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Wirtschaftsstandort

IHK-Gre­mi­um Bam­berg im Aus­tausch mit Land­rat und Oberbürgermeister

Wirt­schaft und Poli­tik suchen Schul­ter­schluss für Bamberg

Der enge Schul­ter­schluss zwi­schen Wirt­schaft, Poli­tik und Ver­wal­tung steht im Mit­tel­punkt des Unter­neh­mer­früh­stücks des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg mit Ober­bür­ger­meis­ter Sebas­ti­an M. Nie­der­mai­er und Land­rat Johan­nes Macie­jon­c­zyk, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mitteilt.

„Gera­de in Zei­ten von Trans­for­ma­ti­ons­druck und wach­sen­der Unsi­cher­heit ist es ent­schei­dend, dass Wirt­schaft, Ver­wal­tung und Poli­tik gemein­sam Lösun­gen vor Ort ent­wi­ckeln und Hand in Hand zusam­men­ar­bei­ten“, betont Her­bert Grim­mer, Vor­sit­zen­der des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg. Ober­bür­ger­meis­ter Nie­der­mai­er kün­digt in die­sem Zusam­men­hang an, dass ein Wirt­schafts­se­nat gegrün­det wer­den soll, um den The­men Wirt­schaft und Digi­ta­li­sie­rung mehr Sicht­bar­keit und Bedeu­tung zu ver­lei­hen. „Wir ent­wi­ckeln einen direk­ten Draht in die Poli­tik und stel­len damit sicher, dass wirt­schaft­li­che The­men zügig behan­delt wer­den“, so Niedermaier.

Auch Land­rat Macie­jon­c­zyk unter­streicht die Bedeu­tung einer star­ken regio­na­len Wirt­schaft: „Am Anfang der Nah­rungs­ket­te steht immer das, was erwirt­schaf­tet wird. Nur wenn unse­re Wirt­schaft stark bleibt, kön­nen wir auch künf­tig Wohl­stand, sozia­le Sta­bi­li­tät und gesell­schaft­li­che Leis­tun­gen sichern.“

Im wei­te­ren Ver­lauf der Ver­an­stal­tung wer­den kon­kre­te The­men aus Han­del, Logis­tik, Tou­ris­mus, Stadt­ent­wick­lung und Denk­mal­pfle­ge ange­spro­chen. Ver­tre­ter aus der regio­na­len Wirt­schaft wer­ben dabei für bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen, mehr Prag­ma­tis­mus in Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren und ein stär­ke­res Bewusst­sein für die Bedeu­tung, aber auch die Sor­gen regio­na­ler Unternehmen.


Her­bert Grim­mer: Bil­dung als ele­men­ta­rer Schlüsselfaktor

Ein wei­te­rer Schwer­punkt ist die Bedeu­tung von Bil­dung und beruf­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on. Das IHK-Gre­mi­um spricht sich für eine stär­ke­re Ver­net­zung von Unter­neh­men, Schu­len, Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen aus, um jun­gen Men­schen Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen und das Ver­ständ­nis für Selbst­stän­dig­keit und Mit­tel­stand zu stärken.

„Bil­dung ist die Ren­di­te der Zukunft. Das kön­nen wir direkt hier in Bam­berg gestal­ten gemein­sam mit Schu­len, Hoch­schu­len und Unter­neh­men“, so der IHK-Gremiumsvorsitzende.

“Kom­pass” für die kom­men­den Jah­re überreicht

Zum Abschluss über­reicht Grim­mer im Namen des IHK-Gre­mi­ums den Gäs­ten einen Aus­zug aus Arti­kel 153 der Baye­ri­schen Ver­fas­sung als sym­bo­li­schen “Kom­pass“ für die kom­men­den Jah­re. Dort ist klar als Ver­fas­sungs­auf­trag for­mu­liert, die selb­stän­di­gen Klein- und Mit­tel­stands­be­trie­be zu för­dern und gegen “Über­las­tung und Auf­sau­gung“ zu schüt­zen, aber auch den Auf­stieg „aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit zu selb­stän­di­gen Exis­ten­zen zu för­dern“. Grim­mer lei­tet dar­aus ab, dass Wirt­schaft, Ver­wal­tung und Poli­tik mit­ein­an­der Lösun­gen suchen, um Hin­der­nis­se abzu­bau­en. „Wir freu­en uns auf eine inten­si­ve und ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit,” so Grimmer.

