Gottesdienst zum bundesweiten Caritas-Sonntag
„Die Caritas gehört zur Kirche“
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat die Caritas als Erbe und Auftrag der Kirche gewürdigt und dazu aufgerufen, diesen Auftrag zu erfüllen und zu erneuern.
Im Gottesdienst zum bundesweiten Caritas-Sonntag im Bamberger Dom sagte Schick: „Die Kirche hat diesen Auftrag immer als Auftrag für die Welt gesehen, damit sie heil und in Frieden sei.“ Die Caritas gehöre zur Kirche seit Anfang an: „Jesus hat sie uns aufgetragen. Wir sollen sie so üben, wie er es getan hat.“ Der jährliche Gottesdienst des Deutschen Caritas-Verbandes fand anlässlich des 100. Jubiläums des Bamberger Diözesanverbandes in Bamberg statt. Als Vertreter des Deutschen Caritasverbandes nahm dessen Vize-Präsident Heinz-Josef Kessmann an dem Gottesdienst teil.
„Caritas gelingt am besten, wenn Frauen und Männer, Jung und Alt, Katholiken, Evangelische und Orthodoxe, Kirche und Staat gemeinsam machen, was die Zivilisation der Liebe ausmacht und fordert“, so Schick in seiner Predigt. Immer wenn die Kirche in der Geschichte den karitativen Auftrag vernachlässigt habe, sei es ihr nicht gut gegangen, mahnte Schick und betonte: „Die Caritas gehört zur Kirche wie das Amen zum Gebet.“
Aufruf zur Unterstützung
Der Gottesdienst stand unter dem Caritas-Jahresthema „Das machen wir gemeinsam“ und eröffnete die Caritas-Sammlungswoche, die in Bayern vom 27. September bis 3. Oktober dauert. 80 Prozent seines Anteils am Ertrag der Sammlung wird der Diözesan-Caritasverband Bamberg in das Projekt „Digitale Bildung und Teilhabe“ geben. Es unterstützt gezielt Maßnahmen vor Ort in den Stadt- und Kreis-Caritasverbänden, den Pfarreien und den Fachverbänden. Die Maßnahmen sollen Menschen die Nutzung erleichtern, denen der Zugang zu digitalen Angeboten erschwert ist.
Erzbischof Schick erbat der Caritas ihren Segen und rief zur Unterstützung und zu Spenden auf. Wegen der Corona-Pandemie findet in vielen Pfarreien keine Haussammlung statt, bei der Ehrenamtliche von Tür zu Tür gehen und um Spenden bitten. An vielen Orten werden ausschließlich Flyer mit angehängtem Zahlschein oder Spendentütchen in die Briefkästen der Haushalte verteilt. Weitere Informationen gibt es unter https://caritas100.de/spenden/jubilaeumsspende/
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Zeichen gegen Hass, Ausgrenzung und Intoleranz setzen
26. Interkulturelle Wochen unter dem Motto „#Vielfalt geht“
Die Interkulturellen Wochen des Migrantinnen- und Migrantenbeirats der Stadt Bamberg bieten allen Bambergerinnen und Bambergern die Gelegenheit, die kulturelle Vielfalt der Stadt zu feiern, Begegnung jenseits ethnischer, religiöser und kultureller Grenzen wahrzunehmen sowie Vorurteilen, Hass, Rassismus oder Ausgrenzung entgegenzuwirken. Das ist auch bei der heute beginnenden 26. Auflage unter dem Motto „#Vielfalt geht“ so.
Bei der offiziellen Vorstellung des Programms im Rathaus Maxplatz würdigte Oberbürgermeister Andreas Starke die Veranstaltung als „ganz wichtigen Beitrag zur Förderung der Integration und Pflege der Demokratie.“ Er dankte insbesondere Mitra Sharifi und Dr. Marco Depietri, Vorsitzende des Migrantinnen- und Migrantenbeirats, für ihr Engagement. Zugleich forderte er alle Bürgerinnen und Bürger auf, die zahlreichen Angebote wahrzunehmen: „Es ist für jeden etwas dabei, die kulturelle Vielfalt ist eine Bereicherung für unsere Stadt“, so Starke.
Auftaktveranstaltung heute um 14 Uhr
Bürgermeister Jonas Glüsenkamp freute sich, dass nach der Pause durch die Corona-Pandemie nun zivilgesellschaftliche Initiativen wieder sichtbar und erlebbar werden. Der Dank von Mitra Sharifi ging an die vielen Akteure, die sich im Rahmen der Interkulturellen Wochen einbringen und das vielfältige Angebot ehrenamtlich ermöglichen. Dr. Marco Depietri hofft, dass sich möglichst viele am „Radeln gegen Rassismus und für Vielfalt“ beteiligen: Die Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Wochen startet heute gegen 14 Uhr auf dem Maxplatz. Besucht werden im Rahmen der Fahrradtour der Interkulturelle Garten auf der ERBA, das Bürgerhaus Gereuth, das Ankerzentrum und der Parkplatz Volkspark, wo einige Kurzbeiträge vom „Bündnis gegen Rassismus“ verfolgt werden können. Das Ende der Veranstaltung wird gegen 18 Uhr sein.
