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Theater im Gärtnerviertel

Bene­fiz – Jeder ret­tet einen Afrikaner

Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel mit neu­er Produktion

In sei­ner neu­en Pro­duk­ti­on “Bene­fiz – Jeder ret­tet einen Afri­ka­ner” leis­tet das TiG – Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel sei­nen Bei­trag zu aktu­el­len Iden­ti­täts­de­bat­ten. Pre­mie­re ist am 11. November.

Das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel isn­ze­niert Ingrid Lau­sunds Stück “Bene­fiz – Jeder ret­tet einen Afri­ka­ner”. Im Stück der Ingol­städ­ter Thea­ter­au­torin pro­ben fünf Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler mit gro­ßer Moti­va­ti­on eine Wohl­tä­tig­keits­ver­an­stal­tung für ein afri­ka­ni­sches Schul­pro­jekt, für das sie Spen­den­be­reit­schaft wecken möchten.

Doch es stellt sich die Fra­ge, auf wel­che Wei­se das am bes­ten gelin­gen kann. Soll­te man unter­halt­sam über Not und Elend in Afri­ka reden, fra­gen sich die Fünf? Bezie­hungs­wei­se, wäre es nicht eigent­lich ange­bracht, in die Pla­nun­gen einer Ver­an­stal­tung über Afri­ka Men­schen aus einem afri­ka­ni­schen Land ein­zu­bin­den und ihnen Ram­pen­licht, Rede- und Spiel­an­tei­le zu geben? Wel­chen sym­bo­li­schen Wert und wel­che Berech­ti­gung kann die Ver­an­stal­tung haben, wenn in ihr kei­ne Betrof­fe­nen nicht vor­kom­men? Fra­gen, mit denen sich das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel im Bereich aktu­el­ler iden­ti­täts­po­li­ti­scher Debat­ten bewegt.

Fra­gen, die die Betei­lig­ten im Stück im Ver­lauf der Pro­ben der Ver­an­stal­tung aber aller­dings auch schnell aus den Augen ver­lie­ren. Denn aus den Vor­be­rei­tun­gen des Bene­fi­ze­vents wird ein Kampf zwi­schen poli­ti­scher Kor­rekt­heit und per­sön­li­chen Eitel­kei­ten. Zwi­schen Gut­ge­mein­tem und Schlechtgeprobtem.

Mit dem Kam­mer­spiel “Bene­fiz – Jeder ret­tet einen Afri­ka­ner” gibt das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel Ein­bli­cke in Abgrün­de der Wohl­stands­ge­sell­schaft und the­ma­ti­siert Schein­hei­lig­keit, Ego­zen­trik und Profitorientierung.

Andrea Pin­kow­ski insze­niert, Chry­sen­da Sail­mann und Lin­da Hof­mann steu­ern Kos­tüm- und Büh­nen­bild bei und TiG-Che­fin Nina Lorenz hat die Pro­duk­ti­ons­lei­tung inne. Ste­phan Bach, Valen­tin Bart­zsch, Hei­di Leh­nert, Lau­ra Mann und Patrick L. Schmitz über­neh­men die Büh­nen­rol­len. Die Pre­mie­re von “Bene­fiz – Jeder ret­tet einen Afri­ka­ner” ist am 11. Novem­ber im Laub­an­ger 14.

Wei­te­re Ter­mi­ne unter:

www.tig-bamberg.de

TiG – Thea­ter im Gärtnerviertel

Expe­ri­men­tier­freu­di­ges Thea­ter an unge­wöhn­li­chen Orten

Am 24. Sep­tem­ber eröff­net das TiG – Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel sei­ne neue Spiel­zeit mit Fried­rich Schil­lers Klas­si­ker “Die Jung­frau von Orleans”. Ste­phan Bach, Jona­than Bam­berg, Valen­tin Bart­zsch, Ursu­la Gumbsch und Mar­tin Haber­mey­er spie­len, TiG-Lei­te­rin Nina Lorenz führt Regie. Mit ihr haben wir uns zum Inter­view getroffen.

Frau Lorenz, in wel­chem Zustand star­tet das TiG in die Spiel­zeit 2021/​/​2022?

Nina Lorenz: Wir haben einen ereig­nis­rei­chen Som­mer hin­ter uns und haben mit unse­rem TiG-Som­mer­thea­ter­fes­ti­val ver­sucht, die Mona­te Juni, Juli und August best­mög­lich zu nut­zen, um meh­re­re Pro­duk­tio­nen und viel Live-Thea­ter anzu­bie­ten. Für die neue Spiel­zeit 2021/​/​2022 sind wir gut gerüs­tet und hof­fen, unse­ren Spiel­plan auf­recht hal­ten zu kön­nen. Jedoch, es hängt nicht von uns allei­ne ab.


Wel­che Ände­run­gen gab es in den zurück­lie­gen­den ein­ein­halb Jahren?

Nina Lorenz: Die Ände­run­gen haben sich auf das Nicht-Spie­len kön­nen belau­fen. Das waren har­te Ein­schnit­te, auch finan­zi­ell. Ansons­ten ist das Ensem­ble kon­stant geblie­ben, kei­ner muss­te gehen und neue Gesich­ter sind dazu gekommen.


Wie hat sich die Spon­so­ren- und För­der­la­ge entwickelt?

Nina Lorenz: Die Spon­so­ren haben uns die Treue gehal­ten, eben­so ist der Freun­de­ver­ein des TiG eine groß­ar­ti­ge Unter­stüt­zung. Ein Teil der gestell­ten För­der­an­trä­ge wur­de aller­dings gekürzt, was gera­de in die­sen Zei­ten umso schwe­rer wiegt.


Nach einem Jahr, in dem kul­tu­rel­le Insti­tu­tio­nen durch die Poli­tik mehr oder weni­ger igno­riert wur­den – sind Sie nach wie vor über­zeugt, mit dem Thea­ter das Rich­ti­ge zu tun oder hat die Pan­de­mie Zwei­fel auf­kom­men lassen?

Nina Lorenz: Nein, die Pan­de­mie hat kei­ne Zwei­fel auf­kom­men las­sen. Kunst und Kul­tur und spe­zi­ell Thea­ter sind wich­tig und nicht weg­zu­den­ken aus unse­rer Gesell­schaft. Thea­ter bie­tet den gemein­sa­men Atem und das gemein­sa­me Erle­ben, ist ein­ma­lig und immer live. Der Aus­tausch zwi­schen dem Publi­kum und den Schauspieler*innen auf der Büh­ne schafft einen gemein­sa­men Raum und bes­ten­falls kön­nen wir durch die­sen Aus­tausch Din­ge bewe­gen und Per­spek­ti­ven verändern.


