Bilanz 2020 weist ein Übernachtungs-Minus von 41,4 Prozent aus
Schmerzliches Jahr für den Bamberger Tourismus
Nur wenige Branchen haben die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen so drastisch erfahren müssen wie der Tourismus. Nach den offiziellen Übernachtungszahlen des Statistischen Landesamtes verzeichnet Bamberg ein Minus von 41,4 Prozent bei den Übernachtungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019, wie die Stadt Bamberg mitteilt.
Im Frühjahr 2020 wurde das Reisen mit als erstes verboten und alle entsprechenden Betriebe geschlossen, und auch im Jahr 2021 wird das Reisen wohl zu den letzten Bereichen des öffentlichen Lebens gehören, die wieder frei agieren können. Die Umsatzeinbußen im Gastgewerbe und im Bereich der touristischen Dienstleistungen sind immens, viele Anbieter versuchen sich mit Überbrückungshilfen, Novemberhilfen und Kurzarbeit weiter über Wasser zu halten.
Nun liegen die offiziellen Übernachtungszahlen des Statistischen Landesamtes für das Jahr 2020 vor und warten mit der ersten offiziellen Gesamtstatistik für das vergangene Jahr auf. Sie machen unmissverständlich deutlich, wie sehr die Branche unter den Einschränkungen gelitten hat.
Verzeichnete Bamberg im Jahr 2019 noch 753.220 Übernachtungen, so fällt die Zahl der Übernachtungen für 2020 auf 441.424 zurück, ein Minus von 41,4 Prozent. Dieser Rückgang unterstreicht in seiner Höhe noch einmal die dramatische Situation für die Branche insgesamt. Mit Bekanntgabe der Jahresstatistik legt der Bamberg Tourismus & Kongress Service (TKS) gleichzeitig auf dem Tourismusblog „Tourismus in Bamberg – Die Bilanz des Jahres 2020“ seinen Jahresbericht vor und zeigt unter anderem die Verluste in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen dieses wirtschaftlich tätigen städtischen Betriebs auf. Ganz massiv ist der Rückgang im Bereich der Gruppenreisen, die 2020 so gut wie ganzjährig nicht möglich waren. Hier beklagt der TKS Verluste von rund 90 Prozent. Auch wenn der Sommer durch den Zuspruch vieler Gäste, vor allem aus dem Inland, weniger dramatisch verlaufen ist als der Rest des Jahres, so fällt auch die Gesamtbilanz bei den Stadtführungen, dem stärksten Umsatzbringer des TKS, mit einem Verlust von 76 Prozent äußerst negativ aus. Nur 2.747 Führungen gab es zuletzt im Wendejahr 1989, der Umsatz von 220.670 Euro fällt entsprechend mager aus. Auch der Umsatz durch den Verkauf in der Tourist Info liegt mit 288.267 Euro nur bei 55 Prozent eines normalen Jahres.
Viele Wirtschaftszweige leiden mit
„Alles in allem ein verheerendes Jahr für den Tourismus in Bamberg“, so der städtische Tourismusreferent Dr. Stefan Goller. „Besonders schmerzlich ist diese Entwicklung für die vielen Anbieter touristischer Dienstleistungen und für das Gastgewerbe, aber auch für Kulturanbieter, die normalerweise auch massiv von auswärtigen Besucherinnen und Besuchern profitieren. Letztlich leiden aber viele weitere Wirtschaftszweige ebenfalls unter dem Verlust der Touristen, vom Bäcker bis zum Taxiunternehmen, vom Einzelhandel bis zur Veranstaltungsbranche. In einem normalen Jahr erwirtschaftet der Tourismus in Bamberg über 330 Mio. Euro Bruttoumsatz.“
Michael Heger, Leiter des TKS, verbreitet dennoch Zuversicht: „Es geht jetzt für unsere vielen Partner in Bamberg und im Bamberger Land darum, die nächsten Wochen wirtschaftlich durchzustehen, bis nach Ostern die Pandemie hoffentlich stärker in ihre Schranken verwiesen werden kann und erste Lockerungen auch das Reisen betreffen können. Studien zeigen, dass die Reiselust der Deutschen ungebrochen ist. Es wird auch 2021 den Trend zum sicheren Urlaub im eigenen Land geben und davon werden wir in Bamberg und im Bamberger Land wieder profitieren können. Wir stehen mit unseren Angeboten und den digitalen Buchungsmöglichkeiten trotz Kurzarbeit und Home-Office jederzeit bereit, wenn wir seitens Politik und Pandemielage grünes Licht bekommen.“
Der ausführliche Jahresbericht mit Informationen zu den Statistiken und zu den wichtigsten Entwicklungen des Jahres 2020 im TKS und im Bamberg-Tourismus ist zu finden auf https://blog.bamberg.info/tag/tourismusstatistik/
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Trendauswertung Konjunktur Bamberg
Deutlich trübere Aussichten
Der Jahreswechsel stand auch für die Wirtschaft in Stadt und Landkreis Bamberg unter schwierigen Vorzeichen, wie die IHK für Oberfranken Bayreuth mitteilt. In der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage vermelden die befragten Bamberger Unternehmen eine deutlich schlechtere aktuelle Geschäftslage als noch im Herbst 2020.
Zu den Erwartungen an die kommenden zwölf Monate hingegen äußern sich die Befragten etwas optimistischer. „Wie die gesamte Wirtschaft leiden auch die Unternehmen der Region Bamberg stark unter der Corona-Pandemie. Branchenübergreifend sind viele Betriebe zum Nichtstun verdammt oder verzeichnen wegen der staatlichen Beschränkungen hohe Umsatzeinbußen. Alle setzen ihre Hoffnungen auf Lockerungen für die Geschäftswelt, die für kräftigen Rückenwind sorgen können. Die jüngsten Entscheidungen der Politik geben aber nur wenig Anlass zur Hoffnung. Klare Perspektiven fehlen nach wie vor“, so Sonja Weigand, IHK-Präsidentin und Vorsitzende des IHK-Gremiums Bamberg. Der Konjunkturklima-index für die Region Bamberg gibt aktuell um acht Punkte nach und liegt nun bei 91 Zählern.
