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ETA Hoffmann Theater - Page 5

ETA Hoff­mann Theater

Ste­phan Ull­rich liest “Der Untertan”

Ste­phan Ull­rich setzt sei­ne Lese­rei­he in der Treff­bar des ETA Hoff­mann Thea­ters am kom­men­den Diens­tag, dem 19. Okto­ber, um 20 Uhr mit Hein­rich Manns „Der Unter­tan“ fort.

In der Lese­rei­he wid­met sich Ste­phan Ull­rich in der Spiel­zeit 2021/​/​2022 Hein­rich Manns “Der Unter­tan”. Im ers­ten Teil der Lesung wird den Erleb­nis­sen des Oppor­tu­nis­ten Diede­rich Heß­ling als Repräsentant einer Mentalitätsgeschichte des wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reichs gefolgt und wie durch ein Brenn­glas auf eine sati­risch-ver­fratz­te Ver­si­on des klas­si­schen Bil­dungs­ro­mans geblickt. Heß­ling ent­wi­ckelt sich aus sei­ner fik­ti­ven Klein­stadt Netz­ig her­aus nicht zu einer ethisch und gesell­schaft­lich ver­ant­wort­li­chen Per­son, son­dern wird in die Macht­me­cha­nis­men des Kai­ser­reichs eingeführt und wächst zu des­sen per­fek­tem Unter­tan her­an, mit gera­de­zu maso­chis­ti­scher Lust an der Unter­wer­fung und der sadis­ti­schen Lust am Ausüben von Autorität.

Dabei ist er kei­ne blo­ße Witz­fi­gur, son­dern bie­tet durch vie­le empa­thi­sche Momen­te auch Iden­ti­fi­ka­ti­ons­spiel­raum: Steckt ein Stückchen Heß­ling nicht in uns allen?

Voll­endet wur­de “Der Unter­tan” 1914. Hein­rich Mann selbst schrieb rückblickend in sei­nen Memoi­ren, dass der Ers­te Welt­krieg “in dem Buch nahe und unaus­weich­lich erscheint. Auch die deut­sche Nie­der­la­ge. Der Faschis­mus gleich­falls schon: wenn man die Gestalt des ‘Unter­tan’ nachträglich betrach­tet. Als ich sie auf­stell­te, fehl­te mir von dem unge­bo­re­nen Faschis­mus der Begriff, und nur die Anschau­ung nicht.”

Eine Einführung gibt Prof. Andrea Bartl vom Lehr­stuhl für Neue­re deut­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft an der Otto Friedrich-Universität Bam­berg, die auch das Nach­wort für eine 2021 erschie­ne­ne Neu­auf­la­ge von “Der Unter­tan” verfasste.

Ein Ein­stieg in die sechs­tei­li­ge Lese­rei­he ist jeder­zeit möglich. Fol­gen­de Lesun­gen sind geplant mit einem Ter­min im Monat:

I: Jugend (Diens­tag, 19. Oktober)

II: Dok­tor­ti­tel (Diens­tag, 9. November)

III: Zurück in Netzig

IV: Der Prozess

V: Auf­stieg

VI: Mann mit Schneid

Kar­ten sind erhält­lich an der Thea­ter­kas­se und im Web­shop unter https://theater.bamberg.de.

Stadt­echo Bam­berg – Fragebogen

Das Stadt­echo fragt – Vic­to­ria Weich antwortet

In jeder Aus­ga­be des Stadt­echos legen wir einer Bam­ber­ger Per­sön­lich­keit einen Fra­ge­bo­gen vor. Dies­mal hat Vic­to­ria Weich die Fra­gen beant­wor­tet. Ab der Spiel­zeit 2021/​/​2022 ist sie Lei­ten­de Dra­ma­tur­gin am ETA Hoff­mann Theater.

Frau Weich, was braucht gutes Theater?

Ein poli­tisch geschärf­tes und dem Uner­klär­li­chen zuge­wand­tes Bewusst­sein. Die Lie­be zur Schau­spiel­kunst und zur Lite­ra­tur. Einen Platz in der Stadt. Talen­te. Geld.


Was mögen Sie am Theater?

Dass Schrei­ne­rin­nen, Schlos­ser, Mas­ken­bild­ner, Male­rin­nen, Schau­spie­ler und Regis­seu­rin­nen unter einem Dach und für eine gemein­sa­me Sache arbei­ten. Dass wir das Publi­kum mit unse­rer Kunst erfreu­en, berüh­ren, wütend machen oder zur Refle­xi­on auf­for­dern dür­fen und damit ein Teil einer leben­di­gen Gesell­schaft sind. Dass ich mich in mei­nem Beruf um lite­ra­ri­sche, künst­le­ri­sche, phi­lo­so­phi­sche, sozia­le, poli­ti­sche, musi­ka­li­sche und emo­tio­na­le Inhal­te küm­mern darf – das macht mich demü­tig und glück­lich. Dass es hier mal inten­siv, laut und wild zugeht, wir nach­denk­lich, prä­zi­se und für uns sein kön­nen. Die Auf­re­gung vor Pre­mie­ren! Das Stim­men­ge­wirr im Foy­er! Das Gefühl, mit der Kunst und an der Welt gemein­sam ler­nen zu können.


Wel­ches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Vor „Unend­li­cher Spaß“ von David Fos­ter Wal­lace habe ich nach einem Drit­tel kapi­tu­liert; bis heu­te schaue ich mit Reue auf den Buch­rü­cken in mei­nem Regal und muss mit lau­ter losen Enden der Erzäh­lung leben. Nor­ma­ler­wei­se bin ich aber streng und lese zu Ende.


Zah­len Sie gern Rundfunkgebühren?

Ja, unbe­dingt. Pri­vat wie beruf­lich bin ich ange­wie­sen auf unab­hän­gi­ge Bericht­erstat­tung und zum Bei­spiel Fea­tures über das Leben am ande­ren Ende der Welt.


Töten Sie Insekten?

Nur wenn sie mich sehr stö­ren. Spin­nen und ande­re Krab­bel­tie­re tra­ge ich nach drau­ßen, Mücken und Mot­ten müs­sen dran glauben.


Darf man in Ihrem Schlaf­zim­mer rauchen?

Ver­bo­ten ist bei mir sehr wenig.


Wie vie­le Apps sind auf Ihrem Smart­phone? Wel­che benut­zen Sie am meisten?

