Studie der Universität Bamberg
Pandemiefolgen für Abiturjahrgänge 2020 und 2021
Eine Studie der Universität Bamberg zeigt: Die Lebenszufriedenheit der Abiturjahrgänge 2020 und 2021 ist zurückgegangen, die mentale Belastung gestiegen.
Die Universität Bamberg hat mitgeteilt, dass eine Studie erstmals negative Effekte der Coronapandemie auf Bildungsentscheidungen und Karrierepläne bestimmter Abiturjahrgänge belegt. Die Studie war ein Gemeinschaftsprojekt der Ökonomie und Soziologie der Universität Bamberg und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
„Die Lebenszufriedenheit von jungen Erwachsenen während der Pandemie ist auf einer Skala von 0 bis 10 um 0,5 gesunken“, sagt Projektmitarbeiter Dr. Alexander Patzina von der Universität Bamberg. „Während die durchschnittliche Lebenszufriedenheit in Deutschland insgesamt wesentlich weniger stark zurückgegangen ist. Dieser Einbruch ist untypisch für junge Menschen. Er entspricht zum Beispiel dem drastischen Rückgang der Lebenszufriedenheit in Kriegsgebieten.“
Die Erkenntnisse der aktuellen Veröffentlichung beruhen auf dem Datensatz der Studie „Berufliche Orientierung: Berufswahl und Studienwahl“. Der Datensatz enthält Informationen von rund 8.000 Abiturientinnen und Abiturienten der Jahrgänge 2020 und 2021. Sie besuchten 217 Schulen in acht verschiedenen Bundesländern, unter anderem Bayern und Nordrhein-Westfalen. Mit diesen Daten haben die Forschenden untersucht, welchen Einfluss die Pandemie auf Bildungswege und Wohlbefinden der sogenannten Corona-Abiturjahrgänge hat.
Negative Effekte einer Schulzeit unter Covid-Bedingungen
Welche kurz- und langfristigen Folgen hat die Pandemie auf Abiturjahrgänge? „Nach den ersten Schulschließungen im März 2020 zeigte die mentale Gesundheit der jungen Menschen der Jahrgänge 2020 und 2021 kurzfristig keinen negativen Verlauf“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Silke Anger. „Allerdings ging ihre Lebenszufriedenheit und psychische Gesundheit zwischen dem ersten und zweiten Lockdown im Winter 2020 //2021 stark zurück.“
Zwischen den untersuchten Abiturjahrgängen 2020 und 2021 würden sich zudem Unterschiede zeigen. So seien im Abiturjahrgang 2021 vor allem Angst- und Depressionsrisiken im Abiturjahrgang stark angestiegen. Auch die Lebenszufriedenheit ging zurück. Erst nach Ende der Schulzeit habe sich das Wohlbefinden wieder verbessert und die Unterschiede zwischen beiden untersuchten Abiturjahrgängen verschwanden.
Silke Anger weist auf einen möglichen Erklärungsansatz für die unterschiedliche Entwicklung des Wohlbefindens hin: „Während junge Menschen des Abiturjahrgangs 2020 die Schule unmittelbar nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie verließen, absolvierte der Abiturjahrgang 2021 noch ein gesamtes weiteres Schuljahr unter Covid-Bedingungen.“ Beide Abiturjahrgänge hätten zudem ihr Vorpandemie-Niveau mentaler Gesundheit und Lebenszufriedenheit im untersuchten Zeitraum bis zum Herbst 2021 nicht wieder erreicht.
Risiko von vorzeitigen Ausbildungs- oder Studienabbrüchen gestiegen
Die Schlussfolgerungen, die das Forschungsteam aus den Ergebnissen der Studie zieht, fasst Alexander Patzina zusammen. „Die Ausgestaltung bildungspolitischer Maßnahmen hat kurz- und langfristige Folgen. Wenn Schulen schließen oder Distanzunterricht einführen, kann sich das auf die psychische Gesundheit junger Menschen auswirken.“
Bildungspolitische Entscheidungen in der Pandemie könnten weitreichende Folgen für individuelle Lebensverläufe haben. Vor allem eine starke Verschlechterung der psychischen Gesundheit verändere Bildungsentscheidungen und Karrierepläne junger Menschen. So steige das Risiko von vorzeitigen Ausbildungs- oder Studienabbrüchen, weil sie mit ihrer Entscheidung weniger zufrieden seien. Diese potentiellen individuellen Folgen seien wiederum mit ökonomischen Folgen verbunden. Denn Bildungsabbrüche und ‑wechsel verursachen Kosten, zum Beispiel für Beratungen und für einen längeren Zeitraum im Bildungssystem.
