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Studie

Händ­ler­be­fra­gung zum Retouren-Management

Deutsch­land ist Retouren-Europameister

Die Bam­ber­ger For­schungs­grup­pe Retou­ren­ma­nage­ment hat die ers­te euro­päi­sche Händ­ler­be­fra­gung zum Retou­ren­ma­nage­ment im E‑Commerce unter­nom­men. Ergeb­nis: Deutsch­land ist Retou­ren-Euro­pa­meis­ter, euro­pa­weit hat kein Land eine höhe­re Retouren-Quote.

Wie vie­le Pake­te schi­cken Kun­din­nen und Kun­den im deut­schen Online­han­del zurück? Was sind die Grün­de der Anzahl an Retou­ren und was geschieht mit den retour­nier­ten Waren? Fra­gen wie die­se unter­sucht die Bam­ber­ger For­schungs­grup­pe Retou­ren­ma­nage­ment bereits seit meh­re­ren Jah­ren. Wie die Uni­ver­si­tät Bam­berg am 7. Sep­tem­ber bekannt­gab, hat das Team für eine Stu­die erst­mals Online­händ­ler auf euro­päi­scher Ebe­ne befragt und die Resul­ta­te im Rah­men des „Euro­pean Return-o-Meter“ (EUROM) veröffentlicht.

Die Stu­die lie­fert zahl­rei­che Erkennt­nis­se, die das bis­he­ri­ge Bild des Retou­ren­ma­nage­ments im deut­schen Online­han­del ver­än­dern. „Der Euro­pean Return-o-Meter schafft den bis­lang umfang­reichs­ten und genau­es­ten Ein­blick in die Prak­ti­ken deut­scher E‑Com­mer­ce-Händ­ler“, sagt Björn Asde­cker, Mit­ar­bei­ter am Lehr­stuhl für Betriebs­wirt­schafts­leh­re an der Uni­ver­si­tät Bam­berg und Lei­ter der For­schungs­grup­pe Retourenmanagement.

Die For­schen­den hät­ten ins­be­son­de­re durch drei Fak­to­ren eine höhe­re Ergeb­nis­qua­li­tät im Ver­gleich zu Vor­gän­ger­stu­di­en erreicht. So sei die Stich­pro­be dies­mal beson­ders umfang­reich, weil 411 Online­händ­ler an der Umfra­ge teil­ge­nom­men haben. Ins­ge­samt ver­ei­nen die in der Stich­pro­be ver­tre­te­nen Unter­neh­men einen E‑Com­mer­ce-Umsatz von fast 60 Mil­li­ar­den Euro. Zudem ver­ant­wor­te­ten sie den Ver­sand und Rück­ver­sand von 1,25 Mil­li­ar­den Pake­ten im Jahr 2020.

Zwei­tens ver­wen­de­ten die AutorIn­nen der Stu­die eine neue Metho­dik, die zu prä­zi­se­ren Kenn­zah­len führt. Und drit­tens sei die Hoch­rech­nung auf den Gesamt­markt exak­ter, weil das Team auf neue, zuver­läs­si­ge­re Sekun­där­da­ten zurück­grei­fen konnte.

Höchs­te Retou­ren­quo­ten in Europa

„Die euro­päi­sche Daten­er­he­bung ermög­licht zum ers­ten Mal einen inter­na­tio­na­len Ver­gleich“, sagt Dr. Björn Asde­cker. Eine wesent­li­che Erkennt­nis sei, dass Deutsch­land Retou­ren-Euro­pa­meis­ter ist. Über alle Waren­ge­bie­te hin­weg beob­ach­te­te das For­schungs­team in Deutsch­land die höchs­ten Retou­ren­quo­ten. Drei mög­li­che Ursa­chen könn­ten sein: Vie­le Deut­sche bestel­len Waren per Rech­nung (28,8 Pro­zent, EU: 9,9 Pro­zent), dies füh­re zu höhe­ren Retourenquoten.

Zudem wür­den deut­sche Online­händ­ler sehr libe­ra­le Rück­sen­de­re­geln haben. Die Rück­ga­be­frist betrug in der Stich­pro­be im Schnitt 51,7 Tage (Frist in der rest­li­chen EU: 28,1 Tage).

Auch ist die Rück­sen­dung in Deutsch­land der Regel kos­ten­los, wie 88,7 Pro­zent der befrag­ten Online­händ­ler bestä­tig­ten (EU: 52,4 Prozent).

Bis­lang unter­schätzt: Retou­ren-Men­ge und Umweltwirkung

Laut der aktu­el­len Stu­die ist die Retou­ren-Quo­te und ‑Men­ge auf dem deut­schen Gesamt­markt höher als bis­her ange­nom­men. Nach die­sen Berech­nun­gen wur­de im Jahr 2021 fast jedes vier­te Paket im deut­schen Online­han­del zurück­ge­schickt, vor allem im Bereich Mode. Das sind schät­zungs­wei­se fast 530 Mil­lio­nen Retou­ren-Sen­dun­gen, die rund 1,3 Mil­li­ar­den Arti­kel enthielten.

Die For­schungs­grup­pe nahm bis­her auch eine gerin­ge­re Umwelt­wir­kung der Rück­sen­dun­gen an (850 Gramm CO₂ pro Arti­kel). Nun gaben die befrag­ten Unter­neh­men den Fuß­ab­druck mit cir­ca 1.500 Gramm CO₂ pro retour­nier­tem Arti­kel an. In die­sem Sze­na­rio wären durch Retou­ren im Jahr 2021 in Deutsch­land geschätzt 795.000 Ton­nen CO₂ ent­stan­den. Die­se Men­ge ent­spricht 5,3 Mil­li­ar­den Kilo­me­tern, die man mit dem PKW zurücklegt.

„Bemer­kens­wer­ter ist aber fast noch, dass mehr als 80 Pro­zent der befrag­ten Online­händ­ler den öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck gar nicht erfas­sen“, sagt Björn Asde­cker. Wei­te­re 15 Pro­zent konn­ten oder woll­ten kei­ne Anga­be machen. Den CO₂-Fuß­ab­druck der Retou­re mes­sen weni­ger als 5 Prozent.

Bis­lang über­schätzt: Retou­ren-Kos­ten und Entsorgungen

Über­schätzt wur­den bis­her hin­ge­gen die Retou­ren-Kos­ten pro Arti­kel, die zahl­rei­chen ver­gan­ge­ne Stu­di­en bis­her im Bereich von 10 bis 15 Euro anga­ben. Laut der aktu­el­len Stu­die ver­ur­sacht ein zurück­ge­schick­ter Arti­kel im Schnitt nur 2,85 Euro Trans­port- und Bearbeitungskosten.

Dies lie­ge einer­seits dar­an, dass im Gesamt­markt haupt­säch­lich Mode­ar­ti­kel retour­niert wer­den, die sich kos­ten­güns­tig bear­bei­ten las­sen. Ande­rer­seits rea­li­sie­ren die füh­ren­den Händ­ler mit vie­len Rück­sen­dun­gen extrem nied­ri­ge Kosten.

Außer­dem wer­den laut aktu­el­ler Stu­die im deut­schen Online­han­del nur 1,3 Pro­zent der retour­nier­ten Arti­kel direkt durch die Händ­ler ent­sorgt. „Der gerin­ge rela­ti­ve Anteil darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass in abso­lu­ten Zah­len 2021 trotz­dem meh­re­re Mil­lio­nen retour­nier­te Arti­kel ent­sorgt wur­den“, sagt Björn Asdecker.

Dar­über hin­aus wird die Ent­sor­gung durch Wie­der­ver­mark­ter und durch Kun­den bei einer Erstat­tung ohne Rück­sen­dung nicht erfasst. Die Zahl gibt also nur einen Teil des Pro­blems wie­der. Die meis­ten zurück­ge­schick­ten Arti­kel (93,2 Pro­zent) wur­den als neu­wer­tig verkauft.

Stu­die

Hält Wut von der Coro­na-Imp­fung ab?

Ein sozi­al­wis­sen­schaft­li­ches For­schungs­team von For­sche­rin­nen und For­schern der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, des Deut­schen Zen­trums für Inte­gra­ti­ons- und Migra­ti­ons­for­schung sowie der Uni­ver­si­tät Bam­berg zeigt, dass star­ke Emo­tio­nen zu Pola­ri­sie­rung füh­ren. Sie haben am Bei­spiel der Covid-19-Pan­de­mie ana­ly­siert, wie Wut unter­schied­li­che Arten von Pola­ri­sie­rung beeinflusst.

