Universität Bamberg
Verkürzung der Arbeitszeit: Was hält die Bevölkerung davon?
Soziologinnen der Universität Bamberg untersuchen die Einstellungen der Bevölkerung zu Gewerkschaftsforderungen nach Verkürzung der Arbeitszeit. Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Befragten sind dafür.
Das Thema der Verkürzung der Arbeitszeit ist in Deutschland in den vergangenen Jahren ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt, so die Universität Bamberg in einer Mitteilung. Insbesondere Gewerkschaftsforderungen hätten Reformdruck ausgelöst. Aktuell streiken etwa Lokführer:innen und Zugbegleiter:innen der Deutschen Bahn neben höheren Löhnen auch für eine Reduktion ihrer regelmäßigen Wochenarbeitszeit. Doch wie steht die deutsche Bevölkerung zu solchen Forderungen?
Aufschluss darüber könne ein sogenanntes Impulspapier dreier Bamberger Soziologinnen geben, das jetzt beim Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) erschienen ist. Darin untersuchten die Einstellung der Bevölkerung zu Gewerkschaftsforderungen nach einer Verkürzung der Arbeitszeit anhand einer Tarifforderung der IG Metall. Diese beinhaltete unter anderem einen individuellen tariflichen Anspruch auf eine befristete Arbeitszeitverkürzung sowie einen teilweisen Lohnausgleich durch die Arbeitgebenden.
Junge Menschen unterstützen Gewerkschaftsforderung mehr als ältere
Die aktuellen Analysen basieren auf Daten des German Internet Panels (GIP) vom Juli 2018, die repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung in Privathaushalten sind. 2.426 Personen wurden befragt.
Das zentrale Ergebnis der Datenanalyse: Insgesamt besteht in der Bevölkerung eine hohe Zustimmung zu der Gewerkschaftsforderung nach Arbeitszeitverkürzung mit partiellem Lohnausgleich. 61 Prozent der Befragten drücken ihre Unterstützung aus.
„Besonders junge Menschen befürworten die Forderung der IG Metall“, sagt Prof. Dr. Katja Möhring, Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Bamberg. „Je höher das Alter der Befragten, desto mehr sinkt die Zustimmung. Das deutet auf eine zunehmende Bedeutung von individuellen Entscheidungsmöglichkeiten bei der Arbeitszeit hin.“ Personen, die die Forderung unterstützen, zeigen sich zudem durchschnittlich unzufriedener mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Es bestehen laut den Wissenschaftlerinnen jedoch keine wesentlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Personen mit und ohne Kinder.
Drüber hinaus weisen die Ergebnisse darauf hin, dass traditionelle Konfliktlinien bestehen. „Je höher die berufliche Stellung und je höher das Einkommen“, sagt Maximiliane Reifenscheid, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologie, „desto geringer fällt die Unterstützung für die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung aus.“ Bei Personen ohne Führungsverantwortung liegt die Unterstützung höher als bei jenen in Managementpositionen und unter Gewerkschaftsmitgliedern finden sich mehr Unterstützer:innen als unter Selbstständigen.
Partei-Neigung spielt eine Rolle
Die Unterstützung der Forderung nach einem Recht auf Verkürzung der Arbeitszeit mit partiellem Lohnausgleich unterscheidet sich auch nach Partei-Neigung. So findet die Forderung von 2018 bei Anhänger:innen der Grünen die größte Zustimmung und erzielt auch bei den Anhängerschaften der SPD und der Linken höhere Unterstützungswerte. Die geringste Unterstützung drücken Anhänger:innen der FDP sowie jene der CDU aus.
In Bezug auf die aktuellen Auseinandersetzungen bei der Deutschen Bahn sind vor allem drei Ergebnisse hervorzuheben. Die Unterstützung für die gewerkschaftliche Forderung der IG Metall war 2018 besonders hoch bei Jüngeren, bei Gewerkschaftsmitgliedern sowie bei Personen, die mit den Vereinbarkeitsmöglichkeiten von Beruf und Privatleben unzufrieden sind. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Gewerkschaft durch die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung auch im aktuellen Fall einerseits die Bindung zu bestehenden Mitgliedern stärken, andererseits aber auch für neue Mitglieder unter jüngeren Beschäftigten attraktiver werden kann“, schlussfolgert Katja Möhring.
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Forschungsverbund zum Familienleben in Bayern startet
Zum Januar 2024 startete der neue Bayerische Forschungsverbund „Familienleben in Bayern“. Dieser soll gesellschaftlichen Wandel und seine Wechselwirkungen mit Familien untersuchen.