Ein­satz für den Wirt­schafts­stand­ort Oberfranken

IHK zeich­net ehren­amt­lich enga­gier­te Per­sön­lich­kei­ten aus Land­kreis Bam­berg aus

Fast 100 Prü­fe­rin­nen und Prü­fer aus Ober­fran­ken, die seit min­des­tens 20 Jah­ren die­ser Tätig­keit ehren­amt­lich nach­ge­hen, hat die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer für Ober­fran­ken Bay­reuth für ihr gro­ßes Enga­ge­ment aus­ge­zeich­net. Eini­ge der Geehr­ten kom­men dabei auch aus dem Ein­zugs­ge­biet des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mitteilt.

Aus der Stadt und dem Land­kreis Bam­berg wer­den geehrt: Johan­nes Barth, Man­fred Bur­ger, Tho­mas Hein, Kers­tin Rich­ter und Katha­ri­na Schumm für 20 Jah­re sowie Hans-Peter Beusch­lein, Mat­thi­as Lebert und Jochen Roll für 30 Jahre.

„Beruf­li­che und aka­de­mi­sche Bil­dung sind längst abso­lut gleich­wer­tig”, macht Dr. Micha­el Waas­ner deut­lich, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth, vor dem Hin­ter­grund des nach wie vor anhal­ten­den Trends zur aka­de­mi­schen Bil­dung. Die Gleich­wer­tig­keit bezie­he sich dabei nicht nur auf die Kar­rie­re­mög­lich­kei­ten, son­dern auch auf die Ver­dienst­chan­cen. Des­halb habe das The­ma Beruf­li­che Bil­dung bei der IHK auch obers­te Prio­ri­tät. Sie siche­re den qua­li­fi­zier­ten Fach­kräf­te­nach­wuchs und damit auch die Zukunft des Wirt­schafts­stand­or­tes Ober­fran­ken. „Die beruf­li­che Bil­dung ist das gro­ße Rad, das die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft am Lau­fen hält und dar­an haben auch die rund 2000 ehren­amt­lich täti­gen Prü­fer gro­ßen Anteil”, so Dr. Waas­ner weiter.

Weit über ihre Tätig­keit in den Betrie­ben hin­aus sei­en die ehren­amt­li­chen Prü­fer für die Regi­on von gro­ßer Bedeu­tung. so der Hofer Land­rat Dr. Oli­ver Bär stell­ver­tre­tend für die Kom­mu­nal­po­li­tik. Wenn Ober­fran­ken auf jun­ge Leu­te set­zen kann, die auf her­vor­ra­gen­de Art und Wei­se aus­ge­bil­det wur­den und die sich glo­bal behaup­ten könn­ten, dann haben dar­an auch die vie­len ehren­amt­li­chen Prü­fer gro­ßen Anteil. „Sie sind ein wesent­li­cher Bestand­teil der Wirt­schaft von heu­te und einer mög­lichst guten Zukunft der Wirt­schaft von mor­gen”, so der Land­rat zu den Ausgezeichneten.

Ober­frän­ki­sche Wirt­schafts­kam­mern bezeich­nen Stim­mung als alarmierend

Ober­fran­ken braucht Taten, kei­ne Ankündigungen

Der Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken steht am Schei­de­weg. Daher müs­se die Regie­rung end­lich zu einem ech­ten Befrei­ungs­schlag anset­zen, so die Prä­si­den­ten der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth, der HWK für Ober­fran­ken und der IHK zu Coburg, Dr. Micha­el Waas­ner, Mat­thi­as Graß­mann und Dr. Andre­as Engel. Ohne Befrei­ungs­schlag kom­me die Wirt­schaft nicht aus der Kri­se, die Unter­neh­men war­te­ten auf den ver­spro­che­nen Wachstumsbooster.