Bereits seit eini­gen Jah­ren beob­ach­ten Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler eine zuneh­men­de gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Pola­ri­sie­rung. Wel­chen Ein­fluss haben star­ke Gefüh­le, wie etwa Angst oder Wut, auf die Hal­tung zu gesell­schaft­lich rele­van­ten The­men und die Ein­stel­lung gegen­über als geg­ne­risch emp­fun­de­nen Grup­pen? Die­se Fra­ge hat sich ein For­schungs­team der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, des Deut­schen Zen­trums für Inte­gra­ti­ons- und Migra­ti­ons­for­schung sowie der Uni­ver­si­tät Bam­berg gestellt. Die For­sche­rin­nen und For­scher haben ana­ly­siert, wie Wut unter­schied­li­che Arten von Pola­ri­sie­rung beein­flusst – und das am Bei­spiel der Covid-19-Pan­de­mie. Das zen­tra­le Ergeb­nis: „Die Erin­ne­rung an wütend machen­de Ereig­nis­se ver­stärkt bis­he­ri­ge Ein­stel­lun­gen – Men­schen hal­ten also noch mehr an ihrer Hal­tung fest“, erklärt Prof. Dr. Sabri­na May­er, Inha­be­rin des Lehr­stuhls für poli­ti­sche Sozio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bam­berg, die an dem Pro­jekt betei­ligt ist. „Gleich­zei­tig erhöht sich ihre Ableh­nung von Men­schen mit ande­ren Stand­punk­ten.“ Dar­aus ableit­bar ist laut der For­sche­rin auch: „Eine emo­tio­na­li­sier­te Bericht­erstat­tung und State­ments von Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern, die Wut nut­zen, um etwa die Impf­be­reit­schaft bei unge­impf­ten Men­schen zu erhö­hen, sind kontraproduktiv.“

Wut ver­stärkt Abnei­gung gegen Coro­na-Impf­man­dat bei frei­wil­lig Ungeimpften

Für die Stu­die, die im August im wis­sen­schaft­li­chen Jour­nal „Rese­arch & Poli­tics“ erschie­nen ist, nutz­ten die For­sche­rin­nen und For­scher ein Umfra­ge­ex­pe­ri­ment, bei dem sie 2.857 Per­so­nen zwi­schen 18 und 69 Jah­ren aus Deutsch­land befrag­ten. Die Umfra­ge wur­de im Sep­tem­ber 2021 durch­ge­führt, als das Zögern in Bezug auf Imp­fun­gen zu einem zuneh­men­den Pro­blem wur­de, die Befür­wor­tung einer Coro­na-Impf­pflicht in der Poli­tik aber noch gering war. In der Befra­gung ging es um Pola­ri­sie­rung in Bezug auf die Unter­stüt­zung einer Impf­pflicht und die Feind­se­lig­keit zwi­schen Per­so­nen, die den Covid-Sicher­heits­maß­nah­men zustimm­ten und den­je­ni­gen, die sie nicht befolg­ten. Bei der Aus­wer­tung unter­schie­den die For­schen­den dem­entspre­chend zwi­schen the­men­be­zo­ge­ner und grup­pen­be­zo­ge­ner Pola­ri­sie­rung. Wäh­rend die the­men­be­zo­ge­ne Pola­ri­sie­rung zuneh­mend unter­schied­li­che und extre­me poli­ti­sche Posi­tio­nen beschreibt, erfasst die per­so­nen­be­zo­ge­ne Pola­ri­sie­rung die wach­sen­de Feind­se­lig­keit gegen­über Mit­glie­dern ande­rer gesell­schaft­li­cher Gruppen.

„Wut kann die Pola­ri­sie­rung in Bezug auf ein bestimm­tes The­ma ver­stär­ken, da sie zu einer ver­min­der­ten kogni­ti­ven Ver­ar­bei­tung und einem stär­ke­ren Ver­trau­en in bereits bestehen­de Über­zeu­gun­gen führt“, erklärt Dr. Chris­toph Nguy­en, Poli­tik­wis­sen­schaft­ler an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, der Teil des For­schungs­teams ist. Im Ver­gleich zu neu­tra­len Bedin­gun­gen löst Wut im Rah­men der Stu­die bei bereits geimpf­ten Per­so­nen eine stär­ke­re Unter­stüt­zung einer Impf­pflicht aus, wohin­ge­gen frei­wil­lig unge­impf­te Per­so­nen eine ver­stärk­te Abnei­gung gegen ein Impf­man­dat zei­gen. Außer­dem führt Wut zu mehr Feind­se­lig­keit gegen­über Per­so­nen mit ande­rer Mei­nung zur Coro­na-Situa­ti­on. Die Ana­ly­se von geimpf­ten und unge­impf­ten Befrag­ten zeigt, dass der Anstieg der per­so­nen­be­zo­ge­nen Pola­ri­sie­rung haupt­säch­lich bei Unge­impf­ten auf­tritt. Bei geimpf­ten Per­so­nen ver­ur­sacht Ärger kei­nen wesent­li­chen Anstieg der Polarisierung.

„Die meis­ten gro­ßen Kri­sen sind mit emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen Situa­tio­nen ver­bun­den“, erklärt Chris­toph Nguy­en. „Unse­re Stu­die zeigt, wel­che Rol­le Emo­tio­nen bei der Ver­stär­kung der Pola­ri­sie­rung im Zusam­men­hang mit sol­chen hoch­gra­dig sen­si­blen und emo­tio­nal gela­de­nen Kon­tex­ten spie­len.“ Ganz all­ge­mein ver­an­schau­lich­ten die Befun­de auch die Schwie­rig­kei­ten, mit denen poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ge­rin­nen und ‑trä­ger kon­fron­tiert sind, wenn sie mit stark umstrit­te­nen und emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen The­men umge­hen. „Wäh­rend eine gestei­ger­te Wut hilf­reich sein kann, um bereits befür­wor­ten­de Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu mobi­li­sie­ren, trägt sie wenig dazu bei, skep­ti­sche Men­schen zu über­zeu­gen und bewirkt eine wach­sen­de Pola­ri­sie­rung in der Gesell­schaft“, sagt Sabri­na Mayer.

Stu­die

Digi­tal kom­pe­ten­ter Unter­richt – man­gel­haf­te IT-Infrastruktur

Eine heu­te ver­öf­fent­lich­te deutsch­land­wei­te Stu­die unter Betei­li­gung der Uni­ver­si­tät Bam­berg zeigt Stär­ken und Her­aus­for­de­run­gen beim digi­ta­len Unter­rich­ten in der beruf­li­chen Bil­dung auf. Die­ser zufol­ge sind beruf­li­che Lehr­kräf­te digi­tal kom­pe­tent, aller­dings man­gelt es in Beruf­li­chen Schu­len häu­fig an einer sta­bi­len IT-Infrastruktur.

Beruf­li­che Lehr­kräf­te sind digi­tal kom­pe­tent, arbei­ten sou­ve­rän mit digi­ta­len End­ge­rä­ten und füh­len sich durch das digi­ta­le Unter­rich­ten nicht außer­ge­wöhn­lich gestresst. Ihre größ­te Her­aus­for­de­rung wäh­rend der Pan­de­mie: Häu­fig man­gelt es in Beruf­li­chen Schu­len an einer sta­bi­len IT-Infra­struk­tur, zum Bei­spiel einer guten WLAN-Ver­bin­dung. Zu die­sen Erkennt­nis­sen gelangt ein For­schungs­team in einer deutsch­land­wei­ten Stu­die, die am 21. Febru­ar 2022 vom Bun­des­ver­band der Lehr­kräf­te für Berufs­bil­dung e.V. (BvLB) ver­öf­fent­licht wur­de. Für die Stu­die koope­rier­te ein Ver­bund mit For­schen­den der Uni­ver­si­tä­ten Bam­berg, Han­no­ver und Osna­brück sowie der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Schwä­bisch-Gmünd.

Ers­te bun­des­wei­te Erhe­bung in Beruf­li­chen Schulen

„Bei der Stu­die han­delt es sich um die ers­te bun­des­wei­te Erhe­bung unter Leh­re­rin­nen und Leh­rern an Beruf­li­chen Schu­len zum The­ma digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on“, betont der Spre­cher des For­schungs­teams Prof. Dr. Karl-Heinz Ger­holz. Er hat die Pro­fes­sur für Wirt­schafts­päd­ago­gik an der Uni­ver­si­tät Bam­berg inne und ging mit sei­ner Kol­le­gin Prof. Dr. Julia Gil­len sowie den Kol­le­gen Prof. Dr. Uwe Fass­hau­er und Prof. Dr. Tho­mas Bals in einer Umfra­ge ins­be­son­de­re den Fra­gen nach: Wie kamen beruf­li­che Lehr­kräf­te durch die Pan­de­mie? Wel­che Poten­tia­le sehen sie im digi­ta­len Unter­rich­ten und Orga­ni­sie­ren? Und wie steht es um die digi­ta­le Kom­pe­tenz von beruf­li­chen Lehr­kräf­ten? Für die Stu­die „Erfah­run­gen und Per­spek­ti­ven des digi­ta­len Unter­rich­tens und Ent­wi­ckelns an beruf­li­chen Schu­len“ (Digi-BS) wur­den 3.074 beruf­li­che Lehr­kräf­te in Deutsch­land zwi­schen Dezem­ber 2020 und März 2021 befragt.

