Browse Tag

Stadtecho-Kolumne

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben: Aus der Not­durft eine Tugend!

In sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne wirbt Flo­ri­an Herrn­le­ben für unkon­ven­tio­nel­le Lösungs­an­sät­ze für eini­ge Bam­ber­ger Probleme.

Für sei­ne sie­ben Hügel ist Bam­berg welt­weit bekannt. Scha­ren­wei­se Tou­ris­ten las­sen sich in den kom­men­den Mona­ten wie­der durch die Früh­lings- und die Som­mer­son­ne durch Bam­berg jagen. Es geht dann eng zu in den Stra­ßen und Gas­sen der Stadt. Erfreu­li­cher­wei­se hat es die Ver­wal­tung zwi­schen­zeit­lich und bekann­ter­ma­ßen dank erfolg­rei­cher Deals mit aus­rei­chend zuver­läs­si­gen Bau­trä­gern – absicht­lich oder unab­sicht­lich, dar­über lässt sich vor­treff­lich strei­ten – geschafft, die Tou­ris­ten­strö­me nun auch in Rich­tung Erba-Halb­in­sel zu ent­zer­ren, wo – inzwi­schen weiß es dank „BR quer“ in Bay­ern wie­der fast jeder – ein ach­ter Hügel zu bestau­nen ist. Noch zwei, drei Gene­ra­tio­nen und die Aus­hu­ber­he­bung steht min­des­tens unter Denk­mal­schutz oder zählt gar als 8. Bam­ber­ger Welt­wun­der­hü­gel­chen. Alle wer­den stau­nen, ein gro­ßer Erfolg!

„Aus der Not eine Tugend machen“: Wäre das nicht auch der Lösungs­an­satz für so vie­le Pro­ble­me und Absur­di­tä­ten, die wir als lie­ben­de Bam­ber­ger in unse­rem gelieb­ten Bam­berg so schät­zen, für die wir uns über die letz­ten Jah­re – mal mehr, mal weni­ger – empor­ge­ti­telt haben in den Zei­tun­gen der Repu­blik als klei­nes Volk, des­sen Ober­schicht allen rechts­staat­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen, dem daten­schüt­zends­ten Daten­schutz und dem här­tes­ten aller Tarif­rech­te trotzt?

Neh­men wir die inzwi­schen unzähl­ba­ren Schlag­lö­cher auf städ­ti­schen Stra­ßen, die uns die Band­schei­ben beim sonn­täg­li­chen Fahr­rad­aus­ritt mal­trä­tie­ren. Wer hät­te gedacht, dass die Idee eines SUV-Off­road­par­cours aus dem Wahl­pro­gramm der Par­tei DIE PARTEI aus dem Jahr 2020 so kon­se­quent wei­ter­ver­folgt wird? „Bam­berg schleu­dert! Ein­tritt frei!“ sehe ich schon auf dem Ban­ner ste­hen, das sich quer über die König­stra­ße spannt. Natür­lich – wir sind 2024 – nur zuge­las­sen für Las­ten­fahr­rä­der. SUVs sind uner­wünscht. Und gewon­nen hat, wer eini­ger­ma­ßen heil ankommt und unter­wegs kei­nes der zuge­los­ten Kin­der mit­tels schlag­löch­ri­ger Sprung­schan­zen in hohem Bogen hin­aus­ka­ta­pul­tiert hat.

Apro­pos Kin­der. Wenn uns die Off­roa­de­vents lang­wei­len, enga­gie­ren wir alle Kin­der, die ab Herbst kei­nen Ganz­tags­be­treu­ungs­platz ergat­tern konn­ten, und las­sen sie den Stra­ßen­be­lag bear­bei­ten. Mit ihren klei­nen Fin­ger­chen kön­nen sie jede Rit­ze, jedes noch so klei­ne Schlag­loch mit roter, blau­er oder gel­ber Knet­mas­se auf­fül­len. Ein­mal getrock­net hält sie erfah­rungs­ge­mäß sowie­so bes­ser und ist fes­ter als jede Teer­mi­schung. „Kin­der weg von der Stra­ße!“ war ges­tern. „Raus auf die Fahr­bahn!“ ist das neue Cre­do, das uns deutsch­land­weit bekannt machen wird als die Stadt mit schöns­ten Stra­ßen, die oben­drein locker den anste­hen­den Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung erfüllt.

Auf anschlie­ßen­de Stra­ßen- und Fahr­bahn­mar­kie­rung kön­nen wir, ach was, soll­ten wir getrost ver­zich­ten. Wie viel Ärger gibt es wegen alter gel­ber Strei­fen hier und noch kei­ner neu­er wei­ßer Strei­fen dort. Wenn wir Kin­dern ein­fach nur Farb­ei­mer in die Hand drü­cken und einen dicken Pin­sel dazu, damit sie das tun kön­nen, was Kin­der am liebs­ten tun, näm­lich mit Far­be irgend­wo her­um­ma­len, dann brin­gen sie die Nach­mit­ta­ge schon rum, an denen sie sonst nur – man­gels Betreu­ungs­an­ge­bot – unbe­treut zuhau­se vor der Glot­ze sit­zen wür­den. Und der Bam­berg Ser­vice als neu­er städ­ti­scher Ganz­tags­be­treu­ungs­trä­ger wacht höchst­selbst dar­über, dass kein Kind ver­lo­ren geht.

Nur beim Krä­hen­volk am Grü­nen Markt wird es schwer mit einer aus der Not gemach­ten Tugend mit Blick auf die Grund­schul­kin­der unse­rer Stadt. Sol­len wir ihnen ernst­haft einen Eimer Was­ser samt Schwamm in die Hand drü­cken gegen die nis­ten­de und ver­dau­en­de Vogel­es­ka­la­ti­on von oberhalb?

Ach, kommt, las­sen wir die Saat­krä­hen ein­fach machen. Viel­leicht haben wir dann in ein paar Jah­ren den 9. Hügel in unse­rem welt­weit bekann­ten Bam­berg. „Aus der Not­durft eine Tugend!“ – So heißt das Sprich­wort, oder?

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben: Nix mehr, wie es mal war! Sapperlot!

In sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne gedenkt Flo­ri­an Herrn­le­ben eini­ger städ­ti­scher Ver­än­de­run­gen in Bam­berg der letz­ten Jahr­zehn­te. Und sieht mit Bahn­stre­cke und Schlacht­hof Par­al­le­len zu heute.

Wie soll man sich in die­ser Stadt noch zurecht­fin­den, wo sich die Welt schnel­ler um ihren eige­nen Nabel dreht als anderswo.

Mit dem Nie­der­gang des Honer ging es in mei­ner Erin­ne­rung los. Ich den­ke noch an die Zei­ten – es muss Ende der 1980er-Jah­re gewe­sen sein – als man im Unter­ge­schoss noch lebens­mit­tel­tech­nisch nah­ver­sorgt wur­de. Der Kar­stadt hieß damals noch Her­tie und war schräg gegen­über, also hin­ter der Kir­che Alt St. Mar­tin, die damals – ich kann mich nicht mehr direkt erin­nern – noch auf dem Max­platz gestan­den haben muss, mit Fried­hof drum­her­um. Heu­te fris­tet der Max­platz ein Dasein wie das obers­te Park­deck vom Atri­um-Park­haus, nur noch langweiliger.

