sechsten Woche der Umwelt vor, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt einladen.
Ressourcenschutz statt Abfallglas
„Es ist ein wichtiges Anliegen der Denkmalpflege, den Charakter von historischen Gebäuden zu erhalten – auch die Fenster“, erklärt Projektmitarbeiterin Alexandra Schmölder. „Alte Fenster sind gerade deshalb charmant, weil sie nicht ganz perfekt und dadurch viel lebendiger sind.“ Wellen, Einschlüsse, gebrochenes Licht: Solche Effekte machen historisches Fensterglas einzigartig und authentisch. Das Projekt „KlimaGlas“ untermauert erstmals messtechnisch, dass es neben dem denkmalpflegerischen auch ein ökologisches Argument gibt, alte Fenster zu erhalten. Projektmitarbeiterin Ruth Tenschert führt aus: „Wenn für die Glasproduktion Sand geschmolzen wird, verbraucht das viele Ressourcen. Erhält man die historischen Fenster, bleiben die ursprünglich eingesetzten Rohstoffe im Bestand.“ Historische Glasscheiben können Schwermetalle enthalten, sodass kein Recycling möglich ist. Sie enden bislang oft als Abfallglas.
Energieeffiziente Fenster
Kombiniert man nun beispielsweise ein historisches Kastenfenster mit einer modernen Scheibe, vermeidet man Wärmeverlust und senkt somit den CO2-Abdruck. Es ist nicht nötig, das alte durch ein neues, dreifachverglastes Fenster zu ersetzen. Das Projektteam der Universität Bamberg hat für das Projekt unter anderem recherchiert, wie Glasscheiben damals hergestellt und welche Ressourcen dabei verbraucht wurden. Es kooperiert mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen und Stuttgart, das mehrere modellhafte Konstruktionen messtechnisch überwacht und die Energieeffizienz errechnet hat. Die Messungen in der Alten Schäfflerei des Klosters Benediktbeuern bestätigen etwa, dass ein Kastenfenster in Kombination mit modernem Glas energieeffizient ist und sich kein Schimmel im Zwischenraum bildet.
„KlimaGlas“ ist die Kurzbezeichnung für das Projekt „Innovative Lösungen für die energetische Ertüchtigung historischer Gläser und Glasfenster – Praxisversuche in der Alten Schäfflerei, Kloster Benediktbeuern“. Es läuft seit Oktober 2018 bis August 2021 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit 543.248 Euro finanziert.
Weitere Informationen und ein Video über das Forschungsprojekt sind zu finden unter https://www.uni-bamberg.de/restaurierungswissenschaft/forschung/aktuelle-forschungsprojekte/klimaglas/
Das könnte Sie auch interessieren...
Auszeichnung
Universität Bamberg erhält Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“
Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg darf nun das Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ tragen. Das Qualitätssiegel wird seit 2006 an gemeinnützige Einrichtungen, Selbstständige und Netzwerke verliehen, die sich besonders in der Bildung für nachhaltige Entwicklung in Bayern einsetzen und eine Transformation in der Gesellschaft aktiv mitgestalten.
„Wir freuen uns sehr, dass unsere Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit auf diese Weise gewürdigt werden und wir nun das Qualitätssiegel für unsere Aktivitäten in der Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit tragen dürfen“, sagt Kanzlerin Dr. Dagmar Steuer-Flieser, die die Steuerungsgruppe leitet. „Die Universität hat eine gesellschaftliche Verantwortung, wenn es darum geht, Bildungsprozesse zu gestalten, die die Gesellschaft und die Wirtschaft hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit führen.“ Mit Projekten wie dem „UniGardening“ oder „UniBienen“ wirkt die Universität auch in die Gesellschaft hinein. Über den Lehrbienenstand der Didaktik der Naturwissenschaften werden Studierende dabei fachlich und didaktisch zum Aufbau und Führen einer Schulimkerei ausgebildet und dauerhaft für die Imkerei begeistert.