Heißt es jetzt also “jetzt erst recht”?

Nina Lorenz: Es heißt, weitermachen!


War­um haben Sie für die Spiel­zeit­er­öff­nung am 24. Sep­tem­ber “Die Jung­frau von Orleans” ausgewählt?

Nina Lorenz: In der „Jung­frau von Orleans“ geht es um Glau­bens­krie­ge und einen gro­ßen Fana­tis­mus der Figur der Johan­na. Ihr mit­leid­lo­ses und blin­des Han­deln macht sie zu einem Werk­zeug der Mäch­ti­gen, der Poli­ti­ker und der Prag­ma­ti­ker. Sie wird benutzt und tak­tisch ein­ge­setzt. Damit sind wir sehr nah dran an der heu­ti­gen Zeit und Asso­zia­tio­nen zu sich radi­ka­li­sie­ren­den Jugend­li­chen, die still in den hei­li­gen Krieg zie­hen oder sich als rechts­ra­di­ka­le Got­tes-Kämp­fer sehen und für ihre ver­meint­lich rich­ti­ge Sachen kämp­fen, stel­len sich ein, da kann man auch an die Mor­de des NSU den­ken. Das Leben der Jean­ne d‘Arc wur­de von vie­len Sei­ten benutzt und für eige­ne Zwe­cke aus­ge­nutzt und miss­braucht, bis heu­te, bis zu Marie Le Pen. Aus die­sem Grun­de ist die­ser Stoff, die­ses Stück, hoch aktu­ell. Und es erzählt vom Krieg, den Grau­sam­kei­ten und dem Grau­en im Krieg. Auch das hat bis heu­te nicht aufgehört.


“Die Jung­frau von Orleans” ist eines der am häu­figs­ten gespiel­ten Stü­cke von Fried­rich Schil­ler. Was wird die Insze­nie­rung des TiG bie­ten, das noch nicht zu sehen war?

Nina Lorenz: Wir set­zen mit der Insze­nie­rung unse­re eige­nen Akzen­te und ver­knüp­fen das Gan­ze mit der Musik. Live an der Orgel beglei­tet Ingrid Kas­per die Insze­nie­rung, in Koope­ra­ti­on mit der Kir­chen­mu­sik St. Ste­phan sind der musi­ca-viva-chor bam­berg, der Chor der Kan­to­rei, der Jugend­kan­to­rei und der Gos­pel­chor St. Ste­phan zu erle­ben. Der Spiel­ort ist St. Ste­phan Bam­berg – wir spie­len im Haupt­schiff der Kir­che, dür­fen den Altar über­bau­en und zen­tral in der Kir­che spie­len. Eine groß­ar­ti­ge Mög­lich­keit, die uns die Gemein­de St. Ste­phan bietet!


Wie sehen Ihre Pla­nun­gen aus, falls stei­gen­de Inzi­den­zen Kul­tur­auf­füh­run­gen erneut gefähr­den sollten?

Nina Lorenz: Vie­le Mög­lich­kei­ten haben wir nicht. Bei „Die Jung­frau“ wür­den wir nicht noch­mal um ein Jahr ver­schie­ben, son­dern dar­aus einen Film machen. Aber das hof­fen wir nicht.


Nach wel­chen Gesichts­punk­ten haben Sie den wei­te­ren Spiel­plan zusammengestellt?

Nina Lorenz: Der neue Spiel­plan beinhal­tet Stü­cke, die, coro­nabe­dingt, im letz­ten Jahr aus­fal­len muss­ten, wie „Die Jung­frau von Orleans“ und „Die Drei­gro­schen­oper“ von Ber­told Brecht, die ab März 2022 geplant ist. Spiel­ort bleibt die Maler­werk­statt der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, dar­über freu­en wir uns sehr. Für die wei­te­ren Stü­cke pla­nen wir, heu­ti­ge Autor*innen zu Wort kom­men zu lassen.


Auf was kann sich das Publi­kum in der kom­men­den Spiel­zeit gefasst machen?

Nina Lorenz: Auf span­nen­des, leben­di­ges, expe­ri­men­tier­freu­di­ges Thea­ter an unge­wöhn­li­chen Spielorten.


TiG – Thea­ter im Gärtnerviertel

„Die Jung­frau von Orleans“

24. Sep­tem­ber, 20 Uhr
St. Ste­phan Bam­berg, Ste­phans­platz 5


Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter:

https://tig-bamberg.de/

Audior­und­gang mit dem TiG

W:ORTE: Fla­nie­ren mit Lite­ra­tur und Musik im Ohr

Das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel (TiG) bie­tet ab dem heu­ti­gen Sams­tag den kul­tu­rel­len Audior­und­gang „W:ORTE“ durch das Gärt­ner­vier­tel an. Per App kann man sich unter­wegs lite­ra­ri­sche Tex­te, Gedich­te und Musik – ein­ge­spro­chen und ein­ge­spielt von Mit­glie­dern des Ensem­bles – anhö­ren. Die Stra­ßen wer­den zum Kunst­ort. TiG-Che­fin Nina Lorenz hat mit dem Webecho einen Aus­blick unternommen.

Frau Lorenz, wie sind Sie auf die Idee zum lite­ra­ri­schen Wort­weg gekommen?

Nina Lorenz: Die ers­te Idee kam von Lena Kalt und Lina Hof­mann, bei­de Kos­tüm- und Büh­nen­bild­ne­rin­nen beim TiG, und sah so aus, Schau­fens­ter­in­stal­la­tio­nen anzu­bie­ten und dazu eine Füh­rung oder einen Audio­gui­de zu gestal­ten. Die­se Idee hat mich fas­zi­niert und dar­auf auf­bau­end haben wir sie gemein­sam wei­ter ent­wi­ckelt. Als klar war, dass Olga See­ha­fer und Jakob Fischer die musi­ka­li­sche Gesamt­kom­po­si­ti­on über­neh­men, ein Groß­teil des Schau­spiel­ensem­bles die Tex­te ein­spricht und wir die­se gemein­sam mit Ton­in­ge­nieur Michel Spek auf­neh­men kön­nen, war der Audio­weg gebo­ren. Den schö­nen Titel W:ORTE hat Wer­ner Lorenz entwickelt.