Dem Spiel­wa­ren Korb an der Pro­me­na­de hin­ter­lie­ßen wir einen nas­sen Gesichts­m­und­na­sen­ab­druck am Schau­fens­ter. Rein gegan­gen sind wir nie, weil man immer sofort ent­geis­tert von über­rasch­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen ange­spro­chen wur­de, die auf uns Kin­der wirk­ten, als wür­den sie uns am liebs­ten selbst for­ma­lin­ge­tränkt ins Pup­pen­re­gal set­zen. Even­tu­ell war der aus die­ser Angst poten­ti­el­ler Kund­schaft resul­tie­ren­de wirt­schaft­li­che Erfolg des Ladens letz­ten Endes der Grund, war­um es an jener Stel­le heu­te – unter­neh­me­risch erfolg­rei­cher – Gra­nu­fink und Pro­sta­ta for­te für die inzwi­schen deut­lich geal­ter­ten Kin­der von damals gibt.

Und wo wir schon an der Pro­me­na­de sind: Die­ses für uns Kin­der son­der­bar wir­ken­de Kreis­wehr­ersatz­amt, das, war man als Jun­ge mit hol­den 18 Jah­ren dann zum ers­ten Mal zu Gast, innen ganz anders aus­sah, als man es sich vor­ge­stellt hat­te. Und mit „anders“ mei­ne ich nicht „bes­ser“. Es erstrahlt heu­te in etwas wei­ßer und etwas blau­er, ansons­ten kaum ver­än­dert, als bür­ger­freund­li­ches Rat­haus am ZOB. – Genau, der ZOB! – Den es ja auch noch nicht seit Kai­ser Hein­rich an der Stel­le gab. Die mit­te­läl­te­ren Leser wer­den sich noch an die Zeit ohne den form­schö­nen Plas­tik­bau erinnern.

Und frei­lich! Gegen­über! Das Da-am-Eck-da, der Tabak- und Zeit­schrif­ten­la­den links, des­sen Geruch ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen schon gern moch­te, und ganz hin­ten – den Gang ent­lang, des­sen Geruch ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht so gern moch­te – die Frischfleisch‑, Frisch­fisch- und Frisch­kä­se­the­ken. Nie­der­ge­bre­zelt von der Abriss­bir­ne und ersetzt durch Nah­ver­sor­ger, die – wie soll man es posi­tiv und in roman­tisch ver­bli­che­ner Erin­ne­rung aus­drü­cken – heu­te defi­ni­tiv mas­sen­kom­pa­ti­bler sind. Zumin­dest die Erin­ne­rung an den Gang hin­ter­wärts zur Fisch­the­ke hat man in Form des klei­nen Tun­nels zwi­schen Pro­me­na­de und Lan­ger Stra­ße am Leben erhal­ten. Und hin­ter der Lan­gen Stra­ße die Thea­ter­gas­sen, die es vor 40 Jah­ren so noch nicht gab, der Neu­bau am Stadt­thea­ter, der Spiel­platz im Har­mo­nie­gar­ten, der damals ein Traum für uns gewe­sen wäre, ….

In Bam­berg hat sich in den letz­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten viel ver­än­dert, nicht nur mit Blick auf den klei­nen Radi­us, den ich beschrie­ben habe.

Nun wird halt die Bahn unwei­ger­lich ihre Schnei­se durch den Bam­ber­ger Osten zie­hen und das Stadt­bild mas­siv ver­än­dern. Über das net­te Gefühl hin­aus, dass wir unge­fähr mit­re­den durf­ten, wird es weni­ger Vor­tei­le als Nach­tei­le mit sich brin­gen. Und auch mit dem Schlacht­hof wird es bekann­ter­ma­ßen nicht so wei­ter­ge­hen wie gehabt.

Bam­berg ver­än­dert sich, mal zum Posi­ti­ven, mal zum Nega­ti­ven, aber jeden­falls stän­dig. Oft weiß man erst Jah­re oder Jahr­zehn­te spä­ter, ob es sinn­voll, erfolg­reich oder Quark war, aber meist gibt’s jetzt schon Geschrei von den einen, denen es nicht schnell genug geht. Und den ande­ren, die lie­ber alles so bei­be­hal­ten wür­den. Sap­per­lot! Nix ist mehr, wie es mal war!


Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben über sei­ne Fastenpredigt

Am 17. Febru­ar fand zum neun­ten Mal die Bam­ber­ger Fas­ten­pre­digt statt, zum zwei­ten Mal trug sie Flo­ri­an Herrn­le­ben, ali­as Bru­der Udal­rich, vor. In sei­ner aktu­el­len Stadt­echo-Kolum­ne zieht er Bilanz sei­nes Auf­tritts und erklärt, war­um es aus sei­nem Bier­krug dampfte.

Mei­ne Fas­ten­pre­digt 2024 ist vor­bei. Die Anspan­nung war immens: Passt der Text? Ist es zu viel oder zu wenig, zün­den alle Poin­ten? Tref­fen sie die Rich­ti­gen? Stimmt die Gewich­tung zwi­schen den ein­zel­nen Figu­ren auf dem Schach­brett der Lokalpolitik?

Neben all die­sen inhalt­li­chen Fra­gen geht es für einen Mann der hie­si­gen Öffent­lich­keit, also jeman­den wie mich, auf den ganz Bam­berg, ach was, Bay­ern und die Welt, in den Stun­den der Pre­digt schaut, auch um eine zwei­te Dimen­si­on: Der Auf­tritt als sol­ches in Kut­te muss stim­men. Das Zei­gen von Schwä­che, von jeg­li­cher Unsi­cher­heit muss mit allen Mit­teln ver­hin­dert wer­den. Nie­mand darf im Lauf des Abends an der Sou­ve­rä­ni­tät des Fas­ten­pre­di­gers Zwei­fel hegen: Die Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker, die jedes Wackeln sofort als Bestä­ti­gung ihrer eige­nen Rechts­auf­fas­sung aus­le­gen wür­de. Und mög­li­che Anwär­te­rin­nen und Anwär­ter auf den Platz in der Kan­zel eben­so, die nur dar­auf war­ten, den rich­ti­gen Moment abzu­pas­sen, um selbst die städ­ti­sche Mei­nungs­ho­heit zu erlangen.

Es lief gut an. Das Lied über die Fengs­hui-Stei­ne der Stadt­bau zün­de­te, spä­tes­tens beim klei­nen Schimpf auf den städ­ti­schen Park­über­wa­chungs­dienst hat­te ich das Publi­kum auf mei­ner Sei­te. Der Büh­nen­pro­fi weiß: Das war ein sou­ve­rä­ner 2:0‑Vorsprung in der 10. Minu­te, den man nor­ma­ler­wei­se gut über die Zeit ret­ten kann, wenn…

Ja, wenn einen nicht plötz­lich die Stim­me aus­kon­tert. Ein­mal, dann ein zwei­tes Mal. Leich­tes Krat­zen zuerst, dann kurz mal ein Weg­blei­ben des Tons beim Sprechen.

Mei­ne mir Getreu­en waren – per­fek­te Vor­be­rei­tung ist ja alles – umfas­send instru­iert für mög­li­che Not­fäl­le auf der Büh­ne, die sie dis­kret zu lösen hät­ten. Für den Fall von plötz­li­chen Hals- oder Stimm­pro­ble­men hat­te ich eine Ther­mos­kan­ne mit Tee in mei­ner Gar­de­ro­be posi­tio­niert. Die­se über Jahr­hun­der­te und Gene­ra­tio­nen wei­ter­ge­ge­be­ne Spe­zi­al­mi­schung wür­de in sol­chen brenz­li­gen Situa­tio­nen zuver­läs­sig und schnell hel­fen, wuss­te ich. Und die­se brenz­li­ge Situa­ti­on war nun gekom­men, die Hel­fer reagier­ten schnell. Aber sie reagier­ten lei­der falsch.