Der „UrbanGardening“-Demonstrationsgarten steht allen Interessierten offen
Die Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit an der Universität Bamberg koordiniert seit 2016 verschiedene Arbeitsgruppen zu Nachhaltigkeitsinitiativen. Momentan vertreten 16 Personen die Bereiche Studium, Forschung, Lehre und Verwaltung. Eine der Arbeitsgruppen ist für das „UniGardening“ verantwortlich. Das Projekt ermöglicht es allen Universitätsangehörigen, Gemüse und Kräuter auf dem Universitätsgelände zu pflanzen, zu pflegen und zu ernten. Brachliegende Flächen werden dabei nach nachhaltigen Gesichtspunkten begrünt.
„UniGardening bietet einen ökologischen Gestaltungsraum mitten auf dem Unigelände“, sagt Dr. Yelva Larsen, Mitarbeiterin an der Professur für Didaktik der Naturwissenschaften. Sie betreut das Projekt gemeinsam mit Dr. Annamaria Pfeffer, ehemalige Mitarbeiterin an der Professur für Volkswirtschaftslehre, insb. Angewandte Wirtschaftsforschung. Es vernetzt die Universität mit Initiativen der Stadt, die Nachhaltigkeit als übergeordnetes Ziel ihrer Aktivitäten betrachten. Dazu gehörten etwa die Vereine Transition Bamberg und Bamberger Sortengarten – Grünes Erbe Bamberg. „In Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg und der Essbaren Stadt Bamberg wird seit dem Frühjahr 2020 am Schillerplatz 15 ein „UrbanGardening“ Demonstrationsgarten für Oberfranken angelegt, der nicht nur den Universitätsangehörigen, sondern allen Interessierten offensteht“, freut sich Yelva Larsen.
Universität darf das Siegel bis Dezember 2023 tragen
„Insgesamt tut sich an der Universität sehr viel im Bereich Nachhaltigkeit“, betont Dagmar Steuer-Flieser. „Zum Beispiel nutzen wir Strom aus regenerativen Energien, setzen E‑Autos sowie Dienstfahrräder ein und haben seit einiger Zeit ein neues Mülltrennungssystem. Zahlreiche Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekte und studentische Initiativen, die Nachhaltigkeit thematisieren, finden bereits statt.“ Die Universität darf das Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ nun für drei Jahre tragen. Anschließend durchläuft sie eine Rezertifizierung. Das Qualitätssiegel wird vom sogenannten Kernteam verliehen und weiterentwickelt. Im Kernteam sind der Landesbund für Vogelschutz, der Bund Naturschutz in Bayern, die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bayern, das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) /Bayerische Forstverwaltung und das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz vertreten. Das Qualitätssiegel wird getragen vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.
Weitere Informationen zur Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit sind zu finden unter
https://www.uni-bamberg.de/nachhaltigkeit/steuerungsgruppe/
Weitere Informationen zu den Projekten „UniGardening“ und „UniBienen“ sind zu finden unter
https://www.uni-bamberg.de/unigardening/
und
Das könnte Sie auch interessieren...
Greenpeace Bamberg
Die Umweltretter von nebenan
Mal sind ihre Aktionen spektakulär, mal eher bescheiden. Mal draußen, weit weg in der Wildnis, im Wald oder auf dem Meer. Und manchmal einfach nur ums Eck in der Innenstadt. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace, die in den 1970-er Jahren in Vancouver in Kanada gegründet wurde, hat seit 2012 auch einen Ableger in Bamberg. Doch was macht Greenpeace konkret vor Ort? Und wie hat sich alles entwickelt?
Ein Treffen nach Feierabend mit zwei Mitgliedern, die es wissen müssen: Franz Gerbig, welcher seit Juli 2020 als Gruppenkoordinator am Start ist. Und Florian Beck, der zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe zählt und zuvor Gruppenkoordinator war. „Wir haben damals eine Gruppe von Studierenden über die Facebook-Gruppe von Share and Care zusammengetrommelt“, erinnert sich der Physiotherapeut Beck an die Anfangszeit. Anderthalb Jahre habe es gedauert, bis die Gruppe alle wichtigen Positionen besetzt hatte. Die Greenpeace-Organisations-Zentrale in Hamburg mache klare Vorgaben für die Strukturen der Ortsgruppen.
In vielen Richtungen aktiv
Die Liste an Themen, welcher sich Greenpeace annimmt, ist lang und ambitioniert: Der Schutz der Meere und Wälder, die Energiewende, der Wandel zu einer ökologischen Landwirtschaft, der Schutz von Arktis und Antarktis, die Frage von Endlagern, die Erhaltung der Artenvielfalt sowie der Zusammenhang von Umwelt und Wirtschaft stehen auf der Agenda. Alle diese Themenfelder werden stets auf lokale Gegebenheiten umgemünzt. Und zwar überparteilich und unabhängig von Wirtschaftsunternehmen. Dazu später mehr.
Offiziell wurde Greenpeace in Bamberg im Jahr 2014 aus der Taufe gehoben. Seitdem hat sich einiges verändert: „Viele Leute haben dann nach dem Studium eine Familie gegründet oder sind berufsmäßig weggezogen“, schildert Florian Beck den Fortgang.
Trotzdem wuchs die Gruppe ununterbrochen weiter, sodass bis heute nicht nur Studierende, sondern vom Bosch-Ingenieur, über ehemalige US-Army-Mitglieder und Lehrer bis hin zur Rentnerin diverse persönliche und soziale Hintergründe vertreten sind. Ein Umstand, welchen das langjährige Mitglied Beck bis heute schätzt: „Es ist wichtig, dass wir möglichst alle gesellschaftlichen Schichten vertreten, welchen Umweltschutz ein Anliegen ist.“ Deutschlandweit sind etwa 600.000 Menschen – mehr als bei jeder etablierten politischen Partei – Fördermitglied bei Greenpeace. 110 Gruppen verteilen sich quer durch die Bundesrepublik. „Das ist ein wichtiges Argument, wenn wir bei Aktionen unterwegs sind und Menschen abwinkend mutmaßen, dass wir nur eine kleine Gruppe von Leuten seien, die sich für die Themen stark machen“, betont Beck. Weltweit sind drei Millionen Mitglieder aktiv und in fast 50 Ländern unterhält Greenpeace Büros und beschäftigt Mitarbeitende.
Viel Aufmerksamkeit in der Altstadt
In Bamberg stehen 15 Menschen bereit, sich an Umwelt-Themen zu wagen. In der Jugendgruppe sind nochmal genauso viele Leute aktiv. Seit Dezember 2018 hat die Gruppe ein Büro in der Memmelsdorfer Straße bezogen, welches auch andere Gruppen wie Change e.V. nutzen. So trifft sich – unter normalen, coronafreien Umständen – auch die Fridays for Future-Ortsgruppe dort. Und das mittlerweile 28 Organisationen umfassende Bamberger Klimaschutzbündnis nahm dort im Sommer 2019 seine Arbeit auf.
So viel Bündnisarbeit gebe neue Energie. Apropos: Beck kann sich noch gut an die erste Aktion zum Thema Kohleverstromung erinnern, die auch medial mehr Widerhall hatte: „Wir haben damals auf dem Maxplatz auf einer großen Plakatwand den Stadtplan Bambergs abgedruckt und die Flächen farbig markiert, welche bei einem damaligen Kohleabbauprojekt in der Lausitz betroffen waren. So wollten wir mit einfachen Mitteln zeigen, in welchem Ausmaß Dörfer und Städte in Abbaugebieten der fossilen Energieerzeugung zum Opfer fielen. Damals hätten Passantinnen und Passanten nicht schlecht gestaunt, welche Auswirkungen solche Bau-Projekte haben können“, erinnert sich Beck. Übertragen auf Bamberg wären große Teile der Altstadt, über das Berggebiet bis nach Gaustadt, betroffen gewesen.