„Die tech­ni­sche Infra­struk­tur ist ein Schlüs­sel­fak­tor, um die digi­ta­le Kom­pe­tenz von Lehr­kräf­ten wei­ter zu stär­ken und das sub­jek­ti­ve Stres­ser­le­ben zu redu­zie­ren“, stellt Karl-Heinz Ger­holz als zen­tra­les Ergeb­nis der Stu­die her­aus. Die Digi-BS-Stu­die zeigt, dass eine sta­bi­le und nach­hal­ti­ge IT-Infra­struk­tur an den Schu­len noch nicht in der Brei­te vor­han­den ist, wie sie eigent­lich benö­tigt wird. Ins­be­son­de­re WLAN-Ver­füg­bar­keit und ‑sta­bi­li­tät sowie Sup­port und pass­ge­naue Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te fehlen.

Pan­de­mie hat digi­ta­le Aus­stat­tung enorm beschleunigt

Davon abge­se­hen zeich­net die Stu­die ein eher posi­ti­ves Bild der digi­ta­len Ver­än­de­rung an Beruf­li­chen Schu­len: Die Pan­de­mie hat die digi­ta­le Aus­stat­tung, etwa mit Tablets und Lap­tops, enorm beschleu­nigt. Beruf­li­che Lehr­kräf­te haben die Pha­sen des Distanz­un­ter­richts und hybri­den Unter­rich­tens erfolg­reich gemeis­tert. Sie ver­fü­gen unter ande­rem über eine aus­ge­präg­te digi­ta­le Kom­pe­tenz, sind neu­gie­rig hin­sicht­lich digi­ta­ler Tech­no­lo­gien und kön­nen digi­ta­len Unter­richt ins­be­son­de­re auch im Aus­tausch mit dem Kol­le­gi­um gut umset­zen. Unter­stüt­zung wird also wesent­lich vor Ort in den Beruf­li­chen Schu­len erlebt, die der Bil­dungs­ver­wal­tung wird als eher begrenzt wahr­ge­nom­men. Die­se posi­ti­ven Erfah­run­gen im Umgang mit den Her­aus­for­de­run­gen der Pan­de­mie, so der Mit­au­tor Tho­mas Bals, „bestä­ti­gen erneut die Not­wen­dig­keit einer umfas­sen­den Auto­no­mie der Beruf­li­chen Schu­len bei der Erfül­lung ihres Bildungsauftrages.“

Arbeit und Frei­zeit über­schnei­den sich zuneh­mend, was die befrag­ten Lehr­kräf­te nicht als beson­ders belas­tend erle­ben. Dies zeigt sich zum Bei­spiel dar­an, dass das Stres­ser­le­ben nor­mal ist. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass das digi­ta­le Arbei­ten zwar manch­mal mit Stress­emp­fin­den ein­her­geht, die­ses aller­dings nicht wesent­lich nega­ti­ver und belas­ten­der als üblich wahr­ge­nom­men wird. Die­ses Ergeb­nis ist für die betei­lig­ten Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler über­ra­schend vor dem Hin­ter­grund der gesell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on um digi­ta­les Ler­nen und der damit zusam­men­hän­gen­den Her­aus­for­de­run­gen. „Beruf­li­che Lehr­kräf­te haben die Her­aus­for­de­run­gen in der Pan­de­mie erstaun­lich gut bewäl­tigt und kön­nen somit als ‚Hid­den Cham­pions der Pan­de­mie‘ beschrie­ben wer­den“, sagt Karl-Heinz Gerholz.

Die Stu­die macht in die­sem Zusam­men­hang jedoch auch fol­gen­den Zusam­men­hang deut­lich: War die tech­ni­sche Aus­stat­tung gut und haben Lehr­kräf­te eine digi­ta­le Selbst­wirk­sam­keit, war ihr Stress­emp­fin­den gering. Schlech­te tech­ni­sche Aus­stat­tung führ­te dage­gen zu sehr hohem Stress­emp­fin­den und per­sön­li­cher Überlastung.

Neue Arbeits­mo­del­le in der digi­ta­len Transformation

Zudem lei­ten die For­schen­den aus ihrer Stu­die ab, dass im Zuge der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on auch die Arbeits­mo­del­le von Lehr­kräf­ten in den Blick genom­men wer­den müs­sen. „Wenn Unter­richt und schu­li­sche Arbeit zuneh­mend in hybri­den Räu­men statt­fin­den, ist das Prä­senz­stun­den­mo­dell an der Schu­le nicht mehr zeit­ge­mäß“, sagt Karl-Heinz Ger­holz. „Die sich ver­än­dern­den Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che von Lehr­kräf­ten müs­sen in den Arbeits­mo­del­len stär­ker berück­sich­tigt wer­den.“ Dies zu befor­schen, ist das nächs­te Ziel der For­schungs­grup­pe Digi-BS. Die voll­stän­di­ge Stu­die ist hier zu fin­den.

Stu­die

Geflüch­te­te ler­nen Deutsch am effek­tivs­ten in Sprachkursen

Geflüch­te­te erler­nen die deut­sche Spra­che fast genau­so schnell und genau­so gut wie ande­re Neu­zu­ge­wan­der­te, fast drei Vier­tel mit Hil­fe eines Sprach­kur­ses. Die­se Ergeb­nis­se ergab die Stu­die einer Sozio­lo­gin der Uni­ver­si­tät Bam­berg und ihres Teams für das DIW Berlin.

Da sie meist über­stürzt aus ihrem Hei­mat­land geflo­hen sind, haben sie bei Ankunft in Deutsch­land in der Regel kei­ne Sprach­kennt­nis­se. Den­noch erler­nen Geflüch­te­te die deut­sche Spra­che fast genau­so schnell und genau­so gut wie ande­re Neu­zu­ge­wan­der­te. Deut­li­che Ver­bes­se­run­gen bei den Deutsch­kennt­nis­sen erzie­len sie über Sprach­kur­se. Fast drei Vier­tel der Geflüch­te­ten besu­chen einen sol­chen. Ande­re Neu­zu­ge­wan­der­te erler­nen dage­gen die deut­sche Spra­che häu­fi­ger über All­tags­kon­tak­te, zum Bei­spiel an der Arbeits­stät­te. Dies sind die Ergeb­nis­se einer Stu­die des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW Ber­lin), die auf Geflüch­te­ten- und Migra­ti­ons­stich­pro­ben des Sozio-oeko­no­mi­schen Panels (SOEP) basiert.

„Der Sprach­er­werb ist eine zen­tra­le Vor­aus­set­zung für eine erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on“, betont Stu­di­en­au­torin Cor­ne­lia Kris­ten, die den Lehr­stuhl für Sozio­lo­gie, ins­be­son­de­re Sozi­al­struk­tur­ana­ly­se, an der Uni­ver­si­tät Bam­berg inne­hat. Gemein­sam mit ihrer Kol­le­gin Yuli­ya Kos­ya­ko­va vom Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB) und Chris­toph Spör­lein von der Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf hat sie unter­sucht, unter wel­chen Umstän­den Zuge­wan­der­te in den ers­ten sechs Jah­ren nach dem Zuzug Deutsch ler­nen. Wich­ti­ger als die Moti­va­ti­on sind dem­nach die Lern­ge­le­gen­hei­ten, die sich den Zuge­wan­der­ten im All­tag oder über geziel­te Ange­bo­te bieten.

Über die­se Lern­ge­le­gen­hei­ten ver­bes­sern sich die Sprach­kennt­nis­se deut­lich, bei den Geflüch­te­ten geschieht dies stär­ker über gesteu­er­te Lern­ge­le­gen­hei­ten wie in Sprach­kur­sen als über All­tags­kon­tak­te. „Vie­le Geflüch­te­te leben am Anfang in Sam­mel­un­ter­künf­ten und haben wenig Kon­takt zu Per­so­nen, die deutsch spre­chen. Das ergibt zunächst weni­ger Lern­ge­le­gen­hei­ten. Umge­kehrt neh­men sie aber häu­fi­ger an Sprach­kur­sen teil als ande­re Zuge­wan­der­te“, erläu­tert Stu­di­en­au­torin Kris­ten. Rund 73 Pro­zent der Geflüch­te­ten besu­chen einen Sprach­kurs, etwa die Hälf­te aller Geflüch­te­ten schließt die­sen mit einem Zer­ti­fi­kat ab. Schon recht kurz nach ihrer Ankunft holen sie zu ande­ren Migran­tin­nen und Migran­ten auf, nach etwa 48 Mona­ten gibt es bei den Deutsch­kennt­nis­sen kei­ne signi­fi­kan­ten Unter­schie­de mehr zwi­schen den bei­den Gruppen.