Auf vier Jahre ist der Forschungsverbund „Familienleben in Bayern – Empirische Einsichten zu Transformationen, Ressourcen und Aushandlungen (ForFamily)” angelegt und hat ein Fördervolumen von 3,6 Millionen Euro. Dieses stammt vom bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Co-Sprecherinnen des Verbunds sind Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky, Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologie und Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), und Dr. Rita Braches-Chyrek, Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialpädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. „Im Forschungsverbund werden die familialen Bearbeitungsprozesse in der Ausgestaltung von sozialen Beziehungen sowie der Nutzung von Ressourcen durch Familien in den Blick genommen“, sagt Rita Braches-Chyrek. So soll zum Beispiel untersucht werden, wie persönliche und soziale Erfahrungen und Fähigkeiten den Familienmitgliedern helfen, auf strukturelle Anforderungen wie steigende soziale Ungerechtigkeit oder die Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf zu bewältigen.
„Das Leben von Familien ist in den vergangenen Jahren komplexer, vielfältiger und individuell gestaltbarer geworden“, sagt Paula-Irene Villa Braslavsky. Zugleich seien familiale Strukturen sehr stabil und entfalteten einen Eigensinn, der wiederum in die Gesellschaft zurückwirkt. Der Verbund „ForFamily“ soll empirisch diesen Wandel erforschen und Anregungen für politisches Handeln entwickeln.
Dafür wollen vier Universitäten (Bamberg, Erlangen-Nürnberg, LMU und TU München) und zwei Hochschulen für angewandte Wissenschaften (München und Landshut) sowie zwei außeruniversitären Forschungsinstitutionen (Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg und Deutsches Jugendinstitut) in Bayern gezielt Aspekte des heutigen und vergangenen Familienlebens erforschen. Untersucht werden der gesellschaftliche Wandel und seine Wechselwirkungen mit Familien. Dabei fragen die Forschenden nach den strukturellen Rahmenbedingungen von Familien und den unterschiedlichen Ressourcen, auf die diese zurückgreifen können.
Zudem sollen Aushandlungsprozesse innerhalb von Familien analysiert werden. Dabei legt die Forschung besonderer Wert auf die multi- und interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Familien sind vieldimensional, zu ihrer Erforschung brauchen wir deshalb möglichst viele verschiedene Methoden und disziplinäre Blicke“, sagt Paula-Irene Villa Braslavsky.
Zwei neue Projekte zum Familienleben an der Universität Bamberg
Zwei der insgesamt zehn Teilprojekte im Forschungsverbund sind an der Universität Bamberg angesiedelt. Sie erforschen unter anderem, wie Kinder in familialen Prozessen mitwirken oder vor welchen Herausforderungen Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen bei der Arbeit mit geflüchteten Familien stehen und wie sich diese meistern lassen.
Rita Braches-Chyrek leitet das Projekt „Prozesse familialer Komplizenschaft und (un-)sichtbarer Ungleichheiten. Kindheit und Familienleben (KidsComplicity)“. Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie, in welcher Weise Kinder am Zustandekommen von Familienstrukturen beteiligt sind. Dabei geht es unter anderem darum, wie Kinder die typischen Abläufe im Familienalltag mitgestalten, beispielsweise wenn es darum geht, Veränderungen wie die Scheidung der Eltern oder Belastungen wie Armut, Migration oder Krankheit zu bewältigen.
Prof. Dr. Henriette Engelhardt-Wölfler von der Professur für Demografie und Doris Lüken-Klaßen vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg leiten das Projekt „Ankommen. Familienbildung und Beratung für geflüchtete Familien“. Mittels einer Längsschnittstudie analysieren sie, wie Einrichtungen der Sozialen Arbeit auf die Zuwanderung Geflüchteter reagieren, vor welchen Herausforderungen Fachkräfte stehen, und wie ein friedliches Miteinander und die Integration geflüchteter Eltern und Kinder nachhaltig gefördert werden können.
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Universität Bamberg
Studie: Selbstmitgefühl als Schlüssel zur erfüllten Partnerschaft?
Eine Studie der Universität Bamberg hat die Rolle von Selbstmitgefühl in Beziehungen untersucht. Ergebnis: Selbstmitgefühl kann nicht nur die eigene Beziehungszufriedenheit, sondern auch die der Partnerin oder des Partners positiv beeinflussen.
Selbstmitgefühl kann einen positiven Effekt auf die Qualität einer Beziehung haben. Das ist das zentrale Ergebnis einer psychologischen Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). „Selbstmitgefühl bedeutet, dass Personen sich selbst gegenüber eine fürsorgliche, freundliche und achtsame Einstellung haben – insbesondere in Hinblick auf eigene Unzulänglichkeiten“, erläutert Dr. Robert Körner, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik der Universität Bamberg. „Zwei Menschen profitieren davon, wenn sie in der Lage sind, sich selbst gegenüber bei Unzulänglichkeiten, Leid und Schmerz in der Beziehung mitfühlend zu reagieren. Auf diese Weise kann nicht nur das eigene Liebesleben aufblühen, sondern auch das des Partners oder der Partnerin.“ Besonders Männer in heterosexuellen Beziehungen wiesen in der Untersuchung eine hohe Beziehungszufriedenheit auf, wenn ihre Partnerin innerhalb der Paarbeziehung selbstmitfühlend ist.