Im April 2024 hat­ten die ober­frän­ki­schen Wirt­schafts­kam­mern gemein­sam im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz in Kasen­dorf „Wirtschaft@Politik“ die Dring­lich­keit von wirt­schafts­po­li­ti­schen Refor­men unter­stri­chen. „Zwei Jah­re spä­ter ist die poli­ti­sche Bilanz abso­lut ernüch­ternd. Wir erken­nen wei­ter­hin kei­nen Wil­len zu gro­ßen, struk­tu­rel­len zukunfts­ori­en­tier­ten Refor­men“, resü­miert der Prä­si­dent der HWK für Ober­fran­ken, Mat­thi­as Graß­mann. Das Hand­werk blei­be zwar sta­bil, die Stim­mung aber sei abso­lut alar­mie­rend. Dr. Micha­el Waas­ner, Prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth ergänzt: „Die Lage ist mehr als ernst. Seit 2019 sind im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be, also in der Indus­trie und im Pro­du­zie­ren­den Hand­werk, in Ober­fran­ken 11.500 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren­ge­gan­gen.“ Nur noch 125.000 Men­schen arbei­ten in die­sem Bereich – so weni­ge wie nie zuvor.

Die drei Wirt­schafts­kam­mern ver­tre­ten rund 77.000 Unter­neh­men aus Indus­trie, Hand­werk, Han­del, Tou­ris­mus und Dienst­leis­tun­gen. Sie for­dern von der Bun­des­re­gie­rung end­lich einen kla­ren Kurs für den Stand­ort Deutsch­land. Dr. Andre­as Engel, Prä­si­dent der IHK zu Coburg, bringt es auf den Punkt: „Auf Sei­ten der Poli­tik dürf­te es längst kein Erkennt­nis­pro­blem mehr geben, dass höchs­ter Hand­lungs­druck herrscht, und es wur­den ja auch Refor­men und Ent­las­tun­gen ange­kün­digt – aber pas­siert ist viel zu wenig.“


Büro­kra­tie lähmt Betriebe

Büro­kra­tie, Ener­gie & Roh­stof­fe, Infra­struk­tur, Fach­kräf­te­si­che­rung, Steu­ern & Abga­ben und Pla­nungs­si­cher­heit – 2026 bestim­men noch die glei­chen Schlag­wor­te die Dis­kus­si­on, die die Wirt­schafts­kam­mern 2024 ver­stärkt in den Fokus gerückt haben. Dr. Engel: „Wir haben kei­ne Zeit mehr für wei­te­re Stol­per­schrit­te im Klein-Klein – unser Stand­ort braucht tief­grei­fen­de Refor­men zur Ver­bes­se­rung der Stand­ort­qua­li­tät, und zwar schnellstmöglich!“

Gera­de die jüngs­ten Dis­kus­sio­nen – Abschaf­fung des Anspruchs auf Teil­zeit­ar­beit („Life­style-Teil­zeit“), Erhö­hung der Erb­schafts­steu­er, Kür­zun­gen des Leis­tungs­ka­ta­logs bei der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se, Ein­be­zie­hung wei­te­rer Ein­künf­te in die Bei­trags­rech­nung – wür­den nur wei­ter das Kli­ma ver­gif­ten. „Außer­dem wird so jeder mög­li­che Reform­an­satz sofort zer­re­det. Die­ses Vor­ge­hen ist der schwie­ri­gen Lage abso­lut nicht ange­mes­sen“, kri­ti­siert Graßmann.

„Wir brau­chen eine Agen­da 2030 und kei­ne Poli­tik unko­or­di­nier­ter Ein­zel­maß­nah­men. Mit einem sol­chen Mas­ter­plan sol­len Inves­ti­tio­nen, Arbeits­vo­lu­men und Pro­duk­ti­vi­tät dau­er­haft gestärkt wer­den”, macht Dr. Waas­ner deut­lich. „Es kann doch nicht sein, dass schul­ter­zu­ckend zur Kennt­nis genom­men wird, dass durch die De-Indus­tria­li­sie­rung die Basis unse­res Wohl­stands schlei­chend ero­diert, dass Inves­ti­tio­nen immer wei­ter gekürzt wer­den, dass der Job­ab­bau an Tem­po gewinnt“, so Dr. Engel.

Auch bei den wei­te­ren Stich­wor­ten aus der Pres­se­kon­fe­renz 2024 „Wirtschaft@Politik“ sehen die ober­frän­ki­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mern und die Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken kaum Bewe­gung. Büro­kra­tie bleibt ein gro­ßes Hin­der­nis. „Es gibt vie­le Ankün­di­gun­gen, aber kaum ech­te Erleich­te­run­gen“, kri­ti­siert Graß­mann. Selbst ein­fa­che Maß­nah­men wie die Abschaf­fung der Bon­pflicht wur­den nicht umge­setzt. Die Fol­ge: Unter­neh­men ver­lie­ren Zeit und Geld durch unnö­ti­ge Vor­schrif­ten – und zudem längst die Geduld.

Infra­struk­tur: Hier zei­ge sich schon jetzt, dass nur Tei­le des soge­nann­ten Son­der­ver­mö­gens für Infra­struk­tur­maß­nah­men tat­säch­lich sach­ge­recht aus­ge­ge­ben wer­den. Graß­mann wei­ter: „Pla­nungs­si­cher­heit? Beim Hei­zungs­ge­setz etwa zeigt sich, wie wenig die Poli­tik auf die Wirt­schaft hört.“

„Die Stim­mung unter unse­ren Betrie­ben ist schlecht. Dies ändert sich nur, wenn die Poli­tik ihre dring­lichs­ten Haus­auf­ga­ben macht und die Regie­rung als ent­schlos­se­ne Ein­heit auf­tritt“, so Dr. Waas­ner. Als Fazit for­mu­liert er eine ein­deu­ti­ge Bot­schaft: „Der Herbst ist vor­bei, einen Herbst der Refor­men habe ich nicht wahr­ge­nom­men. Was wir wirk­lich brau­chen, ist kein Früh­ling der Dis­kus­sio­nen, kein Früh­ling der Dampf­plau­de­rei und erst recht kein Früh­ling neu­er Vor­schrif­ten, son­dern ein Früh­ling der Taten!“ Die Poli­tik müs­se jetzt han­deln, damit Ober­fran­ken und ganz Deutsch­land wie­der auf Kurs kommen.

Ein­satz für Wirt­schafts­stand­ort Oberfranken

IHK wür­digt Prü­fe­rin­nen und Prü­fer aus Stadt und Land­kreis Bamberg

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Mehr als 100 Prü­fe­rin­nen und Prü­fer aus dem Regie­rungs­be­zirk, die die­ser Tätig­keit ver­ein­zelt schon Jahr­zehn­te ehren­amt­lich nach­ge­hen, hat die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer für Ober­fran­ken in Klos­ter Banz aus­ge­zeich­net. IHK-Prä­si­dent Micha­el Waas­ner wür­dig­te dabei vor allem das gro­ße Enga­ge­ment der Geehr­ten um den Berufsstand.

Man kön­ne die rein ehren­amt­li­che Tätig­keit der Prü­fe­rin­nen und Prü­fer gar nicht genug beto­nen, sag­te Micha­el Waas­ner in Klos­ter Banz. Ohne sie gäbe es kei­ne Aus- und Wei­ter­bil­dung in der Regi­on, kei­ne Qua­li­fi­zie­rung des Fach­kräf­te­nach­wuch­ses der ober­frän­ki­schen Unter­neh­men und kei­ne Zukunfts- und Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Wirt­schafts­stand­or­tes Ober­fran­ken. Sei­nen Wor­ten zufol­ge sei­en aktu­ell mehr als 3.000 Prü­fe­rin­nen und Prü­fer in rund 380 Aus­schüs­sen bei der IHK für Ober­fran­ken tätig.

