2020 hartes Jahr für oberfränkische Exporteure
Corona, Trump, Brexit, Pkw-Nachfrage– 2020 mit vielen Herausforderungen
Im April und Mai vergangenen Jahres waren von heute auf morgen alle Exportmärkte weggebrochen, die oberfränkische Industrie verkaufte rund ein Drittel weniger als sonst ins Ausland. Unerwartet schnell hat sich der Außenhandel aber wieder stabilisiert, im Dezember 2020 wurde sogar wieder mehr exportiert, als im Vorjahresmonat, so die IHK für Oberfranken Bayreuth in einer aktuellen Analyse.
Die Corona-Pandemie hat beim oberfränkischen Export 2020 eine deutliche Spur hinterlassen. Zwar hatte Oberfranken bereits vor der Corona-Krise einen leichten Rückgang beim Auslandsumsatz zu verzeichnen, allerdings folgte im 2. Quartal mit ‑24,4 Prozent der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise 2009.
Oberfränkische Exportwirtschaft hat sich schnell wieder erholt
Die oberfränkische Exportwirtschaft hatte sich vergleichsweise schnell von der ausgeprägten Nachfrageflaute und dem Zusammenbruch der Lieferketten im April 2020 erholt. „Nach einem Minus von 28 Prozent im April und von 31 Prozent im Mai stabilisierte sich die Situation im Juni bereits wieder. Aber erst im November und Dezember haben die Exporte wieder das Vorjahresniveau erreicht”, so Sara Franke, Leiterin Bereich International.
Diesen Verlauf verzeichneten praktisch alle Branchen; mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. Ganz anders die Entwicklung im Bereich Glas und Keramik: Diese Branche verzeichnete im ersten und dritten Quartal ein Exportplus von rund 40 Prozent und im zweiten Quartal ein Plus von 15 Prozent. Dafür brach der Umsatz im 4. Quartal um 27 Prozent ein.
Kfz-Zulieferer besonders betroffen
Über das ganze Jahr hinweg betrachtet ging der oberfränkische Auslandsumsatz um 10,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zurück. Allen voran trugen die Kfz-Zulieferer und die Bekleidungshersteller mit einem deutlichen Exportrückgang von über 20 Prozent zu dieser Entwicklung bei. Knapp dahinter folgen die Möbelhersteller, die Hersteller chemischer Erzeugnisse und der Maschinenbau mit Exportrückgängen von über 15 Prozent über das ganze Jahr hinweg betrachtet. „Das Jahr 2020 war etwa für die Automobil- und die Bekleidungsindustrie weltweit ein schweres Jahr, da macht auch die oberfränkische Wirtschaft leider keine Ausnahme”, so Franke.
Allerdings verzeichneten nicht alle Branchen einen Exportrückgang. Die Hersteller von Glas und Keramik konnten im abgelaufenen Jahr 14,8 Prozent mehr exportieren als 2019. Auch die Hersteller von Textilien (+2,6 Prozent) und die Produzenten sonstiger Waren (+3,9 Prozent) konnten ihre Exporte steigern.
2021 mit schwachem Start
Franke: „Anfang 2021 fing der Exportmotor wieder zu stottern an, erst im März 2021 verzeichnet die oberfränkische Wirtschaft mit einem Plus von 14 Prozent wieder einen spürbaren Anstieg, getragen in erster Linie von den Kfz-Zulieferern.”
Bayerische Exporte 2020 auf breiter Front rückläufig
Der Exportrückgang im Jahr 2020 war nicht auf Oberfranken beschränkt, wie die IHK für Oberfranken in einer Analyse feststellt. In manchen Ländern konnte die bayerische Wirtschaft trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ihre Position ausbauen. Insgesamt ging das Exportvolumen allerdings um 11,3 Prozent zurück.
Die Exportentwicklung Bayerns hatte 2020 etwas von einer Achterbahnfahrt. Wurde das erste Quartal belastet von der Exportschwäche der Kfz-Industrie, stürzten die Exportzahlen im zweiten Quartal generell in den Keller, um sich dann wieder vergleichsweise schnell zu stabilisieren. Im Dezember 2020 verzeichnete die bayerische Industrie erstmals seit Dezember 2019 wieder einen Exportzuwachs. Insgesamt gingen die bayerischen Exporte gegenüber 2019 um 21,4 Milliarden Euro auf 168,2 Milliarden Euro zurück.
Mehr Exporte in die Türkei, nach Litauen oder Uganda
Zur Erholung trugen die Handelspartner in den verschiedenen Ländern in unterschiedlichem Maßstab bei. Während die Exporte nach China, Ungarn oder Polen bereits ab dem dritten Quartal wieder über dem Vorjahresniveau lagen, dauerte die Erholung der Handelsbeziehungen mit anderen Ländern länger, etwa bei Norwegen, den VAE oder Irland. “Die Exporte in die USA, nach Großbritannien, Italien oder Japan haben sich zwar in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls stabilisiert, verzeichneten aber über das gesamte Jahr hinweg einen Negativtrend”, so Sara Franke, Leiterin International bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Ganz anders die Entwicklung der Exporte in die Türkei, nach Litauen oder Uganda: hier stiegen die Exporte selbst im zweiten Quartal, dem Höhepunkt der Exportkrise. Insgesamt sind die bayerischen Exporte auf das Niveau von 2013 zurückgefallen.