Das Paar im Fokus
Bisher war laut Universität Bamberg bereits bekannt, dass die Ausprägung des Selbstmitgefühls Effekte auf das persönliche Wohlbefinden haben kann. Zudem kann es beeinflussen, wie Menschen ihre romantischen Beziehungen erleben, wie zufrieden sie in ihrer Beziehung sind und wie sie mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner interagieren. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie sie Konflikte lösen oder mit Eifersucht umgehen.
In der aktuellen Studie sind die Forschenden einen Schritt weitergegangen, um einen tieferen Einblick in das Potential von Selbstmitgefühl in Paarbeziehungen zu gewinnen. „Bisher wurden hauptsächlich Studien durchgeführt, die sich auf eine Person in der Beziehung beziehen. Wir haben beide Personen in der romantischen Beziehung befragt“, sagt Dr. Nancy Tandler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der MLU.
Die Forschenden verwendeten dabei ein differenziertes Messverfahren für die Beziehungszufriedenheit, um verschiedene Aspekte romantischer Beziehungen berücksichtigen zu können. Die Fragen an die Testpersonen drehten sich demnach etwa darum, wie zufrieden diese mit der Sexualität in der Beziehung sind oder welches langfristige Potential sie der Beziehung beimessen.
Zudem betrachteten die Forschenden den Zusammenhang auf einer beziehungsspezifischen Ebene. Dafür untersuchten sie nicht nur das individuelle Selbstmitgefühl, sondern auch das Selbstmitgefühl innerhalb der Beziehung. „Dieser Ansatz trägt der Tatsache Rechnung, dass sich Menschen in verschiedenen Lebensbereichen unterschiedlich verhalten“, sagt Prof. Dr. Astrid Schütz, Inhaberin des Lehrstuhls für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik der Universität Bamberg. Zum Beispiel könne es einen Unterschied geben, wie selbstmitfühlend eine Person nach einem Konflikt in einer Liebesbeziehung ist und wie selbstfürsorglich die Person nach einem Konflikt bei der Arbeit ist. Für die Studie befragten die Forschenden zwischen Januar und Dezember 2022 insgesamt 209 deutschsprachige heterosexuelle Paare in Form von Online-Fragebögen.
Ergebnisse für Paartherapien nützlich
„Neben den inhaltlichen Ergebnissen ziehen wir den Schluss, dass es wichtig ist, die Wechselbeziehung zwischen den Beziehungspartnerinnen und ‑partnern zu berücksichtigen, um das volle Potential des Selbstmitgefühls als Ressource für glückliche Beziehungen zu verstehen“, sagt Nancy Tandler. Weitere Forschung solle vor allem auch gleichgeschlechtliche Beziehungen und Paare aus anderen Nationen berücksichtigen, da die Erwartungen an romantische Beziehungen sich je nach Kultur, Beziehungsmodell, Geschlecht- und Genderrollen unterscheiden können.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie können laut den Forschenden insbesondere für Paartherapien nützlich sein, da Selbstmitgefühl trainiert werden kann. Bei einem Misserfolg oder dem Erleben einer persönlichen Unzulänglichkeit könnte man sich beispielsweise fragen: Wie würde ich mich gegenüber einem Freund oder einer Freundin verhalten, wenn er oder sie sich in so einer Situation befinden würde? Anschließend wendet man diese Art der Fürsorge auf sich selbst an.
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Was ist los an der Universität Bamberg?
Symposium zu Religion in der Demokratie und Semesterabschlusskonzert
In der kommenden Woche bietet die Universität Bamberg zwei Veranstaltungen an. Ein Symposium geht dem demokratischen Potential von Religion nach und das Universitätsorchester spielt sein Semesterabschlusskonzert.
In vielen Regionen und Ländern herrschen antidemokratische, autokratische, populistische Strömungen oder Regierungen. In seinem Buch „Demokratie braucht Religion“ greift der Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa solche Krisensituationen auf. Zwei Fragen beschäftigen ihn darin: Warum scheinen westliche Demokratien derzeit so erschöpft zu sein und wenig Strahlkraft zu besitzen? Und: Welches Potential hat Religion in dieser Krisensituation? Rosa übersieht dabei keineswegs die Konfliktpotentiale religiöser Weltanschauungen. Zugleich versucht er aber auch, die Potenziale der Religion für die Zukunft der Demokratien auszuloten.
Vom 25. bis 26. Januar veranstaltet die Universität Bamberg zum Thema ein öffentliches Symposium (Hörsaal U2/00.25, An der Universität 2). Dort haben die Besucher:innen die Gelegenheit, unterschiedliche Fachperspektiven von Bamberger Forschenden auf die Materie kennenzulernen und mit ihnen darüber zu diskutieren. Hartmut Rosa selbst hält am 26. Januar einen Abendvortrag.