Sie beschrei­ben “W:ORTE” als Kunst­pro­jekt. Um was geht es genau?

Nina Lorenz: Es geht um das Öff­nen der Sin­ne – Hören, Sehen, Rie­chen, Füh­len.
Um das Gehen – in Bewe­gung kom­men, sich die eige­ne Stadt erge­hen, sie wahr­neh­men aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve, die durch Wor­te und Töne, durch Lite­ra­tur und Musik ange­rei­chert wird.
Es geht auch dar­um, sich ein­zu­las­sen auf den Sound der Stadt – um viel­leicht ein Teil der Stadt zu wer­den, gelei­tet von der Kunst. Mit dem TiG-Ensem­ble im Ohr ent­ste­hen die Bil­der nicht nur auf den Stra­ßen, son­dern auch im Kopf.


Wodurch unter­schei­det sich der Rund­gang von tou­ris­ti­schen Rundgängen?

Nina Lorenz: Wir bie­ten kei­ne klas­si­sche Stadt­füh­rung zu den Sehens­wür­dig­kei­ten Bam­bergs an, son­dern gehen eher unbe­kann­te­re Wege und bele­ben die­se mit Wort und Musik. Wir blei­ben dem TiG-Prin­zip treu, das bedeu­tet, wir erschlie­ßen mit jedem neu­en Pro­jekt neue Orte, las­sen uns von ihnen inspi­rie­ren und ver­wan­deln all­täg­li­che Orte in Thea­ter­stät­ten. In die­sem Fall wird das Gärt­ner­vier­tel ins­ge­samt und wer­den die Wege dar­in zu einem Kunstort.


Wie vie­le und wel­che Sta­tio­nen hat der Weg?

Nina Lorenz: Der Weg hat ins­ge­samt 19 Sta­tio­nen, umfasst etwa andert­halb Stun­den oder 6000 Schrit­te durchs Gärt­ner­vier­tel. Die Tex­te wer­den ent­we­der an den Sta­tio­nen direkt gehört und man ver­weilt dabei vor Gebäu­den, Geschäf­ten, Spiel­plät­zen, Brü­cken, oder wer­den wäh­rend des Gehens erleb­bar gemacht. Man kann jeder­zeit den Rund­gang unter­bre­chen und wie­der auf­neh­men, wie es für den eige­nen Gehrhyth­mus am bes­ten ist. Start­punkt ist das TiG-Büro in der Joseph­stra­ße 7.


Bit­te nen­nen Sie drei Bei­spie­le, was es wo zu hören bezie­hungs­wei­se zu sehen gibt?

Nina Lorenz: Zu sehen gibt es immer was – die Stadt bil­det den Rah­men dazu. Eben­so gibt es von Lena Kalt und Lin­da Hof­mann gestal­te­te Schau­fens­ter­in­stal­la­tio­nen. Zu hören gibt es zum Bei­spiel auf der Luit­pold­stra­ße einen Mono­log aus „Anna Kare­ni­na“ von Leo Tol­stoi, als sich Anna auf dem Weg zum Bahn­hof befin­det. An der Lan­des­jus­tiz­kas­se Bam­berg ist Kaf­ka zu erle­ben und an der Gärt­ne­rei Nie­der­mai­er ein Erleb­nis­be­richt von Micha­el Nie­der­mai­er über den Ver­such der Stadt Bam­berg, 1970 eine mehr­spu­ri­ge Schnell­stra­ße durch das Gärt­ner­vier­tel zu bau­en und wie die Gärt­ner dies sei­ner­zeit ver­hin­dert haben. Zwi­schen­drin gibt es einen Song von „Be an Ani­mal“ von und mit Olga See­ha­fer und Jakob Fischer und vie­les mehr.


Unter­wegs gibt es auch Schau­fens­ter-Instal­la­tio­nen. Was erwar­tet das Publi­kum hierbei?

Nina Lorenz: Die Instal­la­tio­nen unter­stüt­zen die Geschich­ten, die an die­ser Stel­le erzählt wer­den und kön­nen im bes­ten Fal­le die Fan­ta­sie anregen.


Folgt “W:ORTE” wie ein Thea­ter­stück einer Hand­lung oder einem Spannungsbogen?

Nina Lorenz: Der Span­nungs­bo­gen ent­steht durch die Musik und durch die dra­ma­tur­gi­sche Durch­mi­schung von lite­ra­ri­schen Tex­ten, Gedich­ten, O‑Tönen von Bam­ber­ger Bür­ge­rin­nen und Bür­gern und Musik. Im klas­si­schen Sin­ne eine durch­ge­hen­de Hand­lung ist nicht vor­han­den. Jeder lite­ra­ri­scher Bei­trag ist in sich abge­schlos­sen. Den­noch ergibt alles in allem in Kom­bi­na­ti­on mit der Musik einen Span­nungs­bo­gen und eine Dar­stel­lung von Leben in sei­nen unter­schied­li­chen Facetten.


Vor der Teil­nah­me an “W:ORTE” muss man die App Hearo­ny­mus her­un­ter­la­den. Sie ist genau wie die Teil­nah­me kos­ten­frei. Die Finan­zie­rung soll durch Spen­den gesi­chert wer­den. Wie­so set­zen Sie auf Frei­wil­lig­keit anstatt auf fest­ge­leg­te Preise?

Nina Lorenz: Da es zur Zeit kei­nen Vor­ver­kauf bei den Vor­ver­kaufs­stel­len gibt, uns die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten eines online Kar­ten­ver­kau­fes nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, haben wir uns für die Finan­zie­rung auf Spen­den­ba­sis nach dem Pay-as-you-wish-Ver­fah­ren ent­schie­den. Wir sind außer­or­dent­lich froh über die Unter­stüt­zung von „Hearo­ny­mus Audio­gui­de“, die es uns ermög­licht hat, den Audio­weg über eine pro­fes­sio­nel­le App anzubieten.


Wann ist “W:ORTE” für Sie ein Erfolg?

Nina Lorenz: Sobald die ers­ten Zuhörer*innen mit dem TiG-Ensem­ble im Ohr durch die Stra­ßen zie­hen – schon ab da ist es ein Erfolg für uns. Die Zuschauer*innen kön­nen nicht zu uns ins Thea­ter kom­men, aber wir kön­nen zu ihnen kom­men – und wenn wir es schaf­fen, mit die­sem Audio­weg den Kon­takt zu hal­ten und zu zei­gen, dass wir auch in der Pan­de­mie wei­ter­hin für da sind, machen wir das Kunst­er­leb­nis auch in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten mög­lich. Unser Publi­kum kann trotz Kri­se unse­re Schauspieler*innen hören und füh­len. Das allein ist ein Riesenerfolg.

Wei­te­re Informationen:

https://tig-bamberg.de/

Weih­nachts­kon­zert

Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel: Blues und Besinnliches

Das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel lässt das Jahr 2020, wie könn­te es auch anders sein, möch­te man sagen, ein wenig melan­cho­lisch aus­klin­gen. So geben die bei­den Ensem­ble­mit­glie­der Lau­ra Mann und Ste­phan Bach per Stream Blue­sig-Besinn­li­ches für die vir­tu­el­le Weih­nachts­fei­er des Bür­ger­ver­eins Bam­berg-Mit­te zum Bes­ten. Zwar kön­nen sich dies­mal nur gela­de­ne Gäs­te in das Online-Kon­zert ein­klin­ken, aber fürs neue Jahr hofft das TiG auf die Rück­kehr auf öffent­li­che Büh­nen. Wir haben mit Sän­ge­rin Lau­ra Mann gesprochen.
Frau Mann, Sie sin­gen auf der vir­tu­el­len Weih­nachts­fei­er des Bür­ger­ver­eins Bam­berg Mit­te – wie kam die Zusam­men­ar­beit mit dem Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel zustande?

Lau­ra Mann: Ulrich Krack­hardt vom Bür­ger­ver­ein Bam­berg-Mit­te ist ein guter Freund und Unter­stüt­zer des Thea­ters im Gärt­ner­vier­tel. Er hat uns die­se Auf­tritts­mög­lich­keit ver­mit­telt und orga­ni­siert die Ver­an­stal­tung. Es wird für uns zwar das ers­te Mal sein, vir­tu­ell und live bei einer digi­ta­len Weih­nachts­fei­er auf­zu­tre­ten, aber wir freu­en uns natür­lich sehr über jede Chan­ce, wie­der auf einer Büh­ne zu ste­hen. Selbst wenn Dar­stel­ler und Publi­kum nicht im glei­chen Raum sind.

Wie sieht der Ablauf des Kon­zerts aus?

Lau­ra Mann: Mein Kol­le­ge Ste­phan Bach und ich wer­den ein klei­nes Pro­gramm von cir­ca zwan­zig Minu­ten als kul­tu­rel­les Schman­kerl zur digi­ta­len Weih­nachts­fei­er des Bür­ger­ver­eins Bam­berg Mit­te zum Bes­ten geben. Wir wer­den uns bei eini­gen Text­pas­sa­gen mit dem Vor­tra­gen abwech­seln, dann gibt es wie­der­um Anek­do­ten und eine Geschich­te, die mein Kol­le­ge allein zum Bes­ten gibt und dazwi­schen sin­ge ich weih­nacht­li­che Lie­der. Dafür schal­ten wir uns von Ste­phans Woh­nung live per Web­cam zur Fei­er dazu. Zwar haben wir kei­ne Büh­ne, aber auf vor­weih­nacht­li­ches Ambi­en­te wol­len wir den­noch nicht ver­zich­ten. Das Mot­to heißt: Mit Abstand. Aber auch mit Stim­mung. So sor­gen wir in unse­rem klei­nen Stu­dio natür­lich für die obli­ga­to­ri­schen 1,50 Meter Abstand von­ein­an­der, aber auch für ein biss­chen Lamet­ta, Ker­zen und viel­leicht sogar einen klei­nen Weih­nachts­baum. Los geht es um cir­ca 18 Uhr und dann dür­fen uns alle gela­de­nen Gäs­te des Bür­ger­ver­eins Bam­berg Mit­te vor ihren PCs lau­schen. Lei­der ist die Ver­an­stal­tung nicht öffent­lich, aber wir vom Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel spie­len ja wie­der im neu­en Jahr. Und dann auch wie­der live. Hoffentlich.

War­um wer­den Sie beim Reper­toire des Kon­zerts den Schwer­punkt auf Blues-Stü­cke legen?

Lau­ra Mann: Weih­nach­ten als Fest und die Advents­ta­ge davor trans­por­tie­ren für mich eine ganz beson­de­re Stim­mung. Wenn der gan­ze Ein­kaufs­stress ein­mal ver­stummt, dann ist das wirk­lich eine Zeit, in der man reflek­tie­ren kann: Über das ver­gan­ge­ne Jahr, was alles pas­siert ist und wie schnell die Tage und Mona­te ver­ge­hen. Da liegt neben all den schö­nen Erin­ne­run­gen auch immer ein Hauch Melan­cho­lie in der Luft. Die­ses Jahr mehr denn je. Und des­halb fin­de ich, passt der Blues und die Stim­mung, die durch die­se Musik erzeugt wird, so gut in die sta­de Zeit.

Wie sieht die Mischung mit dem hei­ter besinn­li­chen Teil der Set­lis­te aus?

Lau­ra Mann: Ste­phan Bach und ich woll­ten eine gelun­ge­ne Mischung aus Text und Musik, sowie humor­vol­len und anrüh­ren­den Tex­ten schaf­fen. Des­we­gen wech­selt sich auch immer das gespro­che­ne mit dem gesun­ge­nen Wort ab. Wir begin­nen mit etwas Hei­te­rem, das zum Schmun­zeln anre­gen soll und enden nach und nach mit einem besinn­li­chen Wunsch für Weih­nach­ten und das neue Jahr. Rund um Weih­nach­ten gibt es ja zahl­rei­che wun­der­schö­ne Anek­do­ten und Tex­te, aus denen wir eini­ge unse­rer Lieb­lin­ge her­aus­ge­pickt haben. Und weil sich zwan­zig Minu­ten Pro­gramm sehr schnell fül­len, hof­fen wir, dass wir mit unse­rer Mischung aus hei­ter besinn­li­chen Tex­ten und Lie­dern ein klein wenig zur vor­weih­nacht­li­chen Stim­mung bei­tra­gen können.

Stadtecho Fra­ge­bo­gen

Das Stadtecho fragt – Nina Lorenz antwortet

In jeder Aus­ga­be des Stadtechos legen wir einer Bam­ber­ger Per­sön­lich­keit einen Fra­ge­bo­gen vor. Dies­mal hat Nina Lorenz, die Lei­te­rin des Thea­ters im Gärt­ner­vier­tel, die Fra­gen beantwortet.
Wie geht es dem Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel derzeit?

In den Zei­ten des zwei­ten Lock­downs nicht gut – wir wis­sen nicht, ob wir in die­sem Jahr noch wer­den spie­len kön­nen und wie es 2021 wei­ter gehen wird. Unse­re Pre­mie­re „Peer Gynt“, nach Hen­rik Ibsen in der Alten Sei­le­rei, hät­te am 13. Novem­ber Pre­mie­re haben sol­len. Aber es ist auf jeden Fall rich­tig und wich­tig, einen Lock­down-Light aus­zu­ru­fen, aber war­um des­halb Thea­ter und Kinos gleich ganz geschlos­sen wer­den müs­sen, ist nur schwer zu begrei­fen. Wir sind mit Hygie­nekon­zep­ten und Abstän­den im Zuschau­er­raum sehr gut auf­ge­stellt und hät­ten uns außer­dem auch dar­um geküm­mert, dass es vor und nach den Vor­stel­lun­gen kei­ne Grup­pen­bil­dung gege­ben hät­te. Kul­tur ist kein Luxus, den wir uns ent­we­der leis­ten oder nach Belie­ben strei­chen kön­nen, son­dern der geis­ti­ge Boden, der unse­re inne­re Über­le­bens­fä­hig­keit sichert, um Richard von Weiz­sä­cker zu zitieren.

Was braucht gutes Theater?

Gutes Thea­ter braucht den Dia­log und die Aus­ein­an­der­set­zung, ein­mal unter­ein­an­der im Ensem­ble und auf der Büh­ne und dann, ganz wich­tig, mit den Zuschau­ern. Dafür ist unser Thea­ter da – Räu­me zu schaf­fen, ganz rea­le Räu­me und Räu­me im Kopf, die die ver­schie­dens­ten Gedan­ken­gän­ge und Per­spek­ti­ven­wech­sel zulas­sen und zum Den­ken anre­gen und das Thea­ter auch sinn­lich erleb­bar machen.

Wür­den Sie ger­ne öfter Fahr­rad fahren?

Nein, ich fah­re regel­mä­ßig in der Stadt mit dem Fahr­rad, das reicht mir.

Zah­len Sie gern Rundfunkgebühren?

Es muss sein.

Töten Sie Insekten?

Wenn mich die­se beein­träch­ti­gen, ja.

Darf man in Ihrem Schlaf­zim­mer rauchen?

Nein.

Wel­che Dro­gen soll­ten Ihrer Mei­nung nach lega­li­siert werden?

Schwie­rig, die Dro­ge Alko­hol ist lega­li­siert, wäh­rend Can­na­bis noch ver­bo­ten ist. Can­na­bis soll­te lega­li­siert werden.

Ihr Leben wird ver­filmt. Wel­che Schau­spie­le­rin soll­te Sie spielen?

Da schwan­ke ich zwi­schen Ursu­la Strauss und Ade­le Neuhauser.

Wie vie­le Apps sind auf Ihrem Smart­pho­ne? Wel­che benut­zen Sie am meisten?

Auf mei­nem smart­pho­ne ist nur die Tagesschau-App.

Wovon waren Sie zuletzt überrascht?

Wie­der ein­mal zu mer­ken, dass Klei­nig­kei­ten im All­tags­le­ben aus­rei­chen kön­nen, um sich glück­lich und zufrie­den zu fühlen.

Was ist Ihr größ­ter Wunsch?

Mein größ­ter Wunsch ist es, das TiG finan­zi­ell so gut auf­zu­stel­len, dass dem Ensem­ble adäqua­te Gagen gezahlt wer­den können.

Wie sieht ein per­fek­ter Tag für Sie aus?

Ein per­fek­ter Tag hat viel mit Zeit haben zu tun. Zeit, in der Früh mei­ne Büro­ar­bei­ten zu erle­di­gen, dann in Ruhe zu den Pro­ben zu gehen mit viel Zeit zu pro­ben und am Abend Zeit für die Fami­lie zu haben. Ohne zu vol­le Stun­den und Gedrän­ge der Ter­mi­ne, das wäre ein per­fek­ter Tag.

Wor­über haben Sie sich zuletzt geärgert?

Über die Ent­schei­dung der Stadt Bam­berg, in den Berei­chen Kul­tur und Bil­dung noch mal mehr zu kürzen.

Haben Sie ein Lieblingsgeräusch?

Wel­len­rau­schen und Wind an der Nordsee.

Wel­chen Luxus leis­ten Sie sich?

Den Luxus, Süßig­kei­ten zu essen und mir dabei Zeit zum Lesen von skan­di­na­vi­schen Kri­mis zu nehmen.

Wovor haben Sie Angst?

Vor wei­te­ren Lock­downs und Berufsverboten.

Wann haben Sie zuletzt geflirtet?

Vor­ges­tern, in der Bäcke­rei, mit der Bäckereiverkäuferin.

Wann hat­ten Sie zum letz­ten Mal Ärger mit der Polizei?

Ärger mit der Poli­zei hat­te ich noch nie.

Was war Ihr schöns­ter TiG-Moment?

Die unglaub­lich tol­le Anteil­nah­me und die Stan­ding Ova­tions des Publi­kums bei der Preis­ver­lei­hung des Kul­tur­för­der­prei­ses an das TiG im Okto­ber 2019.

Auf wel­chen Moment Ihrer Lauf­bahn im TiG waren Sie am schlech­tes­ten vorbereitet?

Auf den Lock­down inmit­ten der Pro­ben zur „Drei­gro­schen­oper“ im März und den völ­li­gen Abbruch aller Proben.

Gibt es einen wie­der­keh­ren­den Alb­traum, der von Ihrem Beruf handelt?

Ja, es ist Pre­mie­re, alle Zuschau­er sit­zen schon, aber hin­ter der Büh­ne ist noch nicht alles vor­be­rei­tet und nichts ist fer­tig orga­ni­siert. Ver­mut­lich ein Klas­si­keral­btraum von Regis­seu­rin­nen und Regisseuren.

Was ist Ihr Lieblingsschimpfwort?

Na ja, ich benut­ze eigent­lich kei­ne Schimpf­wör­ter – so was Blö­des oder so ein Mist, im äußers­ten Fall so ein Scheiß.

Bei wel­chem his­to­ri­schen Ereig­nis wären Sie gern dabei gewesen?

Im Okto­ber 1865 wur­de der ers­te all­ge­mei­ne deut­sche Frau­en­ver­ein gegrün­det, der sich für das Recht der Frau­en auf Bil­dung und Chan­cen­gleich­heit am Arbeits­platz ein­ge­setzt hat, da wäre ich ger­ne dabei gewesen.

Was ist Ihre schlech­tes­te Angewohnheit?

Nachts zu schnarchen.

Wel­che Feh­ler ent­schul­di­gen Sie am ehesten?

Feh­ler, die aus Über­las­tung und Erschöp­fung entstehen.

Ihre Lieb­lings­tu­gen­den?

Beson­nen­heit und Klugheit.

Was mögen Sie an sich gar nicht?

Unkon­zen­triert und unauf­merk­sam zu sein.

Was hät­ten Sie ger­ne erfunden?

Die Glüh­bir­ne.

Haben Sie ein Vorbild?

Nicht direkt ein Vor­bild, aber es gibt eine fin­ni­sche Dres­sur­rei­te­rin, Kyra Kirklund, die mit gro­ßer Hin­ga­be, Fach­wis­sen, Freund­lich­keit und Gelas­sen­heit ihren Beruf aus­übt – so was fas­zi­niert mich.

Wofür sind Sie dankbar?

Für mei­ne Familie.

Was lesen Sie gerade?

Sybil­le Berg, „Nerds“.

Was ist Ihr Lieb­lings­buch, Lieb­lings­al­bum, Lieblingsfilm?

Mein Lieb­lings­buch zur Zeit ist „Unter­leu­ten“ von Juli Zeh, Lieb­lings­al­bum „Beat­les“, Lieb­lings­film „Der gro­ße Gats­by“ mit Leo­nar­do DiCaprio.

Wel­che Musik hören Sie nur heimlich?

Da müss­te ich mir was aus­den­ken, gar kei­ne höre ich heimlich.

Was war Ihre größ­te Modesünde?

Mir mit 17 Jah­ren einen Afro-Look (so hieß das damals) machen zu lassen.

Was ist Ihr liebs­tes Smalltalk-Thema?

Wet­ter und Bahnreisen.

Was zeigt das letz­te Foto, das Sie mit Ihrem Han­dy auf­ge­nom­men haben?

Die Bau­stel­le Atri­um beim Bahn­hof, nach­dem die ers­te Mau­er abge­tra­gen wur­de. Die Über­res­te, die dort hin­gen und stan­den, sahen gigan­tisch aus. So wür­de ich mir mal ein Büh­nen­bild wünschen.

Mit wem wür­den Sie ger­ne eine Nacht durchzechen?

Mit Scar­lett Johansson.

Wovon haben Sie über­haupt kei­ne Ahnung?

Von Com­pu­ter­pro­gram­men.

Was fin­den Sie langweilig?

Gesprä­che mit Men­schen, die nur sel­ber reden und nicht zuhö­ren können.

Sie sind in einer Bar. Wel­ches Lied wür­de Sie dazu brin­gen, zu gehen?

Schla­ger von Tony Marshall.

Was ist Ihre Vor­stel­lung von Hölle?

Die Wie­der­kehr des Immergleichen.

Wie wür­de Ihr Pen­dant von vor zehn Jah­ren auf Ihr heu­ti­ges Ich reagieren?

Es wür­de sich freu­en, dass es das TiG und sei­ne rasan­te Ent­wick­lung gibt und es wür­de mich wahr­schein­lich beglückwünschen.

Gibt es wäh­rend der Vor­be­rei­tun­gen auf eine TiG-Insze­nie­rung wie­der­keh­ren­de Streit­punk­te im Ensemble?

Wie­der­keh­ren­de Streit­punk­te gibt es nicht, es gibt Dis­kus­sio­nen und Rin­gen um Form und Inhalt, und das ist gut so.

Gibt es etwas, das Ihnen das Gefühl gibt, klein zu sein?

Viel­leicht kurz vorm Zahnarztbesuch…

Ich kann nicht leben ohne…

Mei­nen Mann.

In wel­chen Club soll­te man unbe­dingt mal gehen?

„Plat­ten­la­den“ oder in die Ost­bar – wenn dann alles wie­der geöff­net wer­den darf.

Sind Sie Tän­ze­rin oder Steherin?

Tän­ze­rin.

Was war die absur­des­te Unwahr­heit, die Sie je über sich gele­sen haben?

Dass ich ein Mann bin und für einen gehal­ten wurde.

Wel­ches Pro­blem wer­den Sie in die­sem Leben nicht mehr in den Griff bekommen?

Das Pro­blem, zu viel auf ein­mal zu machen.

Das Stadtecho gibt eine Run­de aus. Was trin­ken Sie?

Einen schö­nen hei­ßen Tee.

Nina Lorenz, Lei­te­rin und Initia­to­rin des Thea­ters im Gärt­ner­vier­tel (TiG), Novem­ber 2020.

www.tig-bamberg.de

TiG – En passant

Das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel kehrt mit Mini­dra­men zurück

Für den Wie­der­ein­stieg in einen zumin­dest eini­ger­ma­ßen gere­gel­ten Auf­füh­rungs­be­trieb hat sich das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel für die in der Regi­on ein­zig­ar­ti­ge Insze­nie­rungs­form „Thea­ter im Vor­bei­ge­hen“ ent­schie­den. Bei „TiG – En pas­sant“ gibt es kur­ze Stü­cke, nicht län­ger als eine hal­be Stun­de, drei Mal pro Abend vor­ge­tra­gen von jeweils zwei Ensem­ble­mit­glie­dern vor einem zah­len­mä­ßig redu­zier­ten Publi­kum. Thea­ter­lei­te­rin Nina Lorenz hat uns nähe­re Aus­kunft dar­über gegeben.
Nina Lorenz ist die Leiterin des Theaters im Gärtnerviertel
Nina Lorenz, Foto: S. Quenzer
In wel­chem Zustand befin­det sich das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel, nicht zuletzt finan­zi­ell, nach meh­re­ren Mona­ten Still­stand? Wie geht es dem Ensemble?

Nina Lorenz: Das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel blickt zuver­sicht­lich in die Zukunft und wir haben den Opti­mis­mus nicht ver­lo­ren. Und eigent­lich war der Still­stand nur ein Teil­still­stand, da wäh­rend des Lock­downs die Arbeit in unse­rem Thea­ter wei­ter ging. Es gab viel zu orga­ni­sie­ren, zu ver­schie­ben, zu bespre­chen und zu gestal­ten. So haben wir zu unse­rer in den nächs­ten Febru­ar 2021 ver­scho­be­nen „Drei­gro­schen­oper“ die „Drei­gro­schenhap­pen“ pro­du­ziert und damit die Rei­he TiG-Online begrün­det, in der wir dann auch im wöchent­li­chen Rhyth­mus Insze­nie­run­gen aus ver­gan­ge­nen Spiel­zei­ten online prä­sen­tiert haben.
Wir haben in der Zeit des Lock­downs eine unglaub­li­che Wel­le an Soli­da­ri­tät, Zuspruch, Ermu­ti­gung und auch finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung erhal­ten. Aus den ver­schie­dens­ten Berei­chen gin­gen Spen­den im TiG ein, die zum Über­le­ben bei­getra­gen haben. Allen vor­an der TiG-Freun­de­ver­ein, aber auch der Richard-Wag­ner-Ver­band, die Coro­na Büh­ne, die Stadt­wer­ke, der Rota­ri­er Club, Spen­den von Zuschaue­rin­nen und Zuschau­ern. An die­ser Stel­le sei es mir erlaubt, mich herz­lich bei unse­rem Publi­kum und allen Spen­de­rin­nen und Spen­dern zu bedan­ken. Durch die­se Unter­stüt­zung konn­ten und kön­nen wir bis Ende des Som­mers wei­ter­ar­bei­ten und unser Ziel, bei Vor­stel­lun­gen die vol­len Gehäl­ter an die Ensem­ble­mit­glie­der zu zah­len, ver­wirk­li­chen. Damit geben wir die Spen­den direkt wei­ter. Das ist uns ein gro­ßes Anlie­gen. Denn im TiG gibt es kei­ne Fest­an­stel­lun­gen und somit auch kei­ne Mög­lich­keit des Kurz­ar­bei­ter­gel­des. Das bedeu­tet, nicht spie­len zu kön­nen, heißt schlicht­weg kein Geld zu ver­die­nen. Für die Ensem­ble­mit­glie­der war der Lock­down des­halb eine har­te Zeit, da kei­ner auf­tre­ten und spie­len konn­te, auch wenn es viel Arbeit im Hin­ter­grund und hin­ter der Büh­ne gab und die kon­kre­te exis­ten­zi­el­le Bedro­hung durch feh­len­de Ein­nah­men ist ein schwe­rer Schlag. Es galt, für jeden vie­le Erkun­di­gun­gen für mög­li­che finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ein­zu­ho­len und Anträ­ge zu stel­len. Alle neu­en Infor­ma­tio­nen über mög­li­che Anträ­ge wur­den unter­ein­an­der sofort wei­ter­ge­reicht.
Wir im TiG ver­su­chen so schnell wie mög­lich wie­der Vor­stel­lungs­mög­lich­kei­ten zu schaf­fen und mit Hil­fe der ein­ge­gan­ge­nen Spen­den die Höhe der Gagen zu hal­ten und dadurch die Spen­den direkt an das Ensem­ble wei­ter zu geben. Da wir erst­mal mit deut­lich weni­ger Ein­nah­men rech­nen müs­sen, durch die stark redu­zier­ten Zuschau­er­grup­pen, aber trotz­dem die Hono­ra­re für das Ensem­ble hal­ten wol­len wie vor Coro­na­zei­ten, sind wir nicht nur auf die Spen­den, auf die wir eine gewis­se Zeit zurück­grei­fen kön­nen, ange­wie­sen, son­dern auch auf wei­te­re finan­zi­el­le Unter­stüt­zung und Anträge.

Wel­che Gefüh­le ver­bin­den Sie mit der Tat­sa­che, dass bei­spiels­wei­se Flug­rei­sen mit voll­ge­pack­ten Pas­sa­gier­rei­hen wie­der mög­lich sind, wäh­rend bei Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen im Publi­kum immer noch Abstän­de ein­ge­hal­ten wer­den müssen?

Nina Lorenz: Die­se Rege­lung ist sehr schwer nach­voll­zieh­bar und zeigt deut­lich, wo die Inter­es­sen der Regie­rung lie­gen, bezie­hungs­wei­se wo sie ein­deu­tig nicht liegen.

Wie ent­stand die Idee zu „TiG – En passant“?

Nina Lorenz: Uns hat die Fra­ge, wie es wei­ter­geht und wie wir Thea­ter machen kön­nen, wenn es ab Juli wie­der Öff­nun­gen gibt, sehr beschäf­tigt. Wer­ner Lorenz ist auf die wun­der­ba­re Idee von „TiG – en pas­sant“ gekom­men. Kur­ze Mini­dra­men mit einer Dau­er von knapp 30 Minu­ten, drei­mal hin­ter­ein­an­der gespielt, für klei­ne Zuschau­er­grup­pen. Und wir haben die­se Idee dann zügig in die Tat umgesetzt.

Hat das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel damit aus der Not eine Tugend gemacht ?

Nina Lorenz: Auf der einen Sei­te ja, das kann man so sagen, denn es galt fle­xi­bel, erfin­de­risch und phan­ta­sie­voll mit der neu­en Lage umzu­ge­hen und nicht abzu­war­ten, bis wie­der bes­se­re Zei­ten kom­men und erst ab Herbst wie­der wei­ter zu machen. Auf der ande­ren Sei­te ist es uns ein gro­ßes Anlie­gen, gera­de jetzt, wo wie­der Öff­nun­gen mög­lich sind, vom Digi­ta­len wie­der ins Ana­lo­ge wech­seln zu kön­nen, mit Thea­ter Prä­senz und Flag­ge zu zei­gen und den Künst­le­rin­nen und Künst­lern zu ermög­li­chen, in ihrer Kunst zu arbei­ten und damit Geld zu ver­die­nen. Es ist uns wich­tig, den gesell­schafts­po­li­ti­schen Dia­log wie­der auf­zu­neh­men und es ist als Thea­ter in die­ser Stadt unser Auf­trag, auch in Kri­sen­zei­ten so bald als mög­lich mit und durch das Thea­ter wie­der in Live-Kon­takt mit unse­rem Publi­kum zu tre­ten und Raum für kul­tu­rel­len Aus­tausch zu bieten.