Ich mei­ne, ich habe im Vor­feld extra noch belehrt: Nehmt den Stein­krug von mei­ner Kan­zel, geht bit­te mit ihm raus, schenkt im Back­stage etwas aus mei­ner gehei­men Spe­zi­al­mi­schung hin­ein und bringt ihn mir wie­der. Nie­mand wür­de es mer­ken, war ich mir sicher. Der Fas­ten­pre­di­ger trinkt halt viel Bier, wür­den alle Zuschau­er den­ken. Das passt ins Image!

Nun. Es ging schief. – Der Moment, wo dir vor den Augen von über 500 Zuschaue­rin­nen und Zuschau­ern damp­fen­der Tee in dei­nen ver­meint­lich mit Bier gefüll­ten Stein­krug gegos­sen wird, ist kein schö­ner. Das über Jah­re auf­ge­bau­te Image war inner­halb weni­ger Sekun­den zer­stört. Aus dem scho­nungs­lo­sen Kaba­ret­tis­ten war ein Salb­eis­eicht­ling gewor­den. Fata­ler wäre wahr­schein­lich nur gewe­sen, auf der Büh­ne eine Gemü­se­brü­he zu schlürfen.

Der stadt­be­kann­te Kaba­ret­tist, der bekann­ter­ma­ßen scharf­zün­gi­ge Kolum­nist: Aus den eige­nen Rei­hen kom­plett düpiert, und nun auf Ewig gebrand­markt als der­je­ni­ge, der dem mar­kan­ten Hop­fen die bra­ve Kamil­le vor­zieht. Wer soll mich jemals wie­der ernst nehmen?

Immer und immer wie­der wird man jenen 17. Febru­ar 2024 aus dem Gedächt­nis kra­men, als ich, Bam­bergs kaum tast­ba­rer Kaba­ret­tist, sei­ne Unan­tast­bar­keit ver­lor, weil es aus dem Stein­krug, aus dem es her­aus­schäu­men soll­te, minu­ten­lang nur kläg­lich dämpf­el­te. Der größ­te Spe­cial-Effekt des Abends: Eine Pyro­tech­nik des Grau­ens, gut sicht­bar für alle über­tra­gen auf gro­ße Lein­wand und Fernseher.

Okay, die Uhr lässt sich nicht zurück­dre­hen, aber nur damit es klar ist: Mein Hals ist wie­der top! Das war nur ein kur­zes, klei­nes Kratzen!

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben über: Hin­ter den Gleisen

In Bam­berg gibt es sozia­le Unter­schie­de je nach dem, auf wel­cher Sei­te der Bahn­glei­se man lebt. In sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne wünscht sich Flo­ri­an Herrn­le­ben mehr Wert­schät­zung für die Stadt­tei­le „Hin­ter den Gleisen“.

In der Gereuth klir­ren die Schei­ben, im Bam­ber­ger Nor­den rie­chen die Men­schen wahl­wei­se nach Schlacht­ab­fäl­len oder Müll­heiz­kraft­werk, am Cher­bon­hof hau­sen die Ökos in Zel­ten aus Rup­fen­sä­cken, in der Innen­stadt, die voll ist mit Stu­den­ten, fah­ren alle nur noch mit Las­ten­fahr­rä­dern. Und hin­ter die Glei­se, da zieht nur hin, wer kom­plett geschmacks­frei gar nix auf sich hält. Mit Vor­ur­tei­len und Kli­schees, da spa­ren wir nicht. Wir ken­nen uns in unse­rem Bam­berg aus, mei­nen wir, samt jeweils gepach­te­ter Wahrheit!

Der Sozi­al­struk­tur­at­las, den das Rat­haus seit 2021 jähr­lich ver­öf­fent­licht, gibt einen klei­nen Ein­blick in die unter­schied­li­chen Stadt­tei­le und ver­sucht – zumin­dest hin­sicht­lich der sozia­len Struk­tur –, den gefühl­ten Wahr­hei­ten fun­dier­te Fak­ten zu ent­geg­nen. Die Daten aus dem über hun­dert­sei­ti­gen Doku­ment, kön­nen – so die wohl­klin­gen­de Ein­lei­tung – für die städ­ti­sche Pfle­ge­be­darfs­pla­nung, die städ­ti­sche Bedarfs­pla­nung der Jugend­so­zi­al­ar­beit an den Schu­len, das Inte­grier­te Städ­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­kon­zept und für vie­les mehr – betont – gewinn­brin­gend genutzt werden.

Kön­nen, aber nicht müs­sen. Nie­mand dürf­te nach Blick ins Zah­len­werk (geht not­falls auch ohne Blick, nur mit den eige­nen, gefühl­ten Wahr­hei­ten) das Bam­ber­ger West-Ost-Gefäl­le ver­ken­nen, das so man­cher – der Bau­re­fe­rent wür­de sagen: „pri­vi­le­gier­te“ – Mit­bür­ger nase­rümp­fend von Insel und Berg aus als „dort hin­term Bahn­hof“ bezeich­net. Die Wahr­heit zum Bam­ber­ger Osten ist nicht schön. Aber hausgemacht.

Natür­lich zie­len der Bericht und sei­ne Ergeb­nis­se pri­mär auf Wei­ter­ent­wick­lung im Sozi­al­be­reich. Aber hängt nicht alles immer zusam­men? Also Kul­tur- und Sport­an­ge­bo­te, vor allem Wertschätzung?

Wäh­rend Jahr für Jahr Mil­lio­nen in die so oft zitier­ten Leucht­tür­me gepumpt wer­den, die die Insel mit Thea­ter und Sym­pho­ni­ker und das Berg­ge­biet mit den Muse­en strah­len las­sen, scheut man sich im Osten vor dem gro­ßen Wurf. Man malert sogar lie­ber ein wei­te­res Mal am schmu­cken Alten Rat­haus her­um, bevor man zumin­dest den klei­nen Wurf mit der Reit­hal­le als Kul­tur­zen­trum im Osten angeht. Die Beden­ken­trä­ger hin­sicht­lich mög­li­cher Betriebs­kos­ten schei­nen aktu­ell am lautesten.

Dabei wäre eben jenes enga­gier­te Ange­hen von Kul­tur ein ers­tes Signal in den Osten der Stadt, der – sagen wir es diplo­ma­tisch – vor bud­ge­tier­ten Kul­tur­ein­rich­tun­gen eher nicht strotzt. Für einen Stadt­rat, der auch dem Stadt­teil hin­ter den Glei­sen ver­pflich­tet ist, dürf­te sich die Fra­ge nach der Not­wen­dig­keit spä­tes­tens nach einem Blick auch in den Sozi­al­struk­tur­at­las auch nicht mehr stel­len. Statt­des­sen han­gelt man sich ali­bi­mä­ßig vom Pla­nen einer Mach­bar­keits­stu­die zur nächs­ten Mach­bar­keits­stu­die und wie­der zurück, spielt Hüt­chen zwi­schen Post- und Reit­hal­le, und besänf­tigt so den bevöl­ke­rungs­reichs­ten Stadt­teil, der kul­tu­rell seit Jahr­zehn­ten defac­to nicht mehr statt­fin­det. Und reno­viert statt­des­sen lie­ber wei­ter Rat­häu­ser dies­seits der Gleise.