Das Anwerbeabkommen mit der Türkei jährt sich in diesem Jahr zum 60. Mal: Die Interkulturellen Wochen sollen die Gelegenheit bieten, dieses Kapitel Revue passieren zu lassen und insbesondere die Leistungen der Einwanderinnen und Einwanderer anzuerkennen. Darüber hinaus bieten die Interkulturellen Wochen ein breites Angebot für Begegnung. So lädt am 3. Oktober die Türkisch-Islamische Gemeinde zum „Tag der offenen Moschee“ in die Coburger Straße 27 ein. In Kooperation mit dem Verein „Freund statt fremd“ können geflüchtete Familien und Einzelpersonen am 22. Oktober eine Probe der Bamberger Symphoniker besuchen und den Orchesterbetrieb kennen lernen. Die SMV Heidelsteigschule, Schule ohne Rassismus und Schule mit Courage, lädt zur Ausstellung unter dem Motto „#Gemeinsam statt einsam“ vom 10. bis 12. November, jeweils von 10 bis 15 Uhr, in der Auferstehungskirche ein. Dass bekanntlich Liebe durch den Magen geht, davon zeugt eine ganze Reihe von Veranstaltungen: Mexikanischer Kochabend (8. Oktober), syrischer Kochabend (15. Oktober), Bunter Frühstückstreff (22. Oktober), fränkischer Kochabend (22. Oktober), Interkulinarisches (29. Oktober) und Interkulturelles Kochen (12. November) laden dazu ein, einmal über den Tellerrand zu gucken. Weitere Veranstaltungen sind zu finden unter http://www.mib.stadt.bamberg.de
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Ottoprozession im Zeichen der Bundestagswahl
Erzbischof Schick fordert Werte-Fundament für die Politik
Zwei Tage vor der Bundestagswahl hat Erzbischof Ludwig Schick für die Politik ein gemeinsames Fundament an Werten und Tugenden gefordert. Bei allen nötigen und angekündigten Veränderungen müsse auch die Frage gestellt werden: „Was muss bleiben und was soll Bestand haben, damit der anstehende Wandel gelingt und nicht ins Chaos führt?“, sagte Schick am Freitagabend bei der Ottoprozession in Bamberg.
„Seit Jahren erleben wir in der Politik auch Sprunghaftigkeit, Unüberlegtheit und Verunsicherung der Bevölkerung“, so der Erzbischof. Im vergangenen Bundestagswahlkampf seien Werte und ein Wertekanon kaum vorgekommen. „Wir lösen aber die konkreten Probleme nicht ohne ein gemeinsames Fundament an Werten und Tugenden. Die Frage: ‚Was muss bleiben?‘ sollte auch in der Politik öfter diskutiert werden.“
Zum notwendigen Wertekanon gehörten Versöhnungsbereitschaft und Frieden, Gewaltlosigkeit und Toleranz. Die Gewalttat von Idar-Oberstein habe gezeigt, was geschehe, wenn Rechthaberei, Wut und Zorn das Gespräch in Geduld und gegenseitiger Akzeptanz im christlichen Geist verdrängten. „Jesus Christus muss bleiben und sein Evangelium der Versöhnung und des Friedens, des Respekts und der Wertschätzung, der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit sowie der Einheit, die Vielfalt zulässt.“
Der heilige Otto, einer der drei Bamberger Bistumspatrone, hat sich als Bischof von Bamberg und Missionar der Pommern für Versöhnung, Friede und Einheit in Kirche und Welt eingesetzt. Die Ottoprozession vom Ottoplatz zur Jakobskirche soll jedes Jahr ein Zeichen sein gegen Gewalt, Krieg und Terror und für Versöhnung und Frieden.
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Seit Juli 2020 rund 4.100 Anträge aus der Region bewilligt
Region Bamberg: Gut 115 Millionen Euro Corona-Wirtschaftshilfen
115,2 Millionen Euro an Corona-Wirtschaftshilfen wurden laut IHK für Oberfranken Bayreuth seit Juli 2020 an 4.108 Antragsteller aus der Region Bamberg ausbezahlt.
„Die monatelangen Schließungen in etlichen Branchen war für viele Unternehmen existenzbedrohend. Die Coronahilfen konnten aber Schlimmeres verhindern”, so Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzende des IHK-Gremiums Bamberg.
Etwa 69,2 Millionen Euro flossen an Antragsteller aus dem Landkreis, weitere 46 Millionen Euro an Antragsteller aus der Stadt Bamberg. Diese Summe umfasst die Auszahlungen aus der November- und der Dezemberhilfe, den Überbrückungshilfen I bis III mit III Plus sowie der Neustarthilfe und der Neustarthilfe Plus. Die IHK München und Oberbayern war im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung für die Abwicklung der Wirtschaftshilfen zuständig. Zu den 115,2 Millionen Euro kommen noch die Gelder aus der Soforthilfe, die zu Beginn der Pandemie über die Regierung von Oberfranken ausbezahlt wurden.