Die Ergeb­nis­se ver­deut­li­chen, dass gera­de die vie­len Kurs­an­ge­bo­te, die Geflüch­te­te in der ers­ten Zeit nach ihrer Ankunft wahr­neh­men, eine wich­ti­ge Rol­le bei ihrer frü­hen Inte­gra­ti­on spie­len. „Die mit­tel- und lang­fris­ti­gen Erträ­ge die­ser Inves­ti­tio­nen – wie eine schnel­le­re Kon­takt­auf­nah­me zur Mehr­heits­be­völ­ke­rung oder ein erleich­ter­ter Zugang zum Arbeits­markt – dürf­ten die ent­stan­de­nen Kos­ten bei wei­tem auf­wie­gen“, ist Kris­ten über­zeugt. „Daher soll­te die Poli­tik auf allen Ebe­nen kon­ti­nu­ier­lich an der Ver­bes­se­rung des Ange­bots arbei­ten, um nicht nur mehr Geflüch­te­te in Sprach­kur­se zu brin­gen, son­dern auch dafür zu sor­gen, dass höhe­re Niveaus erreicht werden.“

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Stu­die sind hier zu finden.

Stu­die

Uni­ver­si­tät Bam­berg erforscht Mimik bei Schmerz, Ekel, Freude

Wie wir­ken sich Schmerz, Ekel und Freu­de auf den Gesichts­aus­druck aus? Für eine Stu­die sucht die Uni­ver­si­tät Bam­berg Ver­suchs­teil­neh­me­rin­nen und ‑teil­neh­mer. Wer mit­macht, soll­te sich aber auf etwas gefasst machen.

An der Mimik eines Men­schen lässt sich sei­ne Gefühls­la­ge erken­nen. Um die Ein­flüs­se von Schmerz, Ekel und Freu­de auf den Gesichts­aus­druck zu erfor­schen, ist die Pro­fes­sur für Phy­sio­lo­gi­sche Psy­cho­lo­gie der Uni­ver­si­tät Bam­berg auf der Suche nach Studienteilnehmenden.

Bei die­ser Stu­die wer­den die drei Emp­fin­dun­gen Schmerz, Ekel und Freu­de bei den Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern durch Berüh­rungs­rei­ze und Bild­ma­te­ri­al aus­ge­löst und die mimi­sche Reak­ti­on aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven gefilmt.

Die Stu­di­en­teil­nah­me läuft in zwei Schrit­ten ab. Im ers­ten Schritt klä­ren die For­schen­den in einem Tele­fon­ge­spräch, das etwa 20 Minu­ten dau­ert, ob die inter­es­sier­ten Per­so­nen für die Stu­die geeig­net sind. Dann folgt die Ver­suchs­durch­füh­rung in einem Labor der Uni­ver­si­tät Bam­berg am Mar­kus­platz 3. Die­se dau­ert unge­fähr zwei Stunden.

Wäh­rend des Ver­suchs wer­den bei den Teil­neh­men­den mit ver­schie­de­nen Rei­zen leich­te Schmer­zen aus­ge­löst, indem eine Hit­ze-Ther­mo­de auf dem Unter­arm ange­bracht und eine Druck­man­schet­te um den Unter­schen­kel gelegt wird. Die Schmer­zen sind aber nur etwa so stark, wie wenn man sich leicht quetscht oder in hei­ßes Bade­was­ser ein­taucht. Ver­let­zun­gen kön­nen dabei nicht ent­ste­hen, betont die Uni­ver­si­tät Bamberg.

Um Ekel und Freu­de her­vor­zu­ru­fen, müs­sen sich die Teil­neh­men­den Bil­der ent­spre­chen­den Inhalts anschau­en. Der Gesichts­aus­druck wird dabei durch­ge­hend aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven gefilmt. Abschlie­ßend müs­sen noch eini­ge Fra­ge­bö­gen zur Erfas­sung der Ein­stel­lun­gen gegen­über den Emp­fin­dun­gen von Schmerz, Ekel und Freu­de aus­ge­füllt werden.

Die Stu­die wird von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­dert und die Teil­neh­men­den erhal­ten eine Auf­wands­ent­schä­di­gung von 25 Euro.

Gesucht wer­den männ­li­che und weib­li­che Per­so­nen, zwi­schen 18 und 65 Jahren,die gesund sein soll­ten, kei­ne Schmer­z­er­kran­kun­gen haben und aktu­ell kei­ne Medi­ka­men­te ein­neh­men, die das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem beein­flus­sen. Wer inter­es­siert ist, kann sich per E‑Mail unter mse-studie.physiolpsych@uni-bamberg.de anmel­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es hier.

Stu­die

Inklu­si­on kann auf Kos­ten sozia­ler Inte­gra­ti­on gehen

Kin­der mit und ohne Behin­de­rung gemein­sam zu unter­rich­ten, ist Ziel eines inklu­si­ven Schul­sys­tems. Eine Stu­die hat nun jedoch gezeigt: Das Kon­zept der Schwer­punkt­schu­len kann sich nega­tiv auf das sozia­le Mit­ein­an­der der Kin­der auswirken.

Kurz vor dem heu­ti­gen „Inter­na­tio­na­len Tag der Men­schen mit Behin­de­rung“ haben Mar­cel Hel­big und Sebas­ti­an Stein­metz, For­scher am Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi) in Bam­berg und am Wis­sen­schafts­zen­trum Ber­lin für Sozi­al­for­schung (WZB), eine Stu­die zu Inklu­si­on und sozia­ler Inte­gra­ti­on ver­öf­fent­licht. Dar­in sind sie zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass sich das Schul­kon­zept der Schwer­punkt­schu­len zu Las­ten des sozia­len Mit­ein­an­ders auswirkt.

Die Daten ihrer Stu­die haben Hel­big und Stein­metz in in Rhein­land-Pfalz erho­ben. Dort wird, statt ein brei­tes inklu­si­ves Ange­bo­te zu machen, bei Inklu­si­on fast aus­schließ­lich auf Schwer­punkt­schu­len gesetzt.

Rhein­land-Pfalz setzt als ein­zi­ges Bun­des­land bei der Inklu­si­on von Kin­dern mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf fast aus­schließ­lich auf Schwer­punkt­schu­len. Die Mehr­heit der Bun­des­län­der hat sich dage­gen für eine flä­chen­de­cken­de Inklu­si­on ent­schie­den. In eini­gen Län­dern wie Ber­lin, Ham­burg oder Bran­den­burg gibt es Misch­sys­te­me aus flä­chen­de­cken­der Inklu­si­on und Schwerpunktschulen.

Der Anteil von Kin­dern aus ein­kom­mens­schwa­chen Fami­li­en ist an den inklu­si­ven Schwer­punkt­schu­len in Rhein­land-Pfalz seit 2012 über­durch­schnitt­lich gewach­sen. Vor allem in den Städ­ten hat sich damit das Pro­blem der sozia­len Tren­nung im Grund­schul­we­sen verschärft.

Die Stu­die weist nun mit Daten der amt­li­chen Schul­sta­tis­tik nach, dass das Kon­zept der inklu­si­ven Schwer­punkt­schu­le auf Kos­ten der sozia­len Inte­gra­ti­on geht. Das liegt zum einen in der Ent­ste­hung die­ser Schu­len begrün­det. So wur­den in Rhein­land-Pfalz die sozi­al schwä­che­ren Grund­schu­len als Stand­or­te für Schwer­punkt­schu­len aus­ge­wählt. Dabei han­delt es sich um Schu­len, die bereits vor ihrer Umwand­lung einen hohen Anteil von Kin­dern aus ein­kom­mens­schwa­chen Fami­li­en hat­ten. So lag der Anteil von Kin­dern mit Lern­mit­tel­be­frei­ung an Schwer­punkt­schu­len sechs Pro­zent­punk­te höher als an Nicht-Schwerpunktschulen.


Inklu­si­ver Unter­richt an allen Schu­len als Ziel

Seit 2012 hat sich die Armuts­quo­te an den Schwer­punkt­schu­len zum Teil über­durch­schnitt­lich erhöht. Dies gilt vor allem für die städ­ti­schen Räu­me, wo sich der Unter­schied beim Anteil armer Kin­der zwi­schen Schwer­punkt­schu­len und Nicht-Schwer­punkt­schu­len auf 12 Pro­zent­punk­te ver­dop­pel­te. Dies trifft in beson­de­rem Maße in Nach­bar­schaf­ten zu, in denen es wei­te­re Grund­schu­len gibt.
„Wir ver­mu­ten” sagt Mar­cel Hel­big, „dass vor allem Eltern aus der Mit­tel­schicht die Schwer­punkt­schu­len mei­den und ihre Kin­der auf ande­re Grund­schu­len in Wohn­ort­nä­he schi­cken.” Schwer­punkt­schu­len in Rhein­land-Pfalz müs­sen daher dop­pel­te Inte­gra­ti­ons­ar­beit leis­ten, eine päd­ago­gi­sche und eine sozia­le. „Das geht zu Las­ten der Chan­cen­ge­rech­tig­keit, ver­stärkt sozia­le Tren­nung und zeigt, dass halb­her­zi­ge Inklu­si­on nicht-beab­sich­tig­te sozia­le Fol­gen haben kann.“

Zusam­men mit Sebas­ti­an Stein­metz plä­diert der Autor der Stu­die für die Über­win­dung der Schwer­punkt­schu­len zuguns­ten eines inklu­si­ven Unter­richts an allen Schu­len. Mit der Unter­zeich­nung der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on im Jahr 2008 wäre Deutsch­land ohne­hin ver­pflich­tet, Kin­der und Jugend­li­che mit und ohne son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf gemein­sam zu unter­rich­ten. Die Kon­ven­ti­on sieht vor, dass inklu­si­ver Unter­richt in mög­lichst wohn­ort­na­hen Schu­len ange­bo­ten wird. Schwer­punkt­schu­len kon­ter­ka­rie­ren die­ses Recht aber und ver­hin­dern einen sys­te­ma­ti­schen Wan­del hin zu einem inklu­si­ven Schul­sys­tem, da nur bestimm­te Stand­or­te die­sen päd­ago­gi­schen Auf­trag übernehmen.