Einen Tag nach dem Symposium (27. Januar, 19 Uhr) spielen der Universitätschor und das Universitätsorchester ihr Semesterabschlusskonzert. Im Joseph-Keilberth-Saal der Konzerthalle stehen unter dem Motto „Seelenleben“ Stücke von Francis Poulenc, Sergei Rachmaninow und Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm. So werden „Stabat Mater FP 148“ von Poulenc, „Vocalise op. 34“ von Rachmaninow und Schostakowitschs erste Symphonie gespielt. Anna Nesyba übernimmt die sopranistischen Teile, die Leitung hat Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts inne.
Finale gegen Universität Erlangen-Nürnberg
Universität Bamberg: Basketball-Damenmannschaft gewinnt bayerische Hochschulmeisterschaft
Mit 47:34 hat die Basketball-Damenmannschaft der Universität Bamberg letzte Woche die bayerische Hochschulmeisterschaft gewonnen. Im Finale setzte sich das Team gegen die Auswahl der Universität Erlangen-Nürnberg durch.
Die Basketball-Damenmannschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg konnte letzten Mittwoch (6. Dezember) einen Riesenerfolg bei den bayerischen Hochschulmeisterschaften in Passau einfahren. Erstmals ging der Titel des bayerischen Meisters an das Team der Universität Bamberg.
Im ersten Turnier-Spiel schlugen die Bambergerinnen das Team aus Passau deutlich mit 61:15. Im zweiten Spiel wurde es schwieriger. Letztlich gewann Bamberg aber auch die Spielerinnen der Würzburger Universität deutlich (50:38). Im Halbfinale ging es gegen die Regensburgerinnen, ein Spiel, das Bamberg mit 60:33 gewann.
Im Finale trat die Basketball-Damenmannschaft der Universität Bamberg dann gegen das unter anderem mit zwei Nationalspielerinnen stark besetzte Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an. Nach einem zwischenzeitlichen 0:11-Rückstand konnte das Bamberger Team das Spiel aber drehen und letztlich mit 47:34 für sich entscheiden. Damit hat sich die Mannschaft von Coach Stefan Voll, Leiter des Universitätssportzentrums, zusätzlich für die Deutschen Hochschulmeisterschaften im kommenden Jahr qualifiziert. „Es war ein Sieg des Willens und der Einstellung“, sagte Voll nach dem Spiel.
Die Bayerischen Hochschulmeisterschaften im Damen-Basketball gibt es bereits seit 1978. Insgesamt nahmen 2023 aufgrund der Wetterverhältnisse nur sechs Mannschaften an den Meisterschaften teil, acht waren ursprünglich angemeldet. Bisher hatte noch nie ein Team der Universität Bamberg gewonnen und diese Spielerinnen können sich nun bayerische Hochschulmeisterinnen nennen: Jana Barth, Paulina Eichelsdörfer, Patricia Günther, Marie Kapp, Hannah Kunzendorf, Lucy Michel, Lucie Mikulova, Anna-Louise Riedel, Amelie Rösch und Stephanie Sachnovski.
Abwechslungsreiches Programm
Veranstaltungen Universität Bamberg: Krippenausstellung, Lesungen, Weihnachtskonzert
In den nächsten Tagen bietet die Universität Bamberg ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm. So finden über die Woche eine Krippenfiguren-Ausstellung statt, eine Podiumsdiskussion zu digitaler Bildung, eine Roman-Lesung mit Charlotte Gneuß, die Abschiedsvorlesung von Sabine Weinert, das Theologische Forum, ein Filmforum mit Dominik Graf und das Weihnachtskonzert des Universitätsorchester.
Um 1800 entstand in der französischen Provence der Brauch, aus Brotteig Hauskrippen zu gestalten. Da diese Santons – zu Deutsch kleine Heilige – nicht lange haltbar waren, ging man bald dazu über, sie aus Ton zu formen. So entstand letztlich ein Kunstgewerbe und mit dem Santonnier sogar ein Ausbildungsberuf. Der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie der Universität Bamberg zeigt seit gestern (4. Dezember) eine Ausstellung mit Provençalischen Krippenfiguren (An der Universität 5) aus der Sammlung der 2023 verstorbenen Volkskundlerin Bärbel Kerkhoff-Hader. Bevölkert sind diese südfranzösischen Krippen jedoch nicht nur von der heiligen Familie, Ochsen und Esel, den Hirten und den Weisen aus dem Morgenland. Hier pilgern auch Jäger, Metzger, Lavendel- und Fischverkäuferinnen, Briefträger, Wäscherinnen und viele mehr zum Stall von Bethlehem.
Digitale Bildung, Charlotte Gneuß, Sabine Weinert
In Ihren Räumlichkeiten in der Markusstraße veranstaltet die Universität Bamberg heute Abend (5. Dezember, 17 Uhr) eine Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Bildung. Der Alltag an Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen hat sich durch den Einsatz von modernen Technologien nachhaltig verändert. Digitale Tools sind mittlerweile aus dem Unterricht ebenso wenig wegzudenken wie aus der Hochschullehre, der beruflichen oder der wissenschaftlichen Bildung. Diese Entwicklung bietet laut der Universität Chancen für Lehrende und Lernende. In einer Podiumsdiskussion stellt sich die Hochschule entsprechend die Frage: Wie kann uns dieses Mehr an Technik helfen, Lehre und Unterricht tatsächlich besser zu gestalten?
Ebenfalls heute Abend (5. Dezember, 19 Uhr, An der Universität 5) liest Charlotte Gneuß aus ihrem Debütroman „Gittersee“. Die 1992 geborene Autorin publiziert unter anderem in Literaturmagazinen und für ZEIT Online. „Gittersee“ wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2023 nominiert, mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung und dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Der Roman erzählt von der DDR der 1970er Jahre aus der Perspektive von Karin. Die 16-jährige ist mit familiären Aufgaben überhäuft und zum ersten Mal verliebt. Als ihr Freund Paul plötzlich in den Westen flieht, gerät sie unter den Druck der Staatssicherheit. Das Werk beschreibt die DDR zum ersten Mal aus der Perspektive einer jungen, nachgeborenen Autorin.
Am 6. Dezember (18:15 Uhr, Markusplatz 3) hält Sabine Weinert ihre Abschiedsvorlesung. Sabine Weinert, Inhaberin des Lehrstuhls für Psychologie I wird darin zum Thema „Früh übt sich – Befunde und Perspektiven aus 21 Jahren entwicklungspsychologischer Forschung zu frühkindlicher Entwicklung und Bildung in Bamberg“ sprechen.
Antisemitismus, Dominik Graf, Weihnachtskonzert
Am 7. Dezember (18:15 Uhr, An der Universität 2) lädt dir Universität zum Theologischen Forum. Das beschäftigt sich dieses Semester mit Antisemitismus in Deutschland. Der Vortrag trägt den Titel „Antijudaistische Texte im Neuen Testament und deren Rezeption in der Kunstgeschichte am Beispiel des Bamberger Doms“. Es referieren Bernhard Heininger von Universität Würzburg und Birgit Kastner vom Erzbistum Bamberg.
Im Rahmen der Fachtagung „Vielfalt im Gegensatz“ kommt am 8. Dezember (18 Uhr, An der Universität 2) der Filmregisseur Dominik Graf nach Bamberg. Graf ist auch als Filmpublizist bekannt, der mit Essayfilmen und Büchern den deutschen Fernseh- und Kino-Diskurs bereichert. Aktuell entsteht sein Buch „Sein oder Spielen“, das einen Einblick in das Regiehandwerk und die Schauspielerführung bietet. Vor der Veröffentlichung wird Graf einige Kapitel des Buches vorlesen. Für den 9. Dezember (17 Uhr) ist außerdem ein Podium mit Dominik Graf samt Filmvorführung im Kino Lichtspiel geplant.
Am selben Tag spielt das Universitätsorchester sein traditionelles Weihnachtskonzert (9. Dezember, 15 und 18 Uhr, Dominikanerstraße 2a). Musikalisch mal fröhlich und schwungvoll, dann wieder still und besinnlich, mit beliebten Klassikern, aber auch unbekannteren Melodien – sollte für alle etwas dabei sein.
Hitzeschutzplan
Universität Bamberg: Forschungsprojekt „HEATCOM“ zu Hitzekommunikation
Die Universitäten Erfurt und Bamberg haben ein Forschungsprojekt zu menschlichem Verhalten bei Hitze begonnen. Unter dem Namen „HEATCOM“ geht es auch um eine wirksame Hitzekommunikation.
Der Klimawandel hat weitreichende Folgen für die menschliche Gesundheit. Eine der offensichtlichsten Auswirkungen ist die Zunahme der Temperatur und von extremen Hitzeereignissen. Hohe Temperaturen können erhebliche Risiken für den menschlichen Körper haben, insbesondere für bestimmte Teile der Bevölkerung. Dazu gehören ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, Menschen mit Übergewicht oder Unterernährung, Personen, die körperlich schwer oder im Freien arbeiten, die intensiv Sport treiben, Obdachlose, Menschen mit akuten Erkrankungen und Menschen, die regelmäßig Alkohol oder Drogen konsumieren. Ihre physiologischen Besonderheiten oder ihr Verhalten machen sie anfälliger für Hitzestress und hitzebedingte Erkrankungen.
Vor diesem Hintergrund hatte das Institute for Planetary Health Behaviour (IPB) der Universität Erfurt im Mai 2023 eine Umfrge zum Thema Hitze gestartet. Wie der Kooperationspartner der Universität Bamberg nun mitteilte, werden die beiden Hochschulen in den kommenden drei Jahren vom Gesundheitsministerium eine Fördersumme von 911.000 Euro für das Forschungsprojekt „HEATCOM“ erhalten.
Denn Personen mit Risikofaktoren, die ihr Hitzerisiko nicht kennen, seien eine wichtige und große Zielgruppe für Aufklärung. Die Umfrage zeigte: Trotz der zahlreichen Medienangebote zum Thema ist das Hitzeschutzwissen innerhalb der Bevölkerung oftmals nicht ausreichend. Insgesamt hatten rund 60 Prozent der Befragten angegeben, von den medial oder in ihrem Umfeld verfügbaren Information zum Thema nicht erreicht worden zu sein.
Ziele von „HEATCOM“
„Mit „HEATCOM“ wollen wir nun hier ansetzen und untersuchen, wie sich BürgerInnen in Hitzesituationen verhalten“, sagt Projektleiterin Mirjam Jenny vom IPB. „Wir untersuchen, welche Faktoren ihr Schutzverhalten beeinflussen und welche Interventionen zu einer gesundheitsförderlichen Anpassung beitragen könnten.“ Auf Seiten der Universität Bamberg betreut Philipp Sprengholz, Juniorprofessor für Gesundheitspsychologie, das Projekt.
Mithilfe eines mobilen Befragungsansatzes möchten er und sein Team die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen vor, in und nach Hitzeereignissen genau erfassen. Außerdem soll ergründet werden, durch welche Maßnahmen Hitzebelastungen reduziert werden können. Ziel ist es, die Erkenntnisse Behörden und dem Gesundheitswesen zur Verfügung zu stellen. So sollen die Organisationen Kommunikationskampagnen und Interventionsprogramme – wie zum Beispiel ein deutscher Hitzeschutzplan – konzipieren können. Mirjam Jenny sagt: „Damit wollen wir dazu beitragen, die Maßnahmen zum Hitzeschutzverhalten und zur Hitzeschutzkommunikation für die Bevölkerung und insbesondere für Risikogruppen zu verbessern.“
BWL, VWL, WI
Universität Bamberg: Topbewertungen im CHE-Hochschulranking
Im diesjährigen CHE-Hochschulranking haben drei Studiengänge der Universität Bamberg erneut sehr gut abgeschnitten. Studierende bewerteten die Betriebswirtschaftslehre, die Volkswirtschaftslehre und die Wirtschaftsinformatik der Hochschule als sehr gut.
Das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) ist, so die Universität Bamberg in einer Mitteilung, das detaillierteste und umfassendste Ranking deutscher Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Im neuen CHE-Vergleich der Masterangebote werden je nach Fach bis zu 15 verschiedene Kriterien – Studierendenurteile und Fakten – ausgewiesen. Die Bewertung wird auf einer 5‑Sterne-Skala dargestellt.
Das CHE-Ranking beurteilt dabei jedes Jahr ein Drittel der untersuchten Fächer neu. Im Gegensatz zu anderen Rankings vergibt das CHE-Ranking keine einzelnen Rangplätze, sondern unterscheidet bei der Auswertung der Ergebnisse zwischen einer Spitzen‑, einer Mittel- und einer Schlussgruppe. Mehr als 10.000 Master-Studiengänge stehen in Deutschland zur Wahl.
Die nun veröffentlichten Ergebnisse der CHE-Befragung von Masterstudierenden zeigen, dass die Bamberger Volkswirtschaftslehre (VWL) und die Wirtschaftsinformatik (WI) in allen Kategorien an der Spitze liegen. Der Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre (BWL) hat vor allem beim Forschungs- und Praxisbezug gepunktet. „Die exzellenten Ergebnisse zeigen, dass wir unseren Studierenden in Bamberg sehr gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium bieten“, sagt Stefan Hörmann, Vizepräsident für Lehre und Studierende der Universität Bamberg.
Spitzenuniversität in Deutschland
Zum wiederholten Mal erreichte die Bamberger Wirtschaftsinformatik in allen zehn Kategorien den Spitzenbereich. Die Studierenden bewerteten vor allem das Lehrangebot, die Betreuung durch Lehrende und die Studienorganisation hervorragend und vergaben sehr gute Noten unter anderem für Praxis- und Forschungsorientierung sowie die Unterstützung für Auslandsaufenthalte. „Damit sind wir erneut die Spitzenuniversität in Deutschland für Wirtschaftsinformatik und die Digitalisierung in Unternehmen“, sagt Thorsten Staake, der das CHE-Ranking für die Bamberger Wirtschaftsinformatik betreut.
Nach dem hervorragenden Abschneiden des volkswirtschaftlichen Bachelorstudiengangs European Economic Studies (EES) beim jüngsten CHE-Ranking hat nun auch das Institut für VWL erneut Grund zur Freude. In neun von zehn Kategorien der Studierendenbefragung liegt auch der Masterstudiengang EES meist deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt und findet sich in allen zehn Kategorien im Spitzenbereich wieder.