Im Landkreis kam ein überdurchschnittlich hoher Teil der Corona-Wirtschaftshilfen, nämlich 60,2 Prozent, dem Wirtschaftsabschnitt Kunst, Unterhaltung und Erholung zugute.
In der Stadt und im Landkreis gingen insgesamt 48 Millionen Euro an Antragsteller aus diesem Sektor, das entspricht 41,7 Prozent. Weitere 40,5 Millionen Euro kamen Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben zugute, 8,2 Millionen Euro dem Handel und 5,0 Millionen Euro dem Verarbeitenden Gewerbe. Weitere 13,5 Millionen Euro flossen an Antragsteller in anderen Wirtschaftszweigen. Weigand: „Diese Beträge zeigen, wie weitreichend die Auswirkungen der Pandemie waren.”
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Über 136.000 Impfdosen verabreicht
Impfzentrum zieht in das Dr.-Pfleger-Zentrum um
Als Dr. Klaus Weiner am Mittwoch um 13.00 Uhr die Nadel zur Seite legte, war es die letzte Impfdosis gegen das Coronavirus, die im Impfzentrum in der Brose Arena an der Forchheimer Straße verabreicht wurde. Nun folgt der Umzug, ab morgen erfolgen die Impfungen in der Emil-Kemmer-Straße.
Exakt 136.055 Dosen waren es bis zu diesem Moment gestern Mittag, die seit der ersten Impfung Ende Dezember 2020 hier an den Mann und an die Frau gebracht wurden. Das wichtigste Kapitel der Pandemiebekämpfung wurde in Stadt und Landkreis Bamberg also zu großen Teilen in der Brose Arena geschrieben. Mit dem 23. September 2021 ist dieses Kapitel Geschichte: Das Impfzentrum Bamberg hat seine Koffer gepackt und ist umgezogen. Nötig wurde der Umzug des Impfzentrums, weil der Mietvertrag mit Beginn des Spielbetriebs in der Brose Arena ausgelaufen ist. Ab dem morgigen Freitag finden die Impfungen im ehemaligen Dr.-Robert-Pfleger-Zentrum in der Emil-Kemmer-Straße 3 statt. Betrieben wird es weiterhin von der MVZ Bamberg/Forchheim gGmbH.
Für Oberbürgermeister Andreas Starke war der Betrieb des Impfzentrums in der Brose Arena eine einzige Erfolgsgeschichte: „Binnen kürzester Zeit wurde im vergangenen Dezember das Foyer der Brose Arena in ein hochmodernes und effizient organisiertes Impfzentrum umgewandelt.“ Am 15. Januar 2021 war es dann soweit und die ersten aus der Personengruppe der Über-80-Jährigen erhielten ihre Erstimpfung. „Ich danke ausdrücklich allen Verantwortlichen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die hier von Beginn an mit großer Motivation und Professionalität eine äußerst verantwortungsvolle Arbeit geleistet haben – und dies am neuen Standort weiterhin tun werden“, so der Oberbürgermeister.
„Um die Pandemie auch weiterhin gut bewältigen zu können, brauchen wir auch in Zukunft ein leistungsfähiges Impf-Netzwerk“, so Landrat Johann Kalb. „Jeder, der sich zum eigenen und zum Schutz seiner nahestehenden Personen impfen lassen möchte, muss zeitnah ein Angebot bekommen. So kommen wir gut durch die Pandemie.“
Bis zu 1.233 Impfungen an einem Tag
Zum Start des Impfzentrums ging man von bis zu 600 Impfungen am Tag aus. Nachdem zunächst verminderte Impfstofflieferungen zu beklagen waren, verstetigten sich die Zahlen im Frühjahr und die Kapazität wurde auf die geforderten 1.000 Impfungen pro Tag ausgeweitet. Am 5. Juni wurde die Rekordzahl von 1.233 Erst- und Zweitimpfungen an einem einzigen Tag erreicht. Ab Anfang September wurden nun auch die ersten Auffrischungsimpfungen durchgeführt. Am Ende lautet die Gesamtbilanz in der Brose Arena: 72.028 Erstimpfungen, 63.548 Zweitimpfungen und 479 Auffrischungsimpfungen.
Das Team umfasst einen Pool von 49 Ärztinnen und Ärzten, 48 Medizinischen Fachkräften und 46 Verwaltungsmitarbeiterinnen ‑mitarbeitern, die in Vollzeit, Teilzeit und auf ehrenamtlicher Basis im Impfzentrum tätig sind.
Dr. Tobias Pfaffendorf, der als Geschäftsführer das Impfzentrum verantwortet, zeigte sich begeistert vom Geleisteten. „Das Team unter der Leitung von Frau Dietel-Curtis hat sich in kürzester Zeit flexibel auf die wechselnden Anforderungen eingestellt. Und das immer wieder aufs Neue. Es freut mich zu sehen, dass sich eine große Anzahl von Mitarbeitern, die sich zu Beginn kaum kannten, zu einem gut funktionierenden Team zusammengefunden haben. Sie haben eine außergewöhnliche Leistung erbracht!“
Auch wenn es jetzt am neuen Standort im verkleinerten Team weitergeht, so haben sich doch viele Mitarbeiter bereit erklärt, kurzfristig bei Bedarf wieder mit an Bord zu kommen um das Projekt „Impfzentrum Bamberg Stadt und Landkreis“ erfolgreich zu beenden. Aktuell ist der Betrieb bis Ende April 2022 geplant.