Rhein­land-Pfalz ist neben Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg Schluss­licht bei der Umset­zung schu­li­scher Inklu­si­on, wie eine im Sep­tem­ber 2021 erschie­ne­ne WZB-Stu­die gezeigt hat.

Gro­ße inter­na­tio­na­le Studie

Her­kunft der Haus­pfer­de end­lich geklärt

162 inter­na­tio­na­le For­schen­de haben im Rah­men einer gro­ßen inter­na­tio­na­len Stu­die Pfer­de­kno­chen aus ganz Eura­si­en zusam­men­ge­tra­gen und ana­ly­siert – dar­un­ter Fun­de der Uni­ver­si­tät Bamberg.

Pfer­de wur­den zuerst in der pon­tisch-kas­pi­schen Step­pe im Nord­kau­ka­sus domes­ti­ziert, bevor sie inner­halb weni­ger Jahr­hun­der­te den Rest Eura­si­ens erober­ten. Domes­ti­zie­rung bedeu­tet, dass Men­schen Wild­pfer­de zähm­ten. Das sind die Ergeb­nis­se der Stu­die unter der Lei­tung des Paläo­ge­ne­ti­kers Prof. Ludo­vic Orlan­do vom fran­zö­si­schen „Cent­re natio­nal de la recher­che sci­en­ti­fi­que“ (CNRS) aus Tou­lou­se. Er lei­te­te ein inter­na­tio­na­les Team, dem unter ande­rem For­schen­de der Uni­ver­si­tä­ten in Tou­lou­se, Évry und Bam­berg ange­hör­ten. Die Stu­die löst ein jahr­zehn­te­al­tes Rät­sel und ist am 20. Okto­ber im renom­mier­ten Wis­sen­schafts­ma­ga­zin „Natu­re“ ver­öf­fent­licht worden.

Von wem und wo wur­den die moder­nen Pfer­de zuerst domes­ti­ziert? Wann haben sie den Rest der Welt erobert? Und wie ver­dräng­ten sie die unzäh­li­gen ande­ren Pfer­de­ar­ten, die es damals gab? Dank eines Teams von 162 For­schen­den, die sich auf Archäo­lo­gie, Paläo­ge­ne­tik und Lin­gu­is­tik spe­zia­li­siert haben, kön­nen die­se Fra­gen end­lich beant­wor­tet werden.


For­schen­de ana­ly­sie­ren DNA von 273 Pferden

Vor eini­gen Jah­ren unter­such­te das Team um Ludo­vic Orlan­do die Fund­stät­te der Botai-Kul­tur in Zen­tral­asi­en, die den ältes­ten archäo­lo­gi­schen Nach­weis für domes­ti­zier­te Pfer­de lie­fer­te. Die DNA-Ergeb­nis­se waren aber nicht zufrie­den­stel­lend: Die­se aus der Zeit vor 5.500 Jah­ren stam­men­den Pfer­de waren nicht die Vor­fah­ren der heu­ti­gen Haus­pfer­de. Neben den Step­pen in Zen­tral­asi­en erwie­sen sich auch alle ande­ren ver­mu­te­ten Ursprungs­or­te wie Ana­to­li­en, Sibi­ri­en und die Ibe­ri­sche Halb­in­sel als falsch. „Wir ahn­ten, dass auch der Zeit­raum zwi­schen 4.000 und 6.000 Jah­ren nicht stim­men konn­te, aber wir konn­ten kei­ne Bewei­se dafür fin­den“, sagt Orlan­do. Das For­schungs­team beschloss daher, sei­ne Stu­die auf ganz Eura­si­en aus­zu­deh­nen und ana­ly­sier­te die Geno­me von 273 Pfer­den, die von 50.000 bis 200 vor Chris­tus leb­ten. Die­se Infor­ma­tio­nen wur­den an der Uni­ver­si­té Tou­lou­se III – Paul Saba­tier und der Uni­ver­si­té d’Évry sequen­ziert und mit den Geno­men heu­ti­ger Pfer­de verglichen.


Ein­zi­ge deut­sche Pro­ben stam­men aus Oberfranken

Die ein­zi­gen Pro­ben von Pfer­de­kno­chen aus Deutsch­land, die ana­ly­siert wur­den, stam­men vom Hoh­len Stein bei Schwab­thal in Ober­fran­ken. Die­se hat ein archäo­lo­gi­sches Team der Uni­ver­si­tät Bam­berg wäh­rend eines For­schungs­pro­jekts im Jahr 2008 aus­ge­gra­ben und datiert. Gra­bungs­lei­ter Dr. Timo Sere­gé­ly von der Pro­fes­sur für Ur- und Früh­ge­schicht­li­che Archäo­lo­gie erläu­tert: „Wir haben dort Pfer­de­kno­chen von meh­re­ren Tie­ren aus der Zeit um 2600 vor Chris­tus gefun­den, die im Zusam­men­hang mit einer Sied­lung der schnur­ke­ra­mi­schen Kul­tur aus der spä­ten Jung­stein­zeit ste­hen. Sie waren durch die direk­te Lage am auf­fäl­li­gen Dolo­mit­fels­mas­siv des Hoh­len Steins fan­tas­tisch erhal­ten und wie­sen einen rei­chen Gehalt an alter DNA auf.“

Im Gegen­satz zu Sere­gé­lys bis­he­ri­ger Annah­me ist nun nicht ein­mal mehr sicher, ob es sich bei den ober­frän­ki­schen Fun­den über­haupt um die Res­te von domes­ti­zier­ten Pfer­den han­delt. Es könn­te sich eben­falls um gejag­te, damals noch in der Regi­on leben­de Wild­pfer­de gehan­delt haben. Die von Pablo Libra­do und Ludo­vic Orlan­do gelei­te­te Stu­die kann die­se Fra­ge nicht sicher beant­wor­ten – dafür aber eine ande­re, unglaub­lich wich­ti­ge, wie Sere­gé­ly bekräf­tigt: „Bis­her ging man davon aus, dass Pfer­de bereits im frü­hen drit­ten vor­christ­li­chen Jahr­tau­send bei der Expan­si­on von Men­schen aus den eura­si­schen Step­pen­re­gio­nen in zahl­rei­che Regio­nen Euro­pas eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Mobi­li­tät spiel­ten. Das ist nun klar wider­legt. Ob wir für die­se gro­ße, sich über meh­re­re Jahr­hun­der­te und eini­ge Zwi­schen­etap­pen erstre­cken­de Migra­ti­ons­wel­le nun eher Rin­der­ge­span­ne als Mobi­li­täts­fak­tor ins Auge fas­sen kön­nen, müs­sen spä­te­re Stu­di­en zeigen.“


Explo­si­ons­ar­ti­ge Ver­meh­rung der Pferde 

Die Vor­fah­ren der heu­ti­gen Haus­pfer­de stam­men hin­ge­gen aus einer spä­te­ren Zeit: In Eura­si­en, das einst von gene­tisch unter­schied­li­chen Pfer­de­po­pu­la­tio­nen bevöl­kert war, kam es zwi­schen 2200 und 2000 vor Chris­tus zu einer dra­ma­ti­schen Ver­än­de­rung. „Die Pfer­de, die in Ana­to­li­en, Euro­pa, Zen­tral­asi­en und Sibi­ri­en leb­ten, waren gene­tisch sehr unter­schied­lich“, sagt Dr. Pablo Libra­do, Erst­au­tor der Stu­die. Dann ver­brei­te­te sich ein ein­zi­ges gene­ti­sches Pro­fil, das es zuvor nur in der pon­ti­schen Step­pe im Nord­kau­ka­sus gab. Es ver­dräng­te inner­halb weni­ger Jahr­hun­der­te alle Wild­pfer­de­po­pu­la­tio­nen vom Atlan­tik bis zur Mon­go­lei. „Die gene­ti­schen Daten deu­ten auch auf eine explo­si­ons­ar­ti­ge Ver­meh­rung der Pfer­de hin, die in den letz­ten 100.000 Jah­ren ihres­glei­chen sucht“, fügt Orlan­do hin­zu. „Damals über­nah­men Men­schen die Kon­trol­le über die Fort­pflan­zung die­ser Tier­art und pro­du­zier­ten Pfer­de in beträcht­li­cher Anzahl.“ Die Aus­brei­tung die­ser Pfer­de ereig­ne­te sich zumin­dest in Asi­en gleich­zei­tig wie jene von Streit­wä­gen mit Spei­chen­rä­dern und indoira­ni­schen Sprachen.

Doch wie lässt sich die­se über­wäl­ti­gen­de Beliebt­heit erklä­ren? Die For­schen­den fan­den zwei auf­fäl­li­ge Unter­schie­de zwi­schen dem Genom die­ses Pfer­des und dem Genom der Popu­la­tio­nen, die es ersetz­te: zum einen füg­sa­me­res Ver­hal­ten, zum ande­ren ein stär­ke­res Rück­grat. Das For­schungs­team ver­mu­tet, dass die­se Merk­ma­le den Erfolg der Tie­re zu einer Zeit sicher­ten, als das Rei­sen mit Pfer­den welt­weit zunahm.

Die Natu­re-Publi­ka­ti­on ist online zu fin­den unter https://www.nature.com/articles/s41586-021–04018‑9

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Bil­der sind zu fin­den unter https://www.cnrs.fr/en/origin-domestic-horses-finally-established

Stu­die der Uni­ver­si­tät Bamberg

Deutsch­land auf dem Weg in eine Poli­tik der Lügen?

Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker hören immer wie­der die Unter­stel­lung, dass sie lügen – auch aktu­ell im Bun­des­tags­wahl­kampf. Erst­mals hat eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Bam­berg unter­sucht, wie ver­brei­tet post­fak­ti­sche Annah­men in der deut­schen Poli­tik und im Jour­na­lis­mus sind.
„In einer post­fak­ti­schen Poli­tik wer­den Fak­ten und ein Wahr­heits­be­zug zuneh­mend unwich­ti­ger“, erläu­tert Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Prof. Dr. Olaf Hoff­jann von der Uni­ver­si­tät Bamberg.

„Dies ist in Deutsch­land empi­risch bis­lang kaum erforscht. Auch welt­weit lie­gen hier­zu nur weni­ge empi­ri­sche Befun­de vor.“
Des­halb haben er und Lucas See­ber vom Insti­tut für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft eine Umfra­ge durch­ge­führt. Ein zen­tra­les Ergeb­nis der bis­lang unver­öf­fent­lich­ten Stu­die ist, dass sich rund die Hälf­te der Befrag­ten als Teil einer post­fak­ti­schen Demo­kra­tie sieht. Zugleich erwar­ten mehr als 90 Pro­zent eine Poli­tik, die ernst­haft, auf­rich­tig und mit Wahr­heits­an­spruch auftritt.

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Olaf Hoff­jann lei­tet die Stu­die zu post­fak­ti­schen Annah­men. Foto: Uni­ver­si­tät Bamberg 

Bewuss­te Täu­schung gilt als kritikwürdig

Die bei­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler haben von Okto­ber 2020 bis Janu­ar 2021 ins­ge­samt 758 Per­so­nen aus drei Grup­pen online befragt: Bun­des­tags- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, Pres­se­spre­che­rin­nen und ‑spre­cher sowie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten. Die Aus­wer­tung der Umfra­ge hat ins­be­son­de­re zu fol­gen­den Ergeb­nis­sen geführt:

Die Befrag­ten unter­stel­len Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern sel­ten Lügen (15 Pro­zent). Über­ra­schend: Poli­ti­ker unter­stel­len ande­ren Poli­ti­kern häu­fi­ger (21,8 Pro­zent) Lügen, als dies deren Pres­se­spre­cher (5,1 Pro­zent) und sogar Jour­na­lis­ten tun (14,3 Pro­zent). Nur 1,2 Pro­zent den­ken, dass Lügen in der Poli­tik legi­tim sind. Dage­gen hal­ten rund 32 Pro­zent soge­nann­ten „Bull­shit“ – das Ergän­zen von unge­prüf­ten Aus­sa­gen, die wahr sein könn­ten, um die The­se einer Aus­sa­ge zu unter­stüt­zen – für weit ver­brei­tet. Rund 5 Pro­zent der Befrag­ten hal­ten „Bull­shit“ für legi­tim. Die Über­trei­bung in der Poli­tik wird als weit ver­brei­tet (rund 78 Pro­zent) und gleich­zei­tig von rund einem Drit­tel (33,8 Pro­zent) als eher legi­tim beschrie­ben. Olaf Hoff­jann inter­pre­tiert: „Die bewuss­te Täu­schung gilt offen­bar als kri­tik­wür­di­ger als ein gleich­gül­ti­ges Ver­hält­nis gegen­über der Wahrheit.“

50,8 Pro­zent der Befrag­ten sehen sich als Teil einer post­fak­ti­schen Demo­kra­tie. Das heißt, sie unter­stel­len Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern, dass ihnen der Wahr­heits­ge­halt ihrer Aus­sa­gen eher unwich­tig sei. Von den drei befrag­ten Grup­pen glau­ben vor allem Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker nicht an eine fak­ti­sche Poli­tik (rund 55 Pro­zent). „Poin­tiert for­mu­liert: Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten glau­ben eher an den Wahr­heits­ge­halt der Aus­sa­gen von Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern als die­se selbst“, sagt Lucas Seeber.

Mehr als neun von zehn Befrag­ten ver­ur­tei­len Lügen und „Bull­shit“ (rund 94 Pro­zent). Akteu­re, die Emo­tio­na­li­sie­rung sowie Lügen und Bull­shit als eher nicht legi­tim bezeich­nen, wer­den in der Stu­die als „fak­ti­sche Akteu­rin­nen und Akteu­re“ bezeichnet.

Fast alle Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der AfD glau­ben an eine post­fak­ti­sche Poli­tik (88,9 Pro­zent) – mit Abstand der höchs­te Anteil unter den Befrag­ten. Zugleich hal­ten auch 90 Pro­zent der AfD-Befrag­ten Lügen, „Bull­shit“ und Emo­tio­na­li­sie­rung für eher nicht legitim.


Wahr­heits­kri­se in der Poli­tik wird verurteilt

„Die Ergeb­nis­se zei­gen ins­ge­samt, dass eine knap­pe Mehr­heit von Abge­ord­ne­ten und Jour­na­lis­tin­nen oder Jour­na­lis­ten eine Wahr­heits­kri­se in der Poli­tik wahr­nimmt“, inter­pre­tiert Olaf Hoff­jann. „Aber eine sehr deut­li­che Mehr­heit ver­ur­teilt dies. Mit ande­ren Wor­ten: Fast alle Befrag­ten, die sich als Bür­ge­rin­nen und Bür­ger einer post­fak­ti­schen Poli­tik sehen, sind dar­über nicht glück­lich.“ Wie aber reagie­ren Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker, die der Kon­kur­renz unter­stel­len, sie wür­de unrecht­mä­ßi­ge Metho­den ein­set­zen? „Unter­su­chun­gen in ande­ren Betrugs­fel­dern argu­men­tie­ren spiel­theo­re­tisch, dass dies dazu füh­ren kön­ne, dass auch ande­re zu sol­chen Metho­den grei­fen, um ‚Waf­fen­gleich­heit‘ her­zu­stel­len“, erklärt Olaf Hoff­jann. „Und den­noch: Das über­wäl­ti­gen­de Aus­maß, mit dem Prak­ti­ken wie Lüge und ‚Bull­shit‘ abge­lehnt wer­den, stimmt mich optimistisch.“


Befragt wur­den ins­ge­samt 758 Abge­ord­ne­te des Bun­des­ta­ges und aller Land­ta­ge, Mit­glie­der der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz und aller Lan­des­pres­se­kon­fe­ren­zen sowie Pres­se­spre­che­rin­nen und ‑spre­cher von Par­tei­en, Frak­tio­nen und Minis­te­ri­en auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne. Die Umfra­ge­da­ten nähern sich an die rea­len Ver­hält­nis­se an, kön­nen streng genom­men jedoch nicht als reprä­sen­ta­tiv gelten.

Stu­die der Uni­ver­si­tä­ten Darm­stadt, Bam­berg und Frankfurt

For­schen­de ent­lar­ven man­gel­haf­te Daten­schutz-Ein­stel­lun­gen auf ein paar tau­send Webseiten

Eine inter­dis­zi­pli­nä­re Stu­die von For­schen­den der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darm­stadt, der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg und der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt zeigt, wie Web­sei­ten­be­trei­ben­de am wir­kungs­volls­ten über man­gel­haf­te Daten­schutz-Kon­fi­gu­ra­tio­nen infor­miert wer­den können.

