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Jahresrückblick

Jah­res­rück­blick zum Arbeits­markt 2021

Job­kri­se fällt aus

Von Job­kri­se kei­ne Spur, auch dank umfang­rei­cher Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men. Die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten hat im Bezirk der Agen­tur für Arbeit Bam­berg-Coburg im Juni 2021, dem aktu­ells­ten Stich­tag, mit 246.737 Män­nern und Frau­en trotz der andau­ern­den Coro­na-Kri­se einen neu­en Höchst­stand erreicht.

Bin­nen eines Jah­res stieg die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten im Bezirk der Agen­tur für Arbeit Bam­berg-Coburg um 2.393 Per­so­nen oder 1,0 Pro­zent an (Juni 2020: 244.344). Durch die im März 2020 begon­ne­ne Coro­na-Kri­se war die Beschäf­ti­gung im letz­ten Jahr um 767 bezie­hungs­wei­se 0,3 Pro­zent leicht gesun­ken. Von Job­kri­se kann der­zeit aller­dings kei­ne Rede sein. Die Zahl der Beschäf­tig­ten ist mitt­ler­wei­le sogar um 1.626 Per­so­nen (+0,7 Pro­zent) grö­ßer als im Juni 2019, dem Jahr vor der Kri­se. Seit dem Ende der Welt­wirt­schafts­kri­se in 2010 beläuft sich das Beschäf­tig­ten­wachs­tum bis dato auf 36.470 hin­zu­ge­won­ne­ne Arbeits­plät­ze bezie­hungs­wei­se einem Plus von 17,3 Pro­zent. Über­pro­por­tio­nal ist im letz­ten Jahr die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten Aus­län­der gestie­gen (+10,3 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 2.067 im Ver­gleich zu Juni 2020). 86,4 Pro­zent aller neu­ge­schaf­fe­nen Arbeits­plät­ze wur­den rein rech­ne­risch von ihnen besetzt. Ihr Anteil an allen Beschäf­tig­ten liegt mit 22.165 Per­so­nen bei 9,0 Pro­zent. Zum Ver­gleich – in den letz­ten fünf Jah­ren ist ihre Zahl um 80,7 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 9.899 gestie­gen. Der demo­gra­fi­sche Wan­del macht sich zuneh­mend bemerk­bar. Gut jeder vier­te Beschäf­tig­te (22,6 Pro-zent bezie­hungs­wei­se 55.792) ist min­des­tens 55 Jah­re alt und schei­det in den nächs­ten zehn Jah­ren aus dem Erwerbs­le­ben aus. Ledig­lich jeder zehn­te (10,6 Pro­zent, 26.172) ist jün­ger als 25.

Nach Bran­chen gab es in 2021 abso­lut betrach­tet auf­grund der Her­aus­for­de­run­gen zur Bekämp­fung der Pan­de­mie die stärks­te Zunah­me im Bereich öffent­li­che Ver­wal­tung (+3.222 oder + 30,2 Pro­zent). In der Zeit­ar­beit stieg die Beschäf­ti­gung um 1.703 bezie­hungs­wei­se 81,0 Pro­zent auf ins­ge­samt 3.806, bei Immo­bi­li­en und frei­be­ruf­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen um 738 (+6,3 Pro­zent), bei Hei­men und Sozi­al­we­sen um 408 (+2,4 Pro­zent) sowie bei Ver­kehr und Lager um 404 (+3,3 Prozent).

Am ungüns­tigs­ten war dage­gen die Ent­wick­lung in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie sowie Stahl­in­dus­trie (–1.484 oder –3,4 Pro­zent). Im Gast­ge­wer­be ging die Beschäf­ti­gung trotz der andau­ern­den Ein­schrän­kun­gen ver­hält­nis­mä­ßig mode­rat um 130 Per­so­nen (-2,2 Pro­zent) zurück. Jedoch gab es hier bereits in 2020 zu Beginn der Kri­se mit dem Lock­down einen deut­li­chen Beschäf­ti­gungs­ab­bau um 574 bezie­hungs­wei­se 8,7 Prozent.


Zwei­tes Jahr Coro­na-Kri­se – Arbeits­lo­sig­keit wei­ter auf Erholungskurs

Mit durch­schnitt­lich 12.053 arbeits­los gemel­de­ten Män­nern und Frau­en hat sich die Arbeits­lo­sig­keit 2021 gegen­über dem Vor­jahr um 4,1 Pro­zent ver­rin­gert (-516 Per­so­nen). Obwohl sich die Kon­junk­tur auf­grund der im März 2020 begon­nen rein pan­de­mie­be­ding­ten Kri­se kon­ti­nu­ier­lich erhol­te, lag die Zahl der Arbeits­lo­sen im Schnitt um 17,7 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 1.809 Per­so­nen deut­lich über dem Vor­kri­sen­ni­veau von 2019.

Die Arbeits­lo­sen­quo­te ist seit dem Vor­jahr um 0,2 Pro­zent­punk­te gesun­ken und betrug im Jah­res­durch­schnitt 3,4 Pro­zent. Vor zwei Jah­ren lag sie bei 2,9 Pro­zent. Die Jugend­li­chen pro­fi­tier­ten über­pro­por­tio­nal von der zuneh­men­den Ein­stell­be­reit­schaft der Betrie­be. Ihre Arbeits­lo­sig­keit ging im Schnitt um 13,1 Pro­zent (-182) auf 1.208 zurück. Aber auch die Zahl der arbeits­lo­sen Aus­län­der redu­zier­te sich um 3,5 Pro­zent (-76) auf 2.077.

Die der Per­so­nen ab 50 (+3,0 Pro­zent auf 5.176) sowie der schwer­be­hin­der­ten Men­schen (+4,3 Pro­zent auf 1.441) erhöh­te sich hin­ge­gen noch leicht. Mit einem Zuwachs um 28,5 Pro­zent (+741) auf 3.340 ist die Grup­pe der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen noch am stärks­ten von den Fol­gen der Kri­se betrof­fen. Fach­kräf­te­si­che­rung und Bekämp­fung der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit sind die gro­ße Her­aus­for­de­rung der kom­men­den Jahre.