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Top zehn deutschlandweit
Shanghai Ranking: Universität Bamberg schneidet sehr gut ab
Die Universität Bamberg belegt im Shanghai Ranking deutschlandweit Platz zehn der besten Universitäten für das Fach Politikwissenschaft. In Bayern ist nur eine politikwissenschaftliche Fakultät besser platziert.
Die Universität Bamberg hat bekanntgegeben, dass das aktuelle Shanghai Ranking der Bamberger Politikwissenschaft ein sehr hohes Niveau bescheinigt. Dies gelte sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Deutschlandweit zählt die Universität Bamberg damit zu den besten politikwissenschaftlichen Standorten und erreicht Platz zehn im Ranking. In Bayern ist sie auf Platz zwei, nach der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im weltweiten Vergleich befindet sich Bamberg unter den besten 200 politikwissenschaftlichen Universitäten.
„Es freut uns sehr, dass unsere Anstrengungen und unsere Arbeit durch diese Spitzenpositionen besondere Würdigung erfahren“, sagt Prof. Dr. Johannes Marx, Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an Universität. Man werde weiter kontinuierlich daran arbeiten, die Qualität in Lehre und Forschung aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen.
Prof. Dr. Thomas Saalfeld, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, ergänzte: „Neben der hervorragenden Platzierung auf nationaler Ebene ist auch der internationale Rangplatz in Anbetracht der Größe unserer Universität beachtlich. Ihr sehr gutes Abschneiden verdankt die Bamberger Politikwissenschaft insbesondere der Sichtbarkeit englischsprachiger Publikationen sowie eingeworbener Drittmittel für die Forschung.“
Das Shanghai Ranking begann 2009 mit der Veröffentlichung von weltweiten Hochschulrankings nach akademischen Fächern. Im Jahr 2022 bewertet das sogenannte „Global Ranking of Academic Subjects“ 54 Fächer unter anderem aus den Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Sozialwissenschaften und der Medizin. Mehr als 1.800 Universitäten aus 96 Ländern und Regionen sind aufgeführt. Für das Ranking werden eine Reihe objektiver Indikatoren herangezogen wie etwa Forschungsleistung, internationale Zusammenarbeit, Forschungsqualität und internationale akademische Auszeichnungen.
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Universität Bamberg
4. Internationale Konferenz in Skandalogie
Die Universität Bamberg veranstaltet ab 29. September die „4. Internationale Konferenz in Skandalogie“. WissenschaftlerInnen aus aller Welt sprechen dabei über ihre Forschung zu politischen Skandalen und gesellschaftlicher Polarisierung.
Sie war einer der bekanntesten europäischen Politskandale der letzten Jahre: die Ibiza-Affäre. Im Mai 2019 sorgte „Ibizagate“ nicht nur für Aufruhr, sondern führte auch zum Bruch der österreichischen Regierungskoalition. Die Affäre ist nur eines von vielen Themen, um das es bei der „4. Internationale Konferenz in Skandalogie“ gehen wird. Aus aller Welt kommen WissenschaftlerInnen nach Bamberg, um sich vom 29. September bis zum 1. Oktober über neueste Entwicklungen in der Skandalforschung auszutauschen. Das teilte die Universität Bamberg Mitte September mit.
Der Fokus der „Konferenz in Skandalogie“ liegt auf politischen Skandalen unter dem Einfluss von gesellschaftlicher Polarisierung, der Spaltung entlang politischer Ideologien und Parteigrenzen sowie dem Erfolg populistischer Akteure und Themen. Mit dem Verhältnis zwischen Rufmord und öffentlicher Skandalisierung wird sich beispielsweise ein Spezialpanel der amerikanischen George-Mason-University beschäftigen. Auch die aktuelle und kontroverse Debatten über Heldendenkmäler soll aufgegriffen werden. Den Zusammenhang zwischen Prominenz, Politik und populistischen Einstellungen, sogenannter „Celebrity Populism“, thematisiert ein weiteres Panel mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Kroatien.
„Die Konferenz ist sehr breit aufgestellt. Wir haben Beiträge aus unterschiedlichen Fächern, wobei der Fokus natürlich auf der Kommunikationswissenschaft liegt“, sagen Dr. Hendrik Michael vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Prof. Dr. André Haller von der Fachhochschule Kufstein Tirol, die Organisatoren der Konferenz.