So kön­nen Behör­den und Sicher­heits­for­schen­de zukünf­tig mög­lichst effek­tiv Anbie­ten­de von Web­sei­ten dazu bewe­gen, Män­gel zu erken­nen und zu behe­ben. Das For­schungs­team stellt dazu auch das Werk­zeug „Check Goog­le Ana­ly­tics“ zur Ver­fü­gung, mit dem die kor­rek­te Akti­vie­rung der IP-Anony­mi­sie­rung bei der Ein­bin­dung von Goog­le Ana­ly­tics über­prüft wer­den kann.


Feh­ler­haf­te Daten­schutz­ein­stel­lun­gen auf Webseiten

Fast alle Web­sei­ten und Online­shops ver­wen­den Ana­ly­se­werk­zeu­ge wie Goog­le Ana­ly­tics, um mehr über die Sei­ten­be­su­che­rin­nen und ‑besu­cher und deren Nut­zungs­ver­hal­ten zu erfah­ren. Doch nicht alle die­ser Tools sind daten­schutz­kon­form nach der Daten­schutz­grund­ver­ord­nung (DSGVO) ein­ge­rich­tet. Durch fal­sche Ein­stel­lun­gen kön­nen Web­sei­ten­ver­ant­wort­li­che Gegen­stand von Abmah­nun­gen, Scha­dens­er­satz oder Buß­gel­dern werden.

For­schen­de aus den Fach­be­rei­chen Infor­ma­tik (Pro­fes­sor Mat­thi­as Hollick und Max Maaß, TU Darm­stadt; Pro­fes­sor Domi­nik Herr­mann und Hen­ning Prid­öhl, Uni­ver­si­tät Bam­berg), Psy­cho­lo­gie (Ali­na Stö­ver, TU Darm­stadt) und Rechts­wis­sen­schaf­ten (Dr. Sebas­ti­an Brett­hau­er und Pro­fes­so­rin Indra Spiecker genannt Döh­mann, Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt) gin­gen in einer Stu­die der Fra­ge nach, wie Web­sei­ten­be­trei­ben­de über feh­ler­haf­te Daten­schutz­ein­stel­lun­gen die­ser Ana­ly­se­diens­te so infor­miert wer­den kön­nen, dass sie ihre Inter­net-Ange­bo­te mög­lichst effek­tiv zur recht­mä­ßi­gen Ein­stel­lung hin ändern.


Infor­miert wur­den fast 4000 Betrei­be­rin­nen und Betreiber

Inner­halb der inter­dis­zi­pli­nä­ren Stu­die wur­den 3954 Betrei­be­rin­nen und Betrei­ber von ins­ge­samt 4096 deut­schen Web­sei­ten über eine feh­len­de oder feh­ler­haf­te Kon­fi­gu­ra­ti­on der IP-Anony­mi­sie­rung beim popu­lä­ren Ana­ly­se­dienst Goog­le Ana­ly­tics infor­miert. Dies bedeu­te­te einen Ver­stoß gegen Daten­schutz­an­for­de­run­gen. Für das Benach­rich­ti­gungs­ex­pe­ri­ment wur­den ers­tens die For­mu­lie­rung der Nach­richt (Hin­weis mit Infor­ma­ti­on über Fol­gen für Nutzerschutz/​Hinweis mit Infor­ma­ti­on über mög­li­che Rechts­fol­gen), zwei­tens das Kon­takt­me­di­um (E‑Mail oder Brief) und drit­tens der Absen­der (Infor­ma­tik­stu­die­ren­de als Pri­vat­per­son; Infor­ma­tik­lehr­stuhl; daten­schutz­recht­li­cher Lehr­stuhl und For­schungs­in­sti­tut) variiert.

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass die Män­gel am ehes­ten beho­ben wer­den, wenn die Benach­rich­ti­gung einen Hin­weis auf recht­li­che Fol­gen ent­hält. Außer­dem wur­den die Ein­stel­lun­gen bei Infor­ma­ti­on per Brief häu­fi­ger kor­ri­giert als bei Hin­wei­sen per E‑Mail. Die Iden­ti­tät des Absen­ders beein­flusst die Bereit­schaft, Ände­run­gen vor­zu­neh­men, eben­falls: So führ­ten Schrei­ben des daten­schutz­recht­li­chen Lehr­stuhls und For­schungs­in­sti­tuts häu­fi­ger zum Erfolg als Infor­ma­tio­nen von For­schen­den aus der Informatik.


Mehr als die Hälf­te der Benach­rich­tig­ten behob das Problem

Über­ra­schend effek­tiv zeig­te sich die Infor­ma­ti­on durch Pri­vat­per­so­nen mit fach­li­chem Hin­ter­grund (Infor­ma­tik­stu­die­ren­de). Ins­ge­samt wur­de das Pro­blem von mehr als der Hälf­te (56,6 Pro­zent) der Infor­mier­ten als Reak­ti­on auf das Benach­rich­ti­gungs­ex­pe­ri­ment beho­ben, wäh­rend in der unin­for­mier­ten Kon­troll­grup­pe nur 9,2 Pro­zent von sich aus, zum Bei­spiel auf der Basis von Medi­en­be­rich­ten, agierte.

Die Ergeb­nis­se einer anschlie­ßen­den Umfra­ge, die im Rah­men der Stu­die mit den Web­sei­ten­be­trei­ben­den durch­ge­führt wur­de, zeig­te wei­ter­füh­ren­de Erkennt­nis­se zum Wis­sen der Web­sei­ten­ver­ant­wort­li­chen im Hin­blick auf die von ihnen benutz­ten Ana­ly­se­tools. Fast 20 Pro­zent der Teil­neh­men­den waren sich nicht bewusst, das Ana­ly­se­werk­zeug Goog­le Ana­ly­tics auf ihrer Web­sei­te zu ver­wen­den. Zudem gaben 12,7 Pro­zent an, von der wider­recht­li­chen Ein­stel­lung gewusst und sie den­noch nicht beho­ben zu haben. Zusam­men mit der Reak­ti­ons­ra­te sind somit Rück­schlüs­se auf daten­schutz­kon­for­mes Ver­hal­ten und die Effek­ti­vi­tät von Hin­wei­sen auf daten­schutz­wid­ri­ges Ver­hal­ten möglich.


Für alle zugäng­lich: das Werk­zeug “Check Goog­le Analytics”

Basis der Ana­ly­se war das von den Autorin­nen und Autoren ent­wi­ckel­te Werk­zeug „Check Goog­le Ana­ly­tics“: https://checkgoogleanalytics.psi.uni-bamberg.de . Damit kön­nen die Ein­stel­lun­gen der eige­nen Web­sei­te im Hin­blick auf den daten­schutz­kon­for­men Ein­satz der Anony­mi­sie­rungs­funk­ti­on von Goog­le Ana­ly­tics schnell und kos­ten­los geprüft wer­den. Im Rah­men der Unter­su­chun­gen wur­den mit Hil­fe des Tools fast 40.000 Scans von über 14.000 Web­sei­ten durchgeführt.

Die Stu­die „Effec­ti­ve Noti­fi­ca­ti­on Cam­pai­gns on the Web: A Mat­ter of Trust, Framing, and Sup­port” wur­de am 12. August 2021 auf der renom­mier­ten Kon­fe­renz USENIX Secu­ri­ty Sym­po­si­um vor­ge­stellt. Pra­xis-Tipps für die Durch­füh­rung einer sol­chen Benach­rich­ti­gungs­stu­die wer­den wäh­rend des Inter­na­tio­nal Work­shops on Infor­ma­ti­on Secu­ri­ty Metho­do­lo­gy and Repli­ca­ti­on Stu­dies (IWSMR 2021, 17. bis 20. August) vor­ge­stellt. Eine Vor­ab­ver­si­on der Ergeb­nis­se kann auf dem Doku­men­ten­ser­ver arXiv ein­ge­se­hen wer­den: https://arxiv.org/abs/2106.08029

Nach Auf­fas­sung der Kon­fe­renz der unab­hän­gi­gen Daten­schutz­auf­sichts­be­hör­den des Bun­des und der Län­der vom 12.05.2020 reicht die IP-Anony­mi­sie­rung inzwi­schen nicht mehr aus, um Goog­le Ana­ly­tics rechts­kon­form zu betrei­ben; inzwi­schen wird unter ande­rem eine vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung der Sei­ten­be­su­che­rin­nen und ‑besu­cher gefor­dert. Ob Goog­le Ana­ly­tics in Euro­pa nach dem „Schrems II“-Urteil über­haupt noch betrie­ben wer­den darf, wird der­zeit in meh­re­ren Beschwer­de­ver­fah­ren von den Daten­schutz­auf­sichts­be­hör­den untersucht.