Das Auf und Ab der Geschäftslage setzt sich auch im neuen Jahr fort. Nachdem im letzten Frühjahr die Werte massiv eingebrochen waren, erholte sich die Geschäftslage im Herbst zunächst wieder, um zu Jahresbeginn erneut deutlich nachzugeben. 43 Prozent der Betriebe aus Stadt und Landkreis Bamberg bewerten ihre aktuelle Geschäftslage schlecht, nur 27 Prozent nennen sie gut. Damit rutscht die Lagebeurteilung im Saldo merklich in den negativen Bereich. „Das Ergebnis sagt viel über den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft aus und ist durchaus alarmierend. Immer mehr unserer Mitgliedsunternehmen kämpfen inzwischen um ihre Existenz“, so Weigand. Knapp die Hälfte der Befragten berichtet auch von einer negativen Umsatzentwicklung. Dies betrifft sowohl Umsätze im In- und im Ausland. Demzufolge leidet bei diesen Unternehmen auch die Kapazitätsauslastung oder befindet sich auf einem niedrigen Niveau.
Die Hoffnung bleibt bestehen
Die Bamberger Unternehmen schreiben die kommenden Monate aber noch nicht ab. Ein Viertel der Befragten rechnet mit einer Verbesserung der Geschäftslage, weitere 49 Prozent gehen von keiner gravierenden Veränderung aus, 26 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Dies zeigt die Zuversicht, die eine überwiegend große Zahl dennoch verspürt. Ähnlich stabile Erwartungen formulieren die Firmen auch bei der Einschätzung der künftigen Umsatzentwicklung im In- und Ausland. „Die Wirtschaft traut sich weiterhin viel zu. Grundvoraussetzung für eine Erholung sind aber nachhaltige Lockerungen der Corona-Beschränkungen für die Betriebe, damit die Unternehmen wieder Planungssicherheit erlangen. Wir sind zuversichtlich, sonst wären wir keine Unternehmer. Etliche Unternehmen aber werden diese Krise wohl nicht überstehen, weil für sie die Geschäftstätigkeit zu lange eingeschränkt oder unmöglich war und die öffentlich zugesagten Hilfen nicht oder einfach zu spät ankommen“, erläutert die Präsidentin.
Deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt
Der derzeitige Lockdown hat nach Einschätzung der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer negative Folgen für den Arbeitsmarkt. Dazu kommt im Raum Bamberg die ohnehin schwierige Lage der Automobilzulieferindustrie. Teile der Wirtschaft sind daher gezwungen, ihre Belegschaft zu reduzieren. „Unternehmen können nicht in ihrem Geschäft eingeschränkt oder gar gänzlich geschlossen werden, ohne dass dies nachhaltige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat“, betont Weigand. Ein gewisser Erholungseffekt ist aber auch für den Arbeitsmarkt zu erwarten, sobald das Geschäftsleben in allen Branchen wieder durchstarten kann.
Sorgen macht sich die IHK-Präsidentin auch um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes. „Die Basis und die Stärke des Wirtschaftsstandortes Oberfranken sind die vielen, soliden, familiengeführten mittelständischen Unternehmen. Schon in wirtschaftlich guten Zeiten ist es für zahlreiche Unternehmer schwer, die Nachfolge in der eigenen Familie zu regeln. Jetzt, in so schwierigen Zeiten, ist diese Herausforderung noch ungleich größer. Verlieren wir diese Unternehmen, wird dem Wirtschaftsstandort Prosperität und damit Wettbewerbsfähigkeit verloren gehen“, so Sonja Weigand.
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Stadtbücherei Bamberg
„Büchereien sind mehr als nur Bücherlager”
Die Stadtbücherei Bamberg und ihre Zweigstellen hatten 2020 zwar weniger Öffnungstage als 2019, dafür aber einen höheren Tagesschnitt an Entleihungen. Christiane Weiß, die Leiterin der Bücherei, konnte vor allem einen Zuwachs des Interesses an Kinder- und Jugendliteratur verzeichnen. Wie dieser Zuwachs zustande kommt, erklärt sie im Interview.
Frau Weiß, wie hat die Stadtbücherei die zurückliegenden Monaten erlebt?
Christiane Weiß: Bis zum 15. März letzten Jahres lief alles normal. Danach hatten wir den ersten Lockdown und alles hat sich umgekrempelt, die Bücherei hatte geschlossen und es herrschte große Unsicherheit. Aber dann haben wir angefangen, die Räumlichkeiten pandemietauglich zu machen, alle Sitzmöbel weggeräumt, alles gereinigt und ein Hygienekonzept eingeführt. Mit anderen Worten haben wir alles getan, damit das Virus nirgendwo anheften kann, dadurch der Bücherei aber auch leider ihre ganze Aufenthaltsqualität weggenommen.
Anfang Mai konnten wir mit zitternden Herzen und hohen Auflagen wieder öffnen. Aber die Bücherei war sozusagen nackt – es gab keinen einzigen schönen Sessel mehr, dafür riesige Abstände, einen extra Eingang und Einlassbeschränkungen. Und kleine Kinder waren überhaupt nicht erlaubt. Das hat uns wehgetan und das hat den Kunden wehgetan. Aber wir haben dazugelernt und konnten dann im Sommer, als die Infektionszahlen sanken, die eine oder die andere Regel entschärfen und die Bücherei langsam für uns und unsere Benutzer „zurückerobern“.
Was passierte als Ende Oktober erneut der Lockdown verordnet wurde?