Bam­bergs Teil „Hin­ter den Glei­sen“ ist zu groß, als dass es sich die Volks­hoch­schu­le im E‑Werk leis­ten könn­te, nur in Rich­tung Insel zu schau­en. Bam­bergs Teil „Hin­ter den Glei­sen“ ist auch zu groß, um dem Stadt­thea­ter zuzu­ge­ste­hen, dass es künst­le­risch nur an Wir­kungs­stät­ten ergie­big sein kann, wo E.T.A. Hoff­mann per­sön­lich schon getobt hat. Und die Sym­pho­ni­ker dür­fen gern auch mal mit ihrem Bus auf die Sta­di­onwie­se fahren.

Mit akti­ver, ech­ter Wert­schät­zung sei­tens der Poli­tik gin­ge es los, Inves­ti­tio­nen müs­sen fol­gen, die sat­ten städ­ti­schen Insti­tu­tio­nen dür­fen mit­hel­fen und wir alle arbei­ten jetzt schon an unse­ren Vor­ur­tei­len, um recht­zei­tig zu sagen: „Hin­ter den Glei­sen, da ist die Sze­ne, da wol­len wir hin!“

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben über den BAMBERG-Schriftzug

Was mach­te der belieb­te BAM­BERG-Schrift­zug in Hall­stadt? Flo­ri­an Herrn­le­ben gibt in sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne Auskunft.

Es pas­sie­ren Din­ge in unse­rer Stadt. Geheim­nis­vol­le Din­ge. Über­stun­den, die es nicht gab, aber abge­rech­net wur­den, links­dre­hen­de Schwin­gun­gen in der Stadt­bau­zen­tra­le, die ohne modi­schen Fengs­hui-Stein­plat­ten­tel­ler im Kel­ler nun rechts­dre­hen, mys­te­riö­se Luft­num­mern namens Sand­mann und Haus­dör­fer in den sozia­len Medi­en. Über vie­les haben wir gespro­chen, konn­ten aber nicht alles aufklären.

Neu­es­tes Gescheh­nis: Der belieb­te BAM­BERG-Schrift­zug, der tau­send­fach foto­gra­fier­te Foto­point, stand plötz­lich nicht mehr am Max­platz. Auch am Schön­leins­platz, wo er doch groß ange­kün­digt hät­te über­win­tern sol­len, war er nicht auffindbar.

War er geflo­hen aus der öden Tris­tesse der Max­platz­schen Beton­wüs­te? War es ihm umge­kehrt zu voll am Schön­leins­platz, sei­nem Win­ter­quar­tier, im Sperr­müll­ab­ho­lungs­flair zwi­schen Rei­ter, Hexen­mahn­mal, Schön­leins­büs­te, Brun­nen und Strom­käs­ten? War er gar ent­führt wor­den von Schiffs­tou­ris­ten, die inzwi­schen damit auf und davon den Main run­ter über alle Ber­ge zu sein drohten?

Nach weni­gen Stun­den: Erleich­ter­tes Auf­at­men. Man hat­te ihn wie­der­ge­fun­den, die Bam­ber­ger Face­bo­ok­welt über­schlug sich vor Freu­de, aber auch vor Erstau­nen. Der BAM­BERG-Schrift­zug stand bridschä­bra­ad an einem Ort, wo man alles ver­mu­ten wür­de, aber kei­nen BAM­BERG-Schrift­zug. An einer Stel­le, wo man „Bam­berg“ min­des­tens ungern aus­spricht, und wenn man es zu laut ruft, vom Blitz erschla­gen wird.

Und zwar (den­ken Sie sich an die­ser Stel­le des Tex­tes bit­te span­nungs­ge­la­de­ne Musik!) in Hallstadt!

Weni­ge hun­dert Meter hin­ter der Stadt­gren­ze auf dem Park­platz eines Boden­belag­ge­schäfts stan­den die über­di­men­sio­na­len Let­tern. Fried­lich, fast unschul­dig, ein wenig ver­steckt in ihrem urwal­dig­bun­ten Tarn­far­ben­look vor den Schau­fens­tern der dor­ti­gen Gewerbeansiedlung.

Die Gerüch­te­kü­che bro­del­te, wil­des­te Spe­ku­la­tio­nen nah­men ihren Lauf. Hat­ten die Hall­stad­ter den Schrift­zug ent­wen­det und wür­de ihn Star­ke per­sön­lich bei Bür­ger­meis­ter Söder mit einem Kas­ten Bier aus­lö­sen müs­sen? Oder woll­ten die Bam­ber­ger Fak­ten schaf­fen und dem alber­nen Trei­ben die­ser Zwer­gen­sied­lung im Nor­den unse­rer wun­der­schö­nen und ein­zig wah­ren Stadt durch ein kla­res State­ment ein Ende bereiten?

Alles falsch! – Aber zum Glück habt ihr mich, den Ober­re­cher­che­wacht­meis­ter über Recht und Ord­nung in Bam­berg. Auf­ge­passt! Die Geschich­te geht folgendermaßen:

Die Rei­ni­gungs­fach­kraft, die hin­ten immer übern Max­platz feu­delt, hat den Schrift­zug ein wenig auf die Sei­te gescho­ben. Hal­ben Meter nur, es war zwi­schen­zeit­lich näm­lich stau­big drun­ter. Sie ken­nen das, wie daheim unterm Sofa. Aber vor Weih­nach­ten soll­te halt noch mal geputzt wer­den. Beim Zurück­schie­ben jeden­falls hat sie aber die Buch­sta­ben durch­ein­an­der­ge­bracht. Nicht mehr BAMBERG, es stand plötz­lich AMGBREB da. Der Rei­ni­gungs­fach­kraft kam zwar irgend­et­was komisch vor, aber wie es halt so ist… Fei­er­abend, Über­stun­den sind nicht drin, ein­ge­kauft wer­den muss­te auch noch.

Der nächs­te Mor­gen. Vöge­lein zwit­scher­ten, unser Andi – frisch rasiert im Bade­man­tel auf sei­nem Bal­kon am Rat­haus am Max­platz – setz­te zu sei­ner täg­li­chen Rede zum Volk an, aber stutz­te beim Blick hin­un­ter auf Bam­bergs Platz der Plät­ze. „A‑M-G-B-R-E‑B?!“ las er. „A‑M-G-B-R-E‑B…?!?!?“ – „Was soll das denn?! Räumt das weg!“, rief er sei­nem Hof­staat zu. „Wohin denn?!“, frag­te man. „Was weiß ich, parkt das halt irgendwo!“

Par­ken, Park­platz… man hat was miss­ver­stan­den und such­te nach einem frei­en Park­platz. Und weil in Bam­berg wegen der Grü­nen gar kei­ne, also abso­lut gar kei­ne Park­plät­ze mehr exis­tie­ren und die Las­ten­fahr­rad­park­plät­ze zu klein sind für gro­ße Buch­sta­ben, fuhr man stadt­aus­wärts. Und fuhr. Immer wei­ter gen Nor­den. Und so lan­de­te der Schrift­zug auf dem ers­ten frei­en Park­platz, tat­säch­lich außer­halb der Bam­ber­ger Stadtgrenze.

Wer sie dort aller­dings wie­der rich­tig zusam­men­ge­setzt hat, das bleibt ein Rät­sel. Es pas­sie­ren halt geheim­nis­vol­le Din­ge in unse­rer Stadt.

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben über die Mitarbeiterbefragung

Jüngst gab es eine Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung im Rat­haus. In sei­ner Stadt­echo-Novem­berkolum­ne freut sich Flo­ri­an Herrn­le­ben über ihr posi­ti­ves Ergebnis.

Brü­cken­neu­bau­ten, end­gül­ti­ge Stra­ßen­ver­kehrs­ma­le­rei­en, Max­platz­neu­ge­stal­tung… Die Auf­zäh­lung lie­ße sich nahe­zu unend­lich fort­set­zen, denn in Bam­berg dau­ert vie­les sehr lan­ge oder zumin­dest län­ger als erwartet.

Seit Mit­te Okto­ber ist nun das Ergeb­nis der lang­ersehn­ten Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung da! End­lich! Auch unse­ren Ober­bür­ger­meis­ter hält es vor Begeis­te­rung kaum auf dem Dreh­stuhl: „Reso­nanz und die Ehr­lich­keit haben mich sehr beein­druckt“, ver­kün­det er in einer Rund­mail an alle Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen, ver­bun­den mit dem fes­ten Ziel, „deut­lich an der Zufrie­den­heits­schrau­be und damit der Moti­va­ti­on, dem Enga­ge­ment und dem Team­geist der Mit­ar­bei­ter zu drehen.“

Was klingt, wie das zusam­men­ge­stöp­sel­te Best-of aus dem Buch „Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on für Dum­mys“, ent­springt sei­ner fes­ten Über­zeu­gung, dass nun ein guter – nein, ich zitie­re noch mal – „ein sehr guter Zeit­punkt“ war, eine genaue – nein, sor­ry – eine „ganz genaue Unter­su­chung“ vorzunehmen.

Die gro­ße Erleich­te­rung des OB wird spür­bar beim Lesen sei­ner Mail.

Da hät­te so viel schief gehen kön­nen, oder noch schie­fer. Bei den Fra­gen, bei den Ant­wor­ten, allein beim Zeit­punkt der Umfra­ge. Man stel­le sich bei­spiels­wei­se vor, der Zufrie­den­heits­check wäre schon kurz nach dem ers­ten Antrag durch­ge­führt wor­den, also im Jahr 2018, als sich das Mit­ar­bei­ter­feld im Rat­haus noch teil­te in „Mit Über­stun­den­pau­scha­len“ und „Ohne Über­stun­den­pau­scha­len“ oder „Mit Boni“ und „Ohne Boni“.

Damals for­der­te die CSU-Frak­ti­on bereits jene Eva­lua­ti­on im Rat­haus, offen­kun­dig wahr­schein­lich nicht des­halb, weil man hin­ter­her mit den best­ge­laun­tes­ten Son­nen­schein­chen unter den Rat­haus­mit­ar­bei­tern beson­ders ange­ben woll­te. Man ver­nahm – deut­lich hör­bar – eine gewis­se Unzufriedenheit.

Dem etwas klein­li­chen Hin und Her zwi­schen Rat­haus und CSU-Frak­tio­nen in den damals fol­gen­den Mona­ten lässt sich vie­les ent­neh­men, aber den Ein­druck, dass der OB drin­gend an die­ser oder irgend­ei­ner Zufrie­den­heits­schrau­be zu dre­hen für not­wen­dig befun­den hät­te, erweck­te er nicht.

Und es ist auch nach­voll­zieh­bar. Wenn man den Mit­ar­bei­tern im engs­ten Dunst­kreis ein paar Über­stun­den­pau­scha­len pro Monat und Bonis mehr als ande­ren bezahlt, kann man als Rat­haus­chef schnell der fes­ten Über­zeu­gung sein, dass alle glück­lich und zufrie­den und Mit­ar­bei­ter­be­fra­gun­gen teu­rer Quatsch sind, deren Kos­ten man lie­ber wohin inves­tiert? Rich­tig! In die Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ter im eige­nen, engs­ten Umfeld.

Im Som­mer 2019 son­dier­te man zusam­men mit dem Per­so­nal­rat den Markt der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gungs­in­sti­tu­te, sum­mier­te mal auf, wie­viel Geld so eine Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung kos­ten könn­te und über­gab die Anfor­de­rung in den Finanz­se­nat, damit man es dort mal für den Haus­halt 2020 ein­plant. Und weil man – wie der OB nun kund­tat – „die Belan­ge der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ernst neh­men und wis­sen“ möch­te, tat man im Finanz­se­nat was? Rich­tig! Nix.

Und auch 2020, als man sei­tens des Stadt­rats wie­der nach­frag­te, was denn nun Stand der Din­ge wäre mit der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung, zeig­te der Finanz­re­fe­rent, inzwi­schen sogar staats­an­walt­schaft­lich dafür bekannt, wie ernst er die Belan­ge der (zumin­dest von beson­de­ren) Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter genom­men hat­te, beteu­ernd nach Bay­reuth auf die Regie­rung, die auf kei­nen Fall die der­ar­tig frei­wil­li­ge Leis­tung einer Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung im Haus­halt akzep­tie­ren würde.

Im Jahr 2023, nach diver­sen – sagen wir es diplo­ma­tisch – Auf­fäl­lig­kei­ten im Per­so­nal­be­reich der Stadt Bam­berg und unter einem neu­en Per­so­nal­re­fe­ren­ten konn­te die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung nun end­lich ange­gan­gen wer­den. Der OB dankt herz­lich, ist ganz beein­druckt von Reso­nanz und Ehr­lich­keit und hat nun – Zeit wird’s! – ganz kon­kre­te Rück­mel­dun­gen, um „deut­lich an der Zufrie­den­heits­schrau­be und damit der Moti­va­ti­on, dem Enga­ge­ment und dem Team­geist der Mit­ar­bei­ter zu drehen“.

Sind wir mal froh! In Bam­berg dauert’s halt manch­mal länger.

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben: Auf der Suche nach der Wünschelrute

In sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne fragt sich Flo­ri­an Herrn­le­ben, ob man bei all dem Ein­zel­han­del-Ster­ben bald die Wün­schel­ru­te raus­ho­len sollte.

Som­mer­pau­se zu Ende, end­lich. Für jeman­den wie mich, der nicht ruhig schla­fen kann, wenn er nicht den nächs­ten Skan­dal im Rat­haus oder neue König­stra­ßen­sand­män­ner am Hori­zont sieht, ist der August – inhalt­lich übli­cher­wei­se auch als Som­mer­loch bezeich­net – rela­tiv lang­wei­lig. War ja nix los in unse­rem sonst so unter­halt­sa­men Boni-Rechtsaufassungs-Fakeaccount-Städtchen.

Da flo­gen plötz­lich dank unse­rer hei­mi­schen Pres­se läp­pi­sche fünf- oder sechs­stel­li­ge Ver­aus­ga­bun­gen der städ­ti­schen Stadt­bau auf, die man dort für ein­ge­flies­te und wenig deko­ra­ti­ve Hokus-Pokus-Gad­gets sowie Wün­schel­ru­ten­ex­pe­ri­men­te in den Büro­räu­men aus den Fens­tern sel­bi­ger hin­aus­ge­wor­fen haben soll. Im Per­so­nal­amt der Stadt lächelt man zwar nur müde über sol­che Sum­men und vor allem Metho­den, denn für posi­ti­ve Vibes in der Beleg­schaft brauch­te man im Rat­haus bekannt­lich nur ein Krea­tiv­team für sehr, sehr eigen­wil­li­ge Tarif­rechts­in­ter­pre­ta­tio­nen. Aber das ist ein ande­res Thema.

Was pas­siert, wenn kei­ne über­durch­schnitt­lich posi­ti­ven Vibes am Arbeits­platz herr­schen, die dafür sor­gen, dass Work-Life-Balan­ce und Yin und Yang in maxi­ma­lem Ein­klang für jeden poten­ti­el­len Arbeit­neh­mer ste­hen, kann man – auch so ein ver­meint­lich klei­nes Som­mer­lochsthe­ma – in der König­stra­ße sehen. Eine alt­ein­ge­ses­se­ne Bäcke­rei kün­dig­te das Ende des Laden­ge­schäfts im Lauf des Herbst an. Und das, obwohl man doch glau­ben könn­te, dass gera­de und direkt in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Head­quar­ter des Stadt­mar­ke­tings der Ein­zel­han­del dank Events ganz beson­ders nach­hal­tig gestärkt wor­den sein müsste.

Aber die Ren­ta­bi­li­tät scheint auch im tra­di­ti­ons­rei­chen Back­wa­ren­be­trieb nicht das pri­mä­re Pro­blem zu sein. Wie bereits auch bei ande­ren Laden­schlie­ßun­gen und Geschäfts­auf­ga­ben steht „Per­so­nal­man­gel“ ganz oben auf der Lis­te der Grün­de für das Aus. Ob jüngst in einem Metz­ger in der Wun­der­burg oder bereits vor eini­gen Mona­ten bei einem ande­ren in der Innen­stadt, es fehlt an Per­so­nal oder Nach­fol­gern. Früh um 4 Uhr auf­ste­hen zu müs­sen, um Bröt­chen zu backen, die dann die eine Hälf­te der Kund­schaft zu klein, die nächs­te Hälf­te zu hart und die drit­te Hälf­te zu teu­er fin­det, gehört offen­sicht­lich nicht mehr zu den favo­ri­sier­ten Berufs­fel­dern der Zukunft mit viel­ver­spre­chend groß­zü­gi­ger Work-Life-Balance.

Das Resul­tat: In der Sand­stra­ße wirbt ein Metz­ger bereits wört­lich mit „unge­wöhn­li­chen Geschäfts­zei­ten“. Und am Sonn­tag­nach­mit­tag steht man neu­er­dings in Bam­berg vorm ver­schlos­se­nen Bier­kel­ler­tor. Der Anfang vom Ende?

Wenn wir lang­fris­tig noch im loka­len Lebens­mit­tel­hand­werk ein­kau­fen und unse­re Frei­zeit in der hei­mi­schen Gas­tro­no­mie ver­brin­gen möch­ten, reicht es nicht mehr, nur dort ein­kau­fen oder essen zu gehen. Die dort täti­gen Berufs­fel­der brau­chen Aner­ken­nung durch Poli­tik, aber auch durch die Gesell­schaft, damit sie wie­der in den Fokus rücken und damit wie­der inter­es­sant wer­den. Künst­li­che Intel­li­genz ist schön und recht, aber sie backt dir kei­ne Hörn­la, sie legt dir kei­ne Schei­be Leber­kä­se aufs Küm­mel­bröt­chen, sie plärrt nicht sym­pa­thisch von der ande­ren Sei­te der The­ke vor, wenn der rhein­län­di­sche Knal­ler vor dir in der Schlan­ge zum drölf­zigs­ten Mal nicht ver­steht, was ein Zwetsch­ge­n­ba­mes oder ein Zie­be­les­käs ist.

Viel­leicht soll­te man mal bei der Stadt­bau anfra­gen. Unter Umstän­den wäre so ein Kraft­stein, so ein geo­man­ti­sches Objekt, also ihr wisst schon, die run­de Flie­se halt, viel­leicht wäre das die Lösung gegen den Per­so­nal­man­gel. Boden­tief ein­ge­las­sen hin­ter der Metz­gers- und Bäcker­the­ke? Viel­leicht schafft es die not­wen­di­ge Feel-Good-Aura gegen die Per­so­nal­not?
Ansons­ten, so befürch­te ich, brau­chen wir bald auch so eine Wün­schel­ru­te und gehen damit im Stadt­ge­biet auf die wahr­schein­lich erfolg­lo­se Suche – statt nach elek­tro­ma­gne­ti­schen Wir­run­gen – nach hei­mi­schen tra­di­ti­ons­rei­chen Bäcker- und Metzgereien.

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben: Froh­ge­mut in die Sommerpause

Die ein­la­den­de Anmut des Brun­nens am Obst­markt und die anste­hen­de Som­mer­pau­se haben Flo­ri­an Herrn­le­ben zu sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne inspiriert.

Der Brun­nen am Obst­markt plät­schert nach gefühlt hun­dert Jah­ren des Brun­nen­fach­kräf­te­man­gels wie­der fröh­lich vor sich hin, die form­schö­nen Rund­baum­bän­ke am Grü­nen Markt sind mon­tiert. Die Stadt prä­sen­tiert sich ein­la­dend, „Ein­tritt frei!“ ins neue Well­nesser­be­pa­ra­dies Bam­berg. Wir kön­nen also ganz beru­higt in die Som­mer­pau­se schlit­tern, denn die wich­tigs­ten, die dring­lichs­ten Bau­stel­len sind besei­tigt. Oder sagen wir es so: Die größ­te bau­li­che Not ist gelin­dert, der Spa­zier­gang zumin­dest immer im Kreis um Obst­markt­brun­nen bis zum Gabel­mann und wie­der zurück mach Spaß.

Aber nicht nur auf­ent­halts­qua­li­ta­tiv hat sich eini­ges zum Posi­ti­ven gewendet.

Aus diver­sen, weit über die Stadt­gren­zen hin­aus bekann­ten Grün­den, war es für mich in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit siche­rer, gewis­se Gegen­den und spe­zi­el­le Ver­an­stal­tun­gen zu mei­den. Ins­be­son­de­re grö­ße­ren SPD-Auf­lauf umschiff­te ich groß­räu­mig. Das hat mich auch mein klei­ner Aus­flug zur Kreis­ver­samm­lung der Bam­ber­ger Genos­sen im Som­mer 2022 gelehrt. Die Bam­ber­ger SPD und ich, also mei­ne Anwe­sen­heit, wir pas­sen seit den Skan­da­len (man­che sagen: Gän­se­füß­chen-Skan­da­len-Gän­se­füß­chen) so gut zusam­men wie Schäu­fer­la und Ket­chup. Wir koexis­tie­ren schwei­gend neben­ein­an­der­her, kur­zes „Hal­lo!“ bes­ten­falls, aber nur von den Ahnungs­lo­ses­ten, mehr war über die letz­ten Mona­te nicht drin. Unse­re Stim­mung war nach den kräf­te­zeh­ren­den Auf­ar­bei­tun­gen im Kel­ler. Umge­kehrt hab ich es aber auch nicht dar­auf ange­legt, aus­ge­rech­net in Mit­ten von im Grun­de wahr­schein­lich trotz allem ja im tiefs­ten Inne­ren lie­bens­wer­ten Genos­sin­nen und Genos­sen den Stadt­kas­perl zu spie­len und Frie­de-Freu­de-Eier­ku­chen zu servieren.