Die For­schungs­ar­beit wur­de von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) im Rah­men des Gra­du­ier­ten­kol­legs 2050 „Pri­va­cy and Trust for Mobi­le Users“ sowie vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung (BMBF) und dem Hes­si­schen Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst (HMWK) im Rah­men der gemein­sa­men För­de­rung des Natio­na­len For­schungs­zen­trums für ange­wand­te Cyber­si­cher­heit ATHENE unterstützt.

Die Publi­ka­ti­on ist online zu fin­den unter https://www.usenix.org/conference/usenixsecurity21/presentation/maass

Inklu­si­ons­stu­die INSIDE 

Kin­der mit För­der­be­darf konn­ten im Lock­down schlech­ter lernen

Inklu­siv beschul­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­dar­fen haben wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen im Früh­jahr 2020 ungüns­ti­ge­re Lern­be­din­gun­gen erlebt als ihre Mit­schü­le­rin­nen und Mit­schü­ler ohne sol­che beson­de­ren Bedar­fe, wie aus einer der Aus­wer­tung einer Befra­gung von fast 2.000 Kin­dern der Klas­sen­stu­fen 7 und 8 hervorgeht.

Die Befra­gung wur­de als Teil der schul­be­zo­ge­nen Inklu­si­ons­stu­die INSIDE durch­ge­führt, die unter ande­rem am Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi) behei­ma­tet ist. Es zeig­te sich, dass gleich­zei­tig die Kin­der, unab­hän­gig von För­der­be­dar­fen, die Zeit der Schul­schlie­ßung sehr unter­schied­lich wahr­ge­nom­men haben.

Die Bedin­gun­gen für das Ler­nen zuhau­se wäh­rend der ers­ten Schul­schlie­ßung waren für Schü­le­rin­nen und Schü­ler von ganz unter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen geprägt. Inzwi­schen herrscht Einig­keit dar­über, dass sich bestehen­de Benach­tei­li­gun­gen durch die Schul­schlie­ßun­gen wei­ter ver­schärft haben. Eine Grup­pe ist dabei beson­ders betrof­fen, jedoch weit­ge­hend aus dem Blick­feld gera­ten: Zur Situa­ti­on von Schü­le­rin­nen und Schü­lern mit son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­dar­fen lie­gen bis­lang nur wenig empi­ri­sche Befun­de vor. Die­se Lücke will das Pro­jekt INSIDE (Inklu­si­on in und nach der Sekun­dar­stu­fe) ver­rin­gern. Die For­sche­rin­nen Dr. Cor­ne­lia Gresch von der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin und Dr. Mon­ja Schmitt vom LIf­Bi in Bam­berg gehen in einer aktu­el­len Aus­wer­tung der Fra­ge nach, wel­che Unter­schie­de es wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen im Früh­jahr 2020 beim Ler­nen und Wohl­be­fin­den zwi­schen Schul­kin­dern mit und ohne För­der­be­dar­fe gab. Die Daten dafür lie­fern Selbst­ein­schät­zun­gen von 1.939 Kin­dern, die im Rah­men der regu­lä­ren Erhe­bun­gen der Lang­zeit­stu­die INSIDE im Herbst 2020 erfragt wur­den. 13 Pro­zent die­ser Kin­der hat­ten son­der­päd­ago­gi­sche Förderbedarfe.


Prä­senz­un­ter­richt ermög­licht Teilhabe

Kin­der mit son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­dar­fen wei­sen zu Hau­se häu­fig eher ungüns­ti­ge Lern­vor­aus­set­zun­gen auf. Für sie ist das Feh­len von Prä­senz­un­ter­richt beson­ders fol­gen­reich, denn die Teil­ha­be an Bil­dungs­an­ge­bo­ten wird ihnen dadurch erschwert. Dazu kommt, dass das Ler­nen zuhau­se sich stark von den indi­vi­dua­li­sier­ten Unter­richts­for­ma­ten unter­schei­det, die die­se Grup­pe gewohnt ist: Sie benö­tigt mehr Moti­va­ti­on, mehr Beglei­tung und Auf­merk­sam­keit durch die Lehr­kraft und umso mehr das Gefühl, in einer Gemein­schaft zu ler­nen – Fak­to­ren, die beim Ler­nen zuhau­se im Früh­jahr 2020 weit­ge­hend weg­ge­fal­len sind.


Kin­der mit För­der­be­darf lern­ten weniger

Wie auch aus ande­ren Befra­gun­gen zum Ler­nen zuhau­se wäh­rend der Schul­schlie­ßung (–> NEPS Coro­na & Bil­dung No. 1) her­vor­ging, war die Zeit­span­ne, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit schu­li­schen Lern­in­hal­ten ver­brach­ten, sehr unter­schied­lich. Die­ses Bild zeigt sich auch in der INSI­DE-Befra­gung. Es gibt sowohl Kin­der, die berich­te­ten, in die­ser Zeit deut­lich weni­ger für die Schu­le gear­bei­tet zu haben, als auch sol­che, die einen viel grö­ße­ren Zeit­auf­wand als zu nor­ma­len Schul­zei­ten anga­ben. Beim Ver­gleich der Grup­pen mit und ohne För­der­be­dar­fe zei­gen sich sta­tis­tisch bedeut­sa­me Unter­schie­de. 18 Pro­zent der Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit För­der­be­dar­fen gaben an, viel weni­ger gear­bei­tet zu haben. Bei den Mit­schü­le­rin­nen und Mit­schü­lern ohne För­der­be­dar­fe mach­ten die­se Aus­sa­ge nur 11 Pro­zent. Noch deut­li­cher wird die­ser Unter­schied bei der Fra­ge, in wel­chem Umfang die Auf­ga­ben bear­bei­tet wur­den, die von der Schu­le zur Ver­fü­gung gestellt wur­den. 17 Pro­zent der Kin­der mit För­der­be­dar­fen gaben hier „kei­ne“ oder „wenig“ an (im Ver­gleich zu 8 Pro­zent bei der Grup­pe ohne För­der­be­dar­fe). Bei der Arbeits­um­ge­bung ist auf­fäl­lig, dass Kin­der mit För­der­be­dar­fen weni­ger oft einen Zugang zu Dru­ckern hat­te, aber häu­fi­ger von Per­so­nen berich­te­ten, die auf die Erle­di­gung der Auf­ga­ben achteten.


Schul­schlie­ßung beein­flusst auch Wohlbefinden

Die For­schen­den frag­ten die Kin­der auch, wie es ihnen wäh­rend der ers­ten Schul­schlie­ßung ins­ge­samt gegan­gen ist. Die Ant­wor­ten erge­ben ein hete­ro­ge­nes Bild. Auf­fäl­lig ist, dass Kin­der mit För­der­be­dar­fen signi­fi­kant häu­fi­ger extre­me Emp­fin­dun­gen („über­haupt nicht gut“ oder „sehr gut“) angaben.

Ins­ge­samt sehen die For­sche­rin­nen Gresch und Schmitt Kin­der mit son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­dar­fen beim Ler­nen zuhau­se benach­tei­ligt. „Sie hat­ten zusätz­lich zu den bestehen­den Her­aus­for­de­run­gen teil­wei­se ungüns­ti­ge­re Lern­be­din­gun­gen und ver­brach­ten auch weni­ger Zeit mit Ler­nen. Wir sehen hier die Befun­de ande­rer Stu­di­en bestä­tigt, dass Ungleich­heit durch feh­len­den Prä­senz­un­ter­richt wei­ter ver­stärkt wird“, so Cor­ne­lia Gresch.

Der voll­stän­di­ge Bericht ist auf https://www.lifbi.de/Transferberichte zu finden.


Über das Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi)

Das Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi) unter­sucht Bil­dungs­pro­zes­se von der Geburt bis ins hohe Erwach­se­nen­al­ter. Um die bil­dungs­wis­sen­schaft­li­che Längs­schnitt­for­schung in Deutsch­land zu för­dern, stellt das LIf­Bi grund­le­gen­de, über­re­gio­nal und inter­na­tio­nal bedeut­sa­me, for­schungs­ba­sier­te Infra­struk­tu­ren für die empi­ri­sche Bil­dungs­for­schung zur Verfügung.

Kern des Insti­tuts ist das Natio­na­le Bil­dungs­pa­nel (NEPS), das am LIf­Bi behei­ma­tet ist und die Exper­ti­se eines deutsch­land­wei­ten, inter­dis­zi­pli­nä­ren Exzel­lenz­netz­werks ver­eint. Wei­te­re Groß­pro­jek­te, an denen das LIf­Bi betei­ligt oder füh­rend ist, sind die Geflüch­te­ten­stu­di­en ReGES und Bil­dungs­we­ge­Flucht oder das Inklu­si­ons­pro­jekt INSIDE. Grund­la­ge dafür sind die eige­nen For­schungs- und Ent­wick­lungs­ar­bei­ten, ins­be­son­de­re die fun­dier­te Instru­men­ten- und Metho­den­ent­wick­lung für längs­schnitt­li­che Bil­dungs­stu­di­en, von der auch ande­re Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen und ‑pro­jek­te profitieren.

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