„Aus­bil­dung ist wich­ti­ger denn je“, sag­te Waas­ner. Die ober­frän­ki­sche Wirt­schaft benö­ti­ge Fach­kräf­te, um die Zukunfts­fä­hig­keit des Wirt­schafts­raums Ober­fran­ken zu sichern. Aber das Ehren­amt bestehe nicht nur aus Pflich­ten, son­dern habe auch Vor­tei­le. Es för­de­re die per­sön­li­che und beruf­li­che Ent­wick­lung, unter­stüt­ze beim Knüp­fen von Netz­wer­ken und kön­ne so zu Zufrie­den­heit führen.

Aus­bil­dung im Mittelpunkt

Erstaun­lich nann­te Micha­el Waas­ner zudem die Ent­wick­lung der Aus­bil­dungs- und Stu­di­en­zah­len. 1960 sei­en auf zehn Stu­die­ren­de noch 50 Aus­zu­bil­den­de gekom­men. Im Jahr 2000 rech­ne­risch 9,5 auf zehn und zuletzt sei­en es gera­de mal 4,3 Aus­zu­bil­den­de auf zehn Stu­die­ren­de gewe­sen. „Kei­ne Fra­ge, wir brau­chen Hoch­schul­ab­sol­ven­ten“, sag­te der IHK-Prä­si­dent. „Noch viel mehr brau­chen wir aber Fachkräfte.“

Waas­ner rief des­halb auch dazu auf, das The­ma Aus­bil­dung künf­tig noch mehr in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Er for­der­te die Poli­tik auf, dem The­ma Aus­bil­dung die glei­che Auf­merk­sam­keit wie dem The­ma Stu­di­um zu widmen.

Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirtschaft

vfb: AfD scha­det dem Wirt­schafts­stand­ort Bayern

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Die Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on „Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft“ (vbw) hat ange­sichts der aktu­el­len hohen Umfra­ge­wer­te der AfD und jüngs­ten Ent­hül­lun­gen über die Rechts­par­tei auf die nega­ti­ven wirt­schaft­li­chen Fol­gen eines stär­ke­ren Ein­flus­ses der AfD hin­ge­wie­sen. Das Den­ken der Par­tei scha­de dem Wirtschaftsstandort.

„Uns berei­tet es sehr gro­ße Sor­gen“, zitiert eine Mit­tei­lung der vbw ihren Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bert­ram Bros­sardt, „dass die AfD aus der gegen­wär­ti­gen Ver­trau­ens­kri­se gegen­über der Bun­des­re­gie­rung zusätz­li­ches Kapi­tal schla­gen kann. Wir müs­sen den Men­schen ins Bewusst­sein rufen, dass die­se offen­kun­dig rechts­ra­di­ka­le Par­tei kei­ne Lösun­gen anzu­bie­ten hat. Als baye­ri­sche Wirt­schaft set­zen wir uns mit nie­man­dem an den Tisch, der rech­te Paro­len pro­pa­giert und in Tei­len vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet wird.“

Bay­ern und Deutsch­land pro­fi­tie­ren, so die vbw wei­ter, mit ihrer star­ken Export­ori­en­tie­rung von Welt­of­fen­heit, inter­na­tio­na­ler Zusam­men­ar­beit und glo­ba­lem Han­del. Das natio­na­lis­ti­sche und unde­mo­kra­ti­sche Den­ken und die Pro­pa­gan­da der AfD gegen die EU und den Euro, par­ti­ell anti-ame­ri­ka­nisch, vor allem aber über wei­te Stre­cken pro-rus­sisch, stell­ten außer­dem das Wirt­schafts­mo­dell, auf dem der deut­sche Wohl­stand beruht, in Fra­ge. Es scha­de dem Stand­ort Bay­ern und den Unter­neh­men in ganz Deutsch­land mas­siv. Je mehr die AfD das gesell­schaft­li­che Kli­ma ver­gif­te, umso unat­trak­ti­ver wer­de Deutsch­land für die Gewin­nung von Fach­kräf­ten aus dem Aus­land, die zur Behe­bung des Fach­kräf­te­man­gels drin­gend nötig seien.

