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Corona - Page 12

Nach­rüst­frist bei Regis­trier­kas­sen läuft ab

Mit­ten in der Coro­na-Kri­se kom­men Nach­rüst­kos­ten für Unter­neh­men zu

Bis spä­tes­tens 30. März müs­sen Unter­neh­men ihre elek­tro­ni­schen Regis­trier­kas­sen mit einer zer­ti­fi­zier­ten tech­ni­schen Sicher­heits­ein­rich­tung nach­ge­rüs­tet haben. Die IHK für Ober­fran­ken for­dert ange­sichts der aktu­el­len Rah­men­be­din­gun­gen eine Ver­län­ge­rung die­ser Frist.

„Vie­le der betrof­fe­nen Unter­neh­men befin­det sich seit Mona­ten im Lock­down und wis­sen nicht, wann sie wie­der öff­nen dür­fen und ob sie die aktu­el­le Kri­sen­si­tua­ti­on über­haupt über­ste­hen”, so Gabrie­le Hohen­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. „Vie­le Unter­neh­men kämp­fen aktu­ell um jeden Euro Liqui­di­tät. In die­ser Situa­ti­on eine der­ar­ti­ge Umrüs­tung zu ver­lan­gen, ist abso­lut nicht ver­hält­nis­mä­ßig.” Allei­ne in Ober­fran­ken gebe es nach IHK-Schät­zung 20.000 bis 30.000 elek­tro­ni­sche Kas­sen und Kas­sen­sys­te­me, die in ers­ter Linie bei Ein­zel­händ­lern und Gas­tro­no­men stehen.

Unter­neh­men mit elek­tro­ni­schen Regis­trier­kas­sen soll­ten die­se ursprüng­lich bis Anfang 2020 mit einer zer­ti­fi­zier­ten tech­ni­schen Sicher­heits­ein­rich­tung (TSE) aus­rüs­ten. Da wegen Ver­zö­ge­run­gen bei der zustän­di­gen Bun­des­be­hör­de lan­ge Zeit über­haupt kei­ne zer­ti­fi­zier­ten Sicher­heits­lö­sun­gen am Markt erhält­lich waren, hat­te das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um nach For­de­run­gen der Wirt­schaft eine Nicht­be­an­stan­dungs­frist bis 30. Sep­tem­ber 2020 ein­ge­räumt. „Bay­ern hat­te zusätz­lich, wie fast alle ande­ren Bun­des­län­der, wegen der Belas­tun­gen der Unter­neh­men durch Coro­na-Pan­de­mie und Lock-Downs unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen eine Schon­frist bis Ende März 2021 ein­ge­räumt”, erläu­tert Andre­as Wand­ner, IHK-Refe­rent für Steu­ern, Finan­zen und Handelsregister.


IHK-Emp­feh­lung: Beim Finanz­amt Antrag auf Frist­ver­län­ge­rung stellen

Solan­ge kei­ne wei­te­re, all­ge­mein­gül­ti­ge Frist­ver­län­ge­rung von der Finanz­ver­wal­tung ver­kün­det wird, emp­fiehlt die IHK daher, dass Unter­neh­men, die sich der­zeit in einer Zwangs­la­ge befin­den, bei ihrem Finanz­amt einen Antrag auf Frist­ver­län­ge­rung stel­len. Der Betrieb einer unge­schütz­ten Kas­se wäre ansons­ten ab April nicht recht­mä­ßig und es dro­hen Maß­nah­men wie Schät­zun­gen von Besteue­rungs­grund­la­gen sowie Bußgelder.

„Es besteht auch wei­ter­hin kei­ne all­ge­mei­ne Pflicht zur Nut­zung einer Regis­trier­kas­se”, betont Wand­ner. „Unter­neh­mer, die nach wie vor eine offe­ne Laden­kas­se ver­wen­den, sind nicht zur Anschaf­fung gezwungen.”

Infor­ma­ti­on des Paul-Ehrlich-Instituts 

Vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Imp­fung mit dem COVID-19-Impf­stoff AstraZeneca

Das Paul-Ehr­lich-Insti­tuts (PEI) emp­fiehlt nach inten­si­ven Bera­tun­gen zu den in Deutsch­land und Euro­pa auf­ge­tre­te­nen schwer­wie­gen­den throm­bo­ti­schen Ereig­nis­sen die vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Imp­fun­gen mit dem Covid-19-Impf­stoff AstraZeneca.

Gegen­über dem Stand vom 11.03.2021 sind inzwi­schen wei­te­re Fäl­le (Stand: Mon­tag, 15.03.2021) in Deutsch­land gemel­det wor­den.
Bei Ana­ly­se des neu­en Daten­stands sehen die Exper­tin­nen und Exper­ten des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts jetzt eine auf­fäl­li­ge Häu­fung einer spe­zi­el­len Form von sehr sel­te­nen Hirn­ve­nen-Throm­bo­sen (Sinus­ve­nen­throm­bo­se) in Ver­bin­dung mit einem Man­gel an Blut­plätt­chen (Throm­bo­zy­to­pe­nie) und Blu­tun­gen in zeit­li­cher Nähe zu Imp­fun­gen mit dem COVID-19-Impf­stoff AstraZeneca.

Die Daten wer­den von der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­agen­tur (Euro­pean Medi­ci­nes Agen­cy, EMA) wei­ter ana­ly­siert und bewer­tet. Bis zum Abschluss der Bewer­tung durch die EMA wer­den die Imp­fun­gen mit dem Covid-19-Impf­stoff von Astra­Ze­ne­ca in Deutsch­land aus­ge­setzt. Die heu­ti­ge Ent­schei­dung betrifft sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen.

Das Paul-Ehr­lich-Insti­tut weist dar­auf hin, dass Per­so­nen, die den COVID-19-Impf­stoff Astra­Ze­ne­ca erhal­ten haben und sich mehr als vier Tage nach der Imp­fung zuneh­mend unwohl füh­len zum Bei­spiel mit star­ken und anhal­ten­den Kopf­schmer­zen oder punkt­för­mi­gen Haut­blu­tun­gen, sich unver­züg­lich in ärzt­li­che Behand­lung bege­ben sollten.

Dr. Klaus Wei­ner im Interview

„Astra­Ze­ne­ca ist hochwirksam“

Seit zwei Mona­ten ist Dr. Klaus Wei­ner Ärzt­li­cher Lei­ter am Impf­zen­trum Bam­berg in der Bro­se-Are­na. Im Inter­view mit der Stadt Bam­berg beant­wor­tet er die wich­tigs­ten Fra­gen zum AstraZeneca-Impfstoff. 