„2020 hat sich gezeigt, dass sich eine Resilienz bei den Lieferketten in beide Richtungen bezahlt machen kann, denn nicht alle Länder waren zur gleichen Zeit gleich stark von den Corona-Auswirkungen betroffen. Gerne unterstützen wir die Unternehmen, die sich international breiter aufstellen möchten”, so Franke.
USA bleibt als Abnehmerland führend
Trotz des großen Einbruchs der Exporte in die USA bleibt das Land weiterhin größter Abnehmer bayerischer Exporte mit 17,2 Milliarden Euro vor China (15,7) und Österreich (13,2). Großbritannien ist 2020 als Abnehmerland um einen Platz auf Rang 6 zurückgefallen, Japan von 14 auf 17, die Türkei kletterte von Rang 20 auf 18 und Taiwan von 28 auf 23. Tschechien bleibt unter den Abnehmerländern auf Rang 9.
Teils erhebliche Verschiebungen seit 2010
Seit 2010 gab es einige Verschiebungen bei der Bedeutung der Abnehmerländer, überraschenderweise fällt das Vereinigte Königreich nicht darunter. Zwar sanken die Exporte nach Großbritannien seit 2015 um 5,1 Milliarden auf 10,2 Milliarden Euro, diesem Bedeutungsverlust waren aber hohe Zuwächse um 5,9 Milliarden Euro seit 2010 vorangegangen.
Im vergangenen Jahrzehnt als Abnehmerland zurückgefallen sind vor allem Spanien (von Rang 8 auf 12), Brasilien (von 20 auf 28) Singapur (von 22 auf 31) und Iran (von 40 auf 71). Eingebrochen sind die Exporte vor allem nach Syrien, Afghanistan und Venezuela, nicht wirklich überraschend angesichts der Lage vor Ort.
Immer mehr an Bedeutung gewonnen haben dagegen China (von Rang 3 auf Rang 2 der wichtigsten Abnehmerländer), Polen (von 12 auf 7), Rumänien (von 25 auf 19), Malaysia (von 32 auf 24) und Mexiko (von 33 auf 22). Sogar 65 Plätze gut machen auf Rang 84 konnte Kambodscha.
HWK für Oberfranken vereidigt Christoph Kramer aus Forchheim
Neuer Sachverständiger für das Holzblasinstrumentenmacherhandwerk
Die Handwerkskammer für Oberfranken bestellt und vereidigt Sachverständige aus verschiedenen Gewerken, um privaten Auftraggebern, aber auch Gerichten und Behörden Fachexperten zur Verfügung zu stellen, deren persönliche Integrität, Fachwissen und Unparteilichkeit gewährleistet ist. Nun wurde mit Christoph Kramer aus Forchheim ein neuer Sachverständiger für das Holzblasinstrumentenmacherhandwerk vereidigt.
Der 33-Jährige ist Meister seines Faches und musste vor der Vereidigung eine juristische Fortbildung ablegen und in einer zusätzlichen Fachprüfung einen echten Praxisfall lösen und dazu ein Gutachten erstellen. Durch die Arbeit der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen besteht die Chance, Streitigkeiten zwischen Handwerkern und Kunden außergerichtlich und damit relativ schnell und kostengünstig zu klären.
Der Weg zum Sachverständigen ist nicht einfach. Bewerber für das Amt werden intensiv überprüft, im Hinblick auf ihre Berufs- und Lebenserfahrung, auf ihre persönliche Eignung und natürlich hinsichtlich ihrer besonderen Sachkunde. Diese Beurteilung übernahm im Auftrag der Handwerkskammer die Innung für Musikinstrumentenbau Nordbayern.
Streitigkeiten außergerichtlich beilegen
Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige im Holzblasinstrumentenmacherhandwerk sind rar. Mit Christoph Kramer gibt es nun deutschlandweit gerade einmal eine Handvoll Sachverständige in diesem Handwerk. Zusammen mit Hauptabteilungsleiter Thomas Rudrof aus der Rechtsabteilung der Kammer und HWK-Geschäftsführer Rainer Beck nahm Präsident Matthias Graßmann die Vereidigung vor und wünschte Christoph Kramer bei seiner neuen Tätigkeit viel Glück, Kraft und Erfolg.
Diese Vereidigung gilt als öffentliche Bestellung im Sinne der Zivil- und Strafprozessordnung. Der Sachverständige ist bei seiner Arbeit nur seinem Gewissen unterworfen und ist in dieser Funktion kein Interessenvertreter des Handwerks. Gemäß der Sachverständigenordnung untersteht jedoch jeder von der Handwerkskammer bestellte Sachverständige auch der Aufsicht der Handwerkskammer. Daher wünscht sich Präsident Matthias Graßmann auch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Wir sind immer gerne bereit, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, so Graßmann.
Eingeschaltet werden die rund 90 Sachverständigen in Oberfranken in aller Regel bei Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten zwischen Handwerkern und Kunden über eine erbrachte Leistung. In vielen Fällen ist schon nach der Einschätzung durch einen Sachverständigen klar, wie ein Streit ausgehen wird. Aufwändige Gerichtsprozesse können so vermieden werden.
Funktionsfähigkeit des Wirtschaftsverkehrs
HWK fordert: Das Handwerk muss im Verkehrsentwicklungsplan 2030 stärker berücksichtigt werden
Der Präsident der Handwerksammer für Oberfranken, Matthias Graßmann, begrüßt, dass die Stadt Bamberg ihren Bürgerinnen und Bürgern aktuell die Möglichkeit bietet, sich online in die Planungen zur Verkehrsentwicklung aktiv einzubringen. „Die Belange des Handwerks werden im aktuellen Entwurf des VEP 2030 allerdings unzureichend berücksichtigt“, warnt Graßmann. Besonders im Bereich des Wirtschaftsverkehrs bestünde noch Handlungsbedarf.
Matthias Graßmann: „Unsere Mitgliedsbetriebe sind, besonders in der Bamberger Innenstadt, auf gute Erreichbarkeiten angewiesen. Handwerkerinnen und Handwerker müssen in der Lage sein, in Kunden- oder Baustellennähe parken oder halten zu können.“ Graßmann betont, dass das Handwerk die Leitziele des VEP 2030 unterstützt, aber die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele dürften nicht ausschließlich zu Lasten der Wirtschaft gehen. Sinnvoll sei beispielsweise das im Plan vorgeschlagene City-Logistik-Konzept, welches die Abstimmung von Lieferzeiten und die Etablierung von Micro-Hubs vorsehe. „Der vermehrte Einsatz von Lastenrädern“, so der Präsident weiter „ist für das Handwerk allerdings wenig zielführend. Das bleibt im Handwerk eine absolute Nische. Wir sind auf eigene Fahrzeuge angewiesen und müssen damit alle unsere Kunden erreichen können.“
In der Gesamtbetrachtung werde der Maßnahmenplan der Bedeutung des Handwerks nicht gerecht und gefährde die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftsverkehrs in Bamberg. Fehlende Stellplätze beim Kunden und der zunehmende organisatorische Aufwand bei der Anfahrt zur Baustelle sind die größten verkehrspolitischen Belastungen der Betriebe. „Und der aktuelle Entwurf des VEP zielt leider darauf ab, diese Belastungen sogar noch zu erhöhen.“ Daher fordert Graßmann, dass das Handwerk mindestens als Sondernutzer berücksichtigt werden müsse. „Wenn’s beim Kunden brennt, muss auch das Parken und Halten ortsnah möglich sein. Die Nähe und der direkte Kontakt zum Kunden sind das A und O im Handwerk.“
„Investition in die Zukunft“
Bamberg: 274 erfolgreiche Prüflinge der IHK-Berufsausbildung
Lob und höchsten Respekt zollt IHK-Präsidentin Sonja Weigand den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen der IHK-Ausbildungsabschlussprüfungen. Sie mussten nicht nur ein gesamtes Ausbildungsjahr, sondern auch ihre Abschlussprüfung unter erschwerten Corona-Bedingungen absolvieren.
„Die Herausforderungen der Pandemie haben Sie erfolgreich gemeistert. Sie haben nicht nur Ihr Fachwissen unter Beweis gestellt, sondern zugleich viel Engagement, Durchhaltevermögen und Motivation. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung. Wir sind stolz auf Sie!“ Im Prüfbezirk Bamberg haben vierzehn Prüflinge mit Bestnote abgeschlossen.
Sonja Weigand, die auch Vorsitzende des IHK-Gremiums Bamberg ist, appelliert an die Absolventinnen und Absolventen, die Zukunft mit Optimismus anzugehen. „Aktuell erleben wir alle eine herausfordernde Zeit – Sie als Auszubildende, aber auch wir als Unternehmerinnen und Unternehmer. Aber wir wären nicht Unternehmer, wenn wir die Zukunft nicht mit Zuversicht und Optimismus angehen würden. Gerade jetzt brauchen wir engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die Herausforderungen zu bewältigen. Ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss ist für die erfolgreiche berufliche Zukunft eine hervorragende Ausgangsposition. Alle Türen stehen Ihnen offen, egal ob Sie im erlernten Beruf bleiben, eine Weiterbildung absolvieren oder ein Studium anstreben. Es liegt an Ihnen, den für Sie richtigen Weg zu finden“, so die IHK-Präsidentin.
14 Prüfungsbeste im Raum Bamberg
Im Rahmen der Winterprüfung haben im Prüfbezirk des IHK-Gremiums Bamberg insgesamt 274 Prüflinge ihre Abschlussprüfung erfolgreich abgelegt. 148 erfolgreiche Abschlüsse gab es bei den kaufmännischen Berufen, 126 bei den gewerblich-technischen. Im IHK-Gremium Bamberg erzielten 14 Absolventinnen und Absolventen die Traumnote Eins.
Logistische Herausforderung
„Die logistische Organisation der Prüfungen war aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen erneut sehr herausfordernd“, so Bernd Rehorz, Leiter der Beruflichen Bildung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. „Ohne die Flexibilität und das Engagement der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer wären die Prüfungen in dieser Form nicht zu bewältigen gewesen.“ Da die Prüfungen in Bezug auf den Zeitpunkt und die Aufgaben bundesweit einheitlich sind, fanden alleine am Prüfungstag 25. November 2020 Prüfungen an rund 60 verschiedenen Standorten in ganz Oberfranken statt, um die vorgegebenen Abstandsregeln einhalten zu können.
Wir sagen Ja zur Ausbildung
Mit Blick auf die aktuell negative Entwicklung der Ausbildungszahlen weist IHK-Präsidentin Weigand auf die hohe Bedeutung der Ausbildung für die regionalen Unternehmen hin. „Coronabedingt gab es 2020 einen dramatischen Einbruch bei den Ausbildungszahlen. Dieser Trend setzt sich leider auch in diesem Jahr fort. Wenn wir diese Entwicklung nicht rechtzeitig aufhalten, droht eine Fachkräftelücke, die für unsere Unternehmen zu einem existenziellen Problem werden kann“, so Weigand. Die Sicherung qualifizierter Nachwuchskräfte müsse deshalb jetzt im Vordergrund stehen. Um der Entwicklung gegenzusteuern hat die IHK die Kampagne „Wir sagen Ja zur Ausbildung“ gestartet. „Wir bündeln mit dieser Aktion alle Aktivitäten rund um die Ausbildung und setzen auch in der Öffentlichkeit ein starkes Zeichen für berufliche Bildung. Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft – für Jugendliche, Unternehmen und die gesamte Wirtschaftsregion“, so IHK-Präsidentin Sonja Weigand.
Rohstoffpreise gefährden Handwerkskonjunktur
Das oberfränkische Handwerk fordert Maßnahmen, um Verwerfungen auf dem Markt für Baumaterialien entgegenzuwirken
Fehlende Materialien und hohe Rohstoffpreise belasten derzeit viele Handwerksbetriebe in Oberfranken. Trotz guter Auftragslage geraten bei Bau- und Ausbaubetrieben Baumaßnahmen ins Stocken. Der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, warnt deshalb vor möglichen Folgen für die Handwerkskonjunktur.
„Wenn sich an dieser Situation nichts ändert, steht die konjunkturelle Erholung im Handwerk auf dem Spiel. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, in der alle wirtschaftlichen Kräfte für eine Wiederbelebung und den Neustart gebraucht werden, müssen zusätzliche Belastungen aus dem Weg geräumt werden“, äußert Präsident Matthias Graßmann. Die Politik sei daher aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen, um den Verwerfungen auf dem Markt für Baumaterialien entgegenzuwirken und diese in den Griff zu bekommen.
Insbesondere die öffentlichen Auftraggeber hätten hier eine Vorbildfunktion, so Graßmann. Deshalb sei es gut, dass die Bayerische Staatsregierung bereits eine Forderung des Handwerks aufgegriffen hat und nun für einige Materialien bei öffentlichen Aufträgen zeitlich begrenzt vertragliche Stoffpreisgleitklauseln vorsieht. Graßmann fordert weiter: „Zudem darf ein Handwerksbetrieb, der wegen der aktuellen Probleme den Vertrag nicht rechtzeitig erfüllen kann, nicht mit Vertragsstrafen überzogen werden.“
Vor allem die Bau- und Ausbauhandwerker haben sich während der Pandemie als wesentliche Konjunkturstütze erwiesen. „Es ist geradezu widersinnig, dass Handwerksbetriebe bei gefüllten Auftragsbüchern nun plötzlich Kurzarbeit in Betracht ziehen müssen, weil wichtige Materialien fehlen oder die Preise durch die Decke schießen“, so der HWK-Präsident. Es sei daher richtig, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Initiative ergriffen und die akuten Preis- und Beschaffungsprobleme von Rohstoffen und Vorprodukten zur Chefsache erklärt hat. Wichtig sei aber auch, dass das Thema auf EU-Ebene gehoben werde, da die aktuellen Preis- und Beschaffungsprobleme kein rein deutsches Problem sei.
IHK warnt vor drohender Fachkräftelücke
IHK startet Kampagne „Wir sagen Ja zur Ausbildung“
Mit einer Kampagne „Wir sagen Ja zur Ausbildung“ rückt die IHK für Oberfranken Bayreuth die Berufliche Bildung noch stärker in den Fokus.
„Unser Ziel ist es, möglichst viele junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen. Hoher Praxisbezug, gute Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen – die Vorteile einer Ausbildung sprechen für sich. Wir möchten den Schulabgehenden vermitteln, dass eine berufliche Ausbildung ein hervorragendes Fundament für ihren weiteren Berufsweg ist“, erklärt Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth. Berufliche Bildung sei das Mittel der Wahl um die drohende Fachkräftelücke abzufedern. „Die Fachkräfte von morgen müssen heute ausgebildet werden. Deshalb sind wir jetzt gemeinsam gefordert, die Vorteile einer Berufsausbildung in einer starken Kampagne deutlich zu machen“, so Hohenner.
„Noch nie war die berufliche Ausbildung so wichtig wie jetzt“, erläutert Bernd Rehorz, Leiter Berufliche Bildung bei der IHK, mit Blick auf die aktuellen Ausbildungszahlen. 2020 verzeichnete die IHK für Oberfranken Bayreuth einen Rückgang von fast 20 Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. „Dies ist vor allem auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Die demografische Entwicklung, die wir in Oberfranken schon seit einigen Jahren spüren verschärft die Situation zusätzlich“, so Rehorz.
Investition in die Zukunft
„Wird der Rückgang der Ausbildungszahlen nicht gestoppt, droht unseren Unternehmen ein enormer Fachkräftemangel“, so Rehorz. Hinzu kommen die möglichen langfristigen Auswirkungen der Pandemie, die heute noch nicht abschätzbar sind. „Qualifizierte Fachkräfte sind der Schlüssel für Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen. Wir müssen jetzt in Ausbildung investieren, bevor die Fachkräftelücke zu groß wird und Unternehmen in die Knie zwingt“, so Rehorz. „Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft – für Jugendliche, Wirtschaft und unsere gesamte Region.“
Zielgruppenaffine Ansprache
Die IHK rückt daher die Berufliche Bildung noch stärker als bisher in den Fokus ihrer Kommunikation. „Wir sagen Ja zur Ausbildung“ ist das Motto, mit dem die IHK künftig alle Aktionen rund um die Berufliche Bildung bündeln und daher auch in der Öffentlichkeit verstärkt auftreten wird. Neben PR-Aktionen und Formaten in Funk und TV setzt die Kampagne einen starken Fokus auf Social Media Kanäle für eine zielgruppengerechte Ansprache der Jugendlichen. Dabei setzt die IHK vor allem auf Testimonials von Auszubildenden selbst, die Gleichaltrigen über ihre Erfahrungen berichten sollen. Zudem werden digitale Aktionen rund um die Berufsorientierung stattfinden. Den Startschuss hierfür gibt der Online-Beratungstag am 26. Mai 2021.
Zentraler Informationspunkt für Jugendliche, Unternehmen, Eltern, Lehrer und generell Ausbildungsinteressierte ist die IHK-Website, wo eine Fülle von Informationen, Tipps, weiterführenden Links zum Thema zu finden sind. Unter https://www.bayreuth.ihk.de/ausbildung werden alle Informationen, News, Angebote und aktuelle Veranstaltungen der IHK zur Ausbildung unter dem Motto „Wir sagen Ja zur Ausbildung“ gebündelt und laufend aktualisiert.
„Wir möchten informieren, beraten, überzeugen und gleichzeitig wachrütteln. Die drohende Fachkräftelücke kann sehr schnell zum Problem für Unternehmen werden. Deshalb müssen wir jetzt proaktiv sein, um die Lücke möglichst gut abzufedern“, so Rehorz. Mit der Rakete habe die IHK deshalb auch ein Kampagnenmotiv gewählt, das die Brisanz der Situation verdeutlichen soll. „Beim Thema Ausbildung müssen wir jetzt gemeinsam durchstarten.“
Wichtiges Zeichen für die Zukunft
Oberfranken sagt Ja zum Imagepakt
Schulterschluss, Aufbruchsstimmung und 100 Prozent Zustimmung: Alle oberfränkischen Landräte, Oberbürgermeister sowie die Spitzen der oberfränkischen Universitäten, Hochschulen und Wirtschaftskammern haben mit der Entwicklungsagentur Oberfranken Offensiv e.V. den Imagepakt geschlossen. Gemeinsam machen sie sich damit auf den Weg, das Image von Oberfranken innerhalb der Region und auch außerhalb zu stärken.
Oberfranken soll noch positiver wahrgenommen werden. Künftig will die Region gezielt junge Menschen und Familien für ein Leben in Oberfranken begeistern und langfristig gewinnen. Dafür wird Oberfranken sein Profil schärfen, mit einer Imagekampagne gezielt außerhalb werben und das Bewusstsein der Menschen innerhalb Oberfrankens für ihre Region stärken. Auf diesen gemeinsamen Weg haben sich die oberfränkischen Entscheidungsträger aus Kommunalpolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung geeinigt. Gemeinsam schlossen sie einstimmig den Imagepakt, der von der Entwicklungsagentur Oberfranken Offensiv e.V. angestoßen wurde.
Das Image von Oberfranken gemeinsam stärken
Für das Erreichen dieser Ziele ist der Zusammenhalt über Branchen, Landkreis- und Stadtgrenzen hinweg von großer Bedeutung. Staatsministerin Melanie Huml MdL, langjährige Vorsitzende von Oberfranken Offensiv e.V., lobt die Entschlossenheit aller Beteiligten und betont die Relevanz für die Zukunft der Region. „Der Imagepakt ist enorm wichtig für Oberfranken. Es ist uns gelungen, dass auch wirklich alle mitmachen. Das heißt: Landräte, Oberbürgermeisterin und Oberbürgermeister, Präsidentin und Präsidenten der Wirtschaftskammern, die Präsidentin und Präsidenten der Universitäten und Hochschulen – alle machen sich gemeinsam auf den Weg, um das Image von Oberfranken nach innen und außen zu stärken. Das ist unser Ziel, denn #esgehtnurgemeinsam.“
Die Vorsitzende von Oberfranken Offensiv e.V., Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, erklärt den Hintergrund des Imagepaktes. „Der Imageprozess hat uns auf eine ganz intensive Art wieder zusammengebracht und noch stärker vernetzt. Diesen Schwung wollen wir nun für die Umsetzung konkreter Maßnahmen nutzen. Wir wollen die Zielgruppe der 20- bis 45-Jährigen erreichen. Wir wollen die eigenen, jungen Leute bei uns halten und zusätzlich junge Menschen aus den Ballungsräumen München und Nürnberg sowie aus Sachsen und Thüringen gewinnen.“
Imagepakt auf Basis wissenschaftlicher Analyse
Der Imagepakt ist Teil des Imageprozesses, den Oberfranken Offensiv e.V. im Projekt „Imagepakt und Imagekampagne Oberfranken“ im Rahmen des Programms zur Stärkung regionaler Identitäten des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat begleitet. Wissenschaftliche Basis ist die vom Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken 2019 in Auftrag gegebene Imageanalyse des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach. In der ersten Projektphase definierte die Entwicklungsagentur durch Befragungen und digitale Workshops mit den regionalen und kommunalen Akteuren die Zielgruppe, die Zielregion sowie die zentralen Qualitäten Oberfrankens.
Ausblick: Eine gemeinsame Imagekampagne für Oberfranken
Für den weiteren gemeinsamen Weg entwickelt Oberfranken Offensiv e.V. in den kommenden Monaten eine Imagekampagne. Dabei setzt der Verein auch auf die Unterstützung von Agenturen, auf den engen Austausch mit den Regionalinitiativen und allen am Imagepakt beteiligten Entscheidungsträgern. Die Imagekampagne soll 20- bis 45-Jährige, insbesondere Familien, aber auch Auszubildende, Studierende und Rückkehrer ansprechen. Dabei werden die zentralen Qualitäten Familienfreundlichkeit, Wirtschafts- und Innovationskraft zusammen mit weiteren Faktoren aus den Bereichen attraktives Wohnen, Natur, Genuss, Freizeitwert und Wissenschaftsstandort kombiniert. Die Zielregionen der Imagekampagne werden die Grenzregionen Sachsens und Thüringens zu Oberfranken sowie die Metropolregion München und der Kern der Metropolregion Nürnberg sein.
Weiterführende Informationen
https://www.oberfranken.de/de/projekte/regionale-identitaet-image.php
Am Imagepakt Beteiligte
Oberfranken Offensiv e.V.
der Bezirk Oberfranken
die Landräte aller neun oberfränkischen Landkreise Bamberg, Bayreuth, Coburg, Forchheim, Hof, Kronach, Kulmbach, Lichtenfels und Wunsiedel im Fichtelgebirge
die Oberbürgermeisterin und Oberbürgermeister aller vier kreisfreien Städte Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof sowie der fünf Großen Kreisstädte Forchheim, Kulmbach, Marktredwitz, Neustadt bei Coburg und Selb
die Handwerkskammer für Oberfranken
die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth
die Industrie- und Handelskammer zu Coburg
die vbw Vereinigung der bayerischen Wirtschaft Bezirksgruppe Oberfranken
die Otto-Friedrich-Universität Bamberg
die Universität Bayreuth
die Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg
die Hochschule für angewandte Wissenschaften Hof
das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat (als Auftrag- bzw. Fördermittelgeber)
die Regierung von Oberfranken
Über das Projekt „Imagepakt und Imagekampagne Oberfranken“
Im Februar 2020 hat Oberfranken Offensiv e.V. den Imageprozess aufgegriffen, um im Rahmen des Förderprogramms zur Stärkung der regionalen Identität des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat eine Imagekampagne für die Region ins Leben zu rufen. Das Programm läuft bis zum 31. Dezember 2022. Auf Basis der Imageanalyse Oberfranken des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach aus dem Jahr 2019 entwickelt Oberfranken Offensiv e.V. im engen Schulterschluss mit Kommunen, Wirtschaftskammern, Universitäten, Hochschulen, Verbänden und anderen Akteuren („Imagepakt“) eine Imagekampagne, die Oberfranken in der Innen- und Außenwahrnehmung stärken soll. Der Imageprozess ist in eine konzeptionelle Phase (Strategieprozess) und eine Kreativ- und Kommunikationsphase aufgeteilt.
Oberfranken Offensiv e.V.
Oberfranken Offensiv e.V. ist eine der mitgliederstärksten Regionalinitiativen Deutschlands und Impulsgeber innovativer Projekte. Die Stärken Oberfrankens vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auszubauen und so die Zukunftsregion Oberfranken mitzugestalten, ist die Kernaufgabe der Entwicklungsagentur. Der Verein versteht sich als wichtige Klammer, die sich lösungsorientiert und aktiv für die kommunale und regionale Entwicklung Oberfrankens einsetzt, Synergien nutzt, Kompetenzen bündelt und die Region in ihrer positiven Wahrnehmung im Innen- und Außenverhältnis erfolgreich weiterentwickelt. Im Verein engagieren sich Kommunen, Unternehmen, Institutionen, Verbände und Privatpersonen.
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Bayerisches Handwerk schreibt Brief an Ministerpräsident Söder
„Bayern behandelt Handwerksbetriebe weiterhin schlechter“
Die bayerischen Handwerkskammern und Handwerksverbände zeigen sich von den neuerlichen Änderungen der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und ihrer Umsetzung der Bundesnotbremse in Bayern enttäuscht. In einem Brief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder wurde daher Kritik geäußert.
„Nicht nur, dass sich die Hoffnung auf wirklich bundeseinheitliche Regelungen immer noch nicht erfüllt hat“, erklärt der Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken, Matthias Graßmann. „Bayern stellt vielmehr seine Handwerksbetriebe weiterhin schlechter als die anderen Bundesländer. Allen voran die Kosmetikbetriebe und Nagelstudios, die im Freistaat – unabhängig von den Inzidenzen – geschlossen sind, obwohl die Bundesnotbremse dies gar nicht vorsieht.“ Daher hat der Bayerische Handwerkstag (BHT), die Spitzenorganisation der bayerischen Handwerkskammern und ‑verbände, einen Brief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder geschrieben und deutliche Kritik geäußert.
Forderung nach Angleichung der bayerischen Verordnung an die Bundesnotbremse
Als im Bundesrat die bundeseinheitliche Notbremse gebilligt wurde, „waren wir zuversichtlich, dass nunmehr die Zeit der 16 unterschiedlichen Landesregelungen beendet ist. Gerade das Land Bayern haben wir als einen großen Fürsprecher für eine deutschlandweit einheitliche Regelung wahrgenommen“, heißt es in dem Schreiben, das stellvertretend für das bayerische Handwerk von BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl und BHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüpers unterzeichnet wurde. Leider seien die Hoffnungen aber enttäuscht worden und für das bayerische Handwerk blieben wesentliche Benachteiligungen weiterhin bestehen.
Diese Aussage stützt der Präsident der HWK für Oberfranken. „Seit Monaten sind gerade die Handwerksbetriebe, die die sogenannten körpernahen Dienstleistungen erbringen – also unsere Kosmetikerinnen, Nagelstudios und Friseure –, besonders heftig von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie betroffen“, sagt Graßmann. „Und werden in Bayern jetzt abermals benachteiligt.“ Das Infektionsschutzgesetz des Bundes und die darin jetzt verankerte Notbremse würden weder die inzidenzunabhängige Schließung von Kosmetikern und Nagelstudios regeln, noch die weitere Beschränkung der Quadratmeterzahl bei Friseuren.
Daher fordert Graßmann gemeinsam mit dem BHT von Ministerpräsident Söder, die bayerischen Regeln an die Bundesnotbremse anzugleichen und sich ferner für eine baldige Öffnung der Kosmetikbetriebe und Nagelstudios einzusetzen.
Prüfung mit Hygienekonzept
Für 2608 Azubis aus Oberfranken beginnen die IHK-Abschlussprüfungen
Am kommenden Dienstag beginnen für viele Auszubildende die IHK-Abschlussprüfungen. Insgesamt 2608 Auszubildende legen bei der IHK für Oberfranken Bayreuth ihre Prüfungen in insgesamt 146 Berufen ab. Erneut müssen die Auszubildenden ihre Prüfungen unter Corona-Bedingungen ablegen.
Zunächst stehen am 4. beziehungsweise 5. Mai für 1857 Prüflinge in 53 kaufmännischen und kaufmännisch verwandten Berufen die schriftlichen Abschlussprüfungen auf dem Programm. Dazu gehören Einzelhandels‑, Bank- und Bürokaufleute. Ab dem 18. Mai folgen die Prüfungen für 751 Prüflinge in 93 gewerblich-technischen und grafischen Berufen, darunter Industriemechaniker, Mechatroniker und Elektroniker.
„Ein Neustart kann nur mit gut qualifizierten Fachkräften gelingen“
Die Corona-Pandemie stellt auch in diesem Jahr die Prüflinge und die IHK vor Herausforderungen. „Wir hatten gehofft, diese Prüfungen wieder unter normalen Bedingungen durchführen zu können, doch der Gesundheits- und Infektionsschutz erfordert nach wie vor ein umfangreiches Hygienekonzept“, so Bernd Rehorz, Bereichsleiter Berufliche Bildung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Auch in diesem Jahr mussten daher deutlich mehr Räumlichkeiten angemietet werden, um die erforderlichen Mindestabstände sicherstellen zu können. Zugleich lobt er das verantwortungsvolle Verhalten der Prüflinge. „Während der Prüfungen im vergangenen Jahr, die bereits unter Pandemiebedingungen stattfanden, haben die Prüflinge die Hygienemaßnahmen vorbildlich umgesetzt.“
Für die Prüflinge endet mit ihrer Abschlussprüfung eine mehrjährige berufliche Ausbildung, die bei erfolgreichem Abschluss einen hervorragenden Einstieg in das Berufsleben darstellt. „Die Wirtschaft braucht Fachkräfte, auch für die Zeit nach der Krise. Ein Neustart kann nur mit gut qualifizierten Fachkräften gelingen – und diese bekommt man nicht von heute auf morgen“, so Rehorz. „Ausbildung sichert Zukunft.“
Nach den schriftlichen Abschlussprüfungen folgen im Sommer noch mündliche und praktische Prüfungen. Über 2000 ehrenamtliche Prüfer aus oberfränkischen Unternehmen und zahlreiche Berufsschullehrer unterstützen die IHK bei den Prüfungen. Die schriftlichen IHK-Abschlussprüfungen werden bundesweit gleichzeitig organisiert. Die IHKs in Oberfranken stehen für knapp zwei Drittel aller Ausbildungsverhältnisse.
Matthias Graßmann ist neuer Präsident der HWK für Oberfranken
„Jetzt gemeinsam nach vorne sehen und Herausforderungen geschlossen angehen“
Die Vollversammlung der Handwerkskammer für Oberfranken hat in ihrer Sitzung am Montag die Weichen gestellt und Dipl.-Ing. (FH) Matthias Graßmann aus Bamberg mit deutlicher Mehrheit zum neuen Präsidenten der Handwerkskammer gewählt. Neuer Vizepräsident (Arbeitgeberseite) ist Metzgermeister Christian Herpich aus Hof, neu im Vorstand der Kammer ist Zimmerermeister Günther Stenglein aus Kulmbach.
Graßmann griff in seinem kurzen Statement nach der Wahl das Bild auf, das Ministerialrat Dr. Peter Stein (Bayerisches Wirtschaftsministerium) zuvor gezeichnet hat. „Damit beginnt jetzt ein neuer Zeitabschnitt, ein neues Kapitel der Handwerkskammer“, sagte der neue Präsident. „Dieses wird von Transparenz und Offenheit und von einem fairen Miteinander geprägt sein.“
Der neu gewählte Präsident appellierte an seine Kolleginnen und Kollegen, jetzt gemeinsam nach vorne zu sehen und die Herausforderungen geschlossen anzugehen. „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen“, zitierte Graßmann Aristoteles. „Jetzt kann die Handwerkskammer wieder das Ganze in den Blick nehmen und die Zukunftsthemen des Handwerks angehen.“ Diese seien, so Graßmann, vor allem die Nachwuchssicherung im Handwerk, die Modernisierung der Schulungszentren der Handwerkskammer, das Thema Unternehmensnachfolge, die Digitalisierung und Innovation sowie die Zusammenarbeit mit den Kreishandwerkerschaften und Innungen in der Region. „Wir haben hier schon vieles begonnen und sind auf gutem Wege.“ Der Präsident skizzierte auch die Vorstellungen, wie sich der nun wieder vollzählige Vorstand das künftige Miteinander in der Vollversammlung und im oberfränkischen Handwerk wünsche. „Wir möchten auch in der Vollversammlung mehr Austausch, mehr Diskussionen, die gerne auch kontrovers sein dürfen – aber bitte immer sachlich bleiben sollten.“
Die Herausforderungen, vor der das oberfränkische Handwerk und auch die Handwerkskammer stehen, sind enorm. Dies machte auch Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz deutlich, die als regelmäßiger Gast auch bei der außerordentlichen Vollversammlung ihre Verbundenheit mit dem Handwerk demonstrierte. Die Corona-Pandemie, deren wirtschaftliche Folgen, der sich deutlich verschärfende Fachkräftemangel – „wir stehen gemeinsam vor großen Herausforderungen, die jetzt mit einer neuen Spitze und neuen Personen angegangen werden.“ Wichtig sei es aber, immer ein menschliches Miteinander und einen fairen Umgang zu pflegen. Piwernetz dankte in ihrem Grußwort dem Handwerk, aber auch ausdrücklich der Kammer und ihren hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Sie haben uns in der Corona-Pandemie vorbildlich unterstützt.“
Ministerialrat Dr. Stein stellte in seinem Grußwort zum Ende der Vollversammlung noch gute Nachrichten für die Handwerkskammer und für das oberfränkische Handwerk in Aussicht. „Die Handwerkskammer bekommt voraussichtlich die Kosten, die die Teststrategie für die Bildungseinrichtungen (verpflichtendes Testen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den ÜLU- und Qualifizierungsmaßnahmen) mit sich bringt, aus Mitteln der Handwerksförderung ersetzt“, gab er bekannt. Der Freistaat Bayern werde zudem seinen Beitrag für die Modernisierung der Schulungszentren der Handwerkskammer leisten, versprach der Ministerialrat. Dr. Stein, der im Wirtschaftsministerium für die Handwerkskammer zuständig ist, bescheinigte der Kammer gute Arbeit. „Die Dreiheit aus Freistaat bzw. Wirtschaftsministerium, Regierung von Oberfranken und Handwerkskammer funktioniert sehr gut, wir arbeiten hervorragend mit den Verantwortlichen zusammen.“
Deutliche Ergebnisse für die Kandidaten
Bei der Wahl zum Präsidenten, die Ministerialrat Dr. Peter Stein leitete, blieb Matthias Graßmann, der vom Vorstand für das Amt des Präsidenten vorgeschlagen wurde, der einzige Kandidat. Und auch die Vorschläge für den durch die Wahl Graßmanns freiwerdenden Posten als Vizepräsident für die Arbeitgeberseite und den nicht besetzten Vorstandsposten wurden seitens der Vollversammlung akzeptiert. So erreichten alle drei Kandidaten hervorragende Ergebnisse: Matthias Graßmann wurde mit 36 von 40 Stimmen zum Präsidenten gewählt, Christian Herpich mit 38 Ja-Stimmen zum Vizepräsidenten und Günther Stenglein mit 39 Stimmen in den Vorstand gewählt. Herpich ist zuvor von seinem Amt als Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Hochfranken zurückgetreten, da die Satzung der HWK festschreibt, dass weder der Präsident noch die Vizepräsidenten diese Funktion innehaben dürfen. Auch das Amt des Obermeisters der Fleischer-Innung Hof-Wunsiedel legt Herpich nieder. In den Rechnungsprüfungsausschuss rückte Hannes Müssel (Marktredwitz) nach, dessen Vorsitz übernahm Mathias Söllner aus Lichtenfels für Günther Stenglein.