63, das Meis­te – und Meist­ge­nutz­te – ist Orga­ni­sa­to­ri­sches wie die DB App, Mails, natür­lich diver­se Mes­sen­ger und Instagram.


Wovon waren Sie zuletzt überrascht?

Beim CSD in Bam­berg waren dop­pelt so vie­le Men­schen wie ange­dacht – ist das nicht eine tol­le Überraschung?


Was ist Ihr größ­ter Wunsch?

Selbst­stän­dig und inte­ger han­deln und gleich­zei­tig lang­fris­ti­ge, tie­fe Bezie­hun­gen hal­ten zu können.


Wie sieht ein per­fek­ter Tag für Sie aus?

Früh auf­wa­chen, lesen und allein sein, wäh­rend alles noch schläft. Viel­leicht schwim­men, fla­nie­ren oder in die Natur gucken. Abends ein rau­schen­des Din­ner mit Freund*innen, ein fas­zi­nie­ren­der Thea­ter­abend, und im Moment ganz drin­gend: nachts in einen Club oder eine voll­ge­stopf­te Bar.


Wor­über haben Sie sich zuletzt geärgert?

Oh, über Armin Laschet. Dass die CDU sich öffent­lich dazu bekennt, mit der AfD einer Mei­nung zu sein, er null Kon­se­quen­zen erfährt, wäh­rend Anna­le­na Baer­bock kaum zu Inhal­ten kommt, weil sie von einem Dreck in den nächs­ten gezo­gen wird. Miso­gy­nie at its best.


Wovor haben Sie Angst?

Ich habe Angst vor Wis­sen­schafts­feind­lich­keit im Dis­kurs, vor dem Ver­lust der Fähig­keit zur Dia­lek­tik; dass wir Men­schen die Erde und das gesell­schaft­li­che Gefü­ge zer­stö­ren, weil lebens­feind­li­che, kapi­ta­lis­ti­sche Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Vor Kunstfeindlichkeit.


Wel­chen Luxus leis­ten Sie sich?

Ich über­le­ge nicht mehr, ob ich mir die­ses oder jenes Buch leis­ten kann – ich kau­fe es ein­fach. In der Mit­tags­pau­se ins Hain­bad gehen ist Luxus, geho­ben Essen­ge­hen auch. Und mir radi­kal Zeit neh­men für wich­ti­ge Men­schen ist – in die­sem Job – manch­mal Luxus, der aber sein muss.


Haben Sie ein Lieblingsgeräusch?

Eine lau­fen­de Spül­ma­schi­ne, die Schrit­te der Per­son im Trep­pen­haus, auf die man war­tet, das Öff­nen von Klettverschluss.


Wann haben Sie zuletzt geflirtet?

Letz­te Woche mit mei­ner Lieblingsbäckerin.


Wann und war­um hat­ten Sie zum letz­ten Mal Ärger mit der Polizei?

Ich ken­ne die Poli­zei haupt­säch­lich von Demons­tra­tio­nen. Fried­lich in Köln bei „bunt statt braun“ oder Tanz­de­mos stan­den wir behelm­ten und berit­te­nen Polizist*innen gegen­über, das hat sich teil­wei­se ange­spannt ange­fühlt; staat­lich aus­ge­führ­te Gewalt wur­de kör­per­li­cher erfahr­bar, aber Ärger hat­te ich zum Glück nicht.

Was war Ihr schöns­ter Theatermoment?

Unser Ensem­ble (bei Pre­mie­ren beson­ders) auf der Büh­ne zu sehen, ist immer wie­der ein schöns­ter Moment, der mich stolz macht. Jeder Thea­ter­mo­ment birgt die Mög­lich­keit, mich neu zu fas­zi­nie­ren – das ist ein Geschenk. 


Mit wel­cher gro­ßen Thea­ter­re­gis­seu­rin oder wel­chem gro­ßen Thea­ter­re­gis­seur kön­nen Sie gar nichts anfangen?

„Gro­ße“ Thea­ter­re­gis­seu­re – es sind ja dann doch bis dato vie­le Män­ner – haben ihre Büh­nen­spra­che gefun­den und kön­nen an sehr gut aus­ge­stat­te­ten Häu­sern mit fas­zi­nie­ren­den Künstler*innen arbei­ten. Das ist kein Garant für gutes Thea­ter, aber der Respekt und die Bewun­de­rung über­wie­gen bei mir trotz­dem. Cas­torf fin­det nach bewähr­tem Prin­zip kein Ende in ewi­gen Erzähl­schlei­fen, die mich irgend­wann lang­wei­len. Dafür gibt es viel­leicht die eine Schau­spie­le­rin, die an die Ram­pe tritt, und mir mit ihrer Stim­me und ihrer Sprach­be­hand­lung die Schu­he aus­zieht. Mir hat mal eine klu­ge Kol­le­gin gera­ten, wenn ich nicht wis­se, was ich mit dem Abend anfan­gen soll, kön­ne ich doch ganz genau beob­ach­ten, was wer wie macht. Das kann dazu füh­ren, dass ich eine Auf­füh­rung dann trotz­dem nicht lei­den kann. Aber mit dem Abend eine Über­le­gung, eine Beob­ach­tung oder eine Hal­tung zu üben, das fin­de ich für mich selbst immer erstrebenswert.


Was ist Ihre schlech­tes­te Angewohnheit?

Zuwei­len befällt mich die inne­re Bes­ser­wis­se­rin. Ich bin mir zum Bei­spiel sehr sicher, dass ich weiß, wie Möh­ren zu schnei­den sind, oder ab und zu wie über­haupt die Din­ge lau­fen sol­len. Mit die­ser Möh­ren­schnitt­dik­ta­to­rin möch­ten Sie sicher nicht kochen!


Wel­che Feh­ler ent­schul­di­gen Sie am ehesten?

Ein­ge­stan­de­ne Feh­ler eh, und sonst: Die meis­ten Din­ge, die schief­lau­fen, sind mul­ti­fak­to­ri­ell schief gelau­fen, also muss ich dem Miss­lun­ge­nen wohl auch bei mir selbst auf den Grund gehen.


Ihre Lieb­lings­tu­gend?

Groß­zü­gig­keit, vor allem im Miteinander.


Ihr Haupt­cha­rak­ter­zug?

Begeis­te­rungs­fä­hig­keit oder Ernst­haf­tig­keit, abwech­selnd und gleichzeitig.