Ab Freitag, 24. September, kann man sich nun am neuen Standort dort zu den gewohnten Öffnungszeiten unbürokratisch impfen lassen, ohne Terminvereinbarung im Vorfeld. Es findet jeweils ein ärztliches Aufklärungsgespräch vor Ort statt. Die erforderlichen Unterlagen können ebenfalls vor Ort ausgefüllt werden.
Öffnungszeiten
Mo-Freitag: 8:30–13 Uhr
Mittwoch: 13:30–19 Uhr
Jeden 2. Samstag von 9–13 Uhr
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Damit der Nachwuchs sicher unterwegs ist
Schülerinnen und Schüler üben bei der Verkehrssicherheitswoche
Diese Aktionstage zum Schulstart haben Tradition: Grundschülerinnen und ‑schüler lernen auf den großen Parkplätzen hinter der Brose-Arena, worauf im Straßenverkehr zu achten ist. Es gilt einen Fahrradparcours zu bewältigen, den toten Winkel einzuschätzen und ein Busfahrtraining zu absolvieren.
Der Start an der Bus-Station macht direkt Eindruck auf die wartenden Schülerinnen und Schüler. Denn Stadtwerke-Busfahrer Harald Wessely lenkt das große Gefährt beim Bremsen vor der Haltestelle ein, und dabei macht der Bus ein Hütchen platt. Die Schulkinder haben nun mit eigenen Augen gesehen, warum man nicht direkt am Bordstein oder Straßenrand stehen sollte. Außerdem lernen die Zweitklässlerinnen und Zweitklässler, wie man am besten ein- und aussteigen sollte, die Schultasche im Stehen und Sitzen deponiert wird oder wie man sich beim Warten an der Haltestelle so aufstellt, dass die oder der nächste nicht die Schultasche ins Gesicht bekommt.
Die Tücken des „toten Winkels“
Die Kinder der dritten Klassen „wackeln“ währenddessen auf ihren Fahrrädern durch einen Parcours. Denn das „Schneckenrennen“ gewinnt, wer es am langsamsten schafft, ohne abzusetzen. „Das ist eine gute Vorbereitung für die Fahrradprüfung in der vierten Klasse“, erklärt Klaus Fuß, Verkehrserzieher bei der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Eine Station weiter lernen die großen Grundschulkinder der vierten Klassen, was ein „toter Winkel“ ist und warum dieser so tückisch sein kann.
Bambergs Zweiter Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp nahm sich Zeit und schaute bei einem Ortstermin vorbei. „Die Verkehrssicherheitswoche ist ein tolles und wichtiges Kooperationsprojekt. Ich wünsche mir, dass auch die Erwachsenen gerade in den ersten Schulwochen besonders aufmerksam im Straßenverkehr sind und Rücksicht nehmen.“
Insgesamt 20 Klassen je Jahrgangsstufe nehmen 2021 an der Aktionswoche teil, die dieses Jahr zum 12. Mal stattfindet. Organisiert wurde sie vom städtischen Amt für Bildung, Schulen und Sport gemeinsam mit den Stadtwerken Bamberg und der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Außerdem beteiligen sich die Kreisverkehrswacht Bamberg, die Sparkasse Bamberg, das Busunternehmen Basel, die Fahrschule Lisowski und die Brose Arena.
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IG BAU startet „Lockruf in die Wahlkabine“
Spitzen-Arbeitspensum: Bauarbeiter in der Region Bamberg arbeiten knapp 1.500 Stunden pro Jahr
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt weist darauf hin, dass die Bauarbeiter ein enormes Pensum im Vergleich zu anderen Beschäftigten leisten, und ruft zum Gang an die Wahlurne am kommenden Sonntag auf. Es gehe darum, die Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen, klar auf den Punkt zu bringen.
Bauarbeiter leisten „Spitzen-Arbeitspensum“: Pro Kopf arbeiten Baubeschäftigte im Landkreis Bamberg im Schnitt 1.473 Stunden im Jahr, in der Stadt Bamberg sind es 1.493 Stunden. Das sind 179 Stunden im Kreis beziehungsweise 177 Stunden in der Stadt mehr als Beschäftigte hier quer durch alle Berufe durchschnittlich bei der Arbeit verbringen.
Darauf hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hingewiesen. Die IG BAU Oberfranken beruft sich dabei auf den aktuellen Arbeitsmarkt-Monitor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Wissenschaftler haben darin eine Arbeitszeitanalyse für 2019 – dem Jahr vor der Corona-Pandemie – gemacht.