Christiane Weiß: Als am 30. Oktober der Lockdown-Light begann, waren Büchereien noch ausgenommen und konnten offen bleiben. Das hat uns natürlich sehr gefreut. Am 26. November, es war ein Donnerstagabend, erfuhren wir allerdings, dass zum 1. Dezember, dem Dienstag, wieder alles geschlossen wird. Das ist bekanntermaßen seitdem so geblieben. Als Mitte März die Schließung der Bücherei verordnet worden war, wurden wir in den Tagen davor von den Kunden, die sich eindecken wollten, noch regelrecht überrannt. Das wollten wir nicht wieder erleben. An jenem Wochenende Ende November vor dem Lockdown sollten sich auch alle nochmal mit verschiedenen Medien eindecken können, aber diesmal in verantwortlichen Bahnen. Das haben wir mit zusätzlichen Öffnungsstunden ganz geordnet unter Einhaltung der AHA-Regeln geschafft. Und im Zeitraum von Freitag bis Montag haben wir elf Prozent unseres Gesamtbestandes – das sind über 12.000 Medien – an unserer Benutzer entliehen. Die Zahl der Gesamtentleihungen 2020 betrug übrigens 563.400 Medien.
Zum 21. Januar hat die bayerische Staatsregierung den Abholdienst “Click and Collect” für Büchereien wieder erlaubt. Dabei kann man online beispielsweise ein Buch, das man ausleihen möchte, bestellen und dann vor Ort in der Bücherei abholen. Wie läuft es damit?
Christiane Weiß: Wir konnten sofort auf die Erlaubnis reagieren, weil wir, der Bibliothekenverband, und auch viele andere, sich bereits stark für die Einführung von Click and Collect eingesetzt und die nötigen Konzepte schon ausgearbeitet hatten. Diese Leihmöglichkeit hat sehr viel Druck genommen und wird sehr gut angenommen.
Ist die Stadtbücherei von den Kürzungen im städtischen Kulturbudget betroffen?
Christiane Weiß: Ja. Das Budget der Stadtbücherei wurde für 2021 aufgrund der Corona-Pandemie um 2,5 Prozent gekürzt. Das trifft uns schon hart. Zudem hatten wir im letzten Jahr zusätzliche Einnahmenminderungen bei gleichzeitigen Tariferhöhungen im Personalkostenbereich.
Wie hat sich in Pandemiezeiten das Ausleihverhalten entwickelt?
Christiane Weiß: Wir hatten 2019 293 Öffnungstage, an denen wir im Schnitt pro Tag 1.900 Entleihungen verzeichnen konnten. 2020 hatten wir 227 Öffnungstage, also 66 weniger als 2019. Pro Tag hatten wir 2020 aber im Schnitt 2.400 Entleihungen, was einem Plus von 26,3 Prozent entspricht.
Wie kam diese Steigerung zustande?
Christiane Weiß: Die Steigerungen liegen bei der Kinder- und Jugendliteratur, bei den Gesellschaftsspielen, bei Kinderhörbüchern und allgemein bei den digitalen Medien. Es wurden also vermehrt Medien ausgeliehen, mit denen Eltern ihre Kinder, die nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen können, unterhalten können.
Profitieren Sie in gewisser Weise von der Pandemie?
Christiane Weiß: Ja, ein Stück weit. Nie war die Bedeutung von Büchereien klarer als jetzt. Büchereien sind mehr als nur Bücherlager, in denen man sich etwas ausleiht. Sie sind, wenn sie offen haben dürfen, eben auch Orte der Begegnung, Orte, wo man, ohne irgendetwas konsumieren oder bezahlen zu müssen, einfach hingehen kann. Als wir im Sommer den Zugang lockern konnten, gab es viele Menschen, die die Zugangsdauer von einer halben Stunde voll genutzt haben. Vielfach wurde gesagt: Ich bin so glücklich, durch die Reihen gehen zu können und die Bücher anschauen zu können.
Ihr Online-Angebot umfasst auch Musik- und Filmstreaming-Möglichkeiten sowie E‑Audios und E‑Books. Wird sich der Büchereibetrieb in Zukunft ausschließlich online abspielen?
Christiane Weiß: Nein, überhaupt nicht. Wir haben unser Online-Angebot seit 2012 und haben immer wieder positive Rückmeldungen beispielsweise zum E‑Book-Angebot erhalten. Aber das ersetzt nicht das haptische Gefühl, ein Buch in der Hand zu haben. Büchereien müssen ohnehin das gesamte Medienspektrum wiederspiegeln. Viele nutzen e‑Medien auf Reisen, gedruckte Bücher zu Hause.
Dabei möchte ich übrigens erwähnen, dass wir nachhaltig arbeiten. Die Bücher, die wir kaufen, sind ja nicht für eine Person zum Ausleihen gedacht und werden danach weggeworfen. Sie bleiben fünf bis zehn Jahre bei uns. Außerdem kann man ein Buch, zumindest bei Tageslicht, ohne jede Elektronik nutzen.
Aber kennt die junge Generation das Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, noch ausreichend, verbindet sie damit noch ausreichend Wert, um ein gedrucktes Buch einem E‑Book vorzuziehen?
Christiane Weiß: Ich denke schon. Die Ausleihzahlen, die wir momentan haben, gerade auch im Bilderbuchbereich, sprechen dafür. Natürlich haben Kinder sehr viel mit digitalen Dingen zu tun. Aber es ist diese Langsamkeit, mit der man selber entscheiden kann, wann man die Seite umblättert, die ein gedrucktes Buch einem E‑Book voraushat. Und auch die Eltern genießen das. Die Haptik eines Bilderbuches, das die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern auf dem Schoß anschauen, ist nicht mit dem Umgang mit einem E‑Book zu vergleichen. Ich denke, die Bedeutung eines Buches wird sich nicht verlieren.
Spüren Sie trotzdem die Konkurrenz zum Online-Handel, der ja auch die Möglichkeit des Ausleihens von Medien anbietet?
Christiane Weiß: Amazon bietet zwar die Möglichkeit, E‑Books auszuleihen, allerdings kann man sie nur auf Amazon-Endgeräten ansehen. Das ist ein goldener Käfig. Die Stadtbücherei macht auch all denjenigen ein Angebot, die sich solche Geräte oder kommerzielle Ausleihkonditionen nicht leisten können. Es ist Teil unseres Auftrags, für alle Menschen da zu sein, auch für die, denen es finanziell nicht so gut geht. Daneben sind unsere Angebote anonym und werbefrei nutzbar. Benutzer- und Benutzungsdaten werden bei uns streng geschützt.