„Wir müs­sen auch offen­le­gen“, sag­te Bros­sardt wei­ter, „dass vie­le AfD-Funk­tio­nä­re men­schen­feind­lich agie­ren. Die Depor­ta­ti­ons­phan­ta­sien, die kürz­lich im Mit­tel­punkt eines Tref­fens von hoch­ran­gi­gen AfD-Ver­tre­tern mit rechts­extre­men Ideen­ge­bern stan­den, haben uns erschüttert.“

Pes­si­mis­ti­sche Unternehmen

IHK und vbw: Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken gefährdet

Der Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken ist laut den wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen vbw und IHK in nichts weni­ger als Gefahr. Die Unter­neh­men der Regi­on stün­den nicht nur vor kon­junk­tu­rel­len, son­dern auch vor struk­tu­rel­len Herausforderungen.

„Immer mehr Betrie­be stel­len sich die Fra­ge, ob sie hier noch eine wett­be­werbs­fä­hi­ge Zukunft haben“, ver­mel­de­te Tho­mas Kae­ser, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bezirks­grup­pe Ober­fran­ken der vbw (Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft) am Mitt­woch (25. Okto­ber). Mit einer Arbeits­lo­sen­quo­te von nur 3,8 Pro­zent und einem Brut­to­in­lands­pro­dukt von rund 38.500 Euro pro Kopf gehe es dem Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken im Moment zwar noch recht gut. Gleich­zei­tig hät­ten zuletzt aber mehr als die Hälf­te der zum Bei­spiel ober­frän­ki­schen Metall- und Elek­tro-Betrie­be ange­ge­ben, dass sich die Stand­ort­be­din­gun­gen für sie in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren deut­lich ver­schlech­tert haben. „Statt hier­zu­lan­de inves­tie­ren die Betrie­be etwa in ande­ren mit­tel­eu­ro­päi­schen Län­dern, in Ost­eu­ro­pa, Nord­ame­ri­ka und Asi­en“, sag­te Kae­ser und mut­maß­te zusätz­lich: „Wir erle­ben eine schlei­chen­de De-Indus­tria­li­sie­rung. Denn wo heu­te Inves­ti­tio­nen aus­blei­ben, fehlt es mor­gen an Wert­schöp­fung und über­mor­gen an Know-how.“

Damit Ober­fran­ken ein zukunfts­fä­hi­ger Wirt­schafts­stand­ort bleibt, braucht es aus Sicht der vbw eine siche­re und bezahl­ba­re Ener­gie­ver­sor­gung. „Wenn wir das baye­ri­sche Kli­ma­ziel bis 2040 errei­chen wol­len, muss sich die instal­lier­te Leis­tung bei Wind- und Solar­ener­gie in Ober­fran­ken mehr als verfünffachen“,so Kaeser.

Auch der Man­gel an Fach- und Arbeits­kräf­ten sei ein Stand­ort­nach­teil für die Unter­neh­men in der Regi­on. „In Ober­fran­ken wer­den im Jahr 2035 rund 78.000 Arbeits­kräf­te feh­len.“ Des­halb müss­ten alle ver­füg­ba­ren Arbeits- und Fach­kräf­te­po­ten­zia­le aus­ge­schöpft wer­den. Dazu gehö­re es etwa, wei­ter in Bil­dung zu inves­tie­ren und für Zuwan­de­rung von Fach- und Arbeits­kräf­ten aus dem Aus­land zu sorgen.

Zu den zen­tra­len Stand­ort­fak­to­ren zählt laut vbw auch eine zukunfts­fä­hi­ge Mobi­li­tät. „Hier müs­sen wir kräf­tig inves­tie­ren und ins­be­son­de­re die Bedürf­nis­se im länd­li­chen Raum berück­sich­ti­gen. Gleich­zei­tig ist Ober­fran­ken Tran­sit­re­gi­on. Dar­um haben wir im Bahn­ver­kehr Nach­hol­be­darf bei der Ost-West­ver­bin­dung“, sag­te Kaeser.

Trend­aus­wer­tung IHK

Auch die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth fin­det, dass der Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken gefähr­det ist. Die Stim­mung der Bam­ber­ger Wirt­schaft sei laut einer Wirt­schafts­um­fra­ge der IHK zu Beginn des Win­ter­halb­jah­res eher ver­hal­ten, die Erwar­tun­gen negativ.

Aller­dings beur­teil­ten auch in der Umfra­ge der IHK die befrag­ten Unter­neh­men aus der Stadt und dem Land­kreis Bam­berg ihre aktu­el­le Geschäfts­la­ge noch posi­tiv. Für einen Rück­gang beim Kon­junk­tur­kli­ma­in­dex für die Regi­on um 15 Punk­te auf 97 Zäh­ler sor­gen laut IHK aller­dings die deut­lich pes­si­mis­ti­sche­ren Ein­schät­zun­gen für die wei­te­re Geschäfts­ent­wick­lung. „Die Her­aus­for­de­run­gen sind bereits jetzt immens. Dazu gesellt sich nun auch eine Abküh­lung auf den inter­na­tio­na­len Märk­ten. Da ist eine gedämpf­te Stim­mung gut nach­voll­zieh­bar”, sag­te Her­bert Grim­mer, Vize­prä­si­dent der IHK für Ober­fran­ken Bayreuth.

Auf die anste­hen­den Win­ter­mo­na­te bli­cken die befrag­ten Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer zudem pes­si­mis­ti­scher als noch in der Früh­jahrs­um­fra­ge. Nur noch 20 Pro­zent rech­nen mit einer Ver­bes­se­rung der eige­nen Geschäfts­la­ge. Eine Ver­schlech­te­rung pro­gnos­ti­zie­ren hin­ge­gen 36 Pro­zent. Zwar räumt Grim­mer auch ein, dass die Bam­ber­ger Wirt­schaft seit mehr als einem Jahr­zehnt einen Beschäf­tig­ten­zu­wachs ver­zeich­net. „Geht man nach den Beschäf­tig­te­n­er­war­tun­gen der Bam­ber­ger Unter­neh­men, scheint es mit die­ser Ent­wick­lung aber zunächst vor­bei zu sein“, mut­maßt er.

Ob Ener­gie­prei­se, Fach­kräf­te­man­gel oder wirt­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen: Unter den meist­ge­nann­ten Risi­ken für die wei­te­re Ent­wick­lung im Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken befin­den sich für die IHK vie­le, die vor allem von der Poli­tik beein­flusst wer­den könn­ten. „EU, Bund und Land müs­sen end­lich eine Ver­bes­se­rung der wirt­schafts­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen ange­hen“, sag­te Grim­mer. Er nennt hier vor allem ver­läss­li­che und bezahl­ba­re Ener­gie, eine längst über­fäl­li­ge Digi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tung und einen kla­ren Fahr­plan für die Energiewende.

Grü­ne Visio­nen für die Bam­ber­ger City

Grü­ne Anträ­ge wol­len Innen­stadt über rei­nen Kon­sum hin­aus den­ken und mit E‑Commerce stärken

Bei der für Ende April anbe­raum­ten Son­der­sit­zung des Stadt­rats zum Wirt­schafts­stand­ort Bam­berg soll ein beson­de­rer Fokus auf die Bam­ber­ger Innen­stadt gelegt wer­den. Hier­zu wur­den von der Stadt­rats­frak­ti­on Grü­nes Bam­berg ent­spre­chen­de Anträ­ge eingebracht.