Die BWL-Studierenden der Universität Bamberg bewerteten vor allem das breite Lehrangebot in der Befragung überaus positiv. Mehr als 90 Prozent fanden etwa die Möglichkeiten der individuellen Schwerpunktsetzung innerhalb des Studiums sehr gut oder gut. „Es freut uns besonders, dass es uns aus Sicht der Studierenden gelungen ist, sowohl den Forschungsbezug als auch den Praxisbezug überzeugend in die Lehre zu integrieren“, hebt Thomas Egner, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre eines der Ergebnisse heraus.
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Jährliche Rangliste
Universität Bamberg: Gute Ergebnisse im Shanghai Ranking
Die Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie der Universität Bamberger haben im Shanghai Ranking Platzierungen auf den Bestenlisten erreicht. Insbesondere die Soziologie schneidet im internationalen Vergleich gut ab.
Seit 2009 veröffentlicht das sogenannte Shanghai Ranking Bewertungen von weltweiten Hochschulen nach ihren Fächern. 2023 wurden 55 Fächer unter anderem aus den Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Sozialwissenschaften und der Medizin bewertet. Mehr als 1.900 Universitäten aus 104 Ländern und Regionen sind aufgeführt. Für das Ranking werden eine Reihe objektiver Indikatoren herangezogen wie etwa Forschungsleistung, internationale Zusammenarbeit, Forschungsqualität und internationale akademische Auszeichnungen.
Auch die Universität Bamberg ist im diesjährigen Shanghai Ranking dabei, wie die Hochschule mitteilte. Namentlich den Fächern Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie bescheinigte die Rangliste ein sehr hohes Niveau. „Dass unsere Universität erstmals mit drei Fächern im Shanghai Ranking gelistet ist, freut uns sehr“, sagt Kai Fischbach, Präsident der Universität Bamberg. „Neben den hervorragenden Platzierungen auf nationaler Ebene sind auch die internationalen Rangplätze in Anbetracht der Größe unserer Universität beachtlich.“
Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie
Unter den drei Fächern sticht insbesondere die Soziologie hervor. Im Vergleich zu allen im Ranking aufgeführten Universitäten weltweit landet die Universität Bamberg mit dem Fach Soziologie auf Platz 84. Im deutschlandweiten Wettstreit erreicht sie Platz vier und im bayernweiten Vergleich Platz eins. „Wir freuen uns sehr, dass unsere starken Forschungsleistungen mit diesem hervorragenden Ranking-Ergebnis international hohe Anerkennung finden“, sagt Michael Gebel, Direktor des Instituts für Soziologie an der Universität.
Mit dem Fach Politikwissenschaft liegt die Universität im globalen Vergleich unter den besten 300 Universitäten. Im deutschlandweiten Vergleich der im Ranking aufgeführten Universitäten belegt sie Platz 14 und bayernweit Platz drei. „Als Bamberger PolitikwissenschaftlerInnen sind wir glücklich und stolz, im Shanghai-Ranking erneut sehr gut abzuschneiden“, sagt Monika Heupel, Direktorin des Instituts für Politikwissenschaft. Bereits im vergangenen Jahr konnte die Bamberger Politikwissenschaft gute Plätze im Shanghai Ranking erreichen.
Auch die Bamberger Psychologie kommt im aktuellen Shanghai-Ranking unter die weltweit 500 besten Universitäten. Im Vergleich zu anderen deutschen Universitäten landet sie auf Platz 56. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer Forschungsleistung einen guten Platz in diesem internationalen Ranking erhalten haben“, sagt Claus H. Carstensen, Direktor des Instituts für Psychologie. „Wir werden unsere Forschungsorientierung weiter ausbauen, sodass letztlich die Studierenden in der Lehre von unserem forschungsstarken Kollegium profitieren.“
Beste Universität der Welt
Weltweit als beste Universität im allgemeinen Vergleich schnitt im Ranking erneut die Harvard University ab. Auf den Plätzen zwei und drei folgen, ebenfalls aus den USA, die Stanford University und das Massachusetts Institute of Technology. Die bestplatzierte europäische Universität ist auf dem siebten Platz die englische University of Oxford, die beste des Kontinents die Université Paris-Saclay (Platz 15).
Die Universität Heidelberg erreichte mit dem 55. Platz die beste deutsche Platzierung, gefolgt von der Technischen Universität München (59). Die Bamberger Hochschule hat sich im allgemeinen Vergleich nicht platzieren können.
Universität Bamberg
Coronapandemie: Verzerrte Erinnerungen bei Geimpften und Ungeimpften
Ein Forschungsteam aus unter anderem Bamberg hat untersucht, wie Wahrnehmungen und Verhaltensweisen während der Coronapandemie künftige Einstellungen über die Pandemie prägen. Je nach Impfstatus besteht eine polarisierte Wahrnehmung der Vergangenheit.