Im Bereich des SGB III ging die Zahl der Arbeits­lo­sen im Ver­gleich zu 2020 auf­grund des wie­der hohen Fach­kräf­te­be­darfs bereits um 9,3 Pro­zent (-764 Per­so­nen) auf 7.415 zurück, wäh­rend sie bei den Job­cen­tern noch um 5,7 Pro­zent (+248 Per­so­nen) auf 4.637 grö­ßer wur­de. Auch im SGB II-Bereich war aber die Arbeits­lo­sig­keit seit August wie­der kon­ti­nu­ier­lich rückgängig.


Ent­las­sungs­ri­si­ko und Job­chan­cen wie­der auf Vorkrisenniveau

Im Jahr 2021 ver­lo­ren 15.629 Män­ner und Frau­en ihre Beschäf­ti­gung. Das waren trotz der andau­ern­den Kri­se 13,3 Pro­zent (-2.388 Per­so­nen) weni­ger als im Vor­jahr. Das Ent­las­sungs­ri­si­ko lag sogar um 11,6 Pro­zent (-2.057) unter dem Vor­kri­sen­ni­veau von 2019. Hin­ter­grund ist, dass die im April 2020 zu Beginn der Kri­se plötz­li­che Ent­las­sungs­wel­le bereits nach zwei Mona­ten durch die mas­si­ve Inan­spruch­nah­me von Kurz­ar­bei­ter­geld gestoppt wer­den konn­te. Danach setz­te peu à peu der Abbau der Arbeits­lo­sig­keit wie­der ein, der auch das gesam­te Jahr 2021 über anhielt.

In den letz­ten zwölf Mona­ten fan­den 14.263 Arbeits­lo­se eine neue Beschäf­ti­gung. Das waren 2,3 Pro­zent oder 327 mehr als im Vor­jahr und 0,2 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 34 mehr als in 2019. Eine Aus­bil­dung oder geför­der­te beruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung nah­men 7.109 arbeits­lo­se Per­so­nen auf, 418 oder 5,6 Pro­zent weni­ger als letz­tes Jahr und 22,6 Pro­zent (-2.071) weni­ger als im Jahr vor der Kri­se. Hier wirk­ten sich die die Fol­gen der Beschrän­kun­gen von Prä­senz­un­ter­richt wei­ter­hin spür­bar aus.


Stel­len­markt – Job­chan­cen­re­kord seit Grün­dung der BRD

Im Jah­res­durch­schnitt hat­te der Arbeit­ge­ber­ser­vice der Agen­tur für Arbeit Bam­berg-Coburg 7.590 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Stel­len­an­ge­bo­te im Bestand. Das waren über ein Fünf­tel (+21,9 Pro­zent bezie­hungs­wei­se 1.364) mehr als im Vor­jahr. Auf­grund der zügi­gen Erho­lung gro­ßer Tei­le der Wirt­schaft und des mas­siv gestie­ge­nen Per­so­nal­be­darfs der Fir­men erreich­te der Stel­len­pool sei­nen Höchst­stand seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor 72 Jahren.

Dem Arbeit­ge­ber­ser­vice wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr ins­ge­samt 21.125 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gungs­an­ge­bo­te gemel­det. Das waren 5.430 mehr Stel­len (+34,6 Pro­zent) als im Vor­jahr und 18,8 Pro­zent (+3.349) mehr als in 2019.

Bedingt durch die Fol­gen der Coro­na-Kri­se gab es in die­sem Jahr erneut einen spür­ba­ren Rück­gang an gemel­de­ten Aus­bil­dungs­stel­len. Die Zahl der gemel­de­ten Aus­bil­dungs­stel­len hat mit ins­ge­samt 4.949 Plät­zen um 433 (-8,0 Pro­zent) seit 2020 abge­nom­men. Den­noch setz­te sich die seit neun Jah­ren andau­ern­de Ent­wick­lung zum Bewer­ber­markt in allen Regio­nen des Agen­tur­be­zirks fort. 

Auf 100 Jugend­li­che kamen rein sta­tis­tisch 189 gemel­de­te Lehr­stel­len. Es blie­ben 924 Aus­bil­dungs­plät­ze unbe­setzt, 60 (+6,9 Pro­zent) mehr als im Vor­jahr. 53 Bewer­ber waren noch auf Lehr­stel­len­su­che, so vie­le wie in 2020.


Bewähr­ter Wel­len­be­re­cher Kurz­ar­beit bie­tet kla­re Per­spek­ti­ven und sichert Arbeitsplätze

Im Febru­ar zur Hoch­pha­se des damals seit drei Mona­ten andau­ern­den har­ten Lock­downs bezo­gen im Agen­tur­be­zirk ins­ge­samt 3.294 Betrie­be für 25.102 Arbeit­neh­mer Kurz­ar­bei­ter­geld. 10,2 Pro­zent aller sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten waren in Kurz­ar­beit. Der durch­schnitt­li­che Arbeits­aus­fall lag damals pro Kurz­ar­bei­ter bei 47,9 Pro­zent. Auf Voll­zeit­stel­len gerech­net, konn­ten so 12.015 Arbeits­plät­ze geret­tet wer­den (Kurz­ar­beit auf Voll­zeit­äqui­va­len­te gerech­net). Mit dem Ende des Lock­downs ver­la­ger­ten sich die Ursa­chen für die Kurz­ar­beit im Ver­lauf des Jah­res zuneh­mend auf Lie­fer­eng­päs­se und Roh­stoff­man­gel wie zum Bei­spiel bei Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rern. Coro­na spiel­te kaum noch eine Rol­le. Die Kurz­ar­bei­ter­quo­te sank allein bis August (aktu­ells­ter Wert) auf ledig­lich 2,2 Prozent.

„Seit der Ankün­di­gung und der Ergrei­fung erneu­ter Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der vier­ten Coro­na Wel­le im letz­ten Quar­tal des Jah­res zog die Kurz­ar­beit jedoch wie­der rela­tiv sprung­haft an. Erneut waren über­wie­gend der Ein­zel­han­del, der Hotel- und Gast­stät­ten­be­reich, Dienst­leis­ter wie z.B. Fri­seu­re, Kos­me­ti­ker, die Ver­an­stal­tungs­bran­che, Schau­stel­ler aber auch Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer betrof­fen. Wir haben da-her unver­züg­lich das Per­so­nal zur Bear­bei­tung von Kurz­ar­bei­ter­geld mit erfah­re­nen Mit­ar­bei­tern der vor­he­ri­gen Wel­len wie­der auf­ge­stockt, um die recht­zei­ti­ge Aus­zah­lung zu gewähr­leis­ten.“ – So das Fazit von Ste­fan Tre­bes, dem Lei­ter der Agen­tur für Arbeit Bamberg-Coburg.


Rück­blick und Ausblick

Resü­mee von Ste­fan Tre­bes, dem Vor­sit­zen­den der Geschäfts­füh­rung der Agen­tur für Arbeit Bam­berg-Coburg: „Obwohl die Coro­na-Kri­se auch im ver­gan­ge­nen Jahr das öffent­li­che Leben sehr stark bestimm­te und beein­träch­tig­te, ent­wi­ckel­te sich der Arbeits­markt in der Regi­on erstaun­lich posi­tiv. Die umfang­rei­chen Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men tru­gen einen wesent­li­chen Bei­trag dazu bei. Ins­be­son­de­re die Kurz­ar­beit bewähr­te sich erneut wie bereits in der Finanz­kri­se in 2009 und sicher­te zig­tau­send Arbeits­plät­ze. Wäh­rend sich die Indus­trie in wei­ten Tei­len wie­der zügig erhol­te, wur­de die Situa­ti­on für vie­le Selb­stän­di­ge und klei­ne Unter­neh­men von Coro­na Wel-le zu Wel­le immer pre­kä­rer. Der­zeit gibt es kei­ne Anzei­chen für eine grö­ße­re Insol­venz­wel­le. Jedoch muss­te so man­cher Ein­zel­händ­ler, Fri­sör, Gast­wirt, Künst­ler oder Schau­stel­ler auf­ge­ben. Die­se Schick­sa­le erschei­nen in kei­ner Sta­tis­tik. Die wäh­rend der Kri­se über­pro­por­tio­nal wie­der gestie­ge­ne Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit stellt uns vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Gleich­zei­tig sind Fach­kräf­te begehr­ter denn je. Zukunfts­the­men legen auch wäh­rend einer Pan­de­mie kei­ne Pau­se ein. Und so beschäf­tig­ten uns durch­gän­gig die The­men wie Demo­gra­fi­scher Wan­del, Fach­kräf­te-man­gel, Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung sowie Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se der Indus­trie. Die­se erfor­dern in den kom­men­den Jah­ren gemein­sa­me Anstren­gun­gen aller Akteu­re am Arbeits­markt. Lie­fer­schwie­rig­kei­ten und Coro­na hal­ten uns wei­ter auf Trab. Vie­le Betrie­be wer­den an ihren Mit­ar­bei­tern fest­hal­ten, was die bis­her gemach­ten Erfah­run­gen bele­gen. Das Kurz­ar­bei­ter­geld bie­tet hier ein geeig­ne­tes Hilfsmittel.“

Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben über 2021

In sei­ner aktu­el­len Stadtecho-Kolum­ne wirft Flo­ri­an Herrn­le­ben einen Blick zurück auf das Jahr 2021 und auf eini­ge der poli­ti­schen Errun­gen­schaf­ten – zwin­ker, zwin­ker -, die es in Bam­berg mit sich brachte.

Und schon ist ein Jahr vor­bei. Und es endet, wie es begon­nen hat: Coro­na, ein The­ma, das ich auf­grund sei­ner Omni­prä­senz in mei­nen Ver­laut­ba­run­gen eher schmal gehal­ten hab, um ande­ren Inhal­ten Raum zu geben, schießt mit einer Unauf­halt­sam­keit durch Bam­berg wie sonst nur Staats­an­walt­schaf­ten durch das Rat­haus. Es jäh­ren sich aber nicht nur die Inzi­den­zen. Auch der an die Pres­se durch­ge­sto­che­ne BKPV-Bericht über die eher – sagen wir – libe­ra­le Aus­le­gung der Tarif­ge­set­ze im öffent­li­chen Rat­haus-Dienst fei­ert sei­nen ers­ten Geburts­tag in mei­nem Gift­schrank. Die Ver­ant­wor­tung, die mir der Typ im Bat­man-Kos­tüm mit Über­ga­be des Prüf­be­richts über­tra­gen hat, war nicht ohne. Aber wir haben viel erreicht, denk ich. Sowohl mit mei­nen Ver­laut­ba­run­gen im Stadtecho, als auch mit Herrn­le­bens Über­stun­de im Internetz.

Ich habe ver­sucht, euch Tarif­ge­set­ze zu erklä­ren, hab das Arbeits­zeit­ge­setz erläu­tert und näher­zu­brin­gen ver­sucht, dass es total unrea­lis­tisch oder wenigs­tens nicht all­zu geset­zes­treu ist, wenn arme Rat­haus­see­len Woche für Woche 60 Stun­den arbei­ten müs­sen. Und so haben wir gelernt, die Stadt Bam­berg womög­lich eine Bohr­in­sel betrei­ben müss­te, weil nur „off­shore“ das Arbeits­zeit­ge­setz nicht greift.

Wir haben aus­ge­rech­net, dass unser Vor­zei­ge-Rat­haus­mit­ar­bei­ter Schor­schi wohl nachts zwi­schen dem 1. und 2. Weih­nachts­fei­er­tag Über­stun­den schiebt, um im stau­bi­gen Hei­zungs­kel­ler des Rat­hau­ses Atom­müll von links nach rechts zu schich­ten, um die not­wen­di­gen Zuschlä­ge zu erhal­ten. Oder anders, im Tarif­recht­ler­deutsch: Weih­nachts­zu­schlag, Sonn­tags­zu­schlag, Nacht­zu­schlag, Über­stun­den­zu­schlag, Staub­be­las­tungs­zu­schlag, nicht kli­ma­be­ding­ter Hit­ze­ein­wir­kungs­zu­schlag plus Strah­lungs­ex­po­si­ti­ons­zu­schlag kön­nen zusam­men locker 100 Pro­zent Lohn­zu­schlag ergeben.

Wir haben gelernt, dass es ein Ober­bür­ger­meis­ter not­falls im Allein­gang schafft, weg­ge­fal­le­ne Über­stun­den­pau­scha­len mit Eil­ver­fü­gun­gen, Höher­grup­pie­run­gen und Beför­de­run­gen zu kom­pen­sie­ren, wenn man sie einem neu­en Per­so­nal­se­nat in der ers­ten Sit­zung der Legis­la­tur unter­ju­belt und alle ande­ren Stadt­rä­te mit dem Abhän­gen von Bay­er­lein-Schmie­re­rei­en ablenkt. Wir haben gelernt, dass man den §353b des Straf­ge­setz­bu­ches (Ver­let­zung des Dienst­ge­heim­nis­ses und einer beson­de­ren Geheim­hal­tungs­pflicht) gleich­zei­tig doof und gut fin­den kann, weil man des­halb einer­seits selbst einen Straf­be­fehl wegen Adress­da­ten­schutz drü­ber­ge­bre­zelt bekommt, weil er aber auch ande­rer­seits als Grund­la­ge zur Ver­fol­gung von Whist­leb­lo­wern nutzt. Nichts beschreibt die absur­de Bam­ber­ger Recht­auf­fas­sung besser.

Über­haupt! Den Begriff “Eige­ne Rechts­auf­fas­sung” haben wir auch ganz neu in unse­ren Wort­schatz auf­ge­nom­men. Wir haben gelernt, dass ach-wie-wit­zi­ge Ertrin­ke-Foto­postings in Face­book zeit­gleich zur gro­ßen Flut gar nicht ach-so-gut ankom­men bei Leu­ten in Nord­rhein-West­fa­len, denen gan­ze Häu­ser weg­ge­spült wur­den. Wir haben gelernt, dass auch der VGH die Rechts­au­fas­sung der Stadt Bam­berg nur bedingt teilt, und vor allem dann nicht, wenn das Auto­gramm unse­res Rat­haus­chefs fehlt oder der Sta­pel Papier nicht ver­nünf­tig zusam­men­ge­tackert ist. Und zuletzt haben wir noch gelernt, dass man Sit­zungs­vor­la­gen nur soweit trau­en soll­te wie der Reiß­fes­tig­keit von gel­ben Säcken.

Ne, ja! Also! War ein span­nen­des Jahr, die­ses 2021!

Nur was die Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie betrifft, da haben wir nix, also über­haupt gar nix gelernt.

Fro­hes Fest, kommt gut rüber und bleibt gesund!

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Jah­res­rück­blick 2020

Städ­ti­sche Triumphe

Das Coro­na­jahr 2020 ist rum und vie­le den­ken: Die schlimms­te Zeit seit dem Aus­fall der Sand­ker­wa 2o18. Aber es war nicht alles schlecht im ver­gan­ge­nen Jahr! Wir haben uns trotz Mas­ke und all­zeit­be­schla­ge­ner Bril­le auf die Suche gemacht, um Kurio­ses aus der Stadt an der Reg­nitz zum Schmun­zeln oder Kopf­schüt­teln auszubuddeln.

März: Die Datenschutz-Posse

Die Par­tei­en befin­den sich in der ent­schei­den­den Pha­se des Kom­mu­nal­wahl­kampfs. Der amtie­ren­de Ober­bür­ger­meis­ter der wich­tigs­ten Ober­fran­ken-Metro­po­le zwi­schen Hall­stadt und Pett­stadt kämpft um das erneu­te Recht, den Chef­ses­sel am Max­platz nicht her­ge­ben zu müs­sen. Da die gan­ze City schon kom­plett zupla­ka­tiert ist und auch deren Motiv­wahl anschei­nend oft mit drei Seid­la zuviel ent­stan­den, müs­sen ande­re Wege der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Wahl­volk her. Die SPD Bam­berg lässt sich dazu Daten von der Stadt Bam­berg ver­kau­fen, um Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in ihrer Mut­ter­spra­che per Brief anzu­schrei­ben. Zu blöd nur, dass die städ­ti­schen Behör­den das gar nicht hät­ten dür­fen. Mitt­ler­wei­le inter­es­siert das auch die Staats­an­walt­schaft, wer hier von wem was bekam und war­um. Wer war noch­mal der Chef der Ver­wal­tung, der das eigent­lich hät­te wis­sen müssen?

April: Poli­zei­kon­trol­len from hell

Im Lock­down 1 hat jeder das Leben auf die Grund­be­dürf­nis­se redu­ziert müs­sen: Schuf­ten, Shop­pen, allei­ne (!) durch die Gegend schlap­pen und ein paar haben auch soli­da­risch ande­ren Men­schen gehol­fen. Soweit so gut. Um zu schau­en, dass auch jeder bei dem Spaß mit­macht, ging die Bereit­schafts­po­li­zei im Bam­ber­ger Hain auf Patrouil­le. Und die Beam­ten hat­ten auch ein paar gute Rat­schlä­ge, die man eigent­lich für April­scher­ze hät­te hal­ten kön­nen. Jun­ge Pär­chen, wel­che wahr­sch­lich längs­tens zahl­rei­che Kör­per­flüs­sig­kei­ten aus­ge­tauscht hat­ten, sol­len in der Öffent­lich­keit auf andert­halb Meter Abstand gehen, weil sie lei­der lei­der noch nicht zusam­men gemel­det sind. Oder: Ein­sa­me Rent­ner wur­den von den Park­bän­ken ver­trie­ben: Bücher kann man ja schließ­lich auch zuhau­se lesen! Und über­haupt, was sit­zen die Leu­te da alle in der Son­ne rum? Wie gut, dass es will­fäh­ri­ge Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger gibt, wel­che kei­ne Chan­ce aus­las­sen, sol­ches coro­na-unkon­for­mes Ver­hal­ten sofort den Ord­nungs­hü­tern zu mel­den. Bei Coro­na rückt die Welt zusam­men. Inklu­si­ve sozia­ler Kon­trol­le. Bam­berg ist halt doch ein Dorf.

Mai: Bewaff­ne­te Gangs auf Unte­rer Brü­cke und in der Sandstraße

Alles neu macht der Mai! Der Lock­down ist rum. War­um nicht dar­auf mit einem Seid­la ansto­ßen? Das dach­ten sich dann doch ein paar Leu­te zu viel und bela­ger­ten Bam­bergs Lauf­steg aka Unte­re Brü­cke an lau­en Aben­den. Zur Freu­de der begeis­ter­ten Anwoh­ner­schaft waren nicht nur laut­star­ke Feie­r­ein­la­gen die Fol­ge: Stadt­spit­ze und Poli­zei schau­ten nicht mehr all­zu lan­ge zu. Kein Steh-Seid­la mehr auf der Unte­ren an Wochen­en­den. Schluss mit 100 Leu­ten plus auf der Unte­ren Brü­cke. Jetzt herrscht wie­der Zucht und Ord­nung. Dafür war die Poli­zei mit teils gut gerüs­te­ten 30 Kol­le­gen und meh­re­ren Fahr­zeu­gen auf bei­den Sei­ten des Alten Rat­hau­ses prä­sent. Ech­te Schlag­stock­ein­sät­ze sind nicht bekannt. Das Par­ty­volk wich schon ange­sichts uni­for­mier­ter Gangs. Mehr Auf­merk­sam­keit bekommt die Alt­stadt nur dann, wenn mal wie­der ein Tat­ort gedreht wird. 

Juni: Wer im Glas­haus sitzt… 

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Um eine poli­ti­sche Koope­ra­ti­on zu schmie­den, haben sich SPD, Grü­nes Bam­berg und CSU auf Gesprä­che ein­ge­las­sen. Nach eini­gem Hin und Her und ein biss­chen Dra­ma – fast wäre es zu einer schwarz-rot-grü­nen Kenia-Koali­ti­on gekom­men, wel­che zu Aus­trit­ten bei den Grü­nen führ­te, weil eini­ge Mit­glie­der bereits einer Zusam­men­ar­beit mit der CSU zuge­stimmt hat­ten – stand ein Koope­ra­ti­ons­pa­pier zwi­schen SPD, Grü­nen, Volt und ÖDP für die nächs­ten sechs Jah­re. Aller­dings ohne CSU, weil die­ser das Papier zu grün war. Teil des Deals war auch die grü­ne Zustim­mung zur Per­so­na­lie Sie­ben­haar als neue Refe­ren­tin für Kul­tur und Welt­erbe. Das kommt natür­lich ungüns­tig, wenn man sich zuvor von Wun­der­burg bis Berg­stadt mehr Trans­pa­renz und Mit­mach­stadt auf die Wahl­pla­ka­te gedruckt hat. Aus­schrei­bun­gen aller städ­ti­schen Refe­ren­ten­pos­ten war eine Lang­zeit­for­de­rung der Grü­nen. Fürs Mit­re­gie­ren war das hin­der­lich. Ein Umstand, wel­chen die CSU als neue Oppo­si­ti­on genüss­lich auf­griff damit aber klamm­heim­lich dar­auf hoff­te, den in Ungna­de gefal­le­nen OB-Kan­di­da­ten Lan­ge aus der Frak­ti­on auf die Refe­ren­ten­bank zu kicken. Ande­rer­seits: Wer seit Kriegs­en­de die Mehr­heit im Stadt­rat stell­te und Aus­schrei­bun­gen längst zum Stan­dard hät­te machen kön­nen, soll­te 2020 nicht mit Stei­nen schmeißen.

Juli: Pro­sec­co-Gate

Stil­voll trin­ken will gelernt sein! Das gilt in beson­de­rem Maße dann, wenn man sich im Bei­sein enger Par­tei­kol­le­gen einen Pro­sec­co rein­stellt. Noch mehr Stil ist ange­sagt, wenn es um die Eröff­nung eines Beau­ty Salons geht. Und das Höchst­maß ist dann von­nö­ten, wenn man samt Sel­fie-Erin­ne­rung an die­sen Tag erst auf der Face­book­sei­te von SPD-Fra­ki­ons­chef Klaus Stie­rin­ger und danach in der Zei­tung lan­det. Denn ein auf­merk­sa­mer Fol­lower Stie­rin­gers hat dann gleich mal Star­ke beim Ord­nungs­amt ver­pfif­fen. Kei­ne Mas­ke, kein Abstand! Die Ver­tei­di­gung des Pro­sec­co-Lieb­ha­bers: Das sei ja eine pri­va­te Ver­an­stal­tung gewe­sen und dafür habe es zu die­sem Zeit­punkt kein Hygie­nekon­zept gebraucht. Mag sein. Aber die städ­ti­sche Behör­de muss ihren Chef Star­ke trotz­dem inter­view­en. Bis Redak­ti­ons­schluss blieb unklar, was dar­aus wurde.

August: Sand­ker­wa Pandemie-Pause

Wenn da nicht an man­chem Bam­ber­ger Mit­tags­tisch das Schäu­fer­la auf hal­bem Wege im Hals ste­cken blieb: Die hei­li­ge Sand­ker­wa mit ihren 300.000 Besu­chern muss auch dem Virus wei­chen! Fast hat­te man gedacht, dass nur die deut­schen Brand­schutz- und Sicher­heits­auf­la­gen die Ker­wa stop­pen könn­te, wie das 2018 der Fall war.

2020 gab’s dann halt trotz städ­ti­scher Unter­stüt­zung kei­ne Chan­ce. Was hat eigent­lich Stad­mar­ke­ting-Mana­ger Klaus Stie­rin­ger die­ses Jahr so gemacht? Ob er wohl schon die nächs­ten ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­ta­ge für 2021 plant? Oder zau­bert er ein ganz neu­es Fes­ti­val aus dem Hut? Bringt er der Stadt den Blues zu zurück? Eigent­lich egal! Dafür konn­te man eine sel­te­ne Spe­zi­es die­sen August im Sand ent­de­cken, wel­che bei der Fünf­ta­gees­ka­la­ti­on sonst etwas unter­geht: Anwoh­ner! Ein ers­ter Gewinn. Und aus dem per­sön­li­chen Bekann­ten­kreis sind Fäl­le von Nah­tod­erfah­run­gen auf­grund von Atem­not bei Krus­ten­bra­ten­bröd­la­kon­sum unter Bier­ein­fluss ein­schlä­gig bekannt. Das blieb uns die­ses Jahr erspart!

Die Sand­ker­wa: Ein Stück Lebens­art, auf das Bam­berg 2020 ver­zich­ten musste

Sep­tem­ber: Star­kes Ritt per S‑Klasse zur Klimademo

Wenn in Bam­berg schon vie­les zäh vor­an­geht, soll es wenigs­tens in Sachen Kli­ma­schutz schnel­ler gehen als bei der Debat­te um die Bay­er­lein-Bil­der, wel­che ja nach nicht ein­mal 25 Jah­ren glor­reich been­det wur­de. So hat das Bam­ber­ger Kli­ma­schutz­bünd­nis flei­ßig an For­de­run­gen für die Kli­ma­son­der­sit­zung des Stadt­ra­tes gebas­telt, um viel­leicht noch den schlimms­ten Kli­ma­kol­laps abzu­wen­den. Zum inter­na­tio­na­len Kli­ma­st­reik haben die Akti­vis­ten sich was öffent­lich­keits­wirk­sa­mes ein­fal­len las­sen: Die gut 1.000 Unter­schrif­ten einer Peti­ti­on zum Kli­ma­neu­start soll­ten Ober­bür­ger­meis­ter Star­ke und Land­rat Kalb am Bahn­hofs­vor­platz zum Auf­takt der Demo ent­ge­gen­neh­men. Der Ober­bür­ger­meis­ter, wel­cher kurz zuvor noch öffent­lich­keits­wirk­sam einen vega­nen Kul­tur­bur­ger am Max­platz ver­speis­te, fuhr tat­säch­lich die paar hun­dert Meter per S‑Klasse zur Kli­ma­de­mo. Ein zügi­ger Anschluss­ter­min im Land­kreis sei der Grund. Naja. Jeder tut eben, was er kann für den Kli­ma­schutz. Was vie­le aber gar nicht wis­sen: Bam­bergs Stadt­ober­haupt hat ein tod­schi­ckes E‑Bike, wel­ches an die­sem Tag sei­ne öffent­li­che Pre­mie­re hät­te fei­ern kön­nen! Iro­nie der Geschich­te: An der Kli­ma­son­der­sit­zung ent­stand durch einen Antrag der CSU die Pflicht, das im Rah­men des städ­ti­schen Fuhr­parks auch das Mobi­li­täts­ver­hal­ten der drei Bür­ger­meis­ter unter die Lupe genom­men wird.

Okto­ber: Kes­sel­haus ohne Kunst 

In der Welt­kul­tur­er­be­stadt alter­na­ti­ve Kul­tur auf die Bei­ne zu stel­len, glich schon vor Coro­na einer Her­ku­les­auf­ga­be im Kampf zwi­schen Anwoh­ner­schaft und pre­kä­ren Zwi­schen­nut­zun­gen. Mit der Pan­de­mie wird nicht nur das Rin­gen um den Kul­tur­haus­halt, son­dern auch der Kampf um die Raum­nut­zung zum End­geg­ner. Das haben die Macher des F:KK-Festivals des Franz KAf­kA-Ver­eins durch­le­ben dür­fen. Die Stadt hat­te ihnen signa­li­siert: Kei­ne Chan­ce für ein Kes­sel­haus 2.0 mit expe­ri­men­tel­ler Nut­zung. Brand­schutz hin oder her. Das Fes­ti­val ist pas­sé. Durch die lee­ren Stra­ßen raunt es „Kunst­feind­lich­keit!“. Fast ist da das Gerücht ver­ges­sen, dass der altei­ge­ses­se­ne Teil der Stadt­spit­ze im Früh­jahr noch halb­laut über­leg­te, das Gebäu­de zuguns­ten eines tol­len Park­plat­zes platt zu machen. 

In der Unte­ren Sand­stra­ße könn­te dem­nächst ein neu­es Park­haus entstehen

Nun rol­len aller­dings weder Groß­stadt­pan­zer ein noch steigt irgend­was Pro­gres­si­ves in den Räu­men des Kes­sel­hau­ses. Aber viel­leicht rol­len im April 2021 im Finanz­re­fe­rat Köp­fe, wenn sich eini­ge schon jetzt ent­schlos­se­ne Stadt­rats­mit­glie­der zum Scher­ben­ge­richt gegen Finan­zer Bert­ram Felix auf­ru­fen, wel­cher den Rot­stift gezückt haben soll. Ein Glück: In Demo­kra­tien ver­lau­fen Macht­wech­sel unblutig.

Novem­ber: Frei­wil­li­ge Selbstbeschränkung

Wenn Poli­ti­ker dazu auf­ru­fen, ihre eige­nen Gehäl­ter zu beschrän­ken denkt man erst­mal: Oho, welch’ Beschei­den­heit! Die For­de­rung im Coro­na­jahr: Bam­ber­ger Stadt­rats­mit­glie­der sol­len auf ihre teils ordent­lich dotier­ten Auf­sichts­rats­ge­häl­ter ver­zich­ten, um einen fünftstel­li­gen Betrag für zusam­men­ge­stri­che­nen Pro­jekt in Sachen Sozia­les und Kul­tur doch noch zu ermög­li­chen. Ein nobles Ansin­nen. Dass die­se Idee von CSU-Stadt­rat Ger­hard Seitz kam, mach­te dann doch stut­zig. Wenn das lang­jäh­ri­ge Stadt­rats­mit­glied nicht gera­de damit beschäf­tigt war, die Men­schen Bam­bergs vor dem bösen bösen Gen­dern durch die Ver­wal­tung zu schüt­zen, saß er in so man­chem Auf­sichts­rat. In wie vie­len Auf­sichts­rä­ten sitzt Seitz jetzt? Genau: Null!

Novem­ber: Schö­ner schlachten

Bam­berg ist ein ech­tes Klein­od, wenn man auf die Betei­li­gungs­struk­tu­ren der Stadt schaut. Da fällt der städ­ti­sche Schlacht­hof auf, wel­cher nun per Stadt­rats­be­schluss von einem zar­ten städ­ti­schen Betrieb mit 300.000 Schlach­tun­gen pro Jahr zu einer GmbH umge­mo­delt wur­de. Alles im Sin­ne des kapi­ta­lis­ti­schen Wett­be­werbs ver­steht sich. Denn nun kön­ne man fle­xi­bler auf den Markt reagie­ren. Viel­leicht sogar die Schlacht­zah­len ver­dop­peln. Schuld war nur die Bun­des­ge­setz­ge­bung, wel­che eigent­lich Werks­ver­trä­ge aus­mer­zen woll­te, wie sie bei Tön­nies und Co. zu schlech­ten Bedin­gun­gen für Tier und Mensch führ­ten. Dazu kam es dann doch nicht. Die Gro­ko wur­de sich nicht einig. Bam­berg ist da ohne Not vor­an­ge­prescht und gefähr­det sein Klein­od. Aber immer­hin haben wir ab die­sem Jahr noch mehr Auf­sichts­rats­pos­ten zu vergeben.

Dezem­ber: Der Aufstand

Kurz vor der letz­ten Stadt­rats­sit­zung im Jahr macht ein Brand­brief die Run­de: Kul­tur­schaf­fen­de pran­gern die Macht­fül­le des Finanz- und Stif­tungs­re­fe­ren­ten, Chef des Immo­bi­lienam­tes, kauf­män­ni­scher Lei­ter des Ent­sor­gungs- und Bau­be­trie­bes und in wei­te­ren Posi­tio­nen täti­gen Betram Felix an. Durch die Ver­flech­tung sei­ner Kom­pe­ten­zen sei­en gleich meh­re­re Kul­tur­pro­jek­te geschei­tert (sie­he Kes­sel­haus) oder gar nicht erst ent­stan­den (Jäck­stra­ße 76 und Gas­tro am Vieh­hof). Sie for­dern, dass in die­ser Stadt­rats­sit­zung nicht ein­fach Felix‘ Amt um sechs Jah­re ver­län­gert wird, son­dern eine Aus­schrei­bung und Umstruk­tu­rie­rung der Kom­pe­ten­zen statt­fin­den soll. Die Stadt­rä­te soll­ten gar sich ihre demo­kra­ti­sche Kon­trol­le zurück­er­obern. Hans-Gün­ter Brün­ker von Volt führ­te den Antrag ins Feld. Mit ihm folg­ten ins­ge­samt acht tap­fe­re Stadt­rä­te von der Frak­ti­on BaLi/​Die PARTEI sowie Grü­nes Bam­berg. Damit war der Auf­stand vom Tisch. Bei der eigent­li­chen Wahl zeigt sich, dass man durch­aus krea­tiv mit dem Unmut umge­hen kann, wel­chen der Brief befeu­ert hat: 13 Stim­men gin­gen auf ein­zel­ne Stadt­rä­te von Grü­nes Bam­berg, SPD, Volt, FDP und auch Stadt­rats­sa­ti­ri­ker Fabi­an Dör­ner. Fünf Stim­men­zet­tel waren schlicht leer. Einer sag­te nein. Damit blieb noch eine schma­le Mehr­heit von 25 der 44 Stim­men für den Finan­zer Felix. Hur­ra, es lebe das Weiter-so.

Dezem­ber: Mit­mach­stadt at its best

Es ist ja nicht so, als ob fast jede Fir­ma bereits mit Video­kon­fe­ren­zen coro­nabe­dingt hat­te arbei­ten müs­sen. Bei der Stadt Bam­berg ist das noch nicht ganz ange­kom­men. Denn das wich­ti­ge The­ma Jung­kreut mit der Fra­ge – Was­ser­schutz­ge­biet oder Wohn­ge­biet? – lief wie folgt: Bür­ger konn­ten Fra­gen per Brief­tau­be, Post und Mail ein­sen­den. Die Stadt hat dann den Ober­bür­ger­meis­ter eine drei­vier­tel Stun­de lang alles im You­Tube-Video abar­bei­ten las­sen. So weit so schlicht. Lei­der waren Kom­men­ta­re dabei nicht zuge­las­sen. Aber wenigs­tens kam die städ­ti­sche Ant­wort nicht per Fax. Das reiht sich ein in die Vor­ge­hens­wei­se im Stadt­rat. Da soll­ten die Frak­tio­nen erst­mal Ein­ga­ben zu einem Kon­zept des Amtes für Bür­ger­be­tei­li­gung machen, dass dann beschlos­sen wird, um es dann in einer Bür­ger­be­tei­li­gung zur Bür­ger­be­tei­li­gung in Richt­li­ni­en zu gie­ßen, wel­che der Stadt­rat dann beschließt. Ver­ste­hen Sie das? Ich auch nicht.

Das Jahr im Schnelldurchlauf

9 Fra­gen, 9 Ant­wor­ten mit Jonas Glüsenkamp

In unse­rer Serie „Das Jahr im Schnell­durch­lauf” haben wir Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter aus Bam­bergs Poli­tik, Kul­tur, Wirt­schaft und Sport auf das Jahr 2020 zurück­bli­cken und einen Aus­blick in das kom­men­de Jahr wagen las­sen. Die Serie beschließt heu­te Jonas Glü­sen­kamp, seit Früh­jahr des Jah­res Bam­bergs zwei­ter Bürgermeister.
Wenn sie so kurz vor dem Jah­res­wech­sel zurück­bli­cken: Was neh­men Sie als Fazit aus 2020 mit?

Zu wel­chen Kraft­ak­ten und Ver­än­de­run­gen die Gesell­schaft in der Lage ist, wenn es not­wen­dig ist.

Was war das Schlimms­te für Sie an die­sem Jahr?

Das teil­wei­se ein­sa­me Ster­ben in den Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Wenn Sie eine posi­ti­ve Sache aus die­sem Jahr her­aus­stel­len möch­ten, wel­che wäre das?

Das Mit­ein­an­der, auch in Bam­berg. Für unse­re Nach­bar­schafts­hil­fe haben sich in der „ers­ten Wel­le“ mehr Hel­fen­de gemel­det als Hil­fe benö­tigt wurde.

Wenn Ihnen vor dem Lock­down im Früh­jahr gesagt wor­den wäre wie sich die Situa­ti­on zum Ende des Jah­res dar­stellt, wann und wie hät­ten Sie seit­dem anders gehan­delt als Sie es getan haben?

Ich hät­te ver­sucht, ein paar wirk­lich rele­van­te 😉 Poli­ti­ker ans Tele­fon zu bekom­men: „Ver­vier­facht sofort die Kapa­zi­tä­ten in den Gesund­heits­äm­tern vor Ort, schaut, wie in Süd-Ost-Asi­en die Coro­na-App ent­wi­ckelt wird und tes­tet dort, wo wirk­lich nötig.”

Auch Weih­nach­ten wird für die meis­ten Men­schen anders statt­fin­den als in den Jah­ren zuvor. Wie ver­brin­gen Sie das Fest?

Ich feie­re mit mei­ner Frau und mei­nen bei­den Kin­dern. Die Schwie­ger­el­tern wer­den wir ver­mut­lich auf der Ter­ras­se bei einem Glüh­wein emp­fan­gen. Die Christ­met­te wird mir fehlen.

Wie hat sich der pri­va­te Jonas Glü­sen­kamp ver­än­dert und wie sei­ne Arbeits­wei­se für die Zukunft?

Den Pri­va­ten gibt es nicht, wenn ich mich im Stadt­ge­biet auf­hal­te, da braucht man sich nichts vor­ma­chen. Ansons­ten hof­fe ich, ich bin noch der­sel­be, aber da müss­ten sie mei­ne Frau fra­gen. Im Hin­blick auf mei­ne Arbeits­wei­se: Mir ist 2020 etwas deut­lich gewor­den. Gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen sind mög­lich, es lohnt, sich dafür zu streiten.

Was macht Ihnen im Hin­blick auf das neue Jahr Sorgen?

Dass die anhal­ten­de sozia­le Iso­la­ti­on zu gesell­schaft­li­chen Span­nun­gen führt.

Wor­auf freu­en sie sich?

Auf eine För­de­rung in Höhe von drei Mil­lio­nen Euro vom Bund für Mit­mach-Kli­ma­pro­jek­te in Bam­berg, die wir uns 2020 erar­bei­tet haben.

Wel­che Wün­sche haben Sie für das neue Jahr?

Gesund­heit.

Das Jahr im Schnelldurchlauf

9 Fra­gen, 9 Ant­wor­ten mit Kauf­frau Anne­ma­rie Rudel

In der Serie „Das Jahr im Schnell­durch­lauf” las­sen wir Bam­ber­ger Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter aus Poli­tik, Kul­tur, Wirt­schaft und Sport auf das Jahr 2020 zurück­bli­cken und einen Aus­blick in das kom­men­de Jahr wagen. Los ging es mit Gaby Heyder vom Ver­an­stal­tungs­ser­vice Bam­berg. Heu­te kommt Kauf­frau Anne­ma­rie Rudel, die Lei­te­rin des Rewe-Markts Rudel, zu Wort.
Frau Rudel, wenn sie so kurz vor dem Jah­res­wech­sel zurück­bli­cken: Was neh­men Sie als Fazit aus 2020 mit?

Wie schnell ein Virus die Welt ver­än­dern kann.

Was war das Schlimms­te für Sie an die­sem Jahr?

Die Unan­cht­sam­keit man­cher Per­so­nen, was das Coro­na-Virus angeht.

Wenn Sie eine posi­ti­ve Sache aus die­sem Jahr her­aus­stel­len möch­ten, wel­che wäre das?

Dass das Wich­tigs­te vor allem die Gesund­heit ist.

Wenn Ihnen vor dem Lock­down im Früh­jahr gesagt wor­den wäre, wie sich die Situa­ti­on zum Ende des Jah­res dar­stellt, wann und wie hät­ten Sie seit­dem anders gehan­delt als Sie es getan haben?

Ich hät­te die Regio­na­li­tät noch inten­si­ver unterstützt.

Weih­nach­ten wird für vie­le anders aus­se­hen als in den Jah­ren zuvor. Wie ver­brin­gen Sie das Fest?

Ich ver­brin­ge das Fest allei­ne mit mei­nem Mann und mei­nem Sohn.

Wie hat sich die pri­va­te Anne­ma­rie Rudel ver­än­dert und wie ihre Arbeits­wei­se für die Zukunft?

Ich bin nach­denk­li­cher gewor­den und wäge bes­ser ab, was wirk­lich wich­tig ist und möch­te noch mehr und inten­si­ver die regio­na­len Erzeu­ger und Ver­ar­bei­ter unterstützen.

Was macht Ihnen im Hin­blick auf das neue Jahr Sorgen?

Wie es mit Coro­na wei­ter­geht und wie man gemein­sam die Wirt­schaft wie­der hoch­fah­ren kann.

Wor­auf freu­en sie sich?

Auf drei ruhi­ge Tage nach Heiligabend.

Wel­che Wün­sche haben Sie für das neue Jahr?

Gesund­heit und Zufriedenheit.