Beson­ders für die Zeit nach der Coro­na-Kri­se rech­net der wirt­schafts­po­li­ti­sche Grü­nen-Spre­cher Wolf­gang Gra­der mit nach­hal­ti­gen Ver­än­de­run­gen für die Bam­ber­ger City, „die wir nicht ein­fach so gesche­hen las­sen dür­fen, son­dern aktiv gestal­ten und beglei­ten müs­sen.“ Er will eine Task Force ein­set­zen, die alle rele­van­ten Akteur*innen an einen Tisch bringt, dazu ent­spre­chen­de Beauf­trag­te in der Ver­wal­tung und aus den Rei­hen der Stadtratsfraktionen.

Gra­d­ers Visi­on ist auf lan­ge Sicht ange­legt und will Ein­zel­han­del und Gas­tro­no­mie nach­hal­tig unter­stüt­zen, aber er will auch dar­über hin­aus den­ken: „Es geht in der Innen­stadt der Zukunft nicht nur um Kon­sum, son­dern eben­so um Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur, Kuli­na­rik, Kom­fort und Kreativität.“

Das Herz der Stadt und des Welt­kul­tur­er­bes soll nach dem Wil­len von Stadt­rä­tin Vera Mame­row, Grü­ne Spre­che­rin für Welt­kul­tur­er­be, aus sich her­aus attrak­tiv sein und vie­le Men­schen zur Begeg­nung, zum Ver­wei­len und natür­lich auch zum Ein­kauf ein­la­den. „Das ist natür­lich ein Ent­wick­lungs­pro­zess, der nicht von heu­te auf mor­gen been­det ist“, so Mame­row, „aber vie­le klei­ne und gro­ße Ideen umge­setzt, erge­ben ein neu­es gro­ßes Gan­zes.“ So sei­en alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein­ge­la­den, an ihrer Innen­stadt mit­zu­ge­stal­ten, damit das Welt­erbe auch eine Welt­zu­kunft habe.


E‑Com­mer­ce-Platt­form Bam­ber­ger Geschäfte

Dass der klas­si­sche sta­tio­nä­re City-Ein­zel­han­del nach Coro­na vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen steht, davon ist Chris­ti­an Hader über­zeugt, denn „für den kon­kur­rie­ren­den Online-Han­del hat Coro­na den Boom noch ange­heizt“. Er for­dert: „Wir müs­sen es nun schaf­fen, loka­len Han­del und Online-Poten­tia­le zusam­men­zu­brin­gen und gezielt zu ver­net­zen.“ Sein Zau­ber­wort und damit ein wei­te­rer grü­ner Antrag lau­tet „E‑Commerce“.

Eine sol­che E‑Com­mer­ce-Platt­form der Bam­ber­ger Geschäf­te soll die Stadt in Koope­ra­ti­on mit den Betei­lig­ten ansto­ßen und mit auf­bau­en. „Ziel muss eine Platt­form sein, die einen mög­lichst gro­ßen Teil des Bam­ber­ger Han­dels abbil­det und sich in Bekannt­heit, Funk­tio­na­li­tät, Waren­ver­füg­bar­keit, intui­ti­ver Bedie­nung und Bezahl­vor­gang mit den bekann­ten, gro­ßen Platt­for­men mes­sen kann.“ Das bereits vor­han­de­ne Ange­bot hier­für ist aus Haders Sicht unge­nü­gend. Er stellt sich ein aus­ge­feil­tes, öko­lo­gisch ori­en­tier­tes, regio­na­les Logis­tik-Sys­tem vor, mit Mikro-Depot in der Innen­stadt, eine leicht bedien­ba­re App, eine shop­ping-map mit gutem Über­blick über das gesam­te Ange­bot, sowie Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Einzelhändler*innen, die bis­her über kein Online-Ange­bot verfügen.