Was mögen Sie an sich gar nicht?

Naja, die Möh­ren­schnitt­dik­ta­to­rin, die könn­te sich mal entspannen!


Haben Sie ein Vorbild?

Caro­lin Emcke wegen ihrer ver­söhn­li­chen und gleich­zei­tig ent­schie­de­nen Analysen.


Was lesen Sie gerade?

„Minis­te­ri­um der Träu­me“ von Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah, „Schreib­tisch mit Aus­sicht“ mit Tex­ten von diver­sen Schrift­stel­le­rin­nen, die mich beglei­ten: Siri Hust­vedt, Joan Did­ion, Ele­na Ferran­te und Elfri­de Jelinek.


Wel­che Musik hören Sie nur heimlich?

Das gibt´s nichts zu ver­heim­li­chen, ich habe auch manch­mal mit Schla­gern und Köl­schem Lied­gut Spaß!


Was ist Ihr liebs­tes Smalltalk-Thema?

Klatsch und Tratsch aus der Gla­mour­welt. Aber lei­der bin ich immer viel zu schlecht dar­über informiert.


Mit wem wür­den Sie ger­ne eine Nacht durchzechen?

Sus­an Sontag.


Wovon haben Sie kei­ne Ahnung?

Oh, von vie­lem! Ich fin­de vor allem ärger­lich, dass ich kei­ne Ahnung von Geld­an­la­gen, Autos und Tür­kisch habe.


Was fin­den Sie langweilig?

Inzwi­schen: Spazierengehen!


Was ist Ihre Vor­stel­lung von Hölle?

Wenn es einen spi­ri­tu­el­len Welt­zu­sam­men­hang gibt, gibt es defi­ni­tiv kei­ne Höl­le. Auf der Erde ist es für man­che und manch­mal schlimm genug.


Wie glau­ben Sie, wür­de Ihr Pen­dant von vor zehn Jah­ren auf Ihr heu­ti­ges Ich reagieren?

Über­rascht, dass zehn Jah­re so viel aus­ma­chen. Glück­lich, dass ich mich geoutet habe. Erleich­tert, dass Erwach­sen­sein heißt, dass man unab­hän­gi­ger wird. Berührt, dass die Freund­schaf­ten gehal­ten haben. Ein biss­chen stolz, dass ich am Thea­ter gelan­det bin.


Ich kann nicht leben ohne…

Ande­re.


Sind Sie Tän­ze­rin oder Steherin?

Tän­ze­rin!


Wel­ches Pro­blem wer­den Sie in die­sem Leben nicht mehr in den Griff bekommen?

Ich wäre ja schön blöd, wenn ich jetzt schon kapi­tu­lie­ren würde…


Das Stadt­echo gibt eine Run­de aus.
Was trin­ken Sie?

Ist es die ersehn­te Bar? Dann einen Whis­ky Sour.


Vic­to­ria Weich, Lei­ten­de Dra­ma­tur­gin am ETA Hoff­mann Thea­ter, Juli 2021.


https://theater.bamberg.de/

Digi­tal­pro­jekt des Spiel­clubs Jugend 

ESES – ETA sucht eine Superwelt

Das Digi­tal­pro­jekt „ESES – ETA sucht eine Super­welt“ des Spiel­clubs Jugend fei­ert online Pre­mie­re. Der Spiel­club Jugend, gelei­tet von Saskia Zink, beschäf­tig­te sich in der Spiel­zeit 20/​/​21 mit Uto­pien und Dystopien.

Die Pro­ben fan­den bis Anfang Juni aus­schließ­lich digi­tal und danach in Klein­grup­pen statt. Die Teil­neh­men­den haben bei die­ser Art und Wei­se zu pro­ben Aus­dau­er­ver­mö­gen und Krea­ti­vi­tät bewie­sen. So war der Spiel­club Jugend im Pro­ben­pro­zess zu Gast in fer­nen Wel­ten. Er besuch­te die aus dem Plas­tik­müll der Welt­mee­re ent­stan­de­nen Empa­thie-Ein­hör­ner, die in ihrer Welt für ein gefühl­vol­les Mit­ein­an­der sorgen.

Die gro­ße Intel­li­genz hieß ihn in ihrem Reich will­kom­men, wo sie grau­sam und will­kür­lich über ihre Unter­ta­nen herrscht. In der mar­xis­ti­schen Kom­mu­ne fei­er­te er bei einem reich bestück­ten Indus­tria­li­sie­rung­s­tel­ler das Jah­res­wen­den­fest und wur­de bei einer Expe­di­ti­on durch die Social-Media-Welt in die Gepflo­gen­hei­ten der Bubble-Bewohner*innen ein­ge­führt. Doch eine Fra­ge ist noch nicht geklärt: Über wel­che die­ser Wel­ten soll ein Stück geschrie­ben wer­den? Der pro­du­zier­te Film wur­de auch als Bei­trag beim digi­ta­len 15. Tref­fen der baye­ri­schen Thea­ter­ju­gend­clubs am Thea­ter an der Rott in Eggen­fel­den gezeigt.

Das Video ist ab sofort auf dem You­tube-Kanal des ETA Hoff­mann Thea­ters kos­ten­frei abruf­bar. Wei­te­re Infos gibt es auf http://www.theater.bamberg.de

Spieler*innen: Kai Anton, Mile­na Behr, Maja Grimm, Isa­bel Hoff­mann, Shy­lee Kli­ne, Tuệ Trân Lục, James Jakob Ott, Ste­fa­nos Pach­idis, Anna Tho­mer, Matil­da Väth
Tech­nik: Lukas Frank
Lei­tung: Saskia Zink

Wie­der im Spiel!

ETA Hoff­mann Thea­ter stellt die Spiel­zeit 2021/​/​22 vor

Das ETA Hoff­mann Thea­ter Bam­berg hat heu­te die neue Spiel­zeit vor­ge­stellt. Über sei­ne sieb­te Spiel­zeit unter der Inten­danz von Sibyl­le Broll-Pape schreibt das Thea­ter sich: „Wie­der im Spiel!“

Vol­ler Enthu­si­as­mus und Vor­freu­de wur­de sich den The­men und Stof­fen gewid­met, wel­che die Kraft haben, das vol­le Leben und die gro­ßen gesell­schaft­li­chen Fra­gen auf die Büh­ne – ins Spiel – zu bringen.

Für die neue Spiel­zeit nimmt das ETA Hoff­mann Thea­ter 11 Neu­pro­duk­tio­nen ins Pro­gramm, davon drei Urauf­füh­run­gen. In Rai­nald Goetz´ „Reich des Todes“ (Regie: Sibyl­le Broll-Pape) sieht man einer Demo­kra­tie beim Wan­del in zer­stö­re­ri­sche Auto­kra­tie zu. Mär­chen­haft geht der Spät­ka­pi­ta­lis­mus in Phil­ipp Gärt­ners „Gold“ (Regie: Wil­ke Weer­mann) unter. Das Weih­nachts­stück 2021 wird „Herr Bel­lo und das blaue Wun­der“ des berühm­ten Bam­ber­ger Kin­der­buch­au­tors Paul Maar sein, nach­dem es 2020 noch nicht zur Auf­füh­rung kom­men konn­te. Regie führt Jana Vet­ten. Mit dem Auf­trags­werk „Der end­los tip­pen­de Affe“ (Regie: Mir­jam Loibl) schreibt der Autor Björn SC Deig­ner nach „Der Reichs­kanz­ler von Atlan­tis“ und „Die Poli­zey“ zum drit­ten Mal ein Stück für das Bam­ber­ger Ensem­ble. Mit Edu­ar­do de Filip­pos „Die Kunst der Komö­die“ steht ein ful­mi­nan­tes Lust­spiel auf der Gro­ßen Büh­ne auf dem Pro­gramm. Regie führt Sebas­ti­an Schug, in Bam­berg bekannt durch sei­ne Insze­nie­run­gen von „Mut­ter Cou­ra­ge und ihre Kin­der“, „Ham­let“ und zuletzt „Bun­bu­ry. Ernst sein ist alles.“ Mit „Gott ist 3 Frau­en (Gi3F)“ (Urauf­füh­rung: Jakob Weiss) ent­wirft Miros­la­va Svo­li­ko­va fein und leicht eine Schöp­fungs­ge­schich­te, die das mensch­li­che Irren und Stre­ben zwin­kernd begut­ach­tet. Olga Grjas­no­was „Gott ist nicht schüch­tern“ (Regie: Sibyl­le Broll-Pape) kar­to­gra­phiert ein Bild des Ara­bi­schen Frühlings.

Mit Han­nes Wei­lers Bear­bei­tung von E.T.A. Hoff­manns „Der Sand­mann“ wirft das Thea­ter einen Blick auf den künst­li­chen Men­schen. Hein­rich von Kleists Lust­spiel „Der zer­broch­ne Krug“ (Regie: Fabi­an Ger­hardt) zieht sei­ne Komik aus der Tat­sa­che, dass jemand über sich selbst zu Gericht sit­zen und sich gleich­zei­tig erfin­de­risch aus Schlin­gen befrei­en muss.

Vom 13. Bis 28. Mai kom­men­den Jah­res wer­den die 38. Baye­ri­schen Thea­ter­ta­ge in Bam­berg aus­ge­tra­gen. Den Auf­takt macht ein neu­es Stück der renom­mier­ten Thea­ter­au­torin The­re­sia Wal­ser. Sibyl­le Broll-Pape wird die Urauf­füh­rung am 13. Mai 2022 auf die Büh­ne brin­gen. Zum Abschluss der Spiel­zeit ste­hen wie­der die Cal­derón-Frei­licht­spie­le in der Alten Hof­hal­tung an. Zu sehen gibt es dort Wil­liam Shake­speares meis­ter­haf­te Fami­li­en- und Lie­bes­tra­gö­die „Romeo und Julia“ in der Insze­nie­rung von Mat­thi­as Köhler.

Zir­kus-Thea­ter-Pro­jekt

“Han­nah und Crow flie­gen zum Mond”

Sechs jun­ge Autor*innen im Alter zwi­schen 8 und 13 Jah­ren haben im Rah­men eines inter­kul­tu­rel­len Zir­kus-Thea­ter-Pro­jekts mit dem ETA Hoff­mann Thea­ter, der Ale­vi­ti­schen Gemein­de Bam­berg e.V. und dem Zir­kus Gio­van­ni des Don Bosco Jugend­wer­kes ein Buch mit dem Titel „Han­nah und Crow flie­gen zum Mond“ ver­fasst und illus­triert. Ver­gan­ge­ne Woche fand die fei­er­li­che Über­ga­be des Buches an Kul­tur­re­fe­ren­tin Ulri­ke Sie­ben­haar statt.

Unter dem Titel „Flie­gen­de Kame­le und ande­re Geschich­ten“ begann im Janu­ar 2020 im Rah­men von „Kul­tur macht stark – Bünd­nis­se für Bil­dung“ – ZUR BÜHNE ein inter­kul­tu­rel­les Zir­kus-Thea­ter-Pro­jekt mit dem ETA Hoff­mann Thea­ter, der Ale­vi­ti­schen Gemein­de Bam­berg e.V. und dem Zir­kus Gio­van­ni des Don Bosco Jugend­wer­kes für Kin­der ab 6 Jahren.

Dann kam Coro­na und es war vor­bei mit gemein­sa­mem Thea­ter­spie­len, Akro­ba­tik- und Jon­gla­ge­trai­ning. Doch sechs jun­ge Autor*innen im Alter zwi­schen 8 und 13 Jah­ren haben sich durch die Zeit der Video­kon­fe­ren­zen gekämpft und neh­men uns mit ins Land der Fan­ta­sie, in der Kin­der auf dem Mars auf­wach­sen, einen Ali­en als Freund fin­den, mit selbst­ge­bau­ten Mond­ra­ke­ten ver­rei­sen und im Traum­land Nasred­din Hod­scha, den tür­ki­schen Till Eulen­spie­gel, treffen.

Gemein­sam haben sie ein 32-sei­ti­ges Buch unter der Lei­tung von ETA-Thea­ter­päd­ago­gin Ramo­na Ull­mann und Zir­kus­päd­ago­gin Johan­na Kreg­ler geschrie­ben und illus­triert. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag durf­ten sie ihr Werk offi­zi­ell an die Kul­tur- und Welt­erbe­re­fe­ren­tin Ulri­ke Sie­ben­haar über­ge­ben. Mit dabei waren auch Vol­ker Trau­mann, Bereichs­lei­ter Zir­kus Gio­van­ni und Tho­mas Konietz­ka, Vor­stand der Ale­vi­ti­schen Gemein­de Bam­berg e.V.

Von nun an wird das Buch „Han­nah und Crow flie­gen zum Mond“ gegen eine Spen­de beim Zir­kus Gio­van­ni, den Kas­sen des ETA Hoff­mann Thea­ters, in der Ale­vi­ti­schen Gemein­de und in der Neu­en Col­li­bri Buch­hand­lung abge­ge­ben. Die Spen­den kom­men zu glei­chen Tei­len der Ale­vi­ti­schen Gemein­de Bam­berg e.V. und dem Zir­kus Gio­van­ni für neue Bil­dungs­pro­jek­te zugute.

Audio-Walk

ETA: Zeig dei­ne Stadt – Per­for­ma­ti­ve Stadtführung

Am Diens­tag, Mitt­woch und Don­ners­tag kom­men­der Woche, 22. bis 24. Juni, jeweils 17:00 Uhr, fin­det eine per­for­ma­ti­ve Stadt­füh­rung durch Bam­berg statt, erar­bei­tet von den Teil­neh­men­den des Pro­jekts „ETA: Zeig dei­ne Stadt“.

Unter dem Mot­to „Kind­heits­er­in­ne­run­gen“ lei­ten Audio­auf­nah­men der jun­gen Men­schen die Besucher*innen durch die ver­schie­de­nen Sta­tio­nen. Dabei geht es nicht um Sehens­wür­dig­kei­ten, son­dern dar­um, wie die Teil­neh­men­den des Pro­jekts die Stadt mit Kin­der­au­gen gese­hen haben.

Indi­vi­du­el­les Reflek­tie­ren und kol­lek­ti­ves Erle­ben der gemein­sa­men Hand­lun­gen beein­flus­sen sich hier: Sehe ich, was ich höre? Höre ich, was ich sehe? Eine Ton­spur zu Stra­ßen, Plät­zen und Brü­cken, ein Blick auf die Stadt, auf ihre Men­schen, auf die Grup­pe, auf sich selbst. Doch was ist insze­niert und wer beob­ach­tet hier eigent­lich wen? „ETA: Zeig dei­ne Stadt“ ist ein Gemein­schafts­pro­jekt des ETA Hoff­mann Thea­ter, Zen­trum Welt­erbe Bam­berg und Inno­va­ti­ve Sozi­al­ar­beit (iSo) e.V. Die Teil­nah­me an den Füh­run­gen ist kos­ten­frei. Um Anmel­dung wird gebe­ten unter theaterpaedagogik@theater.bamberg.de.

Das Pro­jekt wird geför­dert durch „Zur Büh­ne“ das För­der­pro­gramm des Deut­schen Büh­nen­ver­eins im Rah­men von „Kul­tur macht stark. Bünd­nis­se für Bil­dung“. Teil­neh­me­rin Marie Cast­ner schreibt über das Erwach­sen­wer­den: „Je älter man wird, des­to klei­ner erschei­nen die Din­ge. Des­to enger wird der Raum. Des­to been­gen­der wird Bam­berg. Mit jedem Jahr, das ver­geht, ver­schwin­den eins­ti­ge Spie­le und spie­le­ri­sche Denk­mus­ter. Im Zuge des Erwach­sen­wer­dens rast das Leben immer schnel­ler von Ter­min zu Ter­min dahin. Immer eher lebt man gedank­lich bereits eini­ge Tage, Wochen oder Jah­re in der Zukunft – und die Gegen­wart ver­rinnt fast unbemerkt.“

ETA Hoff­mann Theater

Ste­phan Ull­rich liest Ulysses

In sei­ner belieb­ten Lese­rei­he in der Treff­bar des ETA Hoff­mann Thea­ters wid­met sich Ste­phan Ull­rich ab Diens­tag, 8. Juni, wie­der James Joy­ces „Ulys­ses“.

James Joy­ces (1882−1941) “Ulys­ses” gilt mit sei­nem zen­tra­len Erzähl­ele­ment des Bewusst­seins­stroms als rich­tungs­wei­sen­der Roman der Moder­ne und gewinnt sei­nen beson­de­ren Reiz aus der uner­war­te­ten Kom­bi­na­ti­on, das alt­be­kann­te Mus­ter der Odys­see, des zehn Jah­re andau­ern­den home­ri­schen Epos auf einen ein­zi­gen Tag anzu­wen­den und so die Kom­ple­xi­tät des All­täg­li­chen ori­gi­nell zu ästhe­ti­sie­ren. Die deut­sche Über­set­zung wur­de geschaf­fen von Hans Woll­schlä­ger, der vie­le Jahr­zehn­te bis zu sei­nem Lebens­en­de in Bam­berg gewirkt hat und den Bam­ber­gern in zuge­wand­ter Erin­ne­rung geblie­ben ist.

Ein Ein­stieg in die Lese­rei­he ist jeder­zeit mög­lich. Auf­grund der redu­zier­ten Platz­ka­pa­zi­tät bie­tet das ETA Hoff­mann Thea­ter zwei Aben­de pro Ein­heit an. „Nestor/​Proteus“ fin­det jeweils am 8. und 22. Juni, „Kalyp­so“ jeweils am 6. und 20. Juli statt. Alle Ein­hei­ten begin­nen um 19:00 Uhr.

Kar­ten gibt es an der Thea­ter­kas­se und im Web­shop auf https://theater.bamberg.de . Es gel­ten die Schutz- und Hygie­ne­be­stim­mun­gen des ETA Hoff­mann Thea­ters, nach­zu­le­sen unter https://theater.bamberg.de

ETA Hoff­mann Theater

Der Vor­hang wird sich wie­der öffnen

Vor­be­halt­lich einer behörd­li­chen Geneh­mi­gung plant das ETA Hoff­mann Thea­ter die Wie­der­auf­nah­me des Spiel­be­triebs für den 19. Mai. Die Ver­ant­wort­li­chen dür­fen sich auch über die Nach­richt freu­en, dass der Bezirk Ober­fran­ken die För­de­rung des ETA Hoff­mann Thea­ters auch im Jahr 2021 fortsetzt.

Um wei­ter­hin ein erfolg­rei­ches Thea­ter mit über­re­gio­na­ler Aus­strah­lung für die Stadt und die Regi­on bie­ten zu kön­nen, benö­tigt das ETA Hoff­mann Thea­ter hilf­rei­che För­der­gel­der. Dazu gehört die jähr­li­che Zuwen­dung durch den Bezirk Ober­fran­ken. Für das Jahr 2021 wur­de eine För­der­sum­me in Höhe von 125.000 Euro gewährt.

„Ich freue mich über die hilf­rei­che Unter­stüt­zung durch den ober­frän­ki­schen Bezirk und dan­ke allen, die dem ETA Hoff­mann Thea­ter in schwie­ri­gen Zei­ten die Treue hal­ten“, reagiert Inten­dan­tin Sibyl­le Broll-Pape auf den Förderbescheid.

Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke erhielt den För­der­be­trag aus den Hän­den des Bezirks­tags­prä­si­den­ten Hen­ry Schramm. Dabei beton­te der OB: „Unser Thea­ter ist eine wich­ti­ge Säu­le im Kul­tur­le­ben unse­rer Stadt. Davon pro­fi­tiert die gesam­te Region.“

„Mit dem Zuschuss drü­cken wir unse­re Unter­stüt­zung in die­ser unwirk­li­chen und schwie­ri­gen Zeit des Thea­ters aus. Hof­fent­lich kön­nen wir bald wie­der das groß­ar­ti­ge Kul­tur­pro­gramm des Stadt­thea­ters wie gewohnt genie­ßen“, sag­te Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm.

Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm (li.) über­gab den Scheck über den För­der­be­trag an Bam­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Star­ke. Foto: Bezirk Oberfranken/​Florian Bergmann

Öff­nung, solan­ge die Inzi­denz sta­bil unter 100 liegt

Das ETA Hoff­mann Thea­ter infor­mier­te heu­te neben der geplan­ten Wie­der­auf­nah­me des Spiel­be­triebs über sämt­li­che dann ange­dach­ten Auf­füh­run­gen im Mai. Am 19 Mai wird Roland Schim­mel­p­fen­nigs „Der Riss durch die Welt“ um 19 Uhr Pre­mie­re auf der Gro­ßen Büh­ne feiern.

Am 20. Mai folgt die deutsch­spra­chi­ge Erst­auf­füh­rung von Mark Ravenhills „Der Stock“ um 19 Uhr auf der Stu­dio­büh­ne. Alle wei­te­ren Vor­stel­lun­gen im Mai begin­nen eben­falls jeweils um 19 Uhr. Der Neu­start wird durch den ange­kün­dig­ten nächs­ten Öff­nungs­schritt durch die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung mög­lich. Die nied­ri­gen Inzi­denz­wer­te für Bam­berg bedeu­ten eine Öff­nung, solan­ge die Inzi­denz sta­bil unter 100 liegt (in Bam­berg liegt der Wert am 6. Mai bei knapp über 50). Der Vor­stel­lungs­be­trieb beginnt dabei unter Ein­hal­tung aller gel­ten­den Schutz- und Hygie­ne­be­stim­mun­gen. Der Vor­ver­kauf für alle Vor­stel­lun­gen im Mai beginnt am 11. Mai. Die Thea­ter­kas­se öff­net ab dem 11. Mai diens­tags bis sams­tags von 11 bis 14 Uhr sowie zusätz­lich mitt­wochs von 16 bis 18 Uhr.


Die Mai-Ter­mi­ne im ETA Hoff­mann Thea­ter (alle Vor­stel­lun­gen begin­nen um 19:00 Uhr)

Mitt­woch, 19. Mai, Gro­ße Büh­ne, Roland Schim­mel­p­fen­nig – „Der Riss durch die Welt“

Don­ners­tag, 20. Mai, Stu­dio, Mark Ravenhill –- „Der Stock“

Frei­tag, 21. Mai, Gro­ße Büh­ne, Roland Schim­mel­p­fen­nig – „Der Riss durch die Welt“

Sams­tag, 22. Mai, Gro­ße Büh­ne, Roland Schim­mel­p­fen­nig – „Der Riss durch die Welt“

Diens­tag, 25. Mai, Gro­ße Büh­ne, Roland Schim­mel­p­fen­nig – „Der Riss durch die Welt“

Mitt­woch, 26. Mai, Stu­dio, Mark Ravenhill – „Der Stock“

Don­ners­tag, 27. Mai, Stu­dio, Mark Ravenhill –- „Der Stock“

Sams­tag, 29. Mai, Gro­ße Büh­ne, Anton Tschechow – „Der Kirschgarten“

Sonn­tag, 30. Mai, Gro­ße Büh­ne, Anton Tschechow – „Der Kirschgarten“


Über even­tu­el­le Ände­run­gen auf­grund mög­li­cher neu­er Coro­na-Bestim­mun­gen infor­miert das Thea­ter regel­mä­ßig über sei­ne Home­page https://theater.bamberg.de/ oder an der Thea­ter­kas­se unter der Tele­fon­num­mer 0951 /​/​87–3030.

Abschied vom ETA Hoff­mann Theater

Dra­ma­turg Rem­si Al Kha­li­si wech­selt nach Münster

Rem­si Al Kha­li­si wird im Juli das ETA Hoff­mann Thea­ter ver­las­sen und ab der Spiel­zeit 2022/​2023 am Thea­ter Müns­ter als Schau­spiel­di­rek­tor für Dra­ma­tur­gie, Ensem­ble, Finan­zen und Spiel­plan­er­stel­lung der Spar­te zustän­dig sein. Bis dahin wird er die Spiel­zeit in Müns­ter vor­be­rei­ten und das Ensem­ble zusam­men­stel­len. In Bam­berg beklei­det er seit 2015 die Stel­le des Chef­dra­ma­tur­gen. In Müns­ter wird er als Schau­spiel­di­rek­tor für Dra­ma­tur­gie, Ensem­ble, Finan­zen und Spiel­plan­er­stel­lung der Spar­te zustän­dig sein. Mit dem Web­echo blickt er auf sei­ne Zeit in Bam­berg zurück.

Herr Al Kha­li­si, haben Sie sich für die Stel­le in Müns­ter bewor­ben oder wur­de Sie abgeworben?

Rem­si Al Kha­li­si: Ich habe die desi­gnier­te Gene­ral­inten­dan­tin Katha­ri­na Kost-Tol­mein, die 2022 am Thea­ter Müns­ter neu anfängt, ken­nen gelernt, als sie sich für das Haus bewer­ben woll­te. Es ist ein Mehr­spar­ten­haus und sie woll­te in ihrer Bewer­bung schon jeman­den für die Schau­spiel­spar­te präsentieren.


Aus wel­chen Grün­den woll­te Frau Kost-Tol­mein Sie?

Rem­si Al Kha­li­si: Sie kann­te mei­nen Namen unter ande­rem aus der Jury des Dop­pel­pas­ses, ein Fonds der Kul­tur­stif­tung des Bun­des, mit dem Koope­ra­tio­nen zwi­schen insti­tu­tio­nel­len Thea­tern und frei­en Thea­ter­grup­pen geför­dert wer­den. Außer­dem hat­te sie wohl viel von dem, was wir in Bam­berg tun, in der über­re­gio­na­len Pres­se gelesen.


Wie lan­ge muss­ten Sie nach­den­ken, bis Sie das Ange­bot annahmen?

Rem­si Al Kha­li­si: Gar nicht! Die Stel­le in Müns­ter ist die nächst­grö­ße­re Auf­ga­be. Zuzu­sa­gen fiel mir nicht schwer.


Gab es sei­tens der Bam­ber­ger Thea­ter­lei­tung Ver­su­che, Sie in Bam­berg zu halten?

Rem­si Al Kha­li­si: Nein, zum einen, weil mein Ent­schluss fest­stand. Zum ande­ren, weil auch Sibyl­le Broll-Pape sofort klar war, dass eine eige­ne Spar­te über­ant­wor­tet zu bekom­men, für mich rich­tig ist.


Wie hat das ETA-Ensem­ble Ihre Ent­schei­dung zur Kennt­nis genommen?

Rem­si Al Kha­li­si: Mit Applaus und Trau­rig­keits­be­kun­dun­gen gleichermaßen.


Hat­ten Sie schon län­ger den Plan, sich beruf­lich neu zu orientieren?

Rem­si Al Kha­li­si: Eigent­lich nicht. Aber die Mög­lich­keit, nach Müns­ter zu gehen, kam zu einer Zeit, in der ich zumin­dest dar­an gedacht hat­te, dass es an ande­rer Stel­le wei­ter­ge­hen könn­te, ich noch­mal auf­stei­gen und grö­ße­re Ver­ant­wor­tung über­neh­men will.


Wie sehen die Reak­tio­nen aus Müns­ter aus?

Rem­si Al Kha­li­si: Gut erst­mal. Wir haben das ja erst vor zwei Wochen bekannt­ge­ge­ben. Ich war auch schon da und habe sehr posi­ti­ve, will­kom­men hei­ßen­de Reak­tio­nen erfahren.


Wer wird in Bam­berg nach Ihnen die Lei­tung der Dra­ma­tur­gie übernehmen?

Rem­si Al Kha­li­si: Die Thea­ter­lei­tung wird die Orga­ni­sa­ti­on der künst­le­ri­schen Lei­tung umbau­en. Das heißt, dass sie in Zukunft von Sybil­le Broll-Pape, den Dra­ma­tur­g­in­nen Vic­to­ria Weich und, neu im Team, Petra Schil­ler über­nom­men wird.


Wie sieht das Fazit Ihrer Zeit in Bam­berg aus?

Rem­si Al Kha­li­si: Es war eine sehr auf­re­gen­de und beglü­cken­de Zeit. Sibyl­le Broll-Pape und ich konn­ten sehr viel von dem, was wir uns bei unse­rem Antritt 2015 vor­ge­nom­men hat­ten, umset­zen und haben sehr gro­ßen Zuspruch dafür bekom­men. Und zwar sowohl bei Publi­kum als auch beim über­re­gio­na­len Feuil­le­ton. Wir wur­den damals gewarnt, dass unser eher anspruchs­vol­les Pro­gramm in Bam­berg nicht funk­tio­nie­ren und das Haus fül­len wür­de – es sei zu groß­städ­tisch und man wol­le hier eher die leich­te Muse. Im ers­ten Jahr gab es zwar noch Kri­tik, ich wur­de zum Bei­spiel mal gefragt, ob es wirk­lich nötig sei, dass der Schau­spie­ler bei sei­nem Mono­log in „Prinz Fried­rich von Hom­burg“ auf einer Toi­let­ten­schüs­sel sitzt. Aber die Men­schen waren dann doch bereit, einen Weg mit uns zu gehen. Es war auch nicht klar, ob wir das Thea­ter Bam­berg in der deut­schen Feuil­le­ton-Land­schaft neu posi­tio­nie­ren könn­ten. Das ist uns aber schnel­ler gelun­gen als ich gedacht habe. Außer­dem gab es einen sehr regen und nahen Aus­tausch mit dem Publi­kum. Das war ich von mei­nen vor­he­ri­gen Sta­tio­nen in ande­ren Städ­ten nicht so gewöhnt – dort war es sehr viel anony­mer. Ich hat­te immer das Gefühl, dass man mich in der Stadt­ge­sell­schaft ken­nen­ler­nen möch­te und das Gespräch mit mir sucht.


Man hört immer mal wie­der von einer blei­er­nen Stim­mung hin­ter den Kulis­sen. Wie sehen Sie das?

Rem­si Al Kha­li­si: Hier ist nichts blei­ern, son­dern im Gegen­teil: leben­dig, offen, krea­tiv, pro­fes­sio­nell und oft auch fami­li­är, das heißt, dass es auch Kon­flik­te gibt, die aber kon­struk­tiv aus­ge­tra­gen wer­den. Es ist vor­ge­kom­men, dass man mit einem Gast-Regis­seur zum Bei­spiel künst­le­risch nicht einer Mei­nung war. Aber alle haben sich immer bemüht, auf den letz­ten Metern doch noch einen gemein­sa­men Weg zu fin­den. Am Anfang mei­ner Zeit im ETA war es nicht leicht im Haus. Der Über­gang war für alle Sei­ten schwie­ri­ger als gedacht. Aber das ist viel­leicht nor­mal, wenn ein Haus vor­her so lan­ge Zeit wenig bewegt wur­de. Ich habe damals viel gelernt über die­se Pro­zes­se. Und wir sind uns ja alle mit­ein­an­der doch näher gekom­men im Lau­fe der Zeit.


Was wer­den Sie an Bam­berg vermissen?