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Stadtrat bringt grüne Kampagne für weniger Einwegmüll auf den Weg
Mehrweg heißt Mitmachen
Bambergs Grüne haben dem Einwegmüll den Kampf angesagt und dafür ein Konzept samt Kampagne und aussagekräftigem Slogan vorgelegt. Die Stadtverwaltung – mit dem grünen Bürgermeister Jonas Glüsenkamp an der Spitze des Umweltreferats – griff damit einige Ideen aus dem Wahlprogramm der Grünen auf, wie Grünes Bamberg mitteilt. Sie waren vergangenes Jahr bereits im Rahmen einer Ideensammlung diskutiert worden und wurden nun vom Senat für Mobilität, Umwelt und Klima als Maßnahmenpaket „1wegfrei bis ´23?“ auf den Weg gebracht.
Andreas Eichenseher, Sprecher für Kreislaufwirtschaft der Fraktion Grünes Bamberg freut sich: „Damit legen wir den Grundstein für eine konzentrierte und zielgerichtete Reduktion des Einwegmülls durch to-go-Produkte, der insbesondere während der Corona-Pandemie deutlich zugenommen hat.“
Die Strategie des grünen Konzepts besteht im Wesentlichen aus vier Säulen: Erstens werden Gastronomien und weitere Akteur*innen vernetzt, damit möglichst schnell einheitliche Mehrweglösungen entstehen. Zweitens soll Mehrweg für Verbraucher*innen durch eine Verpackungsabgabe attraktiver sein. „Dann ist nämlich die Mehrwegalternative die günstigste Option“, erklärt Eichenseher. Drittens wird die Stadt die gesammelten Abfallmengen im öffentlichen Raum messen, als Anhaltspunkt für den Erfolg der Maßnahmen. Und viertens gibt es eine einschlägige Kampagne mit dem Titel „1wegfrei bis ´23?“.
„Der Titel ist dabei Programm“, sagt Eichenseher und hebt den Mitmach-Charakter des Projekts hervor. „Das Ziel lautet, bis 2023 den Einwegmüll möglichst stark zu reduzieren. Ob das gelingt, hängt letztlich von uns allen ab.“
Für Gastronomien sei die aktuelle Situation, bedingt durch die Pandemie, nicht einfach, räumt der Grünen-Stadtrat ein. Für den Umstieg auf Mehrwegsysteme brauche es deshalb auch Unterstützung und Beratung, welche die Stadt und zivilgesellschaftliche Akteur*innen anbieten wollen. Aber Mehrwegsysteme seien nicht nur erwiesenermaßen ökologisch vorteilhaft, ist er überzeugt. „Sie rechnen sich meist auch finanziell aufgrund der eingesparten Wegwerfverpackungen.“
Noch weitere Maßnahmen runden das Paket ab, etwa die Ahndung des so genannten „Littering“ (achtloses Wegwerfen von Müll auf den Boden oder in die Natur), die Erhöhung entsprechender Bußgelder sowie die finanzielle Förderung von Mehrwegangeboten.
Nachdem der Umweltreferent die grundsätzliche Zustimmung mit der Mehrheit der Stadtratsmitglieder des zuständigen Senats erhielt, werden nun die Details in der Stadtverwaltung weiter geprüft und vorbereitet, ehe noch im Sommer die konkreten Beschlüsse gefällt werden sollen.
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Erzbischöfliches Ordinariat
Hauptabteilungsleiterin Dr. Birgit Kastner im Interview
Seit November ist Dr. Birgit Kastner die neue Ordinariatsrätin und Hauptabteilungsleiterin Kunst und Kultur des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg. Die Kunsthistorikerin kennt die Strukturen des Dombergs aus ihrer Zeit als Dombergkoordinatorin von 2013 bis 2016 bestens. Wir haben mit ihr über Kirche und Kunst gesprochen.
Dr. Kastner, worin bestehen Ihre Aufgaben als neue Ordinariatsrätin und Hauptabteilungsleiterin Kunst und Kultur?
Birgit Kastner: Als Hauptabteilungsleiterin Kunst und Kultur unterstehen mir das Diözesanmuseum, die Domtouristik, die Kunstdenkmalpflege und die Bibliothek des Metropolitankapitels, das heißt die wissenschaftliche Bibliothek. Als Ordinariatsrätin bin ich Mitglied der Ordinariatskonferenz, dem obersten Entscheidungsgremium des Erzbistums. Spektakulär ist, dass in diesem bisher nur mit Männern besetzten Gremium nun drei Frauen Mitglied sind. Das Erzbistum Bamberg folgt damit dem Anliegen des „Synodalen Wegs“, das heißt des Reformprozesses, der unter anderem die Stärkung der Position der Frau in der katholischen Kirche verfolgt. Das Hauptaugenmerk meiner Stelle liegt seinerseits darauf, die Rolle der katholischen Kirche und des Erzbistums Bamberg in der Gesellschaft präsent zu halten und unser kulturelles Erbe zu bewahren und zu vermitteln.
Was bereitet Ihnen mehr Freude: Die Verwaltungsaufgaben als Ordinariatsrätin oder die kulturelle Arbeit der Hauptabteilungsleiterin?
Birgit Kastner: Beides hat faszinierende Aspekte, die für die Gesamttätigkeit sehr wichtig sind. Der Bereich als Ordinariatsrätin, wo ich an großen Prozessen des Bistums teilhaben kann, ist faszinierend und hat eine große Verantwortung, denn in diesem Bereich habe ich die Möglichkeit, die Rolle von Kunst und Kultur im Erzbistum zu stärken und gestalterisch an Strukturprozessen oder Neuausrichtung mitwirken. Als studierte Kunsthistorikerin liegt mir der tägliche Umgang mit der Kunst und die Erhaltung und Vermittlung von Kulturerbe natürlich besonders am Herzen. Am meisten freue ich mich darauf, Akzente mit zeitgenössischer Kunst zu setzen, Kontakt mit zeitgenössischen Kulturschaffenden zu haben. Ich möchte, dass es einen Dialog gibt zwischen zeitgenössischer Kunst und dem, was wir im Bestand haben, also in Museum und Kirchen.