Die Konferenz findet sowohl online, als auch in Präsenz auf dem Bamberger ERBA-Campus statt. Los geht es am Donnerstag, 29. September, mit einer Podiumsdiskussion. Interessierte können sich bis zum 26. September auf der Homepage der Universität Bamberg anmelden.
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Händlerbefragung zum Retouren-Management
Deutschland ist Retouren-Europameister
Die Bamberger Forschungsgruppe Retourenmanagement hat die erste europäische Händlerbefragung zum Retourenmanagement im E‑Commerce unternommen. Ergebnis: Deutschland ist Retouren-Europameister, europaweit hat kein Land eine höhere Retouren-Quote.
Wie viele Pakete schicken Kundinnen und Kunden im deutschen Onlinehandel zurück? Was sind die Gründe der Anzahl an Retouren und was geschieht mit den retournierten Waren? Fragen wie diese untersucht die Bamberger Forschungsgruppe Retourenmanagement bereits seit mehreren Jahren. Wie die Universität Bamberg am 7. September bekanntgab, hat das Team für eine Studie erstmals Onlinehändler auf europäischer Ebene befragt und die Resultate im Rahmen des „European Return-o-Meter“ (EUROM) veröffentlicht.
Die Studie liefert zahlreiche Erkenntnisse, die das bisherige Bild des Retourenmanagements im deutschen Onlinehandel verändern. „Der European Return-o-Meter schafft den bislang umfangreichsten und genauesten Einblick in die Praktiken deutscher E‑Commerce-Händler“, sagt Björn Asdecker, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bamberg und Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement.
Die Forschenden hätten insbesondere durch drei Faktoren eine höhere Ergebnisqualität im Vergleich zu Vorgängerstudien erreicht. So sei die Stichprobe diesmal besonders umfangreich, weil 411 Onlinehändler an der Umfrage teilgenommen haben. Insgesamt vereinen die in der Stichprobe vertretenen Unternehmen einen E‑Commerce-Umsatz von fast 60 Milliarden Euro. Zudem verantworteten sie den Versand und Rückversand von 1,25 Milliarden Paketen im Jahr 2020.
Zweitens verwendeten die AutorInnen der Studie eine neue Methodik, die zu präziseren Kennzahlen führt. Und drittens sei die Hochrechnung auf den Gesamtmarkt exakter, weil das Team auf neue, zuverlässigere Sekundärdaten zurückgreifen konnte.
Höchste Retourenquoten in Europa
„Die europäische Datenerhebung ermöglicht zum ersten Mal einen internationalen Vergleich“, sagt Dr. Björn Asdecker. Eine wesentliche Erkenntnis sei, dass Deutschland Retouren-Europameister ist. Über alle Warengebiete hinweg beobachtete das Forschungsteam in Deutschland die höchsten Retourenquoten. Drei mögliche Ursachen könnten sein: Viele Deutsche bestellen Waren per Rechnung (28,8 Prozent, EU: 9,9 Prozent), dies führe zu höheren Retourenquoten.
Zudem würden deutsche Onlinehändler sehr liberale Rücksenderegeln haben. Die Rückgabefrist betrug in der Stichprobe im Schnitt 51,7 Tage (Frist in der restlichen EU: 28,1 Tage).
Auch ist die Rücksendung in Deutschland der Regel kostenlos, wie 88,7 Prozent der befragten Onlinehändler bestätigten (EU: 52,4 Prozent).
Bislang unterschätzt: Retouren-Menge und Umweltwirkung
Laut der aktuellen Studie ist die Retouren-Quote und ‑Menge auf dem deutschen Gesamtmarkt höher als bisher angenommen. Nach diesen Berechnungen wurde im Jahr 2021 fast jedes vierte Paket im deutschen Onlinehandel zurückgeschickt, vor allem im Bereich Mode. Das sind schätzungsweise fast 530 Millionen Retouren-Sendungen, die rund 1,3 Milliarden Artikel enthielten.
Die Forschungsgruppe nahm bisher auch eine geringere Umweltwirkung der Rücksendungen an (850 Gramm CO₂ pro Artikel). Nun gaben die befragten Unternehmen den Fußabdruck mit circa 1.500 Gramm CO₂ pro retourniertem Artikel an. In diesem Szenario wären durch Retouren im Jahr 2021 in Deutschland geschätzt 795.000 Tonnen CO₂ entstanden. Diese Menge entspricht 5,3 Milliarden Kilometern, die man mit dem PKW zurücklegt.