„Der Bau gehört demnach zu den Branchen mit einem Spitzenpensum bei der Arbeitszeit“, sagt Gerald Nicklas. Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Oberfranken geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitsstunden, die Bauarbeiter leisten, aktuell eher sogar noch zugenommen hat: „In der Pandemie hat es einen enormen Auftragsstau im Baugewerbe gegeben. Für viele Baubeschäftigte sind Überstunden ohnehin an der Tagesordnung.“
„Sie sind körperlich einfach Jahre früher am Ende“
Der Arbeitsmarkt-Monitor des WSI liefert auch den Vergleich mit dem öffentlichen Dienst, dem Erziehungsbereich und dem Gesundheitssektor: Demnach werden auf dem Bau im Landkreis Bamberg sogar 353 Stunden pro Kopf im Jahr mehr gearbeitet als in diesen Branchen, in der Stadt sind es 207 Stunden. „Das liegt vor allem daran, dass auf dem Bau gilt: entweder ganz oder gar nicht. Vollzeit plus Überstunden – das ist die Regel: Den ‚Halbtagsmaurer‘ gibt es nicht. Bei oft langen Anfahrten zur Baustelle von 60 Kilometern und mehr funktioniert kein Teilzeitmodell“, so Gerald Nicklas.
Das bedeute, dass Baubeschäftigte „enorm lange und enorm hart am Stück arbeiten“. Die körperliche Belastung im Laufe eines Berufslebens sei auf dem Bau gewaltig: „Kaum ein Dachdecker schafft es bis zur Rente. Nur jeder Zehnte arbeitet noch zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Im Schnitt müssen Bauarbeiter vor 59 in Rente gehen, obwohl sie eigentlich bis 67 durchhalten müssten. Sie sind körperlich einfach Jahre früher am Ende und müssen dann zum Teil starke Abstriche bei der Rente in Kauf nehmen“, sagt Gerald Nicklas von der IG BAU Oberfranken.
Zur geringeren Rente komme dann auch noch eine geringere Lebenserwartung. Bei Männern sei dies besonders drastisch. So lebe ein Beamter statistisch zum Beispiel 5,6 Jahre länger als ein Arbeiter. Entsprechend länger bekomme er auch seine Pension. Das gehe aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. „Hart arbeiten und dann am Ende für eine kürzere Zeit weniger Rente bekommen – damit muss Schluss sein“, fordert Gerald Nicklas.
„Der Bau in der Region Bamberg ist typisch für das hohe Pensum an Arbeitsstunden, das im Baugewerbe geleistet wird. Wer mehr und härter arbeitet, sollte am Ende allerdings auch eine höhere Rente bekommen als heute. Die neue Bundesregierung muss deshalb die Rente ab Herbst anpacken und auf neue Füße stellen: Wir müssen endlich Altersarmut effektiver verhindern. Und auch eine geringere Lebenserwartung muss ausgeglichen werden“, fordert der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger. Er spricht sich für eine „grundlegende Rentenreform“ aus: „Bei der Rente muss die Reset-Taste gedrückt werden. Notwendig ist eine Rentenkasse, in die alle einzahlen – Arbeiter, Angestellte, Selbständige, Beamte, Parlamentarier und Minister: der Polier genauso wie die Professorin und der Politiker.“
Damit das passiere, sei eine Botschaft wichtig: „Eine sichere und gute Rente kann man wählen“, so Feiger. Der IG BAU-Chef appelliert deshalb, „einen kritischen Blick in die Wahlprogramme der Parteien zu werfen und genau zuzuhören, was von denen kommt, die in den Bundestag und ins Kanzleramt wollen“. Die Ziele der Parteien zur Rente seien sehr unterschiedlich. Die Gewerkschaft hat deshalb jetzt einen „Lockruf in die Wahlkabine“ gemacht – Wahl-Clips mit der Aufforderung: „… iXen gehen!“. Es sind Film-Spots mit skurrilen Szenen und kuriosen Charaktertypen – wie dem „Marathon-Schufter“ auf einer Baustelle, der mit 78 Jahren noch Säcke auf dem Bau schleppen muss. Dazu der Kommentar: „Deutschland, deine Rentner. Solange sie noch atmen, sollen sie auch arbeiten.“
Die IG BAU macht damit einen „Weckruf zur Wahl“: „Es geht darum, die Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen, klar auf den Punkt zu bringen – mit einem Augenzwinkern. Ob per Briefwahl am Küchentisch oder am 26. September in der Wahlkabine: Wichtig ist, dass die Menschen wählen gehen“, sagt der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger.
Der Wahl-Clip „Rente“ mit einem „Marathon-Schufter“ ist zu finden unter https://igbau.de/Rente-wählen
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Endlich mit Rollator Busfahren
Kurs für Senioren sorgt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr
15 Damen und Herren haben das Angebot des Seniorenbüros der Stadt Bamberg, der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt und weiterer Akteure begeistert angenommen. Die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer fühlen sich dank verschiedener Übungen nun sicherer im Umgang mit dem Rollator.