Wie schnell es aber gehen kann, wenn man b(e)reit (im Sin­ne von „Genug Bier im Schä­del“) ist, zeig­te sich bei einer klei­nen Pri­vat­ver­an­stal­tung der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit im Bam­ber­ger Land­kreis. Ich nipp­te gemüt­lich an mei­nem Cola-Mix-Getränk, beob­ach­te­te das Gesche­hen. Dann, plötz­lich! Ein kur­zes „Komm, Herrn­le­ben, jetzt hock dich zu uns her!“ von der einen, ein wenig Lebens­mü­dig­keit von der ande­ren, also mei­ner Sei­te, und schon saß ich drei oder vier Stun­den lang bis drei­vier­tel 3 Uhr mor­gens am Bier­tisch mit hoch­ran­gigs­ten Stadt‑, Land- und Bun­des-SPD­lern. Aus dem grum­me­li­gen „Der hat mir heut‘ grad noch gefehlt!“ am Tisch wur­de im Lauf des Abends ein kurz­wei­li­ges Mit­ein­an­der auf Basis – das lässt sich lei­der nicht mehr ändern, da sind sie unbe­lehr­bar – unter­schied­lichs­ter Rechts­auf­fas­sun­gen. Das Schö­ne ist näm­lich: Die­se eben auch sehr unter­schied­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen kann man dann auch mal Auge in Auge aus­dis­ku­tie­ren, abseits der sozia­len Medi­en, deren größ­ter Fan ich ansons­ten ja bekann­ter­ma­ßen bin. Da hocken links und rechts am Tisch Leu­te, die gewis­se Ahnung haben, und dis­ku­tie­ren mit mir an der Stirn­sei­te des Tisches, der Ahnung, aber gleich­zei­tig auch noch Recht hat. Das ist span­nend, unter­halt­sam, vor allem aber auch erhel­lend für alle Sei­ten. In den Stun­den an jenem Som­mer­abend sind aus den buch­sta­bi­gen Namen und ein­ge­fro­re­nen Social­me­dia­pro­fil­fo­tos jeweils Gesich­ter mit Cha­rak­ter geworden.

Das klingt aus mei­ner Feder viel­leicht alles nun etwas arg auf­ge­setzt, ich möch­te den Abend auch auf kei­nen Fall zu über­schwäng­lich loben, denn wir haben ja kein neu­es Zeit­al­ter ein­ge­läu­tet. Die genos­si­sche Rechts­auf­fas­sung wur­de ja auch nicht rich­ti­ger bei jener Fes­ti­vi­tät. Und ich bin mir auch sicher, es kom­men neue The­men nach, die ich in gewohn­ter Wei­se abfei­ern kann. Aber jetzt ist erst­mal Erho­lung angesagt!

Und so kön­nen wir mit spru­deln­dem Brun­nen am Obst­markt, form­schö­nen Bän­ken am Grü­nen Markt und viel, viel Lie­be, ach naja, wir über­trei­ben mal nicht, eini­gem neu­em Respekt zwi­schen Genos­sin­nen und Genos­sen und mir in die wohl­ver­dien­te Som­mer­pau­se gehen.

Ihr Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben: Ey, Bam­berg, was ist los mit dir?

In sei­ner neu­en Stadt­echo-Kolum­ne erkennt Flo­ri­an Herrn­le­ben sein Bam­berg nicht wie­der. Nicht ein Skan­dal in Sicht. Kann das wirk­lich sein?

Trotz ver­schie­dens­ter, zumin­dest rhe­to­ri­scher Ver­su­che aus diver­sen Ecken, neue und gro­ße Skan­da­le her­auf­zu­be­schwö­ren, stehst du aktu­ell da wie der Gabel­mann zu sei­nen bes­ten Zei­ten. Selbst die pene­tran­tes­te Saat­krä­he mit der Ver­dau­ung eines Durch­lauf­er­hit­zers kann dir in dei­ner Sou­ve­rä­ni­tät nichts anha­ben. Es läuft rund. Und alles ande­re wird gekonnt wegmoderiert.

Die Innen­stadt, die nach ein­sei­ti­ger Sper­rung der Ket­ten­brü­cke vom Stadt­mar­ke­ting bereits dem siche­ren Tod geweiht wur­de, kann dem Online­han­del seit Wochen erfolg­reich trot­zen, weil du den klei­nen Umweg per­fekt und nahe­zu für jeden moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs­teil­neh­mer ver­ständ­lich aus­ge­schil­dert hast.

Als dein Finanz­se­nat jüngst ein Haus ent­deckt hat, das im Eigen­tum der Stadt größ­ten­teils seit Jah­ren leer her­um­steht, spra­chen die ers­ten Stadt­rä­te schon von einem neu­en Über­stun­den­skan­dal. Zum Glück merk­te sogar die Pres­se recht­zei­tig, dass du auf dem Stadt­ge­biet mehr bau­fäl­li­ge Immo­bi­li­en besitzt als alle win­di­gen Invest­ment­pro­per­ty­ger­man­groups in Bam­berg zusam­men. Wie langweilig.

Dei­ne Unte­re Brü­cke hat nach rund 60 Jah­ren end­lich ein Gelän­der ange­dü­belt bekom­men. Nicht schön, mit­tel­be­quem, sau­teu­er, man kann auch immer noch run­ter­bol­lern, wenn man meint, mit 2,7 Pro­mil­le auf der Brüs­tung tan­zen zu müs­sen, aber bei Amts­haf­tungs­fra­gen ver­steht der gemei­ne Stadt­rat halt kei­nen Spaß. Und das – und da sind wir schon beim nächs­ten Punkt – obwohl du rela­tiv gut gegen inhalt­lich defi­zi­tä­re oder juris­tisch min­des­tens wacke­li­ge Ent­schei­dun­gen der Rat­haus­ober­schicht ver­si­chert zu sein scheinst. Man hät­te es viel­leicht ris­kie­ren kön­nen auf der Brü­cke, denn auch der Über­stun­den­skan­dal hat sich dank Spen­dier­freu­dig­keit der Ver­si­che­rungs­kam­mer Bay­ern – zumin­dest für den OB und sei­ne Straf­be­fehls­ge­nos­sen – mit der ein­stim­mi­gen Ent­schei­dung im Per­so­nal­se­nat in Wohl­ge­fal­len aufgelöst.

Als mir dann plötz­lich die Sit­zungs­vor­la­ge des Mobi­li­täts­se­nats vor die Füße flog, wo Plä­ne für eine Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lung der Fried­rich­stra­ße hin­ein­ge­schmug­gelt wor­den sein soll­ten, war ich mir sicher: End­lich haben wir einen neu­en Skan­dal! Die Bag­ger wür­den eines Nachts anrü­cken wie damals im Hain­bad und bin­nen weni­ger Stun­den (das ist eigent­lich der lus­tigs­te Witz in der gan­zen Kolum­ne) die kom­plet­te Fried­rich­stra­ße, ach, was sag ich, die gan­ze Innen­stadt zu Ein­bahn­stra­ßen umbud­deln. „Heim­lich, still und mög­lichst lei­se“, fluch­te die Bür­ger­initia­ti­ve Bamberg.Gemeinsam.Mobil, bis her­aus­kam, dass „heim­lich“ und „öffent­li­che Sit­zungs­vor­la­ge“ sowie „lei­se“ und „FT-Arti­kel“ eher wider­sprüch­lich sind.

Wie­der nix jeden­falls, wie­der kein neu­er Aufreger.

Ich muss­te es selbst in die Hand neh­men! Das tun, was mich seit Wochen und Mona­ten bekannt, berühmt, man möch­te fast sagen, berüch­tigt hat wer­den las­sen. Aber was? – In die­sem Moment schlug eine Pres­se­mit­tei­lung bei mir ein: Anwoh­ner­aus­wei­se könn­ten nun online bean­tragt wer­den. Smart­ci­ty sei Dank! Online. Bei der Stadt Bam­berg. Was so auf­re­gend und unglaub­lich klang wie „Dop­pelt-ISDN“ Mit­te der 90er, war mei­ne Chance.