„Bemerkenswerter ist aber fast noch, dass mehr als 80 Prozent der befragten Onlinehändler den ökologischen Fußabdruck gar nicht erfassen“, sagt Björn Asdecker. Weitere 15 Prozent konnten oder wollten keine Angabe machen. Den CO₂-Fußabdruck der Retoure messen weniger als 5 Prozent.
Bislang überschätzt: Retouren-Kosten und Entsorgungen
Überschätzt wurden bisher hingegen die Retouren-Kosten pro Artikel, die zahlreichen vergangene Studien bisher im Bereich von 10 bis 15 Euro angaben. Laut der aktuellen Studie verursacht ein zurückgeschickter Artikel im Schnitt nur 2,85 Euro Transport- und Bearbeitungskosten.
Dies liege einerseits daran, dass im Gesamtmarkt hauptsächlich Modeartikel retourniert werden, die sich kostengünstig bearbeiten lassen. Andererseits realisieren die führenden Händler mit vielen Rücksendungen extrem niedrige Kosten.
Außerdem werden laut aktueller Studie im deutschen Onlinehandel nur 1,3 Prozent der retournierten Artikel direkt durch die Händler entsorgt. „Der geringe relative Anteil darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in absoluten Zahlen 2021 trotzdem mehrere Millionen retournierte Artikel entsorgt wurden“, sagt Björn Asdecker.
Darüber hinaus wird die Entsorgung durch Wiedervermarkter und durch Kunden bei einer Erstattung ohne Rücksendung nicht erfasst. Die Zahl gibt also nur einen Teil des Problems wieder. Die meisten zurückgeschickten Artikel (93,2 Prozent) wurden als neuwertig verkauft.
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Aktion Universität Bamberg
„Türen auf mit der Maus“
Hinter Türen schauen, die normalerweise verschlossen sind: „Die Sendung mit der Maus“ ermöglicht das Kindern bei der bundesweiten Aktion „Türen auf mit der Maus“. Zu diesem Anlass öffnet auch die Universität Bamberg öffnet am 3. Oktober für Mausfans ihre Pforten.
Am 3. Oktober können Kinder bei der Aktion „Türen auf mit der Maus“ exklusive Einblicke ins Labor für Restaurierungswissenschaft der Universität Bamberg erhalten. Genauer gesagt: in das Labor für Restaurierungswissenschaft am Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT).
Dort können angemeldete Teilnehmende mit dem Mikroskop hantieren und gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Beispiel Sand aus Flüßen, dem Meer oder dem Sandkasten untersuchen. Denn das Motto des Aktionstages des Fernsehsenders WDR „Türen auf mit der Maus“ lautet in diesem Jahr: spannende Verbindungen.
„Wir sieben Sand und trennen so die unterschiedlichen Bestandteile je nach Größe auf“, sagt Prof. Dr. Paul Bellendorf. Er ist Initiator des Bamberger Aktionstages und Inhaber der Professur für Restaurierungswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität. „Gemeinsam überlegen wir, warum mancher Sand eine bessere Verbindung herstellen kann als anderer.“
Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren können am kostenlosen Aktionstag teilnehmen. Da die Kapazitäten begrenzt sind, bittet die Universität um Anmeldung bis zum 26. September.
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Studie
Hält Wut von der Corona-Impfung ab?
Ein sozialwissenschaftliches Forschungsteam von Forscherinnen und Forschern der Freien Universität Berlin, des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung sowie der Universität Bamberg zeigt, dass starke Emotionen zu Polarisierung führen. Sie haben am Beispiel der Covid-19-Pandemie analysiert, wie Wut unterschiedliche Arten von Polarisierung beeinflusst.
Bereits seit einigen Jahren beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine zunehmende gesellschaftliche und politische Polarisierung. Welchen Einfluss haben starke Gefühle, wie etwa Angst oder Wut, auf die Haltung zu gesellschaftlich relevanten Themen und die Einstellung gegenüber als gegnerisch empfundenen Gruppen? Diese Frage hat sich ein Forschungsteam der Freien Universität Berlin, des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung sowie der Universität Bamberg gestellt. Die Forscherinnen und Forscher haben analysiert, wie Wut unterschiedliche Arten von Polarisierung beeinflusst – und das am Beispiel der Covid-19-Pandemie. Das zentrale Ergebnis: „Die Erinnerung an wütend machende Ereignisse verstärkt bisherige Einstellungen – Menschen halten also noch mehr an ihrer Haltung fest“, erklärt Prof. Dr. Sabrina Mayer, Inhaberin des Lehrstuhls für politische Soziologie an der Universität Bamberg, die an dem Projekt beteiligt ist. „Gleichzeitig erhöht sich ihre Ablehnung von Menschen mit anderen Standpunkten.“ Daraus ableitbar ist laut der Forscherin auch: „Eine emotionalisierte Berichterstattung und Statements von Politikerinnen und Politikern, die Wut nutzen, um etwa die Impfbereitschaft bei ungeimpften Menschen zu erhöhen, sind kontraproduktiv.“
Wut verstärkt Abneigung gegen Corona-Impfmandat bei freiwillig Ungeimpften
Für die Studie, die im August im wissenschaftlichen Journal „Research & Politics“ erschienen ist, nutzten die Forscherinnen und Forscher ein Umfrageexperiment, bei dem sie 2.857 Personen zwischen 18 und 69 Jahren aus Deutschland befragten. Die Umfrage wurde im September 2021 durchgeführt, als das Zögern in Bezug auf Impfungen zu einem zunehmenden Problem wurde, die Befürwortung einer Corona-Impfpflicht in der Politik aber noch gering war. In der Befragung ging es um Polarisierung in Bezug auf die Unterstützung einer Impfpflicht und die Feindseligkeit zwischen Personen, die den Covid-Sicherheitsmaßnahmen zustimmten und denjenigen, die sie nicht befolgten. Bei der Auswertung unterschieden die Forschenden dementsprechend zwischen themenbezogener und gruppenbezogener Polarisierung. Während die themenbezogene Polarisierung zunehmend unterschiedliche und extreme politische Positionen beschreibt, erfasst die personenbezogene Polarisierung die wachsende Feindseligkeit gegenüber Mitgliedern anderer gesellschaftlicher Gruppen.
„Wut kann die Polarisierung in Bezug auf ein bestimmtes Thema verstärken, da sie zu einer verminderten kognitiven Verarbeitung und einem stärkeren Vertrauen in bereits bestehende Überzeugungen führt“, erklärt Dr. Christoph Nguyen, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, der Teil des Forschungsteams ist. Im Vergleich zu neutralen Bedingungen löst Wut im Rahmen der Studie bei bereits geimpften Personen eine stärkere Unterstützung einer Impfpflicht aus, wohingegen freiwillig ungeimpfte Personen eine verstärkte Abneigung gegen ein Impfmandat zeigen. Außerdem führt Wut zu mehr Feindseligkeit gegenüber Personen mit anderer Meinung zur Corona-Situation. Die Analyse von geimpften und ungeimpften Befragten zeigt, dass der Anstieg der personenbezogenen Polarisierung hauptsächlich bei Ungeimpften auftritt. Bei geimpften Personen verursacht Ärger keinen wesentlichen Anstieg der Polarisierung.
„Die meisten großen Krisen sind mit emotional aufgeladenen Situationen verbunden“, erklärt Christoph Nguyen. „Unsere Studie zeigt, welche Rolle Emotionen bei der Verstärkung der Polarisierung im Zusammenhang mit solchen hochgradig sensiblen und emotional geladenen Kontexten spielen.“ Ganz allgemein veranschaulichten die Befunde auch die Schwierigkeiten, mit denen politische Entscheidungsträgerinnen und ‑träger konfrontiert sind, wenn sie mit stark umstrittenen und emotional aufgeladenen Themen umgehen. „Während eine gesteigerte Wut hilfreich sein kann, um bereits befürwortende Bürgerinnen und Bürger zu mobilisieren, trägt sie wenig dazu bei, skeptische Menschen zu überzeugen und bewirkt eine wachsende Polarisierung in der Gesellschaft“, sagt Sabrina Mayer.
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Studie Universität Bamberg
Welche Firmen überleben jahrzehntelang?
Um langfristig zu überleben, müssen Firmen dauerhaft Gewinne erzielen. Ihre Gemeinsamkeit: Zwei ökonomische Kennzahlen sind bei ihnen im Schnitt ähnlich hoch. Diese Durchschnittswerte haben Forscherinnen und Forscher der Universität Bamberg und der spanischen Universität Jaume I nun erstmals entdeckt.