Das Strahlen der Dame Ende 70 ist trotz Maske unübersehbar: „Ist das toll, heute habe ich viel Neues gelernt. Zum Beispiel, dass ich keine Angst haben muss, dass der Bus einfach losfährt, obwohl ich noch nicht ganz drin bin.“ Harald Wessely, Fahrer bei den Stadtwerken Bamberg, nickt. Gemeinsam mit Franz Werner, Verkehrserzieher bei der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, stellt er direkt die Situation nach: Der Polizist steht mit Rollator in der hinteren Bustür, der Busfahrer drückt den Knopf – die Türen wollen schließen, springen aber sofort wieder auf, als sie den Rollator berühren. Die Botschaft: Hier wird niemand eingeklemmt.
„Niemals mit dem Rollator voraus aussteigen!“
Natürlich wird beim Kurs „Sicher unterwegs mit Gehhilfe, Rollator und zu Fuß“ nicht in erster Linie zugeschaut, sondern geübt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Fuß erklärt Verkehrserzieher Franz Werner, was beim Busfahren mit Rollator zu beachten ist. „Niemals mit dem Rollator voraus aussteigen! Da besteht die Gefahr, vorne über zu stürzen.“ Stattdessen: Rückwärts aussteigen, vorwärts einsteigen. Wie das genau geht, darf jeder selbst üben. Stefanie Hahn, Seniorenbeauftragte der Stadt Bamberg, merkt an: „Wir kriegen von den Stadtwerken die Rückmeldung, dass im Realbetrieb ein Unterschied erkennbar ist. Dort sieht man, wer das sichere Ein- und Aussteigen gelernt hat.“
Apropos Sicherheit: Bei den Gleichgewichtsübungen mit den Fachleuten von Saludis, Zentrum für rehabilitative Medizin der Sozialstiftung, kann es schon mal ein bisschen wackelig werden. Doch genau darum geht es – den Gleichgewichtssinn trainieren, ohne die eigenen Grenzen zu überschreiten. Zum Beispiel, um mit ein paar Schritten zum Rollator zu gehen. Diesen konnten die Seniorinnen und Senioren am Servicewagen vom Mediteam durchchecken lassen. Ist die Höhe richtig eingestellt? Wie lässt sich die Gehhilfe am besten aufklappen? Und warum sind Klingel und Reflektoren sinnvoll?
Bambergs Zweiter Bürgermeister und Sozialreferent, Jonas Glüsenkamp, zeigte sich angetan und rief gleichzeitig auf: „Das ist ein wirklich tolles Angebot. Haben Sie keine Scham, sich zu melden! Wir führen bereits eine Warteliste.“ Denn der zweite Kurstermin im Oktober ist bereits ausgebucht. Doch das Organisationsteam prüft gerade, ob sich ein weiteres Training realisieren lässt. Bis dahin darf man ruhig auch mal seine Mitmenschen einbinden: „Es findet sich im Bus immer jemand, der Hilfe anbietet“, stellt eine Seniorin fest.
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Bamberger Literaturfestival „BamLit“
Literatur-Event für Bamberg und Umgebung
Vom 27. September bis zum 18. Oktober findet die sechste Ausgabe des Bamberger Literaturfestivals in Bamberg und Umgebung statt. Beim „BamLit“ 2021 lesen unter anderem Michel Friedman, Hubert Achleitner, Anne Siegel und Sven Regener. Auch lokale Autoren wie David Saam und Paul Maar sind dabei. Anfang September haben wir mit Gaby Heyder, Geschäftsführerin des Co-Ausrichters Veranstaltungsservice Bamberg, über den Stand der Vorbereitungen gesprochen.
Frau Heyder, Covid19-bedingt gab es einen langen Stillstand im Kulturbetrieb. Schlägt sich der Wiederbeginn des Betriebs, rund drei Wochen vor Start des „BamLit“, bereits in einem ausgeprägten Publikumszuspruch nieder oder ist das potentielle Publikum noch zurückhaltend?
Gaby Heyder: Unsere Werbung konzentriert sich vorwiegend auf den September. Aber es gibt schon anhaltende Nachfrage aus dem April und Mai, der je nach Autorin oder Autor unterschiedlich ausfällt. Hohe Nachfrage gibt es zum Beispiel bei Sven Regener und Daniel Kehlmann und da sind wir froh, dass wir jetzt für deren Lesungen noch Kontigente freigeben können. Bis auf die Absage von Marianne Koch konnten wir das komplette Programm wie ursprünglich geplant übernehmen. Aber tagesaktuell bitten wir das Publikum sich auf bamlit.de zu informieren.
Hat Ihnen das Rettungs- und Zukunftsprogramm Neustart Kultur der Bundesregierung bei der Finanzierung des „BamLit“ 2021 geholfen?
Gaby Heyder: Nein, da gab es keine finanzielle Unterstützung. Das „BamLit“ ist eine Gesellschaft, die Bamberger Literaturfestival UG, mit den Gesellschaftern Veranstaltungsservice Bamberg GmbH, Stadtmarketing und der Osiandersche Buchhandlung Gmbh. Wir arbeiten ehrenamtlich im Auftrag des Landkreises, der offizieller Veranstalter ist. Und wir hoffen auch mit der sechsten Ausgabe keinen Verlust zu machen, trotz der Verlegungen von Januar über April bis hin in den September und Oktober.