Sie haben die Stelle seit Anfang November 2020 inne. Wie sieht Ihr Fazit bisher aus?
Birgit Kastner: Als ich die Stelle antrat, war meine erste Amtshandlung, wegen der Corona-Pandemie das Diözesanmuseum schließen zu müssen. Unter Pandemiebedingungen kann man nicht mit herkömmlichen Erwartungen arbeiten, entsprechend schwer ist ein Fazit. Wie der gesamte Kulturbetrieb fahren auch wir auf Sicht.
Wird sich eine Handschrift in der kulturellen Ausrichtung des Erzbistums erkennen lassen? Welche Linien möchten Sie verfolgen?
Birgit Kastner: Mir ist es wesentlich, unser kulturelles Erbe zukunftsfähig zu machen. Das heißt, Kontextualisierung und Resonanzen zu schaffen zwischen dem, was die Kirche aus ihrer mehrere tausend Jahre alten Geschichte mitbringt und dem, was Kirche, Kunst und Kultur heute bedeutet.
Via Lewandowskys letztjährige Installation “Good/God” zwischen den Türmen des Doms hat im wahrsten Sinne des Wortes in die Stadt hineingestrahlt. Planen Sie Ausstellungen in ähnlicher Größenordnung?
Birgit Kastner: Ausstellungen, die mit einem so großen kuratorischen und finanziellen Aufwand einhergehen, sind Ausstellungen, die nicht jedes Jahr stattfinden können. Was ich wegweisend an dieser Ausstellung fand, war der Dialog mit zeitgenössischer Kunst und unserem Sammlungsbestand. Das soll auf alle Fälle wiederholt werden, das gehört zu meinen festen Vorsätzen. Kunst und Kultur des Erzbistums soll nicht nur im Bamberger Diözesanmuseum verortet und sichtbar sein, sondern die Hauptabteilung soll an vielen Stellen sichtbar werden. “Good/God” war ganz signifikant ein Zeichen, das in die Stadt hinaus gestrahlt hat. Wir werden auch in Zukunft den Austausch und den Dialog mit zeitgenössischen Künstlern suchen, auch um über das Erzbistum hinaus sichtbar zu sein.
Wie groß ist die Bereitschaft der zeitgenössischen Kunst, mit der Kirche, die nicht unbedingt für das Zeitgenössische steht, zu kooperieren?
Birgit Kastner: Das halte ich für eine Fehleinschätzung. Sehr viele zeitgenössische Künstler sind bekennende Christen oder arbeiten im sakralen Raum. Zahlreiche documenta-Künstler zum Beispiel oder hier in Bamberg Markus Lüpertz oder Rui Chafes.
Kunst zu erzeugen, ist sehr oft die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Schicksal – Fragen, die sich aufgrund ihres existenziellen Charakters sehr oft mit Glauben auseinandersetzen.
Gerade im Bereich der sakralen Kunst gibt es sehr viele zeitgenössische Themen wie Kirchenfenster, Kirchenausstattung oder viele prominente Beispiele moderner Kirchenarchitektur. Die Kirche hat eine große Tradition als Auftraggeber für Kunst. Die Verbindung zwischen Kunst und Kirche, die Rolle der Kirche für Kunst und Gesellschaft war für Europa über Jahrhunderte identitätsstiftend. An diese Rolle gilt es anzuknüpfen.
Was ist kulturell in der Hauptabteilung Kunst und Kultur für 2021 geplant?
Birgit Kastner: Wir werden 2021 keine neuen Ausstellungen haben. Wir werden die Zäsur der personellen Neuaufstellung und der Schließungen zur Neukonzeption nutzen. Ich stelle mich zusammen mit meinen Abteilungsleitungen neu auf. Wir arbeiten intensiv daran, alternative Möglichkeiten der Kunst- und Kulturbegegnung zu schaffen, das ist unser Hauptaugenmerk. Zum Beispiel entwickeln und erweitern wir unsere digitalen Angebote. Wir prüfen, was wir online umsetzen können. Als Hauptabteilungsleiterin Kunst und Kultur bin ich auch für das Heinrichsfest verantwortlich – dabei fragen wir uns, wie wir dieses Format in die Zukunft bringen oder es pandemietauglich machen können.
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Corona
Infektionsgeschehen bleibt angespannt
Mit rund 50 Corona-Patienten in den Kliniken und Ausbruchsgeschehen in vier Pflegeeinrichtungen ist das Infektionsgeschehen in der Region Bamberg nach wie vor angespannt, wie Stadt Bamberg und Landratsamt Bamberg mitteilen. Dies wurde bei der wöchentlichen Sitzung der Koordinierungsgruppe Corona von Stadt und Landkreis Bamberg unter der Leitung von Landrat Johann Kalb und Oberbürgermeister Andreas Starke deutlich.
Thematisiert wurde in der Runde auch die in den letzten Tagen mehrfach aufgetretene Frage, wie es nach wie vor zu Infektionen in Pflegeheimen kommen könne, wo doch in allen Einrichtungen bereits Erst- und Zweitimpfungen stattgefunden haben. „Der volle Impfschutz hat sich erst nach einigen Wochen aufgebaut“, nannte der ärztliche Leiter, Professor Dr. Michael Sackmann, einen wesentlichen Grund. Bisher fallen die Verläufe der Infektionen jedoch geringer aus, schilderte die Leiterin des Fachbereiches Gesundheitswesen beim Landratsamt Bamberg, Dr. Susanne Paulmann, die aktuelle Situation. Deshalb gibt es nach Auffassung der Koordinierungsgruppe derzeit auch noch keinen Spielraum für eine Lockerung der Besuchsregelungen für Pflegeheime. Die Reduzierung der Kontakte und die Testung der Besucher und der Beschäftigten sind nach wie vor zum Schutz der Bewohner nötig. Dies sei auch deshalb weiterhin notwendig, so Prof. Sackmann, weil davon auszugehen sei, dass auch Geimpfte ansteckend sein könnten und die allgemeine Impfquote noch viel zu gering sei.
Koordinierungsgruppe beauftragt Konzept für dezentrale Impfungen
Die Koordinierungsgruppe von Stadt und Landkreis Bamberg diskutierte auch verschiedene Möglichkeiten, bei ausreichender Belieferung mit Impfstoff die Impfungen auch dezentral im Landkreis anzubieten. Landrat Johann Kalb und Oberbürgermeister Andreas Starke beauftragten das Impfzentrum Bamberg, die verschiedenen Optionen zu bewerten und ein Konzept für dezentrale Impfstrukturen in besonderen Fällen zu erarbeiten.
Die 7‑Tage-Inzidenzzahlen für Stadt und Landkreis Bamberg haben sich etwas verschoben; die Zahlen für die Stadt sind im Vergleich zur letzten Woche gestiegen und für den Landkreis etwas gesunken auf aktuell 95,6 für die Stadt und 97,2 für den Landkreis. Dies liegt laut Dr. Paulmann, Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes, daran, dass die Zuordnung von Straßen zu Stadt oder Landkreis nicht korrekt erfolgt sei. Dies sei aufgefallen, da die 7‑Tage-Inzidenz der Stadt Bamberg trotz der positiven Fälle im Ankerzentrum nicht reagiert habe. Der Fehler sei nun behoben. Die Gesamtzahl der Fälle sei immer korrekt dokumentiert worden.
Auch wenn die Impfstofflieferungen noch schwanken und die Menge begrenzt bleibt, erhält das Impfzentrum Bamberg Impfstoff für durchschnittlich 1.800 bis 2.500 Impfungen pro Woche; die Sozialstiftung Bamberg mit ihren über 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt als eigenständiges Impfzentrum und wird separat mit Impfstoff beliefert.
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Click and Collect
Bewegungsspielraum für den Einzelhandel
Anfang Januar hat die bayerische Staatsregierung, nachdem sie ihn bis 2020 noch verboten hatte, die Einführung des Bestelldiensts Click and Collect erlaubt. Sowohl Handelsverband als auch IHK begrüßen diese Entscheidung, auch wenn pandemiebdingte Umsatzausfälle damit nur notdürftig wettgemacht werden könnten.
Um den aufgrund derzeitiger sozialer Beschränkungen wirtschaftlich geschwächten Einzelhandel zu stärken, hat die bayerische Staatsregierung Anfang Januar die stationäre Bestellvariante Click and Collect erlaubt. Dabei können Kundinnen und Kunden bei Geschäften online eine Bestellung aufgeben und die bestellte Ware im jeweiligen, ansonsten geschlossenen Geschäft abholen. So sollen die Möglichkeiten des Onlinehandels genutzt werden, aber nicht wie sonst unter weitgehendem Ausschluss des örtlichen Einzelhandels, sondern zu dessen Nutzen und Profit.
„Der Einzelhandel, auch der oberfränkische”, sagt Thomas Zapf, stellvertretender Leiter der Standortpolitik der IHK Bayreuth, „unterliegt seit Corona-Beginn einer schweren wirtschaftlichen Prüfung. Aber auch schon vor der Krise sah sich der Handel sehr starker Konkurrenz durch Neuerungen im E‑Commerce ausgesetzt. Der Online-Handel nimmt immer weiter zu – die Situation war auch schon vor der Pandemie angespannt.” Die Entscheidung, Click and Collect einzuführen, habe man entsprechend postiv aufgenommen. Zusammen mit dem bayerischen Handelsverband setzte sich die IHK in den zurückliegenden Monaten bei zuständigen politischen Stellen für die Zulassung von Click and Collect unter Sicherheitsaspekten ein.
Auch Annemarie Rudel, Kreisvorsitzende des Bezirks Oberfranken des Handelsverbands und selbst Lebensmittel-Einzelhändlerin, freut sich über die Entscheidung. „Es geht bei Click and Collect darum, die heimische Wirtschaft zu stärken und vor allem kleine Einzelhändler vor Ort zu retten.”
Im Angesicht von in den letzten Jahren immer stärker zunehmender Verkaufszahlen im Online-Handel sieht sich der Einzelhandel der Gefahr ausgesetzt, von globalen Händlern wirtschaftlich noch mehr abgehängt zu werden. „Wenn derzeit schon ein großer Teil des Handels online unternommen wird”, sagt Frau Rudel, „sollte ein Teil davon örtlichen Händlern zugutekommen. Und das ist es ja, worum es bei Click and Collect geht: Vor Ort bestelle ich, vor Ort hole ich ab.” Ihr Appell an Bürgerinnen und Bürger fällt entsprechend aus: „Ich hoffe, die Leute nehmen den Click and Collect-Abholdienst in Anspruch. Sie unterstützen damit den Einzelhandel.”
Thomas Zapf von der IHK empfiehlt Händlern ebenfalls, die Zeichen der Zeit zu erkennen und mehr auf E‑Commerce zu setzen: „Wir befinden uns in einem substantiellen Wechsel, der vergleichbar ist mit der Zeit als das Automobil die Pferdekutsche abgelöst hat. Und es hat sich auf Seiten des Handels auch durchaus schon rumgesprochen, dass es ohne Online-Angebot heute schwer wird.”
Tropfen auf den heißen Stein?
Allerdings machen IHK und Handelsverband auch klar, dass Click and Collect wirtschaftlich angeschlagenen Einzelhändlern nicht allein aus ihrer Notlage helfen kann. Annemarie Rudel sagt: „Click and Collect könnte sich als Tropfen auf den heißen Stein herausstellen, aber man soll in diesen Zeiten nichts unversucht lassen, Umsatz zu generieren. Dass man mit solchen Maßnahmen nicht den großen Gewinn einfahren wird, muss aber einleuchten. Ich denke jedoch, laufende Kosten lassen sich damit decken.”