„Bisher haben Forschende ausschließlich Firmen aller Altersstufen untersucht, angefangen bei Start-ups“, sagte Studienleiter und Volkswirtschaftler Prof. Dr. Mishael Milaković in einer Mitteilung der Universität Bamberg. „Sie betonten, dass für den Unternehmenserfolg individuelle Merkmale wie Unternehmensgröße oder Wachstumspotenzial entscheidend seien. Wir haben zum ersten Mal bewusst einen Fokus auf langlebige Firmen gelegt. Und langfristig kommt es überraschenderweise gar nicht auf Individualität, sondern auf zwei Gemeinsamkeiten an.“
Auswertung der 500 langlebigsten US-Konzerne
Ein internationales Forscherteam hat die Studie „Survival and the Ergodicity of Corporate Profitability“ unternommen. Die Teammitglieder sind Mishael Milaković und Dr. Philipp Mundt von der Universität Bamberg und Prof. Dr. Simone Alfarano von der Universität Jaume I.
Sie werteten mit Methoden aus der statistischen Physik die 500 langlebigsten US-Firmen aus, darunter Apple, Procter & Gamble oder Johnson & Johnson. Diese Firmen sind alle mindestens 25 Jahre alt. Die Frage, die es dabei zu beantworten galt, war, wie sie es geschafft haben so lange zu überleben?
„In allen Branchen außer dem Bankwesen haben langlebige Unternehmen zwei Kriterien gemeinsam“, sagte Philipp Mundt. „Zum einen erwirtschaften sie eine langfristige Gesamtkapitalrendite von durchschnittlich etwa neun Prozent. Zum anderen dürfen sie dabei in der Schwankungsbreite ihrer Profitabilität langfristig nicht mehr als sechs Prozent pro Jahr überschreiten.“
Die Kapitalrendite ist eine Kennzahl, die aussagt, wie effizient ein Unternehmen sein Kapital einsetzt, um Gewinn zu erzielen. Das heißt zum Beispiel: Eine Firma, der 100 Millionen Euro Kapital zur Verfügung stehen und die damit 9 Millionen Euro Gewinn pro Jahr erzielt, erwirtschaftet eine Kapitalrendite von neun Prozent.
Die zweite entscheidende Kennzahl ist die Schwankungsbreite. Diese besagt, wie stark die Kapitalrendite eines Unternehmens schwankt. Überschreitet sie langfristig sechs Prozent im Jahr nicht, scheint dies bei entsprechender Kapitalrendite von neun Prozent ausreichend zu sein, um langfristig am US-Markt zu bestehen.
Vergleich mit Deutschland und anderen Ländern
„In dieser Studie haben wir uns auf die USA konzentriert“, sagte Mishael Milaković. „Mittlerweile haben wir auch erste Zahlen von Firmen aus Deutschland, Frankreich und Japan ausgewertet, die deutlich niedriger als in den USA ausfallen.“
Warum die Durchschnittswerte in diesen drei Ländern geringer sind, ist noch nicht erforscht. In Deutschland liegen Kapitalrendite und deren Schwankungsbreite bei langlebigen Konzernen wie VW, Siemens oder Bayer etwa ein Drittel unter denen in den USA, in Japan sogar unter der Hälfte der US-Werte. Somit können es sich langlebige deutsche oder japanische Konzerne scheinbar zwar erlauben, langfristig eine geringere Kapitalrendite zu erwirtschaften. Dafür dürfen sie sich in ihren Ausschlägen aber nur eine geringere Schwankungsbreite als US-Konzerne leisten.
Milaković’ Lehrstuhl untersucht momentan auch die historische Perspektive langlebiger Konzerne. „Nach unseren vorläufigen Auswertungen kann man unsere Ergebnisse auf sehr lange Zeiträume übertragen – sowohl in den USA als auch in Deutschland“, sagt der Lehrstuhlinhaber. „Die Kapitalrendite und deren Schwankungen bleiben für langlebige Firmen sogar in globalen Krisenzeiten sehr stabil. Das galt beispielsweise in der „Langen Depression“ der 1870-er Jahre oder in der globalen Finanzkrise von 2007 bis 2009.“
Einzig während der „Großen Depression“ der 1930-er habe es deutliche negative Abweichungen in der Kapitalrendite großer Konzerne gegeben, die ansonsten historisch überraschend stabil geblieben sei. Die Forschenden rechnen damit, dass sie die Ergebnisse der genannten Folgestudien voraussichtlich 2023 veröffentlichen.