Ich klick­te mich durch das Online­for­mu­lar, immer auf der Suche nach dem klei­nen Feh­ler, der Lücke im Sys­tem, die den Rat­haus­ser­ver oder wenigs­tens den Mit­ar­bei­ter, der mein aus­ge­füll­tes Online­for­mu­lar aus­dru­cken und abhef­ten wür­de, um dann einen Aus­weis zu lami­nie­ren, aus dem Kon­zept brin­gen und zu einem Feh­ler – dem ver­häng­nis­vol­len Feh­ler 2023 – ver­an­las­sen müss­te. Aber nix.

Mei­ne letz­te Hoff­nung war, dass der Aus­weis ein­fach nicht kommt und ich mich laut­stark hier in der Kolum­ne beschwe­ren könn­te, natür­lich auf Basis gro­ßer Ver­schwö­rungs­theo­rien von der gro­ßen, dunk­len Macht im Rat­haus gegen den klei­nen Herrnleben.

Aber kei­ne drei Tage spä­ter lag der Aus­weis im Brief­kas­ten. Und das Geld wur­de auf den Cent kor­rekt von mei­nem Kon­to abgebucht.

Ey, Bam­berg, was ist los mit dir?

Dein Flo­ri­an Herrnleben

Stadt­echo-Kolum­ne

Flo­ri­an Herrn­le­ben: Gro­ßes Lob für den Stadtrat!

Kann das sein? Flo­ri­an Herrn­le­ben lobt den Stadt­rat? Sei­ne neue Stadt­echo-Kolum­ne gibt Aufschluss.

Nach all den städ­ti­schen Ver­feh­lun­gen, her­aus­ge­kramt durch die Pres­se und diver­se Klein­stadt­ka­ba­ret­tis­ten, ist es doch auch irgend­wie mal beru­hi­gend zu sehen, dass es dies­mal der Stadt­rat selbst war, der nach sei­nem Wan­der­tag in den Bam­ber­ger Nor­den – fast irri­tiert und per­plex – vom „Bom­ben­alarm im Finanz­se­nat“ in der Grö­ßen­ord­nung des Bonus-Skan­dals berich­te­te; völ­lig irri­tiert und per­plex des­halb, weil man sich bei der Bewer­tung von Unge­reimt­hei­ten und der Ein­ord­nung von bri­san­ten The­men auf Sei­ten unse­rer in den Stadt­rat gesalb­ten Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger nor­ma­ler­wei­se nicht auf sich selbst, son­dern immer eher dar­auf ver­las­sen hat, ob schon etwas vor­ge­kaut im FT oder wenigs­tens beim Herrn­le­ben im Blog stand. Dass man ganz ohne exter­ne jour­na­lis­ti­sche Hil­fe, … Super!

Ich fas­se zusam­men: Unse­re aller­bes­ten Stadt­rä­te haben bekann­ter­ma­ßen ein vie­len per­sön­lich bis dahin doch eher unbe­kann­tes Haus im Bam­ber­ger Nor­den, genau­er gesagt in der Benz­stra­ße, erkun­det, das sich bei nähe­rer Betrach­tung und mit Blick auf die digi­ta­le Stadt­kar­te im Smart­phone und das Grund­buch der Stadt plötz­lich als städ­ti­sches Eigen­tum her­aus­kris­tal­li­sier­te. Man hat­te es – ganz begeis­tert – vor rund sechs Jah­ren selbst gekauft und dann…. Wie soll man es diplo­ma­tisch sagen? – Naja.…. irgend­wie halt vergessen.

Kann pas­sie­ren, wir ken­nen das! Da kaufst eine Immo­bi­lie mit schä­bi­gen 4000 Qua­drat­me­tern Büro- und Lager­flä­che und Zack! – Hat das Erin­ne­rungs­ver­mö­gen zwölf Bock­bier­an­sti­che spä­ter unter Umstän­den der­art gelit­ten, dass du viel­leicht mit Glück noch grob weißt, wo, aber halt nicht mehr, war­um. Und so währ­te die Begeis­te­rung für den über­ra­schen­den Immo­bi­li­en­fund nicht lan­ge, son­dern wich schnell dem Ent­set­zen, weil die 2‑Mil­lio­nen-Immo­bi­lie noch gar nicht – wie 2017 wer­be­wirk­sam im Sit­zungs­vor­trag gewe­delt – zur Ent­las­tung des ange­spann­ten Bedarfs an Büro­flä­chen für städ­ti­sche Ver­wal­tun­gen bei­trägt. Sie wur­de zwi­schen­zeit­lich auch nicht saniert oder ander­wei­tig ver­mie­tet, sie stand schlicht und ergrei­fend die aller­meis­te Zeit und größ­ten­teils leer.

Als dann auch noch ein Rats­herr von Goog­le Maps direkt rüber auf die Taschen­rech­ner-App wech­sel­te, um hoch­zu­rech­nen, was man mit dem Geld durch Ver­mie­tung von rund 4000 Qua­drat­me­tern Gewer­be­flä­che in sechs Jah­ren an Grund­schul­toi­let­ten hät­te sanie­ren kön­nen, ist die Stim­mung im Rats­gre­mi­um kom­plett gekippt.

Wir, die geneig­ten Beob­ach­ter lokal­po­li­ti­scher – nen­nen wir es – „Krea­tiv­po­li­tik“, sind hin­ge­gen nach den diver­sen Stadt­ver­wal­tungs­man­gel­pro­ble­men der letz­ten Jah­re nicht mehr so leicht aus der Fas­sung zu brin­gen. Unser­eins kippt nicht vom Stuhl bei sol­chen Para­do­xien: Eine Stadt­ver­wal­tung, die jedem Woh­nungs­ei­gen­tü­mer in der drit­ten Sei­ten­stra­ße im 2. Ober­ge­schoss bei der Neu­ge­stal­tung der Holz­fens­ter rein­re­det, selbst aber hin­ter häss­lichs­ten Kunst­stoff­fens­tern in Schlumpf­blau haust, und ein Stadt­rat, der die Bil­der vom Nazi­bay­er­lein vor der eige­nen Nase abhängt, aber bei der Stra­ße lie­ber 88 Augen zudrückt, pas­sen natür­lich nur kon­se­quent in eine Stadt, wo man dem über­lan­gen Leer­stand von pri­vat­wirt­schaft­li­chen Immo­bi­li­en mit Hil­fe einer Zweck­ent­frem­dungs­sat­zung den Kampf ange­sagt hat, wäh­rend man sich selbst ver­hält wie der häss­li­che Bru­der der Ger­man Pro­per­ty Group.

Apro­pos Ger­man Pro­per­ty Group: Beim Blick auf die Lis­te der leer­ste­hen­den städ­ti­schen oder stif­ti­schen Immo­bi­li­en wird wahr­schein­lich sogar der ehe­ma­li­ge Geschäfts­füh­rer die­ser win­di­gen Immo­bi­li­en-Invest­ment­ge­sell­schaft nei­disch. Über 20 Adres­sen im Stadt­ge­biet mit mal mehr, mal weni­ger maro­den Woh­nun­gen, Häu­sern und Lager­hal­len sind auf­ge­führt, natür­lich auch die Immo­bi­lie in der Benzstraße.

„Ach?“ fragt ihr euch. „Zu die­sen städ­ti­schen Immo­bi­li­en, die leer ste­hen, gibt es eine Liste?“

Jo, klar! – Der Stadt­rat hat­te die auch. Seit Jah­ren. Also lie­ber doch erst­mal nicht zu viel Lob…

Ihr Flo­ri­an Herrnleben
1 2 3