Thomas Zapf bewertet den Abholdienst zwar als ein Stück mehr Freiheit für den Handel, mahnt aber auch an, dass er regulären Umsatz in keinster Weise ersetzen könne. „Ich rechne damit, dass der Dienst etwa zehn Prozent des Umsatzausfalls kompensieren kann und somit nur ein kleiner Baustein von vielen ist. Ein Baustein, der ergänzt werden muss durch das schnelle Fließen staatlicher finanzieller Hilfen. Aber“, fügt er an, „wenn man im Schlechten auch etwas Gutes sehen will: Die Händler, die bisher noch kein Click and Collect oder andere E‑Commerce-Angebote betrieben haben, finden jetzt vielleicht den Einstieg in die Materie und können ihre Online-Angebote nach der Krise noch ausbauen.”
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Skiclub Bamberg
Planungen eingefroren
Viele Skigebiete stellten sich zuletzt als Corona-Hotspots heraus – Skitourismus wurde zu großen Teilen eingeschränkt. Einschränkungen, von denen auch der Skiclub Bamberg e.V. betroffen ist. Der Verein, einer der ältesten Skivereine Deutschlands, gegründet 1912, konnte seinen Mitgliedern so gut wie kein Winterprogramm bieten. Wie es 2021 weitergehen könnte, was der Klimawandel für den Wintersport bedeutet und über Skitourismus haben wir mit Wolfgang Schubert, Vorstandmitglied des Skiclubs, gesprochen.
Herr Schubert, wie geht es dem Skiclub Bamberg nach einem Jahr Pandemie?
Wolfgang Schubert: Noch geht es uns soweit gut, allerdings mussten wir, wie so ziemlich alle Vereine, unser Angebot komplett runterfahren.
Wie hat sich die Pandemie auf Vereinsarbeit, Gestaltung des Jahresprogramms und Entwicklung der Mitgliederzahlen ausgewirkt?
Wolfgang Schubert: Die Vereinsarbeit geht eingeschränkt weiter, das Jahresprogramm wurde für Winter 2020⁄21 herausgegeben, es gibt jeweils ein Sommer- und ein Winterprogramm, und die Mitgliederzahlen sind aktuell noch stabil.
Wie haben sich die Mitgliederzahlen in den letzten Jahren entwickelt? Bestehen, wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch, Nachwuchsprobleme?
Wolfgang Schubert: Unsere Mitgliederzahlen sind sogar geringfügig gestiegen, allerdings haben wir auch starke Nachwuchsprobleme.
In Regionen und Ländern, die Skitourismus anbieten, wurden zuletzt intensive Diskussionen über die Frage, ob Skigebiete geöffnet oder geschlossen bleiben sollen, geführt. Wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, Pandemiebekämpfung dagegen. Wie bewertet der Skiclub die Situation? Wie stehen Sie zur letztlichen, hiesigen Entscheidung, Skigebiete zu schließen?
Wolfgang Schubert: Im Rahmen der Pandemiebekämpfung ist Gesundheit und Leben an vorderster Stelle, deswegen sind wir für diese harten Maßnahmen.
Die Bamberger Ski-Stadtmeisterschaft 2021 wurde vor Kurzem abgesagt. Wie schwer fiel dem Skiclub diese Entscheidung?
Wolfgang Schubert: Wie oben schon erwähnt, müssen wir da solidarisch mitziehen und es ist keine Frage, ob uns das schwer gefallen ist oder nicht.
Gab und gibt es in den Wintermonaten ein Alternativprogramm zum Skifahren?
Wolfgang Schubert: Aktuell haben wir kein Alternativprogramm geplant, allein schon wegen der Kontaktbeschränkungen
Wie wirken sich immer wärmer werdende Winter, mit zurückgehender Schneemenge, auf die Arbeit eines Wintersportclubs aus?
Wolfgang Schubert: Wie bei allen Wintersportclubs ist die Klimaerwärmung auch für uns schwierig, aber aktuell und hoffentlich auch in den nächsten Jahren werden wir noch genügend Schnee in den höheren Gebirgslagen vorfinden. Wir weichen regelmäßig auch auf höhere Lagen in Skigebieten in Österreich und der Schweiz aus. Aber auch wir werden uns Gedanken machen müssen, ob wir den Wintersport noch mit dem Umweltgedanken vereinbaren können.
Was ist für das Jahr 2021 geplant?
Wolfgang Schubert: Aktuell sind alle Planungen eingefroren und auch die noch geplanten Skifahrten werden wir Corona-bedingt absagen müssen.
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Koordinierungsstelle Bayerischer Main nimmt Arbeit auf
geMAINsam. Eine Initiative der Landkreise, Städte und Gemeinden am Main
Der Startschuss für die erste Koordinierungsstelle Bayerischer Main ist am 1. Februar gefallen, wie das Landratsamt Bamberg mitteilt. Getragen wird die Initiative mit dem Ziel, ein starkes Netzwerk aller Anrainer am Main zu schaffen, vom Flussparadies Franken e.V. in Bamberg und der Gemeinde Knetzgau, wo das Projektmanagement angesiedelt ist.
Die Koordinierungsstelle, die perspektivisch für den gesamten Main auch außerhalb Bayerns zuständig sein wird, konzipiert und begleitet sämtliche Aktionen der vorerst 200 Mainanrainer im Bereich der Umweltbildung, Tourismus, Wasser-/Wirtschaft und Ökologie.
Als Projektleiter wurde Marc Heinz in Vollzeit angestellt. Der 47-Jährige war zuvor drei Jahre lang Stadtmanager in Haßfurt am Main und baute dort u.a. eine komplett neue Stadtmarke auf. Sein Studium der Sprach‑, Literatur- und Kommunikationswissenschaften, European Management und Soziologie mit Schwerpunkt Wirtschaft & Betrieb absolvierte er in Bamberg und Hamburg. Er war für Fernsehsender, Agenturen und Verlage tätig, arbeitete als Eventmanager in Hamburg und sammelte als Marketingleiter und Journalist internationale Berufserfahrung. Als langjähriger Dozent an verschiedenen Hochschulen und Medienschaffender verfügt er über hervorragende Kontakte. „Seit meiner Zeit als Praktikant beim ZDF in Mainz habe ich in verschiedenen Städten und Gemeinden am Main gelebt und gearbeitet, darunter Aschaffenburg, Miltenberg und Bamberg. Dadurch sind mir sowohl viele der dort lebenden Menschen als auch die wunderschöne Flusslandschaft ans Herz gewachsen”, erklärt der neue Projektleiter. Marc Heinz möchte seine inzwischen über 20-jährige Berufserfahrung in die Weiterentwicklung des Netzwerks einbringen. „Es ist bereits sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet worden auf dem Weg hin zu einem Erlebniszentrum am Main, welches diese innerdeutsche Lebensader mit all ihren Facetten spürbar macht. Ich bin stolz darauf und gespannt, wie hier mithilfe zahlreicher Befürworter und Unterstützer etwas geschaffen wird, das es so noch nie gab”, fügt er hinzu. Marc Heinz hat drei Kinder und lebt seit vier Jahren in der Region, in Königsberg in Bayern.
Ab dem 1. April verstärkt Simone Kolb als Assistenz die Koordinierungsstelle. Sie hat bis vor kurzem in der Verwaltung von Prichsenstadt gearbeitet und war dort langjährig im Bereich Tourismus tätig. Ursprünglich kommt sie aus dem Handel und hat ein duales Studium absolviert. „Für mich ist es eine ganz besondere Herausforderung, den sich wunderschönen dahinschlängelnden Main zu erfassen, die Angebote zu vernetzen und daraus ein geMAINsames Projekt zu gestalten” sagt sie zu ihrer Motivation. „Ganz besonders freue ich mich darauf, die Marke Main mit Hilfe der vielfältigen digitalen Möglichkeiten bekannter zu machen “. Simone Kolb kommt aus Michelau im Steigerwald, ist verheiratet und hat eine Tochter.
Bessere Vernetzung der Städte und Gemeinden
Entlang der 527 bayerischen Flusskilometer leben in 11 Landkreisen und 5 kreisfreien Städten rund 2,5 Millionen Menschen, für die der Main Heimat und Identität bedeutet. Vielfältigste Ansprüche an den Main rufen in der täglichen Praxis aller dort tätigen Akteure eine Reihe von Konflikten und konkurrierenden Ansprüchen hervor. Die Städte und Gemeinden am Fluss sehen sich bei jedem Vorhaben konfrontiert mit energie- und wasserwirtschaftlichen, logistischen, touristischen und ökologischen Anforderungen. Die Koordinierungsstelle kann ihnen diese Aufgaben zwar nicht abnehmen, aber sie kann für eine bessere Vernetzung und Rücksichtnahme untereinander sorgen. Sie bringt in Zusammenarbeit mit den vielfältigen Interessengruppen den Main und die wechselseitigen Beziehungen stärker ins Bewusstsein. Was neue Ideen, insbesondere aus den komplexen Themengebieten Digitalisierung, Heimat und Klimaschutz betrifft, kann sie Impulse setzen, Kontakte herstellen und koordinieren sowie weitere Initiativen anstoßen und beratend begleiten.
Warum Knetzgau als Standort der Koordinierungsstelle?
Die Gemeinde Knetzgau hat bereits in der Entwicklungsphase 130.000 Euro in das Projekt investiert und damit ihr unerschütterliches Engagement unter Beweis gestellt. Sie agiert mit dem Flussparadies Franken e.V. als ausgezeichnetem Qualitätspartner der Umweltbildung Bayern. Fördergelder werden gebündelt und sinnvoll eingesetzt. Es gibt zahlreiche, hochrangige Unterstützer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ministerpräsident Dr. Markus Söder äußert sich folgendermaßen: „Der Main ist der ‘Fluss der Franken’… Die Initiative ist sehr, sehr gut… Sie ist nicht nur ökologisch gut, sondern auch, weil sie das Selbstbewusstsein in den Regionen stärkt.”
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FC Eintracht Bamberg
Kapitäne bleiben an Bord
Nachdem Fußball-Bayernligist FC Eintracht Bamberg die Personalie des Cheftrainers zur kommenden Saison mit dem jungen Fürther Trainertalent Julian Kolbeck bereits Anfang Januar geklärt hat, schreitet nun auch die Kaderplanung voran. Mit Kapitän Marc Reischmann und seinen zwei Stellvertretern Lukas Schmittschmitt und Tobias Linz bleben drei absolute Stammkräfte dem FCE treu, wie der Verein mitteilt.
„Ich habe damals noch den Abstieg aus der Landesliga miterlebt und seitdem geht es bergauf. Mit der Hoffnung, dass wir mit der Saison 2021/2022 zur Normalität zurückkehren, möchte ich mit dem FCE an diese positive Entwicklung anknüpfen“, erklärt der Ravensburger Masterstudent seine Beweggründe.
Seine Stellvertreter im Kapitänsamt des FCE, Lukas Schmittschmitt, der zur Saison 2017/2018 aus der U19 des FCE in den Herrenbereich wechselte und sich mit nur 22 Jahren zum unumstrittenen Führungsspieler entwickelt hat sowie FCE-Urgestein Tobias Linz (24), der seit der U14 ununterbrochen seine Fußballschuhe für die Lila-Weiß-Blauen schnürt und von der linken Außenbahn nicht wegzudenken ist, bleiben dem Verein ebenfalls erhalten. Dazu FCE-Vorstand Jörg Schmalfuß: „Wir wollen uns in den nächsten Jahren in der Bayernliga etablieren und nach und nach zum Spitzenteam entwickeln. Dabei setzen wir auf Kontinuität im Kader, den wir nach wie vor nur punktuell von außen verstärken. Jeder im Team weiß, dass er noch Potenzial hat und wir das nun freisetzen wollen.“
Neben den drei genannten Leistungsträgern stehen mit Torhüter Jan Griebel (23), Stürmertalent Franz Helmer (20) sowie Defensivallrounder Christopher Kettler (28) bereits drei Neuzugänge für die kommende Saison fest, die ursprünglich schon für letzten Sommer geplant waren. Man kann davon ausgehen, dass der FCE-Kader in den kommenden Wochen weitere Formen annimmt.