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Zwischen Tradition und Innovation
Vorlesung: Generationenwechsel in Unternehmen
Eine Vorlesungsreihe der Universität Bamberg, der IHK Oberfranken Bayreuth und der HWK Oberfranken widmet sich dem Generationenwechsel in mittelständischen Unternehmen.
Unternehmen gehe es manchmal nicht anders als Eltern, deren Kinder heranwachsen und selbstständiger werden, sagt Martin Friesl, Professor für BWL an der Universität Bamberg. Wenn der oft ersehnte und notwendige Generationenwechsel in Unternehmen Fahrt aufgenommen habe, werde es zur Herausforderung, Tradition und Innovation auszubalancieren.
In seiner Forschung untersucht Professor Friesl die strategische Transformation von Organisationen, unter anderem auch in Familienunternehmen. Zu den Faktoren, die sich aus seiner Sicht als entscheidend für das Gelingen der Generationenwechsel herausgestellt haben, zählt zum einen das richtige Verhältnis von Altem und Neuem. „Familienunternehmen haben in der Regel einen leichten Vorteil, denn die nachkommende Generation stößt automatisch Veränderungen an.“
Zusätzlich brauche es ausreichende Ressourcen: „Veränderungen zu managen, gehört nicht zum Tagesgeschäft, sondern kommt zusätzlich hinzu“, sagt Friesl. Auch das richtige Timing sei wichtig, also Veränderungen aktiv anzustoßen und nicht erst dann, wenn eine Lage bereits ernst sei.
Wie Experimente und ein Generationenwechsel in mittelständischen Unternehmen gelingen können, beschrieb Friesl bei der ersten Vorlesung der Reihe „Wissenschaft & Praxis“. Sascha Dorsch von der Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH, Gisela Hansen von Meinel Bräu und Tobias Hummel von der Albert & Hummel GmbH lieferten Praxisbeispiele.
Beispiele für Unternehmenstransformation
Eine Transformation habe das Arzneimittelunternehmen Dr. Pfleger in den vergangenen Jahren durchlaufen. Dies berichtete Sascha Dorsch, Leiter der Unternehmenskommunikation. „Mit der neuen Geschäftsleitung wandelte sich das Unternehmen vom Arzneimittelhersteller zum Pharmakonzern.“
Gisela Hansen ist Braumeisterin und führt in der 13. Generation die Hofer Familienbrauerei Meinel. Sie zeigt, wie Transformation in einem Traditionshandwerk gelingen kann, ohne Bewährtes aufgeben zu müssen. So nimmt die Brauerei zum Beispiel neue Zielgruppen in den Blick und braut Biere, die vor allem Frauen ansprechen sollen.
Tobias Hummel ist Teil der Geschäftsleitung der Albert & Hummel GmbH, einem Bamberger Hersteller von Automatisierungstechnik. Konfliktpotenzial berge immer wieder, sagt er, und das werde mit großer Wahrscheinlichkeit auch immer wieder passieren, dass beim Generationenwechsel die Generationen in alte Rollenmuster von Eltern und Kindern zurückfallen.
Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Einmal pro Semester bringt eine Gemeinschaftsinitiative der Universität Bamberg, der IHK für Oberfranken Bayreuth und der Handwerkskammer für Oberfranken Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Ziel der Vorlesungsreihe ist es, den Austausch untereinander zu fördern und den Transfer von Wissen zwischen den beiden Seiten anzuregen.
Zu der Veranstaltung am 20. Juli in der Universität Bamberg begrüßten Universitätspräsident Prof. Dr. Kai Fischbach, Dr. Andreas Schönberger für das IHK-Gremium Bamberg und HWK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Bauer mehr als 50 Gäste. Das gab eine gemeinsame Mitteilung der drei Institutionen bekannt.
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Antrittsvorlesungen
Grenzen und politische Kommunikation
Isabel Kusche thematisiert bei ihrer Antrittsvorlesung heute Abend ab 19 Uhr politische Kommunikation im Netz. Daniel Drewski vergleicht im Anschluss die Aufnahme von Geflüchteten in sechs Ländern.
Prof. Dr. Isabel Kusche, Inhaberin der Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt digitale Medien, beschäftigt sich in ihrer Antrittsvorlesung mit politischer Kommunikation und politischen Effekten von Internet und sozialen Medien. Das gab die Universität Bamberg Ende Juni bekannt.
Mit der Verbreitung von Internet und sozialen Medien habe sich das Ausmaß, in dem politische Kommunikation öffentlich beobachtbar ist, verändert. Oft sei in diesem Zusammenhang die Rede von „Microtargeting“, aber auch von „Filterblasen“ und „Echokammern“. Mit anderen Worten gebe es Befürchtungen, dass manche Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien von der Öffentlichkeit isoliert werden oder sich selbst isolieren und dadurch nur noch ähnlichen politischen Meinungen wie den eigenen begegnen – was negative Folgen für die Demokratie haben könnte.
„Die empirische Forschung zeigt allerdings, dass Filterblasen oder Echokammern äußerst selten sind und Microtargeting nicht besonders präzise ist“, sagte Kusche. „Ich frage in meiner Vorlesung also, wie sich die politische Kommunikation professioneller politischer Akteure verändert.“
Die Antrittsvorlesung mit dem Titel „Das Beobachten von Beobachtungen – Zum digitalen Strukturwandel politischer Öffentlichkeit“ findet am Mittwoch, 6. Juli, um 19 Uhr in der Feldkirchenstraße 21 statt.
Grenzen und Grenzziehungen
Im Anschluss wird Prof. Dr. Daniel Drewski seine Antrittsvorlesung zu „Grenzen und Grenzziehungen – Öffentliche Debatten zur Aufnahme von Geflüchteten im Ländervergleich“ halten. Der Juniorprofessor für Soziologie Europas und der Globalisierung beschäftigt sich in seiner Forschung mit dem Phänomen der „Grenze“. Dabei handelt es sich um eine soziale Institution, die Staaten und Gesellschaften voneinander trennt.
„In meiner Antrittsvorlesung möchte ich vor allem aus einem Projekt berichten, das ich derzeit zusammen mit Jürgen Gerhards von der FU Berlin durchführe“, sagt Drewski. „Darin geht es um die Frage, wie man die unterschiedliche Bereitschaft von Ländern erklären kann, ihre Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, um ihnen Schutz zu bieten.“
Um das herauszufinden, analysieren die beiden Wissenschaftler politische Debatten über die Aufnahme von Flüchtlingen in sechs Ländern: Chile, Deutschland, Polen, Singapur, Türkei und Uganda. Sie wollen zeigen, wie insbesondere nationale Identitätskonstruktionen und die Deutung „der Anderen” die Aufnahmebereitschaft prägt.
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„Jenseits von Geschlecht“
Poetikprofessur mit Yoko Tawada
Eine poetische Ethnologin – so könnte man die Japanerin Yoko Tawada bezeichnen. In ihren Werken verwebt sie Traditionelles mit Modernem und Europäisches mit Asiatischem. In diesem Jahr hat die Schriftstellerin die 35. Poetikprofessur der Universität Bamberg inne.
Seit 1986 kommen auf Einladung des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literaturwissenschaft alljährlich namhafte Autorinnen und Autoren an die Otto-Friedrich-Universität, um dort vier öffentliche Vorlesungen zu halten und in Seminaren mit Studierenden zu diskutieren. 2022 hat Yoko Tawada die Poetikprofessur inne.
Die Vorträge von Yoko Tawada werden unter dem Titel „Jenseits von Geschlecht“ stehen. Ihre Texte sind in allen Gattungen beheimatet – ob Lyrik, Kurzprosa, Roman oder Essay. Den Auftakt machten Vorträge am 22. und 29. Juni, jeweils um 20 Uhr finden am 6. und am 14. Juli weitere Vorträge statt, beide An der Universität 2, im Hörsaal U2/025.
An den letzten Vortrag Tawadas schließt ein wissenschaftliches Symposium an, das im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia stattfinden wird. Das aus Japan, USA, Frankreich, Polen, Italien, Österreich und Deutschland international besetzte Kolloquium wird das Werk von Yoko Tawada diskutieren.
Am Abend des 15. Juli spielt das Wildwuchstheater Bamberg Yoko Tawadas Theaterstück „Mammalia in Babel“ im Palais Schrottenberg (20 Uhr). Die Autorin wird anwesend sein und mit Studierenden, dem Regisseur und dem Publikum ins Gespräch kommen.
Yoko Tawada wurde als Tochter eines Buchhändlers in Tokio geboren und lebt in Berlin. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter die Goethe-Medaille, den Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung und den Kleist-Preis. 1993 erhielt sie mit dem Akutagawa-Sho, den renommiertesten japanischen Literaturpreis, wenig später den Adelbert von Chamisso-Preis.