Der Schwerpunkt Ihres Kulturbetriebs liegt seit über 30 Jahren auf Konzerten und Musik-Events. Wann und warum haben Sie sich entschieden, auch im Literaturbereich tätig zu werden?
Gaby Heyder: Paul Maar wies bei einem Neujahrsempfang der Stadt Bamberg 2015 darauf hin, dass im reichen Kulturangebot der Stadt ein Literaturfestival fehle. Dies nahmen Klaus Stieringer vom Stadtmarketing, das Team von Hübscher, heute Osiander, Landrat Johann Kalb und mein Mann, Wolfgang Heyder, zum Anlass, ab 2016 das „BamLit“ auszurichten.
Spielt die literarische Gattung eine tragende Rolle oder versuchen Sie stilistisch breit zu streuen?
Gaby Heyder: Unser Schwerpunkt liegt in diesem Jahr bei Sachbüchern, ansonsten wird inhaltlich immer breit gestreut. Bekannte Namen wie zum Beispiel Michel Friedmann sollen sich mit Lokalgrößen Marke Christian Fiedler ergänzen. In der Corona-Zeit haben einige Autorinnen und Autoren bereits neue Werke herausgebracht, mit denen sie dann sogar ganz aktuell nach Bamberg kommen.
Den Bamberger Literaturschaffenden wird somit beim „BamLit“ viel Raum gegeben. Sind deren Auftritte sozusagen das Bindeglied zwischen Festival und Stadt und Landkreis?
Gaby Heyder: Nicht unbedingt das Bindeglied, aber sie stehen für Lokalkolorit und passen gut zu den Schwerpunkten, die wir hatten, wie das Thema Krimi, oder in diesem Jahr haben, wie das Thema Bier.
Das diesjährige „BamLit“ gliedert sich derzeit in 36 Erwachsenenlesungen und knapp 20 Kinderlesungen. Ein ziemlich großer Anteil.
Gaby Heyder: So hoffen wir, junge Leserinnen und Leser zu spannenden Lesungen in Stadt und Landkreis zu locken und ihre Freude am Lesen zu wecken. Das Kinderprogramm ist komplett eintrittsfrei. Die intensive Kooperation mit Schulen und Büchereien läuft, die Prognosen zur Durchführbarkeit sind aber noch vage.
Welche Bedeutung fällt den jeweiligen Locations bei den einzelnen Lesungen zu?
Gaby Heyder: Durchaus eine tragende Rolle, denn verschiedene Locations ziehen auch ein unterschiedliches Publikum an. Wir haben viel ausprobiert und festgestellt, dass Lesungen Flair brauchen. Und dann hat sich gezeigt, dass es durchaus Orte wie das Bistumshaus, das Theater oder die Szenenflächen im Ertl-Zentrum gibt, die hervorragend zu unserem Konzept passen.
Den Auftakt macht am 27. September die Lesung von Michel Friedman mit „Zeitenwende – Der Angriff auf Demokratie und Menschenwürde“. Keine leichte Kost gleich zu Beginn, aber dient die Lesung auch, um den Wert des Festivals in Sachen Infotainment zu unterstreichen?
Gaby Heyder: Genauso ist es. In eine ähnliche Richtung zielt der Auftritt von Wolfgang Hirn mit seinem Thema „Die Weltwirtschaft von morgen“ oder auch Fritz Habekuß mit „Zukunftsfrage Artensterben: Wie wir die Ökokrise überwinden“. Nicht zu vergessen Ralph Caspers vom KIKA mit „Wie wir Kindern in Trauer helfen können“ und die Matinee-Lesung mit Ohrenkuss in der KUFA. Aber natürlich gibt es auch das typische Unterhaltungsprogramm mit dem „Bob Dylan Abend“ oder „Heinz Erhardt Privat“ mit seiner Tochter.
BamLit
27. September bis 18. Oktober
TiG – Theater im Gärtnerviertel
Experimentierfreudiges Theater an ungewöhnlichen Orten
Am 24. September eröffnet das TiG – Theater im Gärtnerviertel seine neue Spielzeit mit Friedrich Schillers Klassiker “Die Jungfrau von Orleans”. Stephan Bach, Jonathan Bamberg, Valentin Bartzsch, Ursula Gumbsch und Martin Habermeyer spielen, TiG-Leiterin Nina Lorenz führt Regie. Mit ihr haben wir uns zum Interview getroffen.
Frau Lorenz, in welchem Zustand startet das TiG in die Spielzeit 2021//2022?
Nina Lorenz: Wir haben einen ereignisreichen Sommer hinter uns und haben mit unserem TiG-Sommertheaterfestival versucht, die Monate Juni, Juli und August bestmöglich zu nutzen, um mehrere Produktionen und viel Live-Theater anzubieten. Für die neue Spielzeit 2021//2022 sind wir gut gerüstet und hoffen, unseren Spielplan aufrecht halten zu können. Jedoch, es hängt nicht von uns alleine ab.