Sehr geehr­ter Herr Dr. Wei­ner, wirkt Astra­Ze­ne­ca bes­ser oder schlech­ter als ande­re Impfstoffe?

Dr. Klaus Wei­ner: Alle zuge­las­se­nen Impf­stof­fe sind hoch­wirk­sam und sicher, Astra­Ze­ne­ca macht da kei­ne Aus­nah­me. Die Zulas­sungs­stu­di­en deu­ten zunächst auf eine 70%ige Wirk­sam­keit hin. Dies schien, gemes­sen an 95% bei BionTech und 94% bei Moder­na, zunächst ein­mal nied­ri­ger und somit „schlech­ter“ wirk­sam. Nach mil­lio­nen­fa­cher Ver­imp­fung in Groß­bri­tan­ni­en zeich­net sich jedoch ein ande­res Wirk­sam­keits­pro­fil ab: Das Risi­ko für einen Kli­nik­auf­ent­halt wird laut einer schot­ti­schen Stu­die bereits nach Ver­ab­rei­chung der ers­ten Impf­do­sis um 94% redu­ziert. Bei BionTech sind es „nur“ 85%. Dar­aus ist ersicht­lich, dass man sich bei der Beur­tei­lung von „bes­ser oder schlech­ter“ nicht nur auf eine Zahl ver­las­sen soll­te. Abschlie­ßen­de Daten lie­gen lei­der natur­ge­mäß noch nicht vor.


Wie ver­hält es sich mit Impf­re­ak­tio­nen und Nebenwirkungen?

Dr. Klaus Wei­ner: Impf­re­ak­tio­nen sind bei Astra­Ze­ne­ca etwas häu­fi­ger, zumal bei jün­ge­ren Per­so­nen das Immun­sys­tem noch stär­ker reagiert als bei älte­ren Men­schen. Eine Reak­ti­on auf die Imp­fung ist zwar uner­wünscht, spricht aber für eine gute Immun­ant­wort und ist harmlos. 

Viel­leicht noch eine Unter­schei­dung zur Klä­rung: Unspe­zi­fi­sche Sym­pto­me nach einer Imp­fung wie leich­tes Fie­ber, Glie­der­schmer­zen, oder Kopf­schmer­zen sind kei­ne Neben­wir­kung einer Imp­fung, son­dern eine Impf­re­ak­ti­on. Die­se Reak­tio­nen sind Aus­druck der erwünsch­ten Aus­ein­an­der­set­zung des Immun­sys­tems mit dem Impf­stoff und klin­gen in der Regel nach weni­gen Tagen kom­plett ab. Neben­wir­kun­gen sind schwe­re und anhal­ten­de Impf­kom­pli­ka­tio­nen oder ‑schä­den.

Dr. Klaus Wei­ner, Foto: privat

War­um steht der Impf­stoff in der Kritik?

Dr. Klaus Wei­ner: Der Haupt­grund dürf­te sein, dass die Zulas­sung in Deutsch­land durch die ver­ant­wort­li­chen Stel­len zunächst nur für 18- bis 65-Jäh­ri­ge erfolg­te und die Begrün­dung nur schlecht erklärt wur­de. Näm­lich: In den zur Zulas­sung füh­ren­den Stu­di­en war nur die ange­spro­che­ne Alters­grup­pe ver­tre­ten, es lagen also kei­ner­lei Daten für Älte­re und Jün­ge­re vor. Fol­ge­rich­tig erfolg­te die Zulas­sung nur für den getes­te­ten Per­so­nen­kreis. Dies unter­streicht nur den hohen Sicher­heits­stan­dard, auf den wir in Deutsch­land zurecht stolz sein kön­nen. Auf­grund neu­er, aktu­el­ler Daten­er­he­bung ist die Alters­be­schrän­kung für über 65-Jäh­ri­ge bereits auf­ge­ho­ben. Wei­te­re Grün­de für den Vor­be­halt gegen die­sen Impf­stoff lie­gen wohl in dem schwie­ri­gen, für einen Lai­en schwer nach­voll­zieh­ba­ren Wirk­sam­keits­nach­weis, wie oben beschrieben.


Gibt es Stu­di­en, die bewei­sen, dass Astra­Ze­ne­ca bes­ser als sein Ruf ist?

Dr. Klaus Wei­ner: Eine von schot­ti­schen Uni­ver­si­tä­ten für die schot­ti­schen Gesund­heits­be­hör­den erstell­te Stu­die wur­de jüngst ver­öf­fent­licht (Pre­print im LANCET, Uni­ver­si­tät Edin­burgh: „Effec­ti­ve­ness of First Dose of Covid-19 Vac­ci­nes Against Hos­pi­tal Admis­si­ons in Scot­land: Natio­nal Pro­s­pec­ti­ve Cohort Stu­dy of 5.4 Mil­li­on Peo­p­le“). Eine wei­te­re eng­li­sche Stu­die („Public Health Eng­land“), kommt zu fol­gen­dem Ergeb­nis: Älte­re (Prio­ri­sie­rungs­stu­fe 1 ent­spre­chend) haben bei BionTech und Astra­Ze­ne­ca einen ver­gleich­ba­ren Schutz. Die Zweit­imp­fung mit Astra­Ze­ne­ca erfolgt im Übri­gen nach vier bis zwölf Wochen.


Wie ver­hält es sich mit der Anste­ckungs­ge­fahr für ande­re nach einer Imp­fung mit AstraZeneca?

Dr. Klaus Wei­ner: Noch gibt es dazu kei­ne belast­ba­ren Daten, die­se müs­sen in wei­te­ren Stu­di­en erho­ben wer­den. Dafür reicht der seit Impf­be­ginn ver­stri­che­ne Zeit­rah­men nicht aus.


Was sagen Sie Men­schen, die den Impf­stoff ablehnen?

Dr. Klaus Wei­ner: Astra­Ze­ne­ca ist kein Impf­stoff „zwei­ter Klas­se“, er ist hoch wirk­sam und sicher.

Coro­na

Imp­fun­gen für Kita-Per­so­nal und Lehr­kräf­te beginnen

Der gemein­sa­me Kri­sen­stab von Stadt und Land­kreis Bam­berg hat sich in sei­ner heu­ti­gen Sit­zung vor allem mit dem Infek­ti­ons­ver­lauf in Stadt und Land­kreis Bam­berg und der Erwei­te­rung der Impf­ka­pa­zi­tä­ten befasst. Erfreu­lich sei­en der leicht fal­len­de Ver­lauf des Infek­ti­ons­ge­sche­hens und die geplan­ten Imp­fun­gen von Lehr­kräf­ten und Erzie­he­rin­nen und Erzie­hern mit Astra­Ze­ne­ca-Impf­stoff, wie Stadt und Land­kreis Bam­berg mitteilen.

Bür­ger­meis­ter Glüsen­kamp mach­te gleich zu Beginn deut­lich: „Es ist ein gro­ßer Gewinn, dass Erzie­he­rin­nen und Erzie­her, Leh­re­rin­nen und Leh­rer nun in der Prio-Grup­pe 2 geimpft wer­den kön­nen, denn der Impf­stoff von Astra­Ze­ne­ca bie­tet einen nahe­zu hun­dert­pro­zen­ti­gen Schutz gegen schwe­re und töd­li­che Ver­läu­fe einer Coro­na-Erkran­kung.“ Posi­tiv sei auch, dass der ers­te dezen­tra­le Impf­ter­min in einer Land­kreis­ge­mein­de bereits in der nächs­ten Woche statt­fin­den sol­le.
Auch wenn der Febru­ar weni­ger Tage habe als der Janu­ar, so sei­en die gemel­de­ten Neu­in­fek­tio­nen gegen­über dem Vor­mo­nat rück­läu­fig. Ins­ge­samt so hieß es, sei das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Hei­men und Gemein­schafts­un­ter­künf­ten ruhig bezie­hungs­wei­se am Abklin­gen, so dass die 138 neu­en Infek­ti­ons­fäl­le der ver­gan­ge­nen Woche zu 60 Pro­zent auf Ein­zel­per­so­nen und 26 Pro­zent auf Haus­hal­te zurück­zu­füh­ren sei­en.
„Das son­ni­ge mil­de Früh­lings­wet­ter darf uns des­halb nicht davon abhal­ten, wei­ter­hin ver­ant­wor­tungs­voll mit­ein­an­der umzu­ge­hen: Abstand hal­ten, Lüf­ten, Mas­ke tra­gen und Men­schen­an­samm­lun­gen mei­den“, dar­an erin­ner­te Dr. Susan­ne Paul­mann, Lei­te­rin des Fach­be­reichs Gesund­heits­we­sen beim Land­rats­amt Bam­berg. Der Ver­tre­ter der Bam­ber­ger Poli­zei im Kri­sen­stab wies in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin, dass wei­ter­hin alle Ver­stö­ße gegen die Mas­ken­pflicht und das Alko­hol­kon­sum­ver­bot in den aus­ge­wie­se­nen Berei­chen der Bam­ber­ger Innen­stadt streng mit Anzei­gen geahn­det wür­den. Die­se könn­ten Geld­bu­ßen von 250 bis 500 Euro nach sich ziehen.


Mög­li­cher Start für Imp­fun­gen von über 80-Jäh­ri­gen zuhau­se Anfang April

Dr. Tobi­as Pfaf­fen­dorf von der Sozi­al­stif­tung Bam­berg berich­te­te, dass die Pla­nun­gen für das dezen­tra­le Imp­fen in den defi­nier­ten sechs Spren­geln im Land­kreis Bam­berg auf Hoch­tou­ren lie­fen. Bereits nächs­te Woche könn­te es den ers­ten Impf­tag im Land­kreis geben. Ziel des dezen­tra­len Imp­fens ist es, den Impf­stoff mög­lichst zu den Men­schen zu brin­gen. Die Kapa­zi­tät des gemein­sa­men Impf­zen­trums von Stadt und Land­kreis Bam­berg kann dadurch deut­lich erwei­tert wer­den. Es sei zu erwar­ten, dass die Lie­fer­men­gen stei­gen wer­den, so dass auch die täg­li­chen Impf­zah­len mit dem zusätz­li­chen dezen­tra­len Kon­zept wei­ter erhöht wer­den könn­ten. Land­rat Kalb begrüß­te die­se Ent­wick­lung: „Es wird in den sechs Spren­geln Koor­di­na­to­ren geben, die zusam­men mit dem Impf­zen­trum die Impf­ter­mi­ne in unse­ren Land­kreis­ge­mein­den vor­be­rei­ten. Wir kom­men mit dem Impf­stoff zu den Men­schen vor Ort.“
Zudem gin­ge laut Dr. Pfaf­fen­dorf die Koor­di­na­ti­on mit den Haus­ärz­te­ver­bän­den für die Imp­fun­gen von bett­lä­ge­ri­gen Pati­en­ten in deren Zuhau­se kon­struk­tiv vor­an. Hier hät­ten wei­ter­ge­hen­de Stu­di­en des Her­stel­lers Biontech-Pfi­zer gezeigt, dass sowohl ein vor­sich­ti­ger Trans­port als auch die Ent­nah­me von Ein­zel­do­sen nun gesi­chert mög­lich sei­en. Ein mög­li­cher Start für Imp­fun­gen von über 80-Jäh­ri­gen zuhau­se könn­te schon Anfang April mög­lich sein.

Coro­na

40 Pro­zent der Grup­pe 1 in Stadt und Land­kreis Bam­berg erstgeimpft

Das Impf­zen­trum Bam­berg will bei sta­bi­ler Bereit­stel­lung von Impf­stoff in den Tei­len des Land­krei­ses, die wei­ter als 15 Kilo­me­ter von der Stadt Bam­berg ent­fernt sind, dezen­tra­le Impf­an­ge­bo­te unter­brei­ten. Die­se ers­ten Über­le­gun­gen stell­te Dr. Tobi­as Pfaf­fen­dorf von der Sozi­al­stif­tung Bam­berg am Diens­tag in die Koor­di­nie­rungs­grup­pe Coro­na vor, wie Stadt Bam­berg und Land­kreis Bam­berg mit­tei­len. Ein kon­kre­tes Kon­zept, das auch auf die Infra­struk­tur in ein­zel­nen Gemein­den baut und bei dem Imp­fun­gen von 300 bis 500 Per­so­nen pro Ter­min mög­lich sein sol­len, wol­len die Ver­ant­wort­li­chen des Impf­zen­trums in der kom­men­den Woche vorstellen.

Die Mit­glie­der der Koor­di­nie­rungs­grup­pe dis­ku­tier­ten unter der Lei­tung von Land­rat Johann Kalb und Bür­ger­meis­ter Jonas Glüsen­kamp auch über das Infek­ti­ons­ge­sche­hen, über die Aus­wir­kun­gen der Inzi­denz­wer­te auf Aus­gangs­sper­ren und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. „Wir wol­len der Bevöl­ke­rung im Land­kreis kur­ze Wege für die Imp­fun­gen anbie­ten und gleich­zei­tig so vie­le Imp­fun­gen durch­füh­ren wie Impf­stoff zuge­teilt wird“, dank­te Land­rat Kalb für das Grob­kon­zept für dezen­tra­le Impfungen.

Aus dem Bericht des Impf­zen­trums ging wei­ter her­vor, dass inzwi­schen rund 40 Pro­zent der ers­ten Grup­pe – Über-80-Jäh­ri­ge, Ärz­te, Pfle­ge­per­so­nal, unter ande­rem – erst­ge­impft sind. Sofern die Bereit­stel­lung des Impf­stof­fes von Astra­Ze­ne­ca sich so fort­setzt, wie in den letz­ten Tagen, kann in der ers­ten März­hälf­te mit der Imp­fung der Grup­pe der zwei­ten Prio­ri­tät der unter 65-Jäh­ri­gen – der Impf­stoff ist nur bis zu die­sem Alter zuge­las­sen – gestar­tet wer­den. Des­halb wird eine Regis­trie­rung im Impf­por­tal Bay­ern emp­foh­len (https://impfzentren.bayern/).


Inzi­denz­wer­te wir­ken sich auf Aus­gangs­sper­ren und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen aus

„Die Pfle­ge­hei­me berei­ten uns wei­ter Sor­gen“, so die Lei­te­rin des Fach­be­rei­ches Gesund­heits­we­sen beim Land­rats­amt Bam­berg, Dr. Susan­ne Paul­mann. In einer Ein­rich­tung ist rund ein Drit­tel des Hei­mes infi­ziert. Auch in ande­ren Fäl­len gebe es Aus­bruchs­ge­sche­hen, die bis­her mil­de ver­lau­fen. In neun Ein­rich­tun­gen gibt es ein­zel­ne Infek­tio­nen. Grö­ße­re Sprün­ge der Inzi­denz­wer­te sei­en der­zeit auf das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Alten- und Pfle­ge­hei­men zurück­zu­füh­ren.
Der Sie­ben-Tage-Inzi­denz­wert hat seit der letz­ten Ände­rung der 11. Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men­ver­ord­nung direk­te Aus­wir­kun­gen auf Aus­gangs­sper­re und den Betrieb von Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. Unter­schrei­tet der Inzi­denz­wert min­des­tens sie­ben Tage die Mar­ke von 100, dann ent­fällt die Aus­gangs­sper­re. Schu­len und Kitas öff­nen dann in der für die jewei­li­ge Ein­rich­tung vor­ge­se­he­nen ein­ge­schränk­ten Form. In der Stadt Bam­berg liegt der letz­te drei­stel­li­ge Inzi­denz­wert bereits län­ger als sie­ben Tage zurück. Im Land­kreis über­schritt der Wert zuletzt am ver­gan­ge­nen Frei­tag die 100er-Mar­ke. Bleibt der Wert unter 100, dann ent­fällt die Aus­gangs­sper­re ab kom­men­dem Sams­tag. Maß­geb­lich ist hier­für der Inzi­denz­wert des Robert-Koch-Insti­tu­tes, der auch auf den Home­pages von Stadt und Land­kreis ver­öf­fent­licht wird. Über­schrei­tet der Inzi­denz­wert erneut die 100-er-Mar­ke, dann gel­ten ab dem Fol­ge­tag die Aus­gangs­sper­re und die zusätz­li­chen Beschrän­kun­gen für die Schu­len. Ent­schei­dend dabei ist der Stand­ort der Schu­le und nicht der Wohn­ort der Schü­le­rin­nen und Schüler.

Leich­te Ent­span­nung gibt es in den Kli­ni­ken von Stadt und Land­kreis: In Sum­me hat die Zahl der infi­zier­ten Pati­en­ten die Mar­ke von 50 unter­schrit­ten. Nach wie vor müs­sen ein Dut­zend Per­so­nen inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt werden. 

Pen­del­ver­kehr nach Oberfranken

Dro­hen Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le und Unter­bre­chung der Lieferketten?

Die erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen für Pend­ler bei der Ein­rei­se von Tsche­chi­en nach Deutsch­land tref­fen vie­le ober­frän­ki­sche Unter­neh­men. Aktu­ell pen­deln 3.600 tsche­chi­sche Fach­kräf­te regel­mä­ßig nach Ober­fran­ken. Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le dro­hen eben­so wie unter­bro­che­ne Lie­fer­ket­ten, befürch­tet die IHK für Oberfranken.

Gabrie­le Hohen­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth, bedankt sich bei den Land­rats­äm­tern und Stadt­ver­wal­tun­gen, von denen die meis­ten sehr schnell reagiert und bereits am Sonn­tag kom­mu­ni­ziert hat­ten, wie ein Unter­neh­men einen ent­spre­chen­den Antrag zum Nach­weis der Sys­tem­re­le­vanz stel­len kann. Hohen­ner: „Klar ist aber, dass die meis­ten Unter­neh­men gemäß der ent­spre­chen­den EU-Aus­le­gung nicht als sys­tem­re­le­vant gel­ten, die tsche­chi­schen Mit­ar­bei­ter also nicht zum Arbei­ten nach Ober­fran­ken kom­men dür­fen.” Die Zahl der Anfra­gen an die IHK sei bis­her über­schau­bar, so Tho­mas Zapf, der als Kri­sen­ma­na­ger die IHK-Hot­line koor­di­niert. „Offen­bar sind die benö­tig­ten Infor­ma­tio­nen zeit­nah bei den Unter­neh­men angekommen.”


Staus an den Gren­zen: Kon­se­quen­zen für die Produktion?

„Über 3.600 Fach­kräf­te pen­deln regel­mä­ßig über die Gren­ze zu ihrem Arbeits­platz nach Ober­fran­ken”, erläu­tert Sara Fran­ke, Lei­te­rin des Bereichs Inter­na­tio­nal bei der IHK. Drei Vier­tel davon pen­deln in den Raum Hof-Wun­sie­del, wei­te­re 550 in den Raum Bay­reuth, aber auch etli­che etwa in den Raum Bam­berg (gut 200) und den Land­kreis Kulm­bach (gut 150). Ein gro­ßer Teil davon wird bis auf wei­te­res nicht mehr nach Ober­fran­ken zur Arbeit kom­men kön­nen, befürch­tet sie.
„Eine Dros­se­lung der Pro­duk­ti­on oder gar Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le sind nicht aus­zu­schlie­ßen”, befürch­tet Zapf. Beschäf­tig­te im Trans­port­sek­tor müs­sen ihre Ein­rei­se selbst bei Tran­sit-Fahr­ten anmel­den und einen zer­ti­fi­zier­ten Coro­na-Nega­tiv­test vor­wei­sen, was zu Staus an der Gren­ze füh­re. „Das kann letzt­end­lich eine Unter­bre­chung der Lie­fer­ket­ten verursachen.”

Wenn Mit­ar­bei­ter aus Tsche­chi­en wegen geschlos­se­ner Gren­zen nicht mehr zur Arbeit nach Ober­fran­ken kom­men kön­nen, haben sie aktu­ell kei­nen Anspruch auf Lohn, außer sie neh­men Urlaub bezie­hungs­wei­se Zeit­aus­gleich oder der Arbeit­ge­ber bezahlt den Aus­fall frei­wil­lig, damit rich­tet Ursu­la Krauß, bei der IHK Refe­ren­tin für Arbeits- und Wett­be­werbs­recht, den Blick auf einen ganz ande­ren Aspekt der Grenz­kon­trol­len. „Hier müs­sen zeit­nah Lösun­gen gefun­den wer­den, die Mit­ar­bei­ter kön­nen schließ­lich nichts für die­se Situation.”


Imp­fen und testen

Hohen­ner: „Unser gemein­sa­mes Ziel muss es sein, dass mög­lichst bald wie­der so etwas wie Nor­ma­li­tät an der deutsch-tsche­chi­schen Gren­ze ein­kehrt.” Dies gelin­ge aus ihrer Sicht nur mit einer Kom­bi­na­ti­on aus imp­fen und tes­ten. “Beim Tes­ten sind in den ver­gan­ge­nen Wochen leis­tungs­fä­hi­ge Infra­struk­tu­ren auf­ge­baut wor­den, ob in Schirn­ding oder in den Unter­neh­men selbst, so Hohen­ner. „Nun brau­chen wir aber auch zeit­nah Fort­schrit­te beim Imp­fen in Deutsch­land und in Tschechien.”

Brand­brief von IHK und HWK

Wirt­schaft warnt vor fak­ti­scher Grenzschließung

Die baye­ri­schen Indus­trie-und Han­dels­kam­mern aus Bay­reuth, Pas­sau und Regens­burg sowie die Hand­werks­kam­mern für Ober­fran­ken und für Nie­der­bay­ern-Ober­pfalz haben einen Brand­brief an Minis­ter­prä­si­dent Söder geschrie­ben, in dem sie die Ein­stu­fung Tsche­chi­ens als Virus­mu­ta­ti­ons­ge­biet aus Sicht der regio­na­len Wirt­schaft als fol­ge­rich­tig ein­stu­fen, aller­dings eine pra­xis­taug­li­che Rege­lung an der baye­risch-tsche­chi­schen Gren­ze fordern.

Appell, von fünf­tä­gi­ger Qua­ran­tä­ne­pflicht abzusehen

Der Brand­brief wur­de von Gabrie­le Hohen­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth, Dr. Jür­gen Hel­mes, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Regens­burg für Ober­pfalz /​Kel­heim, Alex­an­der Schrei­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK für Nie­der­bay­ern in Pas­sau, Jür­gen Kil­ger, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer Nie­der­bay­ern-Ober­pfalz, und Rai­ner Beck, Geschäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, unterschrieben.

Die Ein­stu­fung Tsche­chi­ens als Virus­mu­ta­ti­ons­ge­biet sei aus Sicht der regio­na­len Wirt­schaft fol­ge­rich­tig und unter­strei­che die Risi­ko-Beur­tei­lung gegen­über dem Infek­ti­ons­ge­sche­hen bei den tsche­chi­schen Nach­barn. Die an Tsche­chi­en gren­zen­den baye­ri­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mern sowie Hand­werks­kam­mern unter­stütz­ten die geplan­ten sta­tio­nä­ren Grenz­kon­trol­len, die Aus­wei­tung des Test­an­ge­bots auf baye­ri­scher und tsche­chi­scher Sei­te sowie eine siche­re Umset­zung der Ein­rei­se­ver­ord­nun­gen. „Gleich­zei­tig appel­lie­ren wir in einem heu­te ver­sand­ten Brand­brief an Minis­ter­prä­si­dent Dr. Mar­kus Söder, von einer fak­ti­schen Grenz­schlie­ßung in Form einer Qua­ran­tä­ne­pflicht von fünf Tagen nach Ein­rei­se mit nega­ti­vem Coro­na-Test abzu­se­hen”, so der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Regens­burg für Ober­pfalz /​Kel­heim, Dr. Jür­gen Hel­mes.
Eine sol­che Rege­lung kön­ne weder von den Betrie­ben, noch von den bay­ern­weit ins­ge­samt 23.000 tsche­chi­schen Pend­lern umge­setzt wer­den. In Fol­ge wür­den ab kom­men­der Woche in erheb­li­chem Umfang drin­gend benö­tig­te Fach­kräf­te in der Indus­trie, im Hand­werk, in der Logis­tik bei indus­tri­el­len Lie­fer­ket­ten, der Lebens­mit­tel­ver­sor­gung, der Ent­sor­gung und beim ÖPNV sowie in wei­te­ren Dienst­leis­tungs­be­rei­chen fehlen.


Euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Teststrategie

„Die Wirt­schaft in den Grenz­re­gio­nen hat seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie alle nöti­gen Maß­nah­men zum Infek­ti­ons­schutz kon­struk­tiv beglei­tet”, betont Gabrie­le Hohen­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth. „Durch vor­bild­li­che Infek­ti­ons­schutz­kon­zep­te haben die Unter­neh­men einen wich­ti­gen Bei­trag zum Schutz der Mit­ar­bei­ter und der Bevöl­ke­rung geleis­tet.” Die Wirt­schaft lobt die aktu­el­le Test­stra­te­gie, bei der die Berufs­pend­ler in einem 48-Stun­den-Tur­nus auf COVID19 getes­tet wer­den. „Dank der vor­bild­li­chen Arbeit der grenz­na­hen Land­rats­äm­ter und die Unter­stüt­zung des Frei­staats Bay­ern für umfang­rei­che Test­ka­pa­zi­tä­ten an den Gren­zen zu Tsche­chi­en konn­te ein in Euro­pa bei­spiel­lo­ses und wirk­sa­mes Test­sys­tem eta­bliert wer­den”, dan­ken Dr. Hel­mes und Hohen­ner den poli­ti­schen Verantwortlichen.

Die Wirt­schafts­ver­tre­ter sind über­zeugt, dass der grenz­über­schrei­ten­de Arbeits­markt an der baye­risch-tsche­chi­schen Gren­ze auch mit vor­über­ge­hen­den Grenz­kon­trol­len wei­ter bestehen kann, sofern die Rege­lun­gen in der Pra­xis umsetz­bar seien.

Sand­ker­wa 2021

„Die Bevöl­ke­rung sehnt sich nach Normalität”

Letz­tes Jahr muss­te die Bam­ber­ger Sand­ker­wa coro­nabe­dingt aus­fal­len, 2021 soll sie, vom 19. bis 23. August, wie­der statt­fin­den. Eine defi­ni­ti­ve Ent­schei­dung, ob oder ob nicht, kann die aus­rich­ten­de Bam­ber­ger Sand­ker­wa Ver­an­stal­tungs GmbH im Ange­sicht der der­zei­ti­gen Pan­de­mie-Ent­wick­lung und behörd­li­chen Beschluss­la­ge aber noch nicht tref­fen. Hin­zu kommt die Unsi­cher­heit, ob die GmbH einen erneu­ten Aus­fall wirt­schaft­lich über­le­ben könn­te. Mit Jür­gen Wirth, Geschäfts­füh­rer der Sand­ker­wa GmbH, haben wir im Web­echo-Inter­view über die Pla­nun­gen gesprochen.

Herr Wirth, wie sehen die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen des Aus­falls der Sand­ker­wa 2020 auf die Sand­ker­wa GmbH aus?

Jür­gen Wirth: Die Sand­ker­wa GmbH finan­ziert sich zur­zeit aus­schließ­lich durch ihre Rück­la­gen. Wir haben kei­ne Ein­nah­men, aber Aus­ga­ben wie Mie­te, Tele­fon und so wei­ter. Für ein Jahr ist so eine Finan­zie­rung mög­lich. Aber nicht für einen län­ge­ren Zeit­raum. Die­se schwie­ri­ge Situa­ti­on betrifft auch den Bür­ger­ver­ein 4. Distrikt, der sehr stark auf die Ein­nah­men aus der Sand­ker­wa ange­wie­sen ist.


Wie sähe der wirt­schaft­li­che Zustand der GmbH aus, wenn auch die Ker­wa 2021 aus­fie­le? Kön­nen Sie, wirt­schaft­lich gese­hen, nicht anders als die Ker­wa 2021 auszurichten?

Jür­gen Wirth: Soll­te die Sand­ker­wa 2021 wie­der aus­fal­len, dann müss­te man sich fra­gen, ob es noch Sinn ergibt, die GmbH wei­ter zu betrei­ben. Eine GmbH muss wirt­schaft­lich han­deln. Bei der Durch­füh­rung der Sand­ker­wa spie­len vie­le Fak­to­ren eine Rol­le. Es geht hier­bei nicht nur um das Wirt­schaft­li­che. Viel­mehr ste­hen die Sicher­heit und die Gesund­heit der Besu­cher im Vordergrund.


In einem jüngst erschie­ne­nen Pres­se­be­richt wird Horst Feul­ner, eben­falls Geschäfts­füh­rer der Sand­ker­wa GmbH, so zitiert, dass er davon aus­ge­he, dass die Sand­ker­wa 2021 vom 19. bis zum 23. August 2021 statt­fin­den wird. Was macht ihn sicher?

Jür­gen Wirth: Wir sind uns natür­lich nicht sicher, ob die Sand­ker­wa statt­fin­den wird – wir sind zuver­sicht­lich. Soll­ten in die­sem Jahr aber wie­der alle Volks­fes­te abge­sagt wer­den, dann geht eine gan­ze Bran­che in die Insol­venz. Ich glau­be, das möch­te kei­ner von uns miterleben.


Wel­che Inzi­denz (pro Woche und 100.000 Ein­woh­nern) darf für Sie nicht über­schrit­ten sein, damit die Ker­wa statt­fin­den kann?

Jür­gen Wirth: Wir machen die Ker­wa nicht von Inzi­denz­wer­ten abhän­gig. Viel­mehr rich­ten wir uns nach den Vor­ga­ben der Staats­re­gie­rung und den Ord­nungs- und Sicher­heits­be­hör­den. Eine gro­ße Rol­le spie­len auch noch die behörd­li­chen Auf­la­gen. Wenn die­se nicht umsetz­bar oder finan­zier­bar sind, dann wird es auch kei­ne Ker­wa geben.


Wie lan­ge bis vor dem 19. August wer­den Sie die Ent­wick­lung der Coro­na­zah­len bezie­hungs­wei­se die fina­le Ent­schei­dung für oder gegen die Aus­rich­tung der Ker­wa abwarten?

Jür­gen Wirth: Wir wer­den eine fina­le Ent­schei­dung so spät wie mög­lich tref­fen. Wahr­schein­lich im zwei­ten Quar­tal die­ses Jahres.


Sie haben ange­kün­digt, auf ein Hygie­ne­kon­zept zu ver­zich­ten und statt­des­sen auf eine Sta­bi­li­sie­rung des Infek­ti­ons­ge­sche­hens auf nied­ri­gem Stand und eine erfolg­reich ver­lau­fen­de Impf­kam­pa­gne zu hof­fen. Wie ris­kant ist die­ser Plan im Ange­sicht von Impf­skep­sis und der der­zei­ti­gen Lang­sam­keit, mit der das Imp­fen abläuft, und dem schlep­pen­den Nach­schub an Impfstoff?

Jür­gen Wirth: Geeig­ne­te Hygie­ne­kon­zep­te sind an der Sand­ker­wa nicht umsetz­bar. Viel­mehr müs­sen wir abwar­ten, wel­chen Plan die Staats­re­gie­rung für die Ver­an­stal­tungs­bran­che hat. Eine frei­wil­li­ge Imp­fung ist nun mal frei­wil­lig. Hier­von kann man kei­ne Ver­an­stal­tung abhän­gig machen.


Die Sand­ker­wa GmbH hat sich gegen eine Pri­vi­le­gie­rung von Geimpf­ten aus­ge­spro­chen. Warum?

Jür­gen Wirth: Wir wer­den kei­ne Maß­nah­men unter­stüt­zen, wel­che die Gesell­schaft spal­ten. Die Sand­ker­wa ist ein Fest für alle!


Gehen Sie davon aus, dass sich ähn­lich viel Publi­kum wie in den Jah­ren zuvor ein­fin­den wird, oder rech­nen Sie damit, dass ein Groß­teil mög­li­cher Besu­che­rin­nen und Besu­cher – unab­hän­gig vom Pan­de­mie­stand – aus Rest-Sor­ge um eine Anste­ckung der Ker­wa doch fernbleibt?

Jür­gen Wirth: Die Bevöl­ke­rung sehnt sich, nach fast einem Jahr, nach Nor­ma­li­tät. Die Besu­cher­zah­len wer­den sta­bil bleiben.


Soll­te die Sand­ker­wa 2021 statt­fin­den – wel­che Neue­run­gen im Pro­gramm, Ablauf, Auf­bau, et cete­ra wird es geben?

Jür­gen Wirth: Es sind kei­ne Ver­än­de­run­gen am Pro­gramm geplant. Die Sand­ker­wa bleit ihren Tra­di­tio­nen treu.

Bilanz 2020 weist ein Über­nach­tungs-Minus von 41,4 Pro­zent aus

Schmerz­li­ches Jahr für den Bam­ber­ger Tourismus

Nur weni­ge Bran­chen haben die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Maß­nah­men so dras­tisch erfah­ren müs­sen wie der Tou­ris­mus. Nach den offi­zi­el­len Über­nach­tungs­zah­len des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes ver­zeich­net Bam­berg ein Minus von 41,4 Pro­zent bei den Über­nach­tun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr im Ver­gleich zu 2019, wie die Stadt Bam­berg mitteilt.

Im Früh­jahr 2020 wur­de das Rei­sen mit als ers­tes ver­bo­ten und alle ent­spre­chen­den Betrie­be geschlos­sen, und auch im Jahr 2021 wird das Rei­sen wohl zu den letz­ten Berei­chen des öffent­li­chen Lebens gehö­ren, die wie­der frei agie­ren kön­nen. Die Umsatz­ein­bu­ßen im Gast­ge­wer­be und im Bereich der tou­ris­ti­schen Dienst­leis­tun­gen sind immens, vie­le Anbie­ter ver­su­chen sich mit Über­brü­ckungs­hil­fen, Novem­ber­hil­fen und Kurz­ar­beit wei­ter über Was­ser zu halten.

Nun lie­gen die offi­zi­el­len Über­nach­tungs­zah­len des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes für das Jahr 2020 vor und war­ten mit der ers­ten offi­zi­el­len Gesamt­sta­tis­tik für das ver­gan­ge­ne Jahr auf. Sie machen unmiss­ver­ständ­lich deut­lich, wie sehr die Bran­che unter den Ein­schrän­kun­gen gelit­ten hat.

Ver­zeich­ne­te Bam­berg im Jahr 2019 noch 753.220 Über­nach­tun­gen, so fällt die Zahl der Über­nach­tun­gen für 2020 auf 441.424 zurück, ein Minus von 41,4 Pro­zent. Die­ser Rück­gang unter­streicht in sei­ner Höhe noch ein­mal die dra­ma­ti­sche Situa­ti­on für die Bran­che ins­ge­samt. Mit Bekannt­ga­be der Jah­res­sta­tis­tik legt der Bam­berg Tou­ris­mus & Kon­gress Ser­vice (TKS) gleich­zei­tig auf dem Tou­ris­mus­blog „Tou­ris­mus in Bam­berg – Die Bilanz des Jah­res 2020“ sei­nen Jah­res­be­richt vor und zeigt unter ande­rem die Ver­lus­te in den unter­schied­li­chen Geschäfts­be­rei­chen die­ses wirt­schaft­lich täti­gen städ­ti­schen Betriebs auf. Ganz mas­siv ist der Rück­gang im Bereich der Grup­pen­rei­sen, die 2020 so gut wie ganz­jäh­rig nicht mög­lich waren. Hier beklagt der TKS Ver­lus­te von rund 90 Pro­zent. Auch wenn der Som­mer durch den Zuspruch vie­ler Gäs­te, vor allem aus dem Inland, weni­ger dra­ma­tisch ver­lau­fen ist als der Rest des Jah­res, so fällt auch die Gesamt­bi­lanz bei den Stadt­füh­run­gen, dem stärks­ten Umsatz­brin­ger des TKS, mit einem Ver­lust von 76 Pro­zent äußerst nega­tiv aus. Nur 2.747 Füh­run­gen gab es zuletzt im Wen­de­jahr 1989, der Umsatz von 220.670 Euro fällt ent­spre­chend mager aus. Auch der Umsatz durch den Ver­kauf in der Tou­rist Info liegt mit 288.267 Euro nur bei 55 Pro­zent eines nor­ma­len Jahres.


Vie­le Wirt­schafts­zwei­ge lei­den mit 

„Alles in allem ein ver­hee­ren­des Jahr für den Tou­ris­mus in Bam­berg“, so der städ­ti­sche Tou­ris­mus­re­fe­rent Dr. Ste­fan Gol­ler. „Beson­ders schmerz­lich ist die­se Ent­wick­lung für die vie­len Anbie­ter tou­ris­ti­scher Dienst­leis­tun­gen und für das Gast­ge­wer­be, aber auch für Kul­tur­anbie­ter, die nor­ma­ler­wei­se auch mas­siv von aus­wär­ti­gen Besu­che­rin­nen und Besu­chern pro­fi­tie­ren. Letzt­lich lei­den aber vie­le wei­te­re Wirt­schafts­zwei­ge eben­falls unter dem Ver­lust der Tou­ris­ten, vom Bäcker bis zum Taxi­un­ter­neh­men, vom Ein­zel­han­del bis zur Ver­an­stal­tungs­bran­che. In einem nor­ma­len Jahr erwirt­schaf­tet der Tou­ris­mus in Bam­berg über 330 Mio. Euro Bruttoumsatz.“

Micha­el Heger, Lei­ter des TKS, ver­brei­tet den­noch Zuver­sicht: „Es geht jetzt für unse­re vie­len Part­ner in Bam­berg und im Bam­ber­ger Land dar­um, die nächs­ten Wochen wirt­schaft­lich durch­zu­ste­hen, bis nach Ostern die Pan­de­mie hof­fent­lich stär­ker in ihre Schran­ken ver­wie­sen wer­den kann und ers­te Locke­run­gen auch das Rei­sen betref­fen kön­nen. Stu­di­en zei­gen, dass die Rei­se­lust der Deut­schen unge­bro­chen ist. Es wird auch 2021 den Trend zum siche­ren Urlaub im eige­nen Land geben und davon wer­den wir in Bam­berg und im Bam­ber­ger Land wie­der pro­fi­tie­ren kön­nen. Wir ste­hen mit unse­ren Ange­bo­ten und den digi­ta­len Buchungs­mög­lich­kei­ten trotz Kurz­ar­beit und Home-Office jeder­zeit bereit, wenn wir sei­tens Poli­tik und Pan­de­mie­la­ge grü­nes Licht bekommen.“

Der aus­führ­li­che Jah­res­be­richt mit Infor­ma­tio­nen zu den Sta­tis­ti­ken und zu den wich­tigs­ten Ent­wick­lun­gen des Jah­res 2020 im TKS und im Bam­berg-Tou­ris­mus ist zu fin­den auf https://blog.bamberg.info/tag/tourismusstatistik/

Trend­aus­wer­tung Kon­junk­tur Bamberg

Deut­lich trü­be­re Aussichten

Der Jah­res­wech­sel stand auch für die Wirt­schaft in Stadt und Land­kreis Bam­berg unter schwie­ri­gen Vor­zei­chen, wie die IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth mit­teilt. In der aktu­el­len IHK-Kon­junk­tur­um­fra­ge ver­mel­den die befrag­ten Bam­ber­ger Unter­neh­men eine deut­lich schlech­te­re aktu­el­le Geschäfts­la­ge als noch im Herbst 2020.

Zu den Erwar­tun­gen an die kom­men­den zwölf Mona­te hin­ge­gen äußern sich die Befrag­ten etwas opti­mis­ti­scher. „Wie die gesam­te Wirt­schaft lei­den auch die Unter­neh­men der Regi­on Bam­berg stark unter der Coro­na-Pan­de­mie. Bran­chen­über­grei­fend sind vie­le Betrie­be zum Nichts­tun ver­dammt oder ver­zeich­nen wegen der staat­li­chen Beschrän­kun­gen hohe Umsatz­ein­bu­ßen. Alle set­zen ihre Hoff­nun­gen auf Locke­run­gen für die Geschäfts­welt, die für kräf­ti­gen Rücken­wind sor­gen kön­nen. Die jüngs­ten Ent­schei­dun­gen der Poli­tik geben aber nur wenig Anlass zur Hoff­nung. Kla­re Per­spek­ti­ven feh­len nach wie vor“, so Son­ja Weig­and, IHK-Prä­si­den­tin und Vor­sit­zen­de des IHK-Gre­mi­ums Bam­berg. Der Kon­junk­tur­kli­ma-index für die Regi­on Bam­berg gibt aktu­ell um acht Punk­te nach und liegt nun bei 91 Zählern.

Das Auf und Ab der Geschäfts­la­ge setzt sich auch im neu­en Jahr fort. Nach­dem im letz­ten Früh­jahr die Wer­te mas­siv ein­ge­bro­chen waren, erhol­te sich die Geschäfts­la­ge im Herbst zunächst wie­der, um zu Jah­res­be­ginn erneut deut­lich nach­zu­ge­ben. 43 Pro­zent der Betrie­be aus Stadt und Land­kreis Bam­berg bewer­ten ihre aktu­el­le Geschäfts­la­ge schlecht, nur 27 Pro­zent nen­nen sie gut. Damit rutscht die Lage­be­ur­tei­lung im Sal­do merk­lich in den nega­ti­ven Bereich. „Das Ergeb­nis sagt viel über den tat­säch­li­chen Zustand der Wirt­schaft aus und ist durch­aus alar­mie­rend. Immer mehr unse­rer Mit­glieds­un­ter­neh­men kämp­fen inzwi­schen um ihre Exis­tenz“, so Weig­and. Knapp die Hälf­te der Befrag­ten berich­tet auch von einer nega­ti­ven Umsatz­ent­wick­lung. Dies betrifft sowohl Umsät­ze im In- und im Aus­land. Dem­zu­fol­ge lei­det bei die­sen Unter­neh­men auch die Kapa­zi­täts­aus­las­tung oder befin­det sich auf einem nied­ri­gen Niveau.


Die Hoff­nung bleibt bestehen

Die Bam­ber­ger Unter­neh­men schrei­ben die kom­men­den Mona­te aber noch nicht ab. Ein Vier­tel der Befrag­ten rech­net mit einer Ver­bes­se­rung der Geschäfts­la­ge, wei­te­re 49 Pro­zent gehen von kei­ner gra­vie­ren­den Ver­än­de­rung aus, 26 Pro­zent befürch­ten eine Ver­schlech­te­rung. Dies zeigt die Zuver­sicht, die eine über­wie­gend gro­ße Zahl den­noch ver­spürt. Ähn­lich sta­bi­le Erwar­tun­gen for­mu­lie­ren die Fir­men auch bei der Ein­schät­zung der künf­ti­gen Umsatz­ent­wick­lung im In- und Aus­land. „Die Wirt­schaft traut sich wei­ter­hin viel zu. Grund­vor­aus­set­zung für eine Erho­lung sind aber nach­hal­ti­ge Locke­run­gen der Coro­na-Beschrän­kun­gen für die Betrie­be, damit die Unter­neh­men wie­der Pla­nungs­si­cher­heit erlan­gen. Wir sind zuver­sicht­lich, sonst wären wir kei­ne Unter­neh­mer. Etli­che Unter­neh­men aber wer­den die­se Kri­se wohl nicht über­ste­hen, weil für sie die Geschäfts­tä­tig­keit zu lan­ge ein­ge­schränkt oder unmög­lich war und die öffent­lich zuge­sag­ten Hil­fen nicht oder ein­fach zu spät ankom­men“, erläu­tert die Präsidentin.


Deut­li­che Spu­ren auf dem Arbeitsmarkt

Der der­zei­ti­ge Lock­down hat nach Ein­schät­zung der befrag­ten Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer nega­ti­ve Fol­gen für den Arbeits­markt. Dazu kommt im Raum Bam­berg die ohne­hin schwie­ri­ge Lage der Auto­mo­bil­zu­lie­fer­indus­trie. Tei­le der Wirt­schaft sind daher gezwun­gen, ihre Beleg­schaft zu redu­zie­ren. „Unter­neh­men kön­nen nicht in ihrem Geschäft ein­ge­schränkt oder gar gänz­lich geschlos­sen wer­den, ohne dass dies nach­hal­ti­ge Aus­wir­kun­gen auf den Arbeits­markt hat“, betont Weig­and. Ein gewis­ser Erho­lungs­ef­fekt ist aber auch für den Arbeits­markt zu erwar­ten, sobald das Geschäfts­le­ben in allen Bran­chen wie­der durch­star­ten kann.

Sor­gen macht sich die IHK-Prä­si­den­tin auch um die Zukunft des Wirt­schafts­stand­or­tes. „Die Basis und die Stär­ke des Wirt­schafts­stand­or­tes Ober­fran­ken sind die vie­len, soli­den, fami­li­en­ge­führ­ten mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men. Schon in wirt­schaft­lich guten Zei­ten ist es für zahl­rei­che Unter­neh­mer schwer, die Nach­fol­ge in der eige­nen Fami­lie zu regeln. Jetzt, in so schwie­ri­gen Zei­ten, ist die­se Her­aus­for­de­rung noch ungleich grö­ßer. Ver­lie­ren wir die­se Unter­neh­men, wird dem Wirt­schafts­stand­ort Pro­spe­ri­tät und damit Wett­be­werbs­fä­hig­keit ver­lo­ren gehen“, so Son­ja Weigand.

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