In der Ankün­di­gung schrei­ben Sie, „En pas­sant“ sei zum Wie­der­ein­stieg ins Thea­ter­le­ben gedacht. Schwingt dar­in die Sor­ge mit, in Ver­ges­sen­heit gera­ten zu sein?

Nina Lorenz: Dass wir nicht in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind, haben wir durch den groß­ar­ti­gen Zuspruch in der schwe­ren Kri­sen­zeit deut­lich erfah­ren dür­fen. Sehr oft haben wir von unse­rem Publi­kum die ermu­ti­gen­den Wor­te „Wir kom­men wie­der“ gehört und uns sehr dar­über gefreut. Wie­der­ein­stieg ist eher als Zeit nach dem Lock­down gemeint, nach der Absti­nenz für alle von der, wie ich fin­de, sys­tem­re­le­van­ten Thea­ter­kul­tur, die einen sys­tem­re­le­van­ten Raum und Rah­men für Fra­gen, Dis­kus­sio­nen, Aus­tausch vor und nach einer Thea­ter­vor­stel­lung bietet.

Hat das Thea­ter im Gärt­ner­vier­tel mit die­ser Art der Thea­ter­auf­füh­rung ein Allein­stel­lungs­merk­mal in der Region?

Nina Lorenz: Ja, das den­ke ich. Es gibt wohl zur Zeit nichts Ver­gleich­ba­res hier in der Region.

Nach wel­chen Gesichts­punk­ten haben Sie die Stück­wahl einer Urlaubs­sze­ne und zwei­er Dia­lo­ge zwi­schen Mann und Frau getroffen?

Nina Lorenz: Die ers­te Fra­ge war, was in der Kür­ze der Zeit mach­bar ist? Wel­che Sze­nen las­sen sich in so kur­zer Pro­ben­zeit gut erar­bei­ten. Jedes Schau­spie­ler­paar hat dann unter den vor­ge­ge­be­nen Bedin­gun­gen eine Sze­ne vor­ge­schla­gen und dar­aus sind die „En pas­sant“- Aben­de ent­stan­den. Jedes Paar stu­diert sei­ne Sze­ne in Eigen­re­gie ein, küm­mert sich auch in Eigen­re­gie um Kos­tüm, Requi­si­te und Bühnenbild.

Wie­so haben Sie sich für die­se Art der Auf­füh­rung ent­schie­den, anstatt regu­lä­re Auf­füh­run­gen zu versuchen?

Nina Lorenz: Wir hat­ten zwei regu­lä­re Wie­der­auf­nah­men im Juli auf dem Spiel­plan: „The Pur­p­le Rose of Cai­ro“ im Ode­on Kino und „Cyra­no“ in der Gärt­ne­rei Hohe. Wir haben lan­ge über­legt, ob wir die­se bei­den Pro­duk­tio­nen zei­gen kön­nen, uns aber dann dage­gen ent­schie­den, da bei bereits insze­nier­ten Stü­cken die Coro­na-Maß­nah­men wie das Ein­hal­ten von Abstän­den der Schau­spie­ler von 1,5 Metern auf der Büh­ne und im Back­stage-Bereich oder kei­ne gemein­sa­men Requi­si­ten oder Büh­nen­bild­tei­le haben zu dür­fen, für uns nicht umsetz­bar waren und eine Umin­sze­nie­rung einen zu gro­ßen Auf­wand erfor­dert hät­te. Außer­dem waren etli­che Vor­stel­lun­gen bereits aus­ver­kauft und wir hät­ten nur etwa 35 Zuschaue­rin­nen und Zuschau­ern Platz bie­ten kön­nen, so dass wir eine Aus­wahl hät­ten tref­fen müs­sen. Auch das war nicht mach­bar. Und eine neue Insze­nie­rung unter Coro­na­maß­ga­ben noch im Juli her­aus­zu­brin­gen, war zeit­lich nicht mög­lich, da wir lan­ge nicht pro­ben durf­ten. Dafür bie­ten wir „TiG – en pas­sant“ an.

Wie sieht das Hygie­nekon­zept des Thea­ters im Gärt­ner­vier­tel genau aus?

Nina Lorenz: Das TiG-Hygie­nekon­zept ist nach den vor­ge­ge­be­nen Maß­nah­men gestal­tet und beinhal­tet neben getrenn­ten Ein­lass- und Aus­lass­re­geln alle Vor­ga­ben von 1,5 Metern Min­dest­ab­stand sowohl im Zuschau­er­raum wie auf der Büh­ne, num­me­rier­ten und per­so­na­li­sier­ten Sitz­plät­zen, Des­in­fek­ti­on aller nöti­gen Berei­che im Halb­stun­den­takt, regel­mä­ßi­ge Lüf­tung der Räu­me bis hin zu Schau­ta­feln, Mar­kie­run­gen und Weg­wei­sern und vie­les mehr.

Was ist für den Rest des Jah­res geplant?

Nina Lorenz: Wir haben uns ent­schie­den, ganz nor­mal in die neue Spiel­zeit 2020 /​2021 zu star­ten und eröff­nen am 25. Sep­tem­ber mit der Sci­ence-Fic­tion-Tra­gi­ko­mö­die „Ab jetzt“ von Alan Ayck­bourn. Wir sind dafür noch auf der Suche nach einem geeig­ne­ten grö­ße­ren Spiel­ort. Viel­leicht hat jemand eine Idee, wir freu­en uns über jeden Tipp.

Pro­gramm TiG – En passant:
Von Oben her­ab – Eine Rei­se­war­nung für Balkonien

1. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr
2. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr
3. Juli, 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr

Der Bär

8. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr
9. Juli, 19.30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr
10. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr

Dia­log zwi­schen Julia und einer Amme aus „Romeo und Julia“

15. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr
16. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr
17. Juli: 19:30 Uhr /​20:10 Uhr /​20:50 Uhr

Wei­te­re Informationen:

https://tig-bamberg.de