Seitdem hat die Bamberger Gruppe immer wieder für Aufsehen in der Stadt gesorgt. Im Rahmen der deutschlandweiten Aktionstage haben die Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace bei strahlendem Sonnenschein zur Sandkerwazeit beispielsweise ein Banner vor der Regnitzinsel am Kranen treiben lassen. Das Logo des Mineralölkonzerns Shell zeigte sich darauf zweigeteilt: Die linke Hälfte war ein traurig dreinblickender Eisbär, bei der rechten ragte aus der Shell-Muschel ein teuflisches Horn. Der Anlass war die geplante Bohrung nach Erdöl in der Arktis, auf welche die Gruppe aufmerksam machen wollte, um den Ölriesen zum Umdenken zu bewegen. Touristinnen und Touristen sowie Einheimische seien stehen geblieben, um die Aktion fotografisch festzuhalten.
Ein Schwimmer sei immer wieder beschäftigt gewesen, die Schnüre des Banners zu lösen, damit der Gondoliere seine Gäste sicher durch den alten Kanal manövrieren konnte. Durch Zufall war ein bekannter Unterstützer auf Besuch in Bamberg: Der damalige SPD-Oberbürgermeister Münchens, Christian Ude, lehnte aus dem Boot heraus den Flyer des Schwimmers dankend ab. Die entsprechende Petition habe er schon unterschrieben und wünsche gutes Gelingen. Und tatsächlich: Im Herbst 2015 stoppte der Ölkonzern sein Projekt in der Nachbarschaft des Nordpols.
Umweltzerstörung veranschaulichen
„Wir versuchen die Menschen aufzuklären und ihnen mehr Wissen an die Hand zu geben“, beschreibt Gruppenkoordinator Franz Gerbig das Credo der Organisation. Deshalb arbeite Greenpeace nicht mit Verboten, sondern baue auf die Mündigkeit der Konsumierenden und die Einsicht der Politik. Es gehe nicht darum, die Menschen zu erreichen, welche ohnehin schon ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein an den Tag legen, sondern jene, die sich mit der Thematik noch nicht beschäftigt haben.
Aktionen können Themen und globale Zusammenhänge aufgreifen, wie den Weg „Vom Regenwald zum Schäuferla“, ein Vortrag, bei dem Gerbig und seine Mitstreitenden anschaulich über die Folgen des EU-Mercosur-Handelsabkommens aufklärten. Das Freihandelspaket soll den Absatz von Fleisch und landwirtschaftlichen Produkten aus Brasilien und seinen Nachbarstaaten in der EU erleichtern, was in Südamerika die Regenwälder gefährdet, welche für die Produktion zusehends gerodet werden. Noch ist das Abkommen jedoch nicht verabschiedet. Zu allen Themen gebe es Vorlagen von Greenpeace Deutschland, die Umsetzung vor Ort sei aber zwanglos. „Als Ortsgruppe können wir nicht auf allen Hochzeiten tanzen und müssen lokal oder regional manchmal auch andere Schwerpunkte setzen als Greenpeace Deutschland“, so Gerbig.
Statt Wälder dem Erdboden gleichzumachen, setzen sich die Greenpeace-Aktiven lieber dafür ein, dass sie erhalten bleiben. Dabei steht auch der Einsatz für einen Nationalpark Steigerwald auf der Liste. „Wir sind seit Jahren bei Ortsterminen und politischen Gesprächen dabei“, erklärt Beck.
Inzwischen hat sich das Bündnis „Steigi bleibt“ aus verschiedenen Organisationen gegründet. Und auch in Bamberg hat Greenpeace – neben anderen Umweltverbänden – Humanpower reingesteckt, um beim Bürgerentscheid zum Gewerbegebiet am Hauptsmoorwald zu verhindern, dass fast 50 Hektar Wald gefällt werden. Die Abstimmung war ein Erfolg: 75 Prozent der Bamberger Stadtgesellschaft stimmten für die Beendigung des Bebauungsplanes auf der Muna. Das Waldgebiet ist fürs Erste sicher.