Forschende der Universitäten Bamberg, Chicago, Erfurt, Hamburg und Wien haben versucht herauszufinden, wie der Impfstatus, also geimpft oder ungeimpft, die Wahrnehmung und Erinnerung an die Coronapandemie beeinflussen. Die StudienteilnehmerInnen wurden dafür im ersten Jahr der Pandemie, also 2020, befragt und dann nochmals 2023. „In der zweiten Befragung wurden sie auch gebeten, sich an ihre Wahrnehmungen und Verhaltensweisen im ersten Jahr der Pandemie zu erinnern. So konnten ihre Erinnerungen mit den tatsächlich gegebenen Antworten verglichen werden“, sagt Philipp Sprengholz, Mitautor der Studie von der Universität Bamberg.
Mittels mehrerer Studien mit mehr als 10.000 Befragten aus insgesamt zehn Ländern konnten die ForscherInnen ermitteln, wie die Erinnerungen an die eigenen Angaben aus der Vergangenheit der Coronapandemie von aktuellen Wahrnehmungen und Verhaltensweisen abhängig waren. Insbesondere interessierte die WissenschafterInnen, wie unterschiedliche Einstellungen die Verzerrung der Erinnerungen beeinflussen. Dafür betrachteten sie vor allem, ob die Befragten gegen Covid-19 geimpft oder ungeimpft waren. Das überraschende Ergebnis, so die Universität Bamberg in einer Mitteilung: Je nachdem, wie sehr sich Geimpfte beziehungsweise Ungeimpfte mit ihrem Impfstatus identifizieren, sind die Erinnerungen in unterschiedliche Richtungen verzerrt.
So überschätzten beispielsweise Geimpfte ihr damals wahrgenommenes Risiko einer Infektion und ihr Vertrauen in die Wissenschaft. Ungeimpfte unterschätzten im Rückblick hingegen tendenziell Risiko und Vertrauen. Da sich die Erinnerungen teilweise verbesserten, wenn die Befragten Geld für besonders akkurate Erinnerungen erhielten, schließen die WissenschafterInnen, dass die Erinnerungsverzerrungen zumindest teilweise motiviert sind und nicht allein durch bloßes Vergessen erklärt werden können.
Wunsch zur Zerschlagung des politischen Systems
Weiterhin zeigten die Studienergebnisse, dass bei einer stärkeren Unterschätzung der damaligen Risikowahrnehmungen, Schutzverhalten und Vertrauen in die Regierung und Wissenschaft, politische Maßnahmen rückblickend als weniger angemessen wahrgenommen wurden. Negativere Bewertungen der politischen Maßnahmen während der Pandemie sind der Studie zufolge auch mit einem stärkeren Wunsch verbunden, PolitikerInnen und WissenschafterInnen für ihr Handeln in der Pandemie zu bestrafen und die gesamte politische Ordnung zu zerschlagen. Wenig überraschend gaben diese Befragten auch an, dass sie nicht beabsichtigen, Bestimmungen in zukünftigen Pandemien zu folgen.
„Die Ergebnisse zeigen, dass es systematische Unterschiede darin gibt, wie sich Menschen an die Pandemie erinnern, obwohl sich ihre damaligen Einschätzungen oftmals gar nicht so stark voneinander unterschieden“, sagt Luca Henkel von der University of Chicago über die Ergebnisse. Die verzerrte Erinnerung führe zu einer polarisierten Wahrnehmung der Vergangenheit, die das Potenzial hat, die aktuelle und zukünftige gesellschaftliche Polarisierung aufrechtzuerhalten und die Vorbereitung auf kommende Krisen zu behindern. Cornelia Betsch von der Universität Erfurt und vom Bernhard-Nocht-Institut Hamburg ergänzt: „In Zukunft müssen wir über die kurzfristigen Effekte politischer Maßnahmen zur Eindämmung von Pandemien hinausblicken und auch langfristige Folgen für den sozialen Zusammenhalt berücksichtigen“.
Weitere Studien sollen nun untersuchen, wie sich die Verzerrung von Erinnerungen und die gesellschaftliche Polarisierung gegenseitig beeinflussen und wie diese Dynamik in verschiedenen Ländern variiert. Dabei sollen auch andere Krisen wie etwa die Klimakrise in den Blick genommen werden. „Außerdem wollen wir Wege zur Verringerung der Polarisierung erforschen“, sagt Robert Böhm von der Universität Wien. „Eventuell lässt sich die Identifikation von Geimpften und Ungeimpften mit ihrem Impfstatus reduzieren. Damit könnte sich die Motivation verringern, die Erinnerungen überhaupt zu verzerren und somit die Aufarbeitung der Pandemie verbessert werden.“