Rem­si Al Kha­li­si: Ich wer­de vor allem die Freun­de ver­mis­sen, die ich hier gefun­den habe. Auch die Hain­ba­de­stel­le vor der Abend­pro­be und das Bier im „Rückel“ nach den Pro­ben. Und vie­les mehr.


Was nicht?

Rem­si Al Kha­li­si: Das schwe­re frän­ki­sche Essen mit Schwei­ne­fleisch und das Rauch­bier sind nicht so meins.


Die letz­te Insze­nie­rung der Spiel­zeit 2020/​2021 ist die der Cal­derón-Spie­le. Besteht die Gefahr, dass bei Ihnen bis dahin die Span­nung durch den bevor­ste­hen­den Abschied raus sein könnte?

Rem­si Al Kha­li­si: Ja, die Span­nung ist inso­fern raus, als dass ich kei­ne Abschluss­pro­duk­ti­on haben wer­de. Nichts, wovon ich wis­sen könn­te, dass es mei­ne letz­te Pre­mie­re sein wird. Um die­ses Erleb­nis bin ich, wie so vie­le ande­re auch, durch die Pan­de­mie betro­gen wor­den. Das ist scha­de. Es gibt eine ande­re Dyna­mik, wenn man etwas hat, auf das man hin­ar­bei­ten kann.


Sie sind seit 2015 am ETA Thea­ter. Wie hat sich in die­ser Zeit die Thea­ter­welt verändert?

Rem­si Al Kha­li­si: Ein gro­ßer Unter­schied ist, dass die jun­gen Künstler*innen, die anfan­gen, am Thea­ter zu arbei­ten, sich heu­te für ande­re The­men inter­es­sie­ren. Iden­ti­täts­po­li­tik ist zum Bei­spiel viel wich­ti­ger gewor­den – nicht nur gesell­schaft­lich, auch in der Kunst. Ent­spre­chend schaut die Thea­ter­land­schaft kri­ti­scher auf die eige­nen Struk­tu­ren und mög­li­cher­wei­se über­kom­me­ne Macht­ver­hält­nis­se. Wie kann man den Thea­ter­be­trieb so refor­mie­ren, dass er dabei kei­nen Scha­den nimmt?


Wie ste­hen Sie zur Identitätspolitik?

Rem­si Al Kha­li­si: Ich bin kein Fan von bestimm­ten Dyna­mi­ken, die damit zusam­men­hän­gen und manch­mal fast blut­rausch­haft von­stat­ten­ge­hen. Aber ich sehe kei­ne Alter­na­ti­ve zur Iden­ti­täts­po­li­tik. Ich fin­de es not­wen­dig und rich­tig, dass ehe­mals dis­kri­mi­nier­te Grup­pen ihre Stim­me stär­ker ein­brin­gen, um dis­kri­mi­nie­ren­de Struk­tu­ren zu ver­än­dern. Das ist eine gesell­schaft­li­che Chance.


Geht eine Ent­wick­lung am Thea­ter ent­spre­chend in die Rich­tung, die alte Arbeits­tei­lung auf­zu­ge­ben, bei der eine Regis­seu­rin oder ein Regis­seur bei der Insze­nie­rung alles vor­gibt und der Rest der Betei­lig­ten folgt – zuguns­ten von grö­ße­rer Teil­ha­be und Mit­spra­che des Ensem­bles am künst­le­ri­schen Prozess?

Rem­si Al Kha­li­si: Ja, in gewis­ser Hin­sicht. Obwohl auch die jün­ge­ren und woken Künstler*innen durch­aus geneigt sind, jeman­dem, der zum Genie erklärt wur­de, zu fol­gen. Aber ich glau­be nicht, dass die grund­sätz­li­che Funk­ti­on der Regie weg­fällt. Die Art und Wei­se, wie der künst­le­ri­sche Pro­zess mit­ein­an­der aus­ge­han­delt wird, wan­delt sich eher. Die Arbeits­tei­lung sehe ich auch bei den jün­ge­ren Leu­ten nicht auf­ge­ge­ben. Die Wei­se, wie sich dar­über ver­stän­digt wird, ändert und öff­net sich. Ich erin­ne­re mich aus mei­nen Anfangs­zei­ten am Thea­ter an Pro­ben, bei denen man nicht mal spre­chen durf­te, wenn man nicht Regisseur*in oder Schauspieler*in war. Das geht mit den jun­gen Men­schen heu­te zum Glück nicht mehr. Es ist ein Miss­ver­ständ­nis, dass nur über Triet­ze­rei und Lei­den Kunst ent­stün­de. Die­se Hal­tung ist aber zum Glück nicht mehr weit verbreitet.

ETA Hoff­mann Theater

Neu­es Künst­le­ri­sches Lei­tungs­team am ETA Hoff­mann Theater

Sibyl­le Broll-Pape, Inten­dan­tin des ETA Hoff­mann Thea­ters, stellt das neue künst­le­ri­sche Lei­tungs­team für die kom­men­de Spiel­zeit 2021/​/​22 vor. Mit ihr gemein­sam wer­den die Dra­ma­tur­g­in­nen Petra Schil­ler und Vic­to­ria Weich das pro­gram­ma­ti­sche Pro­fil des Hau­ses formen.

„Wir wer­den wei­ter­hin zeit­ge­nös­si­sches, die Gesell­schaft kri­tisch beglei­ten­den­des Thea­ter mit hohem Unter­hal­tungs­wert zei­gen. Unbe­dingt wol­len wir aber neue Pfa­de beschrei­ten. Dafür habe ich zwei jun­ge Dra­ma­tur­g­in­nen an mei­ner Sei­te. Sie wer­den mit ihrem Blick auf die Welt und ihrem Gestal­tungs­wil­len dem Thea­ter neue Per­spek­ti­ven eröff­nen“, so Inten­dan­tin Broll-Pape. Petra Schil­ler war zuletzt Schau­spiel­dra­ma­tur­gin am Staats­thea­ter Kas­sel. Sie beschäf­tig­te sich ins­be­son­de­re mit poli­ti­schen Stof­fen wie „Der NSU-Pro­zess. Die Pro­to­kol­le“. Vic­to­ria Weich ist seit 2019 Dra­ma­tur­gin am ETA Hoff­mann Thea­ter, von ihr betreu­te Pro­duk­tio­nen wur­den zu über­re­gio­na­len Thea­ter­fes­ti­vals eingeladen.

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