Alles andere als sicher ist aufgrund der Corona-Krise jedoch die Durchführbarkeit weiterer Aktionen. Im Sommer konnte Greenpeace immerhin 150 Menschen für einen Filmabend zu nachhaltigen Alternativen auf die Jahnwiese locken. Und im Herbst haben die DJanes Laurenzia und gyn_terre mittels Fahrradstrom Drum and Bass plus Hip-Hop am Skatepark unter dem Münchner Ring zugunsten der Kulturschaffenden in Bamberg aufgelegt, gefolgt vom Auftritt der Band SoulJam. „Durch Corona werden wir in unseren Planungen zurückgeworfen“, gibt der Gruppenkoordinator zu bedenken. Aber die Gruppe tüftelt schon an neuen Dingen. Denn die Klimakrise schwelt weiter. Erste Überlegungen für kreative Onlineaktionen wollen Gerbig und Beck aber noch nicht verraten.
Aktivismus wirkt
Die meisten Aktionen von Greenpeace sind harmlos und rechtlich absolut sicher. Doch für manche braucht es mehr Geschick und Wissen, um erfolgreich sein zu können. Wenn Greenpeace-Schiffe sich im Nordatlantik zwischen Wale und Walfangschiffe schieben, gewaltige Banner von den oberen Etagen von Gebäuden herabgelassen werden oder – wie in Bamberg und an anderen Orten geschehen – Supermarktfensterscheiben mit überlebensgroßen Fotografien aus Massentierhaltungsbetrieben beklebt werden, dann braucht es dafür ausgebildetes Personal. In Hamburg können sich Interessierte das rechtliche, fachliche und sportliche Know-How draufpacken.
Die genannten Konfrontationen lohnen sich immer wieder: „Das Tierwohl-Label auf Fleischprodukten ist in Folge der Greenpeace-Aktionen durchgesetzt worden“, hält Gruppenkoordinator Gerbig fest. „Wenn mein Sohn alt genug ist und ich die Zeit dafür finde, möchte ich auch die Ausbildung angehen“, betont Gerbig, welcher als Forschungsassistent arbeitet und früher eine BUND-Jugendgruppe leitete.
Wer bei Greenpeace einsteigen möchte, muss nicht einmal formal Mitglied werden. „Im Zentrum steht, dass wir Aktionen machen, die sinnvoll sind und allen Spaß machen“, fasst es der Gruppenkoordinator Gerbig zusammen. Alle zwei Wochen treffen sich die Mitglieder zum Plenum. Momentan selbstverständlich online. Auf die Frage, ob man sich bei Greenpeace vegan ernähren müsse oder zumindest das eigene Auto verkaufen solle, müssen Franz Gerbig und Florian Beck lachen: „Wir wollen die Dinge zwanglos vermitteln. Das ist erfolgversprechender“, bekräftigt Beck. Und keine Angst: Niemand muss auf Fundraising-Tour gehen und Spenden für die Organisation sammeln. Auch Jugendliche können sich der Jugendaktionsgruppe anschließen.
Die beiden Greenpeace-Aktiven haben ihr Engagement nie bereut. Auch wenn in einer Aktionswoche mal acht Stunden Zeit in das Ehrenamt fließen. Bleibt die Frage: Was wünschen sich die Umweltschützer für ihre Zukunft? „Das beste wäre natürlich, wenn sich Greenpeace als Organisation eines Tages überflüssig machen würde, weil unsere Ziele erreicht wurden“, sagt Gruppenkoordinator Gerbig. Für seinen langjährigen Mitstreiter Beck besteht noch Hoffnung, dass die Gruppe weiterexistiert und so divers aufgestellt bleibt wie bisher. Politisch gesehen sind sich beide einig, dass die Stadt Bamberg die Forderungen des Bamberger Klimaschutzbündnisses anerkennen und ihre Reaktionen darauf nachbessern sollte. Damit nicht nur Greenpeace eine Zukunft hat.