Welche Änderungen gab es in den zurückliegenden eineinhalb Jahren?
Nina Lorenz: Die Änderungen haben sich auf das Nicht-Spielen können belaufen. Das waren harte Einschnitte, auch finanziell. Ansonsten ist das Ensemble konstant geblieben, keiner musste gehen und neue Gesichter sind dazu gekommen.
Wie hat sich die Sponsoren- und Förderlage entwickelt?
Nina Lorenz: Die Sponsoren haben uns die Treue gehalten, ebenso ist der Freundeverein des TiG eine großartige Unterstützung. Ein Teil der gestellten Förderanträge wurde allerdings gekürzt, was gerade in diesen Zeiten umso schwerer wiegt.
Nach einem Jahr, in dem kulturelle Institutionen durch die Politik mehr oder weniger ignoriert wurden – sind Sie nach wie vor überzeugt, mit dem Theater das Richtige zu tun oder hat die Pandemie Zweifel aufkommen lassen?
Nina Lorenz: Nein, die Pandemie hat keine Zweifel aufkommen lassen. Kunst und Kultur und speziell Theater sind wichtig und nicht wegzudenken aus unserer Gesellschaft. Theater bietet den gemeinsamen Atem und das gemeinsame Erleben, ist einmalig und immer live. Der Austausch zwischen dem Publikum und den Schauspieler*innen auf der Bühne schafft einen gemeinsamen Raum und bestenfalls können wir durch diesen Austausch Dinge bewegen und Perspektiven verändern.
Heißt es jetzt also “jetzt erst recht”?
Nina Lorenz: Es heißt, weitermachen!
Warum haben Sie für die Spielzeiteröffnung am 24. September “Die Jungfrau von Orleans” ausgewählt?
Nina Lorenz: In der „Jungfrau von Orleans“ geht es um Glaubenskriege und einen großen Fanatismus der Figur der Johanna. Ihr mitleidloses und blindes Handeln macht sie zu einem Werkzeug der Mächtigen, der Politiker und der Pragmatiker. Sie wird benutzt und taktisch eingesetzt. Damit sind wir sehr nah dran an der heutigen Zeit und Assoziationen zu sich radikalisierenden Jugendlichen, die still in den heiligen Krieg ziehen oder sich als rechtsradikale Gottes-Kämpfer sehen und für ihre vermeintlich richtige Sachen kämpfen, stellen sich ein, da kann man auch an die Morde des NSU denken. Das Leben der Jeanne d‘Arc wurde von vielen Seiten benutzt und für eigene Zwecke ausgenutzt und missbraucht, bis heute, bis zu Marie Le Pen. Aus diesem Grunde ist dieser Stoff, dieses Stück, hoch aktuell. Und es erzählt vom Krieg, den Grausamkeiten und dem Grauen im Krieg. Auch das hat bis heute nicht aufgehört.
“Die Jungfrau von Orleans” ist eines der am häufigsten gespielten Stücke von Friedrich Schiller. Was wird die Inszenierung des TiG bieten, das noch nicht zu sehen war?
Nina Lorenz: Wir setzen mit der Inszenierung unsere eigenen Akzente und verknüpfen das Ganze mit der Musik. Live an der Orgel begleitet Ingrid Kasper die Inszenierung, in Kooperation mit der Kirchenmusik St. Stephan sind der musica-viva-chor bamberg, der Chor der Kantorei, der Jugendkantorei und der Gospelchor St. Stephan zu erleben. Der Spielort ist St. Stephan Bamberg – wir spielen im Hauptschiff der Kirche, dürfen den Altar überbauen und zentral in der Kirche spielen. Eine großartige Möglichkeit, die uns die Gemeinde St. Stephan bietet!
Wie sehen Ihre Planungen aus, falls steigende Inzidenzen Kulturaufführungen erneut gefährden sollten?
Nina Lorenz: Viele Möglichkeiten haben wir nicht. Bei „Die Jungfrau“ würden wir nicht nochmal um ein Jahr verschieben, sondern daraus einen Film machen. Aber das hoffen wir nicht.
Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie den weiteren Spielplan zusammengestellt?
Nina Lorenz: Der neue Spielplan beinhaltet Stücke, die, coronabedingt, im letzten Jahr ausfallen mussten, wie „Die Jungfrau von Orleans“ und „Die Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht, die ab März 2022 geplant ist. Spielort bleibt die Malerwerkstatt der Handwerkskammer für Oberfranken, darüber freuen wir uns sehr. Für die weiteren Stücke planen wir, heutige Autor*innen zu Wort kommen zu lassen.
Auf was kann sich das Publikum in der kommenden Spielzeit gefasst machen?
Nina Lorenz: Auf spannendes, lebendiges, experimentierfreudiges Theater an ungewöhnlichen Spielorten.
TiG – Theater im Gärtnerviertel
„Die Jungfrau von Orleans“
24. September, 20 Uhr
St. Stephan Bamberg, Stephansplatz 5